Part 15
Ich fragte Betti gestern abens -- in fertraun -- was mein Hertz so geschwind gehn macht, wenn Lischen im Zimmer kommt un sie lachte un lachte, wi wenn es sehr schpaßig wer, das zu fragn un dann sagte sie: »Weiß du nich Schorschi?« un ich sagte »Nein!« un sie sagte: »Nun, du kleiner Narr, du bißt ferlibt!« Aber sie ferschprach es nimann zu erzehln, weil ich es auch nie erzehlt hab, wenn sie ihrn jungen Mann in der Kiche Kuchn gegebn hat. So is es also ein Geheimniß zwischn mir un Betti, bis ich Gelegnheit hab es Lischen zu sagn, un ich hab Zeit genug, weil sie ein pahr Wochn bleibt. Dokter Moor gab mir 50 Cent, damit ich ihm das Ferd halte, wi der Mann krank wahr un ich ging mit ihm herum, es lif aber weg un zerbrach den Wagn ein bischen. Er mußte das Ferd ferkaufn, aber mir wahr nich fihl geschehn un so gab ich ihm di 50 Cent nich zurik. Ich kauffte ein prachfolles Bukeh um das Geld un schenkte es Lischen. Ich gab ach, ob sie rot wird, weil Betti sagte es is ein Zeichn, das sie mich auch libt. Sie wurde aber nich roht un ich firchte, es is deßwegn, weil ich so schpaßig ausschau mit den langen Schtreifn Hefftpflaster iber der Nase, wo mir di Haut abgeschundn worn is, wi das Ferd durchging -- aber was is die Libe eines Medchens wert, wenn sie einem Jungen nich grad so lib habn kann mit einen Schtikchen Heffpflaster? Es ferlezt meine Gefihle tif, wi sie immer lacht, wenn sie auf mir schaut. Es tut mir leid, das ich di 50 Cent an eine solche hertzlose ferschwendert hab.
Es is ein Junge da dribn iber der Schtraße -- er is zwelf un hat ein Gesicht foll fon Sommerschprossn un ein neies blaus Gewand, wi wenn er was wer, un so bin ich ausgeschtochn. Gut, laß sie laufn. Ich wer nich mehr so eiffrig mit Heflichkeiten gegen ihr sein. Ibrigens hab ich sofil mit die komendn Waln zu thun, das ich wenig Zeit zun Ferlibtsein hab. Es wahr schön, so lang es dauerte.
Es is große Aufregung in unsrer Schtadt. Man mechte sie kaum erkennen; iberall fladtern Fanen, schpiln Musikbandn un sin Fakllichproßejohnen un in der neu'n Schtadthalle wern Redn gehaltn. Ich denke, weil sie sofihl Schpetakl damit machn, es wird sicher einer oder der anre fon di Kandedahtn gewehlt wern -- filleich beide. Es wer zu dumm, sofil Geld fir nix auszugebn. Mein Fater sagt es is gut fir uns Jungen, Polletik zu ferschtehn anzufangen, solang wir noch jung sin -- die Zukunff hengt an jung Amerka. Ich schtimme iberein mit ihn. Ich hab mein bestes getan, di gute Sache zu ferdern. Papa sagt, wenn jeder sofil getan hedte, wi der kleiner Schorschi, so wer das Land nich mehr zu redtn.
Das is ein großes Wort, aber ich verdin es. Ich wahr nich einem Abnd mißig, seit di Wahln angefangen habn. Ich hab mich heiser geschrihn, bin mit den Haufn maschirt, hab die Kanohne am Plaz abgefeiert, hab mit jeden Bubn in der Nachbarschaff fon meiner Greße oder kleiner geraufft, un hab den Mennern geholfn Holtz zu schlepn zu di Freudnfeier. Es is wahr es sin mir ein pahr Unglicke zugeschtoßn, un ein pahr Zufelle passihrt; aber ich glaub, der Presedennt wird trotz alln gewehlt wern.
