Singapore, Malacca, Java. Reiseskizzen von F. Jagor.

Part 23

Chapter 233,451 wordsPublic domain

Nachmittags um 5 Uhr fand auf dem Alun-alun, vor dem Hause des Regenten, ein ~Rompok~ statt. Der grosse viereckige Platz war mit mehreren Reihen von Lanzenträgern umgeben, es mochten ihrer wohl über 2000 sein. In der Mitte des Vierecks standen zwei kleine, mit Stroh überschüttete Käfige und ein dritter, höherer, in Form eines Daches. Die beiden ersten Käfige enthalten je einen Tiger. Ein dichter Kranz von Zuschauern umgiebt die Lanzenträger. Auf ein gegebenes Zeichen wird ein Käfig in Brand gesteckt, der Tiger will aber durchaus nicht erscheinen. Es ist dieselbe arme Bestie, die schon heut morgen vom Büffel so übel zugerichtet wurde; schon fürchtet man, dass er verbrannt oder erstickt sei, als er endlich mit dem Hintertheil zuerst zum Vorschein kommt. Kaum aber hat er sich umgesehen, so läuft er in den brennenden Käfig zurück, und es dauert abermals geraume Zeit, bis er zum zweitenmal heraustritt. Ohne sich vom Platz zu rühren, mustert er genau das Terrain und späht ängstlich nach einem Schlupfwinkel. Da er keinen Schritt thut, setzt sich das mit Bewaffneten angefüllte dachförmige Gestell in Bewegung, aus dessen Oeffnungen ihre langen Lanzen hervorragen. Sie zwingen endlich das Thier, sich zu bewegen. Da der Tiger fast immer gegen die Richtung des Windes läuft, so war die Windseite am stärksten bemannt worden. Diesmal aber wich er mit richtigem Takt von seiner Gewohnheit ab, stürzte sich plötzlich auf eine schwach bemannte Stelle in der Nähe unseres Pavillons, und machte einen verzweifelten Versuch, durchzubrechen. Kaum aber hatte er die Stelle erreicht, als er von zwanzig Lanzen durchbohrt zu Boden sank. Man steckte den zweiten Käfig in Brand. Das muthige Thier springt mit einem Satz heraus, stutzt, mustert seine Feinde, setzt sich in Lauf und versucht an der Windseite einen Durchbruch, dort zurückgedrängt, wiederholt er einige Schritte weiter denselben Versuch, wird aber sogleich durchbohrt, indem alle Nahestehenden, unfähig, ihre Leidenschaft zu zügeln, ihm ihre Lanzen in den Leib stossen. Der Regent bot mir die Tiger an, da aber die Felle zerfetzt waren, und ich deren bereits fünf besass, so begnügte ich mich damit, die Eingeweidewürmer meiner Sammlung einzuverleiben und liess mir einige Tigerkoteletten braten, die gegen Erwarten gut, fast wie Rindfleisch schmeckten, was die übrigen Gäste nicht glauben wollten, die vor dem Fleisch einen gewissen Ekel empfanden. Der Resident bestätigte aber mein Urtheil. Er hatte früher in Banjuwangi, wo Rindfleisch nur selten vorkam, den Rücken eines jungen Tigers in Form von Rinderbraten bereiten und einige in der Provinz ansässige Pflanzer zum Diner einladen lassen. Das Fleisch schmeckte ihnen vorzüglich, und sie entdeckten den Verrath erst, als sie den Rest des Thieres in der Speisekammer hängen sahen.

Nachdem ich meine naturwissenschaftlichen und ethnographischen Sammlungen, die auf der Reise so angewachsen waren, dass sie fast den ganzen Platz im Wagen und einen auf dem Verdeck eingerichteten Raum einnahmen, wohl verpackt dem Assistent-Residenten übergeben, der sie pünktlich, wie er versprochen hatte, mit dem ersten Schiffe an unsere Museen absandte, verliess ich Tjelatjap und begab mich nach Banjumas, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, wo ich einige Tage im Hause des Residenten zubrachte. Neben der sehr geräumigen „Residenz” lag ein zweites Haus mit breiter Veranda, eine ganze Reihe Fremdenzimmer enthaltend, in welchen die fünf oder sechs gleichzeitig anwesenden Gäste so unabhängig und behaglich, wie in einem guten Hotel wohnten.

