Tagebuch eines bösen Buben

Part 5

Chapter 54,198 wordsPublic domain

Papa wollte mich in ein Inschtetut gebn aber Mamma sagte: »Nein, er wird so zurikgeschikt wern, also wozu?« weil die Birger habn wolltn, ich soll fort gehn. Der hibscher junger Mann, der sich dem Fuß gebrochn hat, kann wider ausgehn un das is sehr ergerlich weil mir die gutn Sachn, die ihm meine Schwestern immer schicktn, sehr abgehn wern. Der Mund wessert mir, wenn ich dran denke. Ehrwirdn Herr Slokum kann seine Harfe schon auf dem Weidenbaum hengen, denn Betty erzehlte mir gestern abens im fertraun, Elsbett is schterblich ferlibt in dem Schtadtjungn un Betty ferschteht sich drauf -- sie weiß selbs wi das is. Sie hat einem rothaarign Ferehrer, der so ausschaut, wi einer fon den Kirbissen mit einer Kerze drin, mit denen ich sie immer schreke, wenn sehr finster is. Ich glaube sie sollte nich dafor erschrekn -- sie sind das follkommne Ebnbild fon ihren Ferehrer.

Herr Jenner, dessn Fuß wider gut is, wahr gestern abens hir, Elsbett besuchn; er sagte er muß morgn in der Schtadt zurick, aber er wird widerkommen. Elsbett wisplte mir zu, es ist schon Zeit zu Bedt zu gehn un so sagte ich: »Gute Nacht Herr Jenner!« un ging so ruig henaus wi ein Lamm, schlich aber dann zurik ins fordre Zimmer un legte mich aufs Sofa, weil ich noch so wach wahr, wi ein Habich un herte Elsbett sagn: »Bleibn sie bis Freitag Herr Jenner; Donnerstag soll eine Iberraschungsgesellschaff feranschaltet wern un ohne sie wolln wir nich gehn. Ich mechte den kleinen Schorschi nicht um der Welt hir habn -- ich firchte, er wirde wider was anschtelln -- das is der Grund, weshalb ich es ihnen nich sagte, bis er zu Bedt war. Er soll bei Richter Bell sein un wir werdn uns sehr gut unterhaltn.«

Er sagte, er wirde ihr zulib bleibn un drikte ihre Hand wi wenn sie eine Oransche wer. Es muß wahr sein was Betty sagt, sie werdn gewiß heiratn. Ich wollte eine Papirkugl auf ihnen schmeißn, aber ich dachte es is besser wenn ichs nich thu, damit Elsbett nicht denkt ich hab fon der Iberraschungsgesellschaff gehert un lag ganz ruig.

Er fragte sie, ob sie mit Herrn Slokum ferlobt is. Sie sagte sie wirde ihm nich heiratn un wenn er der einziger Mann auf der Welt wer, weil sie nich gut genug is fir die Frau fon einen Predger. Dann fragte er, ob sie filleich gut genug is, um seine Frau zu wern? Ich weiß nich was sie sagte, sie redete so leise, aber er aß sie beina auf, wie wenn si fon Zucker wer un ich schlif ein.

Alles wahr finster, wi ich aufkam un ich schlich so leise hinauf als ich konnte, aber die Schtige krachte un Papa schtirzte heraus un feierte die Pestole ab. Die Kugl riß mir ein kleines Schtick fon meinen rechtn Ohr henunter un machte mich di Treppn henunterfalln so das Papa glaubte er hat dem Einbrecher erschossn. Er nahm die Lampe un Susi un Elsbett schperrtn ihre Thirn zu un schrien inwendig un er un Mamma kamen herunter wo ich ganz zusammgerollt lag un sie rif:

»Oh Gott es is unser liber kleiner Schorschi! Oh mein Sohn mein Sohn!«

Papa seifzte, wi wenn er getroffn gewesn wer, Mamma sah das Blut auf meinen Gesicht un schrie: »Er is tot!«

Aber ich wahr nur ferwundet wi ein Soldat un schprang auf un sagte: »Es is mir nichs geschehn« un dann hadte Mamma wider hesterische Kremfe. Nein so was! Mein Ohr wurde ferbundn un ich wurde zubedt gelegt, wi es schon licht war. Betty brachte mir mein Frihschtik aber nich eimal ihr erzehlte ich fon der Iberraschungsgesellschaff.

