Part 12
Er wird enterbt
Onkel Samson is zu Besuch bei uns; er is gans alt un schwach un greßlich schpaßig, nur sagt Mamma, ich darf es nich sagn, das er schpaßig is, weil er reich is un ein alter Jungesell un kann sein, das er mir sein Geld hinterleßt, wenn ich braf bin solang er hir is. Ich weiß, was ich thu, wenn er schtirbt un mir sein Geld hinterlaßt. Ich kaufe mir dann das Poni fom Fleischer! Ich winsche er mechte sich tummeln un schterbn, weil Bobs Fater dafon geschprochn hat, das Poni zu kaufn. Er hat einen ganz kaalen Flek iber dem ganzn Kopf un is so taub, das man schrein muß, wi eine Lokermotiwfeife damit er einen hert oder man muß ganz na zu ihm hingehn un in seiner Ohrtrompete hineinschrein. Unser Lehrer hat erzehlt, wir habn Trommln in die Ohrn, aber Onkl Samson muß eine Trompete habn, weil seine Tromml schon hin is. Sie is dinn auf den einen End un dik auf den andern un wi ich in der Schule ging, redete ich ein bischen henein: »Onkl bis du wirklich zäh?«
Er schien erschtaunt. »Was meins du, mein Kind?« fragte er. »Weil Elsbett sagt du bist so zäh, wi die Rinde fon einen Baum, aber es gibt doch auch Rinde di fon selbs aufspringt. Ich mechte gern einen Doller habn, um Willi Wilke seinen Eilwagn abzukaufn, damit ich der Kechin Schpehne nachaus bringen kann, un sie das Unterzindholz erschpart.« Anschtatt mir dem Doller zu gebn machte er ein finstres Gesicht un sagte: »He? He? deine Schwester sagt, ich bin zäh? So, so! Warte du Schlange! Ich wollte ihr ein hibsches Seidnkleid schenkn, aber jetz wer ich mirs noch iberlegn. Leute di kein Geld habn, glaubn immer, die andern die es habn, missn damit herumwerfn, wi wenn es Wasser wär.«
Er schnarrte un brummte noch fort un gukte dabei durch seine Brilln auf mir wi wenn ich ausgeschtellt wer aber den Doller gab er mir nich.
Weil ich firchtete er is bös, wollte ich ihm wider fergnigt machn un sagte durch der Trompete: »Mamma hat gesagt, mach dir nichs draus, Elsbett, wenn dein Onkl ein Geizkragn is, umso besser fir uns -- es wird mehr Geld fir uns ibrig bleibn, wenn er es nich verschwendert --« aber er wahr so schlecht aufgelegt, das es ganz so wahr, wi wenn man eine Katz nach der ferkehrte Seite schtreichlt -- er schprang auf, humplte herum un brummlte etwas zu sich selbs, so das ich froh war wegzukommen un ich nahm mein Früschtik un ging bein Deppo forbei in der Schule um zu sehn, was bei der Eisnbahn neies gibt.
Wi ich aus der Schul nachaus kam, pakte mich Mamma bei der eine Axl, Elsbett bei der andre un fragtn mich was ich dem Onkl erzehlt hab, das er den ganzn Tag so zohnig war. Ich sagte ihnen, sie solln nich besorgt sein, ich hab ihm gar nix erzehlt. »Du mußt ach gebn, Schorschi,« sagte Mamma, »oder du wirs wider was anschtelln. Pst! mach keinen Lerm, er schleft auf dem Diwan im Wohnzimmer, lauf henaus un schpile un sei ein brafer Junge.« Ich tat, was sie sagte, wi es sich fir kleine Jungen gehert. Wi ich im Hof hinauskam bemerkte ich, das das Wohnzimmerfenster offn wahr. Ich schlich leise hin un gukte henein. Seine Augngleser lagn am Fensterbret. Ich probihrte sie nur ein bischen Karo auf, weil ich wissn wollte, ob ein Hund durch Brilln besser siht, aber er schprang damit iber dem Zaun, weil er eine Katz herte un wi er zurikkam, o Godt! wo warn die Augngleser? Ich traute mich nich iber dem Zaun, sie zu suchn, weil Hansis Mutter eine geladne Pestole hat, um mich zu erschißn, wenn sie mich siht. Sie warn mit Gold eingefaßt, un es tat mir sehr leid, das Karoh sie ferlorn hadte. Hunde denkn doch nie dran, wi fihl Geld die Sachn kostn! Der Onkl schlif ruig weiter mit den Mund offn un machte einen Lerm, wi wenn sein Schlund eine Flasche wer, aus der Wasser herausrinnt un hate ein großes rotes Saktuch ibern Kopf.
