Sünndagsklocken: Stadt- un Dörp-Predigten
Part 3
Der Studiendirektor Fleisch hält dies zwar auch für das Ziel einer Entwicklung, die anzustreben und zu erhoffen ist, aber er macht es von der Vorbedingung abhängig, daß zuvor das Plattdeutsche auch wieder Schriftsprache werde. Er sagt: »Das notwendige Korrelat zur plattdeutschen Predigt ist m. E. die plattdeutsche Bibel, das plattdeutsche Gesangbuch und plattdeutsche Erbauungsschriften. Ohne dieses schwebt die plattdeutsche Predigt in der Luft.« Mit plattdeutschen Predigten anfangen heißt ein wenig das Pferd am Schwanze aufzäumen. Doch verwerfe er vereinzelte plattdeutsche Predigten bei besonderer Gelegenheit nicht. — Fleisch begründet seine Stellungnahme mit dem Hinweis darauf, daß erst die von ihm gestellte Vorbedingung das Vorurteil überwinden könne, welches mit der Vorstellung des Hochdeutschen als der »_heiligen_« und »_gebildeten_« Sprache verbunden sei.
Diese abwartende Haltung würde wohl geeignet sein, das erstrebte Ziel in unerreichbare Ferne zu rücken. _Denn u. E. würde gerade die plattdeutsche Predigt, und sie allein, es sein, die, zur allgemeineren Uebung gekommen, die erforderliche und beständige Antriebskraft besäße, die kirchliche plattdeutsche Bewegung in Fluß zu halten und zu fördern. Wir haben weder Ursache noch Zeit, mit der plattdeutschen Predigt länger noch zu warten._
Die Schwierigkeiten, welche der plattdeutschen Predigt entgegenstehen, sind zu überwinden. Nachdem vielfach die Städte vorangegangen sind, ist ein Vorurteil der Landgemeinden zu heben, vorausgesetzt, daß der Pastor die Sprache beherrscht und guten Geschmack beweist, sich auch in der plattdeutschen Predigtsprache eines edlen und gehobenen Ausdrucks zu bedienen.
Die Gemeinde hat dafür ein feines Verständnis und urteilt ziemlich sicher. Nicht jedes drastische Bild und nicht jeder kräftige Ausdruck sind der Würde kultischen Gebrauchs angemessen. Man sollte lieber zu vorsichtig, als nachlässig sein. Cl. Harms sagt: »auf jeden Fall befleißigen Sie sich eines feineren, edleren Plattdeutschen, als wie Sie es hören von dem gemeinen Mann. Wenigstens der derben groben Ausdrücke haben sie sich durchaus zu enthalten. — Man irre sich nicht, das platte Plattdeutsch macht den Prediger keineswegs im guten Sinne des Wortes, auch bei den so Sprechenden nicht einmal populär.«
Eine andere Frage ist, ob auch die _Liturgie_ des Gottesdienstes überhaupt, oder jetzt schon, plattdeutsch zu gestalten sei. Wir gehen davon aus, daß in demselben Gottesdienste unbedenklich zwei Sprachen nebeneinander gebraucht werden können. Man erinnere sich, daß z. Z. des Herrn in der Synagoge der hebräischen Lektion die Auslegung in der Volkssprache folgte, daß in der römischen Kirche neben der lateinischen Messe die deutsche Predigt steht, und daß auch unsere alten lutherischen Kirchenordnungen für die Städte lateinische Lektionen neben den deutschen vorsahen.
