Part 7
Elsbett hedte mich nich dafir zu klapsn gebraucht, das ich ihm fragte -- weil ichs nur that, weil sie so gern mitwollte.
Nechstn Tag war Neijahr. Zu unsern Haus kam aber gar kein Besuch, di Medchen warn schon außer sich for wartn. Eine Menge junge Leute gingen foriber, ein paar kamen auch zum Haustohr aber sie kamen nich herein, weil ich einen Korb an den Griff fon der Glocke angebundn hadte, di Kartn hineinzuschmeißn, damit meine Schwestern keine Unrue habn. Gegen Abens pakte mich Elsbett bei der Axl un sagte: »Schorschi, du hast wider was angeschtellt -- schau mir grad in die Augn un sag mir, was du getan hast!«
Ich schaute ihr grad in die Augn.
»Ich habe gar nichs gethan, nur eich fon der Unrue befreit, die Besuche zu emfangen.«
»Was has du getan?« widerholte sie un schidtlte mich fester un fester.
»Ich hab nur ein par Worte geschribn, un in der Zeitungsekspedezjon getragn, wi die andern Leite machn, wenn sie was anonzihrn wolln.«
Dann haschte Elsbett nach der Zeitung fon gestern un las alles schnell durch bis sie zu der Anonznschpalte kam un dort schtand:
An alle di es angeht:
Di Fräulein Hackers wolln Neijahr nich zuhaus sein, weil ihre Gesundheit sehr schwach is, sie habn immer Hiftschmerzn wenn si ihr neies Seidnkleid tragn un es macht greßlich fiel Unbekwemlichkeit eine feine Tafl herzurichtn, Austern sind teuer, es zalt sich nich aus, denn di junge Menner sin iberhaup sehr seichte Geschepfe -- sie bidtn fir heier um Enschulgung.
Susi Hacker.
Elsbett Hacker.
Susann schaute iber der Schulter fon Elsbett, alle 2 warn so rot wi Feier -- dann so bleich wi Kreide un setztn sich zugleich nider, wi auf ein Kommander. Es wahr so schtill, wi wenn man mittn in der Nacht aufkommt, die Gleckchen klingltn lustig draußn un eine Menge junge Leite gingen frehlich bei unsern Haus forbei.
»Schorschi, fon diser Schtunde an ferleigne ich dich!« schnappte Susi zuletz.
»Das is zufil! zufil! Ich werde meinem Kopf ni wider aufrech tragn kennen! Das is der letzte Schtrohalm!«
So fil ich sehn konnte, war iberhaupt kein Schtroh da -- ich wollte meine Schwestern blos freie Zeit machn.
Medchen sin sehr undankbahr, sie ferdinen es nich das ihr kleiner Bruder sie lib hat un 25 Cent fon seinen eignen Geld ausgibt, fir ihnen eine Anonnze in der Zeitung zu gebn! Ich dachte, wenn di junge Leute nich kommen, werd ich eine Menge Kuchn habn un Bonbons un alles was sie nich essn kennen, weil si nich da sind. Anschtatt das habn sie mich henausgeworfn un mir geschafft obn zu bleibn. Neijahr war der lengster Tag fon alle in meinen Lebn; wenn die Katz nich hereingekommen wer wo ich wahr, ich glaube ich wer ferrikt geworn. Katzn erzehln einem Jungen nich die ganze Zeit, er is unausschtehlig un ich fermute Fräuln Elsbett wird seh ibrascht sein, wenn sie ihre Hutschachtl aufmacht um den nei'n Hut fir der Kirche aufzusetzn un di Katz schpringt heraus -- ich hab sie gestern heneingeschtekt.
So, nun noch eimal lebwohl. Ich will in der Schule sehr braf sein. Ich hab Mamma ferschprochn, ihr keine Schande zu machn, wenn ich kann. Ich hab mein Eichhernchen in der Tasche geschtekt, nimand weiß, das ichs mitgenommen hab. Ich mecht wissn ob di Bubn lachn mechtn wenn ich es das erstemahl wenn ich zun Frihschtik komm am Tisch schtell?
Oh Godt, wi einsam fihl ich mich. Der alter Herr auf den nechstn Sitz schlaft fest. Ob er aufschpringen mecht, wenn ich ihm mit einer Nadl heneinschtech, un ob ihm di Augngläser henunterfalln mechtn?
