Singapore, Malacca, Java. Reiseskizzen von F. Jagor.

Part 22

Chapter 223,468 wordsPublic domain

Nach dem langen Aufenthalt im Hochlande fand ich es hier erschlaffend heiss; Moskitos waren so zahlreich, dass um alle Häuser Rauchfeuer brannten. Ich folgte dem Nordrand der Insel, deren westliches Ende aus Kalkklippen besteht, an denen bis zu beträchtlicher Höhe die Einwirkung des Meeres sichtbar ist, obgleich es jetzt nur noch ihren Fuss bespült. In diesen Kalkfelsen sind viele kleine Tropfsteinhöhlen, in denen aber trotz allen Suchens keine Knochen aufzufinden waren. Da, wo die Kalkfelsen aufhören, die Küste flach wird, treten Mangelsümpfe auf, die, wenige felsige Stellen des Südrandes ausgenommen, das ganze übrige Gestade der Kindersee mit einem breiten Gürtel einfassen und die Rawa von Jahr zu Jahr vergrössern. Bevor wir bei Manundjaja, einer ärmlichen, kleinen Häusergruppe im sumpfigen Walde, das Land betraten, besuchten wir Paniteng, eines der merkwürdigen Dörfer, deren sich mehrere mitten aus dem seichten Meere erheben. Es war nur im Kahn zu erreichen und ruhte ganz auf Pfählen. Die Hütten bildeten ein Viereck und waren nach Aussen durch eine Gallerie, nach Innen durch einen Hof von Bambuslatten verbunden, wodurch in diesem Venedig eine Art Markusplatz entstand, auf welchem Fische getrocknet wurden. Es war ein ärmliches, schmutziges Dörfchen, aber interessant als ein Beispiel moderner Pfahlbauten.

Nach vielen vergeblichen Bemühungen von Manundjaja aus Karang-andjar zu erreichen, wo die Rafflesia Padma auf den Wurzeln eines Cissus in solcher Menge wächst, dass Junghuhn „keinen Schritt thun konnte, ohne eine zu zertreten”, schifften wir uns nach Tjelatjap ein. Nusa-kumbangan tritt mit der östlichen Hälfte seines Nordrandes so hart an das Festland, dass der Meeresarm, durch welchen die Kindersee mit dem indischen Meer in Verbindung steht, kaum die Breite eines mittelmässigen Flusses hat. Die östliche Spitze biegt sich hornartig nach Norden und schützt dadurch den am jenseitigen Ufer gelegenen Hafen von Tjelatjap. Von hier bis zur Mündung des Kali-Seraju gen Osten, bildet die Küste einen nach NW. gerichteten Bogen, und streicht dann als flaches Gestadeland in fast gerader Richtung, die Provinzen Banjumas und Bagelen im Süden begrenzend, bis Karang-tritis, im Gebiet des Sultans von Jokjokarta. Dort hört der Strand plötzlich auf; schroffe Felsenwände, die im Allgemeinen dasselbe Streichen beibehalten, aber sehr zerrissen und vielfach ausgezackt sind, fassen nun den Südrand der Insel bis zur östlichsten Spitze ein, nur einmal durch eine sumpfige Ebene unterbrochen. Auf der ganzen Strecke giebt es keinen Hafen mehr, kaum einen Zufluchtsort für Fischer. Die Schifffahrtsbücher beschreiben die Südküste von Java als „eisenumgürtet” (ironbound); kein Schiff wagt ihr zu nahen.

Zwischen Tjelatjap und Karang-tritis erhebt sich aus dem Flachland, etwa im Drittel der Erstreckung, ein ins Meer hineinragender Felsenberg Karang-bollong, der in seiner, dem Meere zugekehrten steilen Wand die berühmten Höhlen enthält, welche die essbaren Vogelnester liefern. Ihnen galt mein erster Besuch.