Meine Schwester Elsbett un ein pahr anre fon unsre noblen junge Damen habn eine Supschkripzjohn ereffnet, um eine prachfolle Faane fir di Freiwillgn zu kaufn, di mit der Fakllichprozeßjohn zur Parade gehn wolln. Sie wahr 12 Fuß lang, aus Seide gemacht, mit ihrn Nahmen in geschtiktn Bukschtabn drauf, di die Damen selbs machtn -- eine wunderbahre Faane! Der Faklzug wahr gestern abns. Die Freiwillgen kamen am nachmitag in der Schtadthalle zusamm, um die Faane aus die schönen Hende fon die hibschesten Medchen zu emfangen.
Der kleine Schorschi wahr der Lewe des Tages. Er wurde auf einer Pladtform geschtellt, auf der alle Dahmen prachfoll geputzt schtandn, um eine Rede zu haltn, die Faane in der Hand bis der Hauptmann herauf kahm un seine Rede hilt un fon der Hand des kleinen taffern Jungen (das bin ich) die Faane nam, so das ein par Damen weintn, weil sie so ergriffn wahrn un ich nahm mein Taschntuch herfor, das zufellig foll Schnufftaback wahr, so das der Hauptmann jedesmahl, wenn er anfing fon den amerkanschen Adler zu schprechn, sagte »der großer amerkanscher Hapschi-dler« oder »Tschi-dler« oder »Krr-adrll« oder sons einem Unsinn, grad wi wenn man einem Fogl kennen mecht, der Krr-tschi-tschi-haptschi-dler heißt, bis alle lachtn un klatschn un schrihn, das man sein eignes Wort nich herte, un der armer Offezihr wahr so roht wi Feier un seine Augn foll Trehnen, so das er dem Faanenschtok nich sah, dem ich ihm hinhilt, das er ihm pakt, sonder den seidnen Sonnenschirm fon meiner Schwester nam un damit henunterschtig. Die Leite wußtn nichs fon den Schnufftaback; sie dachtn, er hat pletzlich die Fiehseiche bekommen. Sie schrien dreimahl Hurra, was ihm doch hedte zufridn machn solln un nich sagn, er wird den armen Schorschi den Kragn umdrehn, wenn er ihm draußn erwischt.
Der großer Faklzug ging ganz gut ab. Es wahr eine hibsche Geschichte -- filleich 2 Meiln lang oder noch mehr, weil sie rund um di Häuser gingen, so das es gar kein Ende hadte. Es wahrn ein par hundert Leite in den Zug un di Fakln machtn sich wunderbahr. Die Musikk wahr ausgezeichnt, nur die große Trommel wahr ferschtimmt -- irgnd ein nichsnutzger Junge hadte ein Loch heneingeschnidtn un ein pahr Katzn heneingeschtekt -- den Katzn geschah nichs, aber die Trommel wahr hin. Ich wer es nich widermachn.
Gleich hinter die Freiwillgen kam eine Schwadrohn fon kleine Burschn zu Ferd mit Scherpn un Fakln -- ein prachfoller Anblikk. Es wer ganz gut gegangen, nur ich kam zun Unglick mit meiner Fakl so na zu der neue Fahne, die di Freiwillgen gantz schtolz trugn, das sie zu brennen anfing. Ich wahr sehr neigierig, ob Seide auch brennt. Ich wahr ganz erschtaunt, das sie wirklich brannte. In filleich 2 Sekkundn wahr sie in einer firchterliche Flamme un noch 2 mehr, wo wahr da di Faane? Ich weinte beina, weil Elsbett un die ibrign sich damit geplagt habn.
Es wahr ein Dempfer auf der ganze Feier. Ich mußte zu meine Fersn Zufluch nemen -- das heißt zu di fon meinen Poni -- weil sie drohtn, wenn si mich erwischn, wirdn sie mich in einem Tehrfaß schtekn, das sie zun Freidnfeier anzindn wolltn. Ich sag dir, mein Tagbuch, den Abns liß ich mich nich wider blikn. Ich sagte zu Henschen: »Was ligt dran, gebn wir selbs eine Forschtellung!«
»Gut,« sagte er.
