Singapore, Malacca, Java. Reiseskizzen von F. Jagor.
Part 17
Am Alun-alun liegen fast immer die Moschee und die Häuser der ersten inländischen Beamten. Auf einer Seite steht der Bobantjong, eine um mehrere Stufen erhöhte Plattform, unter einem von Säulen getragenen Ziegeldache. Auf dieser Tribüne pflegen die Regenten den Festen und Volksversammlungen beizuwohnen, die in Folge des javanischen Gemeinwesens periodisch auf diesen Plätzen stattfinden. Heute war die Tribüne von einem Musikcorps eingenommen. Von Zeit zu Zeit wechselte die wohlklingende, obgleich etwas einförmige Gamelangmusik mit einem Sängercorps ab, das auf der andern Seite des Platzes im Schatten eines Waringibaumes lagerte. In einiger Entfernung vor unserm Hause sassen einige Häuptlinge behaglich auf dem Rasen, umgeben von ihren Dienern und schossen mit Pfeil und Bogen nach einem sechzig Schritt entfernten Ziel. Die Bogen sind kaum 3-1/2 Fuss lang und werden horizontal gehalten. Viele schiessen gleichzeitig, so dass immer eine Menge Pfeile in der Luft schweben, nur wenige trafen die Scheibe. Sind alle Pfeile verschossen, so laufen kleine Jungen herbei und bringen ihren Herren die an der verschiedenen Farbe der Federn kenntlichen Geschosse zurück. Frauen waren bei dem Feste nicht anwesend.
Gegen Abend besuchten wir eine drei Paal entfernte, in einer Schlucht des Guntur gelegene warme Quelle. Sie ist rings von hohen üppig bewachsenen Felsen umgeben; ein Riesenbaum beschattet sie so wie zwei sehr zierliche Bambus-Tempel, in denen ein Paar fromme Eingeborne ihre Andacht verrichteten. Die Javanen sind sehr oberflächliche Muhamedaner, etwa so wie die Indianer der spanischen Kolonien Christen sind. Der Islam hat bei ihnen keine tiefen Wurzeln geschlagen, neben ihm aber sind grossartige Naturerscheinungen, die einen tiefen Eindruck auf ihr Gemüth machen, Vulkane, warme Quellen, auch Waringibäume, Gegenstände religiöser Verehrung. Sie glauben sie von Geistern bewohnt und bringen ihnen Opfer. Mit wirklicher Innigkeit verehren sie auch Alterthümer aus der Hinduzeit, besonders solche, deren Kunstwerth die Leistungen der heutigen Javanen so unendlich übertrifft, dass sie von ihnen für die Werke höherer Wesen gehalten werden. Von den strengen Muhamedanern unterscheiden sie sich besonders sehr vortheilhaft durch völlige Duldsamkeit; die Frauen gehen unverschleiert und verkehren mit den Fremden so frei wie in Europa.
19. Juli. Um 5 Uhr früh ritt ich von Trogon an der gestern besuchten heissen Quelle vorbei, dann durch ein Bambuswäldchen und noch eine kurze Strecke den Abhang des Guntur hinauf. Der eigentliche Kegel, ein grosser Schutthaufen, kann nur zu Fuss erklommen werden. Der Doktor und der Kontrolör begleiteten mich eine Strecke weit. Eine Schaar Reiter hatte sich angeschlossen und eine noch grössere Menge von Begleitern zu Fuss. Jeder wollte etwas tragen; Einer hatte die Karte, Andere die Hämmer genommen; brauchte man etwas, so war nichts zur Hand. Das sind die Unbequemlichkeiten der Vornehmen.
