Spitzen und ihre Charakteristik

Part 5

Chapter 53,370 wordsPublic domain

Um vorerst bei Italien zu bleiben, sind ~a~) die eigentlichen ~guipures~ oft aus groben, ungebleichten Leinenfäden und mit erhabenen -- wie aufgenähten -- Schnürchen gearbeitet (wie schon oben die spanischen geschildert sind) von ihnen abgeleitet, ~b~) die Bändelspitzen; diese sind ihnen eng verwandt. Das Ornament wird durch eine Art Band gebildet, das vorerst der Zeichnung angepaßt geklöppelt wurde. Die Zeichnungen sind etwas derbe Blumen und Ornamente oder ineinander verschlungene Bänder und die Zwischenräume sind mit Klöppel- oder Nadel~jours~ gefüllt und mit ~brides~ vereint.

Diese Spitzen, besonders die mit verschlungenem Bandmuster, werden häufig zu den sogenannten Kirchenspitzen gerechnet. Die Bändelspitzen mit geklöppeltem Band sind oft leicht und zierlich verschlungen, im Italienischen heißen sie ~vermicelli~. Sehr häufig findet man an italienischen Arbeiten dieser Art im ~toilé~ in kurzen Abständen kleine Löcher in der Größe eines Stecknadelkopfes.

Die Litzenspitzen sind eine Abart von diesen Bändelspitzen; das geklöppelte Bandornament wird durch eine gewebte Litze ersetzt und dadurch muß diese in der Verarbeitung an den Rundungen und Biegungen eingehalten werden und bildet Fältchen, an den Kreuzungen liegt sie doppelt übereinander. Solche Litzenspitzen sind, wenn auch wirkungsvoll und dekorativ, selbstverständlich stets etwas plump und stellen nicht hohe Kunst vor. Aus dieser Art entstanden zu guter Letzt die schrecklichen ~point lace~, die in ihrem Dilettantismus Europa überschwemmten und als »~home made~« gepriesen wurden.

Die dritte Art, die sogenannten Mailänderspitzen, haben auch Bandornamente oder Adler, Wappen und dergleichen, die als stilisierte Motive in einem ziemlich groben vier- oder sechseckigen geflochtenen Klöppel-~réseau~ sitzen -- manchmal ist dieser ~réseau~ in Nadelarbeit, in letzterem Fall, wenn die Techniken gemischt sind, heißen sie ~mezzo punto~. Die Mailänderspitzen sind die einzigen italienischen Spitzen, die einen ~réseau~ haben.

Es mag daher sehr häufig vorgekommen sein, daß ein solcher Grund erst in späteren Zeiten auf alte Spitzen, an welchen der Grund zuerst abgenutzt wurde, angewendet wurde, denn im allgemeinen werden sowohl Klöppel- wie Nadelspitzen mit der Nadel ausgebessert.

Nun muß erwähnt werden, daß in vielen Fällen bei italienischen besonders aber auch bei flämischen Spitzen dieser Art, ~Fond~ und Motive, wenn auch separat, so doch gleichzeitig gemacht wurde, das heißt man arbeitete ein Motiv, dann sofort den ~réseau~ und legte die ~réseau~klöppel beiseite, bis ein neuer Raum zum Füllen geschaffen war, man führte die Klöppelfäden quer über ein Motiv auf der Rückseite und erst in späteren Zeiten entwickelte sich die ganz getrennte Art wie bei ~Bruges~ und Applikation etc.

Aus diesen drei oben geschilderten Spitzenarten haben sich die Brüsseler, die ~Bruges~ und ~duchesses~ entwickelt.

