Tagebuch eines bösen Buben

Part 6

Chapter 64,187 wordsPublic domain

»Ich winschte ich wer mit dem Zirkus weggelaufn, der hir war, jetz is zu schpeht im Jahr fir das, Papa -- filleich is es besser ich wer ein Mischonehr wi Herr Slokum wern will. Wenn mich dann di Kannebahln aufessn, wirstu nich mehr fon meine Streiche beunruigt wern. Ich winsche ich mechte die Mahsern bekommen un schterbn, wenn ich nich gut genug bin zu lebn. Ich winsche ich wer in Gefengniß eingeschperrt oder fest angebundn, damit solche Sachn nich mehr passihrn kennen, di dich so schtehnen machn.«

»Das is das richtige!« rif Papa erleichtert aus. »Ich werde dich anbindn, mein Birschchen!«

Un er marschirte mit mir zuhaus befor die andern aus der Kirche gingn un band mich im Holzschupfn an einem Balkn an un di Hende hinter mir wi die Kechin den Truthahn zum bratn anbindet.

Ich herte die Teller klappern un roch das Essen, wi alle zuhaus warn -- so langsam is mir di Zeit noch nie fergangen. Ich hadte eine greßliche Freide wi ich Hansi im Hof feifn herte. Ich rif ihm leise. Er segte den Schtrik auseinand un band mir di Hende los.

»Plausche nichs zu meine Leite aus, Hansi« sagte ich. »Ich nehme mein Eichhernchen un meinen Bulldok un will irgendwohin gehn, wo die Leite noch nich wissn, wi schlecht ich bin.«

Er wird ein Einbrecher

»Halloh!« sagte einer so ruhig wi nur was, »wohin geht der junger Mann so eilig?«

Es wahr ein Landstreicher. Er saß unter einen Baum bei der Schtraße un aß eine ganze Fleischpastehte. Ich wahr filleich schon 2 Schtundn gelaufn. Mein Eichhernchen hadte ich in der Tasche aber mein Hund wahr nich mit, weil er durchging wi ihm Pat Finegan fiff, wi wenn ich nich einen Doller fir den kleinen Dib bezalt hette -- so ein unerlicher Hund!

»Selber Halloh!« sagte ich.

»Setz dich nider, ruh dich aus un eß ein Schtik fon meiner Pastehte,« sagte er.

»Danke schön,« sagte ich, »sehr gern,« denn ich war greßlich hungrig so das ich glaubte meine Fiße wern mich keinen Schritt weiter tragn.

»Wo gehstu hin?« fragte er wi ich aufgegessn hadte.

Ich wußte, Lanstreicher sin selber nich sehr gut, so dachte ich, ich kann ihm die ganze Wahrheit erzehln.

»Ich bin fon zuhaus weggelaufn weil ich so ein schlechter Junge bin das sie sich iber mir schemen.«

»Oh,« sagte er, »du bist ein schlechter Junge! So, so!« un lachte. »Was has du angeschtellt, Junge? Jemand umgebracht oder in einen Ladn eingebrochn?«

»Ach nein, so was nich, Herr Lanschtreicher,« sagte ich »aber ich komm immer in der Patsche, wi wenn ich der schlechste Bub fon der Welt wer. Wenn ich einen Affn un eine Drehorgel hedt, so kennt ich mich selbs erhaltn un meine Eltern brauchtn sich nich zu ergern mit mir.«

»Ich habe sie alle 2,« sagte er sehr schnell. »Sie sind im Wald hintn mit ein paar fon unsre Leite. Du solls beides habn, wenn du hinkommen un bei uns bleibn willst. Wir habn ein prächges Lebn, reißn Äpfl un Nisse fon die Bäume un kochn unser Essn in einen Kessl auf einen großn Feuer.«

Also sagte ich, ja ich will fersuchn wi es mir gefellt.