Mamma weinte wider ein bischen, wi sie zu mir kam, um nachzusehn. Ich quelte sie, bis sie mich aufschtehn liß. Wi ich angezogn wahr, schlipfte ich unbemerkt henaus lif zu Richter Bell hiniber, fragte nach Fräuln Anna un erzehlte ihr, es keme heut Abens eine große Gesellschaff zu ihnen un sie sollte nur so iberrascht wi meglich sein. Sie lachte un sagte, sie wollte -- sie war froh das ichs ihr erzehlte, weil sie jetz ihre Haarwikl nich herausnehmen wollte bis abens un di Polsterdekn aufbreitn un dem Medchen sagn sie soll unter den Bedtn herforkehrn.

Dann ging ich un ladete Frau Tuckins ein, die in Tagarbeit geht un Willi Giles der Weichnwerter bei der Eisnbahn, is mit nur 1 Bein un die Wittwe Robinson di immer unsre Kiche anschtreicht un die zwei Grünmedchen die Schneiderinnen sind -- oh, eine ganze Menge Leute, wi im neun Testerment schteht, das man einladn soll, wenn man Gesellschaff gibt -- un sie warn alle froh un ferschprachn zu kommen un den ganzn Tag nichs auszuplauschn.

Die Leute, di ich eingeladet hadte, kamen alle sehr zeitlich. Sie warn früer da als alle andere un Richter Bell glaubte es is ein Auflauf weil er ausgegangen wahr un Fräuln Anna war so zohnig, das sie ihren Hut aufsetzte un fortging. Also nahm di Iberraschungsgesellschaff ihren Kuchn un Krem un di Musik un kam damit zu uns heriber, wo sie sich sehr gut unterhiltn.

Papa wahr greßlich ergerlich, weil er un Richter Bell Freinde sind. Er wunderte sich, wer das wider angeschtellt hat. Aber ich dachte, es is doch nich schön, das alle dise Leite weggehn mußtn ohne belegte Buttersemmel oder Kuchn wi wir hadtn! Ich glaube es erzehlte ihm jemand, das es Schorschi war, ders getan hat, weil er so scharf auf mir schaute das ich dachte ich werd ein bischen in den Hof gehn un schaun ob der Mond untergegangen is.

In den Hof war eine fremde Katze. Sie wahr weiß un schwarz geferbt. Ich sagte: »Miez, miez, miez!« aber sie lief dafon. Es roch greßlich so das ich es nich aushaltn konnte un ich ging deswegn henein. Die Leute warn im Schpeiszimmer un nahmen grad Erfrischungen un so ging ich auch henein. Sie schprangen auf un schrien wi wenn ich ein wildes Thir wer. »Oh geh henaus, geh henaus!«

Die Dahmen nahmen ihre Taschnticher form Gesicht wi wenn sie Zahnwee hädtn. Papa pakte mich bei der Schulter un fihrte mich henaus im Schtall setzte mich auf einen Heihaufn un sagte ich soll dort bleibn bis di Gesellschaff fort is.

Das wahr schreklich gemein. Ich herte die Musik schpiln aber ich hadte noch gar nichs gegessn, es war kalt un finster da drin un so ein Geruch das ich beina geschtorbn wär.

Betty kam nach einer Weile heraus un brachte mir ein Schtik Kuchn. Wi sie das Thor aufmachte, scheinte der Mond herein, so das ich sehn konnte wer er wahr.

»Betty, libe Betty,« sagte ich foller Freude, »da bin ich.«

»Oh,« sagte sie, »ich kennte dich mit der Nase findn, Schorschi un wenns noch so finster wer!« un sie lachte, das sie beina zerplatzt wer. Aber ich wahr nich zohnig, weil es so lib fon ihr wahr mir an disn traurign Plaz etwas zu essn zu bringen.

Ich fragte sie ob sie bei mir bleibn will, aber sie hadte zufil zu thun. Sie sagte sie wird mir so schnell sie nur kann mein andres Gewand bringen. In einer halbe Schtunde filleich, brachte sie mirs un sagte ich soll heneinkommen wenn ich angezogn bin.

Betty is ein fortreffliches Medchen, das muß ich wirklich sagn. Ich kam ein bischen früer henein, befor di Gesellschaff ging.

