Part 8
Ich hab sie so lib, wi meine Schwestern, außer Lilly. Ich hoffe ihr Schiff wird bald im Hafn laufn. Ich werd sie besuchn, wenn es is. Ich mechte wissn, ob sie auf den Schiff wohnen wird. Ich hoffe. Heute sollte ich etwas aufsagn. Ich schtig auf dem Podeum, machte eine Ferbeigung un sagte es sehr laut. Frau Pitkins hadte mir es aufgeschribn. Es war iber der Schule. Sie schrib mir auf:
»Wi gliklich sin unsre Schultage! Di gliklichsten unsres Lebens.
»Kleine Jungen, deren Eltern es aufwendn kennen, ihre Kinder in eine gute Schule zu gebn, solltn der Forseung sehr dankbar sein. Die armen Kinder der Schtraße sehnen sich fergeblich nach solchem Glik. Wir soltn es uns zu Herzn nehmen solang unser Geist jung un emfindlich is: -- Unsre Nazjohn ferdankt ihre Greße nur ihren forziglichen Erziungsmittln, unter welchn di Erziungsanschtalt fir Knaben zur Forbereitung fir die hehern Schulen den ersten Rang einimmt.«
Das hadte Frau Pitkins geschribn. Ich hab es hir zum abschreibn in mein Tagebuch. Ich kann nich lign. Ich iberschrib es also, wi ich es habn wollte un las es sehr laut und schnell for. Sie wußte nich das ich es abgeendert hadte:
»Die Schule. Die Schule is schreklich. Kleine Jungen dern Eltern si in der Schule schikn, sin zu bedauern. Die armen Kinder auf der Schtraße unterhaltn sich besser. Sie schpiln fon frih bis abens templhipfn un Kugeln. Ich mechte liber ein Schtraßnjunge sein.
»Erziungsanschtaltn sin die schlechsten. Budter oder Eingemachtes krigt man nur eimal, Haferbrei is mehr da zum essn, als sons was. Man muß auf dem Kopf in der Ecke schtehn wenn man nur das geringste thut. Wenn ich groß wär un eine Schule hädt, ich wer nich so widerlich, wi Frau Pitkins. Das is alles was ich fon der Schule weiß.«
Ich glaub die Leite fandn es fir sehr gut fir so einen kleinen Jungen. Alle lachtn; der Professer un Frau Pitkins lachtn auch, aber so, wi wenns ihnen weh thäte. Wi sie wegwarn, un ich mir grad die Rihmen auf meine Schlidtschue festmachte, damit ich den ibrign nachmittag noch ein bißchen Schpaß hab, kam Frau Pitkins zu mir un sagte sehr siß:
»Du brauchs dich nich zu bemihn mit deine Schlidtschue, Schorschchen, du kanns den ibrigen nachmidtag im Schulzimmer bleibn un addihrn. Warum has du das abgeendert, was ich geschribn hab, du godtloser Junge? Du mußt fon Natur aus ferdorbn sein. Wenn dein Fater fir 2 Jungen bezaln mecht, wer es noch kein Ersatz fir di Mihe so einen schlechtn Jungen bei sich zu habn, der die andern Schiler ferdirbt!«
Sie fiehrte mich zum Schulzimmer, schtiß mich henein un ferschperrte die Thir. Ich hadte mich die ganze Woche auf Freitag gefreit. Ich konnte hern, wi di andern Jungen jauchztn un sich unterhiltn. Das Feier wahr ausgegangen. Ich hadte so Heimwe, das ich glaubte ich muß in 10 tausend Schtike zerschpringen. Bei jeder Zal di ich addihrn wollte, fihln mir die Trenen auf der Tafl, das ich den Schwamm gar nich in Wasser zu tunkn brauchte. Meine Finger warn so schteif, das ich das Ofnthirl aufmachte um zu schaun, ob das Feier noch brennt -- es wahr grad nur eine Kohle mehr drin. Ich zerriß ein Schreibheft un legte das Linjahl drauf; es brannte wunderschehn. Ich schmiß noch eine Menge Rithmetikhefte drauf bis mir ganz warm wahr. Wi ich aber die Ofnrehre fest machn wollte, fihl das alte rostige Ding herunter. Ich konnte sie nich mehr festmachen. Der Rauch wahr greßlich. Ich schrie, weil es so in die Augn biß; dann fing ich an zu erschtikn. Ich pumperte an der Thir un rif Frau Pitkins sie soll mich herauslassn. Aber sie wahr mit den Schlißl in der Tasche in der Schtadt gegangen. Fräuln Haven sagte ich soll ein Fenster aufmachn un den Kopf henausschtekn, bis sie einen Mann findet, der aufmachn kann. Aber die Fenster warn fest eingefrorn un wolltn sich nich rihrn. Fräuln Haven draußn wahr greßlich außer sich. Sie schrie herein: »Schlage ein Fenster ein, Schorschi, befor du erschtikst!«
Ich fihlte mich ganz erleichtert, wi ich das herte. In zehn Menutn war nich eine ganze Scheibe in alle 5 Fenster. Ein Mann kam un brach di Thir auf. Der Professer war bleich for Wut, wi er di Ferwistung sah.