Im Wald warn finf andre Kerle die greßlich ausschautn. Es tat mir leid das ich dort war, aber sie lachtn, patschtn mir am Kopf un sagtn »oh was fir ein brafer Junge bis du!« Aber es war kein Feuer dort auch kein Kessl un kein Affe aber sie hadtn eine Drehorgl un gabn mir Brot un Käs un wi es dunkl war legtn wir uns nider. Mir wahr so kalt, das ich weinte, denn da warn keine Betti mich warm einzuwikln, aber ich liß ihnen nich merkn das ich weinte. Zimlich bald schlif ich ein aber sie wektn mich auf un sagtn:

»Komm mit, wir missn jetz maschirn, wenn du ein guter Junge bist un heut nach tust was wir dir sagn is dein Glik gemacht. Wenn du aber nich genau tust was wir dir sagn, so erlebst du morgn nich mehr die Sonne aufgehn zu sehn!«

Keine Zunge kann sagn was ich fihlte, wi ich dise schrekliche Worte herte. Wir gingen bis ich so mid wahr, das ich die Fiße kaum aufhebn konnte. 2 fon ihnen blibn zurik un wir kamen in einen Ort wo Häuser auf beidn Seitn schtandn. Es war greßlich finster un fing zu schneien an un wir gingen in einem Hof.

Die Menner wischpeltn mir zu, wenn ich schpreche oder Lerm mache, werdn sie mich zutot wirgn. Sie wolltn mich durch ein kleines Fenster schibn un ich sollte sehr leise zur Forhausthir oder zur Kichnthir krichn, aufrigln un sie heneinlassn. Es wahr eine Menge Gold in den Haus das sie habn wolltn. Sie machtn die Rigl fon einen kleinen winzign Fenster auf, hobn mich henauf un schtopftn mich durch -- so eine eklige Quetscherei!

»Hir sin ein paar Zindhelzchen,« wischpelten sie. »Zinde sie an un such den Weg zu einer Thire. Wenn du einen Laut fon dir gibst werdn sie dich als Einbrecher fangen un du wirst als ein Dib aufgehengt.«

Der kalter Schweiß schtand auf meiner Schtirn -- meine Glider zidtertn. Was wirde meine theire Mamma sagn, wenn sie wißte, ihr kleiner Sohn is ein Einbrecher! Ich wahr weggelaufn um ein guter Junge zu wern un jetz war ich noch 1000 mal schlechter wi früer. Das is schon mein Pech.

»Tumml dich, du da!« brummte eine raue Schtimme durchs Fenster. Ich zindete ein Zindhelzchen an. Es ging aus. Ich zindete ein anres an un schaute herum.

* * * * *

Hm! Diser schlechte Junge Schorschi Hacker wahr heute der Lewe der Schtadt. Selbs der Predger hat mir die Hand geschitlt, weil die Leite fro sind, das dise schreklichen Menschen gefangen un im Gefengnis geworfn sind. Sie habn filleich 20 Häuser in ferschidene Pleze ausgeraubt. Die Sachn un das Silber fand man ferschtekt in einen holen Baum, wo ich ihnen zeigte, das dise Kerle im Wald gegessn hadtn. Ich will dir alles erklern, theires Tagbuch.

Wi ich das Zindhelzchen anzindete schaute ich herum un sah unsre eigne Forratskammer, di Schirze fon der Kechin auf einen Nagl un die Reste fon Flaumenkuchn auf einen Teller. Mein Herz schlug fest, ich tastete di Schtige henauf, es war pechfinster aber ich wußte den Weg!

»Oh Papa,« schrie ich, »steh auf un erschieß sie, bitte! damit sie Schorschi nich erwirgn kennen!« So eine Ssene! Anfangs ferschtandn sie mich nich. Montagu schtirzte heraus, di Dinsleute kamen aus der Dachschtube herunter, sie hattn 2 Pestoln un eine Schißbixe, wi sie auf den Feind herausschtirztn. Erst konnten sie sie nicht finden aber dann wecktn sie den Scheriff auf un holtn ein par Ferde heraus. Es wurde schon Tag un sie nahmen mich mit, den Weg zu zeigen. Sie erwischtn alle 5 un so glaub ich, ich werd nich wider mit Lanschtreicher gehn, sondern zuhaus bleibn un anschtendig sein.

Es is schon eine Woche, das ich nich in dem Tagbuch geschribn hab. Weihnacht kommt immer näer. 2 Tage nach Dankfest ging ich mit Lilly nachaus um eine Woche bei ihnen zu bleibn. Sie haltn nich selber Haus, sie wohnen im Hotell.

»Benimm dich so anschtendig, wi du nur kannst!« sagte Lil zu mir. »Es sind eine Menge feine Leute in dem Haus. Ich winsche nicht, mich meines kleinen Bruders schemen zu missn.«

»Wissn sie, das ich ein böser Junge bin?« fragte ich sie.

