Tiere und Pflanzen in Wald und Feld
Part 2
Wenn wir die Nuß noch nicht gepflückt hätten, so würde die Larve mit ihrem hornigen Maul ein Loch in die Nußschale gefressen haben und dann aus ihrer Larvenhaut als kleiner geflügelter Rüsselkäfer herausgekrochen sein.
Wie wir sahen, entstehen aus dem gelben Staube und den roten Blüten Nüsse. Einige dieser Nüsse bekommen wir, einige erhalten die Eichhörnchen, einige die Eichelhäher. Einige fallen auf den Boden und wachsen zu jungen Bäumen empor, und einige frißt die Larve des Rüsselkäfers, ehe sie reif sind.
Lektion 7.
Maus und Spitzmaus.
(Sechstes Vollbild.)
Peter hat eine schöne alte Katze. Sie ist sehr klug. Sie klappert an dem Griff der Haustür, wenn sie hinein will. Wenn sie spät am Abend nach Hause kommt, springt sie auf den Draht, der an der Gartenmauer entlang läuft. Dieser bringt eine Klingel zum Läuten, und Peter kommt und läßt sie herein.
Aber in einer Beziehung ist sie sehr dumm. Sie kann nicht lernen, daß eine Maus und eine Spitzmaus nicht dasselbe ist. Wir freuen uns, wenn sie die Mäuse im Garten und auf dem Felde fängt. Denn die Mäuse fressen unsere Erbsen und die Zwiebeln der Krokus. Sie verstecken sich in den Getreideschobern und fressen den Weizen und den Hafer.
Aber Spitzmäuse fressen Insekten, Würmer und Schnecken und nützen uns dadurch, weil Insekten und Schnecken unseren Pflanzen schädlich sind.
Es ist so töricht von Miezchen, denn sie sollte es wirklich wissen. Wenn sie die Tiere getötet hat, unterscheidet sie dieselben, denn sie frißt die Maus sehr gern, aber sie frißt keine Spitzmaus. Sie tötet sie nur und läßt sie auf dem Wege liegen. Wir glauben, sie tötet die Spitzmaus, weil sie fortläuft, und frißt sie nicht, weil sie einen schlechten Geruch hat.
Sehr viele Leute können eine Maus nicht von einer Spitzmaus unterscheiden, denn sie sind sich sehr ähnlich. Eine Spitzmaus ist nicht ganz so groß wie eine Feldmaus und ein wenig größer als die niedliche kleine Zwergmaus, die ein rundes Nest aus trockenem Grase zwischen den Kornhalmen baut.
Vorigen Sommer fanden wir eins von diesen Nestern. Es war ungefähr so groß wie ein großes Schwanenei und von derselben Gestalt. Wir guckten hinein und fanden sieben winzige kleine Zwergmäuse mit rotbraunem Fell auf dem Rücken und weißem Fell am Bauche.
Die Spitzmaus hat eine mehr graue Farbe. Aber es gibt ein Kennzeichen, durch das man stets eine Maus von einer Spitzmaus unterscheiden kann. Die Maus hat eine kurze Schnauze und vier breite weiße Vorderzähne. Sie braucht sie, um Wurzeln und Zwiebeln anzunagen und um Kornähren abzubeißen. Aber die Spitzmaus hat eine lange spitze Schnauze; und ihre braunen Zähne sind sehr klein und spitz, so daß sie damit Insekten, Würmer und Schnecken töten und fressen kann.
Maus und Spitzmaus sind beide am Abend sehr geschäftig. Wir beobachten sie manchmal, wenn der Mond scheint. Die Mäuse laufen schnell ins Feld hinaus und wieder zurück zur Hecke. Paul sagt, sie tragen Samen und Wurzelstückchen zu ihrem Loche. Denn sie wissen, daß sie Nahrung nötig haben, wenn sie im Winter, wo keine zu finden ist, aufwachen. Die Spitzmäuse bewegen sich ruhiger in der Hecke. Sie stecken ihre langen Schnauzen in das dicke Gras und fressen Ohrwürmer und Raupen.
Sowohl die Maus als auch die Spitzmaus fürchten sehr die Eule, welche des Nachts herauskommt und sie mit ihren scharfen Klauen fortschleppt, um ihre Jungen damit zu füttern.
