Part 2
Die Geste fingen zu wispern an un meine Schwestern schautn aus als ob sie sich am libstn in ein Mausloch ferkrichn wolltn. Dann klinglte es auf eimal draußen sehr laut -- alle Gesichter glentzn, aber es wahr nur Betti, die eine Karte brachte un sie meinen Schwestern gab. Es war aber keine »Absage« nur eine Fotografih, die sie beschribn hadtn un die in ihrer Schreibtischlade zu sein flegte. Die Glocke klinglte nocheimal -- noch eine Foto! Na, die Ssene!
Die Glocke klinglte noch zwanzigmal un jedesmal wahr es eine andere un noch eine un noch eine.
Zuletz kamen zwei junge Menner. Ich wußte augnblicklich warum sie kamen. Auf ihre Kartn war geschribn: »Oh du herziger Junge« un »Zu schön, zu prechtig, um zu dauern!«
Der wahr in einen Schuhgeschefft aber er ferschtand dem Witz nich.
Sie tanzten ein par Lanzjehs mit drei Herrn un finf Damen.
Fräulein Hopkins kicherte die ganze Zeit un meine Schwester weinte beina. Das Nachtessn war ausgezeichnet, aber ich wußte die Gesellschaff wahr ferdorbn. Ich fihlte mich so unruig, das ich bei der finften Tasse Gefrornes aufhern mußte.
»Wenn ich wißte, wer es getan hat,« herte ich Susi zum Dokter sagn, »ich könnte ihn ermordn! Un ich wirde es auch! Ein gemeiner, feigherziger ränkischer Scherz! Ich hasse solche Scherze! Sie sind nun alle böse auf uns. Wir kennen es nie mehr gutmachn. Wir werdn in einer andre Schtadt zihn missn. Ich werd es nie mehr wagn, mich auf der Schtraße zu zeign. Ich winsche ich kennte herausfindn, wer es tat!«
»Filleich kann Schorschi hir uns Auskunff gebn,« sagte der Dokter un schaute mir scharff ins Gesicht.
»Oh nein,« sagte ich. »Hechstens wars Hektor. Ich hab ihm ein par Fotografihn zum kaun gegebn, filleich hat er sie auf der Schtraße falln lassn.«
»Dann hadtest du sie also?!« sagte sie ganz heftig. Das Unglick war geschehn. Ich lif dafon un legte mich schlafn. Ich wollte nich dabei sein, wi di Leite weggingn. Ich lag un denkte un denkte lange Zeit. Ich wußte, das mich jetz wider Prigl erwartn. Ich habe mich noch nich fon die Wirkungen der forign erholt. Mir schin als kennte ich die harte Prifung nich iberschtehn die mich in der Frih erwartet. Ich konnte keinem Momment schlafn. Ich war entschlossn fortzurennen. Tante Betsey wohnte nur finfzig Meiln per Bahn fon unsern Ort. Ich wahr einmal dort. Ich hadte zwei Doller in meiner Schparkasse. Der Mond schin so hell wi Tag. Ich schtand auf, un zog mich an, nahm meine Schparkasse kroch die Schtige henunter so leise wi eine Maus, machte mir die Thir auf un war draußn.
Ich lif so schnell ich nur konnte zum Deppoh. Es wurde schon hell. Ein Lastzug schtand auf der Weiche un blis Dampf aus. Ich paßte di Gelegenheit ab un kroch in einem leern Wagn.
Zimlich bald klinglte es -- wir warn am Weg!
»Lebt wol meine Freinde!« sagte ich. »Ihr werdet euch nich mehr mit disn bösn Jungen ergern. Er geht un wird sich duckn, bis der Sturm voriber is!«
Dann machte mich das Wackln fon den Wagohn sehr schlefrig un ich dachte, ich will ein bischen schlafn un ich werde morgn erzehln, wi ich aufwachte.
* * * * *
»Wer is das?« fragte eine raue Schtimme.
»Ich bins, der kleiner Schorschi,« sagte ich. »Ich will meine Fart bezahln. Hir is meine Schparkasse mit zwei Doller drin, nehmen sie sich henaus wifil sie bekommen.«
Ein großer Mann mit einer Laterne schaute mir sehr erns an.
»Wi komms du da herein?« fragte er.