»Nein un sie solln es auch nie erfahrn, wenn du es nich selbs ferrätst!«

Das Mitagmal wahr fertig, wi wir hinkamen, wirklich ein großartiges Mitagmahl -- eine Menge Genge un zuletz Gefrornes un di Diner die bei Tisch bedintn warn grad so heflich zu mir wi zu den andern erwaksnen Leutn. Wisawi uns bei Tisch war ein kleines Medchen, in einen Seidnkleid mit Glassehanschuhe un einer Rosascherpe -- ein sehr hibsches Medchen. Ich schaute sehr fest auf ihr heniber un sie grad so oft auf mir. Montagu erzehlte mir, die Kinder werdn dann im Sallohn tanzn un wenn ich tanzn will wird er mich heneinnehmen. Minna hiß das kleine Medchen. Ich unterhaltete mich ausgezeichnet. Sie wahr sehr gefellig zu mir un ich tanzte ein paarmal mit ihr. Ich dachte mir ich werde Betty doch nich heiratn mag sie noch so gut zu mir sein. Wenn ihr schiläugiger Bursche sie nich heiratet, wird sie eine alte Jungffer wern missn.

Ich erzehlte Minna, das ich denke ich werde Betty nie heiratn. Sie schaute auf ihre Pantofln herunter aber sie sagte nichs. Ich schtellte dismal rein gar nichts an außer das ich eimal den Fuß plezlich ausschtrekte, so das ein Junge driber fil -- aber das wahr in Schpaß.

Ich schlif auf einen Diwan in Lils Zimmer weil das Hotell ganz foll war. Wi ich auf kam, war noch sehr zeitlich; ich schtand leise auf, zog mich an un schlipfte hinunter um mir die Schtadt anzusehn. Es war ein großer Ort, fil greßer wi unsrer. Ich konnte Schiffe un Wasser sehn un fragte deswegn einen Mann. Er sagte es is der Hudsonschtrom. Dann ging ich henunter um zu sehn was sie dort machn. Eine Menge Leute gingen auf das Schiff un so ging ich auch mit, blos um ein bischen herumzusehn un den Mann beim Rad etwas zu fragn.

»Wann fehrt es ab?« fragte ich ihn.

»Is ebn abgefahrn,« sagte er.

Un wirklich! Das Rad schpritzte wi nur was. Das Brett war hereingezogn.

»Bitte schön, ich mechte hinunter!« sagte ich. Er lachte un antwortete: »Du wirst ein bischen wartn missn!«

»Kann ich nicht meiner Schwester tellergrafihrn? Sie wird glaubn, ich bin ferlorn gegangen.«

Er wahr ein ganz ordenehrer Kerl. Alles was er sagte, war:

»Gibs nich!« un dann grinste er, wi wenn ihm etwas kizlte. Ich schpirte die Threnen kommen, aber ich wollte ihm nich zeign das mir so weinerlich wahr. So fiff ich also. Mir war kalt. Ich hadte nich gefrihschtikt. Ich hadte kein Geld fir der Fart un hadte Heimwee. Ich glaube ich war ganz blau, denn er sagte mir bald darauf ob ich nich in der Kabine gehn will es is eingeheizt dort. Also ging ich.

Es warn eine Menge Herrn un Damen drin. Erst bemerktn sie mich nich aber nach un nach fragtn sie mich wem ich geher. Ich sagte ich bin aus Irrtum mitgenommen worn; sie warn besorgt um mich un fragtn mich so fil iber meinen Namen un wo ich wohne, das ich ihnen zuletz fon meinen Tagbuch erzehlte un was ich fir ein schlechter Junge bin, das ich immer in der Patsche komm, wenn ichs gar nich tun will un das Lil jetz denkn wird ich bin ein schreklich godtloser Junge das ich dafongelaufn bin un ich wollte doch nur das Wasser anschaun un warum die Reder sich immer so drehn.