Ein großer Fortschritt
Wi traurig is es Heimwe zu habn! Lezte Nacht war ich lang, lang wach -- mehr wi einer halbe Schtunde -- un dachte an Betti un ihrn schilaugign Ferehrer zuhaus in unsrer Kiche. Un hir war ich -- ein armer kleiner Bub, ferbannt fon den Heim seiner Fäter, so krank un mid fon der Welt, mir schmekte nich einmal das Ingwerbrot, das sie uns zum Nachtmahl gabn.
Oh Mamma, schike her un laß deinen armen Schorschi nachaus holn! Ich kann es nich ertragn wi der Professer Pitkins iber mein bukschtabirn redet. Ich kann das gehakte Fleisch un den Haferbrei nich fertragn, den sie zum Frihschtik habn. Ich kann di Ferhehnungen fon die großn Jungen nich fertragn. Mir scheint, sie denkn ein kleiner Bub hat nich mehr Gefihl wi eine Krete. Einer Krete kann man den Kopf abschneidn un sie macht sich nichs draus. Ich glaube das is greßlich schpaßig -- nur muß man sie zuerst erwischt habn!
»Besondre Sorge wird fir jingre Schiler getragn,« stand in den Zirkulah.
Frau Pitkins schidtlte meinen Fater di Hand: »Ich will ihm eine Mutter sein,« sagte sie un das machte mich sehr ergerlich. Ich will sie nich bemihn damit. Ich bin doch kein Babi; ibrigns sagt auch Mamma nich, ich bin mirrisch, wenn ich blos Heimwe hab, un wi soll ich nich wenn sie mir bein Essn ein Werterbuch am Sessl legn, damit ich henauf kann un ferschtohln immer iber mir lachn? Wi di einen Jungen queln is genug ihn ferrikt zu machn.
Ich bin so mit Schneballn beschmissn, wi wenn ich ein Zaunfahl wer, Betti mechte weinen, wenn sie's sehn kennt. Mein seidnes Halstuch is weg, meine Fäußlinge sin am Dach, weil di Katze sie hinaufschlepte wi sie sie ihr am Kopf schtektn. Ich hab aber nich ein bischen geweint. Sie kennen mich nich unterkrign.
Jack Benze sagt, ich bin ein fester Kerl un er wird zu mir haltn. Er is ein sehr großer Junge un so hab ich wenigstens einen Freind.
Oh wi schreklich, so weit weg zu sein, fon alle di man gern hat, grad wenn Fleischpastehtn un Nisse reif sind! Wenn ich auf die 3 Fesser foll siße Apfl in unsern Keller denk, is mir, als ob ich wegflign mißt.
Frau Pitkins is eine sehr dike Dahme, aber ich weiß nich wiso das kommt, hechstens sie eßt allein zwischn di Malzeitn. Ich sitz nebn ihr bein Tisch auf den Werterbuch fon Webster, damit ich höer bin.
Heut frih wollte ich sehr heflich sein, wi der ferbige Kellner in den Hotell wo Lilly wohnt un schprang schnell fon Werterbuch henunter, wi sie aufstand, um ihr den Sessl wegzuschtelln, aber sie wußte nich, das ich so heflich bin un setzte sich dummerweis wider nider. Sie setzte sich richtig aufn Fußbodn. Oh so ein Bumpser! Aber war es rech das sie zohnig wurde un sagte ich hab es zu fleiß getan?
Sie will jetz an meine Leite schreibn das ich der schlechste Junge in der Schule bin, nur muß sie noch ein Tag oder zwei wartn, bis sie wider gesund is. Sie is greßlich unwohl. Wenn si Porzlan gewesn wer, so wer sie zerbrochn.
Ich hab angefangen Gografih zu lernen. Dort schteht di Erde is rund, aber ich kanns nich sehn. Wir habn eine große Erdkugl im Schulzimmer. Man kann sie mit der Hand umdrehn. Ich muß mit meinen Messer ein Schtik herausschneidn, weil ich schon lang wissn mecht, ob sie inwendig hol is oder ob der Schmutz ganz durch un durch geht. Ich lerne auch Ritmetik. Es is ein komisches Buch. Es schteht drinn, wenn Henschen sibn Drachn hat un Karl 2 mal so fil, so hat er 14 un das is doch zu fil fir einen Jungen, hechstens es is sehr windig un di Schnire gehn auseinand.
