Part 20
Das Köpfchen seiner Ilse mit dem grauen Reisehut nickte ihm schon aus dem Wagenfenster zu, als er aus der Haustüre trat. Er stieg zu ihr ein und hielt sein Kind lange in den Armen. Dabei preßte er ihren Kopf fest an sein Herz, denn sie sollte die Tränen nicht sehen, die ihm über die Wangen rollten. Krischan, der in seiner neuen Livree steif und gerade auf dem Bock saß, sah mit ungeduldigen Blicken bald auf die Uhr, bald von seinem hohen Sitz herab auf den Wagenschlag, und schließlich wandte er sich an Frau Macket mit den Worten:
„Nu is es aber die höchste Zeit, sonst verfehlt das Freilein und der junge Herr am Ende den Zug.“
Er konnte sich noch nicht entschließen, von der „Frau Assessor“ zu sprechen, für ihn war Ilse noch das „Freilein“.
Frau Macket zupfte ihren Mann am Ärmel. „Sie müssen fort, lieber Richard,“ sagte sie leise.
Er stieg aus, die Türe flog zu, die Pferde zogen an, und der Wagen rollte auf der Dorfstraße dahin, eine Staubwolke aufwirbelnd. Herr und Frau Macket waren aus der Pforte getreten und sahen ihm nach. Jetzt flatterte Ilses Taschentuch als Abschiedsgruß noch einmal aus dem Fenster, dann bog der Wagen um die Ecke und war den Blicken entschwunden.
„Komm, lieber Mann, wir wollen wieder hineingehen,“ sagte Frau Anne.
„Nun ist sie fort,“ sprach er halblaut, wie im Traume.
„Sie ist glücklich,“ gab Frau Anne zur Antwort.
„Ja, sie ist glücklich,“ wiederholte er leise und ein heller Freudenschein überflog sein von der Trennung schmerzlich bewegtes Antlitz. Arm in Arm gingen die beiden in das Haus zu ihren Gästen zurück.
Die jungen Leserinnen, welche die Personen dieser Erzählung liebgewonnen haben, werden gerne erfahren, daß die Fortsetzung dieses Bandes unter dem Titel „Aus Trotzkopfs Ehe“ in gleichen Verlag erschienen ist.
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