Tunisias Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (1/3)

Part 18

Chapter 182,892 wordsPublic domain

Liebliche Still' umfing das Lager der Christen. Entschlummert Ruhte der Krieger im luftigen Zelt; nur rings um den Wall her Stand die Wache, nicht scheuend für heut' den feindlichen Anfall Mehr, und summte, gelehnt an's Gewehr, ein munteres Liedchen Leis' in die Stille hinaus, sich die nächtlichen Stunden zu kürzen. Ueber die Cedern herauf, an Zafrano's entfernteren Höhen, Schwebte der Mond, und erhellete rings den schweigenden Erdkreis. Draußen im duftigen Meer, auf den fern entgleitenden Wellen, Glomm sein düsteres Licht; er zog in dem finstern Gewässer Hin die strahlende Bahn. Vom Schilf her säuselte Kühlung; Summend wiegten die Mücken der Nacht sich in würzigen Lüften, Und in das leise Getös' der fern' aufbrandenden Wogen Mengte vom dunkelen Hain die kreischende Stimme der Laubfrosch: Rings verstummte die Welt, und entschlummert ruhten die Krieger. Aber kein Schlummer umfing die glühenden Augen des Kaisers. Sinnend saß er vor seinem Gezelt, und blickte zuweilen Schwermuthsvoll in die liebliche Helle des Mondes, zuweilen Nach dem trüblichen Schimmer hinaus auf den gleitenden Wellen, Hörte der Wogen Geräusch am fernen Gestade; der Mücken Summenden Flug, und das Kreischen der grünlichen Zweigebewohner, Und er seufzte dann laut des Herzens nagendem Kummer.

Sieh', nicht schlummert' auch Eberstein! Ihm brannten die Wunden Noch an dem Arm, den erst, im Sturm der Veste Goletta, Ein befiederter Pfeil durchfuhr. Er lag in dem Mondlicht, Vor dem Gezelt, die Labung kühlumsäuselnder Lüftchen Athmend. Nun horcht' er bewegt, und blickte verwundert um sich her, Als er die Seufzer vernahm vor dem Zelteingange des Herrschers. »Wer durchstöhnet die Nacht?« so rief er, dem einsamen Denker Nahend mit zögerndem Schritt. »Er selber?« Da wich er betroffen, Kehrete wieder, und sann: ob er dort den Einsamen störe? Doch sein trauerndes Aug' entlockte dem Zweifler das Wort jetzt: »Hat mich das Lüftchen getäuscht, das leis' in den Zweigen des Oehlbaums Säuselt, Seufzenden gleich? Geußt Blässe des Todes der Mond nur Dir auf die Wangen? Wie, du wachest, in Trauer versunken, Nach dem Tage des herrlichsten Sieg's, dem Falle Goletta's? Sprich, Erlauchter, warum denn ewig dir finstere Schwermuth Falte die Stirn'? Enthülle dem Treuen des Herzens Geheimniß: Haben die Sorgen des Thron's, hat unverschuldetes Herzleid Sie schon frühe gezeugt, und großgezogen zum Jammer?« Ernster wandte nach ihm die sinnenden Blicke der Kaiser; Legte die Hand auf die Brust, und begann mit erschütternder Stimme: »Lasest im Antlitz du die Züge des nagenden Kummers? O, so schaue sie kenntlicher noch mir im Herzen, und schweige! Früher Gram, vermengt mit den zartesten Freuden der Kindheit Wurzelt' in dieser Brust, die dort des herrlichen Vaters Tod, und um ihn, der Mutter im Wahnsinn endende Trauer, Grausam zerriß. Doch winkte mir ewig der Völkerbeherrschung Ernstes Ziel; ihm weiht' ich die fröhlichen Jahre der Jugend, Schweigend, der Blödigkeit Bild, bis Valladolids Turnierbahn,[70] Und des Schild's hochsinniger Spruch mir glänzenden Ruhm gab. Als ich Hispania's Zepter ergriff, durchtobten des Aufruhrs Schrecken das herrliche Land. Von Bürgerblute besudelt, Weckt' es Entsetzen mir an den Schranken der furchtbaren Laufbahn;[71] Aber zugleich erstand auf der dornenvollen ein Feind mir, Unversöhnlich, den Thron des heiligen, römischen Reiches Neidend, und glühend vor Haß, in Frankreichs stolzem Beherrscher.