Meistens ist bisher wohl dort, wo plattdeutsch gepredigt wird, auch die _Liturgie_ plattdeutsch gehalten worden, bald in eigener Uebertragung, bald in Anlehnung an Vorbilder, wie sie gelegentlich gedruckt und verbreitet sind. Wer an den sprachlichen Eigenarten fremder Vorbilder Anstoß nimmt und eine eigene Uebertragung nicht wagt, bleibe ruhig bei hochdeutscher Liturgie, denn auch sie hat ihr Recht neben der plattdeutschen Predigt. Das hochdeutsche Gesangbuch und die hochdeutsche Bibel sollen doch nicht verdrängt werden. An der hochdeutschen Form der alten Kernlieder haften bei den älteren Gemeindegliedern unvergeßliche Erinnerungen und große Gemütswerte. Die Jugend hat sie im Unterricht gelernt, und sie werden ausgiebig erklärt. Hingegen manchen Uebersetzungen haften Mängel an, und geeignete plattdeutsche Originale sollen sich erst einbürgern. Auch die altvertrauten Schriftabschnitte mögen in der Liturgie hochdeutsch gelesen werden, wenn der Pastor es vorzieht und es der Gemeinde lieber ist. Gerade eine gute plattdeutsche Uebertragung würde oft eine solche Veränderung der Form bedingen, daß sie den Hörer vielleicht zunächst befremden möchte. — Im ganzen mag es der Entwicklung vorbehalten bleiben, welches Recht dem Plattdeutschen im liturgischen Teil des Gottesdienstes eingeräumt wird.[1]
Wie oft in größeren Städten ein plattdeutscher Gottesdienst einzuschieben ist, wird sich aus Erfahrung, Bedürfnis und Erfolg von Ort zu Ort ergeben. In Dorfkirchen wird sichs wohl empfehlen, monatlich einmal plattdeutsch zu predigen.
Es konnten im Vorstehenden nur Andeutungen und Anregungen gegeben werden. Es müssen erst viele Erfahrungen eines längeren Zeitraums aus den verschiedenen niederdeutschen Volksgebieten gesammelt und verarbeitet werden, um hier zu Klärungen, dort zu Berichtigungen und endlich zu gewissem Abschluß zu führen.
Die vorliegende Sammlung möchte die Entwicklung fördern und dem niederdeutschen Kirchenvolke einen Dienst erweisen. Gott geleite sie mit seinem Segen!
[1] _Plattdeutsche Kirchenlieder_ sind u. a. verfaßt und herausgeben worden von P. _Hansen_, Kropp i. Schleswig, P. _Walter Schröder-Stettin_, (Plattd. Kirchenleeder un plattd. Gottsdeinstordnung. Verlag: Ev. Presseverband für die Prov. Pommern. Stettin, Elisabethstraße 69. Pr. 1 Mk.) und P. _Fr. Bardey in Wismar_, (En lütt plattd. Gesangbauk, 1. Winterhalfjohr. Vom Vf. zu beziehen.)
1.
Plattdütsch Predigt
äwer Gal. 5, 16-25 hollen in de Paulskirch to Schwerin von P. _Studemund_.
Wat meint de Apostel, wenn he schriwwt: Dat Fleisch is gegen den Geist, un de Geist is gegen dat Fleisch?
Ick will twei Geschichten vertellen, de uns dat wisen, un des Geschichten sünd würklich passiert. Vor god 100 Johr lewt de Freiherr von Stein. He wir lang Tid Minister, un ick wull, wi hadden ok hüt so’ne Ministers as he wir. Mal hedd em en Herzog inladt un bei Disch wiren ok en ganz Deil jung Leutnants. As se nu all länger bi Disch seten hadden, füng de Herzog an, sönne Geschichten to vertellen, as anständig Lüd nich vertellen söllen. De Herzog lacht lud öwer des Geschichten, un de Leutnants lachten sik ok. Freiherr von Stein set dor mit ’n irnst Gesicht. He säd sik: Dat darfst du nich mit anhüren, du möst den Herzog seggen, dat dat Unrecht is, sönne Geschichten to vertellen. Äwer en anner Stimm in em säd: Lat dat, dat giwwt nen groten Krach, du weißt, wo upgeregt und wütend de Herzog warden kann. Wat geiht di dat an, wat de Herzog vertellen deiht. Min leiw Fründ, hier hewwen wi dat, wat Paulus meint, wenn he seggt, dat dat Fleisch gegen den Geist, und de Geist gegen dat Fleisch is. De Geist, dat Gaude in em säd: Du darfst dat nich ruhig mitanhören, un dat Fleisch, de oll Minsch in em säd: Verbrenn di dorbi de Fingern nich. De Freiherr von Stein ded, woto de Geist em drew. He säd: »Ick heww mi ümmer argert öwer smutzig Geschichten, un ick holl dat nich vör Recht, dat en Herzog to jung Leutnants sönne Geschichten vertellt.« Dat würd bi des Würd dodenstill. De Lüd, de dor wiren, würd’ dat heit un kolt. Se kennten den Herzog. Äwer de sweg en Ogenblick still un füng denn an, von anner Saken to reden.