»Ich lief fon zuhaus weg, weil ich immer etwas anschtell. Ich sollte gepriglt werdn, weil ich den jungen Leitn di Fotografihn zurickgegebn hab, auf di meine Schwestern geschribn hadtn. Sind sie der Bremser?«
»Natirlich!« sagt er un lacht. »Wo wills du auschteign?«
»Hoppertown,« sag ich. »Un ich glaub ich wer dortbleibn bis ich groß bin, weil sons meine Schwestern alle als alte Jungffern schterbn.«
Der Bremser war sehr freinlich un setzte sich mir gegniber un sagte das ich ihm erzehlen soll. Wir unterhiltn uns gans gut un er erklärte mir alles am Wagn. Ich glaube, ich mechte auch Bremser wern wenn ich groß bin.
* * * * *
Die Flucht
Ich hab letztn Abens zimlich kurz abgebrochn, weil eine Maus in meinen Schlafzimmer kam un ich fersuchte sie zu fangen. Ich zerbrach mein Lawor wi ich einen Schu auf ihr hinschmis. Aber die Maus erwischte ich nich.
Also gut, der Bremser un ich unterhiltn uns sehr gut. Ich erzehlte ihm fon meine Schwestern, fon Tante Betsey un fon allen. Es tat ihm leid um mir; er wollte kein Geld fon mir fir der Fart nehmen. Er sagte wi er in meinen Alter war bekam er jedn Abens reglmeßig Prigl un ich soll mich nur dran gewehnen un mir nix draus machn.
»Der Frosch gewehnt sich dran geschundn zu wern,« sagte er, »hindre nur die Ferlobungen deiner Schwestern nich, wenns dir meglich is; Ferehrer sin heuer rar. Der Krig in Europa hat unter die Menner aufgereimt.«
Den Bremser werd ich bis zu meinen Todestag libhabn, er war so gut zu mir. Es war filleich nein Uhr formittag wi wir zu den Platz kamen, wo ich ausschteign wollte; wir schittltn uns noch die Hende un sagtn Adjeh, wi wenn wir schon alte Freunde wern. Ich glaube ich wers aufgebn Biffljeger zu wern un liber Bremser sein, wenn ich groß bin. So ein famohses Lebn! Man kann ganz umsons fahrn sofiel man will.
Bei den Deppoh warn ein par Jungen, die sehr erschtaunt wahrn, mich aus den Lastzug ausschteign zu sehn. Sie schtelltn sich mir for und ich dachte ich kennte noch ein bischen schpiln, befor ich Tante Betsey sage, das ich hergekommen bin, um bei ihr zu bleibn.
Ich fand aber, das es sehr schlechte godtlose Jungen warn, die gar keine Erziung hadtn. Sie nahmen mir meine Schparkassa weg zerrissn mir mein neus Gewand un warfn mit Schmuz, so das ich mich nich anschaun lassn konnte. Ich dachte an etwas, das in einen Buch fon mir schteht: »Nimm dich for fremde Hunde inach!«
Es war schon Midtag wi ich zu Tante Betsey kam. Ich hatte nich bemerkt das ich hungrig wahr bis ich die gebackenen Pastehtchen roch. Sie aß ganz allein zu Midtag, wi ich herein kam.
»Großer Godt! Schorschi Hacker!« schri si un liß ihr Messer so fest aufn Teller falln, das ein Stick fom Rand herausbrach. »Woher komms du? Was ist mit deinen Gewand geschehn? Wer hat dir das Gesicht so zerkratzt? Das ist doch --!«
»Tante Betsey,« sagte ich, »ich will nich lügn, ich bin dafongelaufn.«
»Dafongelaufn! Dafongelaufn fon deinen libn Heim, fon deinen gutn Papa, deiner theiern Mamma, deinen brafen Schwe--«
Hir herte sie pletzlich auf, wi wenn ihr was im Hals schteckn geblibn wer. Sie erinnerte sich gewiß, wie sie sie nich zur Gesellschaff habn wolltn.
»Ich wundre mich nich,« sagte sie dann, »dise Medchen sin genug, um jedermann aus dem Haus zu treibn. Erzehl mir alles, mein armes Kind!«
Ich erklehrte ihr also die ganze Geschichte. Ich sagte ihr auch, das mir das Hertz blutet, das ich sie damals bei uns so bös gemacht hab. Wi ich ihr fon die Fotografihn erzehlte, glänztn ihre Augn, so erfreut wahr sie, das meine Schwestern in der Patsche warn.
