Tagebuch eines bösen Buben

Part 11

Chapter 114,185 wordsPublic domain

Minni un Luzi lign krank im Bedt -- eine hat die Breine die andre Lungenentzindung -- aber ich herte den Dokter zu Susann sagn, sie sind außer Gefar, also wozu der ganze Schpektal? Man kennte glaubn ich hab die ganze Welt umgedreht un alle kleinen Medchen falln herunter. Ich dachte ihre Eltern werns gern habn, wenn sie fromm sind -- anschtatt das erzehlt mir Betti in Fertraun, das Herr Willer sich eine greßliche heßliche Hunspeitsche gekauft hat un mich gut durchgerbn will, wenn ich das erstemal auf der Schtraße komm.

Er is ein schundiger, heßlicher, gemeiner, alter Kerl! Er is fiermal so groß wi ich un es is eine Feigheit einen um sofiel kleinern zu prigln. Wenn Dokter Moor zu mir kommt, mir den Hals zu pinsln, wer ich ihn fragn, ob er mein Sekundann sein will. Ich glaube der alte Willer wird sich nich traun, mich zu prigln, wenn er hert, der Dokter is auf meiner Seite.

* * * * *

Ich fragte dem Dokter heut, ob er mein Sekundann sein will. Er sagte: »Wills du dich duellihrn, Schorschi?« un lachte.

Ich sagte ihm, das der alte Willer sich eine Hunspeitsche gekaufft hat, aber ich glaube, das es mir zukommt, die Waffn zu wehln.

Er sagte, das glaubt er auch -- was ich also wehln wirde? Ich dachte un dachte -- zuletz iberlegte ich mir, er is so file greßer wi ich, das ich mich liber ferschtekn will, bis seine Wut foriber is. Ich sagte also dem Dokter, ich will durch den hintern Geßchen in der Schule gehn, damit Herr Willer mich nich erwischt.

Er sagte, das er selber glaube: »Klugheit is der beßre Teil der Tapfferkeit«; aber ich wer doch ein paar Schteiner in der Tasche schtekn, das ich immer forbereitet bin. Ich weiß nich wie so ein kleiner Kerl wi ich sich seines Lebns freun soll, bei der Pestole fon Henschens Mutter un Herrn Willers Hunspeitsche!

Es is eine Schmach un Schande wi ich fon hoch un nider behandlt wer. Wenn ich wißte ob Seeleite oder Trapper das beste Lebn habn, so kennt ich meine Forbereitungen machn -- so muß ich bis nach der Hochzeit wartn um durchzugehn, das is bis ibermorgn.

Ich hoffe, mein Hals wird gut sein bis dorthin, damit ich bei den Gastmahl dabei sein kann. Es were eine Schande fir einen Jungen mit meinen Appetitt einen wehn Hals zu habn, wenn seine Schwester heiratet. Ich wollt ich kennt jemandn meinen Hals ferkaufn. Kranksein is schreklich fad. Mamma sagt, was ich fon den armen Hansi denke, der seks Wochn im Bedt lign muß? Ich sagte ich bin froh, das ich nich er bin. Ich bin nich so dumm auf einem Baum zu kledtern um einen Drachn zu holn. Ich weiß nich, was ich anfangen soll, damit die Zeit fergeht. Ich bin ganz gesund, nur schtekt etwas in meiner Schlukrehre; aber Betti will mich nich anzihn lassn, sie hat meine Kleider aus'n Zimmer genommen -- wenn ich ein guter brafer Junge bin, darf ich morgn aufschtehn. Ich muß schaun, das ich bis zur Hochzeit gesund bin.

Betti erzehlte mir, mit den dummen Tellergrafnbeamtn, der nich gescheit genug wahr, Elsbett glaubn zu machn, das er die Blumen beschtellt hat, is wider alles gut un er is ferlobt mit Elsbett. Betti hat so fiel zu thun, das sie herumfligt, wi eine Henne mit einen abgeschnittenen Kopff -- selbs Mamma wahr heut blos eimal bei mir, so eine Hochzeit gibt schreklich fiel Erger.