Mit nur wenigen Begleitern erreichte ich um 9-1/2 Uhr den Gipfel, dessen flach gewölbte Decke aus Sand und Rapilli besteht, und von einem grossen Krater durchbohrt ist. Sehr auffallend trat hier die von Junghuhn so deutlich hervorgehobene Erscheinung der mit dem Kraterrande konzentrischen Risse hervor. Die dem Rande nächsten bildeten bereits eine tiefe senkrechte Kluft, das durch sie abgetrennte Stück Bergwand war nahe daran in den Abgrund zu stürzen. Durch solche Einstürze wird der Krater regelmässig erweitert. Seine Wände sind oben senkrecht, weiter unten durch die hinab stürzenden Schuttmassen trichterförmig. In dem ganzen weiten Kessel ist nicht ein Dike[62] wahrzunehmen, und aus der Abwesenheit derselben, die andere Vulkane wie ein Gerüst durchsetzen und ihnen Festigkeit geben, erklärt sich die hier so prägnant hervortretende Erscheinung des regelmässigen Einstürzens der Wände. Aus allen Spalten, die mit der Entfernung vom Rande immer schmäler werden, drangen heisse Wasserdämpfe mit Chlorwasserstoff hervor; ich schätzte ihre Temperatur auf 40° R. Der Abhang hat 22 bis 24° Neigung; das Hinabsteigen ging schnell und bequem: wir kamen auf einen Streifen losen Gerölles, auf dem man stehend durch seine eigene Schwere hinabrutschte, indem man allmälig tiefer darin einsank; man hatte sich dann nur wieder oben aufzustellen, um auf dieselbe Weise ohne alle Bemühung eine grosse Strecke weiter befördert zu werden.
Nachmittags fuhr ich mit dem Doktor nach ~Garut~, der Residenz des Regenten, und da dieser in Folge eines Missverständnisses nicht anwesend war, Abends nach Trogon zurück. Unterwegs sahen wir eine sinnreiche Verwendung der Wasserkraft, um einen Erdhügel nach einer mehrere tausend Fuss entfernten Stelle zu schaffen. Man hatte einen in der Nähe vorbeifliessenden Bach gegen den Hügel gelenkt, so dass er denselben unterspülte: Büffel traten die überhängende Erde in das Wasser, welches sie weiter führte bis zu der Stelle, wo eine kleine Mulde damit ausgefüllt werden sollte. Dort war ein grosses Gitter von Bambus und Reisig angebracht, welches die Erde wie in einem Sieb zurückhielt, das Wasser durchliess.
20. Juli. Von Trogon ritten wir über Pasir-kiamis, wo in der Nähe des Pasanggrahans eine heisse Schwefelquelle hervorbricht, in südwestlicher Richtung durch herrlichen Hochwald auf einem neugebahnten Pfade nach Kawa-manuk, einer Solfatara in trachytischem Gebirge mitten im üppigsten dichten Walde. Sie soll erst 1772 bei dem Ausbruch des Papandayan entstanden sein. Der ganze Boden ist im Umkreis von ein paar tausend Fuss Durchmesser durch Wasser und heisse Dämpfe unterwühlt. Stösst man ein Loch durch das zersetzte Gestein, so brechen beide mit Gewalt hervor. Man muss durch vorsichtiges Tasten die Stellen aufsuchen, die noch aus hartem Gestein bestehen; denn wer durch die dünne Kruste bräche, würde in dem heissen Schlamm seinen Tod finden. Ich sah vier grössere Becken von 20 bis 30 Fuss Durchmesser, in welchen der dünne, dunkelgraue Schlamm hoch aufbrodelte; zuweilen spritzte er zwei Fuss hoch. In andern Tümpeln war das Wasser bereits verdampft und hatte eine feingeschlämmte Thonmasse zurückgelassen. An unzähligen Stellen brachen Wasser und Wasserdämpfe hervor. Das Wasser enthielt viel Schwefelwasserstoff. Ausser Schwefel, der sich ziemlich reichlich in kleinen Krystallen gebildet hatte, fanden sich nur noch Gyps und Alaun in geringer Menge. Der Trachyt kommt in allen Stufen der Zersetzung bis zum reinen Kaolin vor. Mitten zwischen den kochenden Schlammsprudeln und giftigen Gasen grünten und blühten noch einige Sträucher, darunter einige schöne rothe Rhododendren, während enorme Bäume von Laub und Rinde entkleidet, verdorrt und gebleicht am Boden lagen und ihre Aeste emporstreckten. Den grellsten Kontrast mit dieser Scene der Verwüstung bildete der üppige Wald, der sie dicht umgab.[63]
Als wir in den Pasanggrahan von Pasir-kiamis zurückkehrten, fanden wir ein vortreffliches Mittagessen für uns aufgetragen, eine Aufmerksamkeit des Regenten von Garut, die um so überraschender war, als das Haus tief im Walde liegt. Von hier ritten wir südöstlich bis ~Tjisirupan~, auf neuen Bambusbrücken viele Bäche überschreitend, die in westöstlicher Richtung aus dem vulkanischen Waldgebirge in den Tjimanuk eilen, welcher das herrliche Thal von Trogon und Garut bewässert. Der letzte Theil des Weges führt über das untere Ende der Schuttmassen, die sich in einem grossen Bogen bis zum Krater des Papandayan verfolgen lassen. Dieser Vulkan hat in historischer Zeit nur einen, aber einen furchtbaren Ausbruch gehabt. Im Juli 1772 wurde plötzlich ein grosser Theil des bisher kegelförmigen Berges zertrümmert und ungeheure Steinmassen, der Neigung des Bodens folgend, schoben sich bis in das Thal von Garut, vierzig Dörfer verwüstend, und fast 3000 Menschen begrabend.