Noch en Geschicht: En Mann hedd sin Deinstmäken anfohrt un bannig utschullen. Nahst markt he, dat he dat Mäken Unrecht dahn hadd. Do säd en Stimm in em: du möst nu to dat Mäken gahn, un ehr seggen, dat di dat leed deiht, dat du ehr Unrecht dahn hest. Äwer en anner Stimm in em säd: dat is doch man en Deinstmäken, du kannst doch nich na’n Deinstmäken gahn un di awbidden. Dat geiht doch nich. Dor is ok de Geist gegen dat Fleisch, un dat Fleisch gegen den Geist west. He hedd nahstens sülwst vertellt, dat he sick vier Dag henquält hedd, bet he sick entsloten hedd, Awbidd to dohn. So lang sünd Geist un Fleisch in em gegen einanner west, de Geist, de säd: du möst Awbidd dohn, und dat Fleisch, dat säd: dat kannst du in din Stellung nich.
Äwer wi bruken gornich an anner Geschichten to denken. Wi weten ut _uns eigen Lewensgeschicht_, dat de Geist gegen dat Fleisch un dat Fleisch gegen den Geist is. Dor is ener in Not, mit den wi verwandt oder good bekannt sünd. Denn seggt en Stimm in uns: Dit is jo to trurig, dor mößt du helpen. Äwer denn kümmt bald ne anner Stimm un seggt: Worüm saßt du grad helpen, anner Lüd stahn em noch neger, lat de irst wat dohn. Wenn du em ollig helpen wist, kann du di dit un dat nich anschaffen, wat du so nödig hest. Oder dor hett sick ener mit nen annern vertürnt. Dat is man ne Kleinigkeit aewer nu sünd se uteinanner un süs hewwen se so girn mit einanner verkihrt. Denn seggt en Stimm in em, un dat is de Geist, dat Gaude: Nu gah wedder hen un verdräg di un segg em, du haddst dat nich so bös meint. Äwer ne anner Stimm, un dat is de oll Minsch, dat Slichte in uns, seggt denn: Du kannst nich tauirst hengahn, hei möt irst kamen, hei het de meist Schuld, hei möt irst seggen, dat em dat leed deit, wat hei seggt un daan hett. — Ore dor is en jung Mäten. To de seggen anner: Kumm hüt Abend mit to Danz. Denn fangt de en Stimm an: Dau dat nich, dor geiht dat nich anstännig to, din Öllern sünd ganz gewiß nich dormit inverstahn, wenn du hengeihst, un din Gewissen seggt di ok: Gah nich hen. Äwer ne anner Stimm seggt: Worüm saßt du nich doon, wat de annern doon. Du wißt doch ok wat von din Lewen hewwen. Du warst di all in acht nehmen, dat nix passiert. Vadder un Mudder bruken nix dorvon to weiten. Ore dor findt sick ne Gelegenheit, dat man so nebenbi ollig wat verdeinen kann. De Sak is nich ganz rendlich un schön. Dat Gewissen is nich ruhig dorbi. So seggt de en Stimm: Lat dat lewer. Äwer ne anner Stimm seggt denn: So genau kann man dat hüt to Dag nich nehmen, anner Lüd doon dat ok. Du hest dat Geld so nödig. Nahsten argerst du di, wenn en anner dit Geschäft makt un du nich weißt, wo du di un din Kinner satt kriegen saßt.
