Singapore, Malacca, Java. Reiseskizzen von F. Jagor.
Part 11
Jetzt gehen regelmässige Dampferlinien von Singapore direkt nach Malacca, Penang, Siam, Cochinchina, China, Borneo, Batavia, Ceylon, engl. Birma, Vorderindien, dem rothen Meer und durch Anschluss nach Europa, sowie nach den Mascarenen, Niederländisch-Indien, Australien, Japan. Eine neue Linie zwischen China, Japan, Sandwichsinseln und Californien ist soeben von der Regierung der Vereinigten Staaten genehmigt und mit einem bedeutenden jährlichen Zuschuss ausgestattet worden. Für Australien besteht bis jetzt nur eine Verbindung zwischen seinen südlichen Kolonien und Ceylon, die für Singapore keine Bedeutung hat. Aber wohl bald wird eine Linie durch die Torresstrasse im Anschluss an die niederländisch-indische, nöthig werden.
[1] Annähernd ist ein Gegenstand so viele Seemeilen über dem Horizonte sichtbar, als die Quadratwurzel seiner Höhe in englischen Fuss beträgt. (Raper's Navig. pg. 374.)
[2] Der als Romanschriftsteller bekannte Kapitän Marryat ist der Erfinder dieser Telegraphie, die trotz ihrer Mängel so grosse Dienste leistet, dass bald nach ihrem Bekanntwerden die französische Regierung eine Verordnung erlassen hat, kraft welcher die Versicherung aller nicht mit diesem Verkehrsmittel versehenen Schiffe für ungültig erklärt wird. Jetzt dürfte wohl kaum noch ein europäisches Schiff ohne Marryat's Signal-System anzutreffen sein.
Der Apparat besteht aus 15 Flaggen: 10 für die Zahlen bis 9, 5 Indexflaggen; und dem Signalbuch. Dieses zerfällt in 6 Abtheilungen und enthält 1. Liste der englischen Kriegsschiffe; 2. Liste der übrigen Kriegsschiffe; 3. Liste der Kauffartheischiffe aller Nationen; 4. Leuchtthürme, Häfen, Vorgebirge, Klippen u. s. w.; 5. Auswahl von gebräuchlichen Sätzen und Gesprächen; 6. Wörterbuch. Fünf Abtheilungen werden durch die betreffenden fünf Indexflaggen, die sechste durch das Fehlen einer solchen bezeichnet. Der Inhalt jeder Abtheilung ist alphabetisch geordnet; jeder einzelne Posten hat eine Zahl, deren Reihenfolge jener alphabetischen Anordnung entspricht. Zahlen, in denen eine Ziffer doppelt vorkommt, werden in diesen Reihen übersprungen, weil man sonst 20 statt 10 Zahlenflaggen haben müsste; doch hat man Mittel für besondere Fälle jede Zahl auszudrücken.
In den ersten 4 Abtheilungen bleibt die alphabetische Reihenfolge in allen Sprachen dieselbe; aber nicht in Abtheilung 5 und 6. Daher sind bei Uebertragung in fremde Sprachen in diesen beiden Abtheilungen die Sätze einmal dem englischen Signalbuch entsprechend numerisch, und einmal alphabetisch nach der fremden Sprache geordnet; will man sprechen, so benutzt man diese, empfängt man eine Antwort, so benutzt man jene Anordnung. Am interessantesten und wichtigsten ist Abtheilung 5. Sie enthält Kompass-Richtungen, Signale, deren sich Lootsen und Lloyd's-Agenten bedienen, um Schiffen, die in Noth sind, Befehle zu geben, Gespräche zum allgemeinen Gebrauch, desgl. für Schiffe, die sich auf See begegnen, Convoi- und Eskort-Signale u. s. w. Dies ist wohl das Wesentliche dieser Universalsprache.
