Tagebuch eines bösen Buben

Part 4

Chapter 44,111 wordsPublic domain

Der neie junge Mann heißt Wilkins. Letztn Abend ging ich in Sallohn wi er un Elsbett mit einand redetn un ging hin zu ihm un schaute ihm genau an. Nein, is der aber schpaßig! Elsbett winkte mir, ich soll fortgehn. Ich wußte sie schenihrt sich es laut zu sagn un so machte ich mich nix wissn.

»Wi gehts dir, kleiner Mann?« sagte er.

»Ich bin kein kleiner Mann,« sagte ich, »ich bin ein Bub. Glaubn si ich bin der Tom Deimling oder sons ein Zwerg?«

Er lachte.

Ich fragte ihm: »Was is das, was so glenzt, wenn sie lachn? Is es Gold, wi das, was der Zahnarz in Elsbetts Zehne schtekte?«

»Du bist ein schpaßiger Junge,« sagte er, aber er lachte nich, so das ich nich sehn konnte was in seinen Mund so glenzte.

»Si sin auch schpaßig,« sagte ich. »Was habn sie denn auf den andern Aug, es bewegt sich ja gar nich? Is es aus Glas?«

»Du bist wirklich roh,« sagte Elsbett. »Geh fort oder ich werds Mamma erzehln.«

Ich ging ein bischen fort, kam aber gleich wider zurick, weil ich wissn wollte, warum sich sein andres Aug nicht bewegt un schtand un gukte auf ihm bis Elsbett wi sie schpeter sagte beina fortlaufn wollte.

»Schorschi,« sagte sie so siß wi Torte, »wills du nich so freindlich sein un Betti sagn, si soll Kuchn un Lemonade bringen?«

Ich kam gleich wider zurick, wi ich ihrs gesagt hadte un schaute noch fester auf ihm, weil ich nich begreifn konnte was mit sein Aug wahr. Sein Haar war schreklich rot. Elsbett enschuldigte sich dann, um eine Menute ins andre Zimmer zu gehn un wi sie herauskam, sagte sie: »Schorschi, du solls sofort zu Mamma kommen.«

Also mußt ich heneingehn un Mamma sagte, es sei greßlich unheflich Besuche so anzuschtarrn.

»Aber Mamma,« sagte ich, »warum ziht er das Aug nich auf, damit es sich bewegt, wie das andre?«

Große Leite sin schreklich unferninftig zu Kindern. Schtatt mirs zu erklern sagte si:

»Es is Zeit, zubedt zu gehn Schorschi!«

Herr Wilkins kommt regelmeßig jedn andern Abens. Der Dokter un Susann sitzn in Forderzimmer er un Elsbett in Hinterzimmer. Warum sitzn si nich alle zusamm? Er will morgn nachmittag mit Elsbett ganz allein ausfahrn. Ich glaube sie hedtn mich auch fragn kennen ob ich mit will.

Ich glaube ich werde just mit fahrn! Es wer sehr schpaßig, wenn ich mich untern Sitz ferschtekte un zuhör, was er sagt, er hat so eine zwitschige Schtimme. Ich wer fersuchn, obs geht. Ich mechte Hansi mitnehmen aber es wird nich genug Platz sein.

Herr Wilkins kam um 4 Uhr for das Haus mit einen neun Zweireder, ein schwarzes Ferd mit fergoldetn Geschirr forgeschpannt. Ich schtand beim andern Eck fom Haus un gab Obach un wi er eine Menute ins Vorhaus ging um zu sagn das er da is, schprang ich aufn Wagn kroch unter dem Sitz un gab das Leder wider for, das man mich nich sehn konnte.

Meine Kni warn sehr eingezwengt. Ich legte mich so gut ich konnte un hilt mich schtill wi der Tod werend si einschtign. Er pakte die Zügl un fort wahrn wir.

Das Ferd, das flog nur so, bis wir filleich 8 Meiln for der Schtadt warn. Es tat mir greßlich leid das ich mitgekommen wahr, weil ich sehr mid wurde, so eingepreßt in den engn Kastn. Oh, wi mir alles weh tat!

Wi es kihl wurde nach Sonnenuntergang lif das Ferd nich mehr so schnell, es ging so langsam das ich glaubte ich muß schterbn.