Es wahr eine sehr große Fersuchung fir mir, zu probihrn, ob mein Fischzeig lang genug is, um bis zum Diwan zu reichn -- wirklich ich mußte es probihrn -- un so schteckte ich eine Brummflige auf der Angl un hilt sie aus Schpaß iber dem Mund fom Onkl. Ich hoffte nich das ich einen Fisch fangen wer -- im Ernst nich -- aber der Arm wurde mir ganz mid, weil ich den Schtekn haltn mußte un aus Fersehn kam ihm der Hakn im Mund un grad da nißte er im Schlaf un machte den Mund zu. Ich probihrte sehr langsam den Hakn herauszuzihn -- aber das abscheiliche Ding wollte nich nachgebn -- nur mein Onkl gab nach, weil ich zuletz so erschrokn wahr, das ich so fest zog, bis er fom Diwan henunterfihl. Oh, wi er krisch! Ich liß dem Schtock falln un flog wi der Blitz hinaus zu der Scheine, wo ich mich im Hei ferkroch, das mich niemann fir langer Zeit findn konnte.
Es wahr schon finster, bis ich enlich in der Kiche ging. Die Kechin rihrte grad Haferschleim um auf den Herd. Wi sie mich bemerkte, schaute sie mich an, wi wenn sie mich durchbohrn mecht.
»Oh du grausamer godtloser Junge!« sagte sie, »wi kam es dir nur im Kopf deinen Onkl so mitzuschpiln? Er kann schterbn, der Dokter hadte genug zu tun, es aus der Zunge hinauszuschneidn un sie is so wund un weh, das er wochn un wochn lang nur fon Haberschleim wird lebn missn, un so alt un schwach, wi er is, kann er schterbn, fon die Folgn deiner Grausamkeit.«
»Brigitt,« sagte ich in fertraulichn Flistern, »wenn ich den Fleischer sagt, mein Onkel schtirbt, glaubs du, das er das Poni noch ein par Tage fir mich aufhebt?«
Sie hilt eine Weile die Hende in der Hehe, dann setzte sie sich un lachte un lachte.
»Schorschi du bist erger wi ein Kannebahle!« sagte sie.
Ich glaube es war herzlos fon ihr, so zu lachn, wenn mein Onkl krank im Haus ligt, aber manche Leite habn gar kein Gefihl.
* * * * *
Es is schon ein par Tage seit mein Onkl fon den Fischhakn in seiner Zunge krank wurde; der Dokter sagt, es geh' ihm schon besser. Elsbett sagt, er is withend auf mir. Heute, wi er schon aufsitzn konnte, wollte er ein neus Testerment machn. Er ferlangte Papir, Dinte un seine Augngleser. Ich hadte Betti in Hansis Gartn hinibergeschikt, sie aufzuklaubn, aber beide Gleser warn herausgegangen un ich nahm deswegn di Gleser aus dem Augnglas fon meiner Schwester, die kurzsichtig is, un machte die Brille fom Onkl wider forziglich gut. Ich traute mich nich in sein Zimmer, weil er noch immer zohnig auf mir wahr, aber ich war so engslich wegn den Poni, das ich mir dachte, ich muß das Testerment hern, ob ich der Erbe bin oder nich un ich schlipfte hinter Betti henein, wi sie seinen Haberschleim heneintrug und kroch so leicht unters Bedt wi nix un wi ich eine Weile dort gelegn war, kam Herr Notahr Grau un sie ferschperrtn di Thire, riktn den Tisch zu den großn Fotell beim Bedt un schtelltn die Tinte un einen großn Bogn Papir drauf; dann setzte sich mein Onkl die Augngleser auf un filleich in einer Menute seifzte er schreklich un sagte: »Mein Augnlicht is genzlich weg! Was soll ich anfangen? Dise Gleser paßtn mir fortrefflich -- ich konnte durch ihnen sehn so klahr wi der Tag un jetz is alles trib -- ein Nebl! Oh Godt! Der Schlag den mir der schlechte Junge fersetzte muß mein Augnlicht zerschtert habn! Ich bin schtokblind. Oh Godt!«
»Kann sein, das die Gleser nich rein sind,« sagte der Notahr. »Ich will sie putzn, Herr Samson.«
Also putzte er un putzte aber mein armer Onkl konnte nich besser sehn.
