Singapore, Malacca, Java. Reiseskizzen von F. Jagor.
Part 19
Vier Tänzerinnen mit goldenem, helmartigem Kopfputz, oranienrother Jacke ohne Aermel und einem blau und weiss gestreiften Sarong, der bis zum Boden reicht, traten in zwei Paaren am andern Ende des Saales ein. Sie hatten Lanzen in den Händen und gingen mit niedergeschlagenen Augen feierlich um den ganzen Saal. Bei jedem Schritt machten sie Halt und verneigten sich nach der einen und andern Seite. Sobald dieser Umgang vorüber, schlug die Musik eine muntere Weise an, der ein lebhafterer Abschnitt des Tanzes folgte. Der dritte Abschnitt stellte eine Herausforderung dar. Die Tänzerinnen trugen dabei Pfauenwedel, mit denen sie einander verächtlich berührten. Darauf folgte der Kampf, wobei Kris, Pfeil und Bogen angewendet wurden; er schloss damit, dass zwei Tänzerinnen, als die Besiegten, niedersanken. Der letzte Akt schien Trauer und Reue über das Vorgefallene auszudrücken. Leider konnte keiner der Anwesenden die Bedeutung des Tanzes genauer erklären. Jeder Abschnitt hatte seine besondere Musik, die zuweilen sehr ergreifend und hinreissend war, einige male fiel auch ein Sängerchor ein.[74] Der ganze Tanz war ungemein feierlich und ist gewiss religiösen Ursprungs. Alle Bewegungen waren graziös und ausdrucksvoll, aber gemessen; der Ausdruck des Gesichts blieb immer schwermüthig und sehr ehrerbietig, drückte aber eben so wenig die wirkliche Stimmung der muthwilligen Mädchen aus, als das stereotype Lächeln unserer Ballettänzerinnen nach anstrengenden Sprüngen dies thut. Die nackten Füsse waren sehr schön geformt, klein und so wohl gepflegt, wie die Hände eleganter Damen. Zwei Mädchen hatten recht hübsche Gesichter, alle waren wohl gewachsen. Wahrscheinlich stammen diese Bedajas noch aus der Hinduzeit, auch erinnert der Kopfputz sehr an die Wayangfiguren.
Bei dem Assistent-Residenten sah ich eine Sammlung auf Java gefundener Alterthümer: Bronzen von zum Theil vorzüglicher Arbeit, die einen hohen Zustand der Kunst verriethen (die aber vielleicht von ausserhalb eingeführt waren), und eine Sammlung von Waffen, Geräthschaften und Schmucksachen aus Kiesel, welche, wie ich erfahren habe, jetzt nach Leyden gekommen sind, und als Proben eines unserer Steinzeit parallelen Zeitalters auf Java von hohem Interesse für Archäologen sein dürften.
Drittes Kapitel.
Reise nach dem Malabar. -- Cinchonenpflanzungen daselbst. -- Cinchonenbau in Java und Vorderindien. -- Tischchen deck dich. -- Bambus. -- Gärtnerei. -- Pangerango.