In Adjibarang, einem SW. vom Slamat gelegenen Dorfe, traf ich eine Abtheilung Topographen (Mestizen) unter Leitung eines holländischen Hauptmanns, und war erstaunt über ihre Leistungen. Die in aequidistanten Horizontalen aufgenommenen Messtischblätter eines reich bewässerten, verwickelten Hügelterrains konnten sowohl in Bezug auf Genauigkeit als auf schöne klare, reliefartige Darstellung den besten europäischen an die Seite gestellt werden. Der Maasstab war 1: 10,000. Seit 1848 besteht in Gombong eine Schule für Europäer und Mischlinge, zur Heranbildung von Unteroffizieren; die besseren Schüler werden zu Topographen ausgebildet. Ganz in der Nähe von Adjibarang ist ~Batubala~, eine wenige Fuss breite, über hundert Fuss lange, tiefe Spalte, nahe dem Rande einer gegen 200' hohen, senkrechten Lavawand, in welche früher die Sultane von Jokjokarta ihnen unbequeme Personen ohne alle Form von Prozess mit auf den Rücken gebundenen Händen werfen und elend verschmachten liessen. Von Adjibarang bis Purwolingo, um den SO.-Fuss des Slamat herum, breitet sich zu beiden Seiten reiches Kulturland aus, ungemein ergiebig durch fruchtbaren Boden, reichliche Bewässerung und den Fleiss einer dichten Bevölkerung. Während aber in den meisten Ländern die fruchtbarsten Auen sehr einförmig sind, und nur mittelbar durch die Betrachtungen über ihren Nutzen erfreuen, gehören die Sawas in diesen malerischen Berglandschaften zu den schönsten Bildern, die man sehen kann. Jeder Hügel ist fast bis zum Gipfel von Terrassen umgeben, die seinen Umrissen folgen und diesen Denkmälern menschlichen Fleisses die Gestalt gegliederter Baudenkmäler geben, während tausend kleine Kaskaden die starre Form beleben.

In Purwolingo erwartete mich der Assistent-Resident. Wir legten die erste Strecke im Wagen zurück, ritten dann bis Bobotsári und am folgenden Tage nach Priatin. Nicht weit von der Strasse bricht die Quelle des Kali-arus mit solcher Wasserfülle aus horizontalen Lavabänken hervor, dass ein schnell fliessender, 5' breiter Bach daraus entsteht. Aus einigen Löchern sprudelte das Wasser 1/2 Fuss hoch.

Etwas weiter, in der Nähe des Dorfes Seraju, liegt der malerischste Wasserfall, den ich je gesehen (Tjipotut): vom Rande der dicht bewachsenen Hinterwand fällt ein reichlicher Bach in ein erstes, fast kreisrundes, flaches Becken, in dessen mittlerem Theil das Wasser einen Teich bildet, worin mehrere Frauen badeten, während andere auf dem ringförmigen Rande im Schatten schlanker Bambusen mit ihnen scherzten. Aus einer Rinne stürzte das Wasser in ein zweites Becken und von da in einen tiefen, runden Kessel, dessen finstere mit Farnen bekleideten Tuffwände einen schönen Gegensatz zu den oberen sonnigen Becken bildeten. Als ich vom Wasserfall zurückkehrte, sah ich meinen Begleiter beschäftigt, Anstalten gegen den Regen zu treffen, der uns bevorstand, d. h. er wickelte seine Uhr und Brieftasche geschickt in ein Bananenblatt, so dass das Wasser davon, wie von einem Dache ablaufen musste. Kaum waren die Vorbereitungen vollendet, als ein heftiger Regen eintrat, der ununterbrochen bis Priatin anhielt, das wir nach einigen Stunden erreichten. Herr B. war wieder ein Beispiel für die Richtigkeit der Behauptung, die ich in Indien so oft von Aerzten und alten Praktikern hörte, dass nämlich ein sonst gesunder Körper sich am besten akklimatisirt, wenn er kein Wetter und keine Strapazen scheut. Obgleich mein Gefährte schon 28 Jahre in ostindischen Diensten stand, und namentlich als Kontrolör grosse Beschwerden erduldet hatte, war er noch so rüstig, dass er in seiner dünnen Kattunjacke den in 3-4000' Höhe doch ziemlich kalten Regen anscheinend ohne alle Belästigung ertrug. Der Abend in Priatin war sehr schön. Die Kulis lagerten sich um ein gewaltiges Wachtfeuer und erfreuten sich am Gamelang und Tanz der Ronggengs, der bis spät in die Nacht dauerte.