»Du mußt mit fremde Katzn keine Freundschaff schlißn, Schorschi,« sagte Dokter Moor.

Alle nektn mich. Herr Jenner fragte mich, ob ich mein Taschntuch mit Eßbukeh eingeschpritzt hab?

Papa aber sagte ganz erns: »Schorschi hastu disem Gesindelpak gesagt, zu Richter Bell heniberzukommen?«

Grad da, befor ich antwortn konnte, wahr draußn auf eimal ein firchterlicher Schpektakl -- alte Hefndekl, Trompettn, Herner un Feifen, genug um einem firs ganze Lebn taub zu machn. Alle schautn auf mir, wi wenn ich der schuldiger Ferbrecher wer.

»Was is das schon wider?« schtehnte Mamma.

Dismal wahr aber mein Gewissn rein.

»Ich weiß nich Mamma, filleich is es eine Katznmusik?«

Nun weißt du, libes Tagbuch, ich hadte zu ein paar Kerle, di bein Depoh warn, gesagt, sie bekommen Kuchn un Wein, wenn sie zu Richters gehn un der Iberaschungsgesellschaff eine Saranahde machn, un si hadten dort gehert es is in unsern Haus un warn deswegn heribergekommen. So ein Narrnthurm, was sie machtn, hat di Welt noch nich gesehn -- es warn filleich 3 Dutzen fon ihnen da. Wenn ich gewußt hedte, die Gesellschaff wird zu uns kommen, hedte ich sie nich eingeladet. Dokter Moor ging henaus, um die Leite zu beruigen, die grad wi lauter Teufl heiltn un schrien un kam mit die Finger in die Ohrn wider herein.

»Sie werden ihnen etwas geben missn, um sie los zu werdn,« sagte er.

Mamma ging henaus, um Kuchen zu holn, aber die Gesellschaff hadte alles aufgegessn un es wahr keine Zeit mehr, frischn zu bakn un ein Bursche schmiß grad einen Schtein durchs Sallohnfenster -- sie brilltn noch mehr -- es war mir sehr leid, das ich dise gemeinen Kerle etwas fon der Saranahde gesagt hadte.

Dann sagte enlich Elsbett es were ein großer Fruchtkuchn draußn in der Forratskammer fir das Dankfest un sie wirde ihm holn; also schikte Papa den Kuchen un eine Menge Wein henaus mit einer Emfehlung un wi sie das aufgegessn hadtn, schrien sie dreimal »Hurrah der kleiner Schorschi soll lebn!« un wolltn nich eher fortgehn, bis ich eine Rede halte.

Ich war firchterlich erschrokn aber Papa sagte: »Du hast uns in die Patsche gebracht, mein Junge -- jetz schau, wi du uns wider herausbringst!«

Dr. Moor setzte mich also auf seiner Axl un trug mich henaus. Ich fermute ich war blaß, aber wie sie anfingen zu lachn un zu kreischn wurde ich zohnig un sagte ganz laut zu ihnen: »Mitbirger,« sagte ich, wi ich fon Papa in der Schtadthalle gehert hab, »wir habn heite Abens 2 unerwartete Besuche zu unsere Iberaschungsgesellschaff gehabt -- Einer kam im Hinterhof, es war ein Schtinkthir. Der anderer kam im Forderhof, das war di Katznmusik. Ich weiß nich, welchen ich dafon liber hab. Gute Nacht!«

»Du wirst noch eines Tags ein Folksredner wern, mein Sohn,« sagte Papa, wi sie so ruig weg gegangen warn wi Lemmer un lachte un lachte sofil, bis er aufherte wegn der Geschichte bes zu sein mit mir, aber meine beste Kleider sind runihrt, sie sind im Gartn begrabn ich kann morgn nich in der Sontagsschule gehn. Es tut mir sehr leid, denn ich wollte Harry Hauk mein Federmesser bringen, weil er mir die Gummilastieidekse dafir gebn wollte, di er fon seiner Tante bekommen hat ich wollte Betty erschrekn.

Nechste Woche is Dankfest. Ich hoffe un bete, meine Kleider solln dann nich mehr begrabn sein, denn wir erwartn unsre ganze Ferwanschaff zum Essn un iber nacht. Es wird sehr lustig sein. Dankfest is die beste Zeit fom Jahr außer Weinach, das is noch besser. Kinder habn alle Weinachtn so gern. Ich weiß etwas dafon, was nich wahr is, aber ich wer es nich ferratn.