[3] Einige Male bei sehr hoher See versuchte ich mit dem Kapitän die Höhe der Wellen zu schätzen. Wir wussten, dass sie immer höher erscheinen als sie sind und nahmen darauf Rücksicht; dennoch glaubten wir einmal ihre Höhe nicht unter 22 bis 24' annehmen zu dürfen. Als wir aber nachmassen, so weit dies überhaupt möglich ist, fanden wir nur 18'. Die Art, die Höhe zu bestimmen, ist in Raper's Navig. 5th. edit. pag. 179 angegeben, wo auch mehrere von berühmten Seefahrern gemessene Wellenhöhen angeführt sind; die grösste ist die von Sir Jas. C. Ross im Nordatlantischen Ozean beobachtete von 36 Fuss.
[4] Die Geschwindigkeit des Schiffes wird durch das Log bestimmt, die Richtung durch den Kompass. Aus dem Abgangsort, der Richtung und der Geschwindigkeit ergiebt sich unter Berücksichtigung verschiedener Korrektionen der Ort des Schiffs. Das Log besteht aus einem beschwerten Brettchen an einer Leine mit Knoten. Es wird gewöhnlich alle 2 Stunden ausgeworfen und bleibt auf dem Wasser liegen, während die Leine durch die Fortbewegung des Schiffes von einer Haspel abrollt. Sobald der Nullpunkt der Leine, ein bunter Lappen, das Wasser berührt, wird eine kleine Sanduhr umgedreht; ist sie abgelaufen, so zieht man die Logleine ein und zählt die abgelaufenen Knoten. Die Länge zwischen 2 Knoten verhält sich zur Länge einer Meile, wie die Zeit, in welcher die Sanduhr abläuft zu einer Stunde. Setzt man die Seemeile = 6080', und die Sanduhr = 30 Sek., so hat man: Länge eines Knoten: 6080 = 30:3600 = 50-2/3' und so viel Meilen in der Stunde, als Knoten in 30 Sekunden. Obige Methode, den Ort eines Schiffes zu bestimmen, heisst Gissung (Dead Reckoning), sie ist aus vielen Gründen sehr unvollkommen, weshalb zur Berichtigung auch astronomische Ortsbestimmungen gemacht werden müssen. Zu dem Zwecke wird die geographische Breite jeden Mittag durch eine sehr leichte Beobachtung der Sonnenhöhe und einfache Rechnung gefunden. Längenbestimmungen aber sind besonders zur See so schwierig und unsicher, dass sie von Handelsschiffen fast nie angestellt werden; diese schliessen auf die Länge aus der Differenz zwischen der Zeit des Chronometers und der Ortszeit, die auf jedem ordentlichen Schiff einmal täglich durch Beobachtung gefunden wird; so dass also die annähernde Richtigkeit der Länge ganz von der Zuverlässigkeit des Chronometers abhängt. Kriegsschiffe, die immer mehrere gute Chronometer mitführen und Mittel zu genaueren Beobachtungen haben, pflegen unaufgefordert Länge und Breite auf eine Tafel zu schreiben und sie vorüber segelnden Schiffen entgegenzuhalten, damit diese ihre eigene Rechnung prüfen und berichtigen können.
[5] Der Südwest-Monsun fängt hier gewöhnlich Mitte oder Ende April an und dauert bis Mitte Oktober. Am beständigsten ist er im Juni, Juli, August. Der Nordost-Monsun beginnt im nördlichen Theil der Chinasee Ende September oder Anfang Oktober, aber im südlichen Theil dieser See wird er selten vor November beständig. Den grössten Theil des Oktobers herrschen leichte wechselnde Winde. Am kräftigsten und anhaltendsten ist er im Dezember und Januar.