»Das is ein harter Schlag,« sagte er. »Ich werde dem jungen Schurkn ohne einen Heller abfindn. Auch meine Schwester, die Heichlerin -- mich einen Geizhals zu nennen! -- soll nich einen Cent bekommen. Auch Fräuln Elsbett nich, meine Nichte weil sie gesagt hat, das ich zeh bin. Ja, Notahr, ich habe mich entschlossen, mein Geld dem Fersorgungshaus fir bejahrte Leite zu fermachn. Keiner fon den Hackers soll einen Doller dafon berihrn. Ich wahr zuers ganz eingenommen von den kleinen Burschn, aber er is genzlich ferdorbn -- er wird noch einestags im Gefengnis kommen -- Geld wirde ihm nur ferderbn. Er hat runde hundert 1000 Fund ferlorn durch seine Schpeße mit seinen altn Onkl.«
Oh Godt, ich bin ein greßlich ungliklicher Junge! Ich blib schtill wehrend sie schwatztn un schribn un schribn; dann machte der Notahr die Thir auf un rif jemandn henein, das Testerment als Zeige zu unterschreibn un alles wahr foriber. Es war heiß unter den Bedt. Ich wahr mid un das erste, was ich fon mir wußte war, das ich eingeschlafn wahr. Wi ich aufkam, wahr alles finster wi ein Haufn schwarze Katzn. Ich herte ihm schnarchn un kroch deswegn leise herfor, griff mit der Hand forsichtig unter seinem Polster, wohin ich ihm das Testerment hadte schtekn hern -- es wahr noch dort -- auch seine Uhr un Briftasche -- ich nahm alles in mein Zimmer um ihm tichtig zu erschrekn, den abscheilichn altn Gauner, seinen eignen kleinen Neffn zo zu ferleimdn! Ich schtekte die andern Sachen zwischn meine Matratzn, zindete ein Licht an un hilt das Testerment henein bis es Feier fing un »zu Asche zerbreklte« wi ich in einer Geschichte gelesn hab; ich ferbrannte mir die Finger un liß ein par Schtikchen falln, aber ich blis die Flamme ganz leicht aus, es wahr gar nichs geschehn, nur meinen neuen Sommerschilehn, die man mir heute nachaus gebracht hadte -- es war durch 3 dafon ein großes Loch gebrannt. Ich ging henunter un sah das erst 8 Uhr war. Meine Leite hadtn geglaubt, das ich lang draußn gewesn bin Ball schpiln. Betti gab mir ein Schtik kaltn Reisauflauf un ein Schtik Kuchn un ich ging schlafn.
So gegn Mitternach war ein greßlicher Lerm im Haus. Onkl Samson wekte die ganze Famili auf mit seinen Geschrei, das er ausgeraubt worn is. In der Nacht war keine Rue mehr. Seine goldne Uhr 2 hundert Doller wert un seine Briftasche mit 3 hundert drin wahr ein bischen zu fihl! Er war gans wild. Es war ein Fenster offn un Papa dachte, es muß jeman hereingeschtign sein un die Sachn genommen habn.
Je wilder der Onkl wurde, desto tauber war er auch un alle mußtn ihm in der Ohrtrompette schrein -- -- so was!