»Warum has du alle Scheibn zerbrochn, du kleiner Dummkopf?« fragte er mich. »Ich werde eine Woche brauchn, das Zimmer wider in Ordnung zu bringen. Ich werde die Rechnung aber schon deinen Fater schikn!«
»Adonijab,« sagte Frau Pitkins, »glaubs du nich es wer gescheiter den Jungen gleich mit der Rechnung zu schikn? Wir sind runihrt, wenn wir ihm bis zum Termihn behaltn. Er is erger wi die egiptischn Plagn. Ich winsche, ich hedte ihm schleifn gehn lassen. Filleich wer er eingebrochn un hedte sich ertrenkt.«
Nimand scheint mich zu brauchn. Meine Leite habn mich hergeschikt weil sie mich nich zuhaus habn wolln, un jetzt winscht Frau Pitkins, ich wer tot. Ich hab mirs iberlegt, was ich tun wer. Ich hab eimal in der Zeitung gelesn: »Ein gesunder Knabe zu adobtihrn gesucht.« Ich werde der Zeitung einen Brif schreibn, damit mich jemand adobtihrt. Ich will sagen ich bin gesund. Es wird sich nimand treimen lassn wi schlecht ich bin. Sie werdn mich fir einen gutn kleinen Jungen haltn. Schön angefoppt! Ich wers heut abens schreibn. Jack wird mirs zur Zeitung tragn: »Ein gesunder Junge winscht adobtihrt zu wern. Auf gute Behandlung wird mehr gesehn als auf Bezahlung.«
Er wird ausgeschlossen
Das wahr eine Ssene letztn Abens wi ich nachaus kam! Sie hadtn dem Konduktehr gesagt er soll acht auf mir gebn, um die letztn Worte fon den Professer warn: »Gebn sie nur gut acht auf dem Jungen, Konduktehr! Er is ein ganz schreklicher Kerl. Ich mußte ihm fon meiner Akademih auschlißn.« Un wie er kam, mein Billeh einzwikn, lachte er zu mir.
»Was has du gethan, Birschchen, das du ausgeschlossn worn bist? Du schaust so unschulg drein, wi ein Lamm. Man sollte nich glaubn, das du so ein godtloser Junge bist!« Un patschte mir dabei am Rikn.
»Oh, ich hab eine ganze Menge greßliche Sachn angeschtellt,« antwortete ich ihm. »Ich machte dem Professer sehr große Auslagn in Perikn, aber es war immer nur ein Zufall -- ich hab nie etwas zufleiß gethan, nie! -- es war nur Pech. Ich bin sehr ungliklich,« figte ich dazu mit einen tifn Seifzer. »Aber der letzter Zufall der mir passihrt is, hat den Faß den Bodn eingeschlagn -- das heißt, der Frau Pitkins.«
»Gut,« sagte er, »wenn ich fertig bin komme ich zurik un du kannst mir erzehln, wi dir das passihrt is.«
Also kam er dann zurik un setzte sich auf der andere Helfte fon Sitz.