[72] Hat er nicht endlos Krieg, und ach, unnennbares Elend Rings auf unsere Völker gewälzt: zu Bundesgenossen, Er, deß' Thron in dem Nachruhm prangt des _Christlichsten Königs_,[73] Mahoms Söhne gewählt,[74] des Kreutzes schrecklichen Erbfeind, Den ich im seligen Jugendtraum, dereinst Europa's Rettender Hort, zurück nach Asia's Steppen zu drängen Hoffte? Sieh', auch jetzt, als uns viel tausender Christen Schreckliche Noth nach Afrika's ferne Gestade gerufen, Weckt er daheim mir Haß, und nährt verderbenden Aufruhr! Deutschland -- Mann, du erbebst dem Jammergeschicke der Heimath, Fröhnt ihm sogar, verkennend mein treues und redliches Streben: Durch den freien Verein so vielfachgesonderter Gauen Endlich die heimische Macht und Würde für immer zu gründen! Doch nun trennt sie ein Streit, das Heiligste, Höchste der Menschheit: Gottes Wort, sich erkiesend zum strenggebiethenden Vorwand: Jeden Verein zum Wohl noch kommender Zeiten zu fernen.[75] Wahr, daß Schatten das Licht umhülleten; heilig wie Gottes Satzung, der Unfug dünkte dem Volk', und die Wiedergestaltung So an dem Haupt wie den Gliedern ersehnt' auch die bessere Mehrzahl, Die dem Heiland getreu verharrt für immer und ewig! Doch nur von Schlacken das Gold, von der Spreu zu sondern das Fruchtkorn, Heischte die Lieb', und es hob sich schon der Tempel der Eintracht Herrlich empor: er ward zertrümmert in schrecklicher Willkühr. Nur zerstörend wollte man bau'n. Die reitzende Neu'rung Und der empörende Ruf unwahrgedeuteter Freiheit Lockte das Volk -- das Eigen der Kirche die Fürsten. So rang ich, Denkend des schrecklichen Bauernkriegs,[76] und der Gräueln der Zukunft, Lang' entgegen dem Strom, dem Jammer zu wehren, vergebens! Ha, ein Gesicht, erst jüngst in des Heiligthums Dunkel enthüllet, Sträubte das Haar an der Scheitel mir auf! Ich zitterte, bebte: Deutschland sah ich erwürgt nach dreißigjährigem Wuthkampf,[77] Rauchend im Schutt die Burgen, Paläst', und Hütten, und Tempeln; Heiliges frech entweiht, die Määler der Künste vernichtet, Und verödet die Gau'n. Wo früher die goldenen Aehren Wogten im schimmernden Abendroth; wo blöckende Heerden Hüpften im lachenden Grün; der Mensch in seliger Unschuld Gleichbeseligte Menschen ersah, und sich freute des Daseyns, Herrschte nur Grabesstill', und im dornumwucherten Saatfeld Bleichte das nackte Gebein weithin erschlagener Völker. Spät erst wagte, mit schüchternem Blick, der Verscheucht' aus dem Schutte Sich zu erheben, und sah er nun dort den Schüchternen kommen, Dacht' er, »Weß Glaubens er sey?