Spitzmäuse speichern keine Nahrung auf, denn sie schlafen den ganzen Winter durch in ihrem Loche. Dann im Frühjahr polstern sie das Loch mit weichem, trockenem Gras aus, und da kommen fünf oder sechs Junge zur Welt.
Auch die Maus wühlt sich tief in die Erde ein. Sie legt sich einen hübschen Wintervorrat an und schläft ein. Aber oft erwacht sie und frißt, um dann wieder einzuschlafen. Sie zieht eine zahlreiche Familie im Jahre groß. Deshalb gibt es so viele Mäuse.
Lektion 8.
Der Ameisenhaufen.
Im Walde, nahe am Schulwege, befindet sich ein großer Ameisenhaufen. Er steht am Fuße einer alten Eiche und ist fast ebenso groß wie Peter. Er sieht aus wie ein loser Haufen von Blättern, untermischt mit Erde und Reisern. Er ist unten breiter als oben.
Wenn wir abends nach Hause kommen, ist auf dem Ameisenhaufen alles ruhig. Wir sehen keine einzige Ameise draußen. Es hat den Anschein, als ob überhaupt keine darin lebte. Aber wenn wir am Morgen vorbeikommen, und die Sonne warm und hell scheint, sehen wir die Ameisen aus den Ritzen herauskriechen und auf dem Haufen herumlaufen.
Sie sind so groß wie ein Gerstenkorn und haben einen tiefen Einschnitt in der Mitte ihres Körpers. Sie haben lange Fühler und starke Kinnbacken. Sie beißen heftig, wenn man sie berührt.
Um die Mittagszeit finden wir sie noch geschäftiger. Sie haben viele Löcher im Hügel geöffnet und eilen hin und her. Einige holen Stückchen von Blättern und Zweigen und schleppen diese auf den Haufen. Andere bringen Nahrung. Eines Tages sah Paul einige Ameisen, die einen toten Wurm zerrissen. Dann trug jede ein winziges Stückchen davon in ihren Kiefern nach dem Hügel und kroch damit in ein Loch hinein.
Manchmal tragen die Ameisen kleine weiße Klümpchen aus dem Hügel heraus. Gretes Vater, der Wildhüter, gibt diese seinen Vögeln zu fressen. Er nennt sie Ameiseneier. Aber Paul sagt, daß es keine Eier seien. Es sind junge Ameisen, die in seidigen Beuteln eingeschlossen sind, die „Kokons“ heißen.
Wirkliche Ameiseneier sind viel kleiner. Wenn die kleine Ameise aus dem Ei auskriecht, ist sie blind und hat keine Beine. Sie heißt dann Larve. Die für ihre Nahrung sorgenden Ameisen füttern sie mit Honig. Später zieht die Larve einen seidigen Faden aus dem Munde und spinnt sich darin ein.
Wenn der Kokon fertig ist, können ihre Ernährerinnen die Larve nicht mehr füttern. Aber sie sorgen für sie, tragen sie tagsüber in den Sonnenschein und abends ins Innere des Hügels. Im Innern des Beutels bildet sich die Larve zu einer wirklichen Ameise mit Augen und Beinen um. Dann helfen ihr erwachsene Ameisen aus dem Gefängnis heraus, und sie beginnt zu arbeiten.
Eines Tages stach Paul mit seinem Stock ein Loch in den Ameisenhaufen. Wir sahen in einer Höhlung unter den Blättern eine Menge weißer Kokons. Die Ameisen waren sehr zornig. Einige bissen uns, andere nahmen die Kokons in ihre Kiefern und liefen fort, aus Furcht, daß wir ihre Kleinen verletzen könnten.
Als wir am Abend zum Hügel zurückkamen, hatten die Ameisen ihn ausgebessert. Jedes Loch war geschlossen, und alle Kokons waren im Innern in Sicherheit gebracht.
An einem Sommertage sahen wir eine Anzahl von geflügelten Ameisen über den Ameisenhaufen fliegen. Paul sagt, daß dies die männlichen und weiblichen Ameisen sind. Die Ungeflügelten sind Arbeiter, die für die Nahrung aller sorgen.
Lektion 9.
Das Hummelnest.
(Siebentes Vollbild.)
