Part 9
Arme Miez! Die Maus war auf der Stellasch geschprungen, un sie ihr nach, weil alle Flaschn heruntergeschmissn un zerbrochn wahrn -- so eine Beschehrung war noch nich da! die heßliche Medezihn auf seinen neien, hibschn Teppich -- aber der armen Miezekatze gings am schlechstn. Eine Flasche mit Witreol war zerbochn un sie hadte dem Fuß heneingeschtekt, kein Wunder, das sie miaute un herumschprang wi ferrikt, so das sie dem Dokter wi er hereinkam grad ins Gesicht fuhr, aber er hob zum Glik den Arm auf -- das redtete ihm die Augn -- so das sie blos seine Nase un Schtirn zerkratzte -- das machte ihm so komisch ausschaun am nechstn Tag -- un wi er sie zuletz abschittlte, schprang sie direk zur Thir un nimand hat sie seitem gesehn. Das schrekliche Witreolöl fraß ein großes Loch im Teppich, was noch nich so arg gewesn wär aber es fihl auf dem Sofa, befor es auf dem Fußbodn rollte un goß eine Menge fon den greßlichn Schtoff über seinen neien Anzug, dem man ihm am selbn Tag gebracht hadte un in dem er heiratn sollte. Er wahr ganz runihrt. Ich glaub es wer noch nich so schlecht gegangen -- arg wi es wahr -- nur fing Susi, wi er am nechstn Morgn kam, um den Unfall zu erzehln, so zu lachn an, wi sie sein Gesicht foll Hefftpflaster sah un seine Nase 2 mal so groß wie gewehnlich, un sie lachte un lachte wi wenn sie nich aufhern kennt, bis er sagte: »Es mag fir sie Schpaß sein, Fräuln Hacker, fir mich is es der Tod. Ich habe genug fon ihren kleinen Bruder gehabt un auch fon ihnen -- wenn das der ganze Dank is fir das, was ich schon hab ertragn missn. Ich glaube nich das ich in di Familjeh eines Jungen wi Schorschi heiratn werde. Un so lebn sie wohl Fräuln Hacker -- fir immer!« un er schlug di Thir sehr fest zu un ging so schteif weg, wi wenn er gefrorn wer.
Dann aber ferging Susi das Lachn -- aber es wahr alles umsons -- er wahr nich bei uns seitdem, un das is 2 Wochn her; so schikte ich also ferschtohln di Anzeige zu der Zeitung un sie wird gewiß heneingesetzt wern.
Die ganze Familjeh is withend auf mir wegn der Katze un ich hab es doch nur in der bestn Absich gethan. Wer hedte es foraus wissn kennen, das Susann als alte Jungffer schterbn wird, blos weil ich di Katz in der Potheke fon ihren Bräutegamm liß, um eine Maus zu fangen? Das is nun einmal mein Pech. Ich bin ein sehr ungliklicher Junge. Susi ißt nich eimal sofihl wi ein Vogl zum lebn braucht un Elsbett orfeigt mich jedes mahl, wenn sie nur nah genug kommt, grad als ob der Dokter auch nur ein bischen früer zurikkäm, wenn sie mich orfeigt. Susann sagt, sie kennte ihm alles fergebn, bis auf dise Anzeige in der Zeitung: »es wahr nich die Schuld des Herrn.« Gut, war es filleich? Das sagte ich ihr auch, aber ich hoffe un bete, das sie es nich endekt, wer es gethan hat. Ich hab schon genug angeschtellt, ohne erwischt worn zu sein; das were der Kipflpunkt.
Gestern hadte Susi wider ein bischen zu weinen, di Medchen warn in ihren Zimmer un ich ferschtekt in ihrer Kammer nebnan, weil ich grad einen fon ihre Gummischue in Schtreifn zerschnidt, um mir einen Balln draus zu machn, un ich herte wi Elsbett ihr sagte, das man sich erzehlt der Dokter ginge jedn Abns zu Agnes Schtein.
Fon Agnes sagt man sie is das hibscheste un modischte Medchen in der Schtadt. Unsre Lil is ferheiratet un weg; un so wahr Susi firchterlich eifersichtig un weinte bis sie nich mehr konnte un wollte nich zum Nachmahl henuntergehn, so das ich nich wußte wi ich aus der Kammer herauskommen soll. Ich glaubte ich muß zutot hungern, aber wi es sehr finster wahr schlipfte ich henaus, so schtill wi eine Maus. Wi sie ihrn Gummischuh nich fandn, sagte Elsbett immer, eine Ratte muß ihm weggeschlept habn, um drin zu schlafn.