« und brütete Haß und Verfolgung. Sieh', Jahrhunderte floh'n! Da lag auf den Fluren der Heimath Finstres Gewölk; die röthlichen Blitz' erhellten zuweilen Hinter der Wolkennacht, die Jammergefilde der Zukunft. Ueber dem Rhein scholl Mordausruf: bald wirbelten endlos Auch in die deutschen Gau'n, vernichtend, herüber des Aufruhrs Flammen, und laut umher ertönte Gebrülle von Freiheit! Gleichheit! Doch von dem Wagen des lautumjauchzeten Siegers Klirrten die Fesseln schon entehrender, schimpflicher Knechtschaft. Fiele der Deutsche so tief? Er beugte den kräftigen Nacken Selber der Schmach? O dahin, ich wußt' es, unselige Trennung, Führst du mein edeles Volk: dir rang ich vergeblich entgegen!«[78]

Jetzo verstummt' er, und neigte zum pochenden Busen das Antlitz, Thränenumflossen, herab; doch sieh', er hob es, erschüttert, Wieder empor: im Blitz erhab'ner Gesichte der Zukunft Schwand ihm die Gegenwart! Er sah in beglückteren Tagen, Freiheit bringend und Ruhm, an den lieblichen Ufern der Pleisse[79] Siegender Heere Verein: erstanden in ihrem Vermögen Deutschlands Völker, geschlossen den Bund hochsinniger Fürsten, Schlacht und Feindesflucht, im helleren Glanze des Rheinstroms Freihinwallende Fluth, und Sieg auf Siege gehäuft fort -- Sah vorstrahlend im Fürstenbund den glücklichen Enkel: Glücklich im hohen Gefühl des ruhmgekröneten Lebens, Und in der Liebe des Volk's, das treu und redlich ihm anhing, Auch in dem nächtlichsten Sturme der Zeit.[80] Da schwand ihm des Anblicks Zauber; er starrt' umher, und rief: »Ein täuschender Traum war's!« Und mit dem Blick voll inniger Trauer begann er von neuem: »Solcher Kummer belastet mein Herz: ich denke der Zukunft. Alles, was ihr dieß Herz mit Liebe zu weihen sich sehnte, Hemmte der Sectenwuth blindlingsvernichtender Unsinn, Der, mein Leben begeifernd mit Gift, mir Haß in der Nachwelt Fernsten Tagen erregt, und Schmähung bereitet die Fülle. D'rum lechzt meine verwundete Brust nach freieren Lüften, Ferne vom Thron, wo nie die Freude mir lächelte, rastlos Feindlicher Haß mich traf, und herzzermalmender Undank. Aber ich sehe das Morgenroth, das mir an dem Abend Noch die Sonne verheißt nach dauernden Stürmen des Tages. Jüngst, nach ermüdendem Weidwerk, both in Estremadura's Lieblichem Thal, Sankt-Just,[81] der Hieronymitaner Einsames Kloster uns Ruh'. In der hehren Stille des Abends Faßt' uns gar wunderbar vom erhelleten Dome der Psalmen Herrliche Festmelodie, der Orgel mitwallender Jubel, Und das wehmuthsvolle Getön der Glocke vom Thurm her, Die zum Abendgebeth uns lud, und zu stiller Betrachtung. Schweigend durchirreten wir des vielfachgesonderten Gartens Dunkle Pfade, wo frei, nach Lust unschuldiger Willkühr, Jeder im Bruderverein mit Sorgfalt baute sein Gärtchen. Einer mit silbernem Haupt und himmlischheiterem Antlitz, Wandelte dort: er band, dem festlichen Morgen zur Feier, Kränze, mit zartem Sinn vermengend mancherlei Farben; Knüpfte, hinwandelnd im Duft, gesunkene Blumen an Stäbchen Fest, und labte die schmachtende Flur, aus der Fülle des Springquells Schöpfend die Silberfluth mit hellerglänzender Kanne. Freundlich nickt' er den Gruß erst mir, dann meinen Gefährten