Singapore, Malacca, Java. Reiseskizzen von F. Jagor.

Part 20

Chapter 203,265 wordsPublic domain

Für alle Arten von Gestellen, Gerüsten, Gittern, Rahmen ist der Bambus unübertrefflich; ausser der gewöhnlichen Leiter erhält man eine etwas weniger bequeme, aber viel tragbarere durch blosses Einhauen von Löchern in den Halm. Er liefert ebensowohl die zierlichen Käfige für kleine Singvögel oder Prachtkäfer, als auch die grossen, in denen bei Festlichkeiten Tiger und Büffel kämpfen. Soll in Hongkong ein grosses steinernes Haus gebaut werden, so führt man erst ein den äusseren Umrissen ähnliches grösseres Gebäude aus Bambus auf, und deckt es mit Bambus- oder Palmenblättern, unter deren schützendem Dache dann die Arbeit, unbehindert durch Regen oder Sonnengluth, um so schneller fortschreitet. Steinerne Theater sind, wie ich glaube, in ganz China nicht vorhanden; selbst das Theater in Canton, das eine grosse Zuschauermenge fasst, bestand nur aus Bambus.

Allerlei Hausrath, Stühle, Tische, Webestühle, Betten sind von Bambus; das lange krause Geschabsel dient zum Polstern; kühlere und elastischere Kissen erhält man, indem man eine feine Bambus- oder Rotangmatte über zwei in ihren Mittelpunkten an den Enden eines Stabes befestigte Scheiben straff spannt. Nicht nur die Hütte der Armen ist mit Bambus möblirt, auch in der Wohnung des Reichen findet man ihn in Form bequemer Schlummerstühle und in allerlei zierlichen Geräthschaften wieder. Vor der Veranda hängen Rollvorhänge aus feingespaltenen, durch Seidenfäden an einandergeknüpften Stäbchen, die zwar die Luft durchlassen, aber, namentlich wenn sie dunkelgrün gefärbt sind, das Licht angenehm dämpfen. Dort findet man auch die zierlichsten Körbchen und künstlich geschnitzte Becher. Die lackirten Bambusdosen von Birma sind berühmt und in Palémbang überzieht man Körbe aus dünnen Bambusspähnen mit einem Lack, der so elastisch ist, dass man sie völlig umstülpen kann, ohne dass Sprünge entstehen.

Ein Span von keilförmigem Querschnitt, dessen scharfe Kante von der kieselreichen äusseren Schicht gebildet wird, giebt ein sehr scharfes Messer; bei den feinen Piña-Webereien benutzt man nie ein anderes. Auch zu chirurgischen Operationen wird es verwendet. Dieselbe äussere Schicht liefert aber nicht nur ein scharfes Messer, sondern auch einen sehr wirksamen Wetzstein, um eiserne Messer zu schärfen.

In China wird das meiste Papier aus Bambus erzeugt, auch das in Europa für Kunstdrucke so geschätzte. Bei den Pinseln, die in China die Schreibfedern vertreten, bestehen die Schäfte aus Bambus; gröbere Pinsel macht man sich leicht, indem man das eine Ende eines Bambussplints so lange mit dem Hammer klopft, bis sich die einzelnen Längsfasern trennen.[81]

Für die Jagd und den Krieg liefert der Bambus Blasröhre, aus denen vergiftete Pfeile geschossen werden, Pfeilschäfte und Pfeilspitzen, Lanzen, Palissaden, spanische Reiter, auch Fusslanzen (6'' bis 2' lange, zugeschärfte Bambusspiesse, die so in den Boden gesteckt werden, dass nur die Spitzen hervorragen, welche mit Spreu oder lockerer Erde bedeckt, dem barfüssigen Feinde gefährliche Wunden beibringen). Der Dornenbambus, eine bis 40' hohe, sehr dickbuschige, vielverzweigte, überall mit scharfen Stacheln bewehrte Art, bildet einen undurchdringlichen Wall, gegen den selbst Artillerie kaum etwas vermag, so dass die Holländer, durch ihre Erfahrungen im Kriege gegen die Padrys auf Sumatra belehrt, ihn jetzt immer um ihre eigenen Festungen pflanzen.