Wi ich allein mein Nachmahl aß, nur mit Betti, di mir ein Schtik Pastehte brachte, die sie nich mehr zum Essn brauchte, iberlegte ich mir, ich bin zu schlecht etwas zu essn, außer Pastehte un noch ein Schtikchen Kuchn, wenn Susi sich obn mit langsamen ferhungern selbsmordn will, un dachte mir, wenn ich irgend was thun kann, um das Unglik gut zu machn, das ich angeschtellt hab, so will ichs thun. Ich sagte zu Betti: »Sage den Leutn, sie solln nich besorgt um mir sein -- ich geh nur zu einen Freund un bin in einer halbn Schtunde wider zurik.«
Damit schlipfte ich aus den hintern Thor. Filleich 10 Menutn schpeter leutete ich bei Richter Schtein.
»Is Fräuln Agnes zuhaus?« fragte ich.
Sie sagte ja un so fragte ich, ob ich sie einen Momment sehn kann. Sie sagte: »Geh nur in den Sallohn hinein.«
Ich nahm dem Hut ab un ging henein.
Fräuln Agnes wahr bei den Peano, großartig angezogn, das Haar herausgeputzt, di Wangen rot.
Sie fing zu lachn an, wi sie mich sah.
»Wi gehts dir, Schorschchen?« sagte sie.
Ich sagte: »Fräuln Agnes, kennen sie Pinafohr?«
»Oh ja, sehr gut!« sagte sie.
»Erinnern sie sich an dem rihrenden Schtik, wo er sagt:
»Mein Godt! es wahr di Katze!«
Das is grad dasselbe, wi es in Ladn fom Dokter war. Un jetz Fräuln Agnes, glaubn sie es is ehrnhaff un gerecht fon ihm, meiner Schwester das Herz zu brechn, blos weil di Katz ein paar fon seine schundige Medezihnflaschn zerbrochn hat? Ich mechte das sie ihm heit abens sagn, wenn er herkommt, das ich ihnen erzehlt hab, das Susi nich zu der Helfte fon di Malzeitn kommt, sie hat den ganzn Apptit ferlorn un die Kleider sin ihr schon alle zuweit. Der Grund warum sie lachte is, weil sie einen hesterischn Anfall hadte, so erschrekt war sie un hesterische Leite missn lachn, wenn sie auch noch so wenig Lust dazu habn. Es is eine Schande, wi er sie behandlt hat un ich will ihm wegn gebrochnen Freschprechn ferklagn, so wahr ich lebe un atme, un wenn ich groß bin muß er sich mit mir duellihrn, er wird mir nich auskommen!«
Grad da hilt mir jemand fon rikwerts di Hand aufn Mund hob mich dann in der Hehe un setzte mich auf der Aksl un wi ich henunterschau, wahr es der Dokter selbs! So was!
»Nein, Schorschi,« sagte er, »wir wolln uns nich duellihrn, wir wollns liber gut sein lassn un wider Freundschaff schlißn. Mir gehts grad so wi deiner Schwester. Ich glaub, das beste was ich thun kann is, das ich mit dir nachaus geh un ihrs selber sage, wenn Fräuln Schtein uns enschuldign will.« Also gingen wir.
Wie wir dort wahrn, sagte ich: »Gehn Sie im Sallohn, Herr Dokter, ich will henaufgehn un sie rufn. Sie weint sich obn in finstern die Augn aus. Die Leite sin im Wohnzimmer.«
Dann lif ich henauf, schprang in ihr Zimmer un schrih: »Wo bis du Susi? Du solls schnell hinunterkommen. Im Sallohn is eine Auschtellung. Das große Wunder hir is fon Barnem ausgekommen!«
Sie pakte mich so fest bein Arm, das er noch jetz blau un schwarz is.
»Was sags du, Schorschi?« fragte sie ganz atemlos.