»Mechtn sie glaubn, Herr Konduktehr,« sagte ich, »das man einen kleinen Jungen -- einem wirklich gutn hibschn, kleinen Jungen ausschlißn kann, blos weil er ein Schtikchen rohe Pastehtnrinde aus der Kiche genommen hat?«
»Das wer wirklich zufihl,« sagte er so ein bischen in Gedanken.
»Nun, sie habns getan!« sagte ich. »Alles was ich gemacht hab is, das ich ein Schtikchen genommen hab filleich so groß wi meine 2 Feiste -- es wär nich mehr gewordn wi ein Schtik, so groß als Frau Pitkins fir gesund fir einen Jungen helt. Ich nahm es henauf in mein Zimmer, weil der Professer in der Schtadt untn ein Fisotgihforlesung haltn mußte zu woltetign Zwek. Frau Pitkins war ganz allein un ich pakte die Gelegnheit bein Schopff, wi sie in der Kiche war un der Kechin sagte sie soll die Eier zu den Fischn zum Frischtik nich ferschwendn un schmirte mir den Teig um das ganze Gesicht wi wenn ich eine Pasthete wer un machte ein Loch hinein, wi die Kechin thut, wo mein Mund war. Dann schlich ich in Frau Pitkins ihr Zimmer, setzte mich auf einem Sessl in der Ecke un nahm ein Leintuch iber mir, so das es bis auf der Erde henunterging. Es wahr finster im Zimmer, un wi sie heneinkam mit der Lampe fihl das Licht grad auf dem Geist. Si fing zu schrein an un lif dafon. Alles wer ganz gut gegangen un nichs geschehn, nur liß das dumme Fraunzimmer die Lampe falln un sie machte einen großn Fettflek am Teppich un ihr Kleid fing zum brennen an. Sie wär ferbrannt, aber Jack schmiß im Forhaus seinen Iberrok iber ihr un sie hadte grad nur eine Blase auf der Hand, aber das Kleid wahr hin -- es war ein ganz neies -- un for Angs krigte sie hesterische Kremfe un sagte, sie weiß jetz ganz gut, warum meine Mutter mich in der Schule geschikt hat, aber sie mechte mich nich um 10 000 Doller in Gold behaltn. Es wahr mir sehr leid, um ihr neies Kleid un ich wollte ihr mein golnes finfdollerschtik gebn, damit sie sich ein andres kaufn kann. Sie nahms aber nich. Sie sagte, sie wird es schon auf der Rechnung schreibn. Oh Godt, oh Godt! Was wird Papa sagn, wenn er die Rechnung siht! Es sin mir so fihle Mallehre passihrt! Immer bin ich in der Patsche!«
»Herr Konduktehr, brauchn sie keinen Jungen fon meiner Greße um Zeitungen auf der Bahn zu ferkaufn, oder Schinknsemmel oder Malzbombon? Ich mechte mich gern selbs erhaltn kennen, ich hob schon sofihle Auslagn gemacht!«
Er sagte, zu den Geschefft braucht man greßere Jungen.
»Un jetz mein Junge,« sagte er, »bleib ruig auf deinen Sitz, da has du eine Zeitung mit Bilder, schau sie dir an. Ich werde manchmal schaun kommen, wies dir get.«
Ich bedankte mich sehr heflich bei ihm. Grad wi er im nechstn Wagn gehn wollte, kam ein Junge mit Bombons. Ich kaufte 4 Pak un gab ihm einen Doller. Ich dachte mir ich wer das Geschefft auch probihrn, un wi er fort wahr, schprang ich auf, ging den Gang henunter un rif »Bombons gefellig!« wi er.
Die Leite lachtn, aber keiner wollte kaufn, ich machte also die Thir auf un ging auf der Pladtform weil ichs im nechstn Wagohn probihrn wollte.