Oh wi fiel Schpaß geht mir ferlorn, hir eingeschperrt un die andern so beschefftig wi di Bihnen. Ich herte heut frih den Dokter un Susann im Forhaus lachn, nachdem er bei mir wahr meinen Hals ansehn. Er sagte: »Sein Hals is kaum ein bischen schlecht, aber ich will ihm glaubn machn, das er gefehrlich krank is, bis wir sicher verheiratet sin mein Kind. Der bester Platz fir einen Jungen wi er is das Bedt« un meine Schwester lachte un sagte: »Es is eigentlich ein schlechter Schpaß fir dem armen Schorschi,« aber er sagte: »Er ferdint es, weiß Godt was passihrt, wenn der Bub dazwischn kommt.«

Ich hab gebritet iber dem, was ich gehert hab. Es is ein schmachfolles Konplott mich aus den Weg zu bringen. Ich glaubte er is mein Freund! Un Susi is mit in den Konplott! Ich glaube kein Junge is noch je so schlecht behandlt worn.

Er hat mir Brechwurtz gegebn, das ich mich krank fihln soll! Ich soll in Bedt lign un Brechwurtz bekommen schtatt Kuchn un Krehm un Salaht un Hendl un schtatt guter Unterhaltung auf der Hochtzeit. Ich dachte der Dokter is ein anschtendiger Mensch aber mir scheint er is ein greßlicher Heichler.

Macht nichs, es gehern 2 dazu.

* * * * *

Also meine Schwester is schon Frau Dokter Moor. Sie sin auf der Hochzeitreise in unbekannte Lender. Es is Fride un Rue im Haus un Bettis Fiße kennen sich ausruhn. Sie sagte, sie thun ihr weh wi Zahnschmerzn, wi sie sich zu Bedt legte -- forderhand fir einer Woche -- aber Susann gab ihr fier fon ihre alte Kleider, die nich gut genug fir einer Braut warn, un die habn die Schmerzn prachfoll kurihrt. Ich hadte trotz allen eine sehr gute Unterhaltung auf der Hochzeit. Dokter Moor liß mich im Bedt lign, un gab mir Brechwurtz, alle 4 Schtundn eimal, aber ich schpukte es jedesmal aus. Ich blib aber in Bedt un echzte un schtellte mich greßlich krank un wi wenn ich nich schlukn kennt. Ich las dem ganzn Robinson un die Familje Robinson 3 mal, wi keiner schaute un am nachmitag fon der Forschtellung -- di sehr nobl um finf Uhr wahr -- kam Mamma herauf zu mir un sagte es tut ihr sehr leid, das ich nich mitkommen kann un auch dem Dokter, aber es were nich gut schon aufzuschtehn. Oh wi ich lachte, wie sie draußn wahr! Denselbn Momment hadte ich auch schon meinen Plahn fertig ihm grad so firn Narrn zu haltn, wi er mich wollte.

Ich konnte keine Kleider findn, außer ein paar zerißne Hosn in die ich den ganzn Winter den Higl hinuntergerutscht bin, weil Betti sie alle fortgetragn hadte, un meine Pantoffl aber es ging ganz gut, weil ich mir eine Deke fon Bedt nahm un durch den Gang in ein Hinterzimmer schlipfte -- fon dort kledterte ich auf das Dach fon der Kiche un auf der Regnrehre hinunter ibern Zaun un rannte wi der Blitz durch die Gasse, weil schon keine Zeit mehr zu ferlirn wahr, dann durch eine Hintergasse un bis ich sicher wahr lif ich schnurgrad zur Kirche. Die Leite warn noch nich drinnen -- ich war zufleiß so frih gekommen -- aber der Meßner hadte schon aufgeschperrt un fing an die Lichter anzuzindn un wi er sich umdrehte, schlipfte ich hinein ferkroch mich unter der Kanzl un wiklte mich in der Deke ein, wi wenn es das weiße Gewand fon den Predger wer un lag ruig.

Ich war schtill wi eine Maus, wehrend der ganze Zeit, in der die ganze Befelkerung fon der Schtadt in der Kirche hereinschtrömte. Jeder Sitz wahr angefropft, obwol ich sie nich sah, herte ich sie doch raschln un wispern.