Es scheint unsre Familje kommt immer in der Patsche -- mir scheint andre Familjen habn nich so fihl Unrue. In der Nacht konnte nichs mehr geschehn, un zuletz gingen alle schlafn wi schon Tag wurde. For den Früschtik trug ich die Uhr un die Briftasche den Onkl zurik. Ich erzehlte ihm, das ich glaube, der Dib muß Angs bekommen un sie falln habn lassn, aber das Papir konnte ich nich finden, un er gab mir 10 Cent un sagte ich bin doch kein so schlechter Junge wi er glaubte un er kenne ein anres Testerment schreibn, wenn er wider gesund is, es kennte sein, das er doch nich sein ganzes Geld dem Fersorgungshaus hinterlaßt. Dann redete ich sehr freindlich zu ihm durch der Ohrtrompette. Ich fragte ihm, wi lang Leite fon seinen Alter gewehnlich lebn, denn wenn er bald schterbn sollte, so mechte ich ihm bittn mir fierzig Doller zu hinterlassn, damit ich mir das Poni kaufn kann -- ich hab mich immer nach einen Poni gesehnt. Ich erzehlte ihm, das Elsbett gesagt hat er is ein alter Unruemacher, weil sie so laut schprechn muß, das ihr der Hals weh tut, aber ich mache mir nix draus laut zu schprechn -- es is schpaßig in ein so Ding heneinzuschrein wi ein Tellerfohn. Ich fragte ihm ob er noch nich probihrt hat mit die Zehne zu hörn un ob er weiß, das Tante Betsey bös auf Papa is un ihm kein Geld leihn will un sagt unsre Leite sin ferschwendrisch.
Ich erzehlte ihm, das Lil un Montagu einen Schtreit hadtn un das der Dokter Moor wird hungern missn, wenn er nich bald mehr Prakses bekommt un unsre Kechin is nich so nett wi sichs geherrt, un mein Papa is sehr jezornig; das Papa es nich gern hadte, das er kam, den Sommer mit uns zu ferbringen, aber Mamma sagte es were ganz recht un wir werdn schon bezalt wern dafir; un wi Betti immer zu mir brummt, weil sie ihm nich gern die Knepfe an die Kamaschn anneht un ihm bedint, weil er zu geizig is um ihr hier un da einem Doller fir ihre Ekstraarbeit zu gebn.
Er schien mir gern zuzuhern, manchmal grinste er, wi wenn ihm etwas kitzlte; aber fon Mamma hab ichs heut nachmitag schreklich gekrigt, das ich meine Zunge hab so laufn lassn -- sie sagte, ich hab schon genug Unheil angeschtellt -- ich kann es nie allen Leitn recht machn.
Zun Beischpil, gestern Abens warn der Tellergrafnbeamter un Elsbett im Forderzimmer, Betti war weg weil sie Ausgang hadte, un Elsbett sagte zu mir: »Schorschi, wenn die Schmidtmedchen heut Abens kommen, sag ich bin nich zuhaus, der Onkl is krank un Mamma hat zu thun.«
Sie kamen wirklich. Ich lif henaus, wis leitete. Sie fragtn ob jeman zuhaus is. Ich sagte: »Nein, der Onkl is krank, Mamma is bei ihm, weil er sein Testerment macht un Elsbett hat mir geschafft zu sagn, sie is nich zuhaus, weil sie mit ihrn Ferehrer, den Tellergrafnbeamtn in Forderzimmer zu tun hat. Er unterrichtet sie in tellerfonihrn.«
Das fordere junge Medchen kicherte grad heraus un heut nachmitag riß mich Elsbett beim Haar, wi nur was. Sie sagte, die ganze Schtadt weis schon fon ihr un dem Tellerfohn, das sie sich schemt, den Kopf for der Thire zu schtekn. Is es nich schwer fir einen kleinen Jungen, zu wissn, wi ers den Leutn recht machn soll?
Ein fatales Experiment
Mein Bruder Montagu is gegangen un hat das komischte Ding fon der Welt gemacht -- ein Babi gekaufft! Er hat 20 Doller dafir gegebn, halb genug um mir ein Poni zu kaufn, der Narr un noch dazu bloß ein Medchen. Er sagt, wenn er einen Jungen gekauft hedte, kennte er eimal so schlecht wern, wi der kleine Schorschi un das is wahr -- ein böser Junge in der Familie is genug, um sie beschefftigt zu haltn. Aber die letzte Zeit bin ich ein brafes Kind gewesn. Ich bin nur eimal zu schpet in der Schule gekommen seit Montag, heit is Mitwoch un das is doch gewiß schön. Ich hab nur eimal in diser Woche dem Lehrer eine Krete unter der Lade gelegt; sie hipfte herfor un er sprang in der Hehe, wi wenn er selber eine Krete wär. Ich hab nur 2 mal Klettn in Kathis Haar geschtekt -- sie mußte ein bischen abschneiden damit sie sie herunterkrigt. Sie soll nich so eitl sein auf ihr Haar -- kleine Medchen werdn sehr leicht eitl, hab ich gehert.