Ich sagte: »Du schtitzt mich un ich krich durchs rikwertige Fenster in der Schtadthalle -- es is offn -- dort lign eine Menge Feierwerke fir das große Fest nechste Woche. Ich will ein par --«
Er schtizte mich un ich kledterte ganz leicht henein un reichte ihm 3 Dutzn große Rakettn heraus, filleich hundert remische Lichter, eine Menge Katrinenreder un Schlangen -- alles was ich dachte, das wir abfeiern kennen. Dann borgtn wir den Schibkarrn fom Schließer aus, un fihrtn alles zum Deppoh -- ein großer Junge half uns un wir unterhiltn uns ser gut. Di ganze Schtadt lif fon den Freidnfeier weg, um zu schaun, was bein Depoh los is un nur ein pahr Sachn, fon die wir nich wußtn, wi wir si loslassn solln ferletztn ein par Leite. Ich wurde in der Lufft geblasn, aber ich fiel auf dem Dach fon einen Frachwagohn un schlug mich ein bischen an, meine Nase blutete un rickwerts am Kopff hab ich eine Beile un ein bischen Pulwer in Gesich, woriber Lischen noch mehr lacht, aber ich bin geredtet un Henschen un ich wolln uns morgn oder ibermorgn noch einen andern Schpaß machn.
Mein Fater is in dem nechstn Ort gegangen, um ein par große Redner in der freie Lufft zu hern. Er sagt, die Leite wolln zum gutn Schluß dann ein Folksfest abhaltn un einen ganzn Oksn bratn. Eine Menge Obswein un anre gute Sachn solln dazu draußn im Freien gegessn un getrunkn wern, damit es mehr Schpaß macht. Ich wer gern mitgegangen, aber er sagte, einem Jungen, der so ausschaut, nimmt er nich mit -- wahr ibrigns ich letztn Abns sehr schlecht -- un er wollte mich zur Schtrafe zuhaus lassn. Ich wahr sehr einsam un fiff deßwegn auf Henschen, er soll iber dem Zaun kledtern wenn seine Mutter nich schaut un ich sagte: »Hansi, wenn wir einen Oksn hedtn, kenntn wir uns selbs ein Folksfeß abhaltn -- wer das nich ein Schpaß?«
Er sagte, es were ein greßlicher Schpaß, nur habn wir keinem Oksn. Dann sagte ich: »Weiß du, man kann doch einer Katz auf sehr ferschidner Manihr das Fell abzihn -- komm nur hinter der Scheine, un ich will dir was zeign, Hansi.«
Das wahr filleich um 4 Uhr. So gegn sex sah meine Mamma irgnd einen helln Schein befor sie di Lampn anzindete. Alles wahr rot un hell wi der Tag. Sie lif zum Fenster un schrih: »Oh, Elsbett, Elsbett, der Schtall brennt!«
Aber sie irrte sich. Es wahr nur ein großes Feier, das ich un Hansi zu unsern eignem priwahtn Folkfeß angezindet hadtn.
Es is wahr, das der Ek fom Kuhschtall Feier fing, aber das leschtn di Nachbarn gleich aus.
»Die Ku is geredtet,« sagte Elsbett, »aber mein Godt, wo is denn das libe kleine Kelbchen?«
»Was is das?« schrih Mamma un wurde ganz bleich. »Schorschi, du schlechter nichsnutziger grausamer Junge, sag mir dem Momment, wo -- oh, du godtloser Junge!«
»Es is nur, weil Hansi un ich ein Folksfeß machn,« sagte ich.
»Was?« schrih sie.
»Ein Folksfeß, Mamma. Wenn große Leite einen Oksn bratn, so glaub ich, kennen wir Jungen ganz gut ein kleinwinziges Kalb nemen. Es is beina schon fertig -- wollt ihr alle dableibn un ein Schtikchen kostn? Wir habn auch eine Menge Obswein aus Henschens Keller. Wir wolln es ganz genau so machn, wi di großn.«
»Habt ihr das arme Ding lebendig gebratn?« schrih meine Schwester.
»Aber was, Elsbett, sihs du denn nich, das wir es tot gebratn habn?«
Es is sonderbahr, wi wenig manche Medchen wissn. Es is unferninftig fon Mamma, so einen Schpetakl zu machn, wegn einen elendn kleinen Kalb. Hansi wurde nachaus geschikt un keiner fon uns beidn krigte nich eimal zu kostn dafon -- aber Papa konnte sich follschtopffn, so fihl er wollte, das weiß ich. Je älter ich wer, desto mehr Ungerechtigkeit erleb ich.