Nach langer langer Zeit, wi mir schon die Knie wehtatn, herte ich enlich sagn »da kommen sie!« Herr Slokem kam for der Sakrestei herein, die Orgl schpilte sehr sanff un die Zermonih fing an. Ich wartete bis zu der Schtelle wo er sagt: »Wenn jemand gerechte Grinde oder Hindernisse diser Ehe forzubringen hat --« dann schprang ich grad auf der Kanzl un sagte laut un deitlich: »Ich habe, Herr Geißlicher.«

So eine Menge fon iberraschte Gesichter hab ich noch nie gesehn. Die meistn fon ihnen schtandn auf un die Weiber krischn, wi wenn ich ein Bär wer. Susi wurde so bleich wi ein Geschpens un pakte den Dokter bein Arm, wi wenn si sich firchtn mecht, das er ihr fortlauft. Mamma un Papa un der Dokter echztn ein bischen -- ich glaub sie fihltn sich entmutigt. Wi Herr Slokem noch heraufschtarrte um zu sehn, wer es is, redete ich schnell weiter, weil ich firchtete, das sie mich nich ausredn lassn.

»Ich mechte wissn ob es schön is gegn einen kleinen Bubn einen Dokter zum Schwager krign, der herzlos genug is, forzugebn, das er krank is un ihm Brechwurtz zu gebn um ihm im Bedt zu haltn, damit er nich mitkommen kann, wenn seine leibliche Schwester heiratet?«

Oh wi sie alle lachtn, nur unsre Leite nich. Es is sehr heßlich auf solcher Weise in der Kirche zu lachn, wi si tatn. Ich bin filleich ein schlechter Junge aber ich lache oder wisple seltn in der Kirche.

Dokter Moor schaute grad herauf un sagte: »Komm nur herunter Schorschi un nimm dir einen Fordersitz. Du schlägst mich jedesmal. Ich werds nich wider thun.«

»Gut,« sagte ich, »Herr Slokem die Forschtellung kann weiter gehn, aber ich bitte um Entschuldgung, das ich nich herunter kommen kann, weil Betti mein Sonntaxgewand ferschtekt hat -- ich will bleiben, wo ich bin.«

So wurdn sie enlich ferheiratet, aber ein paar unanschtendige Persohnen fingen grad bei die feierlichstn Schtelln zu lachn an.

Ich glaube, theires Tagebuch, meine Familje hat eine Lekzejohn bekommen -- nich so ungerecht gegn einen zu sein, der manchmal etwas anschtellt, aber meistns sich anschtrengt ein guter Junge zu sein; seitdem bin ich sehr gut behandlt worn. Keiner scholt mich ein Wort, sondern sie nahmen mich im Wagn wi wir nachaus fuhrn un Betti gab mir gleich meine Kleider, so das ich mich zum Essn fertig machn konnte. Lilly un Montagu setztn mich zwischn ihnen, un gabn mir alles gute zum essn. Ich wahr greßlich hungrig nach so fihl Tee mit Butterbrod. »Schorschi,« sagte Lil, »ich sehe du bist noch nimmer so schlimm, wi früer« un sie lachte un lachte. Aber ich herte dem Dokter zu Susann sagn, das er seine Absich in betreff ihres zusammenwohnens mit uns geendert hat -- sie mißten im Hotell wohnen. Ich mecht nur wissen, warum?

Im Löwenkäfig

Der Doktor sagt es is noch nich die richtige Zirkußsesohn, aber nechstn Freitag kommt doch einer. Er hat mir 50 Cent gegebn, damit ich hineingehn kann.

Der Dokter is ein ferflu-- liber guter Bruder. Ferflucht is gemein -- es is gut genug, wenn man Kugl schpillt, aber nich fir ein Tagbuch. Ich lern jetz hibsch schnell. Ich lese die Zirkußplakäter, damit ich besser bukschtabirn lern. Manchmal komm ich deswegn zu schpet, aber sie sin intressanter wi das zweite Lesebuch. Ich kann bukschtabirn: »Akrobat,« »Saltomortale« un noch ein paar lange Werter fon die ich for ein par Tage noch nichs wußte.

Ich glaube, wenn in der Schule anschtatt Lesebicher Zirkußplakäter wärn, mechtn die Schiler schneller lernen. Es is ein Zirkuß un Menascherih zugleich. Auf dem Plakat schteht, Kinder kennen dort Nathurgeschichte lernen mit alle der wunderbare Ferschidnheit der Thire un die Eltern un Lehrer wern gebetn ihnen einem Tag freizugebn.