Ja, min leiw Fründ, dat is so, as Paulus schriwwt: Dat Fleisch is gegen den Geist un de Geist is gegen dat Fleisch. Wi bruken uns blod in ’n Lewen ümtoseihn. Wi weiten dat ok von uns sülwst. Un wer weit, ob nich hüt noch männigein von uns sonen Strit in sick dörchmaken möt, dat de Geist gegen dat Fleisch un dat Fleisch gegen den Geist is. Aewer wo is dat denn bi uns? Hewwen wi ümmer daan, wat de Geist will? Hewwen wi nich ok oft nog daan, wat dat Fleisch will? Villicht noch in des Dag wedder? Ach wi weiten, woveel Macht dat Fleisch, de Sün’n, in uns hett un wo swack oft de Geist, dat Gaude, in uns is. Un wi weiten, _woveel Macht dat Fleisch, dat Slichte, hüt in de Welt hett_. De Apostel Paulus schriwwt, un ick will dat hochdütsch vörlesen: »Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, als da sind: Ehebruch, Hurerei, Unreinigkeit, Unzucht, Abgötterei, Zauberei, Feindschaft, Hader, Neid, Zorn, Zank, Zwietracht, Rotten, Haß, Mord, Saufen, Fressen und dergleichen.« Worüm heww ick dat hochdütsch vörlest? Dorüm, wil för veel von dat, wat Paulus hier seggt, _uns plattdütsch Sprak gor kein Würd_ hett. Paulus schriwwt hier von Sün’n, de in ’t plattdütsche Land _gornich vörkamen süllen_. Äwer kamen se bi uns to Lan’n nich vör? Dat dat bi de Heiden so utsüht, as Paulus schriwwt, kann uns nich wunnern. Se hewwen jo de 10 Gebote in de Schaul nich lihrt un weiten nix von unsern Herrgott un unsen Heiland. Äwer süht dat denn bi uns to Lan’n hüt to Dag anners ut? Ach wo trurig, wo trurig steiht dat doch upstunns mit uns Volk. In ’n Krieg säd mal en lütt Mäten to ehr Mudder: »Mudding, wenn de Krieg vorbi is, gellen denn de 10 Gebote wedder?« De seg, dat de Minschen sick nich kümmern üm dat, wat uns Herrgott in sin Gebote seggt. Äwer is dat beter worden in uns Tid? Ick bruk nich veel dorvon to seggen. Wi weiten jo all, wo dat utsüht, un fragen bang: Wo sall dat blot noch warden? Ward uns Herrgott de Welt un uns Volk nich noch veel scharper anfaten möten?
Ick kann dat äwer nich laten, noch en Stell ut ’n Upsatz vörtolesen, den ne plattdütsch Schriftstellerin schrewen hett. Se wahnt in Schwerin un hürt to uns Paulsgemein. De Upsatz is äwerschrewen: »De Düwel un dat Johr 1920«. In desen Upsatz heit dat: »Baben up den Blocksbarg set de Düwel. He hadd sin grotes Anschriewebauk up de Knei un höll Afrecknung äwer dat Johr 1920. »Bi ’n Düwel noch mal«, rep hei, »dit Johr schafft ’t. Dit is noch en Geschäft. Dit lohnt sick noch de Mäuh.«
Wo veele von de, de süs gornich bitaukamen west wir, föllen em nu in de Klaben, wo veele, de süs nix von em hadden weiten wullt, wiren nu gaud Frün’n mit em. Wedder lacht de Düwel. Dachten se, sei künnen mit em gaud Fründ sin? Wenn hei ehr mal eins sin wohr Gesicht wisen ded, wo bleik sei woll warden würden. Un denn wir ’t tau lat, tau lat, tau lat!
Am meisten Spaß makten em de _Wucherers_. Wat hadd dat Wurt süs för en bösen Klang hatt ünner de Minschen, dor hadden sick süs nich alltauveel mit bemengt. Dat Geschäft wir ehr so smerig west. Un wer ’t doch daan hadd, den hadden se utstött ut ehr Gemeinschaft. Un nu? Ja, nu hadden’s gründlich uprümt mit dit Vörurdeil, nu wir de Welt klauk worden! Wat hadden se von Ihr un Stolt, wenn de Geldbüdel leddig blew. Geld! Geld! Her dormit! Rin in den Kasten! Nu brukte he, de Düwel, man blot de Fidel to striken un se kemen all, old un jung un grot un lütt, un danzten den willen Danz üm ’t gollen Kalw. Un Larm un Strid, un Haß un Afgunst, un Murd un Dodslag, de süngen in gräsigen Chur dortau, dat de Welt in ehr Fugen bewern ded.
De Düwel slög en anner Blatt up.
De _Schuwers_, — wat wiren de Schuwers för’n fetten Happen för em! Hei högte sick bi den Gedanken an ehr, dor künn hei mit einen Strich glick en gauden Hümpel wegracken. Hei hadd naug hollwannig Kinner seihn, de sei up’t Gewissen hadden. Wo klüng de Welt wedder von Süfzer un Jammer! De Düwel läd de Hand an’t Uhr. Wo säut klüng em dat! Dat hürte hei leiwer as Singen un Beden.
