Part 13
Ich schprang heniber in dem Gartn, wi Hänschens Mutter in der Schtadt druntn wahr un suchte un suchte, bis ich die herausgefallene Gleser fon Onkls Brille fand. Ich brachte ihm also ein bischen Augnwasser in einen Fleschchen un sagte ihm er soll sich abns damit die Augn einreibn. In der frih hadte ich schon sein Augnglas mit die altn Gleser hergerichtet un er konnte so gut sehn wi früer un schenkte mir einen Golddoller, so fergnigt wahr er. Er hat ein andres Testerment fir mich gemacht, weil ich ihm nie erzehl, wi ich ihm hinter seinen Rikn schimf -- er sagt, ich bin ein brafer kleiner Junge. Un jetz, mein Tagbuch, will ich dich in meinen Schreibtisch einschperrn, damit di neigierige Betti nichs fon den Ballohn list un meine Plehne noch in Keim erschtikt. Gute Nach! Ich muß mein Gebet sagn un schlafn gehn. Ich hoffe, der liber Gott wird enschuldign, das ich so schlecht bin, aber ich will es ja nie thun, es passihrt mir grad immer.
* * * * *
Im Ballon
Mein theires, theires Tagbuch, is es meglich, das ich dich wider seh? Es is mehr als ich erwartet hab, nach den was ich alles mitgemacht hab. Ich glaub, Robinson Krusoh un Schill Wern winschtn, das sie in meine Schue geschtekt hedtn, aber fir einen kleinen Bubn fon meinen Alter is es kein Schpaß, allein in einen Ballohn aufzuschteign -- fihl merkwirdiger, als ich geglaubt hab. Es is greßlich lustig fir eine Menute un eine halbe, aber dann is es einfach firchterlich. Ich fragte Betti, ob mein Haar weiß geworn is -- ich dachte, es is. Ich bin sicher, das ich nimehr das sorglose unforsichge Kind sein wer, wi befor ich dise Fahrt gemacht hab.
Ja, fir einer Menute oder so was is es wunderbahr, gans, gans allein in einen Ballohn zu sein, in der Hehe zu gehn, wi der Blitz, mit den Taschntuch zu wehn un auf die Leite zu schaun, wi sie immer kleiner wern, den Zug zu sehn, wi er kricht, wi eine Schneke, wi die Felder un Flisse un Bäume un Zäuner immer kleiner un kleiner wern -- aber oh! wi einsam is ein kleiner Junge, wenn er filleich iber einer Meile geschtign is un kann das ferteiflte Ding nich aufhaltn, das nich einen Heller wert is, un es is nichs runderum um ihm außer nichs, un es is ihm so kalt, das seine Finger schteif sin; aber der Professer hadte einen kleinen Korb in der Gondl geschtellt mit ein paar belegte Butterbröter un ein kleines Fleschchen mit irgnd einen Liköhr, also nahm ich einen Schlucker, weil mir so kalt wahr un es brannte wi Feier; dann dachte ich mir, es is besser, ich klettre gleich auf dem Schtrik henauf, weil meine Finger schon weicher wahrn un schneide ein Loch oder zwei in das eingeschnirte Ding, wi ich eimal gelesn hob, damit es aufhert, weiter nach Grehnland zu gehn. Godt! Godt! man hedte nich geglaubt, es is in seks oder sibn Schtundn der fierter Juli, sondern man hedte sicher gesagt, es is Weinach. Ich bin fro, meine Schwestern warn nich da um zu schrein un zu kreischn, wi ich auf den Seil henauf kletterte, das Taschnmesser in der Hand, weil ich hedte falln kennen. Es wahr ein kitzliches Geschefft, aber ich wer sons zutot erfrorn, also machte ichs fertig, meiner Seel! Ich schnitt 2 Lecher henein, kletterte am Schtrik henunter, aß ein Brot un nahm seinen Rok um mir, der in der Gondl wahr un legte mich schlafn.
Wi ich aufwachte, treimte ich grad, ich lig im Bedt un Betti wekt mich auf, aber ich setze mich bald auf un schaute herum, was neies gibt. Es wahr Nach. Der Mond scheinte prachfoll. Ich flog so ruig wi nur was iber etwas, was so glenzend un gladt war, wi Silber; wi ich näer kam, was sehr bald wahr, weil der Ballohn lanksam fihl, sah ich, das es ein Seh war oder der Ozejahn.