»Es wahr nich recht fon dir, Schorschi,« sagte sie, »aber Bubn bleibn nun eimal Bubn. Es freut mich, das du zu mir gekommen bist. Geh nur hinaus in der Kiche un wasche dich und dann komm schnell zurick sonst wern die Hihnchen kalt.«
»Versprichs du mir, Tante, ihnen nich zu schreibn, wo ich bin?«
»Wenn sies nich erfahrn, bis ichs ihnen schreib,« sagte sie kurz, »wirst du bei mir bleibn, bis du groß bist.«
Man siht sie hadte einem Haß auf meine Leite, weil ich ihr erzehlt hadte, daß sie sie nich zur Gesellschaff wolltn. Sie schtopfte mich so foll, das ich schon bein dridtn Schtick Pastehte nich mehr weiter konnte un besserte mir meine Jacke aus un wahr so gut zu mir als man nur sein kann.
Lange for fier Uhr kam fon Papa ein Tellergramm: »Ist Schorschi dort?«
Tante tellergrafiert zurick: »Was meins du?«
So wußtn sie also nich ob ich war oder nich.
Ich habe fergessen zu sagn, das ich mein Tagbuch mitgebracht hadte in mein Taschntuch eingebundn un ein reines Hemd un ein par Schtrümpfe.
Es war Tante Betseys Lawor das ich zerbrach, wi ich das Mäuschen fangen wollte. Es wahr aus so schpaßgen blauen Porzllan -- das Lawor, nich das Mäuschen -- un Tante wahr sehr bös. Ich firchtete sie wird mich deswegn nachaus schickn.
* * * * *
Ich bin nun schon 2 Tag hir, sie behelt mich nur um meine Leite zu ergern, aber oh! sie laßt mich arbeitn, wi ein Schklafe. Es wird mir schon zu fad. Ich muß Schnitzl aufklaubn un sogar die Fisoln aufbindn -- eine waare Schande! bei uns zuhaus macht das die Kechinn. Sie leßt mich nich mit die andern Jungen schpiln. Zwei mahl hab ich mich schon zum Deppoh geschlichn um den Bremser zu suchn, er soll mich mit zuricknehmen. Er wird es tun, das weiß ich sicher. Heimweh is etwas schreckliches.
* * * * *
Fier lange, lange Tage un Nechte! Wi langsam die Zeit kricht, wi eine Schneke! Ich bin deschpart, kein Geld, keine Freinde un keine Gelegnheit den Bremser zu sehn. Heut hab ich zwelf Virtl Heidlbeern klaubn missen un mein Schtolz fertragt eine solche Ernidregung nich.
Oh kennt ich noch eimal die Heimath meiner Kindheit sehn ich were ein brafer Junge! Umsons sin dise traurige Gedankn! Warte! -- Hurrah! Ich hab eine Ideh! Ich wills nich in mein Tagbuch schreibn, weil ich glaube das Tante Betsey es list wenn ich nich zuhaus bin.
* * * * *
Oh glicklicher Junge! Wider zuhause! Trenen ferdunkln meine Augn, wenn ich an die Ssene denk, wi mein Fater mich in Triumf nachaus brachte. Meine Mutter schluchste, meine Schwester kißtn mich, selbs di Kechin weinte un Betti hilt sich die Schirze for die Augn. Die ganze Schtadt hat solches Aufsehns fon mir gemacht als ob ich der armer Kaptehn Roß wer. Bein Deppoh warn eine große Menge Leite um mich zu erwartn. Nein so was! Papa wahr so zornig auf der Tante, das er kein Wort mit ihr redete, wi er mich holn kam, weil alle Leite sagtn ich muß tot oder geschtohln sein. Wi ich das Geld zum tellergrafihrn bekam, war so: sie schickte mich Heidlbeern klaubn zum einmachn, aber ich verkaufte sie un ging zum Deppoh un tellergrafihrte:
»Ich bin bei Tante Betsey -- bitte, bitte, komm un hol mich nachaus. Dein Sohn Schorschi.«
Meine Schwestern sin greßlich libe Medchen. Ich will nie, nie wider so lang ich leb etwas thun, was sie ergert. Ich bin fest beschlossn den Fater unsres Lands zum Forbild zu nehmen und wenn ich groß wer, ein berihmter un guter Mensch zu sein.