In Tjisirupan standen muthige Bergpferde bereit, die uns nach ~Tjikatjang~ brachten, einer 3770 Fuss hoch, in fast gleicher Entfernung vom Gunong Papandayan und Tjikorai, am südlichen Abhang des sie verbindenden Sattels gelegenen Theepflanzung, wo uns der Vorsteher, ein junger Holländer, auf das zuvorkommendste aufnahm. Von dem Betriebe derselben sahen wir nur wenig, da wir am andern Morgen in Begleitung unseres freundlichen Wirthes den Papandayan besuchten. Der Theestrauch war ganz niedrig und kugelig gehalten, so dass die Pflanzung aus einiger Entfernung wie ein grosses Kohlfeld aussah. Tjikatjang ist eine der grössten Theeplantagen auf Java und beschäftigt gegen 1000 freie Arbeiter, deren Fleiss der Vorsteher sehr lobte.
Die Theekultur ist, ebenso wie die Erzeugung der meisten andern Produkte für den europäischen Markt, von der holländischen Regierung in Java eingeführt worden, und zwar erst seit 1835. Sie bildete einen Zweig des „Kultur-Systems” und der Thee gehörte zu der Klasse von Erzeugnissen, bei welchen, weil seine Herstellung bedeutende Sorgfalt erfordert, die Vermittelung intelligenter Europäer für nöthig erachtet wurde. Die Regierung, die zwar auch selbst Thee baute, wies geeigneten Personen das nöthige Land an, stellte ihnen die erforderlichen Frohnarbeiter zur Verfügung, schoss ihnen Kapital zinsfrei vor, verpflichtete dagegen die Kontrahenten, ihr die Hälfte der Ernte zu einem bestimmten Preis zu liefern, während ihnen über die andre Hälfte freie Verfügung zustand. Die ersten Versuche fielen sehr ungünstig aus, der Thee war von schlechter Beschaffenheit, die Regierung hatte grosse Verluste; die Unternehmer richteten sich meist zu Grunde. 1849 wurden neue Verträge abgeschlossen; die Kontrahenten übernahmen es, den Thee ohne Zwangsarbeiter oder sonstige Hülfe der Regierung zu bauen, wogegen diese sich verpflichtete, das Fabrikat zu einem etwas höheren Preise abzunehmen. Sie glaubte wohl, dass ohne Zwangsarbeit wenig geliefert werden würde, es fand aber das Gegentheil statt; die Kontrahenten, die inzwischen den Betrieb genau kennen gelernt hatten, wussten die Bedingungen gut auszunützen und machten glänzende Geschäfte, so dass eine Theepflanzung zu den gewinnbringendsten Unternehmungen auf Java gehörte. Wie gross der Gewinn gewesen sein muss, lässt sich unter anderm daraus schliessen, dass der Vorsteher der Theepflanzung Tji-katjang, unser Gastfreund, als einige Jahre später, nach dem Tode des Besitzers, der Kontrakt meistbietend versteigert wurde, 600,000 Gulden bot, und dennoch überboten wurde, obgleich der Vertrag nur noch 3 Jahre gültig war. Zur Zeit, als die Kontrakte umgeändert wurden (1849?), erhielt man 319 ℔ Thee per Bau (1 Bau = 500 □Ruthen) zum Bruttowerth von 0,572 Gulden per ℔, 1854 dagegen 548 ℔ zum Werth von 0,821 Gulden d. h. 80% mehr Produkt von 40% höherem Werth.[64] Die Regierung hatte von dem grossen Fortschritt freilich keinen Vortheil, denn da der Preis, den sie dem Fabrikanten in Java zahlte, höher war, als der Marktpreis in Europa, trotz der hinzugekommenen Spesen, so wurde ihr das ganze Fabrikat abgeliefert, und ihr Verlust war um so grösser, je besser die Ernte ausfiel. Die vor Kurzem erloschenen Verträge sind daher nicht wieder erneuert worden.[65]
Der anfänglich sehr schlechte Javathee hat sich durch Verbesserung der Kultur und Fabrikation sehr gehoben, sein Hauptmarkt ist Holland und Ostfriesland, er ist herber und stärker als Chinathee und steht in dieser Beziehung dem Assamthee näher, ohne ihm jedoch an Wohlgeschmack gleichzukommen. Nach dem Urtheil Sachverständiger wird er wohl im Stande sein, nach Aufhören der Kontrakte seinen Platz auf dem Markt zu behaupten und wahrscheinlich an Güte gewinnen, da das Publikum nur nach dem wirklichen Werth, nicht nach einem mehr oder weniger genau umschriebenen Schema zahlt.
