Tunisias Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (1/3)

Part 20

Chapter 203,272 wordsPublic domain

Sieh', auch Hairaddin trieb des brausenden Heeres Geschwader Zahllos gegen die Christen heran: so brauset des Meeres Sturmgeschaukelte Fluth in tausender Wogen Empörung! Erst die reisige Schar der Araber, feurige Rosse Bändigend, und ermüdend im Kampf durch wechselnden Anfall, Flog den Numidiern vor, die rasch von der Sehne des Bogens Schnellen den schwirrenden Pfeil, und fern durchbohren den Gegner. D'rauf, wie die Schwärme der Kräh'n anstürmen im Herbst, und erfüllen Weit mit lautem Gekrächze die Luft: so folgte der Mauren Lanzengewaltiges Volk den Numidiern, und in dem Rücken Dieser Unzähligen kam, von schnaubenden Rossen gezogen, Rasselnd, im sanddurchpflügenden Zug, des schweren Geschützes Dräuende Macht. Nach jeglichem Donnerrohr', in der Rechten Schwingend die dampfende Lunte zur Luft, und den Helfern gebiethend, Schritt der Wurfschütz her, und siebenzig waren der Schützen: Dragut führte dieß Volk, dem Vorderzuge gebiethend. Aber die Janitschar'n, gewaltiger Thaten sich freuend: Jetzo des Feindes Reih'n mit des Säbels sausendem Mordschlag Niederzuwerfen, und jetzt, aus schmetternden Feuergewehren, Mitten in Feindesbrust zu entsenden die tödliche Kugel, Eilten im Nachzug vor. Da waren die Brauen der Krieger Tiefer gesenkt, das Auge geröthet vor Wuth, und die Lippen, Gleich dem gespannten Bogen gekrümmt, voll schrecklichen Ingrimms. Hairaddin spornte das Roß herauf und hinunter: von Unmuth Gohr ihm die Brust, daß er jüngst von Sinam bethöret, nicht würgte Dort die Sclaven gesammt, aufschleudernd die Burg in den Luftraum. Grimmig hing sein Blick an der Burg, und er wandte das Schlachtroß Nach den felsigen Höh'n, den armen verderbend zu nahen; Doch schon brausten die Christen heran, und heischten drometend, Trommeln wirbelnd, Kampf, und Gemenge der mordenden Waffen.

Jetzt, wie im thauenden Lenz von zween aufstarrenden Bergen Plötzlich der Schnee sich lös't, und gegen einander gewirbelt, Link's, und rechts herdonnern in's Thal die grausen Lawinen: Weit erbebet die Luft; zerschmetterte Wälder erkrachen, Und die Hütten umher mit den Lebenden deckt die Zertrümm'rung; Aber zugleich wie zween aufbrausende Ströme der Lava, Der aus Süden gejagt, und jener aus Norden, sich plötzlich, Tief in des Abgrunds Nacht begegnen im feindlichen Ansturz: Siehe, da zittert die Welt; im Beben der Erde versinken Mächtige Städt', und der berstende Berg speit Flammen zum Himmel: Also trafen dahier die feindlichen Heere zusammen: Da war Mordesgetös' und Geschrei, war Sausen der Lanzen, Zischen der Pfeil', und Klirren der Säbel umher in dem Blachfeld. Dragut stürmte zuerst mit einem erlesenen Haufen Kühner Araber vor, und hieb in den Reihen der Vorhuth Ein, wo Wälschlands blühendes Volk entgegen ihm kämpfte. Blut durchströmte den Sand: denn hundert blühende Krieger Lagen erwürgt, eh' noch mit verhängtem Zügel die Reiter Oestreichs nahten, und schnell für jeden erschlag'nen Gefährten Zween erlegten dem Feind' im Gemenge der blitzenden Säbel. Aber so tapfer die reisige Schar, vereint mit dem Fußvolk, Drängte des Drängers Macht, so vieler Getödteten Blut floß, Dennoch siegten sie nicht: denn zahllos stürmten die Mauren, Mit den empörten Numidiern vor, und stärkten des Vor-Zugs Wankende Reih'n. So stemmen umsonst des berstenden Eises Tausendfältiger Macht die Pfähl' in dem Strom sich entgegen: Krachend thürmen die Schollen sich auf, und über den Damm hin Braust ihr verheerender Zug: wie hier den wimmelnden Scharen Guasto's tapfere Krieger umsonst entgegen sich stemmten. Doch schon nahte der Greis. Er führte die Scharen vom Nachzug Eilig im Sturmlauf vor, und die ehernen Kriegesdrometen Schmetterten heller, und lauter erscholl im Sturme der Trommeln Wirbelnder Ruf; empöreter stets aufjauchzten die Krieger, Stöhnten die Rosse hinan zum entsetzlichen Kampf der Entscheidung.