In Merz is di Zeit zum Drachnschteign. Wenn ich aber auf disn Plaz bleibn muß, firchte ich, wer ich nich fiel Lust dazu habn. Ausgekochter Reis mit Sirupp is so entmutignd, das ich Betti schreibn werd wi ich ihr ferschprochn hab -- sie hat immer so fil Entresse fir dir gehabt libes Tagbuch -- der Kechin zu sagn sie soll mir eine Schachtl schikn un Betti soll ihr helfn Zibebn klaubn, damit keine Zeit ferlorn geht.
Hir is auch ein Fräuln. Sie prift die kleinen Jungen. Ich hab sie sehr gern aber Jack Benze sagt, sie is eine alte Jungffer. Was is dabei, wenns sie's is? Sie heißt Fräuln Haven. Ich glaube sie hat mich auch gern. Ich hab ihr in Fertraun erzehlt, das sie zuhaus sagn ich bin ein schlechter Junge, aber ich thus nicht mitfleiß. Sie bedauert mich sehr. Sie hat gesagt, ich soll in ihr Zimmer kommen, wenn mir einsam is. Ich glaube ich wer heut abens zu ihr gehn.
Betti sagt immer, Freitag is ein Unglikstag -- ich glaub es is wahr. Alle Bubn sin jetz bein Nachmahl nur ich nich. Ich soll keins bekommen. Es is sehr traurig, schon in der ersten Woche Schtrafe zu bekommen wenn man in einer fremde Schule is. Wenn sich eimal ein Junge fest geplagt hat, nich zu thun, was er nich thun wollte, so bin ich der Junge. Ich bin zu den Beschluß gekommen, das ich ein Unglikskind bin. Kann sein, wenn ich taub un schtumm wer, un nich sehn kennt, das mir dann nich sofiel Zufälle passihrn mechtn. -- -- -- -- -- -- -- --
Professor Pitkins hat Schnupfn. Man sollte ihm nur nißn un nißn hern -- aber er hat sich in einem großn rotseidnen Schnupftuch eingebundn un das is doch besser wi garnix. Frau Pitkins ligt noch immer in Bedt, aber sie hat um mir geschikt un mir noch eimal gesagt, das ich ein schlechter, schlechter Junge bin. Ich winschte, sie mecht mir etwas neies erzehln. Sie weinte, wi wenn sie Zahnwe hedt, wi sie mir sagte, sie firchtet es wird der Tod fon Professor sein. Ich sagte: »Wenn es sein Tod is wird dann die Schule geschlossn un ich nachaus geschikt? Oh Freude iber Freude! --« wi die Kinder singen.
Sie sagte: »Du bist ein herzloser, kleiner Teifl!«
Ich glaube, das is nich herzlos, wenn ich nachaus kommen will. Das mitn Professor wahr aber so:
Filleich eine Schtunde gestern nach den Tee ging ich im Schpeiszimmer schaun, ob das Medchen fergessn hat, den Kuchn wegzutragn. Es wahr greßlich warm dort, weil sie es auch als Wohnzimmer benitzn. Professor Pitkins lag ausgeschtrekt auf einen Diwan hinter den Ofn mit einen Buch aber ohne zu lesn, weil er fest eingeschlafn wahr. Frau Pitkins war nich da weil sie noch immer in Bedt ligt fon damals, wi sie sich auf der Erde setzte. Wir warn ganz allein. Die Kuchn warn eingeschperrt. Ich ging ganz nah zu ihm hin um zu schaun, warum er so schpaßig schnacht. Ich firchtete mich nich er wahr ja fest eingeschlafn! Ich glaubte zuers es tut ihm was we, weil er so schnachte; wenn man Wasser aus eine Flasche gißt un zugleich dazu feifft, is es ganz dasselbe. Auf einmal bemerkte ich, das sein Kopf obn ein bischen abgefalln wahr. Ich erschrekte zuers, weil ich glaubte er wird dran schterbn. Ich lif henauf zu Jack Benze un erzehlte es ihm. Er sagte: »Ah, was! er tragt eine Pericke, die Pericke is ein bischen henuntergeruscht.«
Ich fragte ihm, was das is, eine Pericke?