»Ich sage, wer zuletz lacht, lacht am bestn.«
Dabei flog si schon die Treppn hinunter wi der Wind. Ich lif so schnell nach, wi ich konnte, aber ich kam nich so schnell henunter als ich wollte, weil ich schtehn blib, um die Uhr im Forhaus aufzuzihn, aber sie zerbrach, weil sie den Tag früer aufgezogn worn wahr un jetz wird sie wahrscheinlich reprihrt wern missn; wi ich enlich henunterkam, wahr eine Ssene im Sallohn! -- aber ich lasse dem Forhang falln. Schorschi schteht mommentahn in hoer Gunst. Sie brummtn nich eimal, wi sie das greßliche Loch in den Hochtzeitkuchn sahn, das irgend eine Maus gemacht hat. »Wir kennen einen andern machn,« sagte Susann ganz gleichgilltig. Die Zermonih soll for sich gehn, wenn das Flaster fon dem Dokter seiner Nase geht.
Er macht einen Drachen und läßt ihn steigen
Rosa Prinz wird eine Gesellschaff gebn; sie is schon ein großes Medchen, un die Gesellschaff soll an ihren zehntn Geburtstag sein. Sie sagt sie werdn eine großartige Unterhaltung habn, jemandn, der Klawihr schpilt zum tanzn, un ein wirkliches Abendessn auf einer langen Tafl -- nich nur so herumgetragn, aber sie weiß nich ob sie mich einladn darf, weil ich noch zu jung bin un so schlecht. Ihre Mudter sagt, sie soll mich liber auslassn. Ich sagte ihr, sie is in Irtum, ich bin jetz ein Musterjunge, sie soll nur meine Mutter fragn, ob ich nich die letzte Zeit schreklich braf wahr; es is gemein mich nich einzuladn un ich werde sie auch nich einladn, wenn ich meine Gesellschaff gebe un Mamma hat mir ferschprochn, das ich es darf, wenn ich fortfahr braf zu sein. Also hat sie mich eingeladn un ich darf gehn. Es is morgn abens.
Ich geh jetz in unserer Schtadtschule; ich hoffe mich in lesn un schreibn schnell zu ferbessern, der Lehrer sagt, ich bin gescheit genug um eimal Presedent zu wern, wenn ich nur aufmerksam sein mecht, aber es sin hunderterlei Sachn in der Schule, um einen zerschtreit zu machn, mehr als man glaubn mechte, wenn man nie in der Schule gegangen is. Im Winter sin keine Flign da, aber man hat genug zu thun mit Papirknedl im Mund zu machn un ferschtohln herum zu schaun was ein andrer Junge einen fir Zeichn macht un das nimmt eine Menge Zeit weg oder den Lehrer auf der Tafl zu zeichnen mit einer dike Nase un es schnell wegzuleschn, wenn mans in der Hehe gehaltn hat. Oder einen Apfl zu essn unter der Bank, weil es ferbotn is oder dem Lehrer nerwehs zu machn, weil der Griffl bein Schreibn durchaus kratzt. Ich hab sehr wenig Zeit for lauter lernen, aber es noch immer besser, wi in einer Erziungsanschtalt geschikt zu wern.
Elsbett sagt das Haus is ein Paradihs, wenn ich in der Schule bin -- ich fragte sie, ob auch Engl in den Paradihs sin, weil ich keine sehn kann. Ich hab sie gebettlt, sie soll mir einen Drachn machn, aber sie hat keine Zeit bis di Hochtzeit forbei is. Alle Jungen habn Drachen, es is jetz die richtige Zeit dazu; es is zu dumm, herumzulaufn un zuzuschaun, wi die andern Jungen ihre schteign lassn. Ich denke, ich wer in dem Ladn gehn un mir 2 Schtekn kaufn un mir selber einen Drachn machn; ich kann ihm obn in meinen Zimmer machn; ich nehm mir Papas Gummirabi, Mammas Schehre ein paar Zeitungen un den Wollknäul. Ich will ihm machn, befor ich in der Frih in der Schul geh.
Heute Abens gibt Rosa Prinz ihre Gesellschaff. Ich bin sehr einsam un sitze in meinen Zimmer mit der Thire fon außn zugeschperrt. Ich glaube, sie wern sehr lustig sein, bei ihrn feinen Nachmahl -- ich hab keins bekommen -- nich ein Schtikchen hab ich seit den Gablfrihschtik gegessn un das wahr um 11 Uhr.
