Part 2
DER TOD PHILIPPS. Unterdes gings in der Hauptstadt Philipps unruhig und bewegt zu. Pausanias, Beherrscher der Thessalonicher, bereitete eine Verschwörung gegen den König, aus dem Wunsche, sich der Olympias zu bemächtigen, die er trotz ihrer Jahre schon lange mit seiner Liebe belästigte. Und an einem regnerischen Tage, als der König sich ohne die Königin ins Theater begab, da hatten Pausanias und seine Helfershelfer, die fast zur Hälfte die nahen Plätze um den König besetzten, beschlossen, ihren Anschlag auszuführen. Auf ein gegebenes Zeichen verwundete der Jüngling, der hinter Philipp den Fächer hielt, das Schwert zückend, den König in die Schulter. Indem ein Teil der Verschwörer mit Pausanias zu den Gemächern der Olympias stürzte, zerstreuten sich die anderen in der Stadt, ihre Anhänger suchend, und die gelassenen Bürger aufhetzend zu rufen: »Es lebe König Pausanias, nieder mit dem ägyptischen Bankert!« Gegen die andrängenden Übeltäter wehrend, trugen die Freunde mit Mühe den verwundeten König in den Palast. Auf den Straßen, trotz Regens und der Dämmerung, entstanden Handgemenge, als plötzlich durchdringende Hornrufe die Ankunft der Heere Alexanders verkündeten, den Getreuen zur Freude, und den verräterischen Bürgern zum Schauer. Hastig eilte Alexander zum Palaste und überließ es dem Heere, in den Straßen fertig zu werden. Schnell in das Schlafzimmer seiner Mutter tretend, erblickte er die Königin in den Armen des Pausanias, der sie besinnungslos küßte. Die Schreie Alexanders, der es nicht wagte, den Gewalttäter mit der Lanze zu durchbohren, aus Angst, er möchte die Mutter verletzen, drangen dem Rasenden nicht zu Ohren. Immer fester mit der einen Hand die Königin umfassend, mit der anderen die schweren dunklen Kleider herabzureißen sich mühend, warf er Olympias auf den Boden, wobei er einen hohen Sessel umstürzte und doch seine Beute nicht preisgab.
»Schlage zu, Söhnchen, schlage, fürchte nicht! auch mich, schone meine Brust nicht, die dich ernährt hat!« schrie die Königin unter dem unbändigen Liebhaber. Alexander stürzte hinzu, packte ihn am Kragen und schleppte ihn fort, den halbentblößten, nichts in seiner Leidenschaft erkennenden Pausanias, und die Lanze in den nackten Bauch bohrend, drehte er einmal um, und noch einmal und dreimal, so daß jener aufbrüllte wie ein Bulle, nach den warmen Brüsten der Geliebten tappend. Olympias, in ein Laken verwickelt, zerzaust, rief: »Schlage ihn nicht! Bring ihn zum Vater, dort sollst du ihn töten!« »So, Königin!« rief der Sohn und schleifte den halbtoten Pausanias an den Beinen die hohe Treppe hinunter. Im Gemach des Königs wars dunkel und roch nach Kräutern; auf das Klopfen des eintretenden Prinzen öffnete Philipp die Augen, aber er drehte sie bald wieder ab. An das Bett tretend, küßte Alexander die Hand des Königs und sagte leise: »Ich bins, Vater, und da ist dein Feind, räche dich!« Die Augen Philipps glänzten auf, und das von seinem Sohne gereichte Messer ergreifend, stach er es mit schwacher Hand in den halbtoten Vasallen. Dann die Augen schließend, lächelte er, und, indem er zu seinem Sohne sagte: »Gott behüte dich, ich sterbe gerächt!« seufzte er zum letzten Male. Der Prinz führte zum Munde des Königs einen Spiegel, wartete einige Augenblicke, dann über den Leichnam des Pausanias schreitend, riß er das Fenster nach dem dunklen Platze auf, wo im Regen die harrenden Mengen standen und rief laut: »König Philipp starb als Rächer!« und ein lauter Ruf erscholl aus der Dunkelheit: »Es lebe König Alexander!« indem rötete der Abglanz der von den Meuterern angezündeten Vorstädte die dichten Wolken.