Eine sehr gute Strasse läuft dem Strande parallel nach dem isolirt liegenden Gebirg. Vom Meer trennt sie nur ein wenige tausend Fuss breiter Saum von dichtem grünem Rasen, auf dem Büffel weiden, oder im Schatten von Bambusbüschen wiederkäuen. Links von der Strasse, landeinwärts, liegen wenige Dörfer, von kleinen Feldern umgeben; der grösste Theil des Flächenraumes wird aber von Morästen eingenommen, in deren Pfützen und Gräben weisse, unbedeutende Nymphaeen und kleinblättrige Limnanthemum blühen. Auch hier waren Teakbäume angepflanzt. Im Pasanggrahan von Adiredjo traf ich drei Landsleute von der topographischen Abtheilung, die mit Aufnahme der Provinz Banjumas beschäftigt war. Die Aufnahmen fanden im Maassstabe von 1:10,000 statt. Die Triangulationen waren über ganz Java beendigt, das Ausfüllen geschah ohne Messtisch, mit Schmalkalderscher Bussole. Ich kam an mehreren Zimmetpflanzungen vorüber und fand auch Baumwolle in kleinen Feldern angebaut, die aber nicht recht gedeihen will, angeblich wegen der grossen Feuchtigkeit. In Gumpangpasir sah ich das Zimmet für den Handel bereiten. Die Pflanze (Cinnamomum zeilanicum) wird als Strauch kultivirt. Man schneidet die Triebe, wenn sie etwa die Grösse eines gewöhnlichen Spazierstocks haben; jeder Baum wird jährlich acht- bis neunmal geschnitten und liefert je 2 oder 3, im Jahre also ungefähr 2 Dutzend Stöcke. Nachdem sie gleich auf der Pflanzung von Laub und Seitenzweigen entblösst sind, werden sie bündelweis in einen Schuppen gebracht, wo ein Arbeiter die Rinde der ganzen Länge nach aufschlitzt und vom Stock löst. Er sitzt dabei auf dem Boden, hält das eine Ende des Stocks mit der Hand, das andere mit den Zehen fest; eine Frau schabt mit einem sichelförmigen, an beiden Enden mit Handgriffen versehenen Messer die Korkschicht von der abgelösten Rinde. Die zurückbleibende Bastschicht, welche den Zimmet des Handels giebt, wird dann in mehreren Lagen über einander zu 3 Fuss langen Streifen an einander gelegt, die sich beim Trocknen von beiden Rändern aus nach der Mittellinie hin zusammenrollen. In der Sonne werden sie vollständig getrocknet. Zweihundert solcher Rollen bilden ein Bündel.

Der Zimmetbau ist 1825 durch die Kolonial-Regierung in Java eingeführt und später als ein Zweig des Kultursystems in grösserer Ausdehnung betrieben worden, hat aber statt des erwarteten Gewinns immer nur Verlust ergeben, so dass man demnächst wohl die Pflanzungen an Privatunternehmer verpachten wird. Die Qualität ist durch sorgfältige Kultur sehr gehoben worden, ohne jedoch der des Zimmets von Ceylon gleichzukommen. Nach dem Durchschnitt der letzten Jahre betrug die Ausfuhr im Mittel etwa 200,000 ℔, beinahe ein Drittel so viel als von der „Zimmetinsel” Ceylon. Wie der Verbrauch fast aller andern Gewürze nimmt auch der des Zimmets eher ab als zu. Die künstliche Vertheuerung[86] dieses ursprünglich auf Ceylon und Malabar beschränkten Gewürzes durch das erst 1833 aufgehobene Monopol hat viel zur Verbreitung der Cassiarinde (Cassia lignea) als Surrogat beigetragen.[87]

Ueber den breiten, aber kurzen Kali-adiredjo führt eine Bambusbrücke, die, auf Bambusflössen ruhend, mit der Ebbe und Fluth fällt und steigt. Zu beiden Seiten derselben standen lange Reihen eigenthümlicher Fischapparate: kleine Häuschen auf 15' hohen Gestellen, jedes mit einem grossen Senknetz versehen, das vermittelst einer rohen Welle und eines Rotangstricks aufgeholt werden kann. Gegen 5 Uhr erreichte ich Djetis, wo ein schlechter Pasanggrahan in hübscher Umgebung am westlichen Ufer des gleichnamigen Flusses liegt, der hier in das indische Meer fällt. Am jenseitigen Ufer erheben sich die hohen Felskuppen von Karang-bollong.