Man mechte gar nich glaubn was fir eine Menge gute Sachn in Fleischpastehtn sind, wenn man sie ißt -- Fleisch, Äpfl, Fett, Zibebn, Zitrohne, Liköhr, Muschkatnuß, Zimmt, Eierschaum -- in manche auch Schnupftaback. Die Kechin liß mich zuschaun. Ich hadte die Schnufftabackbixe fon Hansis Großmama di ich mir ausborgte ohne das sies wußte. Es schaute greßlich genau wi Zimmt aus un ich schmiß den ganzn henein wi di Kechinn in der Schpeise ging. Ich hoffe es is gut in Pastehtn.

Oh, das wahr ein beschefftigter Tag! Elsbett nahm mich iber nachmittag mit aufs Land. Es war ein Junge dort un eine Menge Nisse auf die Bäume im Wald un Kihe. Wir klaubtn uns auf sofil wir wolltn. Er erzehlte mir wi di Schlangen sich ein neues Gewand anzihn. Das is merkwirdig! Ich hadte noch mein altes an, weil ich Nisse suchn ging un mein andres noch eingegraben is. Eimal kann ich dich zumachn, mein Tagbuch ohne deine Bledter mit einen traurigen Zufall zu beflekn. Sie sagtn ich bin ein sehr brafes Kind.

Elsbett is in einen Bognschitzn-Klubb in unseren Ort. Si nahm ihren Bogn un Feile mit um draußn zu schißn, weil dort sofil Plaz is. Wie sie mid wahr, borgte ich un der andre Junge uns ihm aus.

Elsbett gab ihm uns, wenn wir nich auf das Haus zu oder auf etwas lebendiges schißn wolln. Wir gingen auf der Weide un machtn ein Schtik Zeitung auf einen dikn Baum fest anschtatt eine Zilscheibe; aber dise ferfluchte Küe schpazirtn immer so herum un grad wenn wir auf dem Zeitungspepir ziltn, waklte eine mit den Schweif un ging langsam bei den Baum foriber wi wenn sie ferrikt wern, oder gar kein andrer Plaz da zum Promenihrn. Zuletz traf einer fon di Feile die beste Ku fon dem Jungen seinen Fater grad im Aug wi sie sich niderlegn wollte un sie schtiß noch einmal aus un gab dem Geist auf.

Ich firchte wenn die Kuh nicht zum Melkn im Schtall kommt, wird sein Fater nicht mehr denkn Schorschi Hacker is so ein anschtänger kleiner Kerl! Aber ich wollte es ja nich thun -- nein, wirklich nich! Ich zilte auf keinem einzign Ding außer der Zeitung, un wenn dise dumme Kuh grad foribergeht, wessn Schuld is es -- ihre oder meine? -- -- -- --

Er geht zur Kirche

Manchmal leßt mich Dokter Moor zu ihm in sein Gescheft kommen un ein bischen dort schpiln, er hat ein sehr schnelles Ferd un einen leichtn Einschpenner aber er will mich nich allein dort lassn, weil runderum sofil giffge Medezinen schtehn. Gestern mußte man ihm plezlich rufn -- ein Mann hadte einen Anfall un er sagte zu mir: »Schorschi, du bleibs in den Sessl, bis ich zurikkomm!«

Ich saß schtill bis ich gehnen mußte, wi wenn mir der Kopf abfalln mecht -- dann kam das alte Fräuln Baxter herein schaute durch ihre Brilln scharf auf mir un fragte wo der Dokter is.

»Ein Mann hat einem Anfall bekommen, kann ich ihnen filleich mit etwas dihnen Fräuln?« sagte ich sehr heflich.

»Du, Schorschi Hacker?« sagte sie in so wegwerfign quitschign Ton. »Du mechtest mich vergifftn, wenn ich dumm genug wer dichs zu lassn. Alles was ich brauche is ein bischen Medezin un ich hedte so keinen Doller dafir bezalt.«

Dabei gukte sie herum auf alle Flaschn un Sachn -- man sagt sie is schreklich neidisch, der reine Geizkragn -- un sah eine Flasche mit Seidlezpulwer, ging schnell hin nahm ein blaues un ein weißes un legte finf Cent am Tisch.