Un nu slög de Düwel en anner Blatt up, ganz mit Bedacht, dat hei ok den rechten Wollgenuß hadd, von dat wat nu kem. Denn dit wir sin gröttste Freud. Hier stünnen de Namens von de _lütten Mätens_ inteikent. Ditmal rew de Düwel sick de Hän’n, dit wir sin Best, sin Hauptstück! Disse Siden wiren süs ümmer so witt, so leddig west, kein hedd so recht wat mit em to daun hewwen wullt, Tucht un Schimp wiren noch bi ehr west. Äwer nu, äwer nu! Dicht bi dicht stünnen dor de Namens, un de ganz Jungen, dat gewen de meisten un de legsten af. Wenn hei upstunns so öwer de Ird flög, un hei seg de lütten Dirns un Mannslüd up de Danzbähns liggen bet deip in de Nacht, un seg, wo sei Plicht un Ihr vergeten, wo sei dat Geld ut ’t Finster smeten för Tand un Kram un lachten äwer gaude Lihren un lewten in den Dag rinne, as gew dat kein End, denn würden em de Ogen blänkern. De lütten Mätens hadden em Mäuh nog makt, Johrdusende lang! Nu äwer hadd he ehr, nu wiren sei sin. »Kann naug von juch bruken«, gnurrte hei, »nu is de Welt mal ümkihrt, nu kümmt dat Bös an ’t Roder, nu is ok mal min Tid.«
Un is dat nich hüt so? Is nich upstunns den Düwel sin Tid? _Höd di, höd di_, min Fründ, dat de Düwel di nich ok in sin Bauk rinschriwwt, höd di! Wer deiht, wat dat Fleisch will, de kümmt in dit Bauk rinne. Paulus seggt in uns Epistel, dat all de nich de Seligkeit arben. Lat ’t uns nich daun wat dat Fleisch, de Sün’n uns seggt, lat ’t uns daun, wat de Geist seggt. Wo schön is dat, wat Paulus äwer den Geist schriwwt. Wi lesen: De Frucht von den Geist is Leiw, Freud, Freden, Geduld, Fründlichkeit, Gaudheit, Glowen, Sanftmaut, Keuschheit. Dat sünd luter Saken, för de uns plattdütsch Sprak Würd hett, un dit süll sick ok all in plattdütschen Lan’n finden. Leiw, Freud, Freden, Fründlichkeit, Geduld, Gaudheit, Glowen, Sanftmaut, Keuschheit. Ach wenn doch alle Minschen so wiren, wo schön wir denn dat Lewen. Wenn wi denn ok arm wiren, wenn wi denn ok en flickten Rock drägen un in Winter in en Stuw tausamenkrupen möten, un wenn dat denn ok knapp bi Disch taugeiht, dat würd all nich schaden, wenn de Minschen so wiren, denn wir doch dit Lewen up de Ird ok in des swere Tiden all en halw Paradies.
Toirst nennt Paulus de _Leiw_. De Leiw is jo ok dat Best in de Welt. De söcht de Herr Jesus an sin Jünger, un einmal au ’n jüngsten Gericht ward dat gahn na dat Wurd: Wat ji daan hewwt einen von min geringsten Bröder, dat hewwt ji mi daan. Äwer Wil de Ungerechtigkeit äwerhand nimmt, ward de Leiw in veel kolt warden. Is dat ok bi di so? O bidd Gott, dat hei di mihr Leiw giwwt un di helpt, anner Lüd wat to Leiw to daun. Un dor willen wi hüt mal ganz praktisch vorgahn. Dat is noch früh an ’n Morgen. De ganz Dag liggt noch för uns. Dor nimm di nu mal för, _hüt an desen Dag wenigstens einen Minschen wat to Leiw to daun_. Du weißt villicht en Kranken oder ne oll Fru, de nich mihr utgahn kann un de sick freut, wenn du ehr mal besäuken deist. Besäuk ehr hüt mal. Oder bring ehr en poor Appels hen oder en poor Eier oder wat du süs grad hest, kannst ok nen Geldschin mitnehmen. Dau dat, wotau de Leiw di andriwwt. Dat giwwt so veel Armaut in uns Tid un so veele, de sick äwer jede lütt Gaw freuen. Oder lad’ hüt abend enen in, de so allein steiht. Oder gah na enen hen, mit den du utenanner kamen büst, un wis em, dat du em nich mihr bös büst. Ja, dau wenigstens enen Minschen hüt wat to Leiw, äwer dau dat ok würklich. Dat kann girn sin, dat, wenn du hengahn wißt, enen to besöken oder em wat to bringen, ne Stimm in di seggt: Wat wißt du dorhen gahn, dat hest du doch nich nödig, du kannst leiwer en anner Mal hengahn. Wenn dat so sin süll, denn erlewst du wedder, wat Paulus schriwwt: Dat Fleisch is gegen den Geist. Äwer dau nich, wat din Fleisch, din oll Minsch, din Bequemlichkeit will. Dau wat de Geist will. Ach wenn doch jeder von uns _wenigstens enen Minschen_ hüt wat to Leiw ded, wo dankbor würd ick sin, denn wir min Predigt nich ümsüs west.