Er sagte, es is das, was di Indejahner herunterschneidn, wenn sie einen Menschen schkalpirn.
Ich fragte: »Is denn der Professer Pitkins schkalpirt worn?«
Er sagte: »Nein, aber es wer ihm recht geschehn damit. Er is so gemein -- schkalpirn is noch fil zu gut fir ihm.«
Jack hadte so fil zu tun, mit seiner lateinsche preprazjon das ich zurikkroch ins Schpeiszimmer. Die Messer lagn am Tisch, 1 bei jedn Teller. Ich nahm ein Messer un schlich zum Professer hin so leise wie eine Maus. Ich fihrte das Messer rund um seinem Kopf herum, wi ich gelesn hab, das die Rotheite es machn, un nahm ihm den Schkalp greßlich langsam herunter damit er nich dabei aufkommt. Dann kroch ich auf Hende un Fiße iber dem Teppich, wi wenns Gras wer. Er wachte nich auf un so schlich ich in der Forhalle henaus, schprang auf un rannte in das lange Zimmer, wo di Bubn lernten.
»Uff! Uff!« heilte ich, aber ich durfte nich sehr laut schrein. »Ich habe ihm dem Schkalp abgenommen! Wenn ich ein Girtl hedt, mecht ich mir ihm anhengen!«
So ein Schpetakl war noch nich da wi dise Kerle machtn.
»Hurrah! Hoch Schorschi! Du wirs ausgeschlossn wern!«
»Der Professer wird greßlich withend sein!«
»Wi kanns du dich das unterschtehn?«
»Behalt sie nur, Schorschi!«
»Laß schaun wi sie aussiht!«
Ich gab sie herum. Wir hadtn einen firchterlichn Schpaß damit. Ich probihrte mir sie an, un alle andern setztn sie auch auf. Dann setztn sie sie mir wider auf un schtelltn mich auf den hohn Tisch un schrien: »Halte eine Vorlesung, Schorschi!«
Also schtekte ich di Hand hintern Rikn, wi wenn es di Frakscheßl fom Professer wern, hustete, reisperte mich un sagte: »Hem! Meine Herrn, ich mechte heite ihre Aufmerksamkeit auf das Thirreich lenkn, welches fon alle greßn un Artn is. Der Elefant is filmal greßer wi der Floh, aber der Floh ibertrifft ihm, wenns zum Hipfn kommt. Ich mechte nich winschn, das mir ein Ellefant am Rikn auf- un abschpazirt, wenn ich schlaf. Ich will sie heit nich lenger aufhaltn meine Herrn, weil ich weiß, das sie Schorschi Hacker, dem kleinsten Jungen in der Schule mit Schneeballn bewerfn mechtn.«
Dann lißn sie mich herunterschteign. Jack Benze wispelte mir zu ich soll sie liber zurikgebn, un ich sagte, ich will. Aber grad, wi ich am Gelender herunterglitschte, um es zu tun, kam der Professer sehr schnell im Forhaus. Ich konnte mich wirklich nich mehr aufhaltn. Der Schtekl fon meine Schue traf ihm grad im Mund un er blutete ein bischen un die Zehne filn ihm heraus.
Das wahr zu dumm. Ich wußte nich, das seine Zehne herausfalln kennen, -- un dann ibrigns kann ich nichs dafir. Wi er sich das Blut abwischte, schlipfte ich ins Zimmer un schmiß die Perike schnell in Ofn, denn er warh so zonig, das ich mich nich zu sagn traute, ich hab sie ihm mit den Messer heruntergeschnidtn.
Das obere fon sein Kopf schaute aus wi das Straußei das mein Kusehn mitgebracht hat; er fragte mich, wo seine Perike is? Ich fragte ihm, ob er glaubt, es wahr die Katz? Er schidtlte mich so greßlich fest, das ich weinen mußte, dann sagte ich, filleich habn di Indejahner einen Einfall gemacht un ihm schkalpirt, wi er treimte. O, wi finster schaute er drein!
Er liß alle Bubn zusammrufn. Keiner konnte ihm sagn, was mit seinen Kopf geschehn is. Ich sagte, filleich habn di Rattn es in ein Loch geschlept.