Freundlicher noch; er ging, und waltete, meiner nicht achtend, Wieder so ruhig fort in überseligem Frieden. O, so dacht' ich, nicht fühlt er die herzzernagenden Sorgen, Die mein Antheil sind auf des Lebens verworrenen Pfaden! Ihm ist sein Blumenbeete die Welt, von sanften Bewohnern Blühend und duftend belebt; sie lohnen mit seligen Freuden Stets ihm jegliche Müh': er herrscht und waltet im Segen. Schnell wie ein Blitz aufflammt' in meinem Busen ein Vorsatz, Welchen das Herz ergriff, festhielt, und erwählte für immer. Staune nicht so, mein Held! Einst siehst du mich glücklicher. Reift nur Mein Erzeugter zum Manne heran, auf dem Pfade des Herrschers Würdig zu wandeln: dann, o sehnlich erwarteter Festtag, Eil' ich mit Adlers Flug in des Friedens himmlische Thäler: Denn, wie, kämpfend mit Sturm und Noth, der zagende Schiffer Fern auf dem Meer umtreibt, als berstend die Maste vom Bord ihm Stürzen, die schäumende Fluth fortwälzt die Tau' und die Segel, Und sein Fahrzeug, leck, schon tiefer sinket, er plötzlich »Land! Land!« hört, da füllt ihm die Brust unnennbare Sehnsucht, Und sein thränender Blick hängt starr an den fernen Gestaden: Also zieht mich das Herz hinüber nach Estremadura's Winkendem Friedensport, und Sankt-Justs heiligen Mauern. Dort, den Sorgen der Erd' entrückt, vom Menschengewühl fern, Und dem Himmel geweiht, entschwind' in seliger Stille Jede Erinnerung mir der leidenerfülleten Vorzeit! Sieh', schon glänzet der Abendstern, verwandelt, des Morgens Herold: die Nacht entweicht! Schon wecken die rasselnden Trommeln -- Wecken Drometen das schlummernde Volk. Nun will ich des Sonntags Heilige Feier begeh'n im Kreise der tapferen Krieger, Dann, will's Gott, erringen das Ziel in dem Kampfe vor Tunis!«

Waffengeräusch erscholl im dunkeln Gezelte des Kaisers, Wo seither dem düsteren Schmerz ergeben, Toledo Trauerte. Ihn zu erheitern sann der gütige Herrscher; Aber umsonst: denn kalt und schweigend verschloß er die Brust ihm. Jetzt, aufhorchend im Zelt dem Klagenden, fühlet' er plötzlich Wieder erglühen den Muth im schmerzerstarreten Busen; Sprang vom Lager behend', umfaßte die glänzenden Waffen, Gürtete sich, und kam, und sprach zu dem Staunenden also: »Wie, so wohnet denn Gram auch im edelsten Herzen? So lohnt ihm Völkerbeglückende Müh' und Sorge nur schändlicher Undank? Schwinde, mein Leid! Verstumm't, ihr Klagen! Ich wähnet' euch endlos; Doch nun tret ich, beschämt, vor diesen erhabenen Dulder, Der dem größeren Schmerz obsiegt, und handelt, der Pflicht treu. Hör' ich drometenden Ruf -- der weckenden Trommel Gewirbel? Fleugt das Schlachtroß wiehernd im Feld, und blitzen die Waffen Tod in den Feind? Ich komme! Mit Schrecken gewahrt er Toledo's Waffen, und netzt sie mit Blut, und, wenn auch Thränen sie netzten -- Meine Thränen: ich trockne sie schnell, des Dulders gedenkend.« Rasch enteilt' er dem Zelt. Dem Nahenden jauchzten die Krieger Freudigen Gruß: denn liebend hing das Volk an dem Helden. Aber ihm folgte bewegt, mit den tapfersten Führern der Kaiser Jetzt in das Lager hinaus, Aufbruch zu gebiethen der Heersmacht.

