Tunisias Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (1/3)
Part 22
_Hannibal_, der Sohn des Hamilkar Barkas (geb. im J. 247 vor Chr. zu Karthago), nach seinem berühmten Zuge über die Alpen der Besieger der Römer an der Trebbia, am Trasimenus, vor Cannä &c., wurde bei Zama von dem ältern Scipio besiegt, und starb als Flüchtling in Bithynien (183 J. vor Chr.) in seinem 65. Jahre, nachdem er in seinem 26. den großen Kampf gegen die Römer begonnen hatte. (_Polyb. L. III. c. 17 et 64. _Livius_. L. 21._)
[14] Vers 97.
_Regulus_ (Marcus Attilius), um das Jahr 254 vor Chr. Consul von Rom, ward (_siehe die folgende Anmerkung_) in der Schlacht von Tunis gefangen, und von den Karthagern, wegen der Auslösung ihrer Gefangenen, mit noch andern Abgeordneten, nach Rom gesandt, wo er dem Senat, mit wahrer Römergröße, rieth: die Gefangenen nicht zu lösen. Er kehrte, seinem Eidschwur treu, als Gefangener nach Karthago wieder zurück, und soll dort, nach Einigen, grausam hingerichtet, nach Andern, eines natürlichen Todes gestorben seyn. (__Polyb. Lib. I._ -- _Liv_. 17 et 18. -- _Palmerius, in Appian._ pag. 151._)
[15] Vers 143.
_Xanthippos_ hieß der edle Spartaner, der Karthago einen glänzenden Sieg über Rom verschaffte. Nach der Niederlage von Eknomos, die jene im J. 254 v. Chr. zur See gegen die Consuln Cajus Sulpitius, und Attilius Regulus erlitt, ward sie von dem Letzteren, der in Afrika landete, und Tunis zu seinem Waffenplatze erkor, an den Rand des Verderbens gebracht. Da landete mit einem Schiffe griechischer Miethlinge auch Xanthippos, der von Gestalt unansehnliche, aber geist- und kraftbegabte Spartaner, von dem _C. Sil. Pun. L. 6_ singt:
Nulla viro species, decorisque et frontis egenum Corpus; in exiguis vigor, admirabile, membris Vividus, et nisu magnos qui vinceret artus.
Er machte den Senat auf die Fehler seiner Heerführer aufmerksam; übte das ihm anvertraute Heer nach griechischer Kriegskunde zuvor ein; besiegte die Römer in der Schlacht von Tunis, und nahm den Consul A. Regulus mit dem Ueberreste seines Heeres gefangen. -- Ihm war das stolze Bewußtseyn genug: eine ganze Nation dem Untergange entrissen zu haben: denn er kehrte gleich darauf wieder nach seinem Sparta zurück. (_Siehe Fr. Mich. Vierthalers_ vortreffliche _Philosophische Geschichte der Menschen und Völker_ V. B. S. 306.)
[16] Vers 212.
_Attila_, König der Hunnen, die aus Scythien kommend, sich in Pannonien niedergelassen hatten, gelangte im J. 434 zur Herrschaft. Nachdem er sich gerühmt: das Schwert Tyr's, des Kriegsgottes, aufgefunden zu haben, ermordete er seinen Bruder Bleda, und entboth ein ungeheuer zahlreiches Heer, um als _die Geißel Gottes_, wie er sich nannte, die Erde verheerend zu durchziehen. Er fiel um das J. 441 zuerst in Thrazien ein, drang bis nach Armenien vor, und verwüstete dann das morgenländische Kaiserthum, zwingend den Kaiser Theodosius, den er überwunden hatte, ihm einen Tribut zu zahlen. Auf seinem zweiten großen Verheerungszuge nach Frankreich wurde er bei _Chalons sur Marne_, durch die vereinte Macht der Römer unter Aetius, und der Westgothen unter Theodorich, auf das Haupt geschlagen; zog sich über den Rhein zurück, und wandte sich zu dem dritten, gegen Rom selbst, da er Honoria, die Schwester Valentinian III., zur Ehe verlangte, und diese ihm abgeschlagen worden war. Er verwüstete ganz Ober-Italien, bei welcher Gelegenheit die Flüchtlinge auf den Inseln der Lagune dem berühmten Venedig den Ursprung gaben. Von der Zerstörung Roms hielt ihn der Papst, Leo der Große, ab. Er kehrte nach Pannonien zurück, wo er im J. 453, in der Nacht nach seiner Vermählung mit der baktrianischen Prinzessin, Ildiko, in seinem Blute erstickt gefunden ward. (_Siehe Jornandes_; und __Bonfinii Hist. Decad._ I. L. 7._)
[17] Vers 245.