Un denn, min Fründ, ward dat hüt för di nen schönen Sünndag, de di _Freud, veel Freud_ bringt, veel betere Freud, as einer hüt Abend up ’n Danzbähn find ’t. Wo Leiw is dor is Freud, un de Apostel nennt ok to tweit de Freud na de Leiw in unsern Vers. Mal hadd en rik Amerikaner enen Paster fragt: »Wo is de Himmel.« De säd em: »Se ach, in uns Tid is dat anner Wurd Wohrheit worden: möten för 200 Mark Lewensmittel för de arm Witfru köpen, de an de anner Sid von den Barg wahnen deit, un de ehr drei Kinner krank sünd. Nehmen Se ok ne Fru mit, de ehr plegen un upwohren kann, un denn lesen ’S ehr den 23. Psalm för un bäden mit ehr. Se warden marken, wo de Himmel is.« An annern Dag kem de rik Amerikaner to den Pastor un säd: »Ja, nu weit ick, wo de Himmel is. Wo hett de arm Witfru sick freut, se wüßt gor nich, wat se seggen süll, un ümmer wedder hett se sick bedankt. Un as ick den 23. Psalm ehr vörlesen un mit ehr bäden ded, hadd ick dat Geföhl, dat ick den Himmel veel neger wir as süs un ick weit nich, dat ick mi süs all so glücklich föhlt heww as gistern.« Ja, dat is so, as de Heiland seggt: Gewen is seliger as Nehmen. De Minschen, de ümmer an sick sülwst denken, de ümmer blot hewwen un hewwen willen, sünd unglücklich. Äwer de, de girn afgewen un girn anner wat to Leiw doon, de kennen Freuden, de man süs in de Welt nich finnen kann.
Un denn noch _ein_ Deil. Paulus schriwwt wider von _Freden_ un _Fründlichkeit_ un _Geduld_ un _Sanftmaut_. Nimm di wider för, _hüt an desen Dag_ ok mal mit _jeden Minschen Freden_ to _hollen_. Wes’ gegen jeden _fründlich_, ward hüt _nich ungedüllig un argerlich_, ok nich, wenn ener di hüt en Töller entweismitt ore de Kinner ehr witt Kled smutzig maken ore ener di anfohrt un Unrecht deit ore di mit spitze un häßliche Würd kümmt. Fang denn nich an to schellen un to larmen, bliw denn hüt mal ganz ruhig un fründlich un gedüllig, blot mal an desen Dag. Äwer villicht denkt männigein: Du hest god reden. Du süßt man in min Städ sin. Ick kann mi öwer minen Mann oder min grot Dirn jeden Dag krank argern, un de Lüd, de mit mi in ’n Hus wahnen, man glöwt gornich, wat dat för Minschen sünd. Dor kann man nich ümmer still swigen, dor löppt enen de Gall öwer. Äwer versök mal hüt, den _einen Dag_ ruhig un fründlich un sanftmödig to bliwen. Süßt du dat nich _enen Dag_ farig kriegen? Un wenn nich, wotau hewwen wi unsern Herrgott. Denn bidd em, dat hei di mit sinen heiligen Geist dortau helpen deiht. Villicht kümmst du, wenn du fründlich un gedüllig büst, veel wider as wenn du losschimpen un losmarachen deihst.