Dann fihlte ich, das es forbei wahr mit mir un ich ferdamt bin, ertrenkt zu wern un das Mamma nie wissn wird, was aus ihrn einzign Sohn geworn is. Es wahr mir sehr schlecht. Ich dachte auf alle Zufelle, die mir schon passihrt sin -- wi fihl Angs ich schon meine libn Eltern gemacht hab un zog un zog, um einen fon die Secke mit Sand herauszuschmeißn, wi mir der Luftschiffer gesagt hat, das man tut, um ihm heher gehn zu machn, aber sie wahrn zu schwer fir dem kleinen Schorschi. So gab ich mich in mein Schicksaal un aß noch 2 fon di ibrign belegte Bröter.
Dann schaute ich iber der Kante fon der Gondl un sah einen schwarzn Flek in den glenzendn Wasser. Ich sagte zu mir »das is ein Walfisch« aber in wenger als 5 Menutn sah ich, das es eine sehr kleine Insel wahr, filleich so groß, wi ein Felld, un befor ich »Schniki-Schnaki« sagn konnte, senkte sich der Ballohn grad wi ein Vogl auf einem Baum nider -- er schlepte sich noch schnell genug fort, das mann hette Angs habn kennen -- aber ich schprang henaus, wi der Blitz, pakte das Seil, das ich abgeschnidtn hadte, wi wir aufschtign un band es um ein armes kleines Tannbeimchen, grad groß genug um ihm zu erhaltn -- un da wahrn wir! Ich machte ihm mit einer Menge Knepfe fest an, damit er mir nich filleich einen Schtreich schpilt un fortfligt un dann schtig ich in der Gondl un legte mich nider, weil es dort sehr wahrm war un ich ganz hin un schlefrig wahr. Wi ich aufwachte, wahr es heller Tag. Ich schtand auf un hilt eine Runschau.
»Halloh, Schorschi,« sagte ich, »das is ein guter Wiz! Schiffbrichig auf einer einsame, wiste Insl! Oh, wenn ich mein Tagbuch dahedt, was fir eine Menge kennt ich heneinschreibn! Ich muß gleich anfangen un ein Inwentarjum aufnehmen fon alles, was ich hab mir eine Hitte zu baun un dafon zu lebn.« So aß ich also noch 2 fon di Buderbröter, das nur eins ibrig blib. Ich wahr greßlich hungrig un in große Fersuchung auch das lezte zu essn, aber ich widerschtand. Ich wahr schreklich durstig also wahr das erste was ich machte nach Wasser suchn. Es wahr eine Menge runderum um der Insl, aber ich firchtete, es is gesalzn. Es war aber kein anres da, also watete ich henein un kostete es, um zu sehn, wo ich wahr, ob im Mittlozejahn oder in einen fon die Seehn zwischn die Fereinigtn Schtaatn un Kannada -- es wahr Sißwasser.
Dann ging ich an der Arbeit, meine Sachn zu redtn, un eine Hitte zu baun, wi Robinsohn Krusoh -- aber ach! ein Ballohn is kein Pennifeifferl wehrt nebn einen Schiff -- es wahrn keine Negl da -- kein Schiffszwihbak -- keine Schtike altes Eisn -- kein eingesaltznes Fleisch -- aber ich trestete mich damit, das ich mich entschloß das alte Ding selbs schtatt einer Hüte zu benuzn. Dann wollte ich mir einen Fahlzaun runderum machn um die wilde Thire abzuhaltn, aber es warn keine Fähle da un sofihl ich bemerkn konnte auch keine wildn Thire. Also ging ich weiter um rund um der Insl zu gehn un auf dem nassn Sand zu schaun, ob ich die Schpuhren fon Kannebahln entdeke. Ich ging ein gutes Schtik, ohne Schpuhrn zu findn oder Kannohs im Wasser. Dann ging ich zurik un auf dem Weg fand ich ein sichres Zeichn fon Ziwelesazjohn, das mir das Hertz schlagn machte -- ein alter Zinnkrug, rostig un ferbogn, aber ich dachte ich darf ihm nich wegwerfn ich kennte ihm noch sehr gut brauchn; ich fillte ihm also mit Wasser, damit ich eine Belagrung aushaltn kann, wenn di Kannebahln kommen. Jetz wahr mir schon sehr heiß un ich wahr mid. Ich kroch in der Gondl aß mein einziges ibriges Brot, trank ein bischen Wasser un wi ich mich erinnerte, das es der glohrreicher Fierter wahr, un di Leite jetz ihr Piknik habn un mahschirn un Kannohnen abfeiern un so famohsn Schpaß habn, un das ich nichs mehr zum Nachmahl zu essn hab, un auch das Feierwerk nich sehn kann un auf einer wiste Insl ferhungern wer, weinte ich ein bischen, obwohl ich fersuchte, so taffer zu sein, wi Leite in einer solche Lage sein missn. Ich konnte aber nichs dafir, obwol ich blinzlte un blinzlte um die Trehnen zurikzuhaltn -- das blinzln nitzte nichs.