NB. Hansi erzehlte mir heit frih in fertraun, das er fergessn hat, dem Haan umzudrehn, weil er sich firchtete, das di Kechin im erwischt, un so is das ganze Faß foll Obswein ausgelauffn. Aber ein Trohst is uns doch geblibn. Ich herte Papa sagn, das es hibsch fihl Geld kostet dem Presedenntn zu wehln. Er sagte, es were ihm auch geschikt worn un gesagt, er soll es auf dem Plaz ferwendn, wo es am meistn nitzt. Ich glaube, das Kalb un der Obswein missn in di Ausgabn fir die Waal eingerechnet wern. Alles, was ich bedauer is nur, das sie nich auf dem Plaz ferwendet worn sin, wo sie am meistn genitzt hedtn -- weil mir un Hansi nich erlaubt wurde, sie zu essn un zu trinkn. Wir wern aber nechste Woche noch eine Menge Schpaß habn. Der sommerschproßige Junge is heite frih dreimahl for unsern Haus auf un ab gegangen. Wenn Karoh nich auf der Eisnbahn getetet worn wer, mecht ich ihm auf ihm hetzn.
Er mischt sich in Politik
Libes Tagbuch, weißt du, das Lischen gestern in dem Brunn gefalln is? So ein Geschrei un Gekreisch hab ich noch nich gehert, wi im ganzn Haus wahr, di Leite lifn, um sie herauszuzihn, befor sie ertrunkn is un der Knech fon Hansis Fater kam so schnell wi er nur konnte, mit der Leitter heriber. Er liß sie henunter un fischte sie auf un brachte sie heraus un Elsbett pakte sie un Mamma rif ihr un der Kechin zu, nur schnell ein pahr Dekn zu wermen, weil sie so fom Wasser triffte un riß Elsbett das arme Kind weg -- un zuletz fandn sie, das sie sich nich hedtn so zu tummln brauchn -- es wahr gar nich Lischen, sondern ein falsches Medchen, das ich gemacht un heneingeworfn hadte -- ich schaffte Lischen ruig hinter den Holtzschupfn lign zu bleibn, werend ich es heneinschmiß un dann schrih: »Oh, oh, oh! sie wird ertrinkn, oh armes Lischen!« Dann kamen sie gelaufn un sahn die Stropuppe im Brunnen un machtn dem greßlichstn Schpetakl. Es wahr wirklich ungerech fon Papa mich ohne Nachmal in meinem Zimmer zu schikn, weil die Leite ein falsches Medchen nich erkennen, wenn sies so sehn. Ich sagte ja nich, das sie ihm Brunn is, ich sagte nur: »Armes Lischen, oh! oh!« Un jetz hat jemann den Dekl offn gelassn un di Katz fihl henein, aber ich wahr zohnig un sagte kein Wort un heit is ein großes Gesuch um di Katz -- was is nur geschehn mit ihr? -- ich wer mich nich bemihn, es zu erklern, sie wern es bald genug wissn, wenn das Wasser fon ihre Iberbleibsel richt. Ich winschte, der Schleicher fon driber der Schtraße wer heneingefalln un hedt sich das neie blaue Gewand runihrt.