[6] Vielleicht auch nur mit gelbem Ocker. Gelb ist die festliche, die Gallafarbe in ganz Ost-Asien. Javanische Brautleute reiben sich den Körper mit gelbem Turmerikpulver ein, die Leibgarde des Javanischen Kaisers aus Billigkeitsrücksichten mit gelbem Ocker. In China darf ausser der kaiserlichen Familie kein Mensch in seiner Wohnung oder in seiner Kleidung Gelb gebrauchen oder auf gelbes Papier schreiben. Die kleinen Prinzessinnen von Siam wurden, bevor sie sich von mir photographiren liessen, mit Turmerik eingerieben, das ebenso wie der Reispuder der Pariserinnen, den Teint verschönert und die Haut erfrischt. Es ist auch ein guter Schutz gegen Hitzpickel. Die Hauptverwendung findet der Turmerik (Curcuma sp. div.) in der Küche zu Kurries; in Europa dient er bekanntlich in der Färberei zur Herstellung einer ebenso schönen, als flüchtigen Farbe und zur Bereitung von Reagenzpapier.
[7] Die Punka findet man nur in den englischen Kolonien, wo sie als sehr zuträglich für die Gesundheit gilt. Die Holländer auf Java fürchten den angenehmen Luftzug und behaupten, nur John Bull's dicker Schädel könne ihn vertragen. Dagegen sitzen die Holländer, Männer wie Frauen, unbedeckten Hauptes im Freien und geniessen die kühle Abendluft, die in Singapore so gefürchtet wird, dass man selbst nicht gern mit blossem Kopf auf den Balkon hinaustritt. So hat jedes Land seinen Aberglauben.
[8] Der englische General-Konsul in Rotterdam sagt in seinem Bericht über den Handel von Niederländisch-Indien von 1861 in Bezug auf die Gewürze Muskat und Nelken: „Die jährliche Auktion der Handels-Gesellschaft ergab niedrigere Preise, als je erhört waren. Dies Ergebniss war ein neuer Beweis, dass das jährlich produzirte Quantum in gar keinem Verhältniss steht zur stetig abnehmenden Nachfrage ... Während der letzten 10 Jahre sind die Preise stetig gefallen.”
[9] Kohl führt etwas ganz Aehnliches aus Ungarn an: „Der sehr reiche Palast des Fürsten S. in Zinkendorf wird nie verschlossen, trotz des bedeutenden Silberschatzes. Wie dies mit der sonst so allgemeinen Unsicherheit und den dagegen angewandten Vorsichtsmaasregeln zu vereinigen sei, weiss ich nicht.”
[10] Diese interessante Pflanze ist über ganz Indien so verbreitet, dass ihre Abstammung aus Amerika erst in neuerer Zeit festgestellt worden ist. Ueber ihre oben angeführten auffallenden Eigenschaften finden sich interessante Thatsachen in: Browne's Nat. hist. of Jamaica p. 360, der zuerst darauf aufmerksam gemacht zu haben scheint; Heber's useful plants of India 113, der Wight's Illustrations of ind. bot. II 36 und Dr. Holder in Memoirs of the Wernerian soc. III citirt; Hooker's bot. Mag. 2898. -- Humboldt hat im Thale von Aragua bestätigende Untersuchungen angestellt; sonderbarer Weise ist aber gerade in Venezuela, wie mir Prof. Karsten mittheilt, von den erwähnten Eigenschaften der Pflanze nichts bekannt, während in Barbados und Jamaica nach obigen Angaben ebenso wie in Singapore diese Eigenschaften so allgemein gekannt sind, dass sie häufig für wirthschaftliche Zwecke benutzt werden.
Die von Vauquelin analysirten Proben (Hooker's bot. Mag.) stammten aus Ile de France, die eine war zum Behuf des Transports nach Europa durch Abdampfen eingetrocknet, die andere mit einer gleichen Menge Rum vermischt worden. „Die Aehnlichkeit des Papaya-Safts mit thierischen Substanzen ist so gross, dass man einen Betrug vermuthen möchte.” Vauq.