Heit wahr ich bei der Tafl draußn un sollte eine Zaal durch einer andre diwidihrn; die Bubn lachtn alle un der Lehrer sagte erns: »Georg Hacker, du bekomms 10 Punkte fir ungeheriges Betragn!«

Ich wußte nich was geschehn war, bis ich auf der Tafl schaute. Aber was wahr da anschtatt eine Zahl! Ein großer diker Ellefant mit seinen Rissl!

Ich glaub, ich muß an der Natuhrgeschichte gedacht habn.

Papa sagt, wenn ich disn Freitag nich ein gutes Fleißbichl nachaus bring, so wird er mir nich erlaubn, zu gehn. Ich hoffe er wird mir Geld gebn, damit ich gehn kann, weil ich die 50 Cent, die mir der Dokter gegebn hat, fir Karlchens Taschnmesser ausgebn mußte -- meines hab ich fir Jimmys Balln ferteischlt, weil es der greßte war.

Der Fleischer hat das Ponni dem Richter fir seiner Tochter ferkauft. Papa sagt, es hat ihm mehr gekostet als die 40 Doller die das Ponni gekostet hedte, die Beschedigungen reparihrn zu lassn, wi er nachaus kam. Das is immer mein Pech. Wenn irgendwas im Haus geschiht, bin ichs immer, ders getan hat. Wenn ich fon der Kanohne herausgeschossn wern mecht, oder ein Reiter auf den ungesadtlten Ferd wer, gings mir besser. Mann sollte glaubn, erwaksene Leite mechtn sich firchtn, das ihre Kinder ihnen dafonlaufn un Seiltenzer oder Trapehzkinstler wern, wenn sie zuhaus so elend gemacht wern. Auf dem Plakaht is das herzegste kleine Poni, was ich je gesehn hab, mit einen Jungen fon meiner Greße. Ich war gestern di ganze Nacht auf, weil ich sofihl dran dachte. Offt un offt bin ich zubedt geschikt worn wegn irgnd einen kleinen Zufall. Alle sin gegn mir. Ich schau immer, das ich nich in der Patsche komm, aber unsre Schtadt is so foll dafon, das ich nich anders kann. Ich wer ausgelacht un ferschpottert, als wenn ich der schlechste Junge auf der Erde wär. Der Gemeinderath droht meinen Fatter, mich zu beschteiern. Fir einen Hund zahlt man 1 Doller; sie sagn fir mich muß er mindestens 1000 Doller im Monath = 12 000 im Jahr bezahln.

Ich wer der Prozeßjohn filleich eine Meile for der Schtadt engegn gehn. Karli un ich gehn mitsamm. Der arme Hansi! Sein Fuß wird nich frih genug gut sein, das er auch gehn kann. Es tut mir sehr leid, das er nich im Zirkuß gehn kann. Ich weiß ganz genau, was er fihln muß. Papa gab mir gestern 50 Cent, weil ich fir ihm herumgelaufn bin, aber ich firchte, ich wer den Ferehrer fon Elsbett fragn missn, was er tun wirde, wenn er gern im Zirkuß gehn mechte un kein Geld hedte, weil ich meines fir 3 Porzjohnen Gefrornes ausgegebn hab -- Oransch, Wanillje un Lehmoni. Es wahr gestern abens so heiß un ich wollte gern wissn, welches mir am bestn schmekt, un Mamma sagt ich soll nich zweimal fon demselbn ferlangen.

Also sagte ich gestern dem Tellergrafnbeamtn ob er Zirkusse gern hat, weil ich sie sehr, sehr gern seh aber kein Geld hab mir den Antreh zu bezaln. Er sagte es tut ihm sehr leid -- aber er schenkte mir keins. Wenn Elsbett ihm heiratet, wird sie's sehr schlecht habn -- er is ein Geizkragn. Ich sah ihm zu Elsbett winkn, wi ich fon dem Zirkus redete -- ein nobler Mensch winkt nich. Zuletz mußte ich Papa sagn, ich will den Gartn fir 50 Cent ausjetn -- 2 Schtundn lang, weil Sam krank is, der in unsern Gartn arbeitet. Papa sagte ja. Es regnte ein bischen un wi ich fon der Schule zuhauskam, arbeitete ich, wi ein Schklafe, bis der Tee fertig war. Godt, wi mid wahr ich! Ich glaubte, mein Rikn is gebrochn, aber Elsbett sagte, es is lang nich so fihl Plage, wi iber den Rikn fon di Jungen bockschpringen -- das zeigt, wi wenig junge Medchen wissn.