Er wurde immer withiger un withiger un dann fing er zu nißn an. Wi ich ihm nißn herte, tat er mir leid, das ich das alte Ding ferbrannt hab. Ich wußte nich, das ein großer Mensch so leicht Schnupfn krigt. Ich sagte ihm er soll sich liber ins Bedt legn un ein Semfpflaster am Kopf gebn.
Er sagte, wenn es nich so bald nach di Feiertage wer, mecht er die Schule aufhebn; solche godtlose Jungen ferdinen Schtrafe. Er were beina sicher, das ich es getan hab, un er wirde es bald herausfinden un dann wehe den Schuldign!
Ich dachte das Mamma mir gesagt hadte, wi schlecht es is eine Lige zu sagn. Ich drikte mein Weinen henunter: »Herr Professer, die andern Jungen sin nich schuld -- es wahr die Katz. Ich hab sie damit schpiln gesehn, wi ich druntn war, um zu schaun, ob Brigitt die Kuchn eingeschperrt hat un ihr zu sagn sie solls liber thun, damit die andern nich naschn.«
Der Herr Professer setzte seine Augngleser auf un schaute eine gute Weile auf mir, greßlich scharff, wi wenn ich so ein Wirmchen wer, di man unter den Mikreschkob anschaut. Mir wahr, wi wenn ich zu nichs einschrumpfn mecht. Es war notwendig fon etwas andern zu reden un ich fragte ihm: »Sin sie kaalkepfig geborn Herr Professer? Hat ihre Amme fergessn, ihnen Zehne zu bringen? Warum hat sie ihnen nich ein Paar Augn mit lebnslenglicher Garantih gebracht, damit sie nich Gleser aufsetzn missn, um einen Jungen fon meiner Greße zu sehn? Es thut mir sehr leid, das si schnupfn habn, aber ich glaube nich, das sie schon alt genug sin um zu schterbn, ohne deswegn so ein Schpetakl zu machn?«
Er wurde so rot wi ein Krebbs un runzlte firchterlich di Schtirn -- ich glaub, er wollte was sehr schtrenges sagn, weil er anfing: »Du bis der impertenenteste kleine -- haptschi! den ich je -- haptschi!«
Dann kehrte er sich schnell um un ging henaus, weil di Jungen in ihre Taschnticher kichertn -- er geht heut den ganzn Tag mit eingebundnen Kopf herum -- er schaut nich aus wi ein Professer. Sie sagn, er hat um einer Pericke tellgrafihrt, man soll sie ihm heut abens Perekspreß schikn. Di Jungen habn heut frei, un so glaubn sie, es is alles recht, aber ich bin in mein Zimmer eingeschperrt mit Brot un Sirupp un das is nidertrechtig.
Ich weiß nich wi ich disn langweilgen Tag ferbracht hedt, wenn ich nich ein Ofnrehrnloch im Fußbohn gesehn hedt, zugedekt mit einen kleinen rundn Schtik Blech. Wi ich durchgukte, wahr es grad iber den Schreibtisch fon Frau Pitkins auf den eine Menge Sachn lagn; ich bog mir eine Schteknadl um, un band sie an einer lange Schnur, di ich in der Tasche hadte un schpilte fischn, um mir die Zeit zu fertreibn. Ich hab eine Menge komische Fische gefangen: ein paar Brasleh, ein Schpitzndekchen fom Nadlpolster, ein paar schreklich schpaßige Leckchen, sibn Haarnadeln ein paar Kregn un Manschettn, drei Dekchen, eine Flasche Odekolon, an der ein blaues Band gebundn wahr, wo sich die Nadl sehr leicht einhakte, eine Puderbikse -- nur das der Dekl herunterfil un der Puder sich auf alles anschidtete, so das ich schnell das Loch zudekte, damit ichs nich bekomm, weil ichs ferschidtet hab.
Libes Tagbuch, ich muß jetz an Mamma schreibn, wifil ich schon Gografih un andre Sachn gelernt hab. Sie mechte nich glaubn, das ich so Heimwe hab, das sie mir über schnell eine Fruchttorte schikn kennt. Ich bin so fortgeschridtn in bukschtabirn un gutes Betragn, das sie noch eine Krehmtorte dazu gebn kennt.