Physiologen, welche die auffallenden Wirkungen auf die Muskelfaser näher untersuchen wollen, würden wohl am besten thun, sich genügende Mengen des frischen Saftes in hermetisch verschlossenen Flaschen oder Büchsen, nach Appert's Methode konservirt, kommen zu lassen; die beste Bezugsquelle dürften die westindischen Inseln sein, wo man in der Kunst des Konservirens durch das geschäftsmässig betriebene Einmachen der Ananas wohl geübt, und die Pflanze allgemein verbreitet ist. -- Diese befindet sich übrigens auch in allen botanischen Gärten, aber gewöhnlich nur in verkümmerten Exemplaren.
[11] Besonders aber in neu entdeckten Goldländern, wo unzubereitete Nahrungsmittel, weil sie voluminöser sind, durch die sehr hohen Transportkosten, die oft 1 Dollar per ℔ betragen, viel theurer werden als fertig bereitete, und wo es überdies an Händen und Einrichtungen zur Zubereitung mangelt. Wenn die Goldgräber keine andre Spuren zurückliessen, so könnte man ihre Stationen an den umherliegenden leeren Blechbüchsen erkennen.
[12] In New harbour sind immer grosse Niederlagen von englischer, australischer und Borneo-Kohle. Die Kohlen von Australien und Borneo können bei den jetzigen Heizeinrichtungen nur mit englischer gemischt, verbrannt werden. Die Preise sind gegenwärtig (1864): englische 8 bis 9 Dollars, Borneo 5 bis 6, australische 4 bis 5 Dollars per Ton von 20 Ctr. engl, oder ungefähr 2000 Zollpfund. -- In Berlin kostet die Last = 18 Tonnen = 72 Scheffel = ca. 6000 Pfd. 15 bis 20 Thaler, also ca. 5 bis 7 Thaler per engl. Ton.
[13] Diese Laternen bestehen aus einem mit sehr feinem festem Papiere überzogenen, melonenförmigen Gerüst von sehr feinen Bambussplitten. Das Papier ist mit durchsichtiger Gallerte getränkt, einem Absud der Alge Agar-agar (Plocaria tenax und P. candida), die auf allen felsigen Küsten des Archipels wächst und in grosser Menge von den klugen Chinesen importirt wird, während sie in Europa so gut wie unbekannt ist. Sie vertritt in mancher Hinsicht die Stelle der Hausenblase und des Dextrins, giebt ein schmackhaftes Gelee und vorzügliche Appretur für Seidenzeuge und kostet in Singapore selten mehr als 1 Dollar per Pikul. -- Schon 1859 importirte Shanghai allein 150000 Pikul. Die im atlantischen Ozean sehr häufige verwandte Gattung Chondros liefert das offizinelle Karagen.
[14] Der Reis, Oriza, vom arabischen eruz, ist das Hauptnahrungsmittel aller zivilisirten Völker Ostasiens. Die weniger vorgeschrittenen müssen sich mit einer leichter zu erlangenden, wenn auch noch stickstoffärmeren Kost (Sago u. s. w.) begnügen. Man hat berechnet, dass der Reis das Hauptnahrungsmittel der Hälfte des Menschengeschlechtes sei. In Asien ist er seit den ältesten Zeiten bekannt; die Araber brachten ihn nach Spanien und Italien, wo er noch jetzt mit Erfolg gebaut wird. In Amerika wurde er erst Ende des 17ten oder Anfangs des 18ten Jahrhunderts zufällig eingeführt, fand aber in den südlichen Staaten der Union Klima und Boden so günstig, dass der Reis von Carolina bald für den besten von allen Sorten galt. Die dort übliche Art des Reisbaues weicht von der indischen besonders darin ab, dass man die Felder abwechselnd trocken und überschwemmt hält. Die dadurch erzeugten Miasmen sind so lebensgefährlich, dass die zur Arbeit in den Reisfeldern verwendeten Sklaven sehr schnell erlagen und durch frische ersetzt werden mussten. Singapore baut gar keinen Reis, da es aber im Mittelpunkt der Reis erzeugenden und Reis verzehrenden Länder liegt, so ist es ein Stapelplatz für diesen wichtigen Handelsartikel geworden, der hier häufig billiger als in den Produktionsländern ist.