Der neuer Predger kam heut Abens zu uns zum Tee. Er heißt Ehrwirdn Nebnezer Slokum. Er is 26 Jar alt wi er selbs gesagt hat. Er is bleich tregt weiße Fatermerder un hat Medchen un Zuckerbeckerein sehr gern, wi ich bemerke. Er patschte mir aufn Kopf -- ich kann es nich ausschtehn am Kopf gepatscht zu wern, das paßt fir Jungen fon drei oder fier. Ich denke er macht sich angenehm zu Lil aber sie will ihm nich habn. Die einzge Sehle auf der Erde um die sich Lil kimmert is Montag de Jones. Heut formidtag trug ich ihm 1 Brif hin. Sie gab mir ein 10 Centschtick wenn ich ferschprech niemandn dafon zu sagn. Er schrib einen andern zurick un gab mir auch 10 Cent. Lil wartete in Hof, wi ich zurickkam. Sie schtekte dem Brif schnell in der Tasche un lif henauf. Was hat das zu bedeitn?
Nach den Tee gingn wir alle im Sallohn. Herr Slokum fragte mich ob ich gern Gummizuckerl esse, weil ich grad eins in den Mund schteckte. Wir warn allein bein Fenster. Ich sagte ja un das ich mir immer kaufe, wenn Herr de Jones mir Geld gibt, weil ich ihm einen Brif fon meiner Schwester Lil gebracht hab. Was machte ihm nur so grin im Gesicht wi ich das sagte? Un dann fragte er, wi oft ich mir kaufe un ich sagte, jedn Tag. Er seifzte ein bischen, wi wenn er zufil gegessn hädt un bald darauf sagte er, er muß nachaus gehn un eine Predig schreibn.
Oh Gott! So etwas! Eimal schimpftn sie nich auf dem armen Schorschi un prigltn ihm nich un schicktn ihn nich bei hellen Licht zubed. Pa sagt er wird mir nechste Woche ein Welozipeh kaufn. Es scheint ich hab mich sehr nitzlich gemacht wenn ich auch erst 8 Jar alt bin. Letztn abens, wi ich in mein Tagbuch geschribn hadte un nich ein bischen schlefrig war ging ich in Lilys Zimmer um mir eine fon ihre Umhilln zu nehmen um Betti zu erschrekn, da fihlte ich auf eimal etwas in der Tasche, was ein Brif wahr, den ich las. Es schtand drin: »Der Wagn wird heut Abens neun Uhr an der Ecke wartn -- schleiche forsichtig henaus, alles wird gut gehn. Laß mich nich fergebns wartn, theierste Lil.«
»Was is das?« sagte ich. »Es is beina neun. Ich will hingehn un zuschaun.«
Ich hengte die Umhille zurick in dem Kastn, kroch iber der hintere Treppe und kam auf der Gasse. Ich ferschteckte mich hinter ein Faß mit Asche. Richtig schtand mein Wagn an der Ecke. Eine Menute schpeter kam meine Schwester Lil im Regnmantl mit einen Bündl in der Hand. Herr de Jones schprang aus den Wagn, half ihr henein, schlug die Thir zu und fort warn sie. Der Kutscher haute auf die Ferde, wi wenn es hinter ihm brennte.
Ich lif so schnell ich nur konnte zuhaus, platzte henein wo die Leite saßn un schnappte: »Ihr thetet besser, euch zu beeiln, wenn ihr sie noch erwischen wollt. Ich glaube man sollte dem Kutscher einschperrn, weil er die Ferde so priglt.«
»Wofon sprichs du?« sagte Mamma.
»Oh nichs. Nur Lil ist mit ihm in einen Wagn dafongelaufn. Sie gehn nach Platville um sich traun zu lassn. Ich hab sie wegfahrn gesehn.«
Dann sagte Papa etwas sehr schlechtes. Elsbett lif henauf in Lils Zimmer, um zu sehn ob ich die Wahrheit gesagt hab. Ich wurde zubett gejagt wi immer wenns einen Schpaß gibt, un wi ich heut aufkomm un zum Frühschtick henuntergeh war meine libe Lil wider mit den andern bein Tisch un nach den Frühschtick sagte sie zu mir: »Oh Schorschi, wi konntes du uns nur ferratn!« und fengt auf eimal laut zu weinen an.