Die zweite Klasse der italienischen Spitzen können nur dann zu den Guipures gerechnet werden, wenn ihre Art kein eigentliches ~toilé~ aufweist, wenn sich also die Zeichnung und Ausführung nicht im Grund und ~guimp~ trennt, sondern diese ein harmonisches Ganzes bilden und sich in geflochtene Schnüre oder Stäbe verbreiten und in Flächen auflösen. Die ältesten geflochtenen heißen ~point de Gênes frisé~ (genuesische Giupures) und wurden vielfach als Ersatz für die sehr teuren Nadelspitzen, die venetianischen ~Reticella~, verwendet; sie sind aus ganz geflochtenen Zöpfchen gebildet und sind meistens Zackenspitzen, sie sehen in der Nähe wie gehäkelt aus, von ferne aber haben sie die größte Ähnlichkeit mit ~Reticella~, ihre Ornamente sind ganz geometrisch. Eine Art Ornament wiederholt sich stereotyp, das sogenannte Gerstkornmotiv, bald zieht es sich wie eine Reihe von Kindern aufgefaßter Beeren im Zickzack durch die Spitzen, bald ist es zum Kleeblatt oder sternartig zusammengesetzt. Eine andere Gattung Zackenspitzen, auch genuesischen Ursprungs, ist offenbar aus der geflochtenen Guipure entstanden, sie sind flach, haben dickes ~toilé~, ebenfalls wie Beeren oder Kugeln, welche aus dem geklöppelten Bandornament entstanden sind, und sind mit ~brides~ verbunden. Für unser heutiges Auge wären sie zu plump, um sie für den Schmuck der Kleidung zu verwenden, aber ihre allgemeine Ähnlichkeit mit der ~Reticella~ verschafften ihnen im XVII. Jahrhundert große Verbreitung für das bürgerliche Alltagskleid der Minderbemittelten und für die sparsamen Kaufleute der republikanischen Gesellschaften des Westens; man kann sie häufig auf Porträts ehrsamer Ratsherrn und Bürger abgebildet sehen. Sie haben ein neues Element in die Klöppeltechnik gebracht, nämlich die tiefeingekerbten Spitzen und runden Zacken, die bei den Engländern ~vandyked~ heißen, nach der auf Van Dyk-Porträts abgebildeten Spitzen, die fast alle diese Formen haben. Aus diesen Spitzen in einem Zug geklöppelt, entwickelten sich die vielen groben Leinenspitzen, welche für den Hausgebrauch in Oberitalien verwendet wurden. Sie sind gute, dauerhafte Spitzen mit einfachen bäuerlichen aber geschmackvollen Motiven, man fand sie vielfach an gestickten Leintüchern und Bettwäsche angenäht, ihre Verbreitung reichte weit über Italien hinaus. In Tirol, Kroatien und Istrien wurden sie ebenfalls gemacht.

Zu dieser Gruppe gehören noch die Malteserspitzen, in schwarzer oder weißer Seide oder aus Leinenfäden geklöppelt. -- Die Zeichnung ist sehr einfach: Bandmotive mit Gerstkorn-Gruppen zu Kreuzen gestellt und Räder aus ~brides~ sind so ziemlich die hergebrachten Ornamente.

Italien hat seine Technik vernachlässigt, es blieb bei der Fertigkeit des XVII. Jahrhunderts stehen und überließ es anderen Völkern, den Belgiern und Franzosen, darin reiche Ausbeute an Variationen zu schaffen. Der italienische Flachs eignete sich nicht so gut zu feinen regelmäßigen Gespinsten. Daher kann man italienische Klöppelspitzen stets an ihrer relativen Grobheit des Fadens erkennen, wenn nicht an dem Stil der Zeichnung, der etwas Großzügiges und Elegantes hat.

Flämische Klöppelspitzen.

Vermutlich ist es eine Gedankenassoziation, die viele befällt, daß man sich ein altes niederländisches Interieur gar nicht ohne einen Klöppelpolster vorstellen kann; man sieht so viele Spitzen auf allen Porträts und die holländischen Maler sind jedenfalls diejenigen, welche am häufigsten die Spitzenklöpplerinnen in ihren Genre-Bildern dargestellt haben. Und doch will man dafür Beweise erbringen, so erscheint es fast wie ein Trugschluß, man weiß wenig über die holländische Spitzenerzeugung und zur Geschichte der Luxusspitzen haben sie jedenfalls nichts beigetragen; betrachtet man aber die holländischen Pottenkant, denkt man an die Individualität dieses Volkes, an ihre verhältnismäßig ruhige Geschichte, so meint man ohne es völlig beweisen zu können, daß doch früher die Klöppelindustrie sehr stark ausgebreitet war, aber aus irgend welcher Ursache früher versiegte, als die große Blüte-Zeit für die Spitzen anbrach; daß es also bei einfachen Erzeugnissen blieb, die zwar allgemein im Gebrauch waren, aber schon in der dritten oder vierten Generation zugrunde gegangen sein mögen, denn man muß bedenken, daß Spitzen, die älter wie 150 Jahre sind, zu den großen, geschätzten Seltenheiten gehören. Daher erklärt es sich, daß man von den einfacheren alten Spitzen sehr wenig weiß, weil sie zu sehr durch den täglichen Hausgebrauch abgenutzt wurden und viel schneller zugrunde gingen, wie die sehr großen und kostbaren Luxusspitzen. Dies ist zu bedauern, da man gerade an den einfacheren Klöppelspitzen gut die Entwickelungsgeschichte studieren könnte.

Auch der feinste, zarteste holländische Flachs, besonders berühmt von Harlem, der allen nordischen Spitzen ein gewisses Übergewicht an Eleganz gegen die gröberen italienischen Gespinste gab, trägt dazu bei, in Holland Spitzen zu suchen -- um -- keine zu finden.

Die Klöppelspitzen haben ihre Heimat in Flandern, Brabant, kurzum in ganz Belgien und mit belgischen Klöppelspitzen kann kein Land der Welt in Wettbewerb treten, auch Italien und Frankreich nicht. Belgien hat vor allem sämtliche existierenden Gattungen Klöppelspitzen gepflegt, es hat den ~réseau~ erfunden und mit wenigen Ausnahmen wie Frankreich mit ~Chantilly~ und Italien mit Mailänder ~réseau~spitzen, auch allein ausgenutzt. Die einheimischen Klöppelspitzen der anderen Länder haben meistens nur ~brides~ in allen möglichen Ausführungen oder sind getreue Nachahmungen von flämischen Spitzen. Der ~réseau~ wurde aber nirgends so eingebürgert, daß er neue nationale Abarten im Laufe der Jahrzehnte gebildet hätte, und selbst die Imitationen wurden meistens gröber und bäuerlicher wie die Originale des Stammlandes gemacht.

Es erscheint daher unnötig und schwer, wie schon einmal erwähnt, die Spitzen durchwegs nach Nationalitäten zu differenzieren, insbesondere wenn sie kein besonders abweichendes Gepräge zeigen. Ist es nicht logischer, die ~Valenciennes~ unter die flämischen Spitzen zu gliedern, als wie unter die französischen zu reihen? ~Valenciennes~ gehörte bis zum Jahre 1677, als es durch den Frieden von Nymwegen zu Frankreich kam, zu den Niederlanden. Die vielerlei kleinen Spitzen, die in der ~Normandie~ und der ~Bretagne~ gemacht wurden, tragen alle ~Valenciennes~ oder malineartigen Typus, ebenso die Spitzen des Erzgebirges und nirgends wurden sie vervollkommnet noch liefen sie denen des Mutterlandes irgendwie den Rang ab; sie blieben Epigonen.

Charakteristisch gesondert erscheinen hingegen die ~Chantilly~ und Blonden für Frankreich, wenn sie auch heute vielfach nur mehr in ~Grammont~ erzeugt werden, so bleiben sie doch ein wesentlich französisches Produkt. Und Spitzen ohne ~réseau~ kann man einige anführen, die ganz nationales Aussehen haben, so die russischen und skandinavischen mit ihrem monotonen Muschelornament, das an die versteinerten Ammoniten erinnert, und viele andere.

Klöppelspitzen kann man jedoch in zwei der Technik nach höchst verschiedene Gattungen einteilen, welche beide in Italien, Belgien und Frankreich gepflegt wurden. Es sind erstens die Spitzen, die in einem Zuge fortlaufend gearbeitet wurden, zweitens Spitzen, die in ihren einzelnen Teilen separat angefertigt und dann mittelst Häkelnadel[10] und Klöppel zu einem Ganzen vereinigt wurden.

[10] Das Wort Häkelnadel könnte leicht einen falschen Begriff geben; sie dient nur dazu, um den Faden in einer Schlinge am Rande der fertigen Motive durchzuziehen, durch welche Schlinge ein Klöppelpaar gezogen wird.

Die ersteren werden in Belgien auf einem viereckigen, leicht geneigten Polster gemacht, in anderen Ländern besonders für schmale Spitzen, auf einem muffartigen, dem die Vorlagzeichnung ringartig angepaßt wird, und auf dem die Spitzen ins Unendliche fortgearbeitet werden können. Man findet in allen Ländern eine Art Spitzen, die man häufig auch Kirchenspitzen nennt, und die untereinander, sei es der ~point d'Anvers~, oder deutsche oder italienische, ein und denselben Ursprung haben und sehr alt sind, es sind Spitzen, die keinen eigentlichen Grund noch Leinwandschlag aufweisen; sie sind locker und die Formen lösen sich auf und gehen ineinander über, kaum bildet sich in dem Gewirre der Klöppel eine kleine Insel als Leinwandschlag, gleich wird sie gelöst und verteilt sich in geflochtenen Stäben (Ganzschlag und Halbschlag) etc. Es sind dies die einfachen Flechtspitzen.

Diese Spitzen bilden die Ahnen für die ganze Gruppe der in Einem gemachten Spitzen. Italien und Deutschland haben sie verhältnismäßig am wenigsten umgebildet und sie blieben Spitzen für Haus- und Kirchengebrauch. In Frankreich entwickelten sich aus ihnen die ~torchons~, die heute noch in der ~Auvergne~ tausenden und abertausenden Händen Beschäftigung geben. Am meisten hat aber Belgien diese Spitzen umgestaltet, so sehr, daß man in der primitiven verwischten ~dentelle d'Auvers~ kaum mehr die Verwandtschaft mit den ~réseau~spitzen erkennen kann.

In Italien gehören hieher alle bäuerlichen und die Dekorationsspitzen (~guipure d'ameublement~) wie sie in ganz Oberitalien von den genuesischen Litorale bis zur Adria gemacht werden. Spitzen in spagatgrober, ungebleichter Leinwand sind heute überall in allen Industriebezirken zu finden. In Frankreich wurden sie in der Auvergne gemacht und bilden die ~torchons~ und ~dentelles d'ameublement~ (~guipure d'art~). In diese Gruppe gehören für Frankreich noch alle ~Valenciennes~, Lilleartigen, ~Chantilly~ und Blonden, aber diese wurden nicht in Frankreich aus den ~torchons~ systematisch entwickelt, sondern sie übernahmen die Früchte der belgischen Künste und arbeiteten später erst an der weiteren Entwicklung. In Belgien entstanden aus ~dentelle d'Anvers~, ~point de Flandre~, Trollkant, Pottenkant, ~point de Paris~ die primitivsten ~Valenciennes~, moderne Valenciennes, ~Malines~, ~Binche~, ~Lille~. Aus dem aufgelösten Maschengewirr der Antwerpenerspitzen bildete sich vorerst die ~maille à cinq troux~ und der ~fond de neige~, später der regelmäßige Maschengrund der ~Malines~, ~Valenciennes~ und ~Lille~, die die schönsten, dauerhaftesten und kostbarsten ~réseau~spitzen sind und deren ~réseau~ man verschiedene Namen gibt, ~fond clair ou simple~ für ~Lille~, ~Chantilly~, Blonden (aus bloß gedrehten Fäden), ~fond double~ oder ~fond chant~, aus paarweise laufenden Fäden, wie Pottenkant, ~point de Paris~, ~Chantilly~, ~torchons~ und auch Blonden -- geflochtenen Masche, wie ~Malines~, ~Valencienne~ und ~maille à cinq troux~, ~Binche~, Trollkant. Zur zweiten Gruppe gehören alle Klöppelspitzen, deren Formenschlag getrennt gemacht ist, sie haben mit Ausnahme der ~point d'Angleterre~ und ~point de Milan~ keinen ~réseau~grund.

Sie werden auf einem wie eine Scheibe drehbaren Polster gemacht, so daß die Arbeit jeweilig in die für die arbeitende Person bequemste Lage gedreht werden kann, sie haben stets wenig Klöppelpaare in Verwendung und dies vereinfacht die Arbeit in vieler Beziehung insbesondere, da sie die geeignete Technik vorstellen, um größere Stücke, wie sie unter Louis XIV. zweiter Regierungshälfte modern wurden, anzufertigen. Sieht man also einen breiten Volant oder Schleier oder ~tablier~ mit ~Réseau~grund, kann man sicher sein, daß es Spitzen sind, die in der zweiten Gattung Technik gemacht werden mit Ausnahme der Blonden und ~Chantilly~, die in schmalen Streifen einerlei ob ~fond~ oder Dessin angefertigt und dann zusammengenäht werden.

Diese Technik wurde von den Mailänder Réseauspitzen übernommen und die älteste Ausführungsart dürfte wohl die eben geschilderte sein: daß man die Motive von Fall zu Fall rund arbeitete und sie gleich mit den ~brides~ oder ~réseaus~ zusammenfügte. Man legte die Klöppel dann jeweilig beiseite und führte sie auf der Rückseite quer über das Dessin. Diese Art wurde so lange ausgeführt, als die Zeichnung des ~Toilé~ noch eine streifenweise war, sobald ganz freie, inselartige Motive gemacht wurden, knüpfte man den ~réseau~ nachträglich in den Rand und die Motive wurden auf runden Polster oft von mehreren Arbeiterinnen gleichzeitig hergestellt; so entstanden ~point d'Angleterre~, ~duchesse~, ~Bruges~, ~applikations~ etc.

Es ist ferner stets sehr wichtig, die Spitzen darauf hin zu betrachten, ob sie flach gearbeitet sind, also ganz dem Klöppelstil treu bleiben oder ob sie mit Zufügung des Cardonet andere Wirkung ähnlicher textiler Erzeugnisse anstreben, wie der Stickerei, oder der Nadelspitzen oder eigentlichen Guipuren, wie man es an ~Malines~, Trollkant, ~Lille~, Pottenkant, Brabanten etc. findet.

Trollkant sind ganz eigentümliche, flandrische Spitzen, die sich sehr in der Zeichnung an jene Spitzen, genannt ~points de Flandre~, anlehnen; ihre Eigenart ist, daß sie gleich einer Musterkarte alle möglichen (~points-~)Schläge und Variationen aufweisen. Troll heißt auf Flämisch Kobold (wie im Skandinavischen), aber Trolly bedeutet auch einen groben Faden, etwa dem Sinne nach den französischen »~la brode~« gleichbedeutend. So mag man sich um den Ursprung dieses Wortes Trollkant streiten, erklärt und gedeutet konnte es nach beiden werden. Kobold und Fee haben dem gewöhnlichen Sterblichen überlegene Phantasie; das Muster ist stets wechselnd, nicht kontinuierlich, sei es nun in der Zeichnung, oder in der technischen Interpretation, doch haben Trollkant immer einen Konturfaden und dies, und die nicht einheitliche Ausführung der Zeichnung, unterscheiden sie hauptsächlich von den ~points de Flandre~; es sind dichte Spitzen mit meistens guten, alten Zeichnungen, in nicht sehr feinem, aber regelmäßigem Faden ausgeführt; jedenfalls sind sie eine Spiel- oder Eigenart Flanderns und gehören zu den Varianten der vielen Stämmlinge der ~points d'Anvers~, ~points de neige~, ~maille à cinque troux~, der einfache Formenschlag, ~fond chant~ oder ~fond double~ finden sich vereint, aber bilden noch keinen eigentlichen von den Motiven getrennten Grund.

~Valenciennes.~

~Valenciennes~, die Wäschespitzen ~par excellence~, sind leicht erkennbar, ~toilé~ und ~réseau~ werden gleichzeitig gearbeitet und womöglich mit der gleichen Anzahl Klöppel. Sie gelten mit Recht als die dauerhaftesten Spitzen, das ~toilé~ ist das dichteste, welches überhaupt vorkommt, und sieht wie feiner Batist aus. Die Klöppel werden kunstvoll verteilt und in dem ~réseau~ fortgeführt, welcher aus einer der ~Valenciennes~ charakteristischen Masche besteht; jede Seite derselben ist ein aus vier Fäden geflochtenes Zöpfchen, je dichter dieses ist, desto dauerhafter ist sie.

Das ~toilé~ ist von keinem Cordonet-Faden eingefaßt, und ist ganz flach, was ihm beim Waschen und Bügeln sehr zum Vorteil gereicht. Daher hatte sie den Beinamen ~eternelles Valenciennes~. Der Faden des ~toilé~ läuft wie bei Leinwand vertikal und horizontal, bei alten Stücken kann man beobachten, daß das ~toilé~ und ~réseau~ aus derselben Klöppelanzahl bestand, es wurde also nichts geschnitten. Man kann die ~Valenciennes~ in dreierlei Gattungen einteilen:

1. Die ganz alten, welche sehr große Ähnlichkeit mit den flandrischen Spitzen zeigen, haben die ~maille à cinque troux~ (welche auch geflochten ist). Die Zeichnung bildet nicht den Rand, sondern schlängelt sich durch die ganze Breite in einem großzügigen Muster, Blumen und Ranken, mit Vorliebe Nelken und Tulpen, welches darauf schließen läßt, daß wirklich die flämischen Arbeiterinnen, die unter Louis XIV. in ~Valenciennes~ angesiedelt wurden, diese Art eingeführt haben. Der ~réseau~ geht bis zum Rand, welcher nur durch ein doppelt breites Zöpfchen (acht Fäden) und ~picots~ abgeschlossen ist; sie haben häufig ~jours~ mit ~point de neige~.

2. Die ~Valenciennes~ wie sie noch heute ist, mit der runden oder fast runden Masche und die ~Valenciennes~ mit der viereckigen Masche.

Die ~Valenciennes~ mit der runden Masche ist die ältere von den beiden letzteren Gattungen. Ihr ~réseau~ wurde in ~Valenciennes~ erfunden, weshalb diese ~les vraies Valenciennes~ genannt wurde; sie waren schön und fein gearbeitet, das ~toilé~ bildet bei beiden Gattungen den Rand, kleine verstreute Blümchen bilden häufig die Zeichnung und im Beginne mögen die Spitzen, in ~Valenciennes~ selbst verfertigt, sich durch größere Schönheit ausgezeichnet haben, so daß die in ~Lille~, ~Aras~ und so weiter angefertigten Imitationen als ~fausses Valenciennes~ oder ~bâtardes~ benannt wurden, doch mit dem XVIII. Jahrhundert ging dieser Industriezweig in ~Valenciennes~ nieder.

Im belgischen Flandern blühte dafür diese Gattung auf, die Revolution hatte in Frankreich die verderblichsten Folgen für die Spitzenindustrie im allgemeinen.

Auch wurden später in ~Lille~ und ~Aras~ weniger kostspielige Lille Spitzen gemacht, die unter dem Namen ~dentelle de Lille~ den ~Valenciennes~ Konkurrenz machten. Um sich ein Bild von dem Unterschiede in der Anfertigung zu machen, sei nur erwähnt: während eine Arbeiterin der ~Lille~spitzen zwei bis drei Meter im Tage fertig stellen konnte, vermochte eine ~Valenciennes~-Klöpplerin höchstens fünf Centimeter bei zwölfstündiger Arbeitszeit zustande zu bringen, man kann also dadurch den bedeutenden Preisunterschied verstehen.

~Mme. Paliser~ erzählt: auf der Weltausstellung im Jahre 1851 waren ~Valenciennes~ von ~Ypres~ zu 2000 Franks per Meter ausgestellt. Die Arbeiterin konnte in zwölf Stunden täglich nur acht Millimeter anfertigen.