Am folgenden Morgen fuhr ich über den Fluss, der die westliche Grenze von Ambal des südlichen Theils der Provinz Bagelen bildet; ich traf den Assistent-Residenten und setzte in seiner angenehmen Gesellschaft den Weg über den Felsrücken fort, der hier die flache, fast geradlinige Küste plötzlich unterbrechend, mehrere Paal weit ins Meer ragt. Nach wenigen Stunden erreichten wir am jenseitigen Fuss des Berges den Ort Karang-bollong, welcher die Beamtenwohnungen und das Magazin für die Vogelnester enthält. In der Mitte des letzteren erhob sich ein reich geschmücktes, der Geisterkönigin Loro-kidul, Schutzpatronin der Nestersammler, geweihtes Bett, vor welchem Früchte, Blumensträusse, Räuchergefässe standen; eine verzierte Kiste enthielt ihre Garderobe, die von Zeit zu Zeit auf Kosten der Regierung erneuert wird. Loro-kidul hat eine eigene Kammerjungfer, die zur Zeit der Lese die Göttin befragt, ob die Nester gepflückt werden dürfen oder nicht. Die Antwort lautet gewöhnlich bejahend, zuweilen aber auch verneinend; dann wird nach einigen Tagen wieder angefragt, und immer noch hat Loro-kidul zur günstigen Zeit die Erlaubniss ertheilt, vielleicht aus Furcht, durch Eigensinn ihre Kammerjungfer zu verlieren. Die Nester werden dreimal jährlich eingesammelt. Es war jetzt gerade die Zeit, wo mit der zweiten Lese begonnen werden sollte. Die Leute waren beschäftigt, Bambus- und Rotangleitern in Stand zu setzen, um vom oberen Rande der Felsenmauer aus in die Höhlen zu steigen. Vom Meere her sind sie nicht zu erreichen. Für die grosse Höhle Gua-gedeh sollten die Vorbereitungen den nächsten Tag fertig sein; so hatte ich denn Gelegenheit, eine dieser berühmten Höhlen zu besuchen, wozu ein Fremder wohl nicht leicht Erlaubniss erhält. Die Beamten, denen der Besuch freisteht, haben ihrerseits wenig Lust, sich dem beschwerlichen und als halsbrecherisch geschilderten Gang auszusetzen, da sie nicht die Neugier eines Reisenden besitzen.

Auf dem Gipfel des Bergrückens, der die Thalmulde, in welcher das Packhaus liegt, vom Meer trennt, stehen drei kleine Flaggenstöcke, von denen, wenn die See ruhig ist, so dass man gefahrlos den Eingang der Höhle erreichen kann, weisse, im andern Falle schwarze Flaggen wehen. Loro-kidul war liebenswürdig, 3 weisse Fähnchen winkten von der Höhe.