Wer durchsprengt im sausenden Flug die Reihen, vor allen Heischend den Todeskampf? Wer wagt es, entgegen zu stehen Dragut, dem Schrecklichen? Wer, als Toledo, der edelste Feldherr? Fröhlich umgab er sich heut' am dämmernden Morgen die Rüstung, Die ihm der Kaiser gab zum Geschenk, und trat aus dem Zeltthor Heiteren Blickes zu Kurd, dem treubefundenen Freund hin. Schüttelnd ihm traulich die Hand, begann er mit sanfterer Stimme: »Kurd, in der Blüthe der Jahr', im Rosenschimmer des Morgens, Goß ein Gewittersturm urplötzlich ein nächtliches Dunkel Um mich her; zerknickte voll Wuth die Blüthen mir alle: Hinschwand jegliches Licht, und ich taumelte fort an des Abgrunds Schwindligem Rand; doch jetzt erseh' ich des schöneren Morgens Hellaufdämmernden Strahl, und die hehren Gefilde des Friedens, Wo des Dulders lohnendes Ziel, Mathilde, mir winket, Ewig beglückt! Leb' wohl, und fall' ich, so denke mit Sorgfalt Hugo's, des treuen, und werd' ein Tröster dem trauernden Vater!« Ach, der arme, nicht ahnt' er's nun, daß der trauernde Vater, Ob des Sohnes Geschick, erst jüngst verhauchte das Leben, Und ihn deckte das Grab mit tiefumnachtenden Schauern! Also sprach er dem Freund, in den Sattel sich schwingend, und horchte Gierig des schlachtgebiethenden Ruf's. Die Kriegesdrometen Schmetterten kaum, so flog er hinaus, und stürmte die Reihen Seiner Erlesenen durch. Er hatte Dragut ersehen. Aber auch Dragut sah ihn schon fern', und dachte, Verderben Ahnend, der Flucht; doch, ach, wie ertrüg' er Hairaddins Ingrimm, Wie den höhnenden Blick des feindlichgesinneten Sinam! Zweifelnd wankt' ihm die Hand an dem leitenden Zaum; vor den Augen Dunkelte rings ihm die Welt, und aus seinen erblassenden Lippen Stöhnte die Wuth; doch sieh', nun rafft' er in seinem Vermögen Nur ergrimmter sich auf, und warf mit umschwingender Rechten, Zielend, den blinkenden Dolch dem furchtbar'n Rächer Mathildens Weit entgegen! Er traf, im sausenden Fluge, Toledo Meidend, den tapferen Kurd, der rasch dem Freunde gefolgt war: Lautlos sank er vom Sattel herab, in die Stirne getroffen, Und verhauchte den Geist. Toledo, vor allen den Einen Nur im Aug': denn rach'entflammt, gewahrte des Freundes Schrecklichen Unfall nicht. Er spornte den schäumenden Läufer Dicht an das Schlachtroß Draguts hin, daß die wallenden Mähnen Beider sich streiften im Gegensprung, und, jetzt ihn ereilend, Brach durch Stirnbund, Haut und Bein sein schmetternder Degen Sich die blutige Bahn: er neigte die Stirn', wie ein Mohnhaupt, Das in der Reife, vom Sturm zerknickt, sich neigt, und des Samens Schwärzlichen Strom zur Erd' ergeußt; dann folgend dem Blutstrom, Sank er vom Sattel hinab, und röchelte sterbend im Sand dort. Doch nun wandte das schnaubende Roß der Rächer Mathildens Von dem Todten, und rief zu vereintem Gewürge den Freund auf. Wehe, er lag entseelt auf dem Sand'! Er blickte verstummend Auf ihn nieder: nur zwei, im Sturz, hellschimmernde Thränen Weihet' er, hingebeugt, dem Theuern; drückte die Spornen Dann in des Rosses Bauch, und schwang, vor entsetzlicher Rachgier Stöhnend, das Schwert: um ihn her, zur Sühne, die Leichen zu häufen. Wie der schreckliche Wolf, vom wüthenden Hunger getrieben, Weder der nahenden Hunde Gebell, noch drüben der Hirten Lautes Geschrei, die gern von der Heerde der Lämmer ihn scheuchten, Achtet: denn er würgt voll Hast die in Haufen Gedrängten Links und rechts, und nach jeglichem Mord noch wächst ihm die Blutgier: Also rächt' er den Freund in des Feindes Blut. Abdorrahman Sank ihm zuerst, der laut mit Geschrei vordrängte die Mauren; Dann Ben-Esrid, der Scheik arabischer Horden (im Schlachtgrau'n War er den Reisigen stets ein Leitstern) ihn aus dem Sattel Riß er behend', und hieb, mit kräftigem Schwunge des Degens, Ihm die Scheitel entzwei, daß lautaufstöhnend er hinsank. Wie auf der Heid', im Herbst, das Feuer die bärtigen Disteln Tilgt, vom Sturme gejagt; so tilgte sein Eisen die Gegner.

Nahend dem Vorderzug gewahrte der Kaiser Toledo's Waffenthaten, und schrie mit jubelndem Laut im Getös' hin: »Tapferer, so besiegst du Tausende! Muthig, nur vorwärts! Ha, der sank, und dort auch jener, und nimmerermüdend Würgt dein schrecklicher Stahl? Nie welkenden Lorber erringt dir Heute dein Muth: er reißt im Sturm die Helden zum Sieg fort!« Aber wie Glockengeläut' im Sturm bald näher und näher, Heller und lauter erschallt, bald wieder vom wechselnden Windschwall Ferne verweht, in der sausenden Luft verhallet den Ohren: So verschlang das Getös' des Kaisers lohnenden Zuruf. Jetzo nach Rogendorf, dem tapferen Meister des Feldzeugs, Sah er zurück, und erhob, zum verständlichen Wink ihm, den Degen. Jener entschwand auf dem feurigen Roß, und, als er vom Nachhalt, Gegen den Vorderzug die Donnerrohre zu führen Nahete, rief er noch laut den Feuerwerkern, im Vorgeh'n: »Schaffet mir Ruhm! Euch winkt im Feuer mein blitzender Degen Heute zum letzten Mal. Mit trauerndem Herzen des Freundes, Salm, gedenkend, will ich hinfort in der einsamen Kammer Weilen daheim, und harren des Tag's ersehnter Vollendung.« Also entflammt' er das Volk, und, schnell zur Stelle gefahren, Schleuderten jetzt die Donnerrohr' in den Reihen des Feindes Tod und Verderben umher: obsiegend dem donnernden Feldzeug Hairaddins. Denn wie ein Sturm, der, plötzlich die Lüfte verfinsternd, Saust, entschüttelt das Eis, und die wogenden Saaten zerschmettert, Warf des Kaisers Geschütz im dichten Gedränge der Gegner Hunderte nieder, da hier in den Reih'n der tapferen Christen, Jenes nur wenige traf, durch Schuld unkundiger Schützen. Hairaddin bebte vor Wuth, und fluchte laut vor den Scharen Auf das schwere Geschütz, das dort im Donnergetümmel Weder verstummen hieß das feindliche, noch in dem Blutfeld, Jenem gleich, vertilgte das Volk: ihm schrecklich zu schauen!