Papa kam nach den Nachmal hinaus, um zu schaun, wifiel ich gearbeitet hab -- mechstu es glaubn, libes Tagbuch, das ich alle junge Zwibl ausgerissn hadte, trozdem Papa mir ausdriklich gesagt hadte, welches welches ist. Mir scheint, ich wer nie die 50 Cent bekommen, um in den Zirkuß zu gehn.

* * * * *

Theires Tagbuch, ich kann ebnsogut mit den Anfang anfangen. Der Zirkuß is gekommen un wider fort wi ein schener Traum. Karli un ich gingen ihnen engegn. Wir warn so aufgeregt, wi wenn wir dazu gehert hädtn. Zuers lifn wir mit den Wagn, wo die Musikk wahr dann wolltn wir foraus laufn un das ganze bei uns forbeimaschihrn lassn -- Rinozerösser, Hippotamusse, 2 lebendige Ellefantn, einen Schiraffn der so einen schpaßign Schlukhals hat, weil er den ganzn Weg hinunter schmekn kann, wi gut es is, einen firchterlichn Tiger, 2 schrekliche Lewn, die sie dazu haltn, damit ein Kerl ihnen den Kopff ins Maul schtekt, um zu probihrn ob sie beißn wolln, dann ferschidne wilde Bestjen zwischn die auch ein par sehr hibsche Medchen warn -- fiel hibscher wi Susi un Lil, auf den Rikn fon den Ellefanten un fon den bukligen Dingern auf welche die Kamehlhaarschahle waksn -- ich weiß nich wi sie heißn.

Es wahr fiel hibscher, wi die letzte Milletärparahde am 4. Juli. Ich kam um mein Essn -- aber ich fergaß ganz dran, hungrig zu sein, weil ich zusehn mußte wi di Kerle das Zelt aufschtelltn un wi ich nachaus kam, hadte ich grad nur Zeit das Schtik Pasthehte zu essn, das mir Betti aufgehobn hadte. Sie leihte mir 10 Cent auf Ingwerkuchen zum Ellefantnfittern un 5 Cent um mir ein Glas Lemonahde zu kaufn un dann wahr ich schon weg, wi der Bliz. Ich dachte nich dran, was mir noch alles passihrn wird, befor ich wider nachaus komm. Elsbett wollte auch abens gehn -- ich brauch nich zu sagn mit wem. Ich fragte Mamma, ob sie auch gehn wird, aber sie sagte, sie macht sich nichs draus. Es is sonderbahr, das Leite so alt wern kennen, das ihnen schon gar nichs mehr dran ligt, wenn der Zirkus in der Schtadt kommt.

Wi ich bei Peters Ladn foriberging, fiel mir ein ich kann gleich ein Loth rotn Feffer kaufn. Ich kann ihn brauchn, wenn ich eimal helfn muß Gullasch machn. Ich kauffte auch ein par Schtik Bekerei fir den Ellefantn un dann ging ich zeitlich hin, damit ich noch die Thire sehn kann, befor der Zirkuß anfangt. Es wahr greßlich, greßlich komisch zuzuschaun wi die Affn nißtn. Ich lachte mich beina in Schtike. Der Werter sagte, irgndein beser nichsnutziger Junge muß Feffer in ihrn Kefig geschtreit habn un wenn er ihm erwischt, wollte er ihm hinauswerfn un arretihrn lassn.

Er wahr so zornig wi nur was un so ging ich heniber zu die Ellefantn. Ich gab dem großn ein Schtik Kuchn, aber Ellefantn sin so undankbar wi Republikn -- (sihe mein Schullesebuch) -- un er hadte es nur grad henunter geschlukt, wi mir etwas passihrte -- ich wußte nich was -- meine Zehne klappertn zusamm, wi wenn ich Wirfl schpiln mecht, un bums! flog ich in der Hehe bis zu der Schpitze fon den Zelt -- ich glaubte, jetz is es aus mit den armen kleinen Schorschi, aber ich fihl zum Glik grad in einen Wagn foll Loe, dem sie in den Kreis henein schittn wolltn. Der nidertrechtige Ellefant wahr gifftig geworn, blos weil ich ein kleines winziges bischen Feffer in seinem Kuchn gegebn hadte. Der Werter mußte sich geherig plagn, bis er ihm wider ruig machte. Er schittlte die Faust zu mir un sagte es lege ihm nix dran, wenn ich mir den Kopf eingeschlagn hedte -- ibrigns wahr er so obn ein bischen geschwolln, un ich fihlte mich so seltsam un setzte mich deßwegn auf meinem Platz um zu wartn, bis die Forschtellung anfangt. Ich wahr es mid, freindlich zu die Thire zu sein.