Ich hadte ein dikes Pack Rakettn un ein par Zindhelzer in der Tasche, aber weil ich hern wollte was er zu ihr sagte, liß ich si damals noch nich los. Ich war so mid das ich nich eimal denkn konnte ob seine Augn gleich sind.

»Meine siße, siße Elsbett!« sagte er, wi wenn si ein Babi fon filleich 6 Monath wer.

Meine Schwester sagte kein Wort.

»Sie sind mir nich bös?«

Grad wi wenn da was dran gewesn wer, bös driber zu sein! Ich glaube, er dachte, so ein altes Medchen mechte sich nich gern wi ein kleines Kind behandln lassn. Un dann sagte er so eine Menge siße Sachn wi wenn si ein Zuckerladn wer -- so was hab ich noch nich gehert! Ich dachte: »Herr Wilkins, wenn sie deine Ohrn so gezogn hedt, wi meine, mechst du ihr nich Teibchen oder Engl sagn.« Dise Medchen di ihre kleine Brider so puffn un schtoßn, wern ni zornig, was auch die großn Jungen immer machen, das hab ich schon bemerkt, aber ich dachte mir, ich sag ihm liber nichs, soll er sie habn, wenn er so ein Narr sein will.

»Das Schnittwarngeschefft geht jetz gut,« sagte er, nachdem er sie mehr als 1 Dutznmal einem Engl genannt hadte, »und ich glaube wir kennen es wagn so um Weihnach herum Hochtzeit zu haltn.«

Dann sagte Elsbett: »Ich habe ni fiel fon lange Ferlobungen gehaltn, Karl, un wenn sie glaubn zu Weihnacht, so will ich fersuchn, bis dahin fertig zu wern.«

Dann sagtn sie eine Menute oder 2 nichs un ich herte etwas ein bischen Zwitschn. Kann sein, es wahr das Rad. Ich glaube es war es. Die Kni tatn mir so weh das ichs nich sicher sagn kann. Mir wahr so kalt un mir hungerte un die Ellbogn warn mir so eingezwikt das ich dachte ich werd Herrn Wilkins erschrekn damit er heununterschpringt.

»Es is irgend was untern Sitz,« sagte Elsbett. »Oh barmherzger Himmel! Oh Karl, es is gewiß ein Hund!«

»Firchtn si sich nich,« sagte er, »ich will sie mit meinen Lebn be-- Auh! auh! was kann das nur sein?«

»Oh haltn sie das Ferd! Lassn sie mich henunter!« schrie Elsbett.

»Lassn sie mich sehn, was es is,« sagte Herr Wilkins.

Er fihlte unter dem Sitz. Seine Hand schtreifte an meinen Haaren. Ich biß ihm ein bischen in der Hand, damit er denkt es is ein Hund.

»Es is ein Hund!« schrie er, »ein withender Hund! Er hat mich gebissn! Oh ich werde toll werdn!«

Damit hopste er aus den Wagen un liß meine Schwester allein drin sitzn. (Das zeigt, wi gern er sie hadte!)

»Die Zeit is gekommen,« dachte ich, »um ein bißchen Schpaß zu habn. Er soll nich mehr einschteign. Das Ferd soll erschrekn un mit mir un Elsbett dafonrennen un dann wer ich herfor krichn un es aufhaltn.«

Also zindete ich ein Schtreifholz an, hilt die Rakettn dazu un schmiß si dem Ferd unter die Fiße, das es dafonlif wi der Teifl. So eine Rakette wahr noch nich da -- psch-zsch-psch-zsch krrrrr -- krach -- bum! bum!

Elsbett kreischte, Herr Wilkins jammerte, das Ferd lif in greßtn Karreh -- so was hat die Welt noch nich gesehn! Ich wahr selber greßlich erschrokn. Ich kroch herfor un wollte die Zügl pakn aber sie warn henuntergefalln zum Ferd un es wahr schon so finster wi Pech. Ich erwartete nichs andres, als das wir beide erschlagn wern.

Bum-burum-bum! fort ging es eine Meile nach der andere! Herr Wilkins war auf der Schtraße geblibn -- weit, weit hintn. Elsbett krisch bei jedn Hopser den das Vih machte. Es wahr aber wirklich schreklich.