Am folgenden Morgen, nachdem ich mich von meinem freundlichen Begleiter, der nach Purwolingo zurückkehrte, verabschiedet hatte, bestieg ich den Slamat, auf dessen östlichem Abhang Priatin in 4000' Höhe liegt. Einen Paal weiter stehen die letzten von einigen Kaffeebauern zeitweis bewohnten Hütten. Das Steigen wäre viel beschwerlicher gewesen, hätten wir nicht bald Rhinozerospfade getroffen, die in bequemen Windungen bis an den Schuttkegel führen, aus dem die Spitze des Berges besteht. Diese Thiere müssen hier sehr häufig sein, wir trafen vielfach ihre Spuren. Im ganzen Westen von Java kommen sie vor; der Slamat bildet aber die östlichste Grenze ihres Verbreitungsbezirks. Das Nashorn ist so scheu, dass man es fast nie zu Gesicht bekommt; doch werden einzelne Fälle angeführt, wo es, wahrscheinlich in der Brunstzeit, Menschen angegriffen hat. Die plumpen Thiere ersteigen die höchsten Berge, wo sie ihr Lieblingsgras in Menge finden, und sind unübertrefflich im Anlegen von Strassen: indem sie immer derselben Spur folgen, schleifen sie mit ihrem tief herabhängenden, faltigen Lederpanzer und dem daran haftenden Sande allmälig tiefe Rinnen mit völlig glatten Wänden selbst in das härteste Gestein. Nicht minder wunderbar erscheint der ausgezeichnete topographische Takt, mit welchem alle Terrainschwierigkeiten umgangen, steile Stellen durch Zickzacklinien überwunden werden; das Wunder erklärt sich aus der Unbeholfenheit des Thieres, dem schwierige Stellen unzugänglich sind. -- Das Fell des Rhinozeros dient zu verschiedenen Zwecken; als Schild lässt es keine Musketenkugel durch; die Chinesen gebrauchen es in der Medizin. Das Horn gilt in Java als ein sicheres Mittel gegen Schlangengift, nicht nur bei den Eingebornen, auch viele gebildete Europäer sind von seiner Wirksamkeit so fest überzeugt, dass sie auf Reisen gewöhnlich eine dünne Scheibe davon bei sich tragen, in der Meinung, dass durch Auflegen der porösen Masse auf die Wunde das Gift unfehlbar ausgezogen wird. Eine Dame, die auf diese Weise einen von einer Schlange Gebissenen „geheilt”, hatte sogar die Hornscheibe vorher in Essig gelegt, um sie noch wirksamer zu machen!