Der Kopf tat mir ein bischen weh aber ich hadte einen fergnigten Nachmitag. Die Forschtellung wahr wunderbahr -- kein Schwindl -- un der dummer Auguß war großartig. -- Ich glaube, ich wurde rot wi er for alle Leite auf mir zeiget un sagte: »Was fir eine Ehnlichkeit hat der kleine Junge mit Jonaß?«

Der Schtallmeister konnte es nich erratn.

»Der Ellefant hat ihm ausgeworfn,« sagte er.

Die Leite lachtn aber er muß die Bibl sehr schlecht kennen -- es wahr doch kein Ellefant der den Jonaß auswarf -- aber es ligt nichs dran, ich unterhilt mich doch sehr gut.

Das dressihrte Poni war wunderbahr un wi die junge Damen durch die Reifn schprangen -- es schauerte einen dabei. Oh wi ich dise kleinen Jungen beneiderte die Burzlbeime machtn un am Kopf fon ihren Fater schtandn! Ich seifzte, das mein Fater kein Akrobaht is. Ich glaube ich kennt grad so gut auf seinen Kopf schtehn wi sie, wenn er nur das Haus ferkaufn mecht un zum Zirkuß ginge -- aber er hat gar keinen Ergeitz. Wenn ich groß bin, kann ich mir meine Profeßjohn selber wehln.

Ich wahr nich mißig wehrend sie schpiltn. Ich dachte nach. Nich mehr fon meiner ganze Faterschtadt ausgelacht wern; nich mehr ein par 100 mal in Tag ein böser Bub genannt wern, keine Schule mehr -- kein auszankn! Ich werde das Zirkußgeschefft lernen.

Nach der Forschtellung ging ich Susann besuchn. Ich hoffte sie wird mich zum Nachmahl einladn, weil sie im Hotell wohnen, un wenn wir essn gehn, kann sein, das ich ein par fon dise Kerle ein Trikoh seh -- aber sie missn sich wahrscheinlich selbs kochn.

Ich war enteuscht.

Ich sagte zum Dokter, wenn ich 50 Cent hedte, mechte ich wider zur Abendforschtellung gehn aber Susi sagte: »Nein, eimal is genug un du wirdest zu schpet nachaus kommen.«

Ich lungerte herum, bis ich sie weggehn sah; sie gingen mit die andern jungen Leute am Abens.

»Nun Schorschi, mein Junge lauf direk nachaus, sei ein guter Junge, damit Mama nich besorgt is!« sagte Susann.

Ich hadte Zeit. Mein Plahn war fertig. Ich schpilte mit den Jungen auf der Schtraße bis filleich 9 Uhr; dann schlipfte ich henaus zum Hotellschtall, lif kwer durch, kam hinter den großn Zellt herfor, wo alle Wagn schtandn, die nich drinnen warn, kraxlte in einem fon dise Wagn un wiklte eine Deke oder was es war um mir, damit sie mich nicht endekn un lag un wartete. Ich wußte sie wirdn um 2 in der Nacht wegfahrn; ich herte, wi die Menner es sagtn. Ich wollte mitgenommen wern; dann am nechstn Tag, wenn sie mich findn, wollte ich sagn, ich bin ein Weisnknabe un will das Geschefft lernen. Dann wern sie mich aufnehmen un auf die Plakether druckn lassn: »Der kleiner Schorschi, das Wunderkind, dessn Produksjohnen in der Akrobatih alles dagewesne ibertreffn.«