_Tyr_ nach der nordischen Götterlehre, der Sohn Odins, und der tapferste unter den Göttern, wie es bei den Griechen _Ares_ war, den die Römer Mars benannten.
[18] Vers 321.
_Kabesch_. Kabes, eine Stadt im Königreiche Tunis von 25,000 Einwohnern. Sie liegt in dem Golf gleiches Nahmens, sonst auch die Kleine-Syrte genannt.
Dritter Gesang.
[19] Vers 26.
_Ludwig_, Infant, Bruder des Königs Emanuel von Portugal, und der Isabella, Gemahlinn des Kaisers Carl V.
[20] Vers 35.
_Ruyter_. Hier ist keineswegs der berühmte holländische Seeheld, Michael Hadrian Ruyter (geb. zu Vließingen im J. 1607, gest. 1676) gemeint, der sich vom gemeinen Matrosen bis zum Range eines Admirals aufschwang; die englische Seemacht zu verschiedenen Malen schlug; von seinem Vaterlande nach Verdienst geehret ward, und endlich bei der Unterstützung der Spanier in Sicilien, dem Aetna gegenüber, in einem Treffen durch eine Kanonenkugel den Fuß verlor, an welcher Wunde er bald darauf in der Bay von Syrakus starb, sondern _Franz Ruyter_, den Paul Jovius in seiner Geschichte des tunetanischen Feldzugs unter den Feldherrn aufführt. (_Siehe:_ __Paul Jov. Hist. Lib._ 34. pag. 284 _Basileae_ an. 1578._)
[21] Vers 47.
_Porto Venere_ an der südwestlichen Spitze des Genueser Gebiethes.
[22] Vers 49.
Alphons Avalos, Marchese del Vasto (auch _Guasto_), einer der berühmtesten Feldherrn Carls V. aus dem Hause der Pescara im Königreich Neisen, im J. 1502 geboren, wohnte der Schlacht von Bicocca (im J. 1522) bei; wurde nach Anton Leyva's Tode Gouverneur von Mailand, und hatte den Oberbefehl des Heeres bei dem Kriegszug nach Tunis. Im J. 1543 entsetzte er Nizza, das von den Franzosen, und ihrem Verbündeten, Chereddin Barbarossa, belagert war. Er starb im J. 1546 zu Vigevano, wahrscheinlich aus Kummer, den ihm die gegen die Franzosen verlorne Schlacht von Cerisoles in Piemont (14. April 1544) zugezogen hatte. (__P. Jov. Hist._ et _Roscio Capit. illustr._ p. 288._)
[23] Vers 57.
Das Geschlecht der _Ebersteine_ soll schon zu Carl d. Gr. Zeiten in großem Ansehen gestanden seyn. Was die Geschichte Gewisseres von ihnen gibt, ist: daß Eberhard, der Stammvater der Ebersteine, Hedwig, die Tochter Kaisers Heinrich I. geehlicht, und seinen Hof in Hohentviel gehabt habe. Als Abgesandter des Kaisers an den Papst, erhielt er von diesem am Pfingstfeste zu Rom die goldne Rose zum Geschenk, die er, nach dem Gebrauche der römischen Kirche, getragen hatte, und die bei seiner Heimkunft der Kaiser in den Wapenschild der Ebersteine setzen hieß. Sein Sohn Ludwig wohnte der Schlacht Heinrichs I. gegen die Ungern vor Merseburg bei. -- Die zweite Stammlinie der Ebersteine richtete Graf Otto I. in Pommern zu Neugarten auf. Otto III. der um das Jahr 1370 gelebt, soll der Stifter der würtembergischen Hauptlinie seyn. -- Otto II. ein anderer Stammvater der Ebersteine, verbesserte die Herrschaft an der Weser, und erbaute das Schloß Ottenstein. Man sieht noch die Ruinen des Schlosses Eberstein unweit Holzminden an der Weser. (__Meibom. Rerum Germ._ T. II. p. 515. Luca:_ _Grafen-Saal_, _pag. 943._)
[24] Vers 74.