Es wahr greßlich windig un ich glaube di Wagohns wakltn sehr schtark, weil das nechste, was ich weiß, is, das ich aus einen Schneehaufn herauskroch. Meine Ohrn warn foller Schnee, mein Mund auch -- es war schreklich! Der Zug wahr schon weit weg -- er fuhr wi der Blitz -- un ich wahr ganz allein auf einen Feld.
Fräuln Haven weinte, wi ich aus der Schule wegmußte un gab mir ein Schtik Kuchn auf den Weg mit; ich hadte es in der Tasche un nahm es heraus un aß es. Auch ein Pak Bombon hadte ich, un hilt es noch immer fest in der Hand. Ich dachte mir, ich werde es essn un wenn ich schon zutot ferhungern muß, wird es wenigstens nich so bidter sein -- wi ich auf eimal ganz erschtaunt seh, wi der Zug rikwerts kommt, wi ein Krebs. Ich mußte lachn; der Konduktehr, alle Bremser, der Inschenehr un der Heizer alle lehnten sich heraus, um meine Schtike zu suchn un di Fenster wahrn offn un di Passachihre schtektn die Kepfe hinaus. Filleich 200 Leite kamen heraus, wi der Zug schtehn blib.
Der Konduktehr war so bleich wi ein Geschpens aber wi er mich Bombons essn sah, wurde er ganz schreklich zohnig.
»Schau, das du henaufkommst!« sagte er, »ich hab schon 10 Menutn ferseimt. Geh henauf, du kleiner Schlingel! Was machst du für Schpeße mit uns?«
»Es tut mir sehr leid, Herr Konduktehr,« sagte ich. »Ich wers nich wider tun. Ich wollts gar nich thun, ich bin nich schuld, nur der Wagn -- er waklte so.«
Er schtiß mich henauf un es wahr firchterlich ungenehm, wi di Dahmen alle iber mir weintn un meine Hende un Fiße angriffn ob ich nich zerbrochn bin. Ich mußte alle Gedankn an dem Bombongeschefft fir den Momennt aufgebn aber ich nahm mir for etwas anzufangen um mich selbs zu erhaltn, wenn mir noch eimal etwas passihrt.
Du sihst, libes Tagbuch, ich durfte den Konduktehr nich erzehln weswegn ich wirklich ausgeschlossn worn bin, weil er geglaubt hedte, ich habs zufleiß getan. Nur ein sehr, sehr beser Junge konnte an einer Dahme wi Frau Pitkins, so ein impertenentes Wallentin schikn. Das, welches ich an Fräuln Haven schrib hadte 2 Taubn drauf un es wahr so:
»Ich wer fersuchn, besser zu wern un alles thun, was Sie winschn
fon Ihren, sie libendn kleinen Freind
=Schorschi=.«
Frau Pitkins bekam eins, worauf schtand:
Rot is di Rose Das Feilchen blau, Aber wi Essig So sauer die Frau.
Kann sein, das Jack es geschikt hat, aber sie sagte, es is meine Schrifft. Es lag ihr nichs an den Brifchen; das war noch gar nichs. Weßwegen sie einen Schpektakl machte wahr das: Irgnd ein Junge hadte ein Schtik Fleisch auf einem Fischhakn geschteckt un damit ihre Maltehserkatz gefidtert, aber auch das hedte noch nichs gemacht, aber er wahr auch in der Glaskugl fischn gewesn un zog alle Goldfische heraus, doch das hedte sie noch ertragn kennen, wenn er nich am Sonntagnachmidtag schleifn gegangen un in einem Loch eingebrochn wer so das man ihm ohne Atem herauszihn mußte, un er ein solches Quatsch machte mit seinen nassn Gewand, das sie sagte ihre Nerfn kommen in einer traurign Ferfassung. Sie wahr ganz weg. Sie konnte es nich mehr aushaltn -- besonderst wi er sich am nechstn Tag das Gesicht un die Hende mit Dinte schwarz machte den Kichbesen nahm un im Schornschtein fom Wohnzimmer henaufkledtern wollte, aber henunterfihl un sich eine Beile am Kopf schlug, so groß wi ein Gansei -- aber das alles hedte sie fergebn un fergessen, wenn er nich ein Schtik Papir auf ihrem Rikn geschpendlt hedte, auf den schtand: »Das is das Faß, welches bein letztn Tropfn iberging.« Aber das wahr nur Schpaß un sie hedte sich nichs draus gemacht, wenn er nich alle die komische Vögl aus den Werterbuch herausgeschnidtn un alle in einer lange Reie auf der Wand hinter seinen Bedt aufgepikt hedt, damit er was zur Unterhaltung hat, wenn er zeitlich aufkommt -- un wenn er nich di goldnen Augngleser fom Professer zerbrochn hedt, wi er sie der Eile in der Biblotehk aufsetzte, so das sie henunterfihl, un sich enlich nich angewehnt hedte, genau so wi der Professer zu hustn un wi er nur in ihr Zimmer heneingeschikt wurde um seine Gografih besser zu lernen nahm er ihre Nachjacke zog sie dem Pintsch an un machte ihm heuln, das er weglif un sie durch dem ganzn Ort schlepte.