Ich bin ganz hol inwendig, wi eine Tromml. Aber was ligt dise herzlose Eltern dran, ob ich leide? Sie sin groß -- ihre Fersuchungen sin foriber, nimand schperrt sie ein un ferriglt die Thir hinter ihnen un sagt, sie bekommen heut kein Nachmahl, wenn sie krank sin un hungrig un elend; nimand orfeigt sie, wenn sie's nich besser gewußt habn, keiner schafft ihnen lesn un Gramattik lernen, wenn sie fortgehn wolln un sich ein bischen Schpaß machn; sie missn nich im Sessl ruig sitzn un nie den Mund aufmachn, wenn Gesellschaff kommt, un sie tratschn gleich alle Neuikeitn aus, die sie wissn. Ich hab heut frih den Drachn gemacht, wi ich gesagt hab. Ich wahr sehr zeitlich auf un schlich in di Schtrümfe hinunter um mir die Sachn zu holn, damit ich die Leute nich aufwekk. Ich holte mir keine Helzer fom Zimmermann, weil ich Papas seidnen Regnschirm sah un mir dachte, di Fischbeiner davon sin gut genug dazu; so schlich ich im Forhaus, nahm sofihl Fischbeiner heraus, wi ich brauchte un dann schnitt ich di Seide henunter um den Schweif draus zu machn -- den hab ich zuers gemacht -- oh! einen langen, langen! Dann schnitt ich dem Drachn zu un pikte ihm. Bis zum Frihschtik wahr er fertig un ich ferschtekte ihm untern Bedt bis ich in der Schule geh.
Ich kam zufellig disn formitag sehr schpet in der Schule -- eigntlich kam ich erst hin, wi die Schule am nachmitag aus wahr un der Lehrer nachaus ging. Es dauerte so lang bis ich den Drachn probihrt hadte, das ich nich früer hinkommen konnte. Die Schnur wahr iber einer Meile lang un natirlich dauerte es sehr lang bis ich die ganze nachgelassn un wider aufgewiklt hadte un das machte es so schpet. Deswegn schtellte sich der Lehrer bei uns un fragte nach ob der kleiner Schorschi krank is weil er heut nich in der Schul wahr, un so kams heraus.
Also wi ich in der Schul gehn wollte lißn die Jungen ihre Drachn schteign un ich liß meinen wider schteign; es war ein sehr fester Wind un sie gingen prachfoll in der Hehe, aber meiner fihl auf der Hauptschtraße einen Ferd am Kopf, das sich for jeder Dummheit schrekte, selbs for einen Drachn un es lif fort wi der Blitz un schmiß den Mann henunter grad mit den Schedl auf einen Barrejehrfahl un das wahr zu dumm, weil der Fostn abrach wi nix. Ich firchte sie werdn einen neu'n aufschtelln missn. Der Mann is erschlagn sagn sie, aber ein pahr glaubn, er wird wider zu sich kommen. Wenn ers thut, so hoffe ich, er wird nich wider so dumm sein un ein scheues Ferd einschpannen -- es is immer gefehrlich.
Ein Mann sagte mir, ich soll nich wider auf der Haupschtraße Drachn schteign lassn. Ich ging also henunter zum Depoh, weil ich weiß, di Maschienen wern nich scheu for Drachn un liß ihm schteign. Guter Godt! wi er in der Hehe flog. Henschen sagte, er fligt grad so wi ein Vogl, ich liß ihm di Schnur ein bischen haltn. Wir hadtn greßlich fihl Schpaß damit, nur blib er an einen hohn Baum hengen, wi ich ihm aufwikln wollte un wir konntn ihn nich herauskrign. Wir probihrtn un probihrtn un weil ich 10 Cent in der Tasche hadte, di mir der Dokter gestern abens gegebn hat, so sagte ich zu Henschen, wenn er hinaufkricht un ihm herunterholt, so geb ich ihm di zehn Cent.
Ich wollte nich gern selber hinaufkrichn, weil mir Mamma gesagt hat, ich soll nie auf einem hohn Baum klettern -- ich kennte henunterfalln.