Ach wenn wi doch den _heiligen Geist recht hadden_. Ok denn würd uns dat Fleisch, de Sünn, noch to schaffen maken un wi warden dat erlewen, dat ümmer noch dat Fleisch gegen den Geist is. Äwer wi warden nich mihr soveel daun, wat dat Fleisch seggt, wi warden mihr daun wat de Geist seggt. Un dat, wat wi hier lesen, Leiw, Freud, Freden, Fründlichkeit, Gaudheit, Glowen, Sanftmaut, Keuschheit, ward sick ümmer mihr bi uns finnen. De Apostel seggt jo, dat dat de Frucht von den Geist is, von den heiligen Geist. Denn kümmt dit ganz von sülwst as de Appel un Beeren ok ganz von sülwst an de Böm wassen un rip warden. Äwer hüt will ick blos an _desen enen Dag_ denken. Ick bidd di noch einmal so recht von Harten: Nehm di för, hüt an desen Sünndag, wenigstens enen Minschen wat to Leiw to daun un nehm di för, hüt an ’n Dag ümmer fründlich un gedüllig to bliwen, mag passieren, wat dor will, un bidd dinen Herrgott, dat hei di dörch sinen heiligen Geist dorto helpen deiht. Ick will mi dat ok förnehmen un gew uns Herrgott, dat wi dat würklich daun.
2.
Pingstpredigt
von Pastor _Ziercke_-Dömitz.
Min leiw Gemein! Wat sall ick jug seggen an dissen hilligen Dag? Sall ick ’t maken as de annern all, de jug fragt hebben in de letzten Dag: Wo geihst du denn to Pingsten hen? Un denn tellten se de lange Reig von Pingstvergnäugungen up, de in de Tidingen stahn ded. Lud un lustig geiht dat dor her, äwer de Seel hett nix dorvon un dat Hart bliwwt dorbi untofreden. Ja dat kümmt woll vör, dat de Seel sick liesen wegslikt ut all den lustigen Larm un wannert dörch dat dütsche Land; un wenn se denn süht, dat an ’n dütschen Rhein de Franzosen un Swarten sick breit maken, un dat de dütschen Tirolers to uns willen un dörpen nich, un dat de Polacken äwer de dütsche Oder kamen as Deiw un Mürders, un wi dörpen uns nich wehren in uns’ eigen Land un för unse eigen Bröders, denn stiggt dat heit in ehr up. Un wenn se denn markt, dat dat vördem flietige dütsche Volk rümsteiht un schugt de Arbeit, dat dat true dütsche Volk sick ein den annern verklagen deiht, dat dat starke dütsche Volk sick un sine Kinner up Gnad un Ungnad den unbarmhartigen Fiend utliewern deiht un dat dat klauke dütsche Volk to all dissen Jammer noch juchen un lachen un springen kann, denn lopen ehr de Tranen dal, un se müggt an leiwsten dorhen gahn, wo dütsche Jungs un Mannslüd to Hunnertdusende an de Grenz unner den Rasen liggen. Je, wo geihst du to Pingsten hen? Dor is noch ein, de so fröggt, un de uns ok glik de richtige Antwurt gifft. Dat is uns Herrgott. Aewer sin Frag ward meist äwerhürt, un sin Antwurt noch mihr. Wi äwer willen dorup marken un willen hüren, wat hei uns seggen will dörch den Profeten Hesekiel, 3, 22-24: »Uns Herrgott nehm mi bi de Hand un säd to mi: Mak di trecht un gah herut upt Feld dor will ick mit di reden. Un ick mök mi trecht un güng herut upt Feld. Un süh, dor stünn de Herr in all sin Herrlichkeit, grad so as ick sei seihn hadd an ’t Water Kebar. Un ick föll dal up min Angesicht. Dor kem de Geist in mi, un ick kem wedder to stahn. Un hei sprök mit mi un säd to mi: Gah hen un slut di in in din Hus!«
Sowied uns Herrgott sin Wurd. Weest nu, wo du hengahn saßt to Pingsten? Ick willt noch eins tosamenfaten in einen Satz:
Uns Herrgott will wat von di, Buten upt Feld, dor will hei mit di reden, Binnen int Hus, dor saßt du mit em reden.