Vorigen März, als die Tage anfingen warm zu werden, sahen wir eine große Hummel über das Feld dahinsummen.
„Paß auf, Peter“, sagte Grete, „das ist eine Hummel, die den ganzen Winter geschlafen hat. Sie wird ein Nest bauen wollen.“ So folgte Peter ihr. Sie flog zu einem Abhang und kroch zwischen einigen Grasbüscheln in die Erde. Peter pflanzte einen Stock als Merkzeichen an der Stelle auf, und wir gingen alle Tage hin, um sie zu beobachten.
Meistens fanden wir sie beschäftigt, kleine Moosstückchen in das Loch zu schleppen. Aber wir sahen nicht hinein, aus Furcht sie zu stören. Nach vierzehn Tagen erlaubte uns Paul, das Nest zu untersuchen, und, im Grase verborgen, fanden wir einen kleinen Moosballen, der mit Wachs ausgepolstert war. Er sah aus, wie eine kleine umgedrehte Untertasse. Wir hoben ihn auf und fanden darunter einige flache Taschen, einige von der Größe eines Markstückes, andere nicht größer als ein Zweipfennigstück. Sie bestanden aus braunem klebrigen Wachs, und als wir eine öffneten, fanden wir im Innern sieben zierliche Eier, so klein wie Mohnsamen, und einige kleine braune Kugeln. Diese bestanden, wie Paul sagte, aus Blütenstaub mit etwas Honig gemengt und werden „Bienenbrot“ genannt. In einer anderen Tasche fanden wir Larven, die schon ausgekrochen waren. Diese fraßen von den braunen Kügelchen.
Das Hummelweibchen war sehr unruhig, während wir ihr Nest betrachteten. Sie saß ganz in der Nähe. Wir konnten sehen, wie groß und kräftig sie war. Es war ein schönes Tier. Der braune Körper war mit weichen gelben Haaren bedeckt, und dazwischen lagen Streifen von schwarzen Haaren. Ihre breiten Flügel glänzten hell in der Sonne. Sie stach uns nicht. Paul sagt, daß Hummeln sehr gutartig seien. Aber sie war in Angst, daß wir die Larven beschädigen würden, die zu Arbeiterinnen heranwachsen sollten. Wir legten die Decke wieder auf und warteten zwei Monate bis zum Juni. Wir fürchteten, daß bei der Heuernte die Pferde auf das Nest treten könnten. Dann statteten wir ihm wieder einen Besuch ab.
Oh! wie groß war es jetzt! Ein großes rundes Moosdach war mit Wachs ausgefüttert und so fest, daß wir es mit einem Messer zerschneiden mußten. Der einzige Weg, auf dem die Hummeln in ihr Nest gelangen konnten, führte durch einen langen Tunnel unter der Erde. Unter dem Dach lag eine Anzahl von schmutziggelben seidigen Kokons. In diesen saßen die Larven, die zu Hummeln heranwachsen. Die Kokons waren mit Wachs zusammengeklebt. Einige waren offen, denn die jungen Hummeln waren schon ausgekrochen. In diesen war Honig.
Viele Hummeln schwärmten ein und aus. Alle diese waren aus den Eiern ausgekrochen, die das Hummelweibchen in zwei Monaten gelegt hatte. Sie waren sehr geschäftig, um Honig und „Bienenbrot“ für die Larven herbeizutragen. Aber sie speichern, wie Paul sagt, keinen Honig auf wie unsere Bienen. Denn wenn kaltes, feuchtes Wetter einsetzt, sterben sie alle, mit Ausnahme einiger Hummelweibchen. Diese kriechen in Erdlöcher oder in warme Heuhaufen und schlafen, bis der Frühling wiederkehrt.
Gegen Weihnachten besuchten wir das Nest noch einmal. Das Dach war zerbrochen und die Zellen alle zerdrückt. Keine einzige Hummel war mehr zu finden.
Lektion 10.
Peters Katze.
(Achtes Vollbild.)
Peters Katze geht sehr gern in den Wald. Wir fürchten, daß sie eines schönen Tages totgeschossen wird. Denn Gretes Vater erschießt alle Katzen, die er im Walde antrifft, weil sie Kaninchen und Fasanen fressen.