Onkl Samson wollte im Hotell wohnen, aber ich hab mich so gebessert, das er beschlossn hat, einsweiln bei uns zu bleibn. Ich erzehl ihm immer schpeter, was unsre Leite leise sagn, wenn sie wolln das er es nich hert. Er is greßlich neigierig, was die Leite sagn. Ich kann ihm nich mehr Fergnign machn, als wenn ich ihm alles erzehl, was sie ihm schimpfn: alter Knicker, alter Geldsak, alter Geizkragn, alter Lebfirimmer un solches. Er sagt ich bin ein gescheiter Kerl fir mein Alter un er wird mich nich fergessn auf mir zu denkn. Er is noch immer sehr besorgt um seine Augn, weil die Gleser fon Susann ihm nich passn. Aber um zu den Babi zurikzukommen, wi immer in die Bicher schteht. Ich hab es gesehn -- nein, so was! Warum habn sie sich nich wengstens eins ausgesucht, das krichn kann, un Hare am Kopff hat un mit seinen kleinen Onkl Kugl schpiln kann? Dises hir is durch un durch bledsinnig mecht ich sagn, außer das es ein Indjahner is -- warum habn sie nich ein weißes Kind gekauft, damit es anschtendig is wenn es groß wird? Ich fragte meine Schwester: »Zu was fir einen Schtam gehert es?« Sie sagte: »Wahrscheinlich zu den Kickepuhs.« So eine Schande fir di Hackers! Ich glaub sie habn es genommen, weil es billig wahr oder das letzte. Lily umarmt es un kißt es, wi wenn es das sißeste fon alle Babis wär. Sie is zornig wi ein Heuhopser auf mir, weil ich ihm eine Schpennadl heneinschtekte um zu probihrn ob es filleich ein Gummibabi is. Ich glaube sie wird ein Preisbokser wern, wenn sie groß wird -- sie schlug un traf mich heit frih grad ins Aug wi wenn sie Lekzejohn genommen hedt; ich war ganz erschtaunt, wi fest sie hinhaute.
Lil is jetz ebn auf Besuch bei uns, zuhaus, um das Kind herumzuzeign un ich bin deßwegn meistns draußn; ich hab es nich gern, wenn Kinder schrein un dann is jetz auch bald der 4. Juli un wir Jungen habn eine Menge Schpaß im foraus mit Knallrakettn un ehnliche Sachn. Meine 2 zugeheirate Brider, der Tellergrafnbeamter un Onkl Samson gebn mir genug Taschngeld, so das ich mehr Rakettn hab wi die andern Jungen un deswegn sin sie alle sehr freindlich un heflich zu mir.
Auf der Wise for der Schtadthalle schteht eine alte Kanohne. Sie wird am 4. in der frih 100 mal abgefeiert. Ich un Karli un ein par andre Jungen habn ein Haufn Pulwer un wir wolln etwas schpaßiges machn, was der Mann im Zirkuß gemacht hat -- bald, ich glaube morgn. Es is ein tifes Geheimnis aber dir will ichs erzehln libes Tagbuch. Der Kerl im Zirkuß schoß einen Mann aus einer Kanohne heraus. Unsre Kanohne is nich groß genug fir einen Mann, aber fir ein Babi is es sehr bekwem, wenn es klein is. Wir wolln uns also Lil ihres ausborgn, weil es sehr klein is. Aber sie darf es nich wissen, weil sie so drauf Ach gibt, wi wenn es ein Eih wer! Wir wolln Wache haltn, bis es dunkl wird un wenn sie es schlafn gelegt hat un in dem Sallohn hinuntergeht, soll ich mich henaufschleichn, es in seiner Deke einwikln un hinunterbringen, dann machn wir uns auf un davon. Di Kanohne is schon geladn mit einer Menge Pulwer un filleich 20 Kugeln, die wir selber machtn. Wir nahmen ein Schtik Bleirohr aus unsern Wasserbehelter, schmeltzn es un es sind hibsche Kugln, so groß wi eine Walnuß. Ich hoffe es wird den Babi nich sehr weh thun -- ich glaube wengstens -- der Mann den sie aus der Kanohne geschossn habn, wahr nich ein bischen ferletzt. Jimmy Braun will sich das Federbedt fon seiner Großmutter ausborgn, damit wir es dort heneinschißn. Wenn das Babi aus der Kanohne geschossn is, werd ich es schnell nachaus tragn un dann wolln wir noch ein Freidnfeier mit Teerfesser machn -- es is ein großartiger Schpaß.