Elsbett erwartet ein par Freindinnen auf dem Abnd un firchtete sich, der Englkuchn wird ihr in Ofn ferbrennen un deßwegn mußte sie zu mir henaufkommen. Betti hadte Ausgang un die Kechin wollte sie nich fortschikn, un deßwegn fragte sie mich, ob ich ihr nich henunterlaufn will in der Zukerbekerei um ein Fund Makkrohnen un drei Firtl Gefrornes, Schoklat un Wanillje gemischt. Natirlich sagte ich gleich ja -- es is doch fiel besser, um Gefrornes henunterzulaufn, als im Zimmer eingeschperrt zu sein un zu hungern un druntn die Jungen jauchsn zu hern, wi sie zum Freidnfeier hinlaufn. Sie gab mir 2 Doller um fir die Erfrischung zu zaln un ich machte, das ich fortkahm. »Aber Schorschi, bleib nich eine Sekkunde lenger als finfzehn Menutn aus, das Gefrorne zerflißt, wi nur was; komm nur direk so schnell zurik, als deine Fiße dich tragn kennen un sei ein brafer Junge -- bleib nich am Weg schtehn, wir wartn alle auf dem Gefrornen; denk nur, was fir ein fergengliches Ding Gefrornes is; des Abns is warm, wills du dich eiln, sofihl du kanns, liber Schorschi?« Schwestern kennen greßlich siß sein, wenn sie ihre kleine Brider zu irgndwas brauchn. Ich lif auf dem ganzn Weg un schaffte ihnen nur schnell die Makkrohnen einzupakn un das Gefrornes in der Eiskanne zu gebn, damit ich so schnell wider zuhaus bin, wi Elsbett mir gesagt hat. Aber wi ich zuhaus kam -- so eine Beschehrung! Die Kanne wahr foll einer schwabbliche gelbe Soß un ein kleines Hindchen hadte die ganzn Makkrohnen gefressn un sogar das Papir zerkaut -- aber an den Papir lag mir nich sofihl. Es is wirklich selltsam, wi etwas so einschrumfn un einschrumfn kann, wi Gefrornes. Ich glaube, es is so eingeschrumft, weil ich zu nah bein Freidnfeier wahr. Es wahr eine prachfolle Flamme -- ein paar Tehrfesser un ein altes Faß fon blauen Erdwax. Henschen un ich un noch eine Menge Jungen heiftn das Holtz aufeinand, so schnell wir nur konntn. Es dauerte mehr wi eine Schtunde. Wir blibn bis es aus wahr, so eine Hetz! Mir tats nur leid, das Elsbett um ihre Erfrischung gekommen is. Wenn ich gewußt hedt, was ich tun wer, hedt ich di 2 Doller aufhebn un eine Menge Rakettn dafir kaufn kennen.
Der junger Herr lachte un sagte: »Oh wenn sich nur Schorschi bein Freidnfeier gut unterhaltn hat, machn sie sich nichs aus den Gefrornen, Fräulein Hacker!« Aber Elsbett weinte beina. Deßwegn sagte Matilld Robinson, sie will iber Nach bei uns bleibn -- sie is Elsbetts beste Freindinn, seit Susi dem Dokter geheiratet hat -- un wi lang di Medchen aufblibn, nachdem die Gesellschaff fort wahr! ich glaub sie missn so schlefrig sein, das sie heit den ganzn nachmitag schlafn wern. Es wahr ein Holtzfeier in Kamihn, weil es abns schon kihl is. Sie setztn sich direk am Kamihntepich. Zuers namen sie sich die Haarlokn henunter, dann schmissn sie die Halbschu herunter un machtn es sich beqwem; dann fingen sie an, fon die Burschn zu redn. Godt! wi sie schnattertn! un Elsbett sagte Matild soll ihre erste Brautjungffer sein un dann redetn sie ein bischen leise un sie sagte: »Nein, Matilld, sag mir die Warheit -- ich weiß, du biß schterblich ferlibt in ihm -- firchte dich nich, mirs zu erzehln -- ich wers nich weitersagn!«
Un Matild fing zu weinen an un zu seifzn un sagte: »Oh Elsbett, er kimmert sich gar nich um mir, un ich libe schon dem E-er-er-erdbodn, auf dem er tridt. Ja, das tu ich. Ich glaub-aube er is gre-re-reßlich lib. Aber ferathe keiner lebende Sehle ein Wo-o-ort. Es wirde mein To-od sein, wenn Ka-a-arl Grin auch nur treimen mecht, wi ich ihm libe.« Es is ein Wunder, das ich nich den Forhang henunterriß un mich feratete. Aber ich blib ganz ruig, weil ich wußte, das Elsbett mich greßlich bei die Haare ziht, wenn ich mich erwischen laß, un so schlif ich ein, un wi ich aufwachte, wahrn sie fort un ich schlipffte auch henauf.