Enlich kamen wir zu der Schtadt, wo schon licht war. Leite lifn heraus un wolltn uns aufhaltn. Nach einer Weile lif das Ferd direk in dem Mietschtall wo es hingeherte. War das nich ein gescheites Ferd? Dort schtand es ganz schtill un zidterte. Di Leite halfn uns aus den Wagn. Dann sagte ich zu Elsbett: »Warum has du nur so geschrin? Es war doch nich so gefehrlich!«

»Schorschi, bis du es? Ich glaubte es sei ein toller Hund, der mich die ganze Zeit beißn wollte. Was hat denn dann dem Lerm gemacht? Ich hab mich noch ni im Lebn so gefirchtet. Du nichsnutziger godtloser Junge! Du hedtest mein Tod sein kennen! Du solls aber heute den Schtock geherig zu kostn bekommen! Ich glaube, das ich mich nie, nie fon disn Abend erholn werd. Oh Herr Mietschtallbesitzer wolln sie nich ein andres Ferd nehmen un zurick fahrn um Herrn Wilkins -- er is irgendwo an der Schtraße ein par Meiln hinter uns. Oh was fir ein Wunder das wir nich in 10 000 Schtike zerschmedtert worn sind! Oh, ich werde ohmechtig! Du greßlicher schlechter unruiger Junge, schau was du angeschtellt hast! Papa wird dir heut schon helfn.«

»Ich wollte nichs böses tun,« sagte ich, »ich kroch unter dem Sitz um zu hörn, was Herr Wilkins sagn wird. Ich glaube, wenn ich ein Medchen Engl nenne, mecht ich nich henausschpringen, um sie mit einen withenden Hund allein lassn. Oho, er wird die Wasserscheu krign, was? Filleich hat er sie schon, er is greßlich gebissn! Kann sein, das sich sein andres Aug bewegt, wenn er Kremfe krigt. Wenn er schon toll wird, so will ich hoffn, noch for Weihnach, Fräuln Elsbett --«

Ich konnte nich ausredn, weil sie mir die Hand forn Mund hilt. Die Menner grinstn un ich mußte nachausgehn, weil Elsbett mich puffte.

Sie saßn bein Tee wi wir hereinkamen. Die Sachn rochn so gut un ich wahr schreklich hungrig, aber ich hadte ein schweres Herz -- ich wußte ich wers krign.

»Follkommen unferbesserlich!« sagte Papa, wi Elsbett fertig wahr. »Du gehst zubedt, bis ich bereit bin, mit dir zu ferhandln.«

Wi ich langsam un sorgnfoll die Treppe henaufging herte ich Susann un den Dokter lachn, wi wenn sie erschtikn mißtn -- ich weiß nich woriber.

Betti schlipfte so gegn nein Uhr zu mir un brachte mir ein gutes warmes Nachmahl. Betti is ein Juwehl. Sie kann Herrn Wilkins auch nich leidn -- weniger noch wi ich. Sie sagt es is schreklich, wi oft ich in der Patsche komme, so ein unschulger kleiner Junge, der gern ein Muster sein mecht. Si erzehlte mir, das Herr Wilkins grad zurikgekommen is, greßlich schmutzig un die Schtifl zerrissn wi er aus den Wagn schprang. Ich fragte sie ob sich sein Glasaug schon bewegt. Sie sagte sie will Mamma bittn, Papa zu sagn, das er mich dismal nich priglt.

So, nun lebwohl mein Tagbuch. Ich bin zur letzte Seite gekommen. Ich hab dir alle meine Hoffnungen un Besorgnisse erzehlt -- wi Lil in ihren sagt. Libe Lily, di helt jetz selber Haus. Ich will sie nechste Woche besuchn, wenn ich meine Schtrafe iberleb. Betti is sehr beschefftigt mir Watte in di Hosn un dem Rock einzunehn, so das ich schwache Hoffnung hab, di Prigl zu iberlebn. Ich bete, das ichs mechte. Ich here meinem Fater auf der Treppe -- fahr wohl mein Tagbuch! Ich hab einen Plahn zu entwischn. Dir will ich ihm erzehln. Ich will in die untre Schreibtischlade krichn, dort wird er mich nich suchn. Betti wird di Lade bis auf einen Zoll zumachn, das ich atmen kann. Oh was fir ein Schpaß, Papa eimal dran zukrign!