Ich schlif ein wenig un dann fihlte ich mich ein wenig besser. Ich fragte mich selbs: »Was wirde Robinson Krusoh jetz thun?«
»Ah,« sagte ich, »er wirde einen Schtekn nehmen un einem Kerb heneinschneiden um die Tage zu bezeichnen, damit er weiß, wifihl Tage er da wahr.«
Also machte ich einem Schtok fest, schnidt einen Kerb henein un den ibrign nachmitag gab ich 8, ob kein Schiff insich kommt.
Es kahm kein Schiff insich.
Ich fand ein paar Muschlschahln, aber es warn keine Muschln mehr drinn. Ich wahr sehr hungrig. Es wurde finster un ich kroch in der Gondl dekte mich mit den andern seinen Rok zu un schlif die gantze Nach ruig, ich wahr so mid un bang.
Es wurde morgn. Ich hadte ein schmahles Frihschtik fon Wasser. Mein Magn tat mir so wee, das ich mich erinerte, das die Indejahner sich den Girtl enger machn um das nagn fom Hunger auszuhaltn; aber ich hadte keinem Girtl, also liß ich es nagn. Ich schnidt noch einem Kerb in dem Schtok un ging herum, um filleich einen Brodfruchbaum zu findn, aber es wahrn keine auf der Insl. Es wahr nichs da, als Sand un kleine ferkriplte Tannbeime -- mein Magn tat mir greßlich weh. Ich dachte, wi offt ich Karoh ganz unbekimmert meine Fleischpastehte gegebn hab.
Ich hedte gern gewust, was unsre Leite heut zum Nachmahl habn, un ob sie noch nach dem kleinen Schorschi suchn. Filleich sin sie fro, das sie ihm los sin, er wahr so ein Tunichgut. Sie werdn ihm nie findn, un wenn sie auch ein Monath oder ein Jaar lang suchn. Oh, wenn kleine Jungen weglaufn fon einen hibschn freindlichn beqwemen zuhaus, wi wenig wissn sie da, was sie alles erduldn missn, wenn sie auf einer einsame Insl geschtrandert sin!
Ich fuhr fort hungrich zu sein. Ich dachte auf eine große Menge Dinge -- besonderst auf Waffl mit Honig. Ich schaute auch noch immer nach einen Schiff aus. Die Sonne ging unter. Ich fihlte mich schlechter un schlechter. Ich schtand bei den Ufer -- auf eimal sah ich eines, nich weit weg -- ein Schiff meine ich. Ich lif un holte meinem gekerbten Schtok, band mein Taschntuch dran un wehte, aber ich hedte mich nich zu plagn brauchn; sie erzehltn mir schpeter, das sie grad auf das selltsame Ding losschteiertn, das auf dem Baum gebundn wahr. Es war schon beina finster, wie sie näer kamen, ein Boht henunter lißn un drei Menner heneinschtign un zum Ufer ruderten.
»Halloh!« rifn sie, wie sie mich sahn.