Dem Fischer liefert der Bambus unübertreffliche Flösse, Masten, Segelstangen, Spreitzen für Mattensegel, Reusen, Fangkörbe, Speere zum Spiessen grosser Fische und „Ausleger”, um sein schmales Boot gegen Umschlagen zu schützen. Zu diesem Zwecke wählt man etwas bogenförmige Halme, die dem Boot parallel, die konvexe Seite nach unten, in Entfernung einiger Ellen vermittelst zweier Querstangen befestigt werden. Je nach der Stärke des Windes taucht das Rohr auf der Leeseite mehr oder weniger tief ein und stützt das Fahrzeug. Die Verwendung des Bambus zu Brücken geht am besten aus den Zeichnungen hervor,[82] ausserdem aber baut man auch solche, die flossartig im Wasser liegen. In Bambusen, deren Enden in einander gefügt sind, leitet man das Wasser grosse Strecken weit über Berg und Thal.

Eine kletternde, sehr zähe, dünne Art liefert gespalten, allerlei feines Flechtwerk, auch Stricke, sogar Säcke. Ja selbst Jacken machen die Chinesen aus einer kleinen Art, indem sie die Seitentriebe von der Dicke eines Rabenkiels in halbzoll lange Stücke schneiden, wie Schmelzperlen auf Fäden ziehen und zu quadratischen Maschen verknüpfen. Chinesische Stutzer tragen gern dergleichen Jacken auf dem blossen Körper, um ihr weisses baumwollenes Gewand gegen Schweiss zu schützen. Aus Bambusblättern bestehen die Regenmäntel der Armen und die groben Regenschirme der Höker. Die unter dem Namen Pfefferrohr in Deutschland bekannten Stöcke und Regenschirmstiele sind Bambus. Bei den chinesischen und japanischen Schirmen besteht das ganze Gestell aus Bambussplissen, und der Ueberzug aus gefirnisstem Papier.

Geht man in den Wald auf eine Exkursion, so sind die Kulis schwer zu bewegen, Tragkörbe mitzunehmen, da eine Bambuse alles Nöthige liefert, um Körbe, Kiepen, Tragen u. s. w. in kürzester Zeit zu flechten. Zur Bewahrung kleiner oder flüssiger Gegenstände dienen unmittelbar die Internodien. Auch die amtlich geaichten Maasse für Flüssigkeiten und Körner bestehen daraus.

In einem Bambusbusch stecken Musikinstrumente für ein ganzes Orchester. Am naheliegendsten ist die Verwendung zu Flöten und Pfeifen, Wie die Mintras Gitarren daraus machen, ist bereits erwähnt. Auch die abscheuliche chinesische Fidel „hii-ïeng” besteht aus Bambus. (In ein 3-4'' langes, 2'' dickes, an einem Ende mit einer Schlangenhaut trommelartig bespanntes Rohr, welches den Körper der Geige bildet, ist seitlich ein etwa 2' langer Bambusstock eingelassen, an dessen oberem Ende die Wirbel für zwei Saiten angebracht sind; der Steg steht auf der Schlangenhaut.) Ein sehr angenehmes Instrument dagegen ist das Anklong, bestehend aus einer Anzahl Rohre von graduirter Länge, die an einem Gestell hängen und durch Aneinanderstossen in tönende Schwingungen versetzt werden. Logan erwähnt einer Art Aeolsharfe, die er in Naning sah und den Triumph der malayischen Kunst nennt: „Denn was könnte kühner und sinnreicher sein als der Gedanke, einen ganzen Bambus frisch aus dem Walde 30-40' lang durch einfaches Einschneiden einiger Löcher in ein musikalisches Instrument zu verwandeln.”