Hat man den gegen 1000' hohen Bergrücken erstiegen, so geniesst man eine herrliche Aussicht. Jenseits der jähen Felsen, die wie grosse Strebepfeiler die senkrechte Bergwand an der Seeseite stützen, breitet sich das indische Meer, im Osten die Ebene von Bagelen, im Westen die von Banjumas aus. Ein bequemer Pfad führt zur Meeresküste hinab, bis zu einer Stelle, wo derselbe plötzlich an einer senkrechten Wand aufhört. Von hier steigt man auf einer Leiter hinab, deren Seiten aus Rotang, deren Sprossen aber aus Bambus bestehen, und von der nur das oberste um einen Baum geschlungene Ende sichtbar ist, der übrige 90' lange Theil der Leiter hängt frei in der Luft vor der Wand, die an dieser Stelle nach Innen einspringt. Der Sicherheit wegen muss man barfuss gehen. Von der untersten Sprosse tritt man auf einen kaum 1-1/2' breiten Felsenvorsprung, in dessen Spalten einige Pflöcke eingekeilt und noch ausserdem durch kleine Stricke an den Unebenheiten des Gesteins befestigt sind. An diesen Pflöcken sind die beiden Enden eines dreifachen Rotang fest gemacht, der von hier in die Tiefe hinabhängt, und dessen unten entstehende Biegung (sogenannte doppelte Bucht) eine 27' lange Bambusleiter trägt, deren oberes Ende auch noch an den Pflöcken des Felsenvorsprunges mit kleinen Stricken festgebunden ist. Der ganze Apparat flösst dem Neuling wenig Zutrauen ein. Auf dem kleinen Vorsprunge muss man sich umdrehen, um die Bambusleiter, die man nicht sieht, mit den Füssen zu erreichen und weiter in die Tiefe zu steigen. Auf der untersten Sprosse angelangt, befindet man sich etwa 10' über dem Meeresspiegel. Um diese Sprosse und die die Leiter tragende Rotangschleife ist das Ende eines mehrere 100' langen Rotangs geschlungen, das in die Höhle führt, wo es an den Unebenheiten der Decke vermittelst Arengstricken befestigt ist. Man geht auf diesem Rotang und hält sich mit den Händen an einem zweiten, einige Fuss darüber angebrachten. Es waren nur erst diese beiden Rotangs festgemacht; später zieht man deren mehrere nach allen Richtungen. Die Nester sitzen in Reihen an den Felswänden, werden mit der Hand gesammelt, und wenn sie nicht erreichbar sind, mit einer Stange, deren Ende eine Schaufel mit Netzbeutel trägt. Das Geschäft ist wohl nicht so gefährlich, als es aussieht, denn seit 1830, wo der Besitz der Höhle an die Holländer überging, soll nur ein Mann dabei verunglückt sein. Früher pflückte man die Nester je einen Monat früher, wenn noch die jungen Vögel darin lagen, die herausgeworfen und vernichtet wurden; jetzt sammelt man sie erst, nachdem die Jungen flügge geworden sind und sichert sich dadurch einen beständigen Ertrag. Dagegen sind die um so viel älteren Nester nicht durchgängig von so guter Beschaffenheit. Diese Höhlen, deren 19 im Gebirge von Karang-bollong liegen, gingen erst nach Unterdrückung des Aufstandes von Dipo-negoro (1830) in den Besitz der holländischen Regierung über, welche alle seit den ältesten Zeiten bei dem Sammeln üblichen abergläubischen Gebräuche, an denen die Eingebornen so fest hängen, beibehalten hat. Sie geben einen interessanten Einblick in die Sitten der Javanen, weshalb ich eine kurze Beschreibung derselben theils nach Mittheilungen, die ich an Ort und Stelle erhielt, theils nach einer Abhandlung eines früheren Assistent-Residenten von Ambal hier beifüge. --[88]