»Selber Halloh!« sagte ich, sehr fro, das sie da wahrn. »Nun, ich will in der Lufft geblasn sein!« sagtn sie »hat man so was je erlebt!«
»Ich habs,« sagte ich, »aber auch ers nur eimal -- im ernst. Habt ihr was zu essn auf eiern Schiff? Mein Ballohn fihl hir, wo nich eimal ein Brodfruchbaum oder ein Schtikchen Wassermelohne wakst. Ich ferhungere schon.«
Un dann wahr mir das weinen sehr na, aber ich hedt es nich um der Welt getan, sonder blib fest un fragte sie: »Seid ihr amerkansche oder englische Matrosn?«
Sie sagtn sie sin englisch un gehern zu Kannada, aber sie farn grad nach Bufflo, ob ich mit ihnen farn will? Sie namen mich allso aufs Schiff, wo ihr Kapetehn grad beim Nachmahl wahr; er wahr sehr heflich. Er sagte ich soll mich nur zu ihm setzn, ganz ohner Zermonih. Es wahrn gebakne Fische da, gebratne Erdepfl, Brod un Budter un Kaffeh. Ein ausgezeichntes Essn, aber ich hab gelesn, das Leite, die geredtet wern, anfangs nur sehr wenig essn solln, un so dankte ich ihm schon bein fiertn Mahl fir Fisch un Eier un Erdepfl un herte auch schon bein finftn Schtik Fleisch zu essn auf.
Er schikte auch die Leite um den Ballohn, nachdem ich ihm erzehlt hadte, wem er gehert un das er ein paar tausnd Doller gekostet hat. Er wahr sehr freindlich zu mir un ich wer ihm dankbahr sein, bis ich groß bin.
Wir brauchtn 4 Tage un Nechte bis wir nach Bufflo kamen, aber ich ferbrachte die Zeit sehr angenem mit die Matrosn die mich zu ihrn Libling machtn, weil sie nichs fon meinen gutn Ruf wußtn. Ich erzehlte ihnen fon meine Schwestern, fon den neien Babi, den Tellergrafnbeamtn un eine Menge Sachn, die sie interessihrtn un sie erzehltn mir fon der Sehschlange, den Wasserniksen un andre Mehrwunder, wi man einen Matrosnknootn macht, auf dem Maßbaum klettert un so fort. Ich schtrengte mich an, so wenig Unrue zu machn, wi nur meglich, aber ich fihl 2 mahl auf einen tifn Plaz im Wasser iberbord, das sie mir nachschpringen mußtn un ich ferlor Bens silberne Uhr, die ihm seine Mudter geschenkt hat im Wasser, aber ich ferschprach ihm eine bessre, wenn ich nachaus komm. Die Matrosn tettowirtn mir einen Anker un ein Schiff auf dem Arm damit mich meine Eltern widerkennen, wenn ich das nechste mahl ferlorn geh. Es tat mir ser leid, wi wir nach Bufflo kamen, fon ihnen Abschid zu nehmen. Ich umarmte un kißte sie alle, un fergoß ein pahr Trehnen, un sie schribn ihrn Nahmen auf mit einen schönen Schwung drunter un gabn mirs zum Andenkn. Der Kapetehn fihrte mich zur Baan un sagte dem Konduktehr es wird fir mich gezalt wern, wenn ich hinkomm -- wi wenn ich ein Pakett pernachnam wer.
Ich fuhr un für dem ganzn Tag un es wurde grad finster wi ich zu unsrer Schtatsjohn kam. Ich hadte mir fom Kapetehn ferschprechn lassn, das er nich tellergrafihrt, das ich komm, weil ich die Familjeh iberaschn wollte.