Aber Peter kann sie nicht zu Hause halten. Sobald es dämmerig wird, schleicht sie sich hinaus und kommt oft die ganze Nacht nicht nach Hause. Sie geht in der Dämmerung, weil dann alle Tiere fressen. So kann sie Mäuse und junge Kaninchen fangen, ebenso Rebhühner, die auf dem Boden, und andere Vögel, die auf den Bäumen schlafen.
Sie ist ein sehr schlauer Jäger. Ihr Körper ist wie gemacht zum Erfassen der Beute. Sie ist schlank, aber sehr kräftig. Sie kann außerordentlich weit springen und zwar so schnell, daß nur wenige Mäuse oder Vögel ihr entwischen können.
Dann hat sie auch weiche Polster unter den Füßen, so daß sie geräuschlos einherschleichen kann. Auch kann sie von einer hohen Mauer hinunterspringen, weil die weichen Polster ihre Füße vor Verletzungen schützen, wenn sie den Boden erreicht.
Wir alle wissen, was für scharfe Krallen sie an ihren Zehen hat. Aber wenn sie mit ihren Kleinen oder mit Peter spielt, ist ihre Pfote so weich, daß man gar nicht glauben kann, sie könne kratzen. Dies kommt daher, weil sie eine Rinne in jedem Zeh unter der Haut hat, und wenn sie ihre Krallen nicht braucht, zieht sie dieselben in jene Scheide zurück.
Aber wenn sie auf eine Maus oder einen Vogel springt, schlägt sie mit der Pfote zu, und sowie sich die Zehe biegt, kommt die Kralle hervor und dringt in das Fleisch ihrer Beute.
Aber wie kann sie bei Nacht Ratten und Mäuse sehen? Paul zeigte uns, daß sie die Mitte des Auges sehr weit im Dunkeln öffnen kann. Wir brachten Miezchen nahe an die Lampe und sahen, daß die Pupille ihres Auges nur ein kleiner schmaler Schlitz war. Darauf schlossen wir sie einige Minuten lang in einem dunkeln Zimmer ein, holten sie dann heraus und betrachteten ihre Augen bei Mondenschein. Jetzt war der kleine Schlitz ein großes, rundes, schwarzes Loch geworden.
Der Schlitz läßt genug Licht hinein, daß Mieze bei Tage sehen kann, und wenn sie nachts ausgeht, wird er zu einer großen runden Öffnung, die alles Licht, das von Mond und Sternen kommt, hineinläßt.
Aber wenn es außergewöhnlich dunkel ist, tastet sie sich mit ihren Spürhaaren zurecht. Paul sagt, daß es sehr grausam ist, einer Katze diese Haare abzuschneiden, denn sie sind ihr eine große Hilfe im Dunkeln.
Mieze hat eine sehr rauhe Zunge. Wenn man sich von ihr die Hand lecken läßt, so fühlt man, wie sie von unserer eigenen Zunge oder von der eines Hundes verschieden ist. Sie ist so rauh, daß sie damit die letzten Stückchen Fleisch von einem Knochen abraspeln kann, nachdem sie die großen Stücke mit ihren langen spitzen Vorderzähnen abgerissen hat.
Mieze ist sehr schlau, wenn es sich darum handelt, ihren Lebensunterhalt zu erwerben, und wenn man ihren Kopf ansieht, so weiß man auch warum. Denn sie hat eine breite Stirn, in der viel Platz für ein großes Gehirn ist. Neulich hielten wir den Kopf eines Kaninchens neben den ihrigen. Er war so klein und hatte so wenig Raum für ein Gehirn, daß wir gar nicht erstaunt waren, daß die Katze viel schlauer als das Kaninchen ist.
Wer würde denken, daß Mieze, die mit ihren Kleinen am Feuer sitzt und schnurrt, im Walde so wild ist. Aber, wie Paul sagt, gibt es wilde Katzen in den Wäldern, die so wild wie Tiger sind. Tiger und Katzen sind sich sehr ähnlich. Auch Tiger können liebevoll sein. Wir hörten einmal eine Tigerin in einer Menagerie schnurren, als sie ihr Junges liebkoste.
Lektion 11.
Der gefräßige Fremdling.