Hansi sagte, er firchtet sich. Ich sagte: »Unsinn, Hansi! Ich wußte nich das du so ein Feiglin bist. Du kanns dir eine Menge Bretzln fir di 10 Cent kaufn.« -- Dann kledterte er hinauf, aber er wahr noch nich di Helfte obn, wi er ausliß oder ein Ast abrach un er herunterpurzlte; so mußte ich den Drachn obn lassn, was wirklich gemein wahr -- am erstn Tag, wo ich ihm gemacht hab. Hansi tat sich beim henunterfalln ein bischen weh. Sein Fuß is gebrochn; er wird sex Wochn im Bedt lign missn. Dokter Moor hat ihm eingerichtet un zwischen Helzer oder sowas geschtekt. Armer Hansi, ich mechte ihm schreklich gern sehn un fragn wi es is, aber seine Mamma will mich nich zu ihm lassn. Betti hat mir erzehlt, das sie gesagt hat, wenn Hansi gesund is wolln sie fortzihn fon da, sie will sein Lebn nich in der gefehrlichn Nachbarschaff fon so einen schlechtn, schlechtn Jungen wi ich bin, reskihrn. Si is wirklich gemein; ich hab ihm lib un mecht ihm nich um der Welt weh tun. Ich wußte nich, das er henunterfalln wird. Wenn er sich fest gehaltn hedt, wi ich ihm früer gesagt hab, hedte er sich den Fuß filleich nich gebrochn un ich hedte ihm die 10 Cent gegebn. Ich winsche ich kennte ihm sehn, wi schpaßig er auschaut in Schtekn eingebundn. Betti sagt, Mamma is so unwol, das sie sich zubedt legn muß; warum legt sie sich zubedt? Ihr Fuß is doch nich gebrochn. Manche Leite sin so dumm, das man gar nich weiß, was man fon ihnen denkn soll.
Betti sagt auch, das Papa schreklich withig is, wegn seinen bestn Regnschirm; sie habn die Schtike in meinen Zimmer gefundn, so das sie gleich wußtn, ich hab ihm zerschnittn. Wi ich nachaus kam, pakte er mich bei der Schullter, schtiß mich henauf in mein Zimmer un ferschperrte di Thir; nimand nich eimal Betti hat mir etwas zu essn gebracht. Ich winsche Familjen hedtn keine schlechtn Kinder, di in der Patsche kommen un dann hungern missn un so ein schrekliches Gefihl im Magn habn, nachdem sie sich den ganzn Tag bein Schpiln geplagt habn. Wenn ich wißte wo der Thirschutzferein is ich mechte ihnen schreibn, wi ich behandlt wer. Hansi is noch zu klein um zu der Gesellschaff eingeladn zu wern, also braucht er sich nichs draus zu machn, wenn sein Fuß gebrochn is. Er wird Scheleh bekommen, Eingesottnes un Hihnersuppe un eine Menge gute Sachn. Oh, wi hungrig ich bin! Ich winsche ich were Hansi. Ich winsche, ich were bei Rosas Gesellschaff un kennte Gefrornes essn. Ich winsche ich were in Robinson Krusohs Hitte un kennte gerestete Muschln essn. Ich winsche es mechte ein Brotfruchbaum in meinen Zimmer waksn. Wenn ich noch eine Lampe hedte, kennt ich wenigstns fon so gute Sachn lesn, aber sogar in mein theires Tagbuch muß ich bei Mondschein am Fensterbredt kritzln -- jeder Trost is mir weggenommen. Ich wer mich ins Bedt legn un fersuchn, fon den schiffbrichign Matrohsn zu treimen, der auf das Schiff geholt un gefittert un bewirtet wurde -- besser wi der arme Schorschi.
Der erste April
Ich habe gestern un forgestern Nacht nich zuhaus geschlafn weil ich meiner libn Lil einen unerwartetn Besuch machte, un so konnte ich nich in dir schreibn, libes Tagbuch. Weiß du libes Tagbuch forgestern wahr der erster Tag fon Monath Aprill. Sie nennen ihm den Aprillsnarrntag. Die Jungen erzehltn alle schon die ganze Zeit was sie machn wolltn, aber ich wahr so ruig wi eine Eule un Papa sagt, di denkt greßlich fihl.