Schon versank am fernen Gebirg der blässere Vollmond; Leise verhüllten die Stern' ihr Strahlenhaupt, und im Frühroth Glomm die erwachende Welt, als jetzt das geordnete Kriegsheer Sich nach Goletta erhob. In tieferschütternder Stille Schritt es einher. Nun wurde die finstere Stirne des Kriegers Mild, nun sanft sein drohender Blick: denn heiliger Andacht Sollt' er am Tage des Herrn sich weih'n; des göttlichen Mahles Andenken würdig feiern, und dann die erschlagenen Krieger Senken in's dunkele Grab, und den Tapfern erhöhen den Denkstein, Daß er entflamme des Kriegers Brust in der kommenden Zeit noch. Sieh', am Strande des See's, auf dem weitumschauenden Hügel Hob sich über dem Zelt aus Zweigen des säuselnden Oehlwalds Eine Laube, dem Opferaltar zum wölbenden Dom auf. Krieger pflanzten die Laub' in Hast, und zur Linken und Rechten Neben dem Bild des Gekreuzigten, nährt' auf silbernen Leuchtern Emsiger Bienchen Fleiß die fächelnde Flamme der Kerzen. Als die erlesene Heeresmacht, dem schimmernden Halbmond Aehnlich, die Laub' umgab: da folgte der stattliche Priester Eilig, im Feiergewand, dem dienenden Jüngling zum Altar. Dort vor dem Allerheiligsten sprach er die offene Schuld erst; Dann lobsang er dem Herrn, und bethet' um Himmelserleuchtung, Daß das sehnende Herz erkenne die Wege der Wahrheit; Kündigte dann aus dem Brief des großen Jüngers die Tröstung An die fromme Gemein': »Einst soll, was dunkel im Leben, Wie in umflortem Spiegel erschien, auf immer enträthselt, Schimmerndhell uns werden im Anschaun ewiger Wahrheit.« Dann die Worte des Evangeliums, mild und erhebend: »Liebet auch euren Feind, als Kinder des Einen und Höchsten, Der mit Vaterhuld für den Frommen und Bösen die Sonne Aufgehn heißt mit erwärmendem Strahl, und gedeihlichen Regen Sendet der Saat des einen, und andern!« Auch sprach er des Glaubens Frohes Bekenntniß, und opferte Brot und Wein zur Versöhnung Unserer Schuld; doch bald nach dem Dreimal-Heilig erhob er Nun das Heiligste selbst, und, als er im frommen Gebeth auch Jener gedacht, die, schon entrückt, im Lande des Friedens Schlummerten, sprach er das hohe Gebeth des Herrn, und, in Demuth Schlagend die Brust vor dem Lamm, das, uns Erlösung zu bringen Sich in den Tod hingab, genoß er die Speise der Seelen. Jetzt noch fleht' er um frohe Geduld in den Tagen der Trübsal, Und entließ mit segnender Rechte die Christenversammlung. Aber das Haupt entblößt, und die Augen zur Erde geheftet, Stand umkreisend das Heer, und ehrte die heilige Sühnung Durch erhabnen Gesang: die melodischen Laute des Herzens Flogen zum Himmel empor, und weckten die sanfteren Thränen, Die nur die Andacht weint in wonn'erhöhter Empfindung. Glänzender wölbte sich rings des Himmels blaues Gezelt auf, Und ein Sonnenmeer umwogte das hehre Geheimniß Unseres Heils. Der schimmernde See, von milderen Lüftchen Leise geküßt, erhob in schauernder Wonne die Wellen Nach dem Strand, wo in lispelndem Grün der Opferaltar stand. Freudig neigten sich ihm die Wipfel der Cedern Zafrano's; Auch das Olivengehölz ersäuselte sanft, und des Luftraums Liebliche Sänger horchten still in den flisternden Zweigen; Feierlich schwieg umher die tiefanbethende Schöpfung.