Wi also der Konduktehr zurikkam, hadte er schon fergessn, wegn die ferseimten 10 Menutn zohnig zu sein. Nein, wi das alte Ding fortsaußte! Aber ich dachte es is besser, wenn ich nich mehr fon den früeren rede un er sagte: »Junge es is ein großes Glik, das du auf einem Schneehaufn gefalln bist! Das kenntes du nich zum 2. mal fersuchn. Ich glaube, du bist zum Hengen geborn.«
Dann erzehlte ich ihm, wi ich damals in dem Frachwagohn dafonlif un fon den freundlichn Bremser.
»Wenn sie zuhaus ergerlich sin, weil ich zurikkomm, werd ichs ihnen sagn lassn Herr Konduktehr« sagte ich, »dann mechte ich bei ihnen wohnen.«
»Da wirds dir nich sehr gut gehn,« sagte er, »ich bin ein alter Jungesell.«
»Desto besser,« sagte ich, »so wird ihre Frau nich dabei sein, um uns zu ergern. Meine Schwestern sin wirklich libe hibsche modische Medchen, aber einen Jungen wolln sie garnix erlaubn. Sie lassn mich nich Balln schpiln im Sallohn, wenns regent, oder mich unterhaltn wi ich will. Sie mechtn mich gern auf einen Sessl fon Pech festsezn, damit ich nich aufschtehn kann.«
»Sagn sie, Herr Konduktehr, habn sie denn einen Korb bekommen, das sie noch Jungesell sind?«
Er seifzte un schaute ein bischen traurig aus. Aber bald wahr er wider lustig un fragte mich ob meine Schwestern bein Deppoh sein wern um mich zu erwartn. Ich wußte es nich un konnte ihm keine Antwort gebn.
»Ich hädte sie gern ein bischen gesehen,« sagte er. »Wir sin schon da, mein Junge.«
Etwas kam mir in der Kehle, wi ein Schtik Knochn. Ich schaute eifrig henaus, wi ich das Schild sah iber Peters Ladn un den Weichnwerter mit den helzernen Bein un das Deppoh -- ich hedte geweint, wenn ich die Trenen nich fest zurikgedrikt hedte. Der Herr Konduktehr schtand beim Trittbrett, damit ich sicher henunterkomm un da wahr Susi, greßlich hibsch mit einen nei'n Hut un einen Sillskinnmantl un Elsbett, wirklich auch sehr lib un sie wollte mich umarmen un kissn un rif: »Oh Schorschi, du nichsnutziger, schlechter, liber, guter Junge laß dich kissn!«
Ich sagte: »Herr Konduktehr, das sin meine Schwestern aber sie sin schon beide ferlobt. Das tut mir leid eiretwegn. Adjeh, kommen sie eimal un besuchn sie uns. Sind meine Schwestern nich hibsch?« un er griff am Hut un lachte un der Inschenehr un der Bremser un alle rifn: »Hurrah! Adjeh Schorschchen!« un das war sehr heflich fon alle.