Ende des ersten Buches.
ZWEITES BUCH
ERSTES KAPITEL
DIE THRONBESTEIGUNG. Alexander hatte achtzehn Jahre vollendet, als er den väterlichen Thron bestieg. Nachdem der neue König eine gehörige Zeit in Trauer und eine andere in den prunkvollen Feierlichkeiten der Krönung verbracht hatte, versammelte er alle Heere und sprach ihnen in einer Rede voll Feuer zu, die persische Macht abzuwerfen. Er versammelte die Jünglinge aus allen Städten und verteilte unter ihnen Waffen aus den offenen Rüstkammern, ohne der Altgedienten zu vergessen, der erfahrenen Ratgeber in den Schlachten.
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DIE GRIECHISCHEN FELDZÜGE. Sein Heer zählend, begab sich Alexander, bevor er gegen die Barbaren rückte, in die griechischen Städte, die damals von ihm abgefallen waren, um den Feind nicht im Rücken zu behalten, dabei hinterließ er als Herrscher an seiner Statt Antipater. Eine besondere Hartnäckigkeit im Nichtanerkennen des neuen Herrschers zeigte Theben, das Alexander bis auf den Grund zerstörte, allein das Haus des ruhmvollen Pindar, des Odendichters, verschonend. Und der König hieß seine Flötenspieler und Cymbalschläger laute Siegeslieder spielen, als die Mauern zerstört wurden, welche doch unter Amphions Musik gebaut waren. Nachdem der Feldherr seine Macht in Griechenland befestigt hatte, begab er sich über Makedonien zum Hellespont, um sich nach Asien einzuschiffen. Die Städte unterwegs begegneten ihm mit offenen Toren, den siegreichen König mit Kränzen krönend. Alexanders Überfahrt wahrnehmend, eilten die persischen Kundschafter am Meere, dem König Dareios zu melden, daß der »Besessene« den Hellespont überschritten habe; Dareios, der zu dieser Zeit schachspielend beschäftigt war, vermischte mit der Hand alle Figuren, hieß die Wächter züchtigen und begann die Heere zu sammeln. Die Kriegsmächte trafen am Flusse Granikos zusammen, an einem frischen Morgen, ehe die Sonne noch aufgegangen war. Die griechischen Reiter wagten nicht, in den schmalen aber reißenden Fluß zu setzen und wechselten nur Pfeile und weit hinausschallende Schmähworte. Da stürmte Alexander selbst auf seinem Bukephalos in das reißende Wasser, die Mannen hinter sich mitziehend. Nachdem Alexander die Perser besiegt, durchzog er Jonien, Karien, Lydien, Phrygien, Pamphylien, nahm die königlichen Schätze in Sardes und begab sich über Anaptos nach Sizilien, von wo aus er Italien erreichte. Die Edlen dieses Landes sandten dem Helden Markos, den Feldherrn entgegen mit einer Perlenkrone und Geschenken. Darnach der König von ihnen Krieger zur Hilfe genommen hatte, setzte er sich wieder auf seine Schiffe und segelte weiter in die offene See.