Das Sammeln der Vogelnester findet dreimal im Jahre statt, die erste Ernte, Unduan-kesongo, Ende April, die zweite, Tellor, Ende August, die dritte, Kapat, im Dezember; der Gesammtertrag beläuft sich auf 44-45 Pikul. Vor dem Beginn der Lese erhalten die Häuptlinge der verschiedenen Klippen Geld zur Beschaffung von 9 Büffeln, 2 Ziegenböcken, Rotangs, Bambus, Fackeln, Opium und Weihrauch, dann werden aus der zugänglichsten Höhle Nogasari bei recht stiller See einige Probenester geholt. Sind die Vögel hinreichend entwickelt, so findet das Opferfest mit Wayang (Schattenspiel) und Toppeng (Maskenspiel) statt. Nach dem Adat[89] beginnt das Fest an einem Donnerstag Abend. Freitag früh werden die Büffel geschlachtet und Stückchen Fleisch an dem Bollong und den Wachthäusern geopfert, an der Klippe Madjingklak aber wird ein Geisbock geopfert und geräuchert; diese Festlichkeiten heissen ~Ngadiran~. Nachmittags ist Wayangspiel im Bollong. Nach Beendigung desselben bringt die bereits erwähnte Kammerjungfer das Bett der Loro-kidul (das „Teufelsbett”) in Ordnung, der Spiegel am Kopfende desselben wird dann mit seidenen Kleidern behängt. Ausser dieser Frau, Tukang-gedong, darf es Niemand berühren. Nachdem das Bett festlich geschmückt und Lampen angezündet sind, tritt die Frau mit grossen Ehrenbezeugungen vor dasselbe und spricht auf hochjavanisch: „Auf Befehl meines Herrn (des Aufsehers) bringe ich Euch hier zu essen”, worauf sie sich gleich selbst die Antwort giebt: „Ya, Mak tukang-gedong: sage dem Vater, meinem Herrn, dass ich ihm für das mir gesandte Essen meinen Dank bezeuge.” Dann fragt Tukang-gedong, ob Njai Kidul erlaubt, dass Nester gepflückt werden, und ob es ohne Unglücksfall geschehen werde, worauf gewöhnlich „ja” geantwortet wird. Während der ganzen Nacht spielt der Toppeng in der Nähe des Packhauses bis zum folgenden Morgen. Samstag früh bringen die Häuptlinge mit ihren Leuten die bereits verfertigten Leitern nach den verschiedenen Klippen und treffen weitere Vorbereitungen. Den ganzen Tag über ist Toppeng, Abends Gamelang und Tanz, wobei die Tänzerinnen zu Ehren Loro-kiduls das Gesicht nach dem Packhause wenden. Inzwischen wird das Essen aufgetragen. Alles setzt sich im Kreise: Schreiber, Bedana, Mantris, die Häuptlinge der Klippen und ihre Leute; der Schreiber führt den Vorsitz und bringt Toaste auf einen guten Erfolg aus. Jeder Anwesende erhält eine Gabe Opium; der Tanz währt bis Mitternacht, womit das Fest sein Ende erreicht. Sonntags gehen die Häuptlinge wieder nach ihren Klippen, verlängern, wenn die See ruhig ist, die Leitern bis an die Höhlen und holen einige Probenester herauf; sind diese hinreichend ausgebildet, so werden die Leitern an den Gestellen befestigt, was gewöhnlich 5-6 Tage erfordert. Ist Alles bereit, so wählt man, um zu beginnen, einen Tag, der für besonders glücklich gilt. Die Zahl der Sammler beträgt zuweilen am ersten Tage 80-90, verringert sich aber schnell mit der Abnahme der Nester. Beim Abliefern ins Packhaus findet wieder ein kleines Festmahl mit rothem und weissem Reis statt. Die Lese dauert 3 Wochen bis 2 Monate, dies hängt vom Zustand der See, aber auch von abergläubischen Rücksichten ab. Die Lese im August oder Anfangs September ist gewöhnlich die ergiebigste. Die Zugänglichkeit der Höhlen ist sehr verschieden; ebenso verschieden ist auch ihr Ertrag: während die Höhle Muliran nur 1-3 Nester lieferte, gab die grosse Höhle Nogosari im Jahre 1857 3229 ℔; der Gesammtertrag aller Höhlen in den verschiedenen Jahren bleibt aber bis auf ganz kleine Schwankungen derselbe, weshalb der amtlichen Büchern entnommene Ertrag von 1857 als Norm hier angeführt werden mag. Die Nester werden sortirt in ganze, zerbrochene und Grus. Für den Markt hat dies aber keine Bedeutung, da die ganzen Nester mit den Bruchstücken vermengt, nach dem Gewicht verkauft werden. Man sortirt aber auch nach drei Qualitäten: 1) weisse, 2) weniger weisse, 3) braune und schwarze. Totalertrag sämmtlicher Höhlen 1857: ganze Nester: 196,583 Stück, zerbrochene: 109,528, Grus: 1106 ℔, Totalertrag in Pfunden: 5354. Im Durchschnitt werden die Nester auf den öffentlichen Auktionen in Batavia 1. Qual. mit 6200 fl., die 2. mit 5000, die 3. mit 2800 fl. per Pikul von 125 ℔ bezahlt. Ueber den Stoff, aus dem die Nester bestehen, herrschten bis vor Kurzem sehr abweichende Vorstellungen. Erst Dr. Bernstein beschrieb nach wiederholten sorgfältigen Beobachtungen ihre Entstehung, sowie er auch der Gattung Collocalia Gr., die Bonaparte wieder zu den Schwalben gestellt hatte, in Folge genauer anatomischer Untersuchungen ihre richtige Stellung im System in der Familie der Cypseliden anwies und dadurch Gray's frühere Klassifikation, ohne sie zu kennen, bestätigte.