_Donau_, _Danubius_ (Ister hieß er den Alten von Wien hinab) einer der größten Flüsse Europas, da er nach Büsching eine Strecke von 700 Meilen durchläuft, und mehr als 160 größere und kleinere Flüsse in sich aufnimmt, entspringt, nach der gewöhnlichen Meinung, am Schwarzwalde bei Donaueschingen, obschon Andere diese Ehre zwei anderen Quellen, der _Brega_ und _Brigach_, mit welcher sich jene vereinigt, ertheilen. Die Donau endet an der Küste Bessarabiens ihren Lauf, und stürzt sich durch sechs Arme mit solcher Gewalt in das schwarze Meer, daß ihr Wasser mehrere Meilen weit im Meer noch süß und erkennbar seyn soll.
[25] Vers 119.
_Hunyady_ (Johann Corvinus Hunniades), den, nach einigen, ein walachischer Bojar mit der Elisabeth Paläologa, aus dem Geschlechte der letzten griechischen Kaiser; nach Andern, König Sigismund, außerehlich -- mit der Tochter eines edeln Walachen erzeugt haben soll, wurde zu Ende des vierzehnten Jahrhunderts geboren. Er war, während der Minderjährigkeit des Königs Ladislaus Posth., Statthalter von Ungern, während seines ganzen Lebens ein Schrecken der Türken, die er in verschiedenen Schlachten besiegte, und zuletzt (am 6. August 1456) von Belgrad vertrieb, und starb am 16. Sept. desselben Jahrs. Von seinen zwei Söhnen wurde der ältere, Ladislaus, im folgenden Jahre zu Ofen enthauptet. Der jüngere, Mathias (Corvinus), gelangte zur ungarischen Krone. (__Bonfin. Hist. Hung.__)
[26] Vers 132.
_Zirknitz_ (Czirknitzer See) im Lande Krain, sechs Stunden von Laibach, gibt dem anstoßenden See den Nahmen, der eine Meile lang, und eine halbe breit ist. Das Wasser dieses wunderbaren Sees versinket gewöhnlich des Jahres einmal durch Oeffnungen, die sich in seinem Bette befinden. Sobald es sich zum Ablauf neiget, eilt Jung und Alt, die Fische in großer Menge herauszuziehen. Nach beiläufig zwanzig Tagen wächst dort, wo erst das Wasser stand, vortreffliches Gras, und nachdem dieses eingeerntet ist, wird noch Hirse darin gebaut, wo auch die Jagdfreunde an Hasen und wildem Geflügel reichliche Beute finden.
[27] Vers 149.
Niclas _Salm_ und Wilhelm _Roggendorf_, dessen Tochter die Gemahlinn des ersteren war, vereinte auch das Band der zärtlichsten Freundschaft. Beiden als Feldherrn, war die Vertheidigung Wiens gegen Solymans zahlloses Belagerungsheer anvertraut. Eine Kanonenkugel fuhr in den Wall, und schleuderte einen zertrümmerten Stein gegen Salms Schenkel, bei dem letzten Sturm, den Solyman am 14. October 1529 gegen die Wälle Wiens unternahm. An der erhaltenen Wunde starb dann Salm am 4. Mai 1530 zu Marcheck, wohin er sich hatte bringen lassen. (_Siehe Taschenbuch für die vaterländische Geschichte durch Freih. von Hormayr &c. vierter Jahrgang._ S. 102.)
[28] Vers 238.
_Elba_, eine kleine Insel des mittelländischen Meeres, von beiläufig zwölf Meilen, Livorno gegenüber. Ihr Hauptreichthum sind die Eisenminen von Rio, deren Erze mehr als die Hälfte reines Metall geben, und von ihrer schillernden Farbe (_Eisenglanz_) bekannt sind. Porto Ferrajo (_Eisenport_), mit einer guten Rhede und 3000 Einwohnern, ist die Hauptstadt der Insel.
[29] Vers 372.
_Toledo_, Pedro Alvarez de Toledo, Vice-König von Neapel, ein Sohn des zweiten Herzogs von Alba, bekam mit seiner Gemahlinn Maria Osorio Pimentel den Staat von Villafranca, und war der Schwieger des ersten Herzogs von Florenz, Cosmus von Medicis.
Vierter Gesang.