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DIE BEKRÄFTIGUNG DER GÖTTLICHEN ABKUNFT. Alexander hatte keine Ruhe, beim Gedanken an seine Herkunft, aber er vertraute seine Sorge niemand an, selbst nicht seinem Freunde Hephaistion. Einmal, als der König die Nacht nicht geschlafen hatte, verfiel er in einen leichten Schlummer gegen Morgen. Und da sieht er, gleichsam mit leiblichen Augen, wie der Gott Ammon die Königin Olympias umarmt, sie süß auf den Mund küssend, und sagt zu ihm, Alexandern: »Fürchte dich nicht, mein Sohn, denn siehe, ich bin dein Vater!« Als der König erwacht auf Deck trat, so leuchtete wie eine Sonne sein erheitertes Gesicht. Der Freund fragte: »Was hast du, König, heute?« Wichtigen Ernstes umarmte ihn Alexander und liebkosend sprach er: »Dich küßt der Sohn Ammons!« und in der Ferne schimmerten gelb die sandigen Flächen immer näher und näher, und die Möven kreisten über dem Schiffe des Königs. So kamen sie nach Ägypten.
ZWEITES KAPITEL
DIE GRÜNDUNG ALEXANDRIAS. Durch ein neues Gesicht wurde Alexander benachrichtigt, daß in diesem Lande eine neue Stadt gegründet werden müsse, dort, wo das erste Wild oder ein wildes Tier getroffen stehen bliebe. Vom Meere mit wenigen Begleitern sich entfernend, suchte der König lange mit dem Blick Vögel oder wilde Tiere, aber alles war leer im Röhricht und Gesträuch, nur Pfützen von der jüngsten Überschwemmung glänzten in der heißen Sonne. Der Schütze ritt daneben, mit dem Pfeil bereit. Plötzlich verkündete ein verhaltener Schrei die gewünschte Begegnung. Und das Schilf zerteilend, erschien ein weißes Pferd mit einem gleicherart weißen Horn auf der Stirn. Es verschwand so rasch, daß mans für ein Gesicht halten konnte. Alexander, Hephaistion und der Bogenschütze stürzten hinter dem wunderlichen Tiere her, in den biegsamen Sumpfgräsern raschelnd, die nachgezogen wurden, von dem bald erscheinenden bald verschwindenden Einhorn. Der erste und der zweite Pfeil erreichten das Ziel nicht, auf die flache See fallend. Endlich ritten sie auf einen offenen sandigen Ort hinaus, inmitten dessen eine Korinthenstaude auf dem Meere wuchs. Das Pferd stand gerade gegen den König und wieherte herzbewegend. Alexander, von dem herbeigeeilten Jüngling den Bogen nehmend, traf in die Stirn das wundersame Tier, das alsobald verschwand. Dort betete der Makedonier unter dem klaren Himmel bis zur Zeit, da die Heere mit dem Kriegsherrn kamen. Sofort wurde der Umfang der zukünftigen Stadt abgemessen, und man zog den Fluß hinauf, indem Hephaistion mit einem Teile der Armee dablieb, um Eingeborene zu dingen, welche Ziegel brannten und rasch für den Augenblick Erdhäuser aus Weidenruten und Lehm aufbauten zur Wohnung der Arbeiter und ihrer Familien.
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DAS ORAKEL DES SERAPIS. Gegen Abend erreichte der König eine Insel, auf der ein verlassener Tempel sich befand inmitten einiger Hütten. Keiner der Einwohner wußte, wen das Standbild des schönen Mannes aus schwarzem Stein darstellte. Der Priester selbst konnte es nicht mit Bestimmtheit erklären. Aber Alexander hatte kaum die Schwelle des Heiligtums überschritten, als eine Stimme ertönte:
»Dreifach selig besucht Alexander den Tempel Serapis'. Schaff eine große Stadt, du baust dir ein ruhmvolles Grab.«
ALEXANDER IN ÄGYPTEN. Die Ägypter empfingen Alexander mit Jubel und feierlichen Aufzügen. Ans Ufer des Flusses kamen Reigen von Jünglingen und Jungfern, Priester in gelockten Perrücken, die weithin nach Moschus dufteten, Hierophoren mit den Abbildungen der Götter in Gestalt von allerhand Tieren, und Scharen schwarzer sonneverbrannter Eingeborener. Der König wurde im alten Tempel zwiefach als urischer Gott gekrönt und zu den Gräbern der Pharaonen geleitet. Eine Totengruft betretend und vernehmend, die sei zu Ehren des sonder Nachricht verschwundenen Königs Nektaneb errichtet, hieß Alexander die Fackeln zum Antlitz des Bildes heben und mit lautem Schrei erstieg er plötzlich die hohen Stufen, umarmte das Standbild und sagte weinend: »Das ist mein Vater, ihr ägyptischen Männer!« Alle fielen zur Erde, nur die bewegten Fächer ragten über die niedergestreckte Menge, und die Hörner der Priester antworteten dem Könige.