In Sumedang trennte ich mich von meinem bisherigen so gefälligen Reisegefährten, kehrte nach Bandong zurück und schloss mich Herrn de Vrij an, der eine Dienstreise nach Gedong-banteng, einer mitten im Urwalde auf dem Malabar (nach Junghuhn: Malawar) angelegten Chinapflanzung machte, die er aus Gefälligkeit bis zu meiner Ankunft verschoben hatte. Die Ebene von Bandong wird im Süden zum grossen Theile von den Vorbergen des Malabar begrenzt, der sich von einer sehr breiten, fast quadratischen Basis in sanfter Neigung über 7000 Fuss erhebt. Im Osten scheidet ihn das enge, gewundene Thal des Tjitarum von dem Gebirgszug, auf dessen östlichem Abhang die früher besuchte Kawa-manuk liegt, und dessen südliches Ende der Papandayan und sein grosser Trümmerberg bildet. Der an der südöstlichen Ecke des Malabar im tiefsten Urwald entsprungene Tjitarum wächst durch Aufnahme vieler Bergwässer so schnell, dass wir vor der nordwestlichen Ecke desselben Berges auf einer Fähre übersetzen mussten. Im Galopp ging es dem Berge zu. Ein kleiner Schaden am Wagen war unterwegs schnell ausgebessert; Bambusen stehen überall zur Hand, sie lieferten Schienen und Hebebäume; ein gelbblühender Hibiscusbaum, den man auch gewöhnlich an der Strasse findet, gab seinen zähen Bast zu Stricken. Der Javane trägt auf Reisen stets sein Haumesser an der Seite; es ist in seinen Händen ein Universalinstrument, vermittelst dessen er den Bambus allen seinen Bedürfnissen anzupassen weiss. Den letzten Theil des Weges legten wir zu Pferde zurück. Zuerst durch Kaffeegärten, dann durch Urwald reitend, erreichten wir Tjiníruan, wo in 4820' Höhe eine Chinapflanzung angelegt ist, deren nähere Besichtigung auf morgen verschoben wurde, da wir noch vor Sonnenuntergang den Gipfel des Berges erreichen wollten. Die Eingebornen nennen ihn Puntjak tuwan besar: „Gipfel des grossen Herrn”, weil ihn der General-Guvernör im Jahre vorher gelegentlich eines Besuchs der Chinapflanzungen erstiegen hatte. Dies ist auch der Grund, warum ein bequemer Reitweg mitten durch den Urwald bis auf die Spitze führt, deren Höhe nach einer oben aufgestellten Tafel 7200 Fuss beträgt und einen grossartigen Rundblick gewährt: aus dichten, zum Theil nie betretenen Wäldern, deren dunkles Grün im Norden durch die Kulturebene von Bandong unterbrochen wird, steigt ein ganzer Kranz von Vulkanen empor. Gunong-guntur und -papandayan sind mit Dampfsäulen geschmückt; eine andere, die südwestlich aus dunklem Walde hervorbricht, bezeichnet die Solfatara des Gunong-wayang; in grösserer Ferne erblickt man die Vulkane Tjikorai, Gelungung, Gedeh, Tjerimai und Slamat. Mit einbrechender Dunkelheit kehrten wir nach Gedong-banteng zurück, wo ein gemüthliches Haus mitten im Walde für die Inspektoren der Chinapflanzungen steht. Wir brachten einen höchst angenehmen Abend inmitten der grossartigen Einsamkeit zu, die erst spät durch vier alte Rongengs gestört wurde, welche der Distrikthäuptling aus besonderer Aufmerksamkeit gegen seine fremden Gäste von weither herbeigeschafft hatte.
Am folgenden Tage besichtigten wir die Cinchonapflanzungen, die in verschiedenen Höhen auf dem Malabar angelegt sind, sowie die Gewächshäuser, in denen lange Reihen von Töpfen mit Stecklingen und noch viel grössere Mengen von Bambusgefässen mit je einem Samen zum Keimen aufgestellt waren. Ueberall war musterhafte Ordnung, Sorgfalt, ohne Rücksicht auf Kosten, und das ernste Streben sichtbar, alle Hindernisse zu überwinden, die sich bisher der Akklimatisation dieser werthvollen Bäume entgegengestellt hatten. Das Ergebniss hat aber den aufgewendeten Mitteln nicht entsprochen. Die Ursache wird mit Recht der Kulturmethode zugeschrieben, doch liegt sie noch weit mehr im „Kultursystem”, durch welches der Fehler, auf den man bei einem ersten Versuch gefasst sein musste, so ausserordentlich vergrössert wurde. Die Engländer, die mehrere Jahre später Cinchonen von Südamerika nach Indien brachten in der Absicht, den Anbau derselben Privatleuten zu überlassen, hatten einen überaus glänzenden Erfolg, der in diesem Maasse freilich nur durch Zusammentreffen nicht vorherzusehender Umstände herbeigeführt werden