Ich muß eingeschlafn sein, obwohl ich mich fest anschtrengte, wach zu bleibn. Wi ich aufwachte, war der Wagn in Bewehgung. Ich konnte di Schterne scheinen sehn un das machte mir ein bischen Heimwe, aber ich blib ganz ruig, weil ich nich wollte, das sie mich früer findn, als bis wir sehr weit weg sind, damit sie mich nich mehr zurikschikn kennen. Ich konnte nich mehr fest einschlafn; der Wagn waklte un der Kutscher schrie greßlich zu die Ferde, wenn er zohnig war. Dann auf eimal kam ich ganz auf -- es fing an licht zu wern un ich konnte die Zeine un die Bäume sehn. Ich bewegte mich ein bischen, weil mir die Fiße so schteif warn un dann brillte etwas! Das Hertz schtand mir schtill un dann klopfte es so laut, das es mir wi 1000 Donner in die Ohrn klang. Ich traute mich nich zu bewegn un die Fiße tatn mir greßlich weh. Ein bischen schpeter drehte ich meinen Kopf um filleich ein Zoll un ich sah einen Lewen. Ich wahr in seinen Kefig. Er lag gans ausgeschtrekt, di Nase auf die Fotn un blinzlte mit seine gelbn Augn auf mir, wi wenn er sich denkte, es is ein guter Witz. Oh mein Tagbuch, wenn ich auch so alt wer, wi Metuslem ich werd nie, nie das Gebrill fergessn, das er dann machte! Werter kennen es nich beschreibn. Un da lagn wir, ich, der kleine Schorschi zusamm mit den Lewen. Es wurde lichter un lichter. Er lag un blinzlte zu mir, wie wenn es Schpaß wer. Ich konnte nich hinschaun. Wenn ich mich nur das kleinste bischen bewegte, so brillte er. Ich war gelehmt fon Schreken. Ich sagte meine Gebete noch un nochmal. Ich dachte an Mamma, an Lily, an Betti, wie gut alle zu mir sind un wi godtlos es fon mir is wegzulaufn un der Lewe blinzlte jedesmahl wi wenn er sagn mecht: »Zu schpet! Du hedtes früer dran denkn solln, kleiner Schorschi; warte nur bis zu meiner Früschtikzeit. Du wirst nur 2 Bissn machn, wenn ich hungrig bin.« Oh es war greßlich! Die Zeit ferging schreklich langsam. Es wurde heller Tag. Dann fing der Lewe an, mit den Schweif zu wedln un sich das Maul zu lekn. Ich glaube, ich wurde ohmechtig.

Wi ich zu mir kam, lag ich auf den Gras. Ein par Menner schtandn um mir; die ganze Prozeßjohn war schtehn geblibn. Irgndwer hadte mir Wasser im Gesicht geschidtet. Ich setzte mich auf un fragte: »Hat er mich doch nich aufgefressn?«

»Fiehl hat nich gefehlt,« sagte der Kutscher. »Wi um Gotteswilln bis du in den Kefig fon Zihcero gekommen?«

Ich erzehlte ihm, wi ich in den Wagn kraxlte, weil ich das Zirkusgeschefft lernen wollte. Alle dise grobn Kerle lachtn un sagtn ich soll nachaus gehn zu meiner Mutter.

»Du kannst noch fon Glik sagn,« sagte der Kutscher. »Wir lißn den altn Zicero in seinen Kefig, weil er krank wahr, aber wi bis du hineingekommen?« Ich erzehlte ihm, das ich etwas aufmachte, was ich fir eine Thir hilt, ich drehte einen Griff um un machte die Thir auf un hinter mir wider zu -- es war eine Schibthir un ich legte mich ganz ruig nider. Dann erzehlte er mir, das er den Lewen brilln herte un beim zurikschaun mich im Kefig sah un zutot erschrokn wahr. Er holte mich, so schnell er nur konnte, heraus; er mußte den Lewn mit seiner Peitsche prigln. So fuhr ich also mit ihm auf dem hoen Kutschbok bis zu der nechste Schtadt un dann gab ich das Zirkußgeschefft foller Ekkl auf.

Ich kam schpet nachmitag mid un mit Fußschmerzn zuhaus an. Die Leite warn erfreit, ihren schlechtn Jungen wider zurik zu sehn. Sie emfingen mich, wi den ferlornen Sohn. Es war kalter Schinkn da, gebakne Erdepfl un Waffln mit Sirupp zum Tee. Ich glaub, es hat mir noch nie so gut geschmekt. Unser Haus is ein sehr angenemes Haus un mir scheint, es ligt mir nich mehr sofihl dran, auf den Kopf fon meinen Fater zu schtehn, wi früer. Pianofor hat Recht:

Die abgeschepffte Milch als Sahne sich ferschtellt -- Es sind die Dinge nie wofir der Mensch sie helt.