Ich winsche, ich hedts nich getan.
»Er wußte nicht, daß sie geladen war«
In unsern Haus ist ein Unfall passihrt. Mir wirde es nich sehr zur Ehre gereichn, wenn ich erzehlte, wer Schuld wahr. Ich bin ein entsetzlicher Junge. Dir, mein Tagbuch will ich alle meine Sindn geschtehn. Ich wollte es ja gar nich tun. Ferdin ich also dafir Schelte? Ich winschte die großn Leite mechtn mich nich immer so schimpfn. Ich bin ein schreklicher Junge aber nich absichtlich, es passihrt nur grad so. Jetz is die ganze Schtadt withend auf mir. Papa sagt er erwartet, das ich ins Gefengnis muß. Oh mein theires Tagbuch has du je gedacht das dein kleiner Eigenthimer in dem Kerker kommen wird? Oh es is greßlich den Kirchnforschteher un den Richter un das alte Fräuln Harkneß so die Schtirn auf sich runzln zu sehn, als wenn man ein herzloser Ferbrecher wer -- wenn man es nich eimal hat tun wolln. In der Frih wahr ich ein sehr brafes Kind ich schpilte dribn bei Hansi Braun und nichs geschah -- außer das ich bein Essn dribn blib, obwohl Hansis Mudter es nich wollte und dann kam er heriber un wir unterhiltn uns sehr gut. Wir warn obn in Mammas Zimmer wi sie zu Besuch aus wahr. Ich schtellte einen Sessl aufn Tisch un kraxlte henauf zu den oberstn Bredt fon den Kamihnschrank un nahm ein par Medezinflaschn un gab es Henschen zu kostn, weil er sagte es schmekt gut. Aber dann war er pletzlich ganz blaß un so krank in seinen Magn das er nich wußte ob er auf di Fiße oder aufn Kopf schteht. Also liß ihm Betti eine Schale schmutzign warmen Wasser mit Senf heneingemischt trinkn, so ein schreklicher Saft, das er alles wider henausschmeißn mußte un dann wahr ihm gut. Wi Betti um den Senf ging, gukte ich in Papas Tasche un fand dort so eine schpaßige Pestole. Hansi sagte es is ein Rewolwer un ich verbot ihm ein Wort zu sagn un lif un ferschtekte ihm unter meinen Polster.
»Wir wolln uns damit Schpaß machn, wenn dir wider ganz gut is,« sagte ich aber er mußte nachaus gehn nachdem er gebrochn hadte, sein Kopf tat ihm so weh.
Ich liß die Pestole unter meinen Polster weil ich mich firchtete Betti kennte sie sehn. Ich wollte meine Schwestern damit erschrekn, weil ich nich glaubte das sie geladn is, aber sie werdn doch erschrekn, wi wenn sie were. Medchen schrein immer wi toll, wenn sie eine Flinte oder Pestole sehn.
Also Herr Slokum kam wider zum Tee. Predger sin am libstn dabei zum Tee zu kommen, es is ihre halbe Arbeit herumzugehn un mit die Damen zu schpeisn. Ich blib ferschtekt. Pa mußte zu einer Fersammlung und Mamma ging sehn wi es Hansi geht. Susann ging mitn Dokter schpazirn un Elsbett un Lil gabn acht das der Predger in Sallohn nich einschlaft. Lily hadte seit den Abend wi sie weggelaufn war kein Wort zu mir gesprochn. Sie is gar nich mehr wi sie früer wahr, sie war so gut wi ein Junge zu einen Witz oder Schpaß, jetz mecht ich mich nich wundern, wenn sie einen Farrer heiratn mecht, so erns is sie. Ich winsche ich hedte das damals nich ausgetratscht, sie sagt, sie hedte mich zu sich genommen wenn sie Herrn Jones geheiratet hädte. So schwindn meine Hoffnungen eine nach der andere -- das is eine traurige Welt.