konnte. Ihre Aussichten waren aber gleich von vornherein viel günstiger: denn im Fall des Misslingens hätte es sich nur um einen verfehlten Versuch im Kleinen gehandelt, und für das Gelingen desselben war die Wahrscheinlichkeit weit grösser als in Java; denn unter den vielen, über die verschiedensten Lokalitäten vertheilten intelligenten Privatleuten, denen man im Falle eines ersten Misslingens die Pflanzen zu weiteren Versuchen überlassen haben würde, wäre es doch wohl dem Einen oder dem Andern geglückt, eine passende Kulturmethode zu finden -- (genau so ist es mit dem Theebau in Indien gegangen, der zuerst fehlschlug und jetzt so glänzende Resultate giebt) -- und ebenso war die fortschreitende Verbesserung der Methoden durch die Strebsamkeit vieler an der Kultur Betheiligten gesichert. Die fast gleichzeitige Einführung der interessanten Pflanzen in beide Länder, und die Verschiedenheit der Ergebnisse, in Folge der verschiedenen befolgten Systeme sind selbstredend. Als im December 1854 die ersten Cinchonen aus Holland in Java eintrafen,[75] wurden sie von den Herren Hasskarl und Teysmann in einer Lichtung auf dem Gedeh in 4400' Höhe gepflanzt. Die Wahl des Orts war, wie spätere Erfahrung lehrte, eine sehr unglückliche. Die grosse Trockenheit und grelle Sonne in so geringer Meereshöhe und der felsharte, nur von einer dünnen Erdschicht bedeckte Untergrund wirkten so verderblich, dass nach 18 Monaten nur noch 300 kränkelnde Pflanzen übrig waren. Im Dezember 1855 brachte Junghuhn 139 im botanischen Garten von Leyden gezogene junge Pflanzen nach Java und übergab sie Herrn Hasskarl; sechs Monate später waren 76 davon todt. Im Juni 1856 nahm Hr. Hasskarl wegen Krankheit seinen Abschied; Junghuhn erhielt selbst die Leitung, zugleich kam Dr. de Vrij als Chemiker nach Java und wurde mit bei der Chinakultur angestellt.[76] Nun begann ein neues System; Geld wurde nicht geschont, und es wurde befohlen, dass die Kultur bis zum völligen Gelingen unter der Leitung wissenschaftlicher Männer bleiben, dann aber in den gewöhnlichen Betrieb der Provinzialregierungen übergehen sollte. 1857 blühten einige C. Calisaya und C. Pahudiana, 1858 trugen sie Samen. Die Samen von C. Calisaya, einer anerkannt vorzüglichen Art, reiften aber nicht in so geringer Meereshöhe, während C. Pahudiana reichlich Samen lieferte und auch viel üppiger wuchs als jene. Diese Umstände verleiteten Junghuhn, dem es darum zu thun war, schnell eine grosse Menge Pflanzen zu erhalten, letztere fast ausschliesslich zu kultiviren und die guten Arten zu vernachlässigen, obgleich die C. Pahudiana jedenfalls von zweifelhaftem Werth war. Hasskarl hatte sie als C. ovata bestimmt, Junghuhn, der den Fehler entdeckte, nannte sie C. lacumaefolia, nach einer eingebildeten Aehnlichkeit mit dieser Spezies von Pavon; erst Howard, der berühmte Monograph der Cinchonen, erkannte sie als eine neue, unbeschriebene Art und nannte sie dem General-Guvernör zu Ehren C. Pahudiana. Das Hauptversehen in Java war die ungeheure Vermehrung dieser Art, die von Markham durchaus werthlos genannt wird: auch wollte kein Händler ihre 1862 auf die Londoner Ausstellung gesandte Rinde kaufen. De Vrij's Urtheil ist nicht ganz so ungünstig.[77]
Folgendes war Junghuhn's Kulturmethode: Blumentöpfe, aus Bambusinternodien bestehend, wurden mit fein gesiebter Erde gefüllt und im Innern des Waldes in Beete von aufgeschütteter Erde eingesetzt, die an den Abhängen der Gebirge terrassenförmig angelegt waren. Ein Dach von trockenem Grase, von Stangen getragen, hoch genug, um Seitenlicht einzulassen, schützte die Töpfe gegen herabfallende Regentropfen. Diese Saatbeete waren von 200-500 Fuss Länge und zogen sich in parallelen Reihen, wie Stufen eines Amphitheaters, zwischen den Bäumen hin. Jeder Topf enthielt nur einen Samen. Die Erde wurde immer feucht gehalten, indem sie zweimal täglich durch Ausdrücken eines Schwammes angewässert wurde. Die Töpfe blieben in den Saatbeeten stehen, bis die Pflanzen etwa einen halben Fuss hoch waren, was ungefähr 8 Monate erforderte, und wurden während dieser Zeit alle 5 oder 8 Tage gewendet, um das Krummwachsen der Pflanzen zu verhüten.