Nach Bernstein[90] kennt man von der Gattung Collocalia bis jetzt nur 4 Arten: C. esculenta Lath., G. nidifica Lath., beide auf Java einheimisch, C. troglodytes Gr. & Mitch., den Molukken und Philippinen und C. francica, allein der Insel Mauritius angehörend. Die Nester von C. esculenta, seit Jahrhunderten bekannt und oft beschrieben, haben im Allgemeinen die Form einer der Länge nach geviertelten Eischale, die mit einer Seite am Felsen klebt, welcher die Rückwand des Nestes bildet. Von beiden Enden gehen flügelartige Ausbreitungen aus, die mit ihrer flachen Basis am Gestein festsitzend, die Hauptstütze des Nestes bilden, das aus einer sehr dünnen, durchscheinenden, weissen oder bräunlichen Masse besteht, die am meisten Aehnlichkeit mit Hausenblase hat und wellige Querstreifen zeigt. C. nidifica, die auf Java wohl noch häufiger ist, als die andre Art, wohnt in weniger unzugänglichen Höhlen und baut ihre Nester, die den andern sehr ähnlich sehen, zum grossen Theil aus Pflanzenbestandtheilen, welche durch die leimartige Substanz an einander geklebt werden, während die Nester von C. esculenta ausschliesslich aus dieser Substanz bestehen. Einige hielten diesen Stoff für den verhärteten Saft eines Baumes, Calambone,[91] andere für Seetang, vom Vogel verzehrt und wieder ausgespieen; doch hat man in seinem Magen nie Spuren von Pflanzenstoff, sondern nur Insekten gefunden. Einen Kropf, in dem die Metamorphose vor sich gehen könnte, besitzt der Vogel nicht. Bernstein fand aber an ihm ungewöhnlich entwickelte Speicheldrüsen, besonders glandulae sublinguales, die zur Zeit des Nestbaues ausserordentlich anschwellen, dann wieder kleiner werden und später die gewöhnliche Grösse dieses Organs bei verwandten Vögeln nicht übertreffen. Sie sondern einen dicken, zähen Schleim ab, der sich in grosser Menge an der Oeffnung der Ausführungsgänge dieser Drüsen, vorn unter der Zunge, anhäuft. Die Masse hat, oberflächlich betrachtet, grosse Aehnlichkeit mit einer sehr dicken Lösung von Gummi Arabicum, trocknet schnell an der Luft und stimmt auch, unter dem Mikroskop betrachtet, vollständig mit der Substanz der Nester überein. Bernstein beobachtete mehreremale diese Vögel beim Nestbau. Sie fliegen wiederholt an die gewählte Stelle und drücken mit der Zungenspitze einen Tropfen des Speichels gegen die Felswand. Dies wiederholen sie zehn- bis zwanzigmal, ohne sich mehr als eine Elle weit vom Platz zu entfernen, sie müssen also das Material, das sich schnell wiedererzeugt, in grösserer oder geringerer Menge bei sich führen. So entsteht als Grundlage des Nestes eine hufeisenförmige Erhöhung, der Vogel klammert sich daran und vergrössert, indem er mit dem Schnabel hin- und herfährt und den Schleim am Rande aufsetzt, das Nest, wodurch auch die oben erwähnten Streifen entstehen. Alle diese Angaben beruhen nicht auf Vermuthungen, sondern sind die Ergebnisse von Dr. Bernstein's wiederholten, mit grosser Umsicht angestellten Beobachtungen.