»Nun,« sagte ich, »jetz will ich henauf schleichn un die Pestole holn, in Sallohn heneingehn un sie ein bischen aufschtörn. Sie is nich geladet. Oh was fir ein Schpaß, sie so quitschn zu hern! Betti,« sagte ich, »borg mir dein Umhengtuch, ein par Menutn, ich will Indjahner schpiln.«
Sie treimte nich in entferntsten fon einen Rewolwer un lieh mir ihr Tuch. Ich wiklte mich henein, nahm einen Schtock auf der Schulter schtatt einer Flinte un kroch hinauf, ganz leise damit sie nich bemerkn, das Indjahner ihr Lager umzingeln. Ich machte die Thir ganz, ganz leise auf un gukte henein. Der Predger un Elsbett warn am dribern Ende fon Zimmer am Sofa. Lil schtikte an einer Lampntatze, alles wahr ruig -- die Schtunde war gelegen, der Moment war gekommen un mit einen unmenschlichn Geheil schtirzte ich in ihr Lager schrie dreimal »Hurra!« zilte mit der Pestole un sagte: »Ibergebt euch oder ich schise!«
Elsbett schlug die Hende for die Augn un kreischte un kreischte, Lily schtand auf un sagte gans sanff: »Schorschi, oh Schorschi gib sie weg! Si is geladn!« »Ibergib dich, blasser Heiptling!« antwortete ich un tanzte runderum un zilte immer mit meiner Waffe auf dem Predger.
»Oh Schorschi!« bat Lil un kam näer, »hör auf, hör auf!«
»Ich werde dem blassn Heiptling auf dem Krigsfade tetn!« sagte ich.
Schlecht wi mir is, muß ich doch lachn, wenn ich mich erinner, wi Herr Slokum iber der Sofalehne schprang un henunterkroch. Lily packte meinen Arm. Ich schittlte sie ab un feierte.
Ach theires Tagbuch, muß ich dir noch mehr sagn? Das alte Ding war doch geladet! Das wahr ein greßlicher Irrtum, dem ich machte. Wer wirde gedenkt habn, das sie ganz fertig geladn war, das sie losgehn mußte wi ich nur dem Dricker berihrte? Die Kugl ging durch der Sofalehne wi wenn gar keine dagewesn wer un ferletzte Herrn Slokum grade auf der Schtirn, und machte eine große un gefehrliche Wunde, wenigstns sagt der Dokter so.
Jetz ligt er obn in den bestn ibrign Zimmer. Der Doktor is bei ihm un noch fiele andre Leite. Er sagt gar nichs, weil er nich schprechn kann, er is bewußtlos. Ich bin sicher, kein andrer Junge kann sich schlechter driber fihln wi ich.
Ich winschte ich hedte das alte Ding nie angegriffn. Wozu war es iberhaupt geladet? Ich bin in mein Zimmer eingeschperrt un soll for einen Monath nich herausgelassn wern. Zehn zu eins, wenn er schtirbt sind sie gemein genug un lassn mich nich zum Begrebniß gehn. Sie solltn nich so hart sein zu dem kleinen Schorschi, ich wußte nich, das sie geladn wahr! Oh Godt! oh Godt! Warum macht so ein kleines Schtickchen fon einer Kugl so fil Unrue im Kopf! Ich bin froh es wahr nich Lil, sie is ein so libes Medchen. Si kißte un besemftigte mich wi ich so fest schrie, es schteckte mir ein Klumpn in der Kehle. Ich dachte ich muß erschtickn, so erschrokn un engslich war ich. Alle außer ihr schautn so finster auf mir, wi wenn ich der Teufl wer. Wenn ich jemals ein Mann werd, werd ichs hoffentlich besser wissn als den kleinen Hansi zu vergifftn oder auf dem Predger zu schißn. Aber ich werde es nie nie werdn, denn wenn ich im Gefengnis komme un aufgehengt werd kann ich nich lebn um groß zu wern. Oh was fir ein Gedanke!
Ich weinte mich gestern Nacht in Schlaf. Diser Tag wahr tausnd Meiln lang. Brod un Wasser zum Frühschtik, Brod un Wasser zu Midtag, Brod un Wasser am Abens, keine Sehle zu schprechn, die Thir zugeschperrt. Ich muß nur schnell mein Leid ausschittn, denn es demmert schon un mir is keine Lampe erlaubt -- nich eimal eine Kertze oder ein Zindholz. Sie habn mich allein gelassn damit ich meine Sinde in finstern mit Schweign bisse. Oh Betti, Betti komm! Horch, ich here wispln bein Schlißlloch -- wer is das? Es war meine Schwester Lil.