Eine Dame rif den Aufwerter er soll mir was zum Frihschtik bringen. Dann sagte mir ein Herr wenn ich ein Tellergramm schreibn will, so wird ers selber wegschikn wenn wir in der Stadt kommen. Si gabn mir ein Schtik Papir un einen Bleischtiff un ich schrib:

»Libe Lil -- ich wollte es nich thun. Das Schiff is schuld dran. Seit nich beunruigt. Klein Schorschi is ganz munter. Ich komm abens mit den Bod zurik. Bitte, sag ihnen sie solln mit den Essn wartn bis ich komm!«

Der Herr gab dem Aufwerter einen Doller, damit er auf mir acht gibt un sagte mir ich soll den ganzen Tag in der Kabine bleibn un ich werd ganz sicher sein. Sie schidtltn mir die Hand zum Abschid, wi si fom Schiff gingen. So eine Menge Schiffe war noch nie da! Es wahr Mitag. Das Boot sollte um 3 zurikfahrn. Es war fad, weil das Boot nich mehr fuhr. Ich aß ein paar Äpfl die sie mir gegebn hadtn, befor sie Mitagessn gegangen warn. Plezlich dachte ich an Herrn Jenner.

»Ich glaube es wird noch Zeit genug sein, hinzugehn, befor das Boot wegfehrt,« sagte ich zu mir selbs un so schlipfte ich henaus ohne eine Wort zu den Aufwertern zu sagn aus Angs, sie mechtn es mir ferbitn.

Großer Godt! Wi ich aus disn Holzkastn auf der Schtraße kam, glaubte ich, es muß wo brennen -- so ein Gedrenge! Ich ging iber die Schtraße un schaute auf die Schilder nach Herrn Jenners Namen aber ich sah ihn nicht un fragte deswegen einen Mann, ob er nich so gut sein mechte mir zu sagn, wo Herr Jenner wohnt?

»Weiß nicht, Junge,« war seine Antwort, »frag einen Pollezeimann.« -- Ich ging ein bischen weiter, dann sah ich einen Beckerladn ging henein un ferlangte ein paar Feffernisse.

»Wi fiele?« fragte die Frau.

»Villeich 9,« sagte ich.

Dann dankte ich ihr sehr heflich un wollte henausgehn aber sie fing zu schrein an, das sich ein Bär gefirchtet hädt.

»Wo is das Geld, du kleiner Schufft?«

Also erzehlte ich ihr das ich ferlohrn bin un legte die Feffernisse zurik un ging sehr traurig henaus. Ich fragte jedem den ich solang aufhaltn konnte wo das Boot is un wo Herr Jenner wohnt.

Solche ungebildte Leute warn noch nich da! Keiner wußte es. Ich sah auf einem Kirchturm das schon 4 Uhr wahr un fing zu weinen an weil die Fiße mir so weh tatn. Ein großer diker Mann in einen blaun Rock pakte mich bei der Axl.

»Was gibts junger Mann?«

»Oh Herr,« sagte ich, »ich winsche ich wer nich auf das Boot henaufgegangen un ich winsche ich wer nich fom Boot henuntergegangen un ich winsche die Leite in der Schtadt wern nich so dumm. Sie kennen einen kleinen ferirrtn Jungen nich einmal sagn wo Herr Jenner wohnt. Ich bin der kleiner Schorschi Hacker der immer in der Patsche kommt, aber ich kann ni etwas dafir. Wenn das Boot nich weggefahrn wer, befor ich es wußte, wer ich nich ferlorn gegangen. Ich wollte es wirklich nich thun.«

»Gut Schorschi,« sagte er, »wenn du ferlorn bist, missn wir fersuchn dich wider zu findn.«

Der Herr war sehr gut zu mir nur wollte er alles aus mir herausfragn. Er fragte mich sofil das ich kaum mein Nachmahl essn konnte. Die Leute in der Schtadt essn im Keller -- so eine schundige Angewohntheit! Dise Nacht schlif ich fest auf einer Pritsche, so ein schpaßiges Bett wi eine Schachtl! Irgendwer wekte mich auf mit Schluchzn wi wenn ihm das Herz brechn mißt. Ich setzte mich auf un rib mir di Augn.

»O du nichsnutziger schlimmer sißer Junge,« rif Lil.