Wenn ich nich genißt hedte, er hedt mich um der Welt nich gefundn. Warum muß man nur grad immer nißn, wenn man nich will? Das Nißn kam mir theier zu schtehn -- aber ich laß den Forhang falln, die Ssene is zu schreklich um beschribn zu wern. Ich hab noch 2 dike Bindl Rakettn ibrig -- Rache is siß -- wenn Papa heut nacht nich pletzlich aufwacht un Mamma fregt -- »Is das ein Erdbebn oder der Tag des jingstn Gericht?« will ich nich Schorschi Hacker heißn!

Er hilft seinen Schwestern auf dem Jahrmarkt

Kleine Medchen sin der reine Unnitz. Sie sin zu nichs zu gebrauchn wi kleine Jungen. Eines is jetzt mit ihrer Mamma auf eine Woche bei uns. Sie heißt Milly Dennis. Meine Mamma ferschprach mir ein Welozoped, wenn ich braf bin so lang si hir sind. Ich will mich bemihn, so fest ich kann.

Das is das sexte Mal das mir ein Welozoped ferschprochn worn is, wenn ich braf bin un immer passihrt was, das ich es nich krieg. Man sagt Unfelle kommen in den bestn Familjehn for un ich glaube unsre Familje muß greßlich gut sein, weil bei uns immer was passihrt. Ich hoffe es wird nichs forkommen, solang Milly hir is denn wenn ich ein Welozoped hab, kann ich in einer Menute eine Meile weit sein un das is greßlich fiel.

Ein Tag fon die siebn is langsam foriber gegangn. Wir schpiltn mit einer Puppe, weil Milly ein weißes Kleid anhadte un ihre Mutter ihr nich erlaubn wollte es zu zerknilln. Es wahr eine feine Tocke -- Flora hiß sie -- beina so groß wi Milly selbs. Ich wollte gern wissn was ihre Augn immer so auf- un zugehn macht un ich endekte daß es 2 Schtike Blei auf einen Drat in Kopf drin wahrn, aber jetz is sie schieläugig wi nur was, un Milly weinte, blos weil ich so ein nettes Loch in Kopf obn gemacht hadte -- Medchen sin solche Kinder! Grad weil die Augn ein bischn krumm sind!

Eimal ging sie Zucker holn damit wir Teegesellschaff schpiln kennen; wi sie zurickkam lag eine greßliche Menge Sägschpehne am Teppich, die aus Floras Magn herauskamen, weil ich sehn wollte womit sie so schreit. Mamma sagt, ich muß ihr eine neie Puppe fir mein Geld kaufn un das is wirklich gemein. Ich hab mirs auf einem Bogn un Feile geschpart. Ich hab gehert, es sin keine wilde Truthehne in der Gegnd aber Herr Petus iber der Schtraße hat eine Menge zahme un zum probihrn sin die gut genug. Ich kennte in seinen Feld ferschtekt lign, bis ich zum Schuß komm -- tote Truthehne erzehln keine Geschichtn.

Aber ich muß weiter erzehln. Theires Tagbuch mechstu glaubn, das mir das das Herz schwer macht wofon ich geschribn hab? Mechstu glaubn ich bin nich imschtand auch nur einem Tag fon die sibn ohne gewehnliches Pech zuzubringn? Ich kann es nich ertragn, selbs dir die Gefihle mitzuteiln die meinem Busn bedrickn, wi Lil in ihrem sagte. Aber ich hab ferschprochn dir nichs zu ferschweign. Gut also, wir schpiltn Teegesellschaff un Besuch bis es mir fad wahr un Milly war zohnig weil ich sagte es is Medchengeschpil was es auch wahr un ich sagte zu ihr: »Es is schon schpeht un unsre Leute wern filleich erst in einer Schtunde nachmahln. Ich schlag for, wir schpiln fon armen Scharl Roß.«