Dass von einer so lange kultivirten, so weit verbreiteten Nutzpflanze viele Abarten entstanden sein müssen, lässt sich erwarten. In einer öffentlichen Sammlung in Manila waren 60 angeblich verschiedene, in den Philippinen gebaute, Abarten ausgestellt; fast ebensoviel rechnet man in Java. Nach Porter lassen sich aber alle auf 4 Arten zurückführen, die vielleicht selbst nur Varietäten einer Art sind: O. sativa und praecox, beide Sumpfreis; letzterer reift 2 Monate früher als ersterer, 4 Monate nach dem Umpflanzen, steht ihm aber an Güte und Ertrag nach. O. montana, Bergreis, der trocken wächst, oft in beträchtlicher Meereshöhe und in höheren Breiten, und viel mehr Kälte vertragen kann als der Sumpfreis, weshalb man mehrere mal versucht hat, ihn in England einzuführen, bisher aber ohne Erfolg, da er zwar reichlich Blätter, aber keine Körner giebt; Porter führt zwar einen einzelnen Fall an, wo man bei Windsor reife Aehren erhielt. Endlich O. glutinosa, Kleber-Reis, der nass und trocken wächst, aber wenig gebaut zu werden scheint. Er wird namentlich zu verschiedenen Gebäcken (kweh) verwendet.
[15] St. John, Far East II 254 meint, dass die Eingebornen von Bruni durchaus keinen Geruchssinn haben, weil sie faules Fleisch, faule Eier und faule Fische essen. Die Bewohner von Luzon haben aber einen so sehr ausgebildeten Geruchssinn, dass sie z. B. in einer grösseren Gesellschaft durch das Beriechen der Taschentücher die Eigenthümer derselben zu erkennen vermögen und dennoch essen sie gern faules Fleisch u. s. w.; wahrscheinlich, weil es ihnen gut schmeckt, so wie viele Europäer stinkenden Käse und stinkendes Wild essen. Der Begriff des Gestanks ist relativ: bei einem feinen Diner in Singapore wurde mir die Butter ganz besonders angepriesen, „weil sie einen sehr starken Fassgeschmack hatte.”
[16] Auch dies hat sich bereits geändert, wenigstens in China. Aus dem Bericht des britischen Konsuls Robertson, Canton 1864, ergiebt sich, dass nicht nur die Küstenschifffahrt und der Einfuhrhandel immer mehr in die Hände der Chinesen übergehen, sondern dass auch der Ausfuhrhandel dieselbe Bahn einschlägt. Bereits haben chinesische Firmen aus Fu-tschau und andern Orten bedeutende Theesendungen direkt nach England gemacht, und sogar im vorigen Jahr (1863), während alle andren Firmen auf den europäischen Märkten bedeutende Verluste erlitten, Gewinne erzielt, weil sie mit viel grösserem Vortheil einkaufen und verkaufen können, ihr Geschäft mit geringeren Unkosten betreiben, mit mässigerem Gewinn vorlieb nehmen, und für eigene Rechnung statt für Rechnung ihrer Kommittenten handeln. „Wenn sie sich auf dieser neuen Bahn erst sicher fühlen, und Bankkredite erhalten, so wird es für Europäer hoffnungslos sein, gegen sie zu konkurriren.”
[17] So nennt man einen harten Kalkmergel mit Eiseninfiltrationen, die auf der helleren Grundmasse allerlei Figuren von Burgen, Ruinen u. s. w. darstellen.
[18] Rumph, Kruydboek V. 97: „gewöhnlich 60-100 Faden lang, ja in einigen Ländern hat man 200-300 Faden lange gemessen” (1 Faden = 6').