Betti war auch drunten bein Deppoh un lachte un weinte, wi eine Gans.
»Du hast uns sehr gefelt Schorschi, es wahr schreklich ruig zuhaus un kein schlechter Junge da, der uns was zu tun gegebn hädt.«
»Wirklich, das is wahr,« sagte Susann. »Wir habn ein fedtes Kalb geschlachtet fir den widergefundnen ferlornen Sohn -- es is schon gekocht un schteht am Tisch« -- aber es wahr nich eimal Kalbfleisch, sondern gebakener Truthahn mit Sulz runderum, gereste Austern, kalter Schinken, schwimmende Insl, Kuchn, Eingemachtes -- eine ganze Menge. Ich aß, wi wenn ich nichs als gederrte Apflpastehte gegessen hädt, seit ich fon zuhaus fort bin, nur Papa schaute erns drein, wi er die Rechnung fom Professer las un Mamma wurde ganz blaß, wi ich dem Dokter erzehlte, wi ich fom Wagohn heruntergeschmissn worn bin. Dokter Moor war sehr erfreit mich zu sehn -- auch unser Hund, er kommt oft zu uns, weil er un Susi im Frihjar heiratn solln.
Nach dem Nachmahl sagte Papa: »Schorschi, ich winsche, das du jetz ein neies Lebn beginns, du wirst jedn Tag elter. Fersuche, nich so fihle Dummheitn anzuschtelln. Denke zweimal, befor du einmal handlst --« di Thir fihl grad zu un wollte dem Hund den Schwanz einzwikn un er rif schnell: »halte sie auf, Schorschi!« aber ich wartete, weil ich zuers 2 mal denkn wollte, un den Hund sein Schwanz war weg.
Der Dokter sagt, ich soll bei ihm Medezihn schtudirn bis ich groß bin. Sein Etwi, wo er di Medezihnen drin hat, war in der Tasche fon seinen Iberzier im Forhaus, un ich dachte mir, das is eine gute Gelegnheit, gleich zu doktern anzufangen un nahm ein bißchen weißes Pulwer aus einen kleinen Fleschchen un gab ein winziges bischen meinen Eichhernchen ein. Heite nachmitag hab ich es begrabn -- Hansi wahr bein Begrebnis.
Oh, wi hibsch un gemithlich is mein Zimmer! Wi siß hab ich letzte Nach getreimt! Betti is fedter wi je -- sie is ein sehr libes Medchen. Mein Herz is foll. Ich will fersuchn, nie, nie wider was anzuschtelln, so lange ich lebe un atme un damit gute Nach, mein Tagbuch.
NB. Hansi un ich nahmen Susanns Arbeitskestchen, das der Dokter ihr zu Weinach geschenkt hat, um mein Eichhernchen drin zu begrabn. Ich glaube, Susi wird es nich recht sein, aber der arme Benny muß doch einen Sarg habn -- es wahr ein sehr hibscher Sarg.
»Mein Gott, es war die Katze!«
Dokter Moor un Susi habn ihre Ferlobung aufgehobn. Es is ein schreklicher Ferlust fir Susi, weil sie die ganze Auschtattung schon fertig hadte. Ich firchte, sie wird aus der Mohde kommen, befor sie einen andern findet, der so gut is wi der Dokter, der ein ausgezeichneter Mensch is, wi ich glaube, un die Mohdn weksln so schnell.
Der Hochzeitkuchn soll aber nich ferderbn, solang Hansi un ich wissn, wo er aufgehobn is. Es is ein prachfoller Kuchn un sehr nitzlich fir einen Jungen, wenn er schleifn geht, oder bis zum Nachmahl nich nachaus kommen will.