Obgleich ich von der Bereitung des Thees nur einzelne Hantirungen mit ansah, so möchte ich dennoch eine kurze Beschreibung des ganzen Verfahrens geben, da es wohl nur wenig bekannt und das Produkt von so grosser Wichtigkeit ist. Ich folge dabei einem ausführlichen Aufsatze in der Natuurkundg. Tydsch, VII. 296.
Bei der Theefabrikation sind nur wenige Chinesen beschäftigt, in manchen Fabriken gar keine, in den meisten zwei bis drei Individuen, die aber dann nur in der Fabrik, nicht in der Pflanzung, thätig sind. Etwa 35 Tage nach dem Beschneiden der Sträuche, früher oder später, je nach dem Klima, beginnt das Pflücken der Blätter, von denen sich 6-7 an den jungen Trieben befinden. Die Pflücker der Spitzen kneifen die Spitze des Zweiges, die Blattknospe sammt dem äussersten kaum hervorgetretenen Blättchen ab; ihnen folgen die Pflücker der „Feinblätter”, die den grünen Zweig unter dem dritten Blatt abkneifen, also das zweite und dritte Blatt sammt Blattstiel sammeln; dann folgen die Pflücker der Mittelblätter, die unter dem fünften Blatt abkneifen, mithin das vierte und fünfte Blatt sammt Blattstiel nehmen; ist das sechste und siebente Blatt zart genug, um verwendet zu werden, so werden sie dergestalt abgerissen, dass ein kleines Stückchen davon am Zweig sitzen bleibt; dies geschieht, um die in den Achseln sitzenden Knospen zu schonen, aus denen sich Zweige für die nächste Ernte entwickeln sollen. Die eben beschriebene Art des Pflückens gilt nur für schwarzen Thee. Zum grünen Thee wird die Blattspitze wie zum schwarzen Thee abgekniffen, die übrigen Blätter aber werden ohne Blattstiel abgenommen, wie oben bei dem sechsten Blatt; der grüne Thee enthält also keine Blattstiele.[66]
Zur Bereitung des schwarzen Thees werden die eben gepflückten Blätter in ziemlich dünnen Schichten der Sonne ausgesetzt; sehr günstig ist es, wenn dabei ein leiser Wind weht. Die Blätter werden mehrere Male umgewendet und durch einander geschüttet. Nach höchstens 30 Minuten, je nach dem Wetter und der Temperatur, sind die Blätter ganz weich und bräunlich von Farbe, sie werden dann unter Dach gebracht; säumt man damit, so färben sie sich röthlich, ein Zeichen, dass sie an Güte verloren haben. In dem von einem Bambusgitter umgebenen Schuppen werden die Blätter in Haufen aufgeschüttet, es tritt Erhitzung und Gährung ein; sobald diese einen gewissen Grad erreicht haben, gewöhnlich nach 1/2-3/4 Stunden, werden die Blätter ausgebreitet und dann von neuem gehäufelt, dies wird vier- bis sechsmal wiederholt; sie müssen dann eine gleichmässige bräunliche Farbe haben; an Stelle des früheren Grasgeruchs zeigt sich schon Theegeruch.