Als gefeiert das Fest, und vollendet das göttliche Mahl war: Da geboth der Kaiser dem Volk die Begrabung der Todten. »Eilt,« so rief er, »an's heilige Werk: der Erde zu geben Leichtverwesliche Saat zur Ernte des ewigen Lebens, Wenn der Posaune Klang uns all' aus den Gräbern hervorruft! Denket des tapferen Sarno zugleich, den ehrenden Denkstein Ihm erhöhend. Auch Giaffar sey an den Mauern Goletta's Ehrend die Säule geweiht: denn schön ist es, kommenden Zeiten Noch den Heldenmuth erschlagener Feinde zu künden.« Eilig gruben die Krieger das Grab; weit gähnte das Erdreich, Biethend die Ruh' im dunkeln Schooß den entschlummerten Todten. Thränenden Blick's hintrug so mancher den treuen Gefährten, Der auf des Lebens Dornenpfad' ihm redlich die Bürden Tragen half, und treu sich bewähret' in Noth und Gefahren. D'rauf, als alle das Grab umfing, und der ehrende Hügel Deckte: da hob, aufblickend, der Priester den Trauergesang an; Sprengte geweihetes Wasser umher, und schwenkte des Fäßchens Weihrauchduftende Gluth der Ruhestätte zum Segen. Dann versenkten sie auch im gesonderten Grabe, die Leichen Ihrer Gegner, vereint; erhöhten mit Liebe den Denkstein Sarno's Ruhme geweiht -- auch Giaffars. Freudig gewahrte Ludwig das Ehrenmaal des Tapferen, den er erlegte.

Hell, in des Mittags Gluth erglänzten die Zinnen der Festung, Als die christliche Heeresmacht, dem Herrscher gehorchend, Sich g'en Tunis erhob. Der Wetterwolke nicht ungleich, Die an dem fernen Gebirg aufschwebt, dann eilenden Fluges, Rings die Lüft' umhüllt, und des Himmels Bläue verschlinget, Deckten die Kriegsheerscharen das Land. Sonst tapfere Krieger, Lechzend vor Durst im qualmenden Staub, der unter des Rosses Huf und des Mann's vorstrebendem Fuß zu den Wolken emporstieg, Murreten jetzt in den Reih'n: da schwang der Kaiser voll Hast sich Aus dem Sattel; er zog in mutheinflößender Hoheit, Selbst mit den Scharen einher, und führte sie vor auf dem Heerweg. Plötzlich verstummte die Klag', und, wie durch kühlendes Wasser, War die lechzende Zunge gelabt, der finstere Sandstaub Ohne Beschwerd', und die Gluth der schrecklichen Sonne verloschen. Doch als jetzt in des Meeres Fluth g'en Westen ihr Antlitz, Goldumflammt, sich spiegelte; dort- und vom nahen Gehölz her Liebliche Kühlung kam: da ersah'n die staunenden Krieger Tunis, mit thürmenden Minarets und prangenden Häusern Glühen im rosigen Licht der ersehneten Stunde des Abends. Lautaufjauchzten sie all', und schlugen mit nervigen Rechten Dann an die blanken Gewehr': entscheidender Thaten sich freuend. Aber der Kaiser geboth, urschnell erforschend die Gegend, Seinen Tapferen »Halt!« denn links am Gestade des See's hin, Rechts am Olivengehölz, wo droben die Schanze der Felshöh'n Salis bewähretem Muthe vertraut, der lagernden Heersmacht Sichere Stellung verhieß, und die silbernrieselnde Quelle Labung ihm both, gedacht' er des Heers kampfrüstige Flügel Auszubreiten, und dort der Morgenröthe zu harren. Und, wie im wölbenden Dom die unzähligen Laute der Orgel, Von dem Künstler geweckt, sich all' in brausender Strömung Herzerschütternder Harmonie'n vereinen zum Wohlklang; Oder so wie die Räder all' im vollendeten Uhrwerk Willig sich dreh'n nach des Penduls Schlag, und die Zeiger der Stunden Kreisenden Lauf und die Bahn der Stern', und der Sonn' und des Mondes Weisen zugleich auf dem Zifferblatt: so folgten die Krieger Jetzo des Herrschers Wink. Und schnell, wie im künstlichen Webstuhl, Kreisenden Spuhlen entfloh'n, im Zug sich entwirren die Fäden, Und verschlingen zum schönen Gebild: so entwirrten sich alsbald Hier die verschlungenen Reih'n, und lagerten dann in dem Blachfeld Trefflich geordnet umher. Die Reiter, auf jedem der Flügel Deckten schirmend des Fußvolks Macht und des eh'rnen Geschützes Ordnungen, die von dem Vorderzug das mittlere Treffen Sonderten. So gestellt, nachtlagerten jetzo die Krieger.