[30] Vers 43.
_Alba_ (Ferdinand Alvarez von Toledo, Herzog von) war im J. 1508 geboren. Erst unter Carl V., dann unter Philipp II., seinem Sohn, war er stets ein siegreicher Feldherr ihrer Heere. In dem Kriege gegen die Niederländer hatte er nach seiner und seines Herrn Ueberzeugung, Rebellen bekämpft, und in solchen Kriegen hat man wohl sonst auch von ähnlichen, und noch größeren Grausamkeiten gehört; doch da dieser Krieg den Protestanten für einen Religionskrieg galt, und noch heut zu Tag dafür gegeben wird, so mußte er, besonders seit Schillers poetisch-entworfenem Bilde von ihm, als einer der grausamsten Wüthriche geschildert, erscheinen. Andere rühmen an ihm, nebst seinen großen Feldherrntalenten, seine unerschütterliche Treue, und dabei sein freies, offenes Benehmen gegen seinen Regenten, seinen Edelmuth und Weisheit. Indeß ist er von Härte und Grausamkeit nicht frei geblieben. Er starb im J. 1582 im 74sten Jahre seines Lebens.
[31] Vers 43.
_Alarcon_ (Ferdinand d'Alarzon), einer der tapfersten spanischen Feldherrn Carls V. Nach dem Siege von Pavia (24. April 1525), wurde ihm die Bewachung des gefangenen Königs von Frankreich, Franz I., anvertraut, so wie zwei Jahre später, jene über den Papst, Clemens VII., der sich den Kaiserlichen ergeben hatte. (__Jov. Hist._ 34. cap. -- _Imhof. Geneal. 20. Fam. Hisp._ p. 203._)
[32] Vers 45.
_Garzia Lasso_ (Garzilaso de la Vega), im J. 1503 zu Toledo geboren, ein berühmter spanischer Dichter in der Gattung der Ekloge, Epistel, Oden, Lieder und Sonette. Er wohnte unter Carl V. den Feldzügen im Jahr 1529 gegen Solyman, und im J. 1535 gegen Tunis bei; in dem letzteren wurde er an dem Arm verwundet. Im folgenden Jahre zog er mit dem Kaiser gegen Marseille, als Befehlshaber eines Heertheils, und erhielt bei der Bestürmung eines Thurms die gefährliche Kopfwunde, an welcher er nach drei Wochen im 33. Jahre seines Alters starb. Sein Leichnam wurde in der Folge nach Toledo gebracht. (__Jov. Elog.__)
[33] Vers 97.
_Constantin der Große_ (geb. im J. 274), erster christlicher Kaiser, soll vor der Entscheidungsschlacht an dem Ponte Milvio (h. z. T. Ponte Molle) bei Rom, gegen den Maxentius, am hellen Mittage, unterhalb der Sonne, ein flammendes Kreuz mit der Inschrift: »__In hoc vinces__,« erblickt haben. (__Eusebius in Vita Constantini_ M. et _Hist.__)
[34] Vers 179.
_Atlas_. Der Berg, besteht eigentlich aus zwei Ketten, die sich über den größten Theil von Nordafrika verbreiten. Die eine heißt der _Große_ Atlas (mehr als 11,000 Fuß über der Meeresfläche erhöht), welcher sich vom Reiche Marrokko bis zur Wüste Sahara hinabzieht, und die andre der _Kleine_ Atlas, der sich von Osten nach Westen bis zum Mittelländischen Meere erstreckt. -- Nach der Mythologie der Griechen war er einer der Titanen, dem Zeus die Strafe auferlegte, das Himmelsgewölbe zu tragen.
[35] Vers 239.
_Janssen von Middelburg._ Zacharias Janssen, ein Brillenmacher zu Middelburg in Seeland, war der Erfinder des Fernrohrs im Jahre 1590, indem er zwei Linsen, eine convex, die andere concav, in verschiedener Richtung von dem Auge hielt. Er brachte sie dann in eine Röhre, und bot die gelungensten zwei, von 16 Zoll Länge, dem Prinzen Moritz von Nassau, und Erzherzog Albert an. Der berühmte Galiläi hörte davon in Venedig, und machte sogleich darauf einen Versuch. (Siehe: __Hier. Sirturus de Telescop__; und __Petr. Borell de vero Telescopii Inventore. Hagae-Comitum.__ 1655.)