Von Karang-bollong kehrte ich nach Tjelatjap zurück. Schon in Adiredjo sah ich grosse Vorbereitungen für den auf den folgenden Tag festgesetzten Empfang des neuen Residenten von Banjumas treffen. Es erhoben sich ganze Reihen von Ehrenpforten aus Bambus, und gegen Abend fanden sich die holländischen und inländischen Beamten mit ihrem zahlreichen Gefolge ein, um dem Residenten von hier aus das Geleit zu geben. Die Strasse nach Tjelatjap war mit Zügen von Lanzenträgern bedeckt, die zu einem Rompok (Tigerstechen) entboten waren. Am folgenden Morgen hatten sich die vornehmsten Beamten mit dem Residenten im Pendopo des Regenten zur Erledigung der amtlichen Geschäfte versammelt. Neben dem Residenten in einfacher Uniform sass der Tumongong (Regent) in vollem Schmuck, den Sarong in künstliche Falten gelegt, 2 Krise an der Seite, eine fast fusshohe cylindrische Mütze auf dem Kopf; daneben auf dem Boden kauernd, dem Range nach geordnet, die höheren inländischen Beamten; vor der Halle im Freien hockten mit ihrem Gefolge die Bedanas und Aeltesten der verschiedenen Dorfschaften, um die Vertheilung der ihre Gemeinden treffenden Steuern und Lasten mit den Regierungsbeamten zu vereinbaren, wie es alljährlich geschieht. Nachdem die Geschäfte abgemacht, hielt der Resident dem Tumongong eine kurze Ansprache, worauf dieser vor die Versammlung trat und sie anredete. Darauf begaben sich der Resident nebst dem Regenten, von fast allen in Tjelatjap anwesenden Europäern gefolgt, nach einem Pavillon, um einen Kampf zwischen Königstiger und Büffel mit anzusehen. Ein wohl 20' hoher cylindrischer Bambuskäfig enthielt einen bekränzten Büffel; auf ein gegebenes Zeichen wurde eine kleine Thür geöffnet, die zu einem daran stossenden, kleineren, den Tiger enthaltenden Käfig führte. Alles wartete mit Spannung, der Tiger erschien aber nicht. Erst nachdem er ziemlich lange durch brennende Fackeln gepeinigt worden, schlüpfte er aus dem kleinen in den grossen Käfig, zeigte aber durchaus keine Kampflust. Er lief einigemal ängstlich im Kreise herum, bis ihm der Büffel, der ihn anscheinend mit dem Gleichmuth eines Unbetheiligten betrachtet hatte, einen Stoss gab, worauf der Tiger vor Angst an den Stäben in die Höhe kletterte. Durch kochendes Wasser, Absud von Pfeffer und Lanzenstiche wurde er von dort vertrieben. Beide Thiere wurden unaufhörlich von den oben auf dem Käfig stehenden Leuten gereizt, bis der Tiger endlich einen Sprung that und sich fest in das rechte Ohr des Büffels einbiss, indem er seine Tatze zugleich in den Nacken seines Gegners tief einschlug. Der Büffel versuchte vergeblich, ihn abzuschütteln, heulte vor Schmerz und schleifte den Tiger mehrmals auf dem Boden rings herum. Endlich liess dieser los und erhielt ein paar so kräftige Stösse, dass er wie todt liegen blieb. Der Büffel beroch ihn; als aber der Tiger den Versuch machte, nach ihm zu schnappen, erhielt er einen solchen Stoss, dass er wieder alle Viere von sich streckte. Das Publikum war zwar noch lange nicht befriedigt und wendete Pfeffer- und Stinkbrühen, Lanzenstiche und brennende Fackeln an, um die erschöpften Thiere noch einmal an einander zu bringen; aber vergeblich; die kleine Thür wurde endlich wieder geöffnet, der Tiger durch Feuer zum Aufstehen genöthigt, schlüpfte behend in seinen Käfig zurück.