Heit frih ging ich auf einen großn Umweg in der Schule um zu sehn, was los is, un mir di Ruihnen fon den gestrign Freidnfeier bei Tag anzuschaun, wi ich eine große Menge Leite bei der Schtadthalle bemerkte, auf der Treppe un auf den Seitnweg un herte wi sie fon einer Parahde un noch einen Faklzug redetn. Dann sah ich Karl Grin mit einer Menge junge Leite, die Freiwillge sin, sons hedte ich gar nich an dem gedacht, was die Medchen sagtn. Es is ein Glick, das ich ihm sah, weil jetz alles gut is. Ich sagte: »Hallo, Herr Grin!« Er sagte: »Halloh, Schorschchen, wi gehts den Gefrornen heite?« Dann erzehlte ich ihm alles, wi di Medchen aufblibn un sich das Hahr kemmtn un fon ihm redetn un was Matilld gesagt hat, un zeigte ihm, wi sie weinte -- die andern Kerle lachtn, aber Karl wahr so zohnig, wi nur was un sagte: »Schtill, Schorschi, du bist ein roer Junge, Dinge zu erzehln, di du zufellig gehert hast!« Ich sagte: »Ich dachte, sie wern es gern wissn wolln, un sie heit abns besuchn un ihr sagn, sie soll nich mehr weinen,« un so glaub ich auch, das er heit abns hingehn wird.
Mir scheint, mein Fatter redet oder denkt jetz fon nichs anres als Polletick. Mir scheint, er gibt sich sehr fihl Mihe um dem Land. Er sagt es kommt auf dem Hund. Ich fragte, auf was fir einen Hund. Er sagte, er meint damit, das es in Schtike geht. Ich glaubte, er meint ein Erdbebn, wie in meiner Gografih, schteht, aber wi ich ihm nocheimal fragte, sagte er: »Ach was, ich meinte, wir wern durchfalln.« Ich wollte wissn, wohin wir falln wern -- filleich falln wir durch bis Kinah un zerqwetschn ihnen ihre Zepffe, weil ich einen Redner hab sagn hern, die Kinehsn missn gehn un ich dachte, Papa is in Angs das Amerka durch un durchfallt bis auf Kinah. Er sagte, ich bin ein Narr, un nich alt genug um di kinehsische Frage zu ferschtehn. Aber mir scheint es is genug Schpaß in der Polletik, solche Trannsperente, Latehrnen un Faanen un Fersammlugn un Redn un Faklzige un Freidnfeier, das man genug damit zu tun hat. Es bleib mir nich ½ so fihl Zeit ibrig, um meine Kenntnisse zu ferweitern, wi ich nethig hedte dazu; mein Leerer sagt, ich muß reglmeßig in der Schule kommen, sons bleib ich ein Dumkopff. Ich muß fersuchn reglmeßiger zu gehn, weil er sons heriber kommt un es den Papa sagt, wenn ichs nich tu.
Gestern fersuchte ich, reglmeßig in der Schule zu gehn, aber ich hadte einen schreklich ween Hals un Kopfwe, so das ich mein Frihschtik gar nich essn konnte; Mamma war in Angs; sie glaubte es is Difftritis. Sie gab mir ein bischen Medezihn un sagte, sie wird um dem Dokter Moor schikn, wenns nich besser wird; aber um halb zehn wahr mir schon ganz gut, un Betti gab mir deßwegn 10 oder 12 Buchweitznkuchn, die sie mir aufgehobn hadte un ich schlipffte aus dem rikwertign Thor um in der Schule zu gehn. Ich dachte, ich wer bein Depoh forbeigehn um di Freiwillign in dem Zug einschteign zu sehn. Sie solltn um halb elf nach Bluewill zu der großn Feier farn. Bluewill is filleich 16 Meiln fon hir. Es sollte grosartig zugehn. Bluewill is am Seh. Gereste Austern, Gullasch, Obswein, ein Zellt, ein Haufn Leite, eine Kanohne, Feierwerk, eine Blechmusikkbande -- wirklich, wi ich in den Gedrenge zu den Depoh kahm un der Zug einfuhr konnte ich gar nichs dafir, das sie mich di Schtufn henauf in einen Wagohn heneindrengtn. Das Gedreng wahr so arg, das ich mich durchaus nich durchzwengen konnte, um in der Schule zu gehn. Befor ich es noch wußte, wahr ich obn eingezwikt in den Gang, der Zug in Bewehgun un keinem Cent in der Tasche, um fir meiner Fart zu bezaln. Jedesmahl wenn der Konduktehr durchging, ferschtekte ich mich anderswo, aber nach einer Weile sah er mich doch un fragte wo ich meine Karte hab. Dann erzehlte ich ihm, wi ich hereingedrengt worn bin, wi ich grad in der Schule gehn wollte, un ein pahr sagtn: »Oh, es is nur Schorschi, er kommt warscheinlich mit um uns unsre anre Fahne zu ferbrennen!