Doch nun spornte Del-Guasto das Roß in die Nähe des Kaisers, Neigte vor ihm das Haupt, und rief mit leuchtenden Augen: »Jetzt, wo hochentflammt die Seele des Kriegers nach Thaten Lechzet, das Aug' ihm glüht, in das Auge zu schauen des Gegners, Und die Faust ihm zuckt, und die strebenden Füße nicht rasten: Jetzo gebieth' im Sturmanlauf des Kampfes Entscheidung! Doch du weiche zurück: o säume nicht, weiche zum Nachhalt, Daß du, gefahrenumdroht, nicht Angst erweckest den Deinen!« Kaum daß der warnende Ruf den Lippen des Greises entflohn war, Warf zerschmetternd ein Eisenball den tapferen Ottmar, Oberleitmann im Heer', an der Seite des Kaisers zu Boden: Blutend lag er im Staub. Entsprossen der freundlichen Hauptstadt, Die in dem weitumkreisenden Thal mit silbernen Wellen Rasch durchfluthet die Muhr,[82] ein Sohn ruhmwürdiger Aeltern, Wählt' er des Kriegers Bahn, als dort der stattliche Kaiser, Nahend in siegender Heere Verein Vindobona, der hohen, Mächtigen Kaiserstadt, Suleyman, den schrecklichen Großherrn, Fliehen hieß mit unzähliger Macht.[83] Stets folget' er seither Seinem Panier; doch jetzt hinsank er im Kampfe vor Tunis. Laut aufschrie'n die Krieger vor Angst; es erblaßte Del-Guasto, Ob des Herrschers besorgt; da rief er mit lächelndem Antlitz: »Fernet die Angst: kein Kaiser erlag dem Donnergeschütz noch!«[84] Und er geboth alsbald des Angriffs Weisen den Feldherrn. Wie, durch Flammen geweckt, die Dämpfe des siedenden Wassers Aus dem eisernen Bauch des ringsumschlossenen Kessels Drängen im unaufhaltsamen Flug; doch weiß sie der Meister Sinnig zu hemmen, und heißt sie Gewaltiges wirken, und schaffen So, daß Unkundige Furcht und Schauder ergreifet bei'm Anblick Jener verborgenen Macht: so wundersam lenkte zum Angriff Hier die unendlichen Reih'n ein Wink des waltenden Herrschers, Und von neuem begann des schrecklichen Kampfes Getümmel. Ludwig warf vor allen zuerst vom schimmernden See her Sich auf die feindlichen Reih'n. Das Feuerrohr an die Wangen Pressend, feuerten, bald im Verein, bald einzeln, die Krieger Jauchzend, es los: dumpf, schmetternd, scharf, erkrachten die Büchsen, Und in des Mittags Glanz umhüllte des flammenden Pulvers Dichtaufwallender Rauch die Völker mit nächtlichem Dunkel. D'rauf hinstürmt' im Flug, von dem tapfersten Helden geführet, Alba's reisige Schar. Sie schmetterte da Janitscharen, Dort Numider, und hier arabische Reiter zu Boden, Pferd' und Mannen zugleich: weit deckten die Todten den Staub dort. Rechts vom Olivengehölz drang Eberstein mit den Deutschen, Ehernen Muth's in der Brust, unzähligen Mauren entgegen, Die, von Muhamed Temtes empört, gleich wüthenden Thieren, An die gesenkten Speer' und die flammenden Rohre sich stürzten. Aber da rief Held Eberstein den Tapferen laut zu: »Jetzt noch fester geschlossen die Reih'n! Des edleren Muthes Flammendrang in der Brust, nicht blind umtobender Ingrimm, Heißt den Krieger zum winkenden Ziel vorstürmen im Schlachtfeld!