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Ich winsche die Leite mechtn sich um ihre eignen Sachn kimmern un kleine Jungen auch hier un da einen Schpaß habn lassn. Unser Plahn war ganz gut ausgefihrt -- soweit das wir das Babi aus den Haus trugn un ganz leicht in der Kanohne schtekn. Alles wahr fertig nur mehr die Lunte hinzuhaltn, un ich wollte schon das Kommanderwort zum Abfeiern gebn, wi wir auf eimal ein so greßliches Geschrei hern, das man hedte glaubn kennen, es hat sich jeman die Finger zerkwetscht un Montagu schrie: »Schorschi, Schorschi, halt ein!«
Un da war Papa un Mamma un Susann un Lil un Montagu un Betti un die Kechin in folln Galopp, wi wenn sie um ihr Lebn laufn mißtn, un Montagu riß das Babi aus der Kanohne un Lil fiel nider in Ohmacht wi tot un Susann krigte hesterische Kremfe -- so ein Schpetakl wegn einen Schmarrn fon einen Ding, was for alln nich eimal wert wahr, das man es kaufft! Ibrigns hadtn wir nich die geringste Absich ihm weh zu thun -- das Federbedt war ganz gut feßgemacht.
Mir scheint, Betti wahr so gemein gewesn in dir zu schaun, libes Tagbuch, was ich gestern abens heneingeschribn hab un wi sies gelesn hadte lif sie henein, ob das Babi wirklich fort is un wi sie es nich fand, brachte sie das ganze Haus in Aufruhr. So ein Lerm wegn nichs! Ich halte nich mehr sofiel fon Betti wi früer. Sie hadte kein recht zu lesn, was ich geschribn hab, obwol Lil sagt, sie segnt sie, das sies gethan hat, was wär sons mit ihrn sißn, sißn Babi geschehn.
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Der fierter Juli ferschpricht ein beschefftigter Tag zu wern in unsrer Nachbarschaff. Der Gemeinderat wird Kanohnen abfeiern un die Glokn leitn lassn un wird am Abns um 500 Doller Feierwerk losgehn lassn -- Rakettn, remische Lichter, Kathrinenreder, Treangeln. Bei Tag soll ein großes Piknik sein un das Milletähr maschiert um zehn un alle Fereine mit un noch ein par andre Sachn gehn los, wi die Schtepsl fon Schampanjerflaschn. Ich werd mich gut unterhaltn. Fon finf Uhr frih bis Mitternach wer ich sofihl zu thun habn wi eine Bihne mit lauter Unterhaltungen. Ich hab Papa feierlich ferschprechn missn, das ich nich mit Pulwer schpiln wer -- den Jungen, die Pestoln habn nich auf 10 Schritt in der Näe komm, keine Pestole abfeiern will, un er hat mir ein par schöne Feierwerke gekauft, außer di 2 Pack Rakettn, was ich noch hab. Ich kann sofihl ich will auf eimal loslassn. Es tut mir leid, das ich kein Pulwer habn darf -- aber Papa sagt, er winscht nich das sein einzger Sohn die Finger oder das Augnlicht ferliert, was nich angenehm wer, das is richtig.