Für religiöse Zwecke liefert der Bambus auf den Philippinen Kirchen, Kapellen und Kreuze. (Für die Erziehung ist der Rotang beliebter und wird stark benutzt. Das Sprichwort sagt: für jeden Indier, der geboren wird, spriessen im Walde tausend Rotangs auf.) Die Chinesen schneiden aus seinen knorrigen, struppigen Wurzeln phantastische Figuren für den Tempel und den Hausaltar. Aus Bambuswurzeln bestehen auch die eigenthümlichen Wurfhölzer in den Tempeln, durch welche die Chinesen das Schicksal befragen, um aus der Art des Fallens auf den Erfolg einer Unternehmung zu schliessen; in ihrer Zudringlichkeit werfen sie aber die Hölzer so lange, bis sie endlich eine günstige Antwort erhalten.

Auch als Feuerzeug ist der Bambus in Gebrauch, und wohl allen andern bei den Wilden üblichen Feuerzeugen vorzuziehen. Man spaltet einen recht trockenen Halm von 2-3' der Länge nach in der Mitte, schabt aus den inneren Wandungen die silberglänzende weiche Haut und das weiche Holz so fein als möglich und rollt das Geschabsel zu einer losen Kugel zusammen, die auf den Boden gelegt und mit der einen Hälfte des Halms bedeckt wird, so dass sie oben gegen die Wölbung drückt. Von der andern Hälfte spaltet man dann noch einen Streifen ab, so dass ein fast flaches lattenförmiges Stück zurückbleibt, dessen eine Seite zugeschärft wird. Mit dieser Seite geigt man auf dem Bambus, der von einem Begleiter oder durch Pflöcke festgehalten wird, gerade über der Stelle, wo das feine Geschabsel liegt, hin und her, indem man allmälig den Druck und die Geschwindigkeit steigert. So entsteht ein Einschnitt quer durch die Längsfasern, die Wärme wächst bei der starken Reibung sehr schnell, und in dem Augenblick, wo das Gewölbe durchschnitten ist, entzündet sich das verkohlte Holzpulver zu Funken, die in den darunter liegenden Faserballen fallen und durch vorsichtiges Blasen allmälig zu einem Flämmchen genährt werden. Der Versuch ist leicht anzustellen und gelingt jedesmal, wenn alle Vorbereitungen richtig getroffen sind.

Endlich möchte ich noch einer schrecklichen Todesstrafe erwähnen, die früher auf Bali in Gebrauch gewesen sein soll. Die Bambusen wachsen ausserordentlich schnell und dringen mit sehr harten kieselreichen Trieben, die wie Spitzkugeln geformt sind, aus dem Boden. Es wird erzählt, dass man, nachdem die längeren Halme entfernt worden, den Verbrecher horizontal über den Stumpfen aufspannte, um ihn von den jungen Trieben durchwachsen zu lassen.

Manche Bambusarten haben sehr dicke Wände im Verhältniss zu ihrem Durchmesser, andere sehr dünne, bei grossem Umfang. Auf dem Abhang des Semeru (Ost-Java) mass ich sehr dünnwandige Bambusen von 70' Länge und 26'' Umfang an der Basis (Junghuhn giebt deren von 1' Durchmesser an), die bis zur Spitze mit Wasser gefüllt waren. Diesem Wasser wird eine besondere Heilkraft zugeschrieben. In demselben lebt ein kleines krebsartiges Thier, das die Javanen Ikanwadr nennen, ich aber leider nicht auffinden konnte. Noch grössere Heilkraft schreibt man den Kieselkonkretionen zu, die sich in manchen Bambusen bilden und unter dem Namen Tabaschir oder Bambuskampfer in den Handel kommen. Die grosse Rolle, die der Tabaschir in der chinesischen Medizin spielt, verdankt er wohl, wie die Bezoarsteine, seiner spontanen Entstehung. Auch als Polirmittel wird der Tabaschir gebraucht; grosse Quantitäten gehen nach Arabien, ihre dortige Verwendung konnte ich aber nicht ermitteln.