[36] Vers 526.
Die Franzosen, unter Lautrec, und die mit ihnen vereinten Schweitzer, wurden bei Bicocca, unweit Mailand, im Mai 1522 durch die Truppen Carls des V. mit großem Verluste geschlagen.
Fünfter Gesang.
[37] Vers 13.
_Villiers-L'isle-Adam_ (Philipp v.), zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts in Frankreich geboren, und zum Großmeister des Johanniter-Ordens von Jerusalem im J. 1521 erwählt. Im folgenden Jahre überzog Solyman die Insel mit einer großen Belagerungsmacht, die jener so tapfer gegen ihn vertheidigte, daß über 100,000 Türken dabei das Leben einbüßten. Amarat, des Ordens Kanzler, ward an ihm zum Verräther, und nur so gelang es endlich Solyman, die Insel gegen Capitulation, und unter der Bedingniß eines freien Abzugs der Ritter und der christlichen Einwohner, zu erringen. Vergeblich suchte er L'isle-Adam in seine Dienste zu ziehen, dessen Heldenmuth er vor seinem Heere, und mitten unter den Leichen der Gefallenen lautes Lob ertheilte. Villiers-L'isle-Adam starb im J. 1534 als Großmeister des Ordens zu Maltha, welche Insel Carl V. ihm zum neuen Ordenssitze geschenkt hatte. (Siehe: __Bouhors Siège de Rhodes__.)
[38] Vers 75.
_Gomert_ oder _Zafrano_ rechts, und _Bona_ links, heißen h. z. T. die zwei Vorgebirge, von welchen jenes einst dem Apoll, und dieses dem Hermes geweiht war, welchen vorüber die Einfahrt in den tiefer liegenden karthaginensischen Meerbusen geschah. Von dort dehnt er sich im halben Zirkel, bis an die Mündung des hinterhalb liegenden Landsees von Goletta hin, wobei die Landschaft der vormals wegen ihrer heilsamen Bäder berühmten Stadt Rada zur Linken bleibt, und jener gegenüber zeigt sich dann die Lage des zerstörten Karthago, des Oehlwalds, und der steilen Hügel, über welche man zu dem Flusse _Makar_ gelangte. (__Jov. Hist. Lib._ 34._)
[39] Vers 105.
Der _Wasserthurm_ steht nördlich von dem steilen Felsen -- einst die hohe Byrsa, auf welcher der berühmte Tempel des Aeskulap stand, und nahe der schmalen Erdzunge, die das feste Land mit der Halbinsel verband, auf welcher Karthago erbaut war. Auf dieser befanden sich wahrscheinlich die Ställe der Elephanten. Obige Cisternen sind fast die einzigen noch erhaltenen Ueberreste der zerstörten Karthago.
[40] Vers 117.
_Goletta_, die Veste, hatte zur Zeit Carls V. eine beinahe viereckige Form, und zwei Abtheilungen, von welchen die Wälle der oberen 40, und der unteren 50 Schritte breit waren. Sie enthielt eine vortreffliche Cisterne, in welcher sich das Regenwasser sammelte, und viele bombenfeste Gewölbe zur Aufbewahrung des Kriegsbedarfs. Mit ihr in Verbindung stand vorne an der Mündung des Sees von Tunis, ein mit Wällen versehener Thurm, der vom Meere her jedem Schiffe den Eingang verwehrte. Der See, beiläufig 12,000 Schritte breit und eben so lang, erhält aus dem karthaginensischen Meerbusen sein Gewässer, und ist auf beiden Seiten so seicht, daß man nur in der Mitte desselben auf kleinen Fahrzeugen nach Tunis gelangen kann. (__Eutropii Diar. Exp. Tunet. apud Schard._ pag. 331._ und __Jov. Hist. Lib. 34.__)
Sechster Gesang.
[41] Vers 83.
_Eutropius_ in seinem __Diar. Exped. Tunet._ p. 325. (_Rerum Germ. Scrip. apud Schard_)_, sagt ausdrücklich: daß vor Allen die Deutschen bei der Landung, über jeden Aufschub ungeduldig, sich auf ihren, in das Wasser gesenkten Speeren auf das Land hinaus geschwungen, und den Kampf mit dem Feinde sogleich begonnen haben.
[42] Vers 79.