Sie sagte, sie mechte es ganz gern. Mamma un Frau Dennis wahrn zu Besuch gegangn, Elsbett half der Kechin Kuchn bakn, weil wir Gesellschaff hadtn un es war nimand da, der mich dem armen Scharly entführn sah, so nahm ich ihm -- das heißt sie -- in mein Zimmer un sie zog ihr weißes Kleid aus un mein andern Anzug an, um ein Bub zu sein. Dann nahm ich meinen Mahlkastn mischte ein bischen gebrannte Sjenna un malte si wi wenn sie ein Neger wer, greßlich braun. Dann schlipfte sie die Schtign henunter un ging hinaus auf dem Trottoar un ich schtekte Bettys Schehre in der Tasche un zog meinen Eilwagn zum Forderthor un wi ich bei ihr forbeikam, sagte ich: »Mechstu filleich ein bischen ausfahrn, kleiner Junge?«

Un sie sagte: »Oh ja, ich danke, sehr gern,« un schtig ein.

Dann zog ich den Wagn so schnell ich laufn konnte bis wir aus den Ort draußn auf einen ganz einsamen Platz warn.

»Schteig aus,« sagte ich, »ich muß dir dise lange Haare abschneidn, damit sie dich nich mehr als ihrn kleinen Jungen widererkennen.«

»Mamma wird es nich gern habn, das du mein Haar abschneidst,« sagte sie un das kleine Bibchen fing zu weinen an, aber ich schnidt ihr alle ganz dicht bein Kopf ab, sons hädtn sie sie zu leicht wider erkannt.

Sie schrie un schrie, aber ich machte mich nichs hern, weil ich schpiln wollte das sie ferlorn is. Es wahr ein triber Tag un es fing grad zu regnen an. Es wahr ganz dunkl wi ich zuhause kam. Sie warn alle beim nachmahln, der Kuchn wahr glasihrt und schaute ferlockend auf dem hungrign Jungen.

»Oh da sin sie,« sagte Mamma un schaute ganz erleichtert aus. »Wo ist Milly, Schorschi? Sag ihr sie soll zum Essn kommen un du komm auch. Es is Platz fir beide.«

»Oh wir schpiln Scharl Roß un Milly is ferlorn.«

»Wo is sie ferlorn?« sagte Mamma un lechelte.

»Oh filleich eine Meile fon hir,« sagte ich un setzte mich zun Tisch. Aber sie schprangen alle auf, wi wenn der Blitz eingeschlagn hedte un es hadte doch nur grad ein bischen gedonnert.

»Schprichs du im Erns?« fragte Papa un pakte mich bei der Axl, das ich glaubte ich muß schrein, so fest hilt er mich.

»Ja Papa. Wir wolltn es schpiln un sie wahr Scharly un ich war der Kerl der ihm enfihrte un ich liß sie ein gutes Schtik fon hir schtehn, damit man sie nich leicht findn kann. Ich bin jetz engslich weil es regnet, wi mit Heigabln. Ich glaube wenn ihr ein Schtikchen auf der Nordschtraße hinausgeht un in alle Zauneckn schaut, werdet ihr sie gleich findn.«

Keiner außer mir aß auch nur einem Munfoll Nachmahl. Frau Dennis schlug die Hende zusamm un sagte ihr Kind wird sich zu tod firchtn, sie erschrekt so for Blitz un Donner un sie wirde dem Tod dafon habn, das sie so durchneßt wird -- alles zusamm zehlte sie filleich ein Dutzen Sachn auf fon di sie schterbn mißte, wenn man sie nich gleich findet. Aber ich sah gar nich ein, das man so eiln muß, sie wahr doch nich fon Zucker oder Saltz, aber ihre Mamma wahr greßlich aufgeregt.

»Du bist ein böser, Böser, BÖSER Junge,« sagte Susann, un riß mir den Kuchn for der Nase fort wi ich mir ein Schtick nehmen wollte.

»Wi kanns du die Frecheit habn, dich hir ruig niderzusetzn, wenn der armer kleiner Engl draußn ist in der kaltn kaltn Nacht! Was schaut da aus deiner Tasche heraus, du kleiner Thunichgut?«

»Nichs, nur Millys Haar,« sagte ich. »Ich mußte ihrs abschneidn sons hedtet ihr sie daran erkannt. Ihr mißt wissn, sie is ferkleidet. Ihr dürft kein Medchn suchn, sondern einen Jungen, ihr Haar is so kurz un sie is so sonnferbrannt, ihr werdet glaubn, sie is ein Westindejahner. Wenn ihr einem kleinen zerlumptn Bubn begegnet mit meine alten Kleider an, das ist sie.«

Frau Dennis setzte sich fest auf dem Platz nider, wo sie grad schtand. Mamma schpritzte ihr Wasser im Gesicht un weinte selbs un Papa nahm eine Laterne un Susi un filleich firzig fon die Nachbarsleite gingen mit.