Nachdem wir die Waldgrenze überschritten und die Region betreten hatten, in welcher nur einzelne Bäume aus einige Fuss hohem Grase hervorragten, genossen wir einen prächtigen Anblick. Hinter den Vorbergen des Slamat sah man das nördliche Flachland und hinter diesem die Java-See sich ausbreiten, im Westen überragte der Tjerimai die kleineren Berge, im Osten thürmte sich ein hoher Vulkan hinter dem andern auf, dahinter die 9-10,000' hohen Sindoro, Sumbing, Merapi, Merbabu; im Süden lag die reiche Provinz Banjumas und der indische Ozean. Die beiden Meere sind von hier fast gleichweit entfernt. Mehrere tausend Fuss unter uns schwebte in einer horizontalen Ebene die Wolkenschicht, unzählige Cumuli bildend, und warf auf den Erdboden scharf begrenzte Schatten, die durch die Zwischenräume deutlich zu erkennen waren. Der schöne Anblick dauerte nicht lange, die Cumuli verschwammen zu einer dichten, jede Aussicht verhüllenden Nebeldecke, noch ehe wir den oberen Rand der Grasregion erreicht hatten, die scharf, wie abgeschnitten, an den Schutthaufen grenzt, auf dem man die letzten paar tausend Fuss zum Kraterrande emporsteigt. Als ich mit 2-3 Begleitern oben ankam, stellte sich ein feiner, kalter Regen ein, der uns in unserer sehr dünnen Kleidung vor Kälte zittern machte. Allmälig kamen einige Leute mit Gepäck, es wurde ein Wachtfeuer angezündet; gegen Abend glich der Berggipfel einem grossen Lagerplatz. Herr B. hatte in liebenswürdigster Zuvorkommenheit 20 Kulis zu meiner Begleitung bestimmt, und dieselben mit allerlei Geräthen der Bequemlichkeit ausgerüstet, um diese Exkursion zu einer wahren Vergnügungsreise für mich zu machen. Als ich aber gegen Abend die Menschen an den verschiedenen Feuern zählte, waren ihrer über 80, von denen die grosse Mehrzahl doch nur zu ihrem Vergnügen sich betheiligt haben konnte, da nicht anzunehmen ist, dass jeder Kuli noch drei Unter-Kulis habe.

Aus drei Matten und ein paar Bambusen war schnell eine kleine Zelle für mich erbaut, deren eine Seite die Felswand bildete. Allmälig füllte sie sich mit allerlei Luxusgegenständen: ein Träger brachte eine Lampenglocke, andre ein Waschbecken, Teller, Theetassen. Ein trockener Rock und etwas zu essen wäre mir lieber gewesen; die Aussichten für die Nacht waren etwas ungemüthlich, als zu meiner Freude noch spät Abends der Koch erschien, der schon auf einem Halt unterwegs das Essen zubereitet hatte. Mit ihm zugleich kam eine mit Baumwolle gestopfte Matratze, worin ich eine unerwartet angenehme Nacht zubrachte, indem ich ihr oberes Ende aufschnitt und bis an den Hals hineinkroch.

Bei ihrem Aufgang warf die Sonne den langen Schatten des Slamatkegels auf die über der Ebene schwebende Wolkenschicht, aber bald wurde es völlig trübe und die Aussicht beschränkte sich auf die nächsten Punkte. Am nördlichen Abhang erblickt man einige kleine Seitenkrater, wie man deren so viele am Aetna wahrnimmt. Gegen Mittag verliessen wir den Gipfel. Am unteren Rande des Schuttkegels begegneten wir noch mehreren Kulis mit Gegenständen, die uns gestern Abend sehr angenehm gewesen wären. Sie hatten die Nacht im weichen Grase gelagert und kehrten nun mit uns um. Als wir kaum die Rhinozerospfade betreten hatten, begann es so heftig zu regnen, dass diese schmalen, Laufgräben ähnlichen Wege sich in Bäche verwandelten. Um 4 Uhr Nachmittags waren wir wieder in Priatin.

Bei der Rückkehr nach Banjumas hatte ich das Vergnügen, unsern Landsmann, den Oberst v. S., kennen zu lernen, der als Chef des Geniewesens auf einer Inspektionsreise begriffen war und mir bis zu dem Augenblick, wo ich Java verliess, unzählige Gefälligkeiten erzeigte. Mein Bedienter war von den Strapazen der letzten Reise krank geworden; der Resident von Banjumas nöthigte mir, als ich nach einigen Tagen abreiste, einen der zuverlässigsten und intelligentesten seiner eigenen Diener auf, der mich während meines ganzen ferneren Aufenthalts in Java begleitete und überhäufte mich überdies mit Aufmerksamkeiten, deren ich zum Theil erst nach meiner Abreise inne wurde.