« Un der Konduktehr sagte: »Oh es is Schorschi Hacker, der is es!« un lachte un ging foriber un in einer Weile kamen wir an, un ich schtig mit die ibrign ab. Es wahr so gut wi ein fierter Juli. Es wahr ein bischen kihl an der Kiste, aber zwei risige Feier machtn es wider gut -- eines, um Gullasch zu kochn un eines um die Muschln zu restn. Außer uns warn filleich noch 1000 Leite dort. Die Bande schpilte, ein par Herrn hiltn Redn un dann sangen wir ein pahr Lider un feiertn die Kanohne ab. Ich konnte di Redn nich zuhern, weil ich sehr fihl zu tun hadte den Kessl mit Gullasch foll machn zu helfn un einen großn Haufn Schteine heiß zu machn um die Muschln zu restn. Ich hadte kein Geld un so wollte ich mir mein Essn ferdinen. Ich wollte einen Pack Sehgras, um es um di Muscheln bein Restn zu legn. Es wahrn Fesser un Fesser foll dafon da, un ein Faß foll dikn Schiffszwihbak zum Gullasch un eine Menge Zwibl, Erdepfl, Schweinfleisch, Saltz un Feffer. Ich kann nich sagn, wi es passihrte, aber wi ich das Faß mit den Zwihbak rollte, kuglte das runde Ding grad ins Wasser, un schwamm filleich 100 Elln henaus, grad wi wenn es direk nach Eiropa wegfarn wollt; dann plantschte es zurik un ein Mann watete hinein, aber es schwabblte auf un ab un es dauerte sehr lang befor er es erwischte -- ich glaub, er hedte einen Fischkahn nemen solln -- aber er erwischte es enlich, aber es wahr durch un durch mit Sehwasser follgesogn. Das Saltz un der Feffer wahrn auch drin, aber zun Glik machte es dem Schweinfleisch nichs. Sie mußtn das Gullasch ohne Salz un Feffer machn.
Es erinnerte mich an der Geschichte in meinen Lesebuch mit den Mitagessn fon den armen Mann. Deßwegn sagtn di Leite, ich soll liber nich in der Näe kommen, bis alles fertig is. Ich un noch ein Junge gingen an der Kiste ein bischen schpazirn un wir fandn ein totes Thir; das ganz so ausschaute, wi ein Esl. Es wahr an der Kiste geschwemt worn. Ich hadte eine Menge in der Polletik gelesn un gehert, fon Esln di gleich for Wut kochn, un so dachte ich, dem kann man ganz gut dazu brauchn. So sagte ich dem anren Jungen, er soll gut Ach gebn, bis sie die Muschln zum Restn gegebn habn, un wir wikltn es in Sehgras ein un wartetn, bis die Menner weggegangn warn, um Obswein zu trinkn, un dann schleptn wir es mit aller Krafft hin un lissn es obnauf auf die Muschln plumpsn un legtn noch mehr Segras drauf, damit sie so fiel fon einen kochendn Esl habn, als sie brauchn -- nur wahr der gebratn -- aber ich glaube, er muß krank gewesn sein, wi er schtarb, oder wahr es schon zu lang, oder sons etwas. Wi sie das Sehgras henunternamen, um ihre Muschln zu essn -- na, es is einfach greßlich, mehr wi 1000 hungrige Leite zohnig auf sich zu sehn, wenn man nichs anres wolln hat, als ihnen einem gutn Bissn gennen; aber ein Mann lachte un sagte er is froh, das der Esl enlich tot is.
Ich firchte, sie hadtn wenig mehr zu essn, außer Obswein, bis sie in der Schtadt tellergrafihrtn un ihnen ein pahr kalte Lebnsmitl herausgeschikt wurdn. Aber di Feier wahr famohs; di Musikk schpilte un wi es finster war, kam eine große Menge belegte Budterbröter un anre Sachn un nachdem er aufgegessn wahr, sollte ein großes Feierwerk sein, nur fing der Wagn Feier in den alles aufgepakt wahr un alles ging zusamm in der Lufft, un das wahr wirklich zu dumm, weil es in ganzn nich mehr wi 3 Menutn dauerte un man di einzelne Figurn nich gut sehn konnte.