Ich schlipfte henunter un ging durch der rikwertige Gasse nachaus, um zu sehn, was sie sagn wern, wenn ich komm, befor sies wissn. Oh, wi mein Herz klopffte, wi ich näer kahm! Es schin mir, als ob ich ein pahr Jare -- ein Jar 100 wegewesn wer! Ich ging leise im Hinterhof un gukte durchs Schpeiszimmerfenster. Jeh! Was fir eine Menge gute Sachn warn da zum Nachmahl! aber sie saßn alle um dem Tisch wi Mumjen un aßn nich sofihl das es die Arbeit fon der Kechinn wert wahr. Mamma hilt sich ein Taschntuch zu die Augn, Elsbett war blaß un redete nichs, Betti schluchste, wi sie Lil un Montagu das Brot brachte -- so eine Gesellschaff! Also schprang ich grad auf das offne Fenster, wi ein Gummilastiballn un sagte: »Ihr mechtet einem bessern Apptit habn, ihr Leite, wenn ihr auf einer wiste Insl geschtrandert wert, wi ich wahr. Oh Godt! wi hungrich bin ich -- gebt mir was zu essn!«
Großer Godt! -- Aber ich kann es nich beschreibn -- ich will dem Forhang iber der Ssene falln lassn. Nur eines is mir besonderst aufgefalln -- di Familjehn fon schlechte Bubn scheinen grad so fro, wenn sie die ferlohrnen widersehn, wi wenn es nich so greßliche Kinder wern. Aber ich hab eine gute Lekzejohn bekomen un ich wer mich tichtig anschtrengen, damit ich mehr ferdin das Betti mich halb zutot wirgt un sagt sie will mich nur umarmen. Selbs das komische kleine rote Babi lachte, wi es seinem Onkl Schorschi sah.
P. S. Es is gut, das der Kapetehn den Ballohn mitgenommen hat; der Luffschiffer hat meinen Fater um sibn 1000 Doller ferklagt, aber jetz wird alles, was Papa bezahln muß, nur fir die Flekn sein, die man dort aufnehn muß, wo ich mit meinen Taschnmesser die Lecher heneingeschnidtn hab.
Meine Schwestern wolln den Kapethen eine seidne Faane un jedn fon meine Freinde, den englischn Matrosn eine silberne Uhr schikn; sie sin greßlich lib (meine Schwestern).
Auf der Lokomotive
Onkl Samson is so mid, bei uns zu sein, das er weggegangn is. Er is ganz aufgeblasn fortgegangen un hat mir nich eimal ein Poni geschenkt, das ich mich an ihm erinner. Es wahr mir sehr ungenehm mich fon meinen libn Onkl trennen zu missn, befor er mir das Poni gekauft hat. Wenn ich es hedte, wirde ich dem Onkl nich so schwer fermißt habn. Er wollte nich for den Herbs weg fahn, aber unerwartete Umschtende habn seine Abreise beschleinigt. Es sin jetz Ferjenn un wir Jungen habn genug Zeit zu schpiln; also machtn wir ein Ausstellung im Schtall fon Karlis Fatter, zwei nachmitage Antreh 3 Cent, große die Helfte. Karli wahr ein Affe, Harri wahr ein Behr un ich wahr das große »Wunderthir«. Wir hadtn noch anre Thire un ein pahr Abteilungn. Ich ging zun Rasehr un liß mir dem Kopf rasihrn un dann ferbte mir Karli das Gesich un die Hende dunklbraun. Er mußte wirkliche echte Farbe nemen, die fon Gidter ibrig geblibn wahr, weil wir nichs anres hadtn un ich schaute ganz gut aus damit. Es wird aber dem ganzn Sommer dauern bis es henuntergeht un ich kann nich in der Kirche gehn. Ich erkenn mich selbs nich, wenn ich im Schpigl schau. Elsbett sagt, es is ergerlich, bein Essn an denselbn Tisch mit einen Negerjungen zu sitzn. Sie glaubt, ich soll mit Betti essn, aber Betti will auch nich an einen Tisch sitzn mit einen Wunderthir, un so laßt mich Mamma obn, wenn eine Gesellschaff da is.