« Also ermahnt, besiegte die Macht des empöreten Feindes Deutschlands tapferes Volk: es stemmte sich, gleich der Gebirgswand, Die vom blühenden Thal des Sturm's verderbenden Ingrimm Abwehrt, ihm entgegen, und drängt' unbändigen Muth's ihn, Wieder zurück. Auch warf die tapferen Reisigen Ungerns Hunyady jetzt, in gedehneten Zügen ihm rasch in die Seiten. Hochaufqualmte der Staub, und den stampfenden Hufen erbebte, Drönend, der Grund, als vor- zu dem mähnigen Halse sich beugend, Und zu des Kalpacks Zier erhebend den blitzenden Säbel, Flogen die Reiter im Feld. Den Kommenden streckten die Mauren Speere, so dicht, wie im Forst aufragen die Fichten, entgegen; Doch der muthige Reiter zerhieb, im gewaltigen Aufschwung Führend den schneidenden Stahl von der Linken zur Rechten, von unten Aufwärts, jeglichen Speerschaft so, daß umher in den Lüften Sausten die Trümmer im Flug', und die Geister da oben erbebten: Denn entsetzlich erscholl des würgenden Kampfes Getümmel. Aber im Vortrab, wo Toledo geboth, und der Ritter Glänzende Schar, entflammt zum blutigen Kampf der Entscheidung, Eilete, scholl entsetzlicher noch Getümmel und Schlachtruf. Wie der schreckliche Brand, der fern an den äußersten Straßen Einer ummauerten Stadt sich erhob, bald weiter und weiter Wüthet im brausenden Sturm, bis rings die unzähligen Häuser, Dom', und Thürme zugleich, auflodern, und Jammer erschallet: Also entbrannte die Riesenschlacht, und schrecklich ertönte Sterbenden Volk's Wehklag', vermengt dem Jauchzen des Siegers, Und der Verwundeten Schrei dem Wiehern der tobenden Rosse. Blut durchströmte das Feld, und wandte den schäumenden Lauf oft, Von den Haufen der Todten gehemmt, an Menschen und Thieren.

Hairaddin sah der Seinen so viel' im Kampfe getödtet, Und erblaßte vor Wuth. Doch, als auch Dungur Toledo's Blitzendem Schwert erlag, der Algiers Thron ihm zu schaffen, Selber mit frevelnder Hand Euthemi, den König, erwürgte, Da verflucht' er sich selbst, und rief, daß die Völker erbebten: »Wer verschlinget, voll schrecklicher Gier, die Theuren mir alle? Ha, nicht schaut er hinfort die leuchtende Sonn' an dem Himmel!« Sieh', und er spornte sogleich, den Speer erhebend, das Streitroß Vor, und drang auf Toledo mit todausblitzendem Aug' ein! Diesem erpochte vor Wonne die Brust: den mächtigsten Gegner Dort zu besteh'n, ihn siegend zu bändigen, oder des Lebens Dornenbesäete Bahn zu vollenden im rühmlichen Wettlauf. Flugs hinspornte das Roß auch er, und hieb, in den Bügeln Sich erhebend, auf Hairaddin ein; doch dieser entwich ihm, Und sein Schwert durchschnitt nur die Riemen des leitenden Zügels, Auch das muthige Roß am wölbenden Halse verwundend, Daß es, gebäumt, aufschnob, und ächzte, von Schmerzen gefoltert. Jetzt war's um ihn gescheh'n; doch Hairaddin lenket' im Eilflug Sein gelehriges Thier, mit eisernem Drucke der Schenkel Wieder herum, und stieß den tödlichen Speer ihm so mächtig Durch die tapfere Brust, daß er flugs dem Sattel entstürzend, Auch den Schaft aus Hairaddins festumklammernder Faust riß. Wie der ragende Mast, der erst die wehenden Wimpel Noch in die bläuliche Luft erhob, vom Donner getroffen, Sausend dem Bord' entstürzt: auffleugt im Falle des Leines Schimmergewebe: so fiel er, den Speer im pochenden Herzen Tragend, vom Roß. Sein Auge verglomm, wie drüben des Abends Schimmer, und sein verblutendes Herz bewegte den Speer noch Leis'; dann stand's, entrückt des Lebens Geschossen für immer: Denn die Krone des Siegers im Schooß der himmlischen Freundinn Schauend, entschwebte der Geist den trüben Gefilden des Erdballs. Hairaddin kehrte zurück: mit noch empörterer Blutgier Führt' er die Janitschar'n und die Reihen der Schrecklichen vorwärts, Und von neuem begann des wüthenden Kampfes Getümmel.