[19] Die Overl. Free Press, 8. Jan. 1864, giebt nach dem Java Courant eine Uebersicht der in Java und den übrigen holländischen Besitzungen im Archipel durch andre als natürliche Ursachen vorgekommenen Todesfälle. Die Gesammtzahl der durch Tiger Getödteten wird darin für Java auf 148 angegeben. Die Richtigkeit der Zahlen vorausgesetzt, wäre dies unter Berücksichtigung der beiderseitigen Bevölkerungen nur 1/300 so viel als in Singapore. Wären diese Unglücksfälle in Java verhältnissmässig so häufig wie in Singapore, so müssten jährlich dort 44,000 Menschen den Tigern zur Beute fallen. -- Die Tabelle enthält auch noch andre interessante Data:
Java und Andere Ursache des Todes. Madura. Besitzungen. Total.
Blitz 356 10 366 Ertrinken 948 173 1121 Sturz von Bäumen etc. 431 73 504 Tiger 148 151 299 Rhinozeros 4 -- 4 Krokodile 49 125 174 Büffel 6 -- 6 Schlangen 43 3 46 Selbstmord 127 38 165 Andre Unfälle 393 136 529 2505 709 3214.
„Nach einer Angabe der Posener Provinzialblätter wurden im Regierungsbezirk Posen vom 1. Sept. 1815 bis Ende Februar 1816, 41 Wölfe erlegt, und noch im Jahre 1819 im Kreise Wongrowitz 16 Kinder und 3 Erwachsene von Wölfen gefressen.” (Freytag, neue Bilder aus dem Leben des deutschen Volkes 1862, pg. 402.)
Die Einwohnerzahl im Kreise Wongrowitz betrug 1818 nach Ortschaftsverzeichnissen des statistischen Bureaus: 26290; für 1819 kann sie schon wegen der geringen damaligen Volksbewegung nicht sehr davon verschieden gewesen sein. Nimmt man an, dass in Singapore täglich ein Mensch von Tigern gefressen wird, so giebt dies 180 für 6 Monat auf eine Bevölkerung von 100,000 oder 47,7 auf eine Volksmenge gleich der im Kreise Wongrowitz, selbst wenn man diese auf 26,500 schätzt; so dass in letzterem noch 1819 mehr als 2/5 so viel Menschen von Wölfen gefressen wurden, als gegenwärtig in Singapore von Tigern.
[20] In neuester Zeit angeblich sogar 100 Ds.
[21] Der Beweis ist jetzt geliefert worden; denn nach Cameron (Our tropical possessions pg. 96) fand man eines Morgens in Netzen, die in der Meerenge längs der Küste von Singapore aufgestellt waren, eine Tigerin verstrickt und fast ertrunken. Von Singapore konnte sie nicht hergekommen sein, da ganze Reihen dem Lande näher aufgestellter Netze unversehrt waren.
[22] Doch ist dieser Punkt noch nicht genügend aufgeklärt. Smeathman und andre nach ihm erzählen von einem König in der Kammer der Königin.
[23] Das Manché'sche System, das durch Hooibrenk in den letzten Jahren in Europa so grosses Aufsehen gemacht, war also bei den chinesischen Gambirpflanzern schon lange in Anwendung.
[24] Die Borneo-Kompanie hat neuerdings Sagofabriken unter Leitung eines europäischen Ingenieurs in Borneo angelegt, wo das Fabrikat an Ort und Stelle zur Ausfuhr nach Europa fertig gemacht wird.
[25] Die Art der Gewinnung ist in Johnston's vortrefflichem Buch „Chemistry of common life” nach Dr. Eatwell ausführlich beschrieben und mit Abbildungen versehen, ohne Abbildungen auch in v. Bibra: „Die narkotischen Genussmittel.” ...
[26] Das Verfahren ist ausführlich beschrieben von Dr. Little, Journ. Ind. Arch. II, eine Uebersetzung davon giebt v. Bibra.
[27] 762,5 bis 915 Ds. per Kiste von 140 Katti; 6-1/2 bis 8 Thlr. per Zollpfund.