Zum Zweck des Anpflanzens wurden einige schöne, gerade Hauptwege längs der Bergkämme durch den Wald geschlagen und in Entfernungen von 25 Fuss durch Querpfade verbunden. An den Seiten dieser Fusswege waren tiefe Gräben gezogen und mit gesäuberter Erde gefüllt, so dass etwas erhabene Bänke mit Rinnen zur Ableitung des Regenwassers entstanden. Die jungen Pflanzen wurden in die lose Erde dieser Bänke gesetzt, worauf 4 starke Pfähle in den Boden getrieben und 4 oder 5 Fuss über der Spitze der Pflanze fest verbunden wurden. Dies sollte sie ein paar Jahre lang gegen herabfallende Zweige, tropfendes Wasser und wilde Thiere schützen. Auf diese Weise hatte man Tausende von Fusswegen durch die Wälder geschlagen und mit Cinchonabäumen bepflanzt.
Junghuhn hatte den entgegengesetzten Fehler von Hasskarl begangen; man weiss jetzt, dass sein Verfahren, die Pflanzen in den dichten Schatten der Wälder zu setzen, ganz falsch war, da sie Luft und Licht bedürfen, um reichlich Alkaloide zu bilden. Ebenso ist es jetzt ausgemacht, dass die Behandlung der Samen der Grund war, warum so wenige keimten. Der Versuch, die Pflanzen durch Stecklinge zu vermehren, gab in Java sehr ungünstige Resultate, weil die Stecklinge viel zu gross waren. Wäre man in Java auf die später von Mac Jvor in Ootacamund mit grossem Erfolg angewandte Methode verfallen, zur Vermehrung sehr kleine Ableger und Knospen zu benutzen, so könnte man dort jetzt Millionen von Calisayas statt werthloser Pahudianas besitzen.
Der Cinchonabau begann in Java im Dezbr. 1854; im Dezbr. 1860 besass man: 8346 C. Calisaya, 108 C. lancifolia, 939,827 C. Pahudiana, zusammen 948,281; ausserdem waren 700,264 Samen ausgesäet. Während die Holländer nach 6 Jahren mit Ausnahme der fast werthlosen C. Pahudiana nur 8454 Pflanzen besassen, erzog Herr Mac Jvor, der Dirigent der Pflanzungen in Ootacamund (Neilgherries) in wenig mehr als einem Jahr 9732 Pflanzen, ohne mehrere Hundert zu rechnen, die nach Java, Kalkutta, Trovancore gesandt wurden. Mac Jvor erlangte seine Erfolge durch eine der beschriebenen gerade entgegengesetzte Methode; er hielt den keimenden Samen sehr trocken, pflanzte die Sämlinge in grosser Meereshöhe und vermied namentlich den tiefen Schatten der Wälder.