_Pizarro_ (Francisco), ein Spanier, von unbekannter Herkunft, ging mit noch andern Abenteurern nach der neuen Welt, verband sich im J. 1524 mit Diego d'Almagro, und eroberte Peru, nachdem er den Inca Atahualba auf eine grausame Art hatte hinrichten lassen. Er war schon früher zum Statthalter der neu zu entdeckenden Länder ernannt worden, und er traf wirklich sehr viele Vorkehrungen zum Besten jener Länder, die um so mehr in Erstaunen setzen, da er nicht einmal des Lesens und des Schreibens kundig war. Er wurde im Jahr 1541 durch einen Anverwandten Almagro's getödtet, nachdem früher dieser von Pizarro zum Tode verurtheilt worden war. Die Stadt Lima verdankt ihm ihre Gründung. Sonst ist sein Nahme mit der Beigabe eines grausamen Eroberers auf die Nachwelt gekommen. (Siehe __W. Robertson History of America in II Volumes London_ 1777_.)
[43] Vers 386.
_Casas_ (Bartholomeo de las), Bischof von Chiapa in Mexico, im J. 1471 in Sevilla geboren. Schon in seinem 19. Jahre reiste er mit dem Weltentdecker Columbus nach St. Domingo, kehrte aber von dort wieder nach Spanien zurück, um sich im Orden der Dominikaner zum Missionär vorzubereiten. Voll glühendem Enthusiasmus für ein wichtiges Anliegen der Menschheit, stand er beinahe durch 50 Jahre als ein Anwald der mißhandelten Einwohner der neuen Welt da, und schrieb, und unternahm häufige Reisen nach Europa, sie vor dem Throne zu vertreten; doch war das Interesse so vieler Großen dabei gefährdet, und er starb im Jahr 1556 zu Madrid, ohne daß er bedeutende Vortheile für jene erwirkt hätte. Unter seinen Schriften (gedruckt Sevilla im J. 1552) ist auch eine Geschichte von Westindien. (Siehe _Perez del Castillo Mex. Hist._)
[44] Vers 521.
_Freundsberg_ (Georg von _Frundsberg_, _Frondsberg_ &c. Herr von Mindelheim, geb. 1475 und gest. 1528 daselbst), kaiserlicher Feldherr, wegen seiner persönlichen Tapferkeit und Leibesstärke berühmt, da er ein wildanlaufendes Pferd sogleich fest halten, und den stärksten Mann mit einem Finger von der Stelle drängen konnte. Er bildete sich unter Max I. und Carl V. in der Kriegskunst aus, half dem Letztern die Schlacht von Pavia (im J. 1525) gewinnen, und führte auch das folgende Jahr 12,000, auf eigene Kosten geworbene Krieger, dem kais. Feldherrn Carl von Bourbon, gegen Clemens VII. nach Italien zur Verstärkung zu, wo ihn bei Ferrara, bei einem Aufstand der Krieger wegen rückständiger Löhnung, der Schlag traf, und dann zwei Jahre darauf sein Tod erfolgte. (_Siehe Herrn Georgen und Kasparn von Frundsberg ritterliche Kriegsthaten. -- _Jov. in Elog. Hist.__)
[45] Vers 592.
_Byrsa_ hieß die Burg von Karthago, auf dem Gipfel eines steilen Felsens, um welchen ringsher die einst mächtige Stadt Karthago erbaut war. Dort befand sich der herrliche Tempel des Aeskulap, zu welchem man auf 50 Stufen hinanstieg, und in dessen Flammen die Gattinn Hasdrubals, der zu dem Zerstörer Karthago's, Scipio, überging, sich stürzte, nachdem sie vorher im Angesichte der Römer und ihres feigen Gemahls, ihre beiden Kinder ermordet hatte. J. 146 vor Chr. G. (_Siehe Vierthalers phil. Gesch. der Menschen und Völker. V. Band._)
Siebenter Gesang.
[46] Vers 85.
_Zama_, der Ort, vor welchem der große Held Karthagos, Hannibal, durch den römischen Feldherrn Scipio im J. 201 vor Chr. überwunden ward, lag zwischen Adrumetum und dem, fünf Tagreisen davon entfernten, Karthago.
[47] Vers 190.