[28] Im Budget Estimate 1864/65 war die Einnahme für Opium auf 8,200,000 £, die Ausgabe auf 2,254,161 £ veranschlagt; man hatte also bei diesem Geschäft einen Reingewinn von 5,945,839 £ (über 40 Millionen Thaler) erwartet. Der wirkliche Gewinn war: 1861/62 4,909,804 £, 1862/63 6,199,198 £, 1863/64 4,525,506 £.
[29] „Die Möglichkeit einer chronischen Opiumvergiftung ist eine über allem Zweifel erhabene Thatsache. Hammer bezeichnet die Liebhaber des Opiums als wankend und schwankend, blass, abgezehrt, mit gestrecktem Halse, entscharrten Leichnamen ähnlich ... Oppenheim: Die Thätigkeit der Verdauungsorgane liegt ganz darnieder, die Stuhlentleerung anfangs ungemein träge, oft in Intervallen von 8-14 Tagen erfolgend; später macht sie der Diarrhoe und Dysenterie Platz. Die körperlichen und geistigen Kräfte und Fähigkeiten gehen einem raschen Verfall entgegen. Schwindel, Kopfschmerz, Neuralgien, Zittern der Gliedmaassen, Schlaflosigkeit, manchmal eine Art Delirium tremens, Blödsinn, allgemeine Paralyse, Impotenz, auch Blasen- und Nierenleiden stellen sich ein, und einem allmälig sich entwickelnden Leiden der Lunge und des Herzens erliegen die Opiumesser früher oder später.” (Husemann, Toxicologie S. 609.)
[30] Dieselben Listen ergeben folgende interessante Thatsachen. Das Opium kommt fast ausschliesslich aus der Türkei, aus Britisch-Indien nichts. Das meiste geht nach den Vereinigten Staaten und Holland. Von 110,101 ℔, die 1863 exportirt wurden, gingen 40,641 nach den Vereinigten Staaten, 28,869 ℔ nach Holland, das Transit-Opium, 104,756 ℔, nahmen diese beiden Länder ausschliesslich, Vereinigte Staaten 93,316 und Holland 11,440 ℔. (Das nach Holland verschiffte Opium geht nach Java.)
[31] Dr. Thudichum giebt folgenden interessanten Aufschluss über die in einer Landstadt von Lincolnshire jährlich verkaufte Menge Opium: „Sieben Drogisten in der Stadt Spalding verkaufen 27 Stein 3-1/2 Pfund Opium (= 436 Zollpfund) zum Theil in der Form von Laudanum. Die Stadt nebst dem von den Drogisten versehenen Gebiet hat 21,000 Einwohner. Dies ergiebt einen Opiumverbrauch von 127 Gran per Kopf und Jahr. Eine geringe Menge des Opiums wird für die Schafe während des Lämmerns verwendet. Rechnet man 27 Gran von je 127 Gran zur Deckung dieses Bedarfs, was wahrscheinlich eine übertriebene Annahme ist, so ergiebt sich das erschreckende Verhältniss, dass der Opiumverbrauch im Gebiet von Spalding ungefähr 100 Gran jährlich für jedes Individuum der Bevölkerung beträgt. Opium wird von den Erwachsenen gegessen und den Kindern eingegeben. Die Sterblichkeit der Kinder beträgt in diesem Distrikt 21,845, während sie in ganz England 17,731 von 100,000 Lebenden betrug. Die Bevölkerung war in den letzten 10 Jahren im Abnehmen. Obige Menge Opium enthält nicht die von Aerzten verwendete Menge. Die Daten über die in Spalding verkauften Quantitäten Opium sind von Dr. Morris aus Spalding gesammelt und mir mitgetheilt worden.”
[32] An einer andern Stelle behauptet de Quincey sogar, 12,000 Tropfen täglich genommen zu haben. Das wäre mehr als ein und ein Zehntel Zollpfund! -- Nach dem Formulaire d. P. rechnet man das Gewicht von 20 Tropfen Laudanum, 75 bis 110 cgr., nimmt man als Mittel 92,5 cgr., so erhält man 555 Gramm!