Sie war ganz blaß nur ihre Augn warn rot. Montagu war auch da. Sie warn mit der Eisenbahn hergekommen, wie das Boot ohne mir zurikkam. Ich fragte sie ob Minna besorgt is, weil ich ferlorn gegangen bin? habn sie mit dem Nachmahl gewartet? warum weins du? Sie sagte sie weint, weil sie mich enlich gefundn hedte. Ich sagte ihr sie is eine libe dumme Gans. Sie hedte weinen kennen, wenn sie mich nich gefundn hedte -- aber jetz is ja alles wider gut un sie soll den Leutn zuhaus nich erzehln, das ich wider was angeschtellt hab -- ich hab es nich gern gethan. Also schidtlte ich den Herrn in den blaun Rock die Hand un ladete ihm ein eimal zu kommen un mich zu besuchn un Montagu nahm uns in einer Restaurazjon um den ibrign Abens zu ferbringen -- aber ich hab Lil (im fertraun) erzehlt, ich glaube nich, das Herr Jenner so ein bedeitender Mensch is, wi Elsbett glaubt, sons wirdn die Leite in Nujork mehr fon ihm gewußt habn. -- -- -- -- -- -- --

Der letzte Strohhalm

Ich hab alle Jareszeitn gern, besonderst Weinach weil es meistens so lustig is. Di Kechin is zo giftig weil sie Feffernisse backn muß un Fruchtkuchn oder Gefligl filln, das ein Junge nich eimal ein Pak Zibebn oder ein Schtik Zimmt nehmen kann ohne das sie ihm anschnappt wi eine Feierrakette. Sie will mir nich erlaubn mit di Muskattnisse Kugl zu schpiln oder den Leffl abzulekn mit den sie den Teig umrihrt oder mein Drumm Kreide auf ihrn nei'n Reibeisn abzureibn oder irgend ein bischen Schpaß in der Kiche zu habn. Ich muß die ganze Zeit draußn bleibn -- es richt so gut drin, es is hart fir einen Jungen.

Elsbett un Susi wolln zu Neujahr Besuch empfangen. Sie sagn es macht schreklich fiel Unbekwemlichkeit alle Tag Besuch zu bekommen un eingemachte Austern forzubereitn oder Kaffeh un kaltes Huhn un Kuchn un immer die neu'n Kleider anzuhabn. Ich glaube ich sollte ein par fon die Kerle bidten den andern zu sagn, wegzubleibn, weil meine Schwestern sagn, es macht sofil Unrue.

Ich hab schon seit mehr als einer Woche ein Gedankn in Kopf. Ich war in obern Schtock un unten. Gestern probihrte ich aufs Dach zu krichn un im Schornstein henunter zu gukn, aber es war so schlipfrig das ich beina henuntergerollt wär un mich erschlagn hedt, so daß ich es aufgebn mußte. Ich untersuchte den Kamihn in Mammas Zimmer ganz genau. Ich kann bei meinen Lebn nich einsehn, wi der alter Kerl durch so ein enges Loch henunterkommen kann. Wenn er filleich schtekn bleibt, das wer ein greßliches Mallehr.

Ich winsche, ich wißte, was er mir bringen wird. Ich weiß, was mir meine Schwestern gebn wern, weil ich in eine Schachtl gegukt hab unter einer andern Schachtl in den Kastn in ihren Zimmer un ich sah ein par Schlidtschue fon ungefehr meine Greße eine greßlich hibsche Schreibmappe un ein par Taschnticher mit G. H. eingeschtikt. Also erzehlte ich dem Dokter Moor in fertraun, daß Susi ihm das hibscheste Rauchschakett schtikt, was man sich nur denkn kann, weil ich durchs Schlißlloch gukte un sie dran arbeitn sah.

Er sagte: »Du bist ein trauriger Schurke, Schorschi.«

Aber ich bin gar nich traurig, außer wenn Papa sagt: »Geh in dein Zimmer un warte bis ich komm.« Das macht mich erns.

Ich bin aber doch ein bischen traurig, weil Sankt Klaus sich nich durch unserm Schornschtein durchzwengn kennen wird. Es ligt mir immer im Kopf. Ich kann es nich abschidtln. Ich fragte Papa, ob er nich filleich die Maurer kommen lassn will un ihm greßer machn lassn, aber er schidtlte den Kopf. Er sagte, er hofft der alter Klaus wird gescheid genug sein un sich selbs in ach zu nehmen.