Auf den Tisch schtandn ein paar Gleser un ein bischen Eiswasser un in einer Schaale Zucker. Ich fragte sie ob ich ihr das Pulwer mischn soll. Sie dachte sie kann den Zucker dabei umsons bekommen un sagte ja. Ich machte es sehr siß in 2 Gleser un sagte sie soll zuers das blaue un dann das weiße trinkn un sie tat es auch. In filleich einer Menute hadte sie auch einem Anfall -- Oh einen schreklichn Anfall! Ich kann mir nich forschtelln, wofon es kam, die Pulver warn ganz richtig. Si fil grad zurik un wurde so schwarz im Gesicht, wi wenn si Dinte geschlukt hedte; sie wer beina zutot erschtikt. Ich rannte henaus auf der Schtraße um den Dokter zu suchn, aber ich sah ihm nirgns. Ich sagte einige Leute, Fräuln Baxter schtirbt in unsrer Potheke un sie ranntn henein un paktn sie auf un legtn sie am Sofa; ihre Brilln warn zerbrochn, ihr Kleid auseinand gerissn un die Trenen kamen ihr aus die Augn, wi wenn sie bei ein Begrebnis wer.

Sie fragtn sie, was denn geschehn is; sie sagte sie hat es nich richtig eingenomen -- die Eksplosjohn war in ihren Magn anschtatt in den Glas losgegangen -- ich glaube sie hadte recht. Sie zahlte 5 Cent fir das Seidlezpulwer, aber ein par neie Augngleser kostetn ihr filleich 50 -- sie erschparte nich so fil dabei, wi si glaubte. Si schittlte ihrn grinen Regnschirm zu mir, wi sie wegging, wi wenn ich schuld wer -- warum wollte sie den Dokter betrign?

Unter den Tisch wahr eine Lade, in der war ein hibsches Morrekoetwi. Ich glaubte es is ein Schmuck drin aber wi ich nachschaute, warns lauter kleine Messer un Sachn. Sie warn so scharf wi nur meglich. Dann kam ein kleines Medchen herein mit 25 Cent un ein Schpahn in der Hand, ich glaube sie is auf einen Treppngelender hinuntergeglitscht. Ich sagte sie soll wartn, der Dokter wird sehr bald kommen, aber sie sagte es tut greßlich weh un ich sagte: »Wenn du schtillhaltst, will ich ihn herausschneidn« aber das kleine Ding hilt nich schtill. Sie zukte grad zur unrechte Zeit, so das ich ihr grad iber der Hand einen schreklichn Schnitt machte. Wer sie ruig gewesn, es wer nich passihrt.

Das Blut rann iber dem ganzen neun Teppich un ich sagte ihr deswegn, sie soll schnell zu ihrer Mutter laufn un es sich ferbindn lassn. Es war schon so schpeht un ich wahr so hungrig, das ich nich wartn konnte bis der Dokter zurikkommt un di Flekn am Teppich siht. Aber ich firchtete, das Dibe einbrechn un schtehln, wenn ich weggeh, deswegn schleppte ich das Schkelett aus der Kammer, setzte er im Sessl un schtekte ihm ein medezinisches Enschtrument in der Hand. Dann nahm ich ein bischen Fosfer aus einem Fleschchen heraus, machte damit ein paar Augn auf Papir un schtekte es in seinen Kopf. Es wahr firchterlich anzuschaun -- genug um jedem Einbrecher zu erschrekn, un so firchtete ich nich die Potheke unter der Wache fon dem Skelett zu lassn un ging nachaus nachmahln.

Jetz sagt der Dokter, ich soll nich wider auf der Potheke Obach gebn, weil das alte Fräuln Baxter withend is un Emmeline Elder krank ligt mit Gehirnenzindunk weil sie schnell in der Potheke lif um ein bischen Kloreform fir Zahnweh un dem totn Kerl mit di Knochn un die glenzign Augn sitzn sah, weil es schon finster wahr un sie schrie laut un fil in Ohnmacht.

Wie sie wider zu ihr kam war sie ganz allein mit den Schkelett un schrie nocheimal un ferlor di Besinnung. Dann kam der Dokter zurik, un brachte sie zu sich, aber si hat jetz Fiber un schreit die ganze Zeit -- aber deswegn brauchn sie doch auf mir nich zu schimpfn ich schtellte es fir Einbrecher auf un nich fir Medchen un das war ganz recht.