In kleinen Mengen bringt man nun die Blätter in eingemauerte eiserne Pfannen, die so erhitzt werden, dass nur durch Gewohnheit abgehärtete Arbeiter im Stande sind, sie fortwährend mit der Hand darin umzurühren, um das Versengen zu verhindern. Die durch Entwickelung von Wasserdampf allmälig ganz feucht und weich gewordenen Blätter werden dann auf einen Tisch geworfen und geknetet: man nimmt deren so viel, als man mit beiden Händen fassen kann, und rollt sie zu einer Kugel zusammen, die aber mehrere male wieder aus einander gerüttelt wird, damit die Blätter sich nicht zu fest zusammenballen. Nach diesem ersten Kneten bleiben sie 1/2 Stunde in dünnen Lagen ausgebreitet liegen, worauf sie abermals in der Pfanne erwärmt und wiederum geknetet werden. Diesmal werden sie aber nicht wieder auseinander geschüttet, sondern zu Kugeln zusammengeballt, die sich mit zwei Händen bequem umfassen lassen, und in Körben über Kohlenfeuer getrocknet. Der Grasgeruch ist nun völlig durch das eigentliche Theearoma ersetzt worden; der schwarze Thee ist fertig bis auf das Sortiren, Sieben, Trocknen, Verpacken u. s. w.
Zur Bereitung des grünen Thees werden die frisch gepflückten Blätter unmittelbar und so schnell als möglich in die angeheizten Pfannen gebracht. Man lässt die Arbeiter nicht zu viel auf einmal pflücken, weil die Blätter sonst leicht eine bräunliche Färbung annehmen. Nachdem sie 2-3 Minuten in der Pfanne umgerührt worden, wobei sie knistern und knattern, werden sie schnell, damit sie nicht anbrennen, auf den Tisch gebracht und geknetet; da sie nicht vorher an der Luft getrocknet waren, so werden sie dabei so nass, dass die Feuchtigkeit abläuft. Die Menge der Blätter, die man auf einmal kneten, aber nicht auf einmal mit den Händen umfassen kann, wird gedrittheilt, um sie auszupressen; aus jedem Drittheil formt man eine Kugel, die so fest ausgedrückt wird, dass der grüne Saft in einem Strahl herausspritzt. Manche spülen auch diese Kugeln in kaltem Wasser ab und pressen sie nochmals aus, um die adstringirenden Eigenschaften zu mildern. Im Uebrigen weicht die Bereitung des grünen Thees nur noch darin von der des schwarzen ab, dass man jenen statt zweimal, fünfmal in die heisse Pfanne bringt und nach jedemmal von neuem knetet, aber nicht mehr auspresst; er wird also viel langsamer trocken, als der schwarze; andern Falls würde er seine frische, grüne Farbe verlieren. Nach dem vierten Erhitzen in der Pfanne enthält er nur noch wenig Feuchtigkeit und hat eine etwas schwärzliche Farbe; die schöne bläulich grüne Farbe nimmt er bei der fünften Erhitzung in einer nicht horizontal, sondern schräg eingemauerten Pfanne an, wobei er 1/2 Stunde lang kräftig und schnell umgerührt wird. Er ist dann völlig trocken. Die Spitzen der Zweige, welche auch bei dem grünen Thee die feinste Sorte geben, werden stärker ausgepresst als die andern Blätter, gewöhnlich auch mehrere male in reinem Wasser abgespült. Sie werden auch, wenn sie zart und klebrig genug sind, zwischen Daum und Zeigefinger zusammengerollt, und geben dann den „Gunpowderthee”. Das Adstringirende, das den frischen Blättern zum Theil entzogen werden muss, um sie geniessbar zu machen, wird also bei der Bereitung des schwarzen Thees durch Gährung, bei der des grünen Thees durch Auspressen und Auswaschen entfernt.