Ich kann nicht unterlassen, bei dieser Gelegenheit nochmals der grossen Gastfreundschaft in Java und der Art ihrer Ausübung zu gedenken, denn sie bildet einen der hervorragendsten Züge im dortigen Reiseleben, der in der Erinnerung um so deutlicher hervortritt, je mehr sich die andern Eindrücke verwischen. -- Bei den Völkern lateinischer Abstammung wird Einem im ersten Auflodern der Gefälligkeit so viel mehr versprochen, als gehalten werden kann, dass Alles nothwendig auf eine höfliche Formel hinauslaufen muss, die aber gerade, weil sie nichts kostet, so allgemein ist, dass der oberflächliche Verkehr mit ihnen dadurch eine angenehme Färbung erhält. Die Engländer, die das, was sie versprechen, auch wirklich zu halten meinen, zaudern vorsichtig mit ihrem Entgegenkommen und stossen expansive Ausländer durch ihre kalte Gemessenheit ab. In Java wird die Formel der Spanier: „Sie sind in Ihrem Hause, dies Haus ist das Ihrige”, zur Wahrheit, ohne je ausgesprochen zu werden; wie überhaupt die unzähligen, dem Fremden erwiesenen Dienste, aus Furcht, dass er sie ablehnen könnte, nie vorher angeboten werden. Dass der Bediente nach den kleinen Gewohnheiten, den Lieblingsgerichten, den Speisestunden seines Herrn ausgefragt, und dass danach die Hausordnung abgeändert wird, ist durchaus nichts seltenes; aber nicht nur auf die Dauer des Besuchs beschränkt sich die liebenswürdige Fürsorge; mehreremale, wenn ich auf einem Berggipfel oder in einem abgelegenen Pasanggrahan das tägliche Huhn mit Reis essen wollte, fand ich den Tisch mit allerlei Leckerbissen besetzt, welche die Frau des Hauses, in dem ich zuletzt eingekehrt war, dem Diener heimlich zugesteckt hatte.

Fünftes Kapitel.

Hochebene von Dïeng. Vulkane. Solfataren. Tempel. -- Vogelscheuchen. -- Tempel Perot. -- Affengemeinde. -- Bad. -- Fliegende Hunde. -- Borobudor. Pavon. Mundut. -- Sultan von Jokjokarta und seine Familie. -- Salzgewinnung. -- Karang-tritis. -- Getäuschter Gastfreund. Landpächter. -- Indigofabriken. -- Begräbnissplatz Imogiri. -- Tempel bei Kalasan und Prambanan. -- Surakarta. -- Der Kaiser und sein Hofstaat. -- Betelkauen. -- Pangerans. -- Tanz. -- Der alte Blücher. -- Batek. -- Berg Lawu. Raden Rio. -- Neujahrsfest in Surakarta.

Von Banjumas führt eine schöne Strasse im Serajuthal auf der linken (südl.) Seite des Flusses nach Bandjar-negara. Der Ort hat eine sehr hübsche Lage. Den Hintergrund bildet eine Berglandschaft mit schönen vulkanischen Profilen, überragt vom Sindoro und Sumbing, den beiden Brüdern, wie sie die Schiffer nennen, die sie von der Rhede von Samarang erblicken; im Vorgrund ziehen sich die Terrassen der Reisfelder an den Seiten der steilsten Hügel hinan. Eine Wasserleitung, die Bandjar-negara mit gutem Trinkwasser versorgt, überschreitet in doppelter Bogenreihe den Fluss und sieht fast wie ein Römerwerk aus. Der Fahrweg folgt dem Laufe des Flusses bis Wonosobo; ich setzte aber die Reise zu Pferde über Karang-kobar und Batur nach dem berühmten Plateau von Dïeng fort. Gleich bei Bandjar-negara führt eine malerische Bambusbrücke über den Fluss.[92] In einem kleinen Warong daneben sah ich Yams (Dioscorea sp.) von intensiv violetter Farbe feil bieten.