Dort, wo vor Toledo zuvor, das maurische Kriegsvolk Wich, da brausete jetzt mit Orkanengewalt und des Blitzes Flug', erhebend sein Allah-Geschrei, der schreckliche Türk her. Rechts war Eberstein, und links Lusitania's Ludwig Vorgedrungen, und so das mittlere Treffen gesondert, Feind'umschart, und verloren im Feld. Es erblaßte Del-Guasto; Aber nicht wich ihm der Muth. Er rief den tapferen Führern: »Trennet die Reihen des Volk's, und heißt sie nach Osten und Westen, Heißt sie nach Süden und Norden, die Stirn' im dräuenden Viereck Wenden sogleich, und bestehen den Kampf, wie es Helden geziemet!« Also der Greis: da tönte der Ruf, da erblitzte der Degen Tapferer Führer; es stand das Volk geschlossen im Viereck, Und in dem mittleren Raum, mit den Herolden, schaltend, Del-Guasto. Mochte der Feind nun da, nun dort anprallen: dem Felsen Gleich, den draußen im Sturm umbrausen die wüthenden Wogen, Standen die Tapfer'n im Feld; sie hielten die stürmenden Scharen Kämpfend zurück, und häuften umher unzählige Leichen. Solches gewahrend, entboth der edelste Kaiser die Völker, Die zum entscheidenden Schlag er heut' erkor in dem Heer', so: »Jetzo hinaus an den Feind! Dem winket der schönste der Lorbern, Der hier seiner Gewalt entreißt die tapfer'n Gefährten. Vorwärts! Hier in dem Feld und dort in der felsigen Hochburg Winket des Sieges Preis erhabener Christenerrettung.« Sieh', und er führte sogleich die erlesenen Scharen vom Nachhalt Gegen des Feindes Macht! Die jauchzenden Krieger bewegten, Eilend dahin im Waffenfeld, die hurtigen Schenkel, Wie das muthige Roß, dem Ziele genaht, in dem Wettlauf, Immer schnelleren Flugs durchbraust die stäubende Rennbahn. Hairaddin sah die Kommenden. Ihm erbebte der Busen Jetzo vor Angst: denn ach, sein mächtiger Gegner, der Kaiser, Flog an der Spitze der Kühnen daher! Er wandte das Reitroß Schnell, und entfloh. Da erhellte des Sieg's aufstrahlende Hoffnung Sein umwölktes Gemüth: er fluchte der niedrigen Feigheit, Die so fremd ihm war, wie draußen dem schrecklichen Löwen, Der die Wüste durchbrüllt, den Gegner zu wecken; dann faßt' er Gierig den ragenden Speer, und schwang sich zurecht in dem Sattel. Doch schon war ihm dahier der siegverherrlichte Kaiser, Brausend genaht, und warf ihm die Lanze mit kräftiger Rechten, Weitausholend zuvor, so rasch entgegen, und traf ihn Jetzt in die Rechte so fest, daß ihr entschlüpfte der Speerschaft, Und der Verwundete floh, von Wuth und Schmerzen gefoltert, Schnaubend zurück: ihm schlug der Feind' umhallender Sieg'sruf Jetzo der Wunden noch mehr; dann hieß er die Schrecklichen vorgeh'n, Kämpfen, und metzeln, von Rach' erfüllt, und schrecklicher Mordgier.