Es war schreklich fad, seit Hansi sich den Fuß gebrochn hat weil seine Mudter mir nich erlaubte zu ihm zu gehn -- sie hat immer eine geladete Pestole bei sich, sagn sie -- ich sehnte mich nach ein bißchen Schpaß. Alle sagn, die Schtadt is greßlich fad, wenn Schorschchen nichs anschtellt, sie winschn, seine Schwester wer schon ferheirat, damits ein Ende hat, un sie wirds auch nechste Woche sein, wenn nichs inzwischn passihrt; aber ich will zun 1. Aprill zurikkommen.
Sie habn eine neue Schtadthalle gebaut, nachdem die andre abgebrannt is, weil ein paar dumme Medchen iber einer Maus schrien mit einer großn Gloke drinn, di sehr fest leitet, wenn irgendwo ein Feier is. Also gut, am Abens früer aß ich gut zum Nachmahl un schtekte noch ein hibsches Schtik fon den Hochtzeitkuchn ein; ich wollte nemlich unter einer Bank ferlorn gehn, werend der Messikeitsferein eine Fersammlung hilt un ein ganz gemein ausschauiger Kerl ihnen forpredigte un sagte, er wisse selbs wi das were. Ich schenkte einen andern Jungen mein Taschnmesser un ein Schtik Kuchn, damit er mit mir ferlorn geht. Wir hadtn eine Menge Schpaß nachdem der Schlißer di Lichter ausgelescht un das Thor ferschperrt hadte.
Ich hab gehert, Mamma saß die ganze Nacht auf, un das wahr sehr dumm fon ihr -- sie hedte wissn kennen, das mir nichs passihrt. Wir wartetn un wartetn, bis wir einschlifn un dann kam ich auf un wisplte: »Willi, es ist Zeit -- es is beina taghell. Komm gehn wir.«
Wir tastetern uns bis zu den dikn Schtrik hinter die Schtign un zogn so fest wir nur konntn, wi wenn di ganze Schtadt in Feier wer.
Alle Leite schprangen aus di Bedtn un zogn sich in schrekliche Eile die Kleider an. Wir hertn sie herumlaufn un schrein: »Wo is es?« »Sihst du es?« Oh, das wahr ein Schpaß! In 10 Menutn warn die Schtraßn so foll wi bei einer Prozeßjohn. So schnell wi der Schlißer nur seine Schtifl anzihn konnte, kam er wi ferrikt hereingelaufn. Es war schon ganz hell, so das er uns sehn konnte aber er blib mit aufgerissenen Mund schtehn, wi wenn wir Austern wern.
Ich fragte ihm, ob er denn nich weiß, was fir ein Tag heit is, un er wurde so zohnig das er mich schittlte bis ich glaubte, mein Kopf is eine Klapperbixe. Aber der junger Herr Spring, der Awokat, lachte un sagte: »Lassn sie die Jungen gehn, un machen sie sich nichs draus, alter Bursche, das sie gefopt worn sin wi alle ibrign auch. Brawo, Jungens, ihr habt di ganze Schtadt drangekrigt! Ich fir mein Teil will mich mit eich fertragn.« Also gingen di Leite wider zuhaus un nahmen sich mehr zeit ihre Tojlett zu machn, besonners Fräuln Hauk di zufellig ihre Zehne fergessn hadte un Herr Apronz der keine Zeit mehr gehabt hadte, sich di Loknwikl aus di Hare zu nehmen.
Ich ging mit Papa zuhaus, der nich ein bischen scheltete un bein Frihschtik sagte Elsbedt: »Schorschi, du mußt sehr hungrig sein, weil du so zeitlich aufwahrst, da has du ein paar Fannkuchn.« Ich hab frischgebakne Fannkuchn sehr gern zun Frihschtik un so biß ich hinein.
»Was fir ekliche, harte, alte Fannkuchn,« sagte ich nach einer Weile un die ganze Familje lachte, wi nur was -- es wahrn mit Baumwolle ausgeschtoffte Leinwandfannkuchn in Eier getaucht un gebakn un sie wolltn mir kein einzges Schtikchen fon etwas andern zu essn gebn.