An offenen Stellen wachsen die Pflanzen gut, geben reichlich Samen, bilden eine dicke Rinde, reich an Arzneistoffen, während sie im Schatten von Waldbäumen dünn und schwach in die Höhe schiessen und wenig Chinin entwickeln.[78] Es ist eine anerkannte Thatsache, dass alle Cinchonaarten den höchsten Prozentgehalt an Alkaloiden liefern, wenn sie in der grössten Meereshöhe wachsen, in der sie überhaupt noch gedeihen. Die strauchartigen Pflanzen sind besonders ergiebig, wenn ihr verkrüppelter Wuchs durch die grosse Meereshöhe des Standorts veranlasst ist. Die Engländer haben sich daher entschlossen, die Cinchonen als Sträucher zu kultiviren, etwa wie Zimmet, so dass jährlich geerntet werden kann. Die holländische Methode, im Schatten hoher Waldbäume zu pflanzen, weil die Bäume angeblich in ihrer Heimath so gefunden werden, ist schon deshalb verwerflich, weil es 30 Jahre dauert, bis die Rinde benutzt werden kann und sie immer sehr dünn und arm bleibt. Aber selbst wenn sie dann reich an Alkaloiden wäre, so würde der Nutzen der Einführung ein sehr fraglicher sein, denn die entfernte Möglichkeit einer reichen Ernte nach 30 Jahren würde in gar keinem Verhältniss stehen zu den enormen Ausgaben der ersten Anlage, und welcher Privatmann möchte wohl jemals ein Produkt bauen wollen, das nur alle 30 oder 40 Jahre einen einmaligen Ertrag verspricht!
Ueber den Fortschritt der Chinakultur in Indien meldet das Athenaeum vom 6. Juni 1863: „Herr Mac Jvor hat im Vermehren und Aufziehen der Cinchonen solchen Erfolg gehabt, dass die unter seiner Leitung stehenden Pflanzungen jetzt in der Lage sind, Tausende von jungen aus Stecklingen gezogenen Pflanzen[79] an öffentliche Gesellschaften abzulassen, die sich gebildet haben, um sie für den Handel anzubauen”. Herr Howard erklärt, dass alle von kleinmüthigen Botanikern gehegten Befürchtungen, als würden in Ostindien künstlich gezogene Cinchonen nicht dieselben Alkaloide enthalten, wie die in Südamerika natürlich gewachsenen, ohne Grund sind;[80] er findet nicht den geringsten Unterschied. Herrn Markham's Bemühungen sind also mit vollem Erfolg gekrönt worden.
Ausser auf mehreren Gebirgen Ostindiens schreitet der Anbau auch auf Ceylon schnell fort und wird immer mehr Gegenstand der Privatindustrie, da er grösseren Vortheil verspricht als der Kaffeebau. -- Herr de Vrij, der die Cinchonapflanzungen in den Neilgherries im Nov. 1863 gründlich untersuchte, theilt über Herrn Mac Jvor's Erfolge noch Nachstehendes mit: Im April 1861 hatte M. J. 463 junge Pflanzen und 172 einen Monat alte Sämlinge, zusammen 635. Durch Stecklinge und Knospen vermehrte er sie so, dass ihre Anzahl am 31. Dec. 1863 277,083 betrug. Eine einzige 5' hohe Pflanze von C. Uritusinga, die Hr. Howard der englischen Regierung geschenkt hatte, kam kränkelnd im April 1862 in Ootacamund an, sie erholte sich Ende Mai und hatte Ende Decbr. 1863 bereits 6350 junge Pflanzen geliefert. Mac Jvor fand ein Mittel, die Samen durchschnittlich in 14 Tagen zum Keimen zu bringen. -- Derselbe hat Herrn de Vrij brieflich mitgetheilt, dass er vor Ende Dec. 1865 im Stande sein werde, zwischen 3000 und 5000 ℔ Chinarinde als Ertrag der Neddiwultum-Pflanzung zu liefern, in welche im Herbst 1862 16000 Pflanzen ausgepflanzt wurden. Nach dem englischen System, die Pflanzen als Sträucher auszubeuten, verzinst sich das Anlagekapital nach höchstens 4 Jahren und giebt dann zunehmenden Ertrag, so dass bereits viele Privatleute veranlasst worden sind, diese Kultur für eigene Rechnung zu versuchen. Im Herbst 1861 wurde die weitere Vermehrung der C. Pahudiana auf Java durch Regierungsbeschluss untersagt. Nach einem Bericht des jetzigen Vorstehers der Chinakultur (Tijd. v. N. I. Febr. 1866) ist gegenwärtig unter den Pahudianas grosse Sterblichkeit eingerissen, man scheint aber nicht Lust zu haben, den Ausfall zu ersetzen; dagegen schlägt man Oeffnungen in die Wälder, um den Calisayas Luft und Licht zu geben, und ist bestrebt, diese zu vermehren; ihre Anzahl ist aber immer noch sehr gering.