Aber Onkl wahr withig -- grad nur, weil ich seine falsche Zehne ein bischen ausborgte, damit ich wilder ausschau, un sie im Brunnen fon Karlchens Leitn falln liß, wi wir trinkn gign. Es wahr dahmals sehr heiß. Ich wollte sie nich falln lassn. Er is sechtzig Fuß tif un der Mann der henunterschtig konnte sie nich findn. Sie wahrn aus Golld un kostetn eine Menge Geld un der Onkl ferhungerte beina, biß er di andern krigte. Er tat mir beim Essn ser leid, aber er wollte keine Enschulgungen fon einen so schlechtn Jungen anehmen. Gleich wi er di andern bekahm, aus Nikl oder Gummilasti oder was es wahr, das er sich auf der Schtraße zeign konnte, liß er einen Wagn holn, un liß sein Gepek ins Hotell fihrn. Nemlich Harri hadte einen kleinen Esl, den wir als Ellefantnbabi habn wolltn un so mußte ich dem Kahschmierschahl fon meiner Schwester ausborgn, wi sie nichs dafon wußte, um ihm iber ihm zu breitn. Aber er mußte auch einem Rissl habn, sons wer die gantze Auschtellung ferdorbn gewesn un wir fandn nichs anres, das gepaßt hedte, außer die Ortrompete fon meinen Onkl. Aber die paßte ausgezeichnt, wi wir sie feßgemacht hatn, was ganz leich ging. Wi wir ihm noch ein bischen dikere Fiße gemacht hadtn, aus den Dekn fon Karlchens Faters Ferd un ihm dem rotn Schahl henumgebundn hadtn, wahr es so genau ein Ellefantnbabi wi nur was -- ganz so gut wi das Filadelfibabi. Es wahr allein 3 Cent wehrt, es anzuschaun. Aber der Onkl konnte fir ein pahr Tage nich fihl hern, weil der Esl fergaß, das er ein Ellefant wahr un wi toll herumschprang un seinen Rissl iberall heneinzwengte wi wenn er ein richtiger Pakknecht gewesn wer. Das un seine Zehne zusamm wahr zufihl fir seiner Geduld -- er wahr so withig, das Mamma weinte.
Ich weiß nich, ob er wirklich gegangen wer, nur namen wir seinem bestn seidnen Anzug, dem er in Jahpann bekommen hat un zogn ihm Karlchen an, damit er ein Tirke is un bandn ihm sein rotes Taschntuch als einem Turbahn um, un es kahm ein bischen Farbe drauf, wi wir zufellig dem Farbtopff im Schtall umschidtetn, un das Gewand war ruhnirt -- er wahr schade, weil es sehr hibsch wahr, lauter seidne Blumen. Karlchen hedte nich so unforsichtig sein solln. Es wahr aber eine famohse Auschtellung. Es kamen 13 Bubn un drei Medchen henein. Wir habn 50 Cent eingenommen di wir fir armen Schklafen hergebn wolln. Mir ligt nichs drann, das der Onkl im Hotell wohnen gegangen is. Betti erzehlte mir im Fertraun, das er ihr schon zuwieder is. Er sagt ich hab ein großes Glik ferscherzt durch meiner schlechte Aufihrung -- aber ich glaub ich brauch kein Glik; ich hab eine Menge Schpaß un genug zum essn. Ich wollte ihm nich ergern, wi ich den bestn Zopff fon meiner Schwester mit Schusterpech auf dem kaaln Flek auf seinem Kopf pikte -- ich wollte nur sehn, ob er wi ein Kinehser anschaun wird, aber manche Leite ferschtehn gar keinem Schpaß. Elsbett sagt, ich hab ihr ihrn Zopff ruhnirt, der 10 Doller kostet. Wozu tragt sie also einen? Di Medchen mechtn es beqwemer habn bei den heißn Wedter, wenn sie sich frisihrn mechtn, wi ich. Wenn so ein Medchen nich ½ fon ihrer Zeit ferbringen kann, sich fir ihrem Verehrer schehn zu machn, ligt ihr nichs am ganzn Lebn. Ich erzehlte den Tellergrafistn das Elsbett gestern abns befor sie im Sallohn kam, henaufgegangen is um ihre Frisuhr zu pudern un aufzusetzn un sich die Augnbraun zu bemaln -- un das ihr des Hahr greßlich ausgeht. Ich glaube, sie wird bald kaal sein; wi sie immer Sommenschprossn hat, bis sie sich mit Zitronglitzerin einreibt. Ich wollte ihm grad erzehln, das sie immer sofihl Hihneraugn hat, wi sie hereinkam.