Ich fergaß fon den Jungen zu erzehln der hereinkam mit Zahnweh. Es tat ihm so weh, das ers nich aushaltn konnte bis ich das Schkelett herausgeschleppt hadte und er half mir es am Sessl zu setzn un ich liß ihm aus der Kloreformflasche richn un er roch dran un ich sagte ihm er soll sich ein bischen aufs Saktuch gißn es wird ihm dann nich mehr weh tun.

Er legte sich aber grad zurik un liß die Flasche falln. Sie zerbrach un er wollte mir nich antwortn wie ich ihm fragte ob der Zahn noch weh tut also ging ich fort un liß ihm dort, weil es so schtark fon Kloreform roch, das ich weggehn mußte. Er un Emmeline lagn beide bewußtlos dort, wi der Dokter zurikkam.

Es tut mir leid, das di Flasche zerbrochn is, denn sie wahr 3 Doller wert un der Bub schtarb beina -- aber ich hoffe er hadte kein Zahnweh mehr.

Ich dachte nich, Emmeline wird for den Ding erschrekn, das ich doch nur fir Reiber aufgeschtellt hadte.

Der Dokter sagt es muß troz allen doch ein Dib hereingekommen sein, weil die Schachtl mit di Gummizukerl weg is. Aber Hansi un ich wissn gut, wo si is, hinter der Scheine.

Morgn is Dankfest. Aber ich werd den ganzen Tag kein Schtikchen Pastehte krign, weil der Schnupftaback fon Hansis Großmutter so ein greßliches Quatsch aus unsrer Pastehte machte, das wir die ganze fortschmeißn mußtn. Es is noch eine Menge Apfeltorte un Kuchn da aber ich soll doch nichts bekommen. Ich glaube, das is wirklich gemein. Ich hab Torte ganz besonderst gern.

Meine Schwester Elsbett is so schtolz, weil sie Herrn Wilkins fortgeschikt hat der seit damals nich bei uns war, wi das Ferd dafon lif, un dafir Herrn Jenner gekrigt hat, das man beina kein Wort zu ihr schprechn kann.

Unsre libe Lil is gestern gekommen, um morgn bei uns zu sein. Sie fragte ob ich noch so schlimm bin, wi früer, weil sie mich gern auf eine Woche nachaus nehmen mecht.

Ich mechte sehr, sehr gern gehn. Warum hetzn sie alle auf, zu sagn, ich bin ein nichsnutziger Junge? Wir habn alle unsre Fehler. Ich habe ein paar, wi andre Leite auch. Bin ich godtlos, weil ich nich wußte, das Schnufftaback die Pastehte runihrt, oder das alte Fräuln Baxter zischn wird, wi ein Feierwerksrad fon 4. Juli wenn sie ihre Sachn nich mischt, befor sie sie schlukt?

Jeder Mensch muß erst eine Menge Sachn aus eigner bittre Erfarung kennen lernen.

Lily sagt, ich soll mit ihr kommen un wenn ich auch allen Schnikschnak zerbrech, was sie mitgebracht hat; sie wahr immer so ein liber Kerl; sie weiß, kleine Jungen habn ihre unruige Mommente, wi große Leite.

Libes Tagbuch, auf deine Seitn beschliße ich feierlich morgn ein so brafer Junge zu sein, wi nur meglich, damit ich mit Lil nachaus fahrn darf. Ein Tag soll iber meinen Kopf gehn in Rue un Fridn; formittag will ich in der Kirche gehn un nachmittag lesn in der Sonntagsbibloteck. Ich wer mein Gewand nich beschmuzn un so anschtendig sein, wi man nur sein kann.

Tante Betsey is auch hir. Papa schrib ihr einen Brif un sagte ihr, sie soll wider gut sein, un an unsern Dankfesttruthahn mitessn -- un so is sie gekommen. Sie gab mir ein Goldschtik, wi sie kam, auch Herr Jenner kommt aus der Schtadt zum Essn -- er is jetz einer fon unsrer Familje.