Nach Dr. Hooker's Berichte (Athenaeum 17. März 1866) sind von Ceylon reife Cinchonensamen über Kew nach Jamaica, Trinidad, Mauritius, dem Kap der guten Hoffnung, Queensland gesandt worden. In Trinidad und Queensland werden die Calisayas schon mit vollständigem Erfolg kultivirt. Den Holländern gebührt zwar das Verdienst, die Cinchonen zuerst auf die östliche Halbkugel übersiedelt zu haben (ein früherer Versuch der Franzosen, sie in Algier einzuführen, war misslungen), die Engländer haben aber diese werthvollen Pflanzen eigentlich erst zu einem Gegenstande des Landbaus gemacht und sie über fast alle Länder verbreitet, in denen sie gedeihen können.
Bei einer Reise, die wir vom Malabar aus südlich unternahmen, war durch ein Versehen des betreffenden Beamten keine Meldung vorausgegangen. Wir fanden daher die Waldwege in ihrem gewöhnlichen Zustande. Acht Stunden lang kletterten wir über schlüpfrige Thonrücken und erreichten Pamorotan, das zur Frühstückstation bestimmt war, erst so spät Nachmittags, dass die Weiterreise für heut aufgegeben werden musste. Hier stand ein geräumiger, aber ganz verödeter Pasanggrahan, da dergleichen Gebäude an so abgelegenen Orten nur, wenn ein Kulturbeamter die Station besucht, für ihn eingerichtet werden. Weil wir nicht angemeldet waren, stand alles leer. Einige Reiter, die uns begleitet hatten, sprengten nach verschiedenen Richtungen, um etwas für unsere Mahlzeit herbeizuschaffen; wir stiegen inzwischen das steile Ufer des Tjilaki hinab und kletterten durch sein felsiges Bett unter riesigen Waldbäumen umher. Diese Gegend ist sehr spärlich bevölkert. Dichter Wald fasst den Fluss ein, der zwischen grossen Felsblöcken dahinrauscht. Es herrschte grosse Einsamkeit, aber keine Stille. Wer plötzlich mit verbundenen Augen dahin versetzt würde, könnte sich in der Nähe einer grossen Fabrik glauben; so laut und gellend klang das Geräusch der Insekten. Besonders unangenehm und alles übertönend war ein schriller Laut, der täuschend wie das Geräusch einer Schleifmühle klang. Andere Insekten schienen das Schnurren vieler hundert gezahnter Räder in schneller Bewegung nachzuahmen. Das Tosen des Wassers vervollständigte die Illusion. Nie wieder habe ich ähnlichen Lärm in einem Walde gehört.
Als wir nach kaum zwei Stunden den Pasanggrahan wieder betraten, fanden wir Alles wie durch Zauber verändert. Das vorher so stille Gehöft war jetzt voll Leben und Thätigkeit, und noch immer kamen neue Züge von Kulis und trugen allerlei Gegenstände der Bequemlichkeit herbei. In den Schuppen waren die Pferde der Häuptlinge untergebracht; auf dem Hofe brannten mehrere Feuer, an denen emsig gekocht und gebraten wurde. Eine grosse Anzahl Arbeiter waren beschäftigt, frisch gefällte Bambusen vermittelst ihrer Haumesser in allerlei Möbel, Haus- und Küchengeräth zu verwandeln. Zwei grosse bequeme Lehnstühle waren bereits vollendet, und eben wurde die letzte Hand an einen Tisch gelegt, dessen Platte aus Bambussplissen bestand. Als Leuchter dienten Bambusen von entsprechendem Durchmesser, die einen Zoll hoch über einem Knoten abgeschnitten waren, während das entgegengesetzte längere Ende in drei Theile gespalten, auseinandergespreizt, durch Querstäbe verbunden und mit einem Stein beschwert, den Fuss bildete. Andere Arbeiter waren beschäftigt, das Dach auszubessern. In dem länglich viereckigen, vorher so unwohnlichen Raum, der uns zum Aufenthalt dienen sollte, waren an beiden Enden durch bunte Vorhänge zwei kleine Gemächer abgetrennt worden; in jedem stand bereits ein Bett aufgeschlagen; der ganze mittlere Theil, unser Salon, war mit weichen Pandanusmatten belegt, und sobald wir gebadet, wurde auf dem nun vollendeten Tische ein vortreffliches Essen aufgetragen mit sehr mannigfaltigem Dessert, worauf Kaffee mit Cognac folgte. Es war fast wie das „Tischchen deck' dich” im Mährchen.