Heit abens klinglte es bein Hausthor un Betti wahr einkaufn gegangn; meine Schwester schaute durchs Gukloch un sagte: »Oh Schorschi, es sin dise noble Leute, di ich lezte Woche besucht hab. Es is ein greßlich liber junger Mann in der Familje. Betti is fort. Du sihst grad aus, wi ein kleiner Negerbedinter. Weiß du was -- geh zum Tohr un fihr sie anschtendig herein un dann bleib draußn. Sie wern nich lang hirbleibn.«
Ich machte also di Thir auf, mit einen Krazzfuß, wi dise Bedintn in Hotell un bekomplimirte sie sehr heflich zum Sallohn. Dann blib ich draußn, wi mir Elsbett gesagt hadte. Nur wahr es mir zu einsam in Wohnzimmer un so schlipffte ich bald drauf im Sallohn un ging hin zun Schterreskop um durchzugukn.
»Schorsch,« sagte meine Schwester leise, »zih dich zurik.«
»Wozu?« sagte ich. »Ah so, das hab ich ganz fergessn! Aber was ligt drann, sie wern sehn, das es dein kleiner Bruder is, wenn ich auch ein Mulatter bin. Du kanns mich nich fir einen Bedintnjungen ausgebn.«
Dann schautn sie erschtaunt drein un meine Schwester mußte ihnen erklehrn, wi ich mich angeschtrichn hab un das die Farbe nich henuntergehn will un sie sagten: »Ach ja, wir habn gehert fon ihm; wahr das nich der junger Mann, der allein im Ballohn aufgeschtign is un so weiter?«
Ich glaub die ganze Schtadt redet fon mir, weil mir ein pahr Zufelle passihrt sin. Wo ich geh un schteh, wer ich ausgelacht. Es ekelt mir auf der Schtraße zu gehn, alle die Kerle foppn mich. Sie heißn mich jetz nich anderst als das »Wunderthir«. Ich winsche, die Farbe mechte henuntergehn. Ich wer mich fon Betti mit Sand abreibn lassn.
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Es nitzt nichs. Mein Schpaß is ein bischen zu weit gegangn. Ich wer so verschpottert un gefoppt un ausgelacht, das ich es nich un nich aushaltn kann. Ich glaub ich wer zur Tante Betsey fortlaufn un dortbleibn bis es herunterget. Es zalt sich nich aus eine Woche nach der andere ein Wunderthir zu sein. Im erns meine Tante wird mich filleich nich eimal erkennen. Ich wer mich ihr fermithn als ein kleiner Negerjunge, der fir Kost un Qwatihr Brommbern klaubn will. Ich hoffe, wenn di Schul im Sepptember anfangt, wer ich wider weiß sein. Wenn ich die Schtraße henuntergeh bitn mir dise Kerle Kokusnisse an. Dokter Moor nennt mich das fehlende Glid. Sie sagn, sie wern ein Supschkripzjohn ereffnen um mir die Farth zu bezaln, weil sie mich zu Darrwien schikn wolln. Sie glaubn, si sin greßlich witzig! Ich ging im Konzertt un sie lißn mich nich eimal bei meiner leibliche Schwester sitzn, nur auf der Gallerih! Es eklt mir schon. Das nechste Mahl wenn Karlchen eine Auschtellung macht, kann er selber das Wunderthir sein.
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Es geht schon an manche Schtelln henunter un sie rufn mich »Leopahrd!« Es is schreklich, was fir Folgn etwas habn kann, wenn man nich im geringstn dran denkt. Ich hab mir immer gedacht, ich mecht gern ein Inschenehr sein, wenn ich kein Matros oder Pfahdfinder sein kann. Ich bin sehr gern bein Deppoh untn. Di Leite dort sin sehr freindlich zu mir, nur manchmahl neckn sie mich sehr. Sie habn offt iber mein Pech gelacht, wenn sie dafon gehert habn, aber jetz is ihnen das Weinen näer, wi das lachn. Willi Bellow is ein Inschenehr auf einen Laßzug, der hir immer schtehn bleibt -- er is einer fon meine bestn Freinde. Er wollte mich einmal auf seine Maschihne nemen, wenn er auf den Nebngleiße is un auf dem Persohnenzug wartn muß un mir alles erklehrn, was ich wissn will; allso wahr ich gestern mit ihm un fragte ihm, wi man sie laufn macht un er zeigte mirs.