Elsbett sagt, sie winscht, das die Tante ihm siht -- sie denkt gewiß an dem silbernen Teeserwiß. Lilly hat mir ein schpaßiges Schpilzeig mitgebracht, es is kinesisch -- es schtekt in einen kleinen Schtik Tuch un wenn man di Nadl schnell wegziht, schpringt etwas schwarzes heraus durch das halbe Zimmer, beina wi eine Schlange. Ich habe schon die Kechin un alle damit erschrekt, es macht sie schrein, weil es so schnell herausschpringt. Montagu brachte mir so eine Menge Zukerl, das ich glaub ich werd morgn garnichs zu Mittag essen kennen. Ich hab ihm auch sehr gern -- er will, ich soll mit ihnen zurikfahrn.

Dankfest is gekommen un wider foriber. Ich werde nicht mit meiner ferheiratete Schwester nachausfahrn. Du mußt mich enschulgen, libes Tagbuch, die Trenen in meine Augn machn, das ich so krumm schreib. Ich schtand zeitlich auf un schtrengte mich sehr fest an, ein solcher Prachjunge zu sein, wi in die Bicher schteht.

Nach den Frischtik trug ich ein paar Zukerl zu Hansi heniber. Seine Mutter hat ein Babi, das for filleich 2 Wochn gekommen is; ich schteckte ihm eine Zukerflaume in Mund, wi die Amme nich hinschaute weil es beim Essn so schpaßig war, das wir lachn mußtn, aber der kleine Dummrian wollte es schlukn, befor es zerkaut wahr un wirgte so dran das die Amme erschrekte un es am Kopf schtelln mußte un seine Mutter schikte mich direk nachaus.

Ich ging zur Schtadt henunter um mir etwas fir mein Goldschtik zu kaufn aber di Ledn warn alle geschperrt un so kaufte ich Pat Finegans jungen Bulldock um 2 Doller aber ich blib ihm einem schuldig.

Wi ich zuhaus kam, wahr es Zeit in der Kirche zu gehn. Ich ferschtekte meinen Hund im Schtall un ging nebn Lil die so hibsch ausschaute un ein so ellgantes Kleid anhadte, das ich schtolz war auf ihr.

Herr Slokum betete ein schrecklih langes Gebet, so das ich ganz schlefrig un hungrig wurde. Ich winschte, ich hedte das kinesische Schpilzeig nicht in der Tasche mitgenommen, weil mir so fad wahr, das ich es auf dem Pult herauslegte um zu schaun ob es nich zerbrochn is, aber di Nadl ging pletzlich ganz zufellig heraus un befor ich es wußte flog das lange schwarze Ding grad durch der Kirche un paschte Herr Slokum auf der Nase, weil er die Augn beim Gebet zugemacht hadte. Dann purzelte es henunter im Kohr un zapplte, wi wenn es lebendig wer.

Die junge Dahmen, die ihm Kohr singen glaubtn es is eine Schlange un schprangen alle auf ihre Sitze -- so was in der Kirch wahr doch wirklich unanschtendig! Wie sie bemerkte was es war kam einer feierlich herfor, putzte seine Brilln un sagte: »Dise godtlose schenliche Person, di einem solchn Scherz im allerheiligstn feribn kann, is zu ferdorbn um zu wissn, wi schlecht sie is. Ein solches schenliches Betragn is zu nidrig fir uns, um beachtet zu wern -- Laßt uns singen!«

Ich glaubte ich muß im Fußbodn fersinkn, weil alle auf mir schautn als ob sie wißtn, wer es gethan hat. Ich liß mein Gesangbuch falln, weil ich mich so eilte, das Lid zu findn un wi ich mich bikte, es aufzuhebn, fil mir die Pestole aus der Tasche, die mir Pat Finegan gelihn hadte, anzuschaun ob ich sie filleich kaufe un ixplodihrte. So ein Knaller! Papa pakte mich bei der Schulter un fihrte mich den Gang henunter auf den Fridhof setzte mich sehr fest auf einem Grabschtein un sagte:

»Schorschi, du bis ein schweres Kreiz. Du bist ein Schkandal fir deiner Familje. Ich bin mit meinen Ferschtand zuend, was ich mit dir anfangen soll!« un ging auf un ab un schtehnte, wi wenn ihm die Schue drikn mechtn. Ich wußte auch nich was er mit mir anfangen soll -- ich war deschpraht. Zuletz sagte ich: