Singapore, Malacca, Java. Reiseskizzen von F. Jagor.
Part 27
Vor langer, langer Zeit lebten fünf Brüder, Pendówo, Königssöhne von gewaltiger Körperkraft. Um noch stärker zu werden, zogen sie sich auf den Gipfel des Ardjuno zurück und bauten sich auf der Kuppe Indrogeni fünf Häuser, in welchen sie als Einsiedler lebten. Sie beteten täglich um Vermehrung ihrer Körperkraft, und da sie Allah so viel näher waren, drang ihr Gebet um so deutlicher zu ihm. Zu derselben Zeit lag auf dem Südabhang des Semerugipfels eine grosse von Geistern bewohnte Stadt, die einem mächtigen König gehorchte. Der Geisterkönig hatte viele Töchter von ausserordentlicher Schönheit. Um eine derselben bewarb sich der mächtige Radjah von Melusina; sein Gesuch wurde aber mit Hohn zurückgewiesen. Da wandte er sich um Hülfe an einen der fünf starken Brüder auf dem Ardjuno. Dieser begab sich nach der Geisterstadt, kämpfte lange mit dem stolzen König, ward aber endlich überwunden und zog sich nun auf den höchsten Gipfel (Pedodaren) des Ardjuno zurück, wo er noch inbrünstiger betete, als zuvor. Bald fühlte er sich auch so gestärkt, dass er zu neuem Kampf gegen den Geisterkönig aufbrach. Noch ehe er die Geisterstadt erreichte, kamen ihm die schönen Prinzessinnen (Widodari = Genien), die sich in den starken Helden verliebt hatten, bis zu einer Bergkuppe am Südabhang des Semeru entgegen, der in Folge davon noch bis auf den heutigen Tag Widodaren heisst. Diesmal erschlug der Held den Geisterkönig, welcher Usu hiess, gab seinem Freunde, dem Radjah von Melusina, die schöne Prinzessin, und heirathete alle ihre Schwestern.
Ein Versuch, Javas höchsten Vulkan, den Semeru zu ersteigen, scheiterte an der Zaghaftigkeit und Böswilligkeit des Bedana von Madjang-tenga. Ich kam aber bis zur Kuppe von Widodaren, und hatte somit Gelegenheit, eine der eigenthümlichsten, wildesten und grossartigsten Landschaften zu sehen, die Java enthält. Von Malang läuft die Strasse SO., fast rechtwinklig fünf wasserreiche Bäche durchschneidend, die vom Westabhang des Berges Semeru her in den dicht am Ostabhang des Berges Kawi hinfliessenden Kali-Brantes fallen. Dieser umfliesst die Vulkanengruppe des Kawi, Kelut und Ardjuno in einem Bogen und mündet nicht weit von seiner Quelle an der Grenze von Surabaya und Pasuruan. Südlich von Malang kamen wir durch einen ganzen Wald von merkwürdigen, dem Waringi verwandten Feigenbäumen. Zwischen Madjang-tenga und Widodaren am Südwest-Abhang des Semeru, ist alles mit dichtem, feuchtem Wald bedeckt, in welchem riesige Bambusen auftreten und bald vorherrschend werden. Ich mass einige von 26 Zoll Umfang, es sollen noch dickere vorkommen; ihre Höhe beträgt 60-70', sie haben sehr dünne Wände und sind bis zur Spitze mit Wasser gefüllt, das krystallhell hervorsprudelt, wenn man die Halme anschneidet. Die Kulis kochten ihren Reis in diesem Wasser und zogen es dem der Bäche vor. Die hohen, dünnen, mit Wasser gefüllten Halme brechen leicht ab und bilden auf dem Boden ein viele Fuss hohes Durcheinander von mehr oder weniger morschen Röhren, auf denen man zuweilen wie auf einem Gerüst geht, häufig aber auch einbricht und dann tief in den morschen Boden einsinkt. Die Feuchtigkeit war sehr gross, selbst Nachmittags wehte jeder Luftzug einen Thauregen von den Blättern. Ein prachtvolles Stück Landschaft entfaltete sich am Bach Mandjing. Man überschreitet ihn kurz vor der Stelle, wo die flache Lavabank, auf der er bisher geflossen, plötzlich abbricht. Da der damals wasserarme Bach nur einige flache Rinnen in der Bank ausfüllte, so konnte man trockenen Fusses auf festem Gestein bis an den Rand des Abgrundes treten. Steht man in der Richtung des Wasserlaufes, so erhebt sich vor Einem eine beträchtlich höhere Tuffwand, in welche der Bach eine mehrere hundert Fuss tiefe Kluft mit senkrechten Wänden ausgewaschen hatte, so schmal, dass die hohen Bambusen, die auf den beiden oberen Rändern wachsen, sich darüber kreuzen. Auf der Kuppe Widodaren, wo wir übernachteten, war es so feucht, dass wir nur mit grosser Mühe Feuer anzünden konnten. Der innerste Kern des trockensten Holzes, das zu finden war, wurde in dünne Stäbchen, so fein wie Zahnstocher, geschnitten, ein anderer Theil wurde fein geschabt und in den Händen zu Pulver zerrieben; nachdem erst dieses, dann die Stäbchen in Brand gebracht, wurden immer grössere Stückchen angelegt, bis zuletzt ein munteres Feuer entstand. Der Bedana traf erst eine Stunde später im Bivuak ein und fuhr fort, seine Zweifel gegen die Möglichkeit der Besteigung des Semeru auszusprechen. Gegen Abend hörten wir deutlich starke Schläge, wahrscheinlich Ausbrüche des Kraters, konnten aber wegen des dichten Nebels nichts sehen. Früh um 3 donnerte der Semeru abermals. Es war eine klare, sternhelle Nacht, der Gipfel deutlich sichtbar, ein Feuerschein aber nicht wahrzunehmen. Um 6-1/2 Uhr früh waren wir endlich marschfertig, der Bedana stellte sich so müde, dass er schon nach 200 Schritten zusammensank und sich erst nach langem Zureden wieder ermannte. Nachdem wir auf Banteng- (wilde Büffel) Wegen eine Strecke weiter gestiegen, gelangten wir an eine Stelle, wo der Bedana das Weitergehen hartnäckig verweigerte. Quer vor uns lag eine tiefe Schlucht, deren beide Seitenwände aber durch einen Zwischenrücken aus Rapilli verbunden waren, es war derselbe Rücken, auf welchem Junghuhn früher die Schlucht überschritten, die einzige schwierige Stelle auf dem ganzen Wege. Er mag damals vielleicht etwas leichter zugänglich gewesen sein; denn jetzt erhoben sich auf dem scharfen Grat einzelne Pfeiler aus Rapillimasse, zu lose und zu steil, um darüber fortklettern zu können, aber leicht zu beseitigen. Der Bedana hielt es für zu gefährlich, den Rücken zu betreten, und verweigerte auch den Leuten die Erlaubniss. Ich bot meine ganze Beredsamkeit auf, räumte mit einem langen Bambus die ersten beiden Pfeiler so weit ab, dass man hinüber konnte; aber mein Beispiel war eben so unwirksam, als meine Bitten, keiner verliess den Rand der Schlucht. Nachdem ich so eine Stunde gearbeitet hatte, während der Bedana und seine Leute, Betel kauend, ruhig zusahen, überlegte ich, was zu thun sei. In einer Stunde hätten die Leute das Hinderniss beseitigen können, in 4-5 Stunden hätten wir dann den Gipfel erreicht. Wäre der Bedana nicht dabei gewesen, so wären mir die Leute gewiss gefolgt, wie schon so häufig auf schwierigen Stellen; sein Befehl hielt sie zurück. Ich musste mich zur Umkehr entschliessen. Ohne ein Wort zu sprechen, kehrten wir nach Madjang-tenga zurück, das wir an demselben Abend erreichten. Während ich gestern in gespannter Erwartung und fröhlichster Stimmung nur für die Pracht des Waldes Augen hatte, sah ich heut, niedergeschlagen durch das verfehlte Unternehmen, nur die Hindernisse, die die üppige Vegetation dem Reisenden in den Weg legt, und roch überall nur den Moder der faulenden Pflanzen. Die Einförmigkeit der Heimreise wurde nur durch die Ausbrüche des Semeru unterbrochen. Ein erster lauter Knall erfolgte um 11, dem andre um 12, 12-1/4, 1, 2 Uhr folgten. Von 4 Uhr an donnerte es fast eine Stunde lang mit ganz kurzen Unterbrechungen, jeder Ausbruch dauerte etwas weniger als eine Minute, die Pausen waren gewöhnlich nicht viel länger. Welch prachtvolles Schauspiel müssten wir auf der Gipfelplatte gehabt haben!
Auf dem Wege nach Malang begegnete uns ein eigenthümliches Brautpaar, der Bräutigam über 20, die Braut kaum 9 Jahre alt. Beide sassen mit Blumen geschmückt, gelb bemalt, in einem offenen Wagen neben einander; die Braut sah schüchtern und gelangweilt, der Bräutigam sehr albern aus. Ueber sie hielt man einen grossen Sonnenschirm. Ein Zug geputzter Leute mit Gamelang-Musik folgte dem Wagen. Ich erfuhr, dass sich häufig erwachsene Männer Kinder antrauen lassen, die dann bis zu ihrer Mannbarkeit bei den Eltern bleiben. Einen Paal östlich von der Strasse, die von Malang nach Pasuruan führt, liegt der Wasserfall Kali-Baong, ein von Reisenden oft besuchter schöner Punkt. Vor etwa 8 Tagen besichtigte ihn ein Engländer, den ich in Malang kennen lernte, mit seiner Frau. Als sie wieder nach ihrem Wagen zurückgingen, sprang ihnen plötzlich ein grosser Tiger in den Weg, glotzte sie an und lief weiter, ohne sie anzugreifen.
Ohne mich in Pasuruan aufzuhalten, reiste ich nach der etwa 20 Paal weiter östlich an der Küste gelegenen Hafenstadt Probolingo, um von dort aus noch das Tengger-Gebirge und den Lamongan zu besuchen. Das Küstenland behält denselben Charakter, wie zwischen Surabaya und Pasuruan, die Zuckerfelder bedecken einen sehr grossen Raum; die Einförmigkeit der flachen Reisfelder wird angenehm unterbrochen durch einzelne Fächerpalmen und sehr zierliche Wächterhäuschen auf hohen Gestellen, die mitten aus den Feldern hervorragen. Häufig gehen von ihnen nach allen Richtungen lange Stricke aus, an denen Bambusklappern hängen. Ein kleiner Junge setzt sie in Bewegung und vermehrt den Lärm nach Kräften, um die Vögel zu verscheuchen. Von Probolingo führt eine fahrbare Strasse bis Paras-goang an der Südküste; die Entfernung beträgt in gerader Linie 45 Paal (9 deutsche Meilen), das ist die schmalste Stelle der ganzen Insel. Westlich von der Strasse erheben sich das Tengger- und Semeru-Gebirge, östlich der fast immer thätige Lamongan. Nur in der Mitte wird die sonst ebene Strasse von einer kleinen Erhebung unterbrochen; südlich davon breitet sich eine weite Fläche aus, die weiter nach Osten versumpft und an der südlichen Küste durch eine niedrige Dünenwand eingefasst wird. In der Mitte dieser Ebene bei Lemadjang fand ich einen pensionirten deutschen Arzt, der damit umging, für eine Gesellschaft europäischer Kapitalisten eine Cocospflanzung von 100,000 Bäumen anzulegen. Er erwartete den Landvermesser, der ihm das von der Regierung bereits bewilligte Pachtland überweisen sollte, um dann gleich an die Arbeit gehen zu können. Die Pläne schienen wohl erwogen. Zwischen den Cocos, die vor dem 9ten Jahr kaum einen nennenswerthen Ertrag geben, sollten Cacao, die schon nach 4 Jahren, und Erdnüsse gezogen werden, die gleich im ersten Jahre eine Ernte gewähren. Die Erwartung, dass eine solche Pflanzung, wenn sie erst einmal in vollem Betriebe ist, jährlich einen Nutzen von 1 Dollar per Baum, also 100,000 Ds. abwerfen werde, so übertrieben sie auch denen scheinen mag, die nur mit den Erträgen europäischer Kulturen bekannt sind, stimmten genau mit den Notizen überein, die ich in Malacca darüber gesammelt hatte; nur rechnet man hier die Kosten der Anlage auf einen D. per Baum, in Malacca auf einen halben, so dass hier jemand, nachdem er 8-9 Jahre gewartet, jährlich 100%, dort 200% Zinsen von seinem Kapital pflücken würde.
Das grosse Geschick der Javanen in der Beurtheilung geringer Höhenunterschiede habe ich bereits früher gerühmt; dass sie mit grosser Genauigkeit nach dem Stand der Sonne die Zeit zu bestimmen vermögen, ist kein Wunder; im östlichen Java aber fand ich die Leute so ausgezeichnet orientirt, dass sie selbst im Hause statt der Ausdrücke rechts, links, vorn, hinten u. s. w. gewöhnlich die Himmelsrichtungen gebrauchten, z. B, gieb mir die nordwestliche Schüssel, stelle Dich südl., komm nach Osten u. s. w.
Nach einem mehrtägigen Aufenthalt im Tengger-Gebirge, dessen rein geognostische Ergebnisse hier nicht am Platz sind, besuchte ich noch den Lamongan. In angenehmer Gesellschaft verlebte ich den Abend am stillen Ufer des waldumsäumten von Tigern umschlichenen Klakasees und brach am folgenden Morgen mit dem Adjudanten des Obersten v. S. auf, um den so selten ruhenden Lamongan zu ersteigen, dessen Gipfel sich in unserm See spiegelte. Man zweifelte sehr an der Ausführbarkeit unseres Unternehmens. Junghuhn hatte bei seinen verschiedenen Besuchen nicht einmal den Versuch machen können, da der Vulkan dann immer in voller Thätigkeit war. Wir ritten zuerst SW. um den Rand des Sees herum, durch Kaffeegärten, dann Ost, geradeaus durch dichten Wald, in welchem nur zwei Stellen zur Anlage neuer Desas frisch gelichtet waren. Nach zweistündigem Ritt erreichten wir mit der Grenze des Waldes ein ebenes Lavafeld von etwa 9° Neigung, durch tiefe Sprünge vertikal zerklüftet und mit einem dichten Teppich von schönen Flechten bekleidet, auf dem wir bequem an den Fuss des Auswurfskegels gelangten. Er bestand an dieser, der Südseite, aus ziemlich festem Sand, der stellenweis mit Auswürflingen überschüttet war, die der Regen vom oberen Gehänge herabgespült hatte. Das Aufsteigen auf diesem Boden war äusserst beschwerlich, weshalb denn auch unsere Kulis nach ostjavascher Sitte allmälig zurückblieben und einer nach dem andern hinter grossen Steinen untertauchten. Alles Zureden, Schelten, Drohen brachte sie nicht wieder zum Vorschein, so dass wir schliesslich mit unsichtbaren Zuhörern sprachen. Mit ihnen verschwanden auch unsere Instrumente, darunter ein Barometer. Nach einigen Stunden mühsamen Kletterns erreichten wir im obersten Drittel des Kegels eine feste Lavabank, ohne Schlackendecke, welche letztere wohl längst durch Regen und Wind in die Tiefe gestürzt worden. Das Vorkommen einer solchen festen Bank an einem Abhang von mehr als 30° Neigung war gewiss interessant! Sie gewährte uns ein ziemlich sicheres Auftreten und reichte fast bis an den Gipfel. Nur die letzten 40' etwa bestanden aus gelbem Sand. Aus allen Spalten der Kuppe, bis auf 100' abwärts, drangen sehr heisse Wasserdämpfe; schweflige und salzsaure waren durch den Geruch nicht wahrzunehmen. Links von uns, im W. zog sich in NO.-SW.-Richtung eine gegen 100' breite, flache, muldenförmige, bolusrothe Rinne auf 2/3 des Kegels hinab, an ihrem oberen Ende war die Dampfentwickelung besonders stark. Die Spitze des Kegels war schon seit einer Stunde in dichten Nebel gehüllt, der ganze Krater mit kondensirten Dämpfen erfüllt; ich sah nichts als das Segment des Randes, auf welchem ich stand. Nur einmal schimmerten zwei Felsenpfeiler durch den dicken Nebel, deren Entfernung und Richtung auf eine grosse Dimension und senkrechte Wände des Kraters schliessen liessen. Nachdem wir vergeblich eine kurze Zeit auf etwas Aussicht gewartet, verkündete ein Donnerschlag, von einigen grossen Regentropfen begleitet, den Anfang eines Gewitters. Wir entschlossen uns zum Rückzug und verliessen ohne Ergebniss den mühsam erklommenen Gipfel. Der Regen wurde zu einem wahren Sturzbad; vorsichtig rutschten wir die nun glatte Lavabank hinab, wobei uns beiden die Stöcke entfielen, die in gerader Richtung in die Tiefe glitten. Der Sand, durch den Regen in einen schweren, schwarzen Brei verwandelt, floss in breiten, flachen Massen träge abwärts. Die Steine, durch das Wasser wie belebt, stürzten mit reissender Schnelle die neu entstandenen Rinnen entlang, wie Sturzbäche, deren grösseres Volumen aus Steinen bestand. In einer solchen, die ich wegen ihrer stufenförmigen Sohle zum Hinabsteigen gewählt hatte, wurde ich mehrere Klafter weit aufrecht stehend fortgerissen, ehe ich mich auf das Ufer retten konnte. Die elektrischen Entladungen waren sehr stark; ein Schlag, der den Berg traf, warf meinen Begleiter und mich gleichzeitig zu Boden, was aber wohl hauptsächlich unserer unsicheren Basis zuzuschreiben war. Wir hatten nun etwa die Hälfte des Abhangs zurückgelegt und folgten einer flachen Rinne. Die durch den Regen und Wind vom oberen Gehänge gelösten Steine hatten hier schon solche Fallkraft erlangt, dass sie in mehr als haushohen Bögen den Berg hinabsprangen. Von beiden Seiten gelangten sie in unsere Mulde und bildeten ein wahres Kreuzfeuer. Zeitweis flogen sie so dicht, dass wir darauf gefasst sein mussten, zerschmettert zu werden. Einige wenige hatten reichlich 1' Durchmesser, die meisten waren kaum 5-6'' gross. Aber selbst den grossen vorsätzlich auszuweichen, war nicht möglich, da sie bei jedesmaligem Aufschlagen ihre Richtung änderten. Wir waren hier hülflos dem blinden Zufall preisgegeben, retteten uns aber endlich auf den höher gelegenen Rand, wo wir nur selten in Gefahr kamen. Den Umständen nach befanden wir uns wohl, mein Begleiter hatte einige schmerzhafte Quetschungen erhalten, die ihm das Athmen sehr erschwerten, ich war mit einer starken Kontusion und einem Loch im Bein davongekommen. Indem wir hier einige Augenblicke ausruhten, musste ich mir gestehen, kaum jemals ein prachtvolleres, grossartigeres Naturschauspiel in grösserer Nähe beobachtet zu haben; der peitschende Regen trat neben den übrigen Erscheinungen ganz in den Hintergrund. Als wir den Fuss des Kegels erreichten, hörte der Regen auf. Mein Begleiter hatte sich auf der ganzen Tour sehr wacker gehalten, wie es sich für einen jungen Krieger ziemt, erklärte aber zum Schluss, dass er sich das Studium der Geologie ganz anders vorgestellt habe und keine besondere Neigung dafür empfinde. Gegen Sonnenuntergang erreichten wir den Pasanggrahan, gleichzeitig mit dem Oberst, der in einem Nachen von einer Jagdpartie zurückkehrte und uns ungläubig auslachte, als wir behaupteten, den Gipfel des Berges erstiegen zu haben.
Beinwunden heilen in heissen Ländern ausserordentlich schwer, der Arzt in Probolingo sagte zwar, ich habe gutes „Geneesvleesch”, unterwegs verschlimmerte sich aber die Wunde wieder und heilte erst, nachdem ich eine Woche in völliger Ruhe unter der Pflege eines vortrefflichen deutschen Arztes in Plantungan zugebracht hatte. Ueberdies trat auch jetzt die Regenzeit mit solcher Entschiedenheit ein, und mein Aufenthalt in Java hatte so sehr die ursprünglich dafür bestimmte Zeit überschritten, dass ich theils im Dampfboot, theils zu Lande der flachen nördlichen Küste folgend, nach Batavia zurückeilte. Besonders bedauerte ich, von Surabaya und seiner Umgebung bei meiner ersten Anwesenheit so wenig gesehen zu haben, da die interessanten Exkursionen nach den vielen Regierungs- und Privatetablissements dieser in hohem Grade gewerbthätigen Stadt nun unterbleiben mussten. Surabaya hat bei weitem den besten Hafen von Java; hier mündet auch der bedeutendste Fluss der Insel und die Regierung hat dort grosse Schiffswerften und Maschinenbauanstalten, in denen unter Leitung weniger europäischer Offiziere alle Arbeiten von Inländern ausgeführt werden.
Es war Anfang Dezember geworden, alle Tage hatten wir starke Regen; bei Tagal, einer kleinen Hafenstadt zwischen Cheribon und Samarang, war der Fluss so angeschwollen, dass er kaum in seinem Bett Platz hatte. Zu beiden Seiten der durch 1 - 1-1/2 Fuss hohe Dämme geschützten Landstrasse waren die flachen Reisfelder (nicht künstlich bewässerte Sawas) in Seen verwandelt, aus denen einzelne Häuser wie Schiffe hervorragten. Der Eintritt der Regenzeit hatte grosse Thätigkeit hervorgerufen, überall wateten hoch aufgeschürzte Frauen im Sumpf und pflanzten Reis, Männer betheiligen sich nicht an dieser Arbeit. -- Korrespondenz, Verpacken und Versenden von Sammlungen, nahmen die wenigen Tage bis zum Abgange des Dampfers nach Singapore fast gänzlich in Anspruch, so dass ich von Batavia und seinen interessanten Museen nur wenig sah.
Eine Geschichte von Java, so kurz, wie die am Schluss von Singapore und Malacca gegebenen, würde wenig mehr enthalten, als sich in jeder grösseren Geographie findet; eine ausführlichere liegt nicht im Plan des Buchs. So schliesse ich denn die flüchtigen Skizzen dieses Reiseabschnitts mit dem Wunsch, dass der Spruch: „Wer Vieles bringt, wird Manchem etwas bringen”, sich auch hier bewähren möge.
[52] Es scheint eine grosse Härte, den armen Frachtfuhrleuten die schöne Strasse zu verbieten; doch ist es nicht wohl zu ändern, da ihre aus massiven Holzscheiben bestehenden, ursprünglich runden, durch Abnutzung aber bald vieleckig gewordenen Räder die beste Strasse in kurzer Zeit zu Grunde richten würden. Karren mit ordentlichen Rädern ist die Benutzung der Poststrasse gestattet.
[53] Die Zeichnung ist von Batu-tulis, etwas südlich von Buitenzorg, aufgenommen.
[54] Trotz aller Befürchtungen steht gegenwärtig der Preis des Chinins sehr niedrig und ist seit dem Krimkrieg fortwährend gefallen. -- Auch hat man nach einer Mittheilung, die Prof. Karsten erhielt, jetzt bei Loxa Cinchonapflanzungen angelegt, deren Rinde man alle 6 Jahre zu verwerthen erwartet.
[55] Am 19. April 1865 ist er, erst 36 Jahre alt, in Balanta, an der Ostküste von Celebes, den Strapazen und Wirkungen des Klimas erlegen, die er als Leiter einer mehrjährigen, mit grossem Erfolg ausgeführten Entdeckungsreise in Neu-Guinea und Gilolo erduldet hatte.
[56] Herausgegeben von der Gesellschaft zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse in Amsterdam.
[57] Die Arachis ist ein unscheinbares, auf dem Boden kriechendes, krautartiges Gewächs mit langgestielten Schmetterlingsblüthen. Die Blüthen über dem Boden bleiben unfruchtbar, gewöhnlich senkt sich aber die Schote in die Erde und reift dort 2 bis 3 Kerne von Haselnussgrösse. Daher der Name Grundnuss. Die Pflanze gedeiht in allen tropischen und subtropischen Ländern und wird auch im südlichen Europa, besonders in Spanien, gebaut, wo ihre Früchte, geröstet, als Mandeln gegessen werden. Der Anbau dieser Pflanze nimmt seit einigen Jahrzehnten ausserordentlich zu, veranlasst durch die Nachfrage in Europa. Fast der ganze Export aller Produktionsländer geht nach Südfrankreich, hauptsächlich nach Marseille, von wo aus das daraus gewonnene Oel unter dem Namen Olivenöl über die ganze Welt verbreitet wird. Die Fabrikation hat dort solche Vollkommenheit erreicht, dass selbst Kenner kaum im Stande sind, einen Unterschied zwischen dem Olivenöl und dem Katjang-Oel zu finden. Letzteres vertritt daher das Oliven- und Mandelöl in allen seinen Anwendungen.
Bereits am 12. Juni 1852 sagte Dumas in der Société d'Encouragement: „Olivenöl ist gegenwärtig auf einen ausserordentlich hohen Preis gestiegen, nicht nur im südlichen Frankreich, sondern auch an den Küsten von Italien, wo die Olivenbäume ganz verschwunden sind. Das Oel der Arachis, deren Name fast noch ganz unbekannt, ist ohne Zweifel eins der wichtigsten Produkte. Vor 8 oder 10 Jahren kam ein Marseiller Haus auf den glücklichen Einfall, 4 oder 5 ℔ Katjang-Oel nach Frankreich zu bringen, und seitdem hat die Einfuhr so zugenommen, dass sie jetzt eine Höhe von 70 Millionen Kilogr. erreicht. Dieser grosse Verbrauch lässt sich leicht begreifen, wenn man in Betracht zieht, dass das Katjang-Oel fast alle Eigenschaften des Olivenöls besitzt.” Im Journal des Débats vom 12. Oct. 1863 heisst es: Vor 20 Jahren war die Arachis von Senegambien nicht einmal in unsern Zolllisten aufgeführt; heut werden in Frankreich allein 500,000 Kilogr. eingeführt. Der Anbau hat so zugenommen, dass er den Sklavenhandel auf jener Küste verdrängt hat.” Als Surrogat für die geringen Speiseöle, an die man in Berlin gewöhnt ist, wird aber nicht sowohl Arachis-, als das viel billigere Sesamum-Oel, welches in noch viel grösserer Menge, namentlich von Kurratschi eingeführt wird, verwendet.
[58] Bei Gelegenheit der Vorarbeiten für die Eisenbahn hat man einen viel niedrigeren Pass gefunden, über welchen jetzt eine neue Strasse mit Umgehung des Megamendong angelegt wird. Sie ist bereits bis auf die Brücken vollendet (1865).
[59] Auch er ist bereits am 24. April 1864 in Lembang gestorben; doch hat er sich ein bleibendes Denkmal errichtet durch sein von Hasskarl auch ins Deutsche übersetzte Werk: Java, seine Gestalt, Pflanzendecke und innerer Bau.
[60] Daendels hatte einen Regenten abgesetzt, weil er eine Strasse zu steil über ein Bergjoch geführt hatte; -- aus Furcht vor einem ähnlichen Schicksal baute ein andrer Fürst die Strasse im Zickzack durch die Ebene.