Nachdem er die Tage der Festlichkeiten in der Hauptstadt verbracht hatte, nahm der König das Götzenbild des Vaters und die Reliquien des Propheten Elias und fuhr weiter gen Norden. Ein Adler flog den ganzen Weg ihrem Schiffe voran, zuweilen auf das Standbild Nektanebs sich niederlassend, das ragte auf dem Vorderteil und leuchtete mit hellem Topas dem Abendstern entgegen. Von der Ferne erblickten sie den Rauch der gebrannten Ziegel und vernahmen die wehmütigen ägyptischen Lieder, von dem Orte her, wo die Stadt errichtet wurde. Hephaistion wartete mit Fackeln am Ufer, als er von der Höhe das königliche Schiff erspäht hatte.
Nachdem der König den Göttern Opfer gebracht, besonders Serapis und Ammon, und die ersten Gesetze den Ansiedlern gegeben, schiffte er sich wieder ein, bewegt von Ruhmdurst und nieschlafender Tapferkeit.
DRITTES KAPITEL
DIE EROBERUNG VON TYROS. Vor Tyros sandte Alexander Boten, in der Absicht, auf friedlichem Wege die Stadt zu gewinnen; aber zur Antwort auf seinen Brief henkten die Bürger vor den Stadttoren die Boten und schlossen sich noch fester in ihre Türme ein. Alexander trat in Verbindung mit drei östlichen Vorstädten, und in einer dunklen Nacht, da er vorher die Tore offen wußte, fiel er über die Stadt, nahm sie, den Schlaf und die Sicherheit der Einwohner sich zunutze machend, und tötete alle Männer, während er für die Sklaverei Frauen und Knaben ließ.
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ALEXANDER IN JERUSALEM. Vom Meere zog der Weg in hohen Bergflächen nach Jerusalem. Die Juden schickten von selbst Auserwählte zu Alexander mit der Bitte, sie untertan zu nehmen, und mit Geschenken.
Alexander beobachtete die Sterne, als man ihm die Gesandtschaft meldete; der König empfing die Juden im Gewande des Sternedeuters, kühl und zurückgehalten; als er vernahm, daß sie ihn bäten, ihm untertan zu werden, befahl er vier Jünglingen sofort sich in einen Abgrund zu werfen, welches sie, mit einander umarmt, auch taten. Die Judäer zerrissen ihre gestreiften Gewänder und erhoben Wehklage; aber der König sprach: »Glaubet nur nicht, daß diese Epheben Verbrecher waren, Verräter oder derlei; aber welche mir zu gehorchen sich vornehmen, diese müssen meinen leisesten Wunsch erfüllen!« Am Morgen empfing im Tore den König der Hohepriester, dessen ganzer Schoß mit goldenen Glöcklein benähet war und dessen Brust sich in ein Ephad hüllte, mit selbstleuchtenden magischen Steinen: 1. Dem babylonischen Sandrion, rot wie Blut, der Wunden heilt; 2. dem indischen Topas, der von Wassersucht befreit; 3. einem Smaragd, -- der Augen Weide; 4. dem Amphrax, der in der Nacht und durch Gewänder scheinet; 5. dem Saphir, auf ihm verzeichnete Moses die Gebote; 6. dem Jaspis aus Amathunt; 7. dem Anatis, der Schlangenstich lindert; 8. dem Hyazinth, der mit seiner Glut das Feuer löscht; 9. mit Chrysolithen, Beryllen und Onyx. Der König trat in Eile an den Greis und seine Hand küssend fragte er: »Vater, welchem Gotte dienst du?« -- »Dem einzigen, der Himmel und Erde geschaffen!« -- »So mag er auch mein Gott sein!« rief der Held. Aber der Greis, die Arme mit offenen Händen zum Himmel gestreckt rief: »Der Gott der Siege sei mit dir, o Sohn!« Das griechische Gefolge des Königs fand sein Betragen nicht ganz der königlichen Würde geziemend, es ging aber ein Gerede der Juden vor Alexander her, daß der Sieger ihrem Aberglauben alle offenbaren Zeichen der Verehrung angedeihen lasse, insgeheim bekennend, aber in der Tat ist dies nichts, als eine leere Fabel.