»Schorschi,« sagte sie grad durchs Schlißlloch, »armer Junge, fihl dich nich so schlecht, es geht ihm besser.« -- »Hurrah!« schrie ich.
»Es ging nich bis ins Gehirn. Das Sofa brach die Gewalt der Kugl. Sie wurde fon Schtirnbein aufgehaltn un Dokter Moor nahm sie henaus. Jetz sitzt er im Bed un ißt Tee un Butterbrod. Er wird in ein oder zwei Tagn nachaus gehn kennen.«
»Ich winsche, ich kennte Tee un Butterbrod essn.«
»Lily du bist ein gutes Medchen. Heirate dem Herrn Slokum nich, denn er helt in Feier nich schtand. Wenn das foriber is, will ich dir helfen Montagu zu heiratn un alles tun, was du ferlangst. Bitte, Lil, wills du zu Papa gehn un ihm bittn, mir ein Licht zu erlaubn? Sag ihm es is grausam kleine Jungen richn zu lassn, wi man Waffln beckt, wenn sie selber keine kriegn solln. Sag der Kechin, sie soll di Kichnthir zumachn, damit ich nich weiß das Eier un Schinkn zum Frihschtik kommen. Wird mein Eichhernchen reglmeßig gefittert? Ich glaube Hektor denkt, ich bin tot.«
»Sage der Mamma, ich firchte das ich krank werd, ich habe so ein unheimliches Gefihl auf den Bodn fon mein Magn.«
Ich sage Lil is ein fortreffliches Medchen! Sie hat einen Schlissl zu meiner Thir gefundn un mir ein neues Buch, ein großes Schtick Kuchn un eine Kerze gebracht. Der Kuchen schmekte greßlich gut. Wenn man Robinson Kruso in ein Zimmer eingeschperrt hädte, wer er dort geblibn? Nein er hädte fersucht, sich zu befrein. Wenn ich eine Schere hädte mechte ich meine Bedtdeke zerschneiden zu ein Seil zusammknüpfn un mich fom Fenster henunterlassn.
Ich fand keine Schere, aber ich konnte das Leintuch ganz leicht zerreißn. Ich machte ein langes Seil band ein Ende an den Handgriff fon der Schreibtischlade, der nebenan schtand, kroch aus den Fenster hilt mich fest an den Seil wi die Leite tun, wenn das Haus brennt und liß mich henunter.
Was dann geschah, kann ich nich sagn, denn wi mein Kopf an der Hofmauer anschlug, wußte ich eine gute Weile nichs fon mir. Kann sein, das die Schreibtischlade herausrutschte, kann sein, die Ticher warn nich fest genug zusammgeknipft, alles was ich weiß is, das ich zuers die Schterne sah un dann -- wahr alles schwarz wi die Nacht. Fater sagte wi ich wider zu mir kam: »Er is unferbesserlich. Ich gebe ihm auf, es is alles umsons. Oh wi schade, das er wider zu sich gekommen is!«
Nun, warum krigtn sie mich dann? Ich habe es nich ferlangt. Warum krigtn sie nich einen gutn kleinen Jungen fon Frau Meyer anschtatt so einen schlechtn, schlechtn Jungen wi mich? Ich glaub wenn Papa bei Brod un Wasser eingeschperrt, war wi ein Strefling in Zuchhaus, mechte er die Leintücher noch erger zerreißn wi ich. Große Leite sin sehr ungerecht zu Kindern.
Unter dem Tisch
Ich weiß nich warum Susann immer so eilt, wenn die Post kommt. Man kennte glaubn sie mecht schterbn, wenn sie ihre Brife nich finf Menutn, nachdem die Post kommt ferschlungen hat. Ich muß aufhern Kugl zu spiln oder was ich grad tu, un direk zur Post hin gehn -- es leg mir ja nix dran, wenn sie mir nur ein Schpil ferdorbn hedt, aber sie hat mir wengstens 3 hundert ferpatzt.