Von der Schönheit einer auf offenem Felde oder auf einer Anhöhe freistehenden Bambuse, deren oben reich befiederte Halme sich bei Windstille nach allen Seiten gleichmässig zur Erde neigen, wie die Wassergarbe eines Springbrunnens, kann man sich nach den verkümmerten Exemplaren in den Ecken unserer engen Treibhäuser unmöglich einen Begriff machen. Sie übertrifft sowohl die Palme als den Baumfarn an landschaftlicher Schönheit. Es wäre ein würdiger Versuch für einen reichen Gartenfreund, seinen Rasenplatz mit einer Bambusgruppe zu schmücken. Ein gemauertes, durch Röhren heizbares Becken, mit einem im Sommer abzunehmenden Glashause würde genügen; vielleicht wären selbst einfachere Vorrichtungen ausreichend. (Im Garten der Fürstin Butera bei Palermo sah ich Bambusen im freien Lande, es war aber keine schöne Art.) Rings um die Mittelgruppe könnte man niedrigere Arten mit goldgelben und gelb und grün gestreiften Halmen setzen, deren es äusserst zierliche giebt. Die Auswahl ist endlos; die Dicke schwankt zwischen 1 Fuss und wenigen Millimetern, die Höhe erreicht 70-80', abgesehen von den kletternden, welche viel länger werden; die Farbe umfasst sehr verschiedene Töne von grün und gelb; es giebt auch gestreifte, gefleckte und schwarze; und es trifft sich glücklich, dass gerade die schönste aller Bambusarten im nördlichen China in einem Klima wächst, das von dem Süd-Europas nicht allzu verschieden ist. R. Fortune, der in diesem Punkt gewiss kompetent ist, glaubt wenigstens, dass sie in Süd-Frankreich, Italien und ähnlichen Gegenden im Freien gedeihen möchte. Er sagt von ihr (Residence among the Chinese pg. 189): „Die Mau-tschok ist die schönste Bambuse der Welt -- 60-80' hoch, Stamm gerade, glatt, astlos bis auf 20 oder 30' vom Boden, der obere, belaubte Theil so leicht und gefiedert, dass er die Reinheit des Stammes nicht beeinträchtigt.” Wie alle andre Arten dieser Gruppe wachsen sie sehr schnell und erreichen ihre volle Höhe in wenigen Monaten; man sieht sie fast wachsen, wie man zu sagen pflegt. Fortune, der häufige Messungen in den chinesischen Bambuswäldern anstellte, fand, dass eine gesunde Pflanze 2 - 2-1/2' in 24 Stunden wächst, und zwar Nachts am schnellsten. Selbst im Treibhause ist ihr Wachsthum enorm. Hr. Inspektor Bouché berichtet, dass eine im freien Grunde des Palmenhauses im Berliner botanischen Garten stehende Bambusa verticillata vom 22. Juni bis Anfang Oktober 38' emporschoss. Vom 28. Juni bis 4. August wurde sie täglich gemessen und wuchs 10' in 38 Tagen, also durchschnittlich 3-1/2 Zoll, an einzelnen sehr warmen Tagen aber 7, ja sogar 9 Zoll.