Mitte April dieses Jahres hörten wir zum ersten Male den Kuckuck. Wir hören ihn gern, denn er sagt uns, daß der Frühling da ist. In diesem Jahre hatten wir Glück. Wir sahen einen jungen Kuckuck in einem Neste aufwachsen.
Dies trug sich folgendermaßen zu. Wir hatten den Kuckuck eine ganze Zeitlang gehört, und es schien, als ob eine ganze Menge dieser Vögel riefen. Eines Tages hörten wir ein sonderbares Geräusch, so wie kik-kik-kik. „Aha!“ sagte Grete, „Vater sagt, daß dies der Ruf des Weibchens ist, das Eier legt.“
„Nun“, sagte Peter, „wenn es hier in der Nähe ist, können wir vielleicht eins von seinen Eiern finden. Ich möchte so gern einen jungen Kuckuck sehen.“
Ungefähr eine Woche darauf fand Paul das Nest einer kleinen Heidelerche. Es war in einem dicken Grasbüschel am Abhange in der Nähe des Waldes. Zwei kleine mattgraue, braungefleckte Eier lagen darin. Am nächsten Tage, als wir zur Schule gingen, waren es drei und am übernächsten Morgen vier. Aber als wir an dem Nachmittage desselben Tages aus der Schule zurückkamen, waren fünf Eier da.
„Die Heidelerche kann nicht zwei Eier an einem Tage gelegt haben,“ sagte Peter. „Es soll mich wundern, ob der Kuckuck nicht eins von seinen Eiern hierher gebracht hat.“
Wir wissen ja, daß der Kuckuck seine Eier auf den Erdboden legt und sie dann in seinem weiten Schnabel in das Nest irgend eines anderen Vogels trägt. Wir sahen vierzehn Tage lang täglich nach. Die kleine Heidelerche war so an unser Kommen gewöhnt, daß sie nicht einmal vom Neste aufflog. Es war ein hübscher kleiner Vogel mit braungefleckten Flügeln und gelblicher Vorderseite.
Nach vierzehn Tagen krochen zwei junge Heidelerchen aus und am nächsten Tage noch zwei. Sie sperrten die Schnäbel nach Futter auf, und der Vater flog hinaus ins Feld und brachte Insekten und Raupen, um sie zu füttern. Aber die Mutter saß noch auf dem fünften Ei.
Zwei Tage später kam der fünfte Vogel aus. Er hatte einen gekrümmten Schnabel und gebogene Zehen mit kurzen scharfen Krallen. Zwei Zehen standen nach vorn und zwei nach hinten. Heidelerchen haben gerade Schnäbel, und von ihren Zehen stehen drei nach vorn und eine nach hinten.
So erkannten wir den jungen Kuckuck an dem Schnabel und den Zehen.
Am nächsten Tage sahen wir wieder nach. Die kleinen Heidelerchen hatten Kiele auf ihren Flügeln, wo die Federn wuchsen, und ihre Augen waren geöffnet. Der Kuckuck war nackt und blind. Aber er hatte zwei kleine Heidelerchen aus dem Neste gestoßen, und sie lagen tot auf dem Abhange.
Der Kuckuck war während eines Tages sehr gewachsen, und die alten Heidelerchen fütterten ihn fortwährend mit Insekten, während er mit weit offenem Schnabel dasaß. Während wir ihn betrachteten, wühlte er im Neste umher und schob eine andere kleine Heidelerche an den Rand desselben. Wir setzten sie in das Nest zurück und mußten dann zur Schule gehen. Als wir zurückkamen, saß der Kuckuck allein im Neste. Die vier kleinen Heidelerchen lagen alle tot auf der Erde. Er hatte sie alle herausgestoßen.
Die alten Vögel schienen ihre toten Jungen nicht zu sehen, so geschäftig waren sie, um den großen, hungrigen Fremdling zu füttern. Sie fütterten ihn fünf bis sechs Wochen lang, selbst nachdem er schon aus dem Neste heraus war.
Es war zu komisch. Der Kuckuck war größer als eine Drossel und die Heidelerchen nicht größer als ein Sperling. Jedoch der große Vogel saß auf einem Zweige mit offenem Schnabel und ließ die kleinen Vögel alle Nahrung herbeitragen.