Ich glaub es wer sehr schad wenn den altn Kerl was passihrn mecht -- so fiele andre Kinder mechtn entäuscht sein in den Häusern, wo er noch nich wahr. Ich hab in unsern Rauchfan henaufgeschaut un glaub wenn ein par Zigl draußn wern, kennt er so bekwem in unser Haus schlipfn, wi nur was. -- --

Weinach war kein sehr hibscher Tag in unsern Haus -- lang nich so hibsch wi ich erwartete. Ich lag den ganzen Tag krank in Bedt un auch noch 3 Tage schpeter. Mamma wahr auch krank. Kann sein, das ich eine Menge Geschenke bekommen hab. Ich weiß nich genau. Es war damals so ein schrekliches Durcheinand.

Mir scheint, es passihrte wider ein Zufall am Weinachsabend in unsern Haus. Es wahr filleich nein Uhr. Lil un Montagu un Herr Jenner un alle warn in Sallohn. Wir hadtn Nisse un Äpfl un Kuchn un Mamma sagte ich thete besser, zeitlich zubedt zu gehn, denn wenn Sank Klaus kommt un mich wach findet, geht er wider weg. Also ging ich die Treppe henauf, aber so langsam wi eine Schneke weil ich nich ein bischen mehr schlefrig war wi Herr Jenner.

Finf Menutn, nachdem ich iber der letzn Schtufe gegangn war, war auf einmal ein so lauter Krach wi wenn die Welt einschtirzn mecht -- etwas traf mich am Kopf, das tat schreklich weh -- sie sagn ich wußte filleich 6 Schtunden lang nichs fon mir. Es schihn, als were der Kamihn in Mammas Zimmer in 1000 Schtike zerschprungn un ein Zigl hadte mich auf der Seite fon meinen Kopf getroffn -- es is ein Wunder, das ich nich erschlagen wurde, denn di Zerschterung is follkommen. Alle Glasscheibn sin gebrochn, der Schpigl zertrimmert, die Decke is abgefalln un der Teppich is ganz naß, weil di Wasserleitung zerschprungn is. Die Mamma is for Schrekn krank geworn. Papa sagt, es is ein Wunder, das das ganze Haus nich in Fransn gegangen is. Wi ich zu mir kam, wundertn sie sich wiso es geschehn wahr.

Ich sagte, filleich hadte Sank Klaus ein paar Rakettn in seinen Sak un sie gingn los. Dokter Moor sagte:

»Ja, das muß es gewesn sein!«

Dann sagte Papa:

»Schorschi, wozu has du Schißpulwer in dem Kahmin geschidtet?«

Ich schrie: »Oh Papa! Ich wollte es nich thun -- ich wollte es wirklich nich thun! Ich hab nur eine Teeschale foll heneingeschidtet, grad nur genug um drei oder fier Zigl henauszublasn, damit er ein bischen weiter wird. War da etwas schlechtes dabei, Papa?«

»Oh nein Schorschi,« sagte er ganz schpettisch, »nein, durchaus nichs. Die Repratuhr wird mich mehr kostn wi 3000 Doller, un warscheinlich ligt dir nichs dran, das Mamma krank is un du keine Weinachsgeschenke bekommst.«

Ich bin sehr nidergeschlagn, seit er das gesagt hat. Ich mache meiner Familje schrekliche Auslagn. Es is ungenehm bei so kaltn Wetter in Haus arbeitn zu lassn, un was am ergstn is, ich bekomm die Presennte nich, auf di ich mich schon seit ein par Wochn freue. Bei die Bemerkungen, die einige Leite machn, seh ich, das sies liber gehabt hedtn, wenn ich schtatt alles andre in der Luft gegangen wer. Papa sagt, es wird ihm unmeglich sein, seine Fersicherung in diser Schtadt noch eimal zu erneiern, er wird in der Haupschtadt gehn missn, wo sie noch nichs fon mir wissn. Erwaksene Leite sin sehr unferninftig, sie glaubn, Kinder solln alles wissn, befor sie es ausprobihrt habn.

Jimmy Black war heit bei mir un sagte, ich hedte den Rauchfang nich weiter zu machn gebraucht, weil Sank Klaus iberhaupt nur Papa un Mamma sin. Ich fragte Susi deswegn, aber sie sagte Jimmy is ein Narr. Er zeigte mir das neie Messer, das er gekrigt hat. Ich wollte schaun, ob es wirklich scharf is un schnidt ein Loch ins Bedtuch aber Betti ferschprach mir, sie wird es schtopffn.