Am nächsten Morgen ritten wir den sanften Abhang des gestern erwähnten Schuttberges hinauf bis in den Krater des Papandayan. An einer Stelle, die die Inländer Luput nennen, konnten wir eine grosse Strecke weit eine natürliche Treppe benutzen. Es fliesst an dieser Stelle über die Schuttmassen ein inkrustirender sehr eisenhaltiger Bach. Die von dem angrenzenden Wald herabfallenden Blätter und Zweige werden von dem Wasser eine kurze Strecke weiter bewegt, wobei sie wegen der vielen Hindernisse immer eine Richtung quer gegen den Strom annehmen; so entsteht eine Reihenfolge kleiner Dämme, die von dem darüber hinfliessenden Wasser durch eine Sinterkruste zu einer Treppe verbunden werden. Schon ehe man die grosse Kraterkluft erreicht, brechen an vielen Stellen heisse Quellen hervor, die chemische Thätigkeit nimmt immer mehr zu und oben befindet man sich in einer Solfatara von wahrhaft riesigen Dimensionen, eingefasst von mehrere hundert Fuss hohen senkrechten Wänden weissgebleichten Gesteines, das in deutliche Bänke gesondert ist. Der Boden der ungeheuren Kraterschlucht ist überall mit sublimirtem Schwefel überzogen. An vielen Stellen sind grosse Massen desselben in kleinen Krystallen angehäuft, an andern Stellen sind sie zu braungelben Krusten zusammengeschmolzen, die zuweilen einen Fuss Dicke erreichen. Auch die grossen Trachytblöcke, die jetzt frei auf dem Boden liegen, sind mehr oder weniger zersetzt, auf allen Kluftflächen mit kleinen Schwefelkrystallen bekleidet und lassen vermuthen, dass sie früher relativ tiefer lagen, und dass ein grosser Theil der zu feinem Schlamm zersetzten Kratersohle durch den Regen fortgeschwemmt worden ist.
Ein grosser Schuttwall zieht sich im Hintergrund quer von einer Seite zur andern; man glaubt am Ende der Kraterschlucht zu stehen; hat man aber den oberen Rand des Walles erstiegen, so sieht man jenseits alle bereits angeführten Erscheinungen sich in noch grösserem Maasstabe wiederholen. Im Hintergrunde erblickt man wieder einen Schuttwall, der diesen Theil der Kluft begrenzt und hinter diesem wieder andere, und in jedem höher liegenden Felde der ungeheuren Solfatara nimmt die chemische Thätigkeit zu. Gegen das Ende der Kluft sah ich eine Erscheinung, die mir noch in keiner Solfatara vorgekommen war. Der Boden war mehrere hundert Fuss im Quadrat mit maulwurfartigen Hügeln bedeckt, die durch gewölbte Rippen zu einem ziemlich regelmässigen Netz mit einander verbunden waren. Beim Aufschlagen einer solchen Rippe fand sich die etwa 1/2 Zoll dicke Decke mit Schwefelkrystallen dicht bekleidet. Wahrscheinlich war die Kruste der Kratersohle an vielen Stellen durch die Gewalt komprimirter Dämpfe sternförmig zerborsten, so dass eine Art von Netz entstand; wenn sich dann eine Schlammmasse darüber ausbreitete, und durch Verdampfen allmälig plastisch wurde, so können die aus den Spalten heraufdringenden Wasser- und Schwefelwasserstoff-Dämpfe wohl im Stande gewesen sein dergleichen hohle Rippen zu bilden und sie mit Schwefelkrystallen auszufüttern. An manchen Stellen brach der Wasserdampf mit solcher Gewalt aus dem Boden hervor, dass nussgrosse Steine im Dampfstrahle auf- und abtanzten. Kochende Schlammpfützen wie in der Kawa-manuk waren in Menge vorhanden und der Boden in ihrer Nähe ebenso gefährlich zu betreten. Nach Junghuhn liegt der oberste Theil der Kraterkluft 6600' hoch und wird im Halbkreis von 700-800' hohen Wänden überragt. Vor dem grossen Ausbruch, durch welchen die Schlucht entstand, bildete der Berg einen geschlossenen flachen Kegel.
Wir ritten nach Tjisirupan zurück, wo wir uns von unserm Begleiter verabschiedeten und fuhren über Trogon nach Garut, überall von Gamelangmusik begrüsst. Der Regent war schon nach Wanaradja vorausgegangen, wo er uns nach dem ursprünglichen Reiseplan erwartete. Da der Doktor aber heute noch in Garut zu thun hatte, so blieben wir die Nacht im Pasanggrahan. Während wir in der Veranda Thee tranken, tanzten vor uns auf dem Alun-alun einige Rongengs. Der Tanz war nicht ungraziös, aber der begleitende Gesang zu gellend. Eine grosse Schaar inländischer Zuschauer hatte sich eingefunden; sie sahen mit lebhaftem Interesse zu; zuweilen nahmen auch Einige an dem Tanze Theil, wofür sie einige Deuten an die Tänzerin zu entrichten hatten. Als wir zu Bette gingen, liess der Bedana Tanz und Musik plötzlich aufhören, und Alles musste nach Hause gehen.[67]