Hier beginnt die Strasse, die in Bezug auf grossartige Landschaften wohl jede andre in Java übertrifft: zwischen Hügeln, die ganz mit Sawas bedeckt sind, erheben sich kühne Felsen; einer derselben, der Gunong-labet, besteht aus dem Rest einer einzigen riesigen, konzentrisch schaligen Trachytkugel. In weiterer Ferne thürmen sich durch tiefe Schluchten zerrissene Gebirge immer höher auf bis zum Slamat, dessen 10,630' hoher Gipfel alles überragt. Hinter Karang-kobar wird die Landschaft noch ernster, die fast kahlen Berge zeigen ihre Modellirung um so deutlicher. Für Reisfelder ist es hier oben zu kalt; Mais, Tabak, Weizen und Gemüse treten an ihre Stelle. Auch Bambusen sieht man wenig in dieser Höhe, deshalb führen hölzerne Brücken über die Bäche. Von den Häusern sind die besseren aus Holz, die ärmeren aus Glaga, dem mehrfach erwähnten Rohr, die Wände bestehen aus den Halmen, die Dächer aus den Blättern.

Bei Batur (5000') betritt man im NW. die Hochebene von Dïeng, Javas phlegräische Felder. Der Weg führt zuerst durch braune Tuffschluchten, ganz wie bei Rom, und das Plateau ist kahl wie die Campagna. Links von der Hauptstrasse liegt ~Kawa-dringu~, eine Vertiefung in einem Bergabhang, der aus abwechselnden Lagen von Rapilli und Trachytblöcken besteht, ein graubrauner Schlammsee, etwa 20' lang und 50' breit bedeckt den Boden; die Dampfentwickelung ist so heftig, dass der Schlamm stellenweise 4 Fuss in die Höhe geworfen wird. In geringer Entfernung, NzO., liegt ~Telaga-dringu~, ein Wasserbecken im Boden eines alten Kraters mit etwa 120' hohen, sanft ansteigenden Wänden. Das Wasser ist nicht tief, selbst aus der Mitte ragen Binsen hervor. Der westliche Abhang ist mit Gras, der östliche mit Gesträuch und Bäumen bewachsen, die sich in Gruppen bis auf eine etwas erhabenere Felsbank in den See hineinziehen, auf welchem viele Tauchenten den Fischen nachstellten.

~Sumor-djalatunda~, Junghuhn nicht bekannt, daher auf seiner Karte von Dïeng nicht angegeben, liegt ca. 1-1/2 Paal in gerader Linie östlich von Batur, SSW. von Kaputschuan. Dicht dabei schneidet die Strasse Batur-Dïeng am Kali-puti (weissen Bach), der aus der Kawa-dringu kommt und hier am äusseren Abhang des Sumor vorbeifliesst; hier hat er schon alles Sediment unterwegs abgesetzt, ist völlig klar, kalt und geruchlos. Sumor (Brunnen) wird dieser Kratersee genannt, der ringsum von fast senkrechten, üppig bewaldeten Wänden eingefasst ist. Der See, der den Boden einnimmt, ist oval, seine grösste Länge in der Richtung von N. nach S. beträgt gegen 100', sein Wasser ist dunkelgrün. Das ganze Becken erinnert sehr an Telaga-warna am Megamendong, nur betritt man dies letztere im Niveau des Wassers durch eine Spalte in der Kraterwand, während hier das Seebecken unzugänglich ist. Die Wände sind 130-150' hoch und ringsum geschlossen, wie der Kessel eines Brunnens. Die äusseren Abhänge dieses Kraters bestehen an der einzigen Stelle, wo ich sie entblösst fand, aus sehr feinen weissen Tuffen, in welchen einige Schichten trachytischer Rapilli vorkommen.