Ich hadte in der Zeitung fon den Witz mit der Briftasche gelesn. Ich dachte es wird Schpaß gebn wenn ichs selbs probihr -- man leßt eine alte Briftasche auf der Schtraße falln un gibt ach wer sie aufklaubt. Wi ich also henauf ging mir di Hare birstn, befor ich in der Schul geh, schlipfte ich in Mammas Zimmer un nahm ihre Briftasche aus der Schreibtischlade. Es wahr nur eine Banknothe drin un deswegn schtopfte ich sie hibsch rund mit braunen Papir aus un ging zeitlich weg, damit ich mir noch ein bischen Schpaß machn kann, befor di Schul anfengt. Ich legte es auf den Flaster un ferschtekte mich hinter einer großn Kiste, weil ich einen greßlichn altn Vagabundn kommen sah un wirklich bemerkte er di Briftasche, schtopfte sie in seine Tasche un machte sich so schnell ausn Schtaub, das er gar nich mehr hinkte, wi wenn er nich eimal lahm wer. »Warte, du alter Schufft,« sagte ich, »wi wirs' du dich gifftn, wenn du sie aufmachst!«
Dann schlenderte ich zu den Tellergrafnbiroh, weil ich den Beamtn dort kenn, er is ein guter Freind fon mir, weil er schterblich in Elsbett ferlibt is un ich borgte mir ein Kuwehr un einen Bogn Papir aus, wi er grad nich hinschaute un ging bald darauf fort, weil ich zu Jim Schwarz hinrennen mußte, der fihl besser schreibn kann wi ich un liß mir drauf schreibn: »Dokter Moor, kommen sie schnell, Lilly sehr krank -- bereits aufgegebn. Montagu« un gab es einem Bubn, es in der Potheke zu tragn, grad so, das er noch zum nechstn Zug zurechkommt, wenn er sich tummelt; dann lif ich henunter zur Schtatzjohn un ferschtekte mich hinter einem Frachwagn, wi er zun Zug gelaufn kam. Oh, wi ich lachn mußte! Es wahr ein greßlich guter Witz.
Ich wußte, das Tellergrafnpapir wird ihm glaubn machn, es is Erns. Jetz wahr es so zu schpet in der Schul zu gehn un so konnt ich auch schon den ganzn Tag wegbleibn. Ich nahm meinen Golddoller un pikte ihm mit Schusterpech am Flaster, wi ich gesehn hab, das mans mit Pennys macht. Eine Menge Leite ferbrenntn sich di Finger aber dann kam ein großer Junge nahm ein Taschnmesser, kratzte ihm ab, machte eine lange Nase un lif weg -- fui Teifl! Ich heiß das nich besser wi schtehln. Dann ging ich beim Mihldamm foriber un schtekte den Kopf in Frau Jerns Haustor un fragte sie, ob sie schon weiß, das ihr kleiner Benny im Teich gefalln is -- un sie fing zu schrein an, wi wenn sie ferrikt gewesn wer un fihl am Fußbodn -- so eine Nerrin! -- als ob sie nich hedte dran denkn kennen, das der erster Aprill wahr.
Ich war firchterlich hungrich um der Zeit, wegn di baumwollenen Fannkuchn un setzte mich auf einem Baumschtumpf um meine Zehnerjause zu essn di Betti mir fir der Schule mitgegebn hadte. Es wahr ein reizendes faschihrtes Schnitzl, was ich sehr, sehr gern esse. Ich biß ein großes mundfoll ab -- es war aus Segschpehne un schwarzn Feffer gemacht -- so ein eklicher Quark! Ich weiß wers getan hat, es war Elsbett un so schmiß ich es weg un ging weiter bis ich zu den Blumengertner kam, der mich noch nich kennt, weil er noch nich lang hir is un ging henein.
Ich hadte di Karte fon der Tellergrafnbeamtn, di ich mir mit den Papir zugleich ausborgte un ich sagte zu den Gertner: »Nehmen sie ihr bestes un greßtes Bukeh, filleich um finf Doller, schtekn sie dise Karte henein un schikn sies gleich fort zu Fräuln Elsbett Hacker. Die Rechnung bringen sie nur ins Tellergrafnbiroh.«
Also that ers.
Wi ich henaus kam ging Fräuln Agnes grad foriber. Ich lif ihr nach un sagte: »Fräuln Agnes, sie habn ihr feines Schpitztaschntuch ferlorn.« Aber sie drehte sich nich um, weil sie sich erinnerte, das der erster Aprill is un so schtekte ich es in der Tasche, weil sie es im erns ferlorn hatte.