Zuletzt flog er fort. Wir hörten im August einen Kuckuck rufen, als die alten Vögel schon fort waren. Wir hätten gern gewußt, ob es unser junger „gefräßiger Fremdling“ war.
Lektion 12.
Der Maulwurf und sein Heim.
Letzten Sommer gab es auf dem Felde sehr viele Maulwürfe. Das ganze Feld war mit Maulwurfshaufen bedeckt. Endlich schickte Pauls Vater nach dem Maulwurfsfänger. Er stellte Fallen in den Gängen und brachte viele tote Maulwürfe mit nach Hause.
Ein Maulwurf ist ein sonderbares Geschöpf. Er hat einen langen, plumpen Körper und einen kurzen, dicken Schwanz. Sein dunkles Fell ist so weich und dicht wie Samt. Er hat eine lange spitze Schnauze, die an der Spitze sehr hart ist, und der Mund ist voll von starken, scharfen Zähnen.
Die Füße des Maulwurfs sind sehr sonderbar. Sie sind nicht mit Fell bedeckt, sondern nackt und rosenrot. Die Vorderpfoten gleichen breiten flachen Händen mit sehr starken Klauen. Sie sind vom Körper abgewandt und sehen zu groß aus für ein so kleines weiches Geschöpf.
Diese Pfoten sind, wie Paul sagt, die Schaufeln des Maulwurfs. Er lebt unter der Erde und frißt Würmer. Mit seiner harten Schnauze bohrt er ein Loch und dann schaufelt er die Erde mit seinen starken Pfoten fort. Auf diese Weise gräbt er eine Röhre, und wenn er die lose Erde fortschaffen will, stößt er sie mit der Schnauze nach oben. So entstehen die Maulwurfshaufen.
Aber die Maulwürfe bleiben nicht immer unter der Erde. Manchmal an warmen Sommerabenden sieht man sie in Hecken herumstöbern und nach Larven und Schnecken suchen. Es gibt mehr männliche als weibliche Maulwürfe.
Wir hätten so gern den Bau eines Maulwurfs gesehen. Wir gruben tief in einen Maulwurfshügel hinein und hofften einen zu finden, aber wir trafen nur auf eine Röhre. Der Maulwurfsfänger lachte uns aus, als er uns dort graben sah. Er fragte uns, ob wir dächten, daß der Maulwurf einen Haufen loser Erde über seinen Bau aufhäufen werde, um seinen Feinden zu zeigen, wo er zu finden wäre.
Endlich kam eines Tages ein Herr zu Pauls Vater und bat ihn, einen Maulwurfsbau für ihn öffnen zu lassen. Er wünschte zu sehen, wie er aussähe. Dies war gerade das, was wir wollten, und so gingen wir mit.
Der Maulwurfsfänger führte uns eine Strecke weit über das Feld. An der Ecke in der Nähe des Waldes fanden wir unter den Bäumen einen großen mit Gras bewachsenen Erdhügel.
Er begann dann die Seite dieses Hügels abzugraben. Als er ungefähr in der Mitte angekommen war, hielt er inne und räumte die Erde sehr vorsichtig mit den Händen fort. Und da war, dicht unter dem Erdboden, ein großes rundes Loch mit einem sehr festen Dache, das aus harter Erde bestand. Wir konnten von der Seite aus hineinsehen. Das Loch war mit trockenem Grase ausgepolstert, und vier winzige Maulwürfe lagen darin. Wir füllten es sorgfältig wieder zu und ließen die kleinen Maulwürfe in Ruhe.
An den Seiten des Baues waren vier Löcher. Diese führten zu den Gängen, durch die die alten Maulwürfe aus- und eingingen. Wir fürchteten, daß sie durch unser Graben ziemlich mit Erde angefüllt wurden, aber der Maulwurfsfänger sagte, sie würden bald wieder von den alten Maulwürfen in Ordnung gebracht werden.
Er erzählte uns, daß der alte männliche Maulwurf im Winter ganz allein in einem solchen Bau lebt und sich von Würmern nährt. Manchmal kommt er aus der Erde hervor, und wenn der Frost sehr streng ist, stirbt er vor Kälte. Im Frühjahr sucht er sich ein Weibchen.
Thüringer Kunstanstalt G. m. b. H., Gera-Untermhaus