An dem Ufer des _Bagrada_ (h. z. T. Medscherdah), der nicht fern von Utika vorüberfloß, soll der Consul M. Atil. Regulus eine ungeheure Schlange, deren Länge auf 120 Fuß angegeben wird, mit Katapulten beschossen, und getödtet haben. (__A. Gell._ L. VI. c. 3. -- _Valer. Max._ L. I. c. 8._) Wahrscheinlich war sie eine Riesenschlange (_Boa Constrictor_).
[48] Vers 329.
_Barda_ heißt die Sommerresidenz des Dey von Tunis, mit einem weitläufigen Schlosse, und den schon zu Carls V. Zeiten berühmten bardäischen Gärten an der Küste von Maritia. Sie liegt an der Westseite von Tunis, und hängt durch die Gärten mit der Stadt zusammen.
[49] Vers 410.
_Houris_ sind, nach Muhameds Lehre, die blendend schönen Jungfrauen, welche von zarter, ätherischer Gestalt, die Seligkeit der Männer in seinem Paradiese ausmachen. Die Schilderungen von ihnen sind ganz in dem orientalisch-üppigen Geschmack entworfen.
Achter Gesang.
[50] Vers 54.
_Laufgräben_ (_tranchée's_) sind drei bis sechs Fuß tiefe, zehn und zwölf Fuß breite, in verschiedener Richtung gegrabene Wege, welche mit der zum Wall, gegen eine belagerte Festung aufgeworfenen Erde, die Belagerer in den Stand setzt, sich ihr mit Sicherheit nähern zu können.
[51] Vers 199.
_Thor der Glückseligkeit_, heißt der Eingang zu dem Harem des Großherrn, der dem Aga der Verschnittenen anvertraut ist. (_Siehe Hrn. Joseph von Hammers Verfassung des osmanischen Reichs, Band II. Seite 9._)
[52] Vers 201.
_Circassien_, eine große Landschaft in Asien, welche sich von dem schwarzen bis zum caspischen Meere erstreckt, und nördlich von dem Caucasus begränzt wird. Ihre Bewohner, sowohl männlichen als weiblichen Geschlechts, sind sehr wohlgestaltet, und die Letzteren werden vorzüglich für die türkischen Harems gesucht. Ihre Männer sind treffliche Reiter, ungemein tapfer im Felde, und daheim Verehrer des Gastrechts. Der größte Theil ihres Landes ist dermalen unter russischer Bothmäßigkeit.
[53] Vers 284.
_Bagrada_, h. z. T. Medscherdah, ein Fluß, der in der Nähe von Buschatter (Utika) sich in das Mittelmeer ergießt.
Neunter Gesang.
[54] Vers 15.
_Turkestan_, das eigentliche Stammland der heutigen Türken, ist eine Landschaft in Mittel-Asien, die von dem Königreiche des großen Moguls, von der großen Tartarey, von Catay und Zagatey begränzt wird. Das Land ist sehr fruchtbar, dessen Einwohner Tartaren sind, und sich zur muhamedanischen Lehre bekennen.
[55] Vers 58.
_Varus_ (Quintilius), unter Augusts Regierung erst Proconsul in Syrien, dann in denen, seit Julius Cäsar eroberten deutschen Provinzen, wurde durch das Haupt der Cherusker, Hermann, aus seinem verschanzten Lager bis in den Teutoburger-Wald, h. z. T. Grafschaft Lippe, gelockt und dort sammt seinen drei Legionen zu Grunde gerichtet. Varus entleibte sich selbst. August soll sich bei der erhaltenen Nachricht die Haare gerauft, und ausgerufen haben: »_Varus, schaffe mir meine Legionen wieder!_« (__Tacit. Sveton. Velej. Pater._ L. I. 2._)
[56] Vers 103.
_Beduinen_, oder nomadische Araber, sind unabhängige, freie Stämme muhamedanischer Religion, die unter ihren Fürsten (Emir) oder Familienhäuptern (Scheich) die Wüste, größten Theils unter Zelten lebend, bewohnen. Sie sind Krieger und Hirten zugleich, und verachten stolz alle übrigen Beschäftigungen. Seit Jahrtausenden sind ihre Sitten dieselben geblieben, wie sie in den allerältesten Urkunden, nämlich in der h. Schrift, durch Moses, geschildert werden. (_Niebuhr, Beschreibung von Arabien_, S. 379 und f. -- _D'Arvieux_ III. 125.)
[57] Vers 382.