Bald nach unserer ersten Reise hatte ich das Vergnügen, Hrn. de Vrij nach Tjibodas am Gedeh zu begleiten, wo die bereits mehrmals erwähnte erste Cinchonapflanzung auf Java in 4400' Höhe von Hasskarl und Teysmann angelegt worden war. Bei dem Gärtner in Tjipanas, das an demselben Abhang 1100' tiefer liegt, fanden wir diesmal gute Aufnahme und angenehme Gesellschaft aus Batavia, die sich in der hiesigen Frühlingsluft von den Strapazen der heissen Hafenstadt erholte. Man kann sich kaum einen angenehmem Aufenthalt denken, um Geist und Körper zu erfrischen. Daher würde der Ort von den Bataviern noch viel zahlreicher besucht werden, wenn nicht die sehr hohen Reisekosten und das strenge, lästige Passwesen für sie ein Hinderniss wären.[83]

Die Gärtnerei ist nicht auf die unmittelbare Umgebung von Tjipanas beschränkt, sondern zieht sich mehrere tausend Fuss höher den Berg hinan, wodurch es möglich wird, viele Kultur- und Zierpflanzen aus kälteren Breiten zu bauen. Artischocken, Spargel, Tomaten und andere feine europäische Gemüse, die in Singapore nur als Leckerbissen aus Blechbüchsen auf die Tafel kommen, bildeten den Hauptbestandtheil der Mahlzeiten; Erdbeeren waren in grösster Fülle vorhanden und wurden nach andalusischer Sitte mit Apfelsinensaft gegessen. Europäische Fruchtbäume sind zwar auch höher oben am Berge gepflanzt und tragen das ganze Jahr Blüthen und Früchte, doch bleiben letztere meist ungeniessbar, weil den Bäumen die unsern Wintern entsprechende Ruhezeit fehlt. Am schmackhaftesten sind noch die Aepfel, am ergiebigsten die Pfirsiche, die aber nur gekocht zu geniessen sind; Erdbeeren wachsen so üppig, dass weiter oben grosse Flächen damit bedeckt sind. Nach ihnen ist ein Gehöft in etwa 4000' Höhe Arrebe benannt; so sprechen die Malayen das holländische „Aardbei” aus. Man kommt an mehreren Cinchonapflanzen vorbei, die Junghuhn von Tjibodas aus hierher versetzte, nicht nach dem Malabar, wie Markham irrthümlich angiebt. Schöne, bequeme Reitwege führen nach verschiedenen Richtungen, -- auch bis zum Gipfel des ganzen Gebirges, nach Junghuhn Mandellawangi, gewöhnlich aber wohl Pangerango genannt, auf welchem jetzt ein geräumiges, heizbares Bretterhaus steht, wo man die Nacht zubringen kann. Die Reitpferde sind billig und gut und können unterwegs gewechselt werden, so dass selbst Damen diesen 9230' hohen Gipfel fast ohne alle Anstrengung erreichen können. Gruppen riesiger Rasamalas, Baumfarne und Orchideen (die köstliche Vanda suaveolens findet sich nirgends in grösserer Fülle) folgen auf einander, und höher hinauf leuchten schon aus der Ferne die grossen rothen oder gelben Blüthenbüschel des Rhododendron Javanicum, das hier gewöhnlich epiphytisch vorkommt. Vor Kandang-badak überschreitet man auf einer Brücke einen heissen Sturzbach, der dampfend in den Abgrund fällt. Bald darauf kommt man an einem grossen Erdsturz, einer Scene wilder Verwüstung, vorüber: auf einem weiten Raum wächst keine Pflanze, enorme Felsblöcke und Schutt bedecken die Oberfläche, dazwischen liegen grosse zertrümmerte Baumstämme und eine hohe, senkrechte Wand, ohne eine Spur von Pflanzenwuchs, zeigt den Ort, wo sich die Erde abgelöst und dass das Ereigniss vor Kurzem stattgefunden hat. Vom Gipfel des Berges hat man einen ausgezeichnet schönen und weiten Umblick, dessen interessantesten Theil der grosse Gedehkrater bildet, der mit seinen terrassenförmigen Gesteinsbänken wie ein ungeheures antikes Theater vor dem Beschauer liegt.

Viertes Kapitel.