Ha, zu dem letzten Gewürg' ereilten sich jetzo die Gegner! Nicht der sturmentwurzelte Wald, nicht der schreckliche Donner, Der in des Mittags Gluth den schwarzumnachteten Himmel Durchras't, krachet so laut, als hier erkrachten die Waffen, Und wie im engeren Thal des Strom's ergossenen Fluthen Stürzt das Föhrengehölz, daß, übereinandergeworfen, Liegen die Stämm' auf dem Grund', und mengen die Aest' und die Wipfel: Also lagen im Feld die Erschlagenen, welche vor allen Sich in dem Vorderzug hinwürgten in Hast und Erbitt'rung. Aber nicht lang': da floh'n die völliggeworfenen Scharen Hairaddins fort mit Geschrei und in wilder Verwirrung nach Tunis, Und er folgte den Flüchtigen stumm, und verachtenden Blick's, nach. Sinam, des Nachzugs Hort, erwägend des fliehenden Heeres Noth, und scheuend des Herrschers Grimm, da er gestern die Sclaven Rettete, hielt nun da, nun dort die ausreißende Schar auf; Aber vergeblich. Wie dort die flüchtigen Gemsen der Weidmann Ein in das felsenumstarrete Thal, wo gierig die Schützen Harren, im Lärm und Getös' nachstürmenden Volkes zu treiben Nimmer vermag: denn fern erwitterten jene die Schützen Schon, und brechen dahier und dort durch lärmende Treiber: Also entfloh sein Volk. Doch er, wohlkundig des Krieges, Rastete nicht, und deckte mit tausend erlesenen Türken: Jetzo entfliehend mit List, und jetzt mit unbändiger Kühnheit Wagend erneueten Kampf, den Rücken des flüchtigen Heeres, Bis urschnell, wie ein Hagelgewölk, hervor aus dem Nachhalt Doria kam, und den Feind sein reisiges Volk mit dem Faustrohr, Das an dem Sattel ihm, links und rechts in der Halfter geborgen, Ruhte, vertrieb: den Zaum mit den Zähnen fassend im Anlauf, Und aus jeglicher Hand abfeuernd das knallende Faustrohr. Jen' entfloh'n wie Spreu im Hauch des stürmenden Windes.

Jetzt, am errungenen Ziel, der nächtlichen Weihe gedenkend, Welch' ihm Solches verhieß, erhob der stattliche Kaiser Seine, von Thränen des Danks umhülleten Blicke zum Himmel. Zahllos schwebten die Geister herab: sie umjauchzten des Siegers Ruhmgekrönetes Haupt und des Heer's unendliche Reihen. Aber, so laut und so mächtig sie schrie'n: des horchenden Kriegers Ohren vorüber erscholl nur ein leises Geflister; er blickte Staunend umher. Da hob zu dem übersinnlichen Luftraum Attila finster sich auf. Sein Aug', erhellet von Muth sonst War erloschen -- erschüttert sein Herz. Er zürnte dem Seher Muhamed, der ihn mit ruhm- und siegverheissenden Worten Wieder herab aus den Höhen gelockt. Nun sah er von dorther Mit umdüstertem Blick entgegen der dunkelen Zukunft. Aber die andern entfloh'n, und zogen umher in den Lüften, Wie das Herz sie drängt' auf dem Pfade der Läuterung, jenseits.