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DIE BOTEN DES DAREIOS UND ALEXANDERS ANTWORT. In Syrien stießen zu Alexander die Boten des Dareios, einen Brief bringend, einen Ball, eine Peitsche und ein Kistchen mit Gold. Der vor versammeltem Heere verlesene Brief war voll aufgeblasener Prahlerei und Schimpfens. »Ich, Dareios, der König der Könige, der Gott der Götter, strahlend wie eine Sonne usw. an Alexander, meinen Sklaven. Möchtest du lieber zu deiner Mutter Olympias gehen, liegen an ihrer Brust, und die Schule besuchen, anstatt fremde Länder zu plündern wie ein Räuber!« Das Schweigen auf dieses freche Anschreiben wurde durch die Stimme des Königs unterbrochen, der laut ausrief: »Haben wir denn vor bellenden Hunden Furcht?« Darauf hieß er die Boten kreuzigen. Die Boten, zwei Perser mit roten Bärten und der Dolmetsch, ein griechischer Knabe, fielen dem König zu Füßen wehklagend: »Erbarme dich! was haben wir getan? Was ist da unsere Schuld?« Der König, mit einem Lächeln antwortete: »Soll ein Räuber um Erbarmen gebeten sein?« --»Wir sehen den König«, lallten jene. -- »Wohl, Könige lassen Boten nicht töten!« rief da laut Alexander, gleich als ob er sich an etwas erinnerte und begab sich gesenkten Hauptes zum Nachtmahl, wohin er auch die Boten kommen ließ. Der Dolmetscherknabe flüsterte, zum Ohr des Königs geneigt: »König, ich will dir sagen, wie du Dareios überwältigen kannst. Deine Schönheit hat mich besiegt!« Ihn zur Seite schiebend, sprach der König: »Sage mir dein Geheimnis nicht, bewahre es für jemand, der schöner ist als ich!« Auf dem Feste wurde mit der Einwilligung der Feldherrn auch die Antwort geschrieben: »Alexander, Sohn des Philipp und der Olympias an den König der Könige, den Gott der Götter usw. Dareios -- Freude. Bedenke, welche Ehre mir, dich zu besiegen. Doch einen Räuber zu zwingen wär das Verdienst nicht groß! Auch deine Geschenke sind sehr gut. Der Ball ist die Erdkugel, die Peitsche bedeutet Sieg, das Gold -- Tribut.« Alle begrüßten mit lautem Rufen die Antwort des Königs, schlagend mit dem Kruge an die Becher und mit den Schwertern an den Boden.