~Valenciennes~ in der Breite von fünf Centimeter benötigen zwei bis dreihundert Klöppel. Jetzt werden in ~Valenciennes~ gar keine Spitzen in der Art und dieses Namens gemacht. Fast der ganze Bedarf wird in Belgien gemacht und zwar ist ~Ypres~ das Zentrum davon. Im Jahre 1830 wurde dann die viereckige, sehr klare Masche gemacht. Die Zeichnung wurde reformiert, sogar ~jours~ mit ~point d'aiguilles~, mit ~barettes~, und ~point de neige~ gemacht.

In ~Bruges~, ~Courtrois~, ~Bailleul~ und so weiter macht man ~Valenciennes~ mit kleinen Abweichungen, zum Beispiel in der Brugher Gegend wird die runde oder fast runde Masche gemacht, anderswo wird das ~toilé~ sehr fein geklöppelt und während des Arbeitens werden Nadeln hineingestochen, die dann kleine Löcher bilden. Im Ganzen und Großen gehören aber die ~Valenciennes~ zu jenen Spitzengattungen, die in stetiger Abnahme begriffen sind; einerseits ist die Herstellung eine außerordentlich mühsame und langwierige, anderseits werden sie durch die Maschine in stetig besserer Ausführung imitiert, so zwar, daß die feinen Sorten der Maschinenspitzen oft schwer von den echten zu unterscheiden sind. Das ~toilé~ und ~réseau~ ist schon recht ähnlich, nur an dem Rande und den ~picots~ kann man die falschen besonders nach dem Waschen leicht erkennen. Die ~picots~ der echten sind aus zwei Paar Fäden geschlungen (vier Fäden), die falschen nur aus zwei einfachen Fadenmaschen, die nebeneinander liegen. Die ~picots~ und Ränder bei allen Maschinenspitzen sind der schwächste Teil und der Rand zieht ein und zerreißt zuerst.

Die Zahl der Arbeiterinnen vermindert sich jedes Jahr und die jungen Arbeiterinnen können überhaupt nur mehr die schmalen billigen und gröberen Waren (meistens für den Hausierhandel) machen. Die ~Valenciennes~ wurden auch noch im Erzgebirge, der Schweiz und in England und so weiter gemacht, sind aber niemals so fein und schön gearbeitet wie die belgischen. Jahrelang, von Kindesbeinen auf erworbene Übung ist die Grundbedingung der Technik dieser Spitzen.

~Malines.~

Wenn die ~Valenciennes~ den Beinamen »~les eternelles~« verdienen, gebührt den ~Malines~ hingegen das Prädikat »~la reine de dentelles~«. Tatsächlich kann mit ihr an Zartheit, Kleidsamkeit und Eleganz nur noch die ~Binches~ konkurrieren.

In der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts wurde der Name ~Malines~ im allgemeinen für die verschiedenen flandrischen Spitzen gebraucht und zirka von 1665 an knüpft sich der Name genauer an diese Spitzengattung an, obwohl sie damals noch nicht das Aussehen unserer heute bekannten ~Malines~ hatte. Es war auch nach dieser Zeit gegen das XVIII. Jahrhundert, daß sich nach den Versuchen und dem Gebrauche der verschiedenen ~fonds~, in ~Malines~ die den Spitzen dieses Namens einzig eigentümliche Masche herauskristallisierte, welche den sogenannten Droschelgrund oder Eisgrund bilden, jene reizende, klare und dabei doch zarte sechsseitige Masche. An vier Seiten ist sie aus doppelten Fäden gewunden, während sie an den zwei Seiten, an welchen die zwei Fadenpaare zusammenlaufen, mehrfach geflochten ist.

Der Leinengrund (~toilé~) wird gleichzeitig mit dem Grund (~réseau~) gearbeitet und der Fadenschlag läuft wie bei den ~Valenciennes~ vertikal und horizontal. Ein stärkerer Faden (~cordonet~) umgibt die Contour und akzentuiert die Zeichnung des ~toilé~, welches schütterer, wie bei den ~Valenciennes~, geschlagen wird. Es wird dadurch dieses wolkige und flaumige Gepräge der Spitze hervorgerufen und steht im reizenden Kontrast zu dem Grund der reinen und regelmäßigen Maschen.