Letzte Woche wahr wider eine Anzeige in der Zeitung -- Susi weinte deswegn bis ihre Augn so rot warn, wi Hansis wi ich rotn Feffer in den Backofn fon seiner Mutter schtreite. Ich glaube, schwarzer Feffer hedte nich so rot gemacht. Die Anzeige wahr so:
»Große Aufregung herrscht in der bessere Gesellschaff iber ein Gericht, das eine gewisse Heirat in fornehmstn Kreise nich schtattfindn soll. Nach unsrer posetiwn Kenntnis sind die Einladungen gedrukt un beina alle verteilt, aber di Beteiligtn schprechn nich miteinand. Die Uhrsache dises pletzlichn Wechsls im Programm is nich in der Öffntlichkeit gedrungen -- sofihl is gewiß, das es nich die Schuld des Herrn is.«
Arme Susi, du dauerst mich! Wi fro bin ich, das sie nich fermutet ihr Bruder setzte es in der Zeitung! Ach, wi traurig is es, ein schlechtes Gewissn Tag fir Tag mit sich herumzutragn. Ach! ich bin di Uhrsache, das dise Ferlobung aufgehobn wurde. Alles wer fridlich un ruig, hedte Susi nich einen so schlechtn Jungen zun Bruder. Un denoch glaub ich, das diser Edisn oder wi er heißt mehr Schuld is wi ich. Warum setzte er sich hin un plagte sich, bis er das ellektresche Licht erfundn hadte? Sie habn nemlich alle dafon geschprochn, un wi fihl sich Herr Edisn damit ferdinen wird un was es fir ein Ding is un der Dokter erzehlte, das er eine Badterih in seinen rikwertign Ladnzimmer hat, was ich schon wußte, weil er mich eimal den Griff in der Hand nehmen liß un es wahr sehr schpaßig -- deswegn erzehlte ich es Henschen in der Frih, un er un ich wartetn bis der Dokter in seinen Zweiradler wegfuhr un dann klettertn wir durch das Fenster in den rikwertign Ladn un ich goß ein bischen aus einer Flasche henein, wi der Dokter es gemacht hat und gab Henschen di Griffe zu haltn un er schprang in der Lufft un fihl dann nider un schtrekte sich aus.
Ich schrie, er soll die Griffe auslassn, aber er sagte kein einziges Wort, wi wenn er tot wer un ich nahm ihm die Griffe aus der Hand un sagte ihm er soll sich aufsetzn, aber er herte mir nich zu un ich firchtete mich, weil ich ihm sehr lib hab un holte ein paar Menner, die auch durchs Fenster kledtern mußtn. Sie schpritztn ihm mit Wasser an un sagtn ich bin ein schlechter Junge -- sie glaubtn ich hab ihm umgebracht un trugn ihm nachaus un seine Mudter wollte nich einmal schprechn mit mir. Ich glaube, sie hädte dankbahr sein solln, das er enlich nach langer, langer Zeit zu sich kam. Fom Dokter krigte ichs greßlich. Er sagte, ich runihre ihm seine ganze Prakses -- di Leite firchtn sich, seine Medizihnen zu nehmen aus Angs, ich habe die Hende dabei gehabt -- un das ich ein so liber, kleiner Junge bin, wi nur meglich, wenn ich mich anschtendig benehm, aber ich soll seine Sachn nich anrihrn.
Ich sagte ihm, es thut mir sehr leid -- ich werde es auch nich wider thun. Ich wollte mein Ferschprechn auch wirklich haltn un wi ich das nechstemal bei ihm wahr, bemerkte ich eine Maus di immer in un aus ihren Loch kroch. Ich dachte, ich will ihm eimal eine Gefellikeit thun, weil ich ihm schon sofihl Schadn gemacht hab -- un wi er am Abens zu uns zum Tee ging, schtekte ich die Katze im Ladn, damit sie schnell di Maus fangt un der Dokter sie nich sehn soll. Er ging zu Susi auf Besuch nach dem Nachmahl un ich fermutete, er wird zimlich lang dort bleibn. Wi er zur Potheke zurikkam, wo er im rikwertign Zimmer schlaft, herte er die greßlichste Katznmusik, wi wenn 1000 Katzn jammern mechtn. Er schperrte die Thir auf un zindete so geschwind er nur konnte ein Licht an.