Vierhundert Schritt östlich ist das ~Todtenthal~. Im Boden eines Kraters mit sanft geneigten Wänden, die mit Gras und Bäumen bewachsen oder mit Kohl und Tabak bepflanzt sind, liegt halb vergraben in der Rapillischicht, die den Boden bildet, ein grosser, flacher Stein, der schönste Trachytporphyr, den ich bis jetzt auf Java getroffen; dies ist die Stelle, wo früher die Mofette (siehe S. 147, Anmerkung) am heftigsten war. Ein paar Kulis erwarteten uns hier mit einem Hund und einem Huhn, um zu versuchen, ob die Ausströmung des Gases hinreichen würde, die Thiere zu betäuben; diese empfanden aber gar keine Wirkung. Der Auftritt erinnerte lebhaft an die neapolitanischen, zum Prellen der Fremden ersonnenen Kunststückchen in der Hundegrotte; hier war es indessen eine uneigennützige Aufmerksamkeit des Häuptlings. Die Ausströmungen scheinen fast ganz aufgehört zu haben, nur periodisch bemerkt man noch Spuren, wie sich aus einigen am Boden liegenden gebleichten Skeletten, sämmtlich kleinen Thieren angehörend, schliessen liess. Der schönste Sonnenschein beleuchtete die Kohlfelder dieses nach den Schilderungen des älteren Darwin so grausigen Ortes.

~Telaga-leri.~ Von üppigem Wald umschlossen, mit schön bewachsenen Inseln geschmückt, breitet sich ein grosser Schlammsee aus, mit graugrün schimmerndem, heftig wallendem Wasser, aus welchem hohe Dampfwolken aufwirbeln. Durch die ringsum thätigen, das Gestein zersetzenden Solfataren sind unzählige Buchten, Inseln und Landzungen entstanden. Der Mittelpunkt der vulkanischen Thätigkeit liegt gegenwärtig am Ostufer, aus dessen Sprudeln und Pfützen mehrere siedend heisse Bäche abfliessen, so dass wir die Eier und Kartoffeln zu unserer Mahlzeit durch Eintauchen darin kochen konnten. Mitten in dieser Verwüstung steht ein Schuppen, zwischen dessen Dielen eine dichte Vegetation von Faseralaun effloreszirt, der auch um denselben einen Teppich bildet. Dicht am Ostrande, unmittelbar neben den kochenden Wassern fliesst ein klarer, kalter, reiner Bach vorbei. Gegen Abend erreichten wir das eigentliche Plateau von Dïeng, ein ovales, ringsum von Bergen eingeschlossenes Thal. Indem wir über seine Fläche nach dem am jenseitigen Abhang (im Osten) gelegenen Pasanggrahan ritten, zeigten sich in geringer Entfernung von uns, zur Rechten, 4 kleine 20-25' hohe Tempel in einer Reihe, und ein fünfter, kleinerer, etwas seitwärts.[93]

Auf der Südseite des Plateaus erhebt sich am Abhang eines kleinen Hügels der mit schöner Skulptur reich verzierte Tempel Werkodoro und hinter ihm eine trotz ihrer Entstehung durch Solfataren liebliche Landschaft: kleine türkisblau und smaragdgrün glänzende Seen in blendend weissem Tuffboden von einer zackigen Bergwand umschlossen. Die Sohle des Thales von Dïeng ist an vielen Stellen versumpft, man kann aber grosse Strecken weit auf Lavafliesen gehen, überall liegen Trümmer behauener Steine umher. Auf den Abhängen stehen noch mehrere kleine mit Gesträuch bewachsene Tempel, die meisten sind aber umgestürzt und bilden nur noch Schutthaufen. Die gewaltigen Naturerscheinungen, die hier in seltener Fülle als Vulkane, Solfataren, kochende Seen auftreten, scheinen dem religiösen Aberglauben grossen Vorschub geleistet, die Bildung einer mächtigen Priesterkaste begünstigt und die Gründung zahlreicher Tempel veranlasst zu haben. Junghuhn entdeckte hier eine merkwürdige Inschrift, von der bis jetzt nicht ausgemacht ist, welchem Volk und welcher Zeit sie zugeschrieben werden muss. -- Ein mit dem Brahma- und Buddhakultus und seinen Monumenten vertrauter Forscher würde gewiss hier sowohl als weiter östlich in Java ein reiches Feld für seine Thätigkeit finden.