Er wird Kleptomane
Es is merkwirdig wi fiel ein Junge lernt, wenn er in einer Erziungsanschtalt geht. Arthur Braun hat mir gezeigt, wi man Papirkugln schmeißn kann, so das nimand bemerkt, wer es geworfn hat. Willi Wilson hat mir gezeigt, wi man nachn Schlafngehn wider aufschteht un eine Menge Schpaß macht; auch wi man di Antwortn auf einen Zettl schreibn kann, un ins Buch legt, damit man nich so fil zu lernen braucht. Kopfrechen is greßlich schwer -- man muß alles im Kopf machn -- un hat Kopfwe wenn man Schlidtschu laufn will.
Auf der Tafl is es fiel leichter, weil man da dem Professer aufzeichnen kann, wenn man nich grad zusammaddirn muß. Un auch Frau Pitkins kann man sehr dik malen, nur muß mans geschwind abwischn, befor sie einem dabei erwischt, weil es sie schreklich zohnig macht, wenn man sie breiter zeichent, als sie lang is. Gestern erwischte sie mich dabei. Ich mußte mich in der Mitte fon Zimmer schtelln mit einer Narrnkappe fon ferbiges Papir am Kopf. Ich machte mir nix draus, nur Betti wird zohnig sein, wenn ich ihr schreib, wi sie mich behandln. Ich sagte ihr, ich trage es noch liber wi eine Perike -- sie wurde so rot wie Feier.
Mir scheint, sie habn was gegn mir, wegn den Zufall, der mit der Perike passihrt is -- un er hat doch jetz eine beßre dafir bekommen! Sie sin bereit, jedesmal auf dem armen Schorschi herzufalln, wenn was schif geht. Ich wahr es nich, der di Dinte fon ein End fom Zimmer zum andern geschidtet hat -- es is ungerech, mich deswegn zu scheltn, wenn alles was ich gethan hab, war, das ich das Dintnzeig der Katze am Schwanz angebundn hab -- die Katz hat die Dinte ferschidtet, nich ich.
Der Professer sagt, wenn so etwas noch eimal passihrt, wer ich sußpendihrt. Ich fragte Jack, was das heißt »sußpendihrt«? Er sagte mir, ich soll in den dikn Werterbuch nachschaun, auf den ich bein Essn immer sitz, dort schteht: »befestign an etwas obn befindlichn; aufhengen.«
Oh, was fir ein Geschik fir einen kleinen Jungen! Ich habe geglaubt, nur elende Merder wern aufgehengt.
Fräuln Haven sagt, ich werd nich aufgehengt, nur nachaus geschikt, un das will ich ja grad; aber sie sagt Mamma un di Schwestern wirdn sehr bes driber sein -- er were eine Schande -- nein so was! wi kann das eine Schande sein ihren eignen kleinen Bruder widerzusehn? Aber ich hab dem Fräulein ferschprochn braf zu sein un so was nich wider zu thun.
Sie hat einen Bräutegam. Ich hab seine Fotografih gesehn. Ich erzehlte ihr fon Lil un Montagu un fragte sie, wann sie heiratn wird. Sie sagte, sie weiß nich, wann ihr Schiff enlich gliklich in dem Hafn einlaufn wird -- ich glaube er muß ein Seemann sein. Ich sagte ihr, es thut mir leid, wenn sie gewartet hedt, bis ich groß bin hedte ich sie selber geheiratet. Sie is fiel hibscher wi Frau Pitkins. Ich glaube sie is hir nich gliklich, weil sie weinte, wie ich in ihr Zimmer kam, aber filleich hat si grad Fefferminzzeltl gegessn, da kommt einem auch manchmal das Wasser in di Augn.
Frau Pitkins hat große Angs for Einbrecher, di Jungen sagn, es is nich eine Nacht, wo sie dem Professer nich aufwekt un schreit er soll aufschtehn, es sin Einbrecher im Haus. Ich wißte nich wozu, hechstens wenn sie di Jungen schtehln wolln.
Es is schad, das er so offt umsons aufschtehn soll, ohne einem zu findn, un so war letzte Nacht wirklich einer unter ihrn Bedt. Er wartete bis sie fest eingeschlafn wahrn.