Ich soll keine brennende Fresche auf kleine Medchen werfn, was sehr schlecht is zu thun, weil ihre Kleider Feier fangen kennten un sie ferbrennen. Ich darf mit ihnen zum Piknik gehn aber ich bin greßlich unbeschlossn, was ich thun soll. Ich mechte liber die Milletährparahde sehn, un mit der Musik maschiern, aber Susi un unsre Kechin machn eine greßliche Menge fon gute Sachn fir dem Piknik. Wenn ich an die Trommln denk un an das mitmaschiern gleich hinter ihnen, glaub ich, ich werde zur Parahde gehn -- wenn ich den Rosinenkuchn un die jungen Hendl beim bratn rich un den gekochtn Schinkn un Scheleh, bin ich fest beschlossn zum Piknik zu gehn.
Ich glaube der Kongreß sollte dem 4. Juli eine Woche lang dauern lassn, dann kennte ich zu beides gehn. Ibrigns habn wir schon eine Menge Schpaß im forhenein. Alle Artn fon Budn zihn um der Zeit in der ganzn Umgebung herum.
Der kleine Hans darf wider ausgehn, aber seine Mutter will ihm nich erlaubn, mit mir zu schpiln -- es is eine große Fersuchung fir Hansi. Es thut mir leid um ihm.
Unter die Auschtellungen in der forige Woche wahr wider ein Zauberer; Papa wollte mich aber nich hingehn lassn. Er sagt, solche Dinge sin anschtekig wi Maasern. Morgn -- am Tag for den 4. soll punk 3 Uhr ein Ballohn fom Folksplatz aufschteign. Ein Mann wird drin sitzn -- es wird sehr intressan sein. Unser Lehrer sagt, es macht das Gesez fon der Schwere zunichs, weil ein Ding, was leichter is, wi die Luft nich untn bleibn will, wenn man es nich haltet. Gas is leichter wi Lufft, also wird der Mann ihm mit Gas filln, heneinschteign, den Schtrik abschneidn un in der Hehe schteign, wi nur was -- höer un höer --
Oh! es muß prachfoll sein! Ich mechte mein neies Taschnmesser drum gebn, wenn ich mitfahrn kennt. Wenn er mich mitnimmt, gehe ich mit ihm.
* * * * *
Hurrah! Ich gehe! Ich legte die Feder nider un rannte zum Hotell henunter -- ich sagte, meine Schwester Susi besuchn -- aber ich bemihte mich, dem Professor zu sehn, dem der Ballohn gehert un er sagte, wenn meine Eltern mir die Erlaubnis gebn, mechte er sich ein Fergnign draus machn, mich mitzunehmen. Oh, wird das nich ferfl-- wunderbahr sein? Ich hoffe meine Eltern wern nich so grausam sein un nein sagn. Es wird eine ganz neie Erfarung sein, die noch wenig Jungen fon meinen Alter gemacht habn.
Wi schpaßig wird nur die Welt ausschaun, wenn ich so hoh schteig, das die Leite nich greßer wi Flign sin! Ich glaube ich wer meine Eltern nich fragn, aus Angs, das sie nein sagn. Ich wer so hingehn un mir das Glik nich auskommen lassn. Sie werdn ein par papirne in der Nacht fom fiertn schteign lassn, aber sie sin mit unsern nich zu fergleichn. Ich weiß, ich wer heut nacht treimen, das ich henausfall, mein Kopf is so foll dafon. Es war greßlich schpaßig for den Professer einzuschteign un allein in der Hehe zu gehn. Ich kennt hingehn, wohin ich will -- ganz frei -- der erster Junge fon meinen Alter, der je dem Aufschtig allein gemacht hat. Filleich kann ich bis Schikago kommen, dort mich henunterlassn un mit den Eilzug nachaus fahrn. Ich hab mir immer gewinscht, Schikago zu sehn. Oder wenn ich obn blib, bis die Erde sich herumgedreht hat, kennt ich einen Schimmer fon Kinah erwischn, das auf der andere Seite is. Ich mechte gern einen Sak foll Sand henunterschmeißn, un einen Kinehsen erschrekn, der grad seinen Drachn schteign laßt, damit er 20 Fuß in der Hehe schpringt, un die Schnur fon seinen Drachn auslaßt. Ich hab morgn frih noch sehr fiel mit den Professer zu schprechn, damit ich weiß, wi man dem Ballohn lenkt. --
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