Das wahr mir eklhaff. So ein Lerm! Aber es war eigntlich schpaßig, ganz wi wenn sie wirklich ferlorn gegangen wer -- so natirlich wi das Lebn. Ich mußte mein Essn schtehn lassn un mit ihnen gehn um den Platz zu zeign.

Es war wirklich schkandelös, wi sie fon mir redtn, wi wenn ich gar nich dabei gewesn wer, un einer erzehlte den andern, das ich der schlechste Bub bin, der nur je auf der Welt war un immer was anschtell. Ein Junge kann gar nichs schpilln ohn Unrue zu machn, weil sie sagn ich thu es mitfleiß un es is doch immer grad nur ein Zufall. Ich bin so gesorgt, wi ich nur sein kann -- ich hädte es doch nich gethan, wenn ich gewußt hädte, es is schlecht! Ob es mich filleich besser macht, wenn ich zu Herrn Slokum geh un ihm bidte fir mich zu betn? Ich will ihm das nechstemal fragn, wenn er zu Elsbett kommt.

Frau Dennis will morgn frih gleich nach dem Frihschtik wegfahrn »sie kann meinem Anblik nicht fertragn«, sagt sie, weil es regnete wie Milly ferlorn ging. Ich glaube das Haar wird ihr wider wachsn, wenn es auch wirklich kurz abgschnittn is -- ich hab ihr ja nich dem Kopf abgeschnittn!

Ich wurde auch naß, wi ich sie suchn ging, aber mich umarmtn un kißtn sie nich, oder machtn mir heißn Tee mit einer Menge Zucker un gabn mir kein Firsich un Krem oder lißn mich aufn Sofa lign, das ich di ganze Gesellschaff sehn kann. Nein, mich jagtn sie in meinen Zimmer, wi wenn ich ein Hund wer un Papa sagte er wird bald bei mir sein. Hm! Ich weiß was das heißt. Ich werde mir aber eine Barrekahde baun, wi sie in Paris gemacht habn, wi dort Krig wahr. Wenn sie mich erwischn, wird es nur iber die Trimmer fom Waschkastn un Schreibtisch sein. Ich will leise in der Schpeiskammer schleichn un mir Kuchn un eine kalte Zunge holn, dann kann ich ganz gut eine Belagrung aushaltn.

Pst! mein Tagbuch! Alles is fertig zum Kampf! Der Proweant is hereingebracht, di Thire ferschperrt, das Bedt dagegn geschtemmt, der Schreibtisch aufn Bedt un ganz obn drauf der Schpigl.

So, jetz kommt Papa un klopft ich soll ihm heneinlassn. Ich will mich so schtill haltn, wi klein David in der Höhle. Ich winsche irgnd eine freindliche Schpinne mechte for meiner Thir ihr Netz machn, das der Feind es siht un glaubt ich bin nich drin. Wenn er die Thir filleich aufbricht, das mecht einen Krach gebn! Ich mechte wissn, wi lang man fon einen großen Kuchn lebn kann. Es wirde ihnen ehnlich schaun, zu sagn, wenn der Schpigl gebrochn wird, ich habs getan -- wirklich alles, alles thut der böse Junge!

»Nach Regn kommt Sonnschein!« Drei Tage wahr alles finster -- jetz is lauter Sonnschein -- Fride is beschlossn -- die Belagrung aufgehobn -- fir dismal is klein Schorschi der Siger. Sie sagtn, sie wirdn mich nich berihrn, wenn ich heraus komm un ich wahr froh driber, denn der Hunger nagte an meine Eingeweide un so wurdn di Mebl geredtet -- di Barrekahde wurde fortgeräumt.