Frau Pitkins schnahcht im Schlaf, wi wenn man Wasser aus einen Krug ausgißt. Auf eimal kam sie auf un wispelte:
»Pitkins! Pitkins! Es sin Einbrecher unterm Bett!«
Er sagte: »Unsinn! Schlaf nur.«
»Es is einer!« sagte sie. »Ich schpir, wi er sich unter der Matraze herum bewegt. Pitkins, schteh auf! Feier! Merder! Dibe! Oh Pitkins, zind ein Licht an!«
Er sagte ihr, sie is eine Nerrin. Grad den Augnblik schtiß der Reiber mit den Rikn auf der Matraze unter ihm. Er schprang auf dem Fußbodn, wi ein Gummiballn. Sie wollte ihm nach un schnappte dabei um Luft, aber sie purzlte um, un wahr so erschrokn, das sie nich wider aufschtehn konnte un schrie dabei, der Einbrecher bringt sie um, er helt sie bei der Gurgl. Deswegn lif Herr Pitkins schnell im Forhaus un rif Jack Benze un noch ein paar große Jungen. Sie machtn Licht. Es war zum lachn wi sie ausschaute mit di Haare in Papir gewiklt un mit einer flanellne Nachtjake. Jack leichtete unter dem Bedt. Es war nimand druntn, weil ich mich in finstern henausgeschlichn hadte un schon fest schlif wi Jack zurikkam. Jetz is wider alles ruig. Dises eimal wahr der kleiner Schorschi nich in der Affehr ferwiklt. Frau Pitkins hat ihre Busnnadl un seine Hemdknepfe in einer Kassa in der Schtadt geschikt. Ich hoffe es wird ihnen nix passihrn. Es were ein schreklicher Ferlust.
Ach! zu denkn das Schorschi der Libling seiner Mutter so ein langes ekliches Ding sen soll wi ein Kleptomahner! Das is das neiste Ereignis. Ich bin einer. Gestern mußte ich den ganzen Tag mit einen Papir auf der Schtirn herumgehn auf dem geschribn wahr:
»=Kleptomahner=.«
Das heißt, man kann sich nich zurikhaltn Sachn zu nehmen. Wi ich dazu kam, einer zu sein, war so. Ich hab dir erzehlt theires Tagbuch, fon den Ofnrehrnloch iber Frau Pitkins ihrn Schreibtisch.
Gut, sie besuchtn meinen Koffer so gut wi di fon die andern Jungen um herauszufindn, ob es Radtn warn oder Geister, oder was es wahr. Das war eine schöne Bescheerung, was sie alles in meinen armen kleinen Koffer fandn! Frau Pitkins Lohrnette, Schpitznkragn, Schönheitswasser, 2 Schteknadlpolster, 6 Taschnticher, 1 Kideparih, 1 Flederwisch, 1 Redekühl un eine Briftasche mit 50 Cent drin, ein zugebundnes Pakett, das si grad eingekauft hadte, ein par neie Kamaschn un zuletz aber nich als wenigstes Professer Pitkins silberne Uhr un seine neie Perike, um die er tellergrafihrt hadte, wi ich seine alte im Ofn schtekte, un di er unforsichger Weis am Schreibtisch lign liß, wi er in der Badwanne schtig un fon der sich niman erklern konnte, wiso sie ferschwundn wahr, hechstens das di Radtn sie ferschleppt habn, un das war ein schwerer Ferlust. Sie kostete 20 Doller, außer das es noch so ungenehm wahr, bei kaltn Wedter so kaalkepfig zu gehn. Also sagtn sie, ich muß ein Kleptomahner sein.
Aber ich mechte wissn, wi ein kleiner Junge mit einer Nadl an einer Schnur iber einen offnen Ofnrehrnloch schtehn soll, ohne zu fischn, wenn di Lufft rein is! Ich wollte die Sachn ja zurikgebn, wenn Gelegnheit is, aber sie sagn ein Kleptomahner gibt oft die Sachn wider zurik un das macht es noch klahrer, das ich einer bin. Also is das Loch zugeschtopft worn un alles is wider so fad wi früer.
Jedn Freitag ziht der Professer einen reinen Kragn an un di Leite kommen nachmittag aus dem Ort zur Prifung. Ein paar Jungn lesn Aufsetze for, ein paar sagn Gedichte auf, di sie auswendig gelernt habn un mehre sagn zusammen etwas auf.
An den Tag birstet Fräuln Haven mir di Haare un kißt mich un sagt ich bin sehr hibsch in meinen neun Gewand. »Nun sei ein brafer Junge, Schorschi, un ich wer schtolz auf dir sein!«