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DIE SCHLACHT UND DIE FLUCHT DES DAREIOS. Dareios sandte von neuem ein Schreiben an Alexander, noch aufgeblasener als das erste, aber der Held schüttelte nur die Mähne und sagte: »Dareios gleicht einer Pauke: von der Ferne -- schrecklich, in der Nähe -- ein gespanntes Fell!« Hinter dem kilikischen Tauros und dicht bei Tarsos trafen sich die Feinde wieder am Flusse. Aus dem griechischen Lager war deutlich das hohe Gespann des persischen Königs zu sehen. Dareios stellte seine besten Kräfte in den Flügel, der jenem gegenüberstand, wo er den Alexander vermeinte. Die Schlacht währte bis zum Abend fast, wobei ein so eng Gedränge war, daß es im allgemeinen Durcheinander beinahe unmöglich ward, den Perser vom Griechen zu unterscheiden, den Gemeinen vom Befehlshaber; die Pferde kämpften mit aufgeschlitzten Bäuchen, das betäubende Brüllen der Hörner und das Gerassel der persischen Wagen erhöhten die allgemeine Erregung und Unordnung. Bald war die ganze Erde voll von lebenden und gefällten Menschen und Tieren, zerbrochenen und dahinsausenden Gespannen, Blutlachen; und die Wolken, welche die Sonne bedeckten, erschienen noch düsterer von der Menge der Lanzen und Pfeile, die den Tod in alle Teile des Feldes trugen. Der König wandte seinen Blick nicht vom Gespann des Dareios, bis es plump umbog und, zuerst langsam, dann immer rascher und rascher begann vom Schlachtfeld abseits zu streben. Mit einigen Freunden eilte Alexander auch dort hin, die flüchtenden Perser wehrend. Der Wagen, stark seitlings gekrümmt bei den Biegungen, fuhr eilends, mit den speichenlosen Rädern knarrend. Der Weg führte bergauf, immer steiler hinan und menschenleerer; das Geräusch unten verstummte. Schon hörte Alexander das Wiehern der Dareiospferde und endlich gelangte er hin; die Pferde aufhaltend ohne Hast, ergriff er den Teppich-Zudeck, sprechend: »König fürchte dich nicht, du bist in Sicherheit; ich bin Alexander!« Ein dicker runder Kopf schob sich unter der Decke hervor und versteckte sich wieder; nach einigem Warten wiederholte der König seine Versicherung, die abermals vergeblich blieb. Die Fackeln anbrennend, schlugen endlich die Diener die Schöße des Teppichs zurück. Das Gesicht mit den Händen verdeckt, knieten drei Frauen. Der König selbst deckte ihre Gesichter auf; die erste erwies sich als ein Eunuche, der im gebrochenen Griechisch und mit Gebärden erklärte, daß Dareios zu Pferde verschwunden; und seien diese Frauen die Mutter und die Tochter des persischen Königs: die zweite nannte er Datipharta. »Ich hoffe, ihr Fürstinnen, vertraut meinem Edelmute? Zu Hause würde euch keine solche Ehre empfangen, wie sie euch bei mir erwartet«, sprach der König, von der roten Mähne den Helm abnehmend.
Die alte Königin schien ertaubt zu sein, aber Datipharta warf das blonde in kleine Zöpfchen geflochtene Haar zurück, lächelte, nahm Alexanders Hand, drückte sie an ihr Herz, wies dann auf den jungen zweihörnigen Mund, und sie stammelte etwas mit zarter Stimme.
VIERTES KAPITEL
ALEXANDER AM GRABE DES ACHILLEUS. Während Dareios ein zweites Heer sammelte, um Alexander niederzuwerfen, begab sich der König zum Meere, um die von Homer besungenen Stätten zu besuchen. Als der König alles aufmerksam besichtigt hatte und die ruhmreichen Trümmer bewundert, brachte er mit eigener Hand Opfer dar am Grabe des Achilleus, zusammen mit seinem Freunde Hephaistion. Darauf betete er im Tempel des Orpheus und begann seinerseits zu einem neuen Kampfe sich vorzubereiten.
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DIE TREUE DES PHILIPPOS. Einmal, nach einem Bade im kalten Wasser des Kidnos, erkältete sich Alexander und wurde bettlägerig. Als der Arzt Philippos geholt wurde, ruhte der König halb sitzend im Bette, hoch gerötet und irgend einen Brief lesend.
Flüchtig mit dem feurigen Auge auf den Eintretenden blickend, fuhr Alexander fort zu lesen, bis der Arzt seine Kräuter stampfte und mischte. Endlich reichte Philippos dem König die Schale; scharf ihn anschauend rief jener: »Siehe, welch ein Vertrauen, o Philippos!« und begann langsam zu trinken, ohne die Augen von dem ruhigen Heilenskundigen zu wenden. Darauf zurück in die Kissen fallend, ließ er Philippos die heimliche Anzeige des Parmenion lesen, daß der königliche Arzt bestochen sei, Alexandern zu vergiften. Nach seiner Genesung näherte sich der König dem Philippos noch mehr, gänzlich Parmenion von sich haltend.
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DIE VORBEREITUNG ZUR SCHLACHT. Mysien und Armenien durchziehend erreichte der König durch wasserlose Wüsten den Euphrat, dessen Quellen im wundersamen Paradies verborgen sind. Alexander holte den Zug ein, und selbst die Spitze des Heeres nehmend, befahl er die Brücken zu vernichten, welches Dareios sofort gemeldet wurde. Der persische König schickte Boten zu seinen Feldherrn und vereinigten Herrschern, aber allein Poros von Indien versprach ihm seine Hilfe. Die alte Mutter schrieb aus der Gefangenschaft, von welcher Ehrerbietung und Hochachtung sie umgeben sei, und beschwor flehentlich, nicht die Welt in Aufruhr zu setzen. Dareios brach in Tränen aus, nachdem er an König Alexander ein Schreiben abgesandt hatte, in welchem er auf die gefangenen Verwandten Verzicht leistete, ihr Schicksal dem Könige selbst überlassend. Alexander lachte, antwortete nichts auf dieses wahnwitzige Schreiben und begann zur Schlacht sich vorzubereiten.
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ALEXANDER IM PERSISCHEN LAGER. Der König suchte vergebens irgend jemand, der es auf sich genommen hätte, in des Dareios Lager sich zu begeben. Nachts ließ er an die Hörner der Ziegen brennende Zweige binden, jagte sie vor die babylonischen Mauern und benutzte den Schrecken der Wächter, um den großen Umfang der Stadt von außen in Augenschein zu nehmen. Die dreifache Reihe der Mauern, die hohen Kupfertürme und die Tore lagen in Schweigen; nur die Elefanten brüllten von innen gegen die Himmelsröte, und aufgestörte Tauben flogen in Schwärmen zum schwarzen Himmel. Nachdenklich betrachtete der König die erstaunlichen Mauern und erklärte, heimgekehrt, daß zu Dareios als Bote er selbst sich begeben werde. Vergeblich suchten die Ratgeber den König von seinem Entschluß abzuwenden, wie von dem Vorhaben eines Hirnverbrannten. Eumelos und drei Pferde nehmend, selbst gekleidet nach der Art des Hermes, begab sich Alexander zum Flusse Strangas, der damals mit Eis bedeckt war. Dort ließ er Eumelos mit zwei Pferden, selbst überschritt er auf dem Bukephalos den Fluß und rief: »Ammon ist mein Helfer!« Die persischen Wächter, Alexander umringend, hielten ihn für eine göttliche Erscheinung, und geleiteten ihn in den Palast, allwo Dareios in babylonischen Gewändern, im vergüldeten Schuhwerk, im Purpurkleid, mit Szepter und Stab auf dem strahlenden Throne saß. Alle verwunderten sich über Alexanders kleine Gestalt. Dareios sprach mit etwas vom Weine ermatteter Stimme: »Wer bist du, Knabe?« -- »Ich bin der Bote Alexanders.« -- »Was hast du zu sagen?«