Frau Dennis is mit Milly nachaus gefahrn. Mitwoch un Donnerstag soll bei unsern Kirchschpiel Jahrmark sein. Das is der Grund, warum sie so angenehm sind -- sie brauchn meine Hilfe. Ich hadte heute Nacht Zahnwe in meine Fiße, ich hab so fiel herum laufn missn.

Es wird ein sehr lustiges Fest wern. Susi hat verschprochn mir 10 Kartn fir di Drehorgl zu kaufn wenn ich braf bin, ihnen helfe un nichs anschtell. Ich dreh so gern auf den Werkl! Ich kennt mir damit den Lebensunterhalt ferdinen un meine Eltern nich mer zur Last falln. Wenn ich ein Werkl un einem Affn hädte, mechte ich alle Idehn aufgebn ein Bremser zu wern.

Der Jahrmark is enlich foriber.

Die Lichter vergliht Die Blumen verbliht.

Der erster Abens ging wunderbar foriber. Nih hadt es einem bessern Jungen gegebn. Ich hadte ein Knopflochbukeh un ferkaufte finfcent Zigarrn um 20 Cent -- das wahr ein hibscher Profet, sagte Susi un sie weiß das ich sechzig Schtik ferkaufte, wirklich ein gutes Geschefft. Auch wahr ein junger Mann aus der Schtadt bei den Fest -- er glaubte er is ein neier Robinson -- »König fon alles, was er erblikte« aber di Medchen machtn sich nichs aus seiner Dummheit, weil er das Geld ausgab wi Wasser un so lachtn sie sich in der Faust un lißn sich ihm aufblasn wi ein Fau, schmeichltn ihm un krigtn ihm dran sibn Nadlpolster un 8 Teekesselhalter zu kaufn un noch eine Menge solche Sachn, di ein junger Mann ni braucht. Ich glaube, meine Schwestern wundertn sich, wi nitzlich sich klein Schorschi machn kann.

Der 2te Abens ferging auch ganz gut. Es wahr schon di hechste Zeit fir mich die Orgl zu drehn -- ich konnte es nich mehr aushaltn. Es wahr schon sehr schpeht un so sagte ich zu ein paar junge Damen: »Mechtn sie filleich mein Schpringinkerl sehn?«

Sie sagtn »ja« un ich nahm es aus der Tasche un schtellte es auf dem Tisch un heraus schprang eine Maus die ich nachmittag heneingeschtekt hadte -- eine kleine, winzige unschulge Maus.

Ich frag dich, mein Tagbuch, war es meine Schuld, das sie aufschprangn, dafon lifn un den Tisch umwarfn das die Lampe zerbrochn wurde un das Petroljum iber alle Sachn rinnen machte? Warum erschrektn dise dummen Medchen iber einer Maus? Wenn sie sich ferninftig benommen hedtn, wer nichs passihrt. Sie leschtn es nich eimal aus, so wenig Besinnung hadtn sie. Ein paar Leute filn fon der Schtige hinunter un sie drengtn un quetschtn so, das ein paar beschedigt wurdn. Es wahr ein reines Wunder, das kein Lebn ferlorn ging. Es tut mir leid, das der hibscher junger Mann sich den Fuß gebrochn hat, er war in solche Eile daß er iber das Gelender schprang -- das hette er doch nich zu tun brauchn.

Meine Schwestern habn sich die Kleider greßlich zerrißn. Sie hadtn nich Zeit die Geldlade mitzunehmen un so gingen 250 Doller in Flammen auf. Der Schade in der Schtadthalle sagt man is 3 tausend.

Medchen sin so dumm! wegn einer kleinen Maus!

Schorschi Hacker -- das bin ich -- is natirlich wider an allen Schuld. Die Birger fon unsern Ort wolln eine Petezjohn an Papa schreibn, mich in einer Erziungsanschtald zu schikn. Herrn Müllers Geschefft fing Feuer fon der Schtadthalle un brannte auch ab; aber es mechte mir nich fiel dranlign wenn nich meine Handorgl mit ferbrannt wer, die ich hedte drehn dirfn. Ich hadte 10 Kartn dazu. Sie schpilte mehre Schtike. Es is eine greßliche Schande, sie so ferbrennen zu lassn -- dise Medchen machn sich wirklich rein lecherlich!

-- Die Überraschungs-Gesellschaft