Je länger man in diesen Ländern verweilt, um so mehr wächst das Erstaunen über die unzähligen nützlichen Verwendungen einiger Pflanzen, unter denen der Cocospalme und dem Bambus wohl die erste Stelle gebührt. Aus Bambus baut der Javane sein Haus, aus Bambus bestehen alle seine Möbel; in einer Bambusröhre, die dabei zwar verkohlt, aber nicht verbrennt, kocht er auf Reisen seinen Reis an einem Bambusfeuer, wenn er nicht etwa vorzieht, junge Bambustriebe, die ein sehr schmackhaftes Gemüse geben, darin zu kochen.
Wie schon mehrmals angedeutet, besteht oft das ganze Gerüst des Hauses aus Bambus; die Wände aus plattgedrückten geflochtenen Halmen; die Dächer werden zwar gewöhnlich mit Palmenblättern oder Gras gedeckt, aber auch mit Bambusschindeln, die wie Hohlziegel gelegt werden. Einige mit Wasser gefüllte, von der Dachfirste paarweise herabhängende geräumige Internodien bilden einen stets bereiten Löschapparat. Schuppen, Ställe, Scheunen, fast sämmtliches Ackergeräth, sowie der Zaun um das Gehöft, bestehen aus Bambus.
In einem unter dem Dach horizontal aufgehängten, an einem Ende mit einem Loch versehenen Halm siedelt sich die kleine stachellose Biene an, die dem Javanen das Wachs liefert, das er, wie später beschrieben werden soll, bei dem Färben seiner Sarongs gebraucht. Zuweilen ist in einem ganzen Dörfchen kaum ein anderes Material verwendet; der zierliche Zaun, der es umgiebt, die Thore an beiden Enden, mit erhöhten Bänken, auf welchen die Wache lagert, alles ist aus Bambus; neben letzterer hängt in mehreren Exemplaren ein eigenthümliches Instrument zum Fangen der Diebe und Bösewichte; es besteht aus zwei armdicken Bündeln dünner Seitenzweige des dornigen Bambus, die gabelförmig an einer Stange befestigt sind und dazu dienen, den Verfolgten am Halse zu packen.
In vielen malayischen Ländern, wo der Fluss die einzige Strasse durch den dichten Wald bildet, erheben sich am Ufer und namentlich an den schlammigen Mündungen Gruppen von Hütten auf Pfählen (vergl. die Ansicht von Rochor). Wie bei den alten Pfahlbauten sind sie häufig durch eine gemeinschaftliche Gallerie verbunden. Wenn nicht zu den Pfählen Palmenstämme (gewöhnlich Caryota urens) verwendet sind, so besteht Alles aus Bambus. Nirgends springt einem die Bequemlichkeit des Lebens der Tropenbewohner mehr in die Augen, als in dergleichen Ansiedelungen. (vergl. S. 50 unten.)
Fast die ganze mehrere hunderttausend Seelen betragende Bevölkerung der Hauptstadt von Siam lebt in Häusern, die auf Bambusflössen schwimmen, und in meilenlangen Reihen zu beiden Seiten des Flusses und der Kanäle am Ufer festgemacht sind. Gefällt Einem seine Nachbarschaft nicht, so schwimmt er mit der Ebbe oder Fluth stromab- oder aufwärts.