Meine Schwestern sin sehr besorgt, das das Haus noch for Neijahr reprihrt wird. Ich glaube sie brauchtn sich nich zu sorgn weil ich den jungen Leiten unten bei der Post am Tag for Weinach sagte, sie tätn besser uns nich zu besuchn -- es is zufil Unrue. Ich redte meine Schwestern gern for alle Unrue, wenn ich kann. Die Beile auf meinen Kopf ferschwindet schon nach un nach.

Dokter Moor sagt, ich kann morgn schon ausgehn. Es is eine ausgezeichnete Schlidtenbahn, der Schnee is 1 Fuß tif -- alle Jungen un Medchen unterhaltn sich un die Gleckchen klingln. Ich bin schreklich ergerlich, das meine Schlidtschue ferlorn sin weil der Rauchfang in der Hehe ging. Übermorgn abens soll eine Beschenkgesellschaff bei Predgers sein -- nich bei Herrn Slokum -- bein andern. Sie hoffn es wird sehr gut ausfalln, weil di Schtraße gut is un weil Feiertag is. Die Frau fonn Predger wahr bei uns, um zu sehn wies mit mein Kopf schteht un sie un Mamma redetn fon der Beschenkung. Ich herte wi si so mit ein bischen Lachn sagte, sie hofft, es wird ihr jemand eine Bikse Schterke bringen, weil ihre gar ist un ihr Mann gern schteife Kregn hat. Ich glaube ich werd morgn zu Peters henibergehn un ihm fon der Schterke sagn, er hat ein Gemischtwarngescheft. -- --

Theires Tagbuch, leb wohl, ich muß fort -- mein Koffer is gepakt. Betti un Mamma habn geweint, das ihre Augn rot sind. Ich soll wegfahrn in einer Schule filleich 100 Meiln weit un in dem Brif schteht:

»Ein gesundes Heim auf den Lande fir einige Knabn. Meßige Bedingungn, gute Narung, sorgfeltiger Unterrich.«

Ich bedauer di, wohin ich komm, weil ich so ein Monstrem bin, das meine Schwestern withend sind. Mein Fater sagt, ich bin ein Schadnschtifter -- ein noch nich dagewesner Schadnschtifter, aber Betti sagt, es is eine brennende Schande einem armen ferlassnen kleinen Jungen fortzuschikn in einer Erziungsanschtalt.

Unsre Leute wolltn mich nich zur Beschenkgesellschaff mitnehmen -- ich quelte sie drum, weil ich sehn wollte, was jeder mitbringt, es is so spaßig, un so ging ich allein for ihnen hin. Der Predger wahr grad mitn Nachmahl fertig, aber sie lißn mich dort bleibn. Herr Peters kam un brachte Schterke. Herr Blackland kam un brachte Schterke. Herr Jones brachte Schterke. Herr Robinson brachte Schterke. Alle brachtn Schterke. Zuers lachtn di Leite fom Predger, aber wis so fortging wurdn sie zohnig un enlich sagte er ganz erns:

»Wenn das ein Scherz is, meine Freinde, so is es ein sehr armseliger.«

Un dann schautn sie alle zu mir hiniber, wo ich grad ein Fotografialbum anschaute un sagtn:

»Schorschi hats uns gesagt!«

Ich hadte es nur getan, weil ich sie sagn herte, sie braucht welche. Ich dachte ich will machn, das sie ihr genug bringen. Ich dachte nich, das ich dafir ferdin bein Ohr genommen un for die Erfrischungen nachaus geschikt zu wern. Manche Leite wern froh gewesn wenn sie's gehabt hedtn Schterkpudig damit zu machn. Ich bin ganz entmutigt das zu thun, was di Leute wolln.

Am nechstn Tag wahr große Schlidtnfahrt. Nimand ladete Elsbett ein mitzufahrn, weil sie ferlobt is un ihr Ferlobter is in der Schtadt. Ich herte wi sie sagte, sie mechte greßlich gern mitfahrn un weil ich zufellig bein Ladn fon den Kerl wahr, den si den Laufpaß gegebn hat, wi ihm das Ferd durchging fragte ich ihm, ob er Elsbett nich auf der Schlidtnpartih mitnehmen mecht? Er sagte:

»Nein, das mecht ich nich, un wenn sie das einzige Frauenzimmer auf der Welt wer!«