Vulkan Tankubang-prau. -- Kostbare Waffen. -- Tiger. -- Kawali. -- Schirme. -- Fest in Pandjalu. -- Ausbruch des Gelungung. -- Büffelkarren. -- Teakholz. -- Kindersee. -- Universalmittel. -- Pfahldorf. -- Zimmet. -- Loro-kidul. -- Essbare Vogelnester und abergläubische Gebräuche beim Einsammeln derselben. -- Kampf zwischen Tiger und Büffel. -- Tigerstechen. -- Reise nach dem Slamat. -- Rhinozerosse.

Ich kann nicht läugnen, dass die bisherige Art zu reisen mir ausserordentlich gefallen hatte, und als mir im Verkehr mit den liebenswürdigen Männern, deren Gesellschaft ich genoss, jeden Tag die Aussicht auf neue Wunder eröffnet wurde, die das Innere der Insel bergen sollte, wurde mein Entschluss, mich auf einen Ponyritt durch die Preanger Lande zu beschränken, allmälig wankend. Ich liess mich ohne grosse Schwierigkeiten bereden, die reichen Mittel zu benutzen, die mir der General-Guvernör mit so glänzender Liberalität zur Verfügung gestellt hatte. Junghuhn, der mir namentlich sehr zuredete, arbeitete für mich einen Reiseplan aus, der alle Gegenstände einschloss, die mir von besonderem Interesse waren. Die Punkte der bemerkenswerthesten geologischen Erscheinungen bildeten darin die Hauptmomente und waren durch solche, welche ethnologische Eigenthümlichkeiten, malerische Landschaften, kulturhistorische Monumente, charakteristische Vegetationsbilder, interessantes Volksleben darboten, zu einer Kette verknüpft, die von Lembang ausgehend, sich durch den südlichen, gebirgigen Theil der Insel zog und dann durch das flache, nördliche Gestadeland zurücklief. Alle hervorragenden Erscheinungen, die Junghuhn während seiner 20jährigen, oft unter grossen Entbehrungen und Strapazen ausgeführten Wanderungen kennen gelernt, sollte ich nun, mit allen Bequemlichkeiten versehen, an mir vorübergleiten lassen. Jedem Tag hatte er ein besonderes Blatt gewidmet, auf dem alles Interessante der betreffenden Strecke verzeichnet war, immer mit Hinweis auf die entsprechende Stelle in seinem Handbuch und Anführung der Seitenzahl. Ja sogar Erholungsstationen an schönen Kraterseen oder in hoch gelegenen Pasanggrahans waren hinter den anstrengenderen Exkursionen eingeschaltet. Rechne ich dazu noch die selbst für Indien fast unglaubliche Gastfreundschaft und Liebenswürdigkeit, die mir ohne Ausnahme während der ganzen Reise zu Theil wurde, so glaube ich wohl annehmen zu dürfen, dass noch Niemand diese schöne Insel unter angenehmeren Verhältnissen durchstreift hat. Mit jedem Tage wuchs meine aufrichtige Verehrung für Junghuhn. Wer nicht an Ort und Stelle, sein Buch in der Hand, das Geschriebene geprüft, wird sich keine Vorstellung machen können von der Genauigkeit der Beschreibung und der Klarheit, mit der die Verhältnisse aufgefasst sind. Als er die Materialien zu diesem Werk sammelte, fand er nur geringe Unterstützung. Mit hoher, wissenschaftlicher Befähigung, seltenem Fleiss und eiserner Ausdauer ausgerüstet, gab ihm seine leidenschaftliche Liebe zur Natur die Kraft, Schwierigkeiten zu überwinden, die für die meisten unübersteiglich gewesen wären. Mein eigenes Urtheil über ihn kann wohl nicht unparteiisch sein, darum habe ich in Obigem nur die allgemeine Ansicht über seine Leistungen wiederholt.

Zum Abschied machte ich mit Junghuhn noch eine Exkursion auf den Tankubang-prau, den berühmten von zwei grossen Kratern durchbohrten Vulkan, an dessen Fuss Lembang liegt. Nach einigen Stunden erreichten wir unsere Hütte, die an der Stelle aufgeschlagen war, wo die beide Krater trennende Wand im Süden die gemeinschaftliche Ringmauer trifft. Von hier hätten wir einen Einblick in beide Schlünde haben müssen; aber dichte Nebel verbargen jede Aussicht und liessen nur einige in unserer Nähe stehende vermodernde Thibaudienstämme mit knorrigen phantastisch ausgereckten Aesten erkennen. Aus dem Boden des Kraters, in mehr als 1000' Tiefe, hörte man das Sausen der aus den Spalten hervordringenden Wasserdämpfe. Der links im Westen gelegene Kessel heisst Kawa-upas (Gifthöhle), der im Osten gelegene Kawa-ratu. Der Boden des letzteren liegt viel tiefer als der der Kawa-upas und war früher einmal von einer grossen Menge kleiner Seen bedeckt, daher sein Name „ratu” = tausend (Seen?). Bis auf einige kleine Schlammpfützen ist er jetzt trocken und flach, mit einer erhärteten feinen Thonschlammkruste bedeckt, die über ihren Ursprung durch Absetzen aus stehendem Wasser keinen Zweifel lässt. An vielen Stellen hat der hervorbrechende Wasserdampf kleine Schlammkegel von anderthalb Fuss Höhe gebildet, aus welchen er zischend, wie aus einer Dampfmaschine, in einem weissen Strahle hervorbricht. Ueberall, wo man mit dem Stock durch die dünne Kruste stösst, brechen Dämpfe mit Gewalt hervor. An einem Wasserriss der Nordwand sieht man eine interessante Erscheinung: die aus grobem Schutt gebildete Wand enthält in unregelmässigen Zwischenräumen, horizontal über einander gelagerte, aus feinen Schichten bestehende Thonkrusten, genau von derselben Beschaffenheit wie die, welche jetzt den Boden des Kraters bedecken. Sie zeigen die früheren Höhen des Seebodens an und auch sein periodisches Verschwinden und Entstehen. Der gegenwärtige Kraterboden war von dieser Stelle nicht sichtbar, mochte aber wohl 200' tiefer liegen. Auf dem Grunde des westlichen Kessels, Kawa-upas, der über die Zwischenwand leicht zu erreichen ist, hatte sich in der Südostecke, gerade am Fuss des steilen Zwischenrückens, ein kleiner von oben nicht sichtbarer See gebildet, der bei Junghuhn's letztem Besuch nicht vorhanden war. Seine Länge betrug 135', die Breite etwa 50', er unterspülte den Fuss der Gebirgswand; aus der dicht mit grossen Schwefelzapfen ausgekleideten Höhle am jenseitigen Ufer brach mit starker Entwickelung von Schwefelwasserstoff, hoch aufsprudelnd, das von Thonschlamm und Schwefelblumen gelbgrau gefärbte Wasser hervor. Das Metallikpapier meines Notizbuchs und das Silbergeld in meiner Tasche bräunte sich schnell. Im westlichen Theil dieses Kraters liegt ein zweiter von oben sichtbarer grösserer See, dessen blaugraues, stilles Wasser durch den Kontrast mit jenem ganz lieblich erscheint. Kaum hatte ich die Hütte auf dem Gipfel wieder erreicht, als es heftig zu regnen begann. Junghuhn hatte unterdessen von dort aus einige photographische Bilder beider Krater aufgenommen. --

Inzwischen war aus Batavia eine grosse Karosse mit Klapptritt und Wappen für mich angekommen, sehr geeignet zum Visitefahren für eine alte Generalin, aber nicht für meine Zwecke. Ich kaufte daher einen leichten Reisewagen und verabschiedete mich nach mehreren kleineren Exkursionen von Lembang, wo ich einige mir unvergessliche Tage zugebracht hatte, um am folgenden Morgen selbstständig meine Reise nach Osten anzutreten.