Schutz- und Trutzbündnisse in der Natur
Part 7
Anfänge von Blütenverteidigung durch bissige Insekten liegen bereits auf der Grenze vor allem symbiontischen Anschluß, wenn Blüten rein im Kampf gegen rohe Blütenfresser hemmenden Kleber nach Art der Pechnasen an alten Burgen träufeln, dieser Kleber bei Kornblumen wegen seines Honiggehalts aber von Ameisen gesucht und nun von diesen Ameisen gegen blütenfressende Rosengoldkäfer (Cetoniden) wütend verteidigt wird, -- wobei ich offen lasse, ob nicht auch hier durch Hin- und Herlaufen der Ameisen auf dem Blütenbeet solcher Komposite auch Kreuzbefruchtungen nebenher vermittelt werden könnten. Wenn wir aber dabei schon auf die Ameisen (die sonst als Vermittler nicht so in Frage kommen) geraten, so wären hier ein bereits viel anschaulicheres und selber fest eingefahrenes symbiontisches Beispiel die unmittelbar so benannten „Ameisenpflanzen“, falls man sie (es liegen hier Streitfragen) noch gelten lassen will. Der einfache Sachverhalt läuft in dem bekanntesten und oft beschriebenen Fall des brasilianischen Imbaubabaumes, einer Cecropia-Art, darauf hinaus, daß gewisse räuberische Ameisen (Atta-Arten) zu einem besonderen Zweck dort oft ganze Bäume ihrer Blätter berauben, wogegen andere, sehr tapfere Ameisenvölker einer Azteca-Art nun jenen Baum gewohnheitsmäßig durch wütige Gegenangriffe schützen sollen; und die Imbauba bietet ihnen dafür der Erzählung nach ihre nach Doldenart hohlen und übereinander gekammerten Stengel als Wohnung, zu der besonders vorgesehene dünne Wandstellen sich leicht als Außen- und Falltüren öffnen lassen, sowie in besonderen eiweißhaltigen Überschußbildungen (hier doch ohne Bezug zum Pollen) auch eigene Hauskost. Ähnlich sollen andere „Schutzameisen“ zu den ungeheuren eigenen Wehrdornen amerikanischer Akazien noch eine persönliche Garde fügen, die in solchen Stacheln selber haust und ebenso durch besonderes Fettbrot an den Blattspitzen beköstigt wird. Und endlich leben schirmende Ameisenheere in den kaktusartigen Knollenstengeln der auf indischen Urwaldstämmen sitzenden Myrmekodien, die üppige Wasserreservoire dieser Pflanzen für die Trockenzeit bilden und deshalb häufig von durstigen Tieren bedroht sind, während die Ameisen einen lebendigen Stachelwall, besser als jede echte Kaktuswehr, darumziehen. Im Engeren scheinen sich in diese Schilderungen kleine Irrtümer gemischt zu haben, die Gegengaben der Pflanzen sollen auf nicht mehr hinauslaufen, als sie ohne Ameisen auch schon lieferten, und die Ameisen ihr zufällig gefundenes Haus nur eben als „ihres“ verteidigen ohne sonst stärker durchgeführte Symbiose. Unserer Betrachtung aber mag wieder vollständig genügen, ohne daß sie mehr und Strittiges aufzurollen brauchte, wenn eben dieser Hausschutz nur schon auf Grund fester Insekteninstinkte betrieben wird. Auf noch ein Weiteres führt uns dann schlicht ein Zug der Geschichte selbst, der als solcher niemals bezweifelt worden ist: nämlich eben das Blättersammeln jener andern, der Atta-Ameisen. Die Ameisen, die das tun, haben ihr Haus und Nest nicht in der Pflanze, sondern tragen die Blätter erst dorthin fort. Daß sie es (feindlich hier zur Pflanze) tun, ist an sich nicht wunderbarer, als daß die Bienen es friedlich mit dem Pollen machen. Aber was die Atta-Völker jetzt daheim mit den Blättern vollführen, das ist nochmals etwas ganz Neues und Überraschendes.
Die den verschiedensten Pflanzen feindlich ausgeschnittenen Blattstücke, von den Ameisenprozessionen zierlich wie kleine Sonnenschirme auf dem Heimzug hochgehalten, werden, nährarm, wie sie für verwöhntere Tiere sind, zu Hause nicht selber verzehrt, sondern als Futter für eine gewisse andere Pflanze verwertet, die jetzt in friedlicher Symbiose mit der Ameise lebt, -- allerdings in einer Symbiosenform, die nunmehr aufs allersinnfälligste die einseitige Überlegenheit des Insektengehirns zum Ausdruck bringt. Die Ameise hat diese wichtigste Pflanze in die Unterräume ihrer eigenen Burgen (Atta-Arten bauen Haufen bis zu 2½ Meter Höhe im feuchten Waldgrund) als „Hauspflanze“ aufgenommen. Im dunkeln Keller solchen Mulmhaufens wird man allerdings schwerlich eine Blütenpflanze vermuten, und es ist auch diesmal keine, sondern wieder erst einmal ein Pilz, dessen unterirdisches Sauggeflecht (Myzel) von den Ameisen mit jenen angeschleppten Blättermassen aufs sorgfältigste gefüttert wird. In dem Ameisenbau werden die zweckgerecht zerkauten Blatteile in besonderen Kammern als Mistbeeten dem wuchernden Pilz unter Ausjäten aller unkrauthaften Eindringlinge bereit gemacht. Eine körperlich angepaßte Kaste des Volks aus kleinen Arbeitern besorgt als „Gärtner“ diesen Dienst. Ihr liegt aber noch eine wichtigste Handlung an dem übermäßig so gedeihenden Kulturpilz selber ob: indem die Gärtner bestimmte wucherkräftige Triebe daran beständig kappen, scheinen sie den Pilz immer wieder zur Bildung eigentümlicher eiweißhaltiger Stauknötchen anzutreiben, die jetzt eine wirklich höchst brauchbare verdichtete Nahrung für das Ameisenvolk abgeben, ohne daß der Pilz von dem Abernten dieser Produkte, die er sonst frei wuchernd wohl wieder verbraucht hätte, Schaden erführe. Ein solches übermäßiges Wuchern aber ist ihm auch nicht nötig, denn die Ameise gibt ihm auch auf engem Raum immer wieder volle Neukraft, indem sie nicht nur übers Maß ihn füttert, sondern auch von Zeit zu Zeit als umsichtiger Gärtner das ganze ausräumt, mit Neumaterial als Nährbeet ersetzt und darin einem zweckgerecht bewährten Treibstück des alten Myzels frischen Raum zum Wuchern gibt, als wäre der Pilz mit einem jungen Sproß in wirkliches Neuland gelangt. Wenn aber überhaupt ganz neue Ameisenbauten errichtet werden sollen durch ausziehendes Jungvolk der Ameisen selbst, so wird solcher Rest der alten Pilzkultur noch viel raffinierter auch dorthin überstiftet: die befruchtete Ameisenkönigin, der jedesmal obliegt, das neue Volk und Nest zu begründen, nimmt stets ein solches lebendes Pilzzweiglein in einer besonderen Kinnbackentasche (sozusagen in einem hohlen Zahn) mit; am neuen Fleck nährt sie es dann zunächst mit eigenem Stuhl, zu dessen wohltätigem Abgang sie einen Teil ihrer selbstgelegten Eier sich wieder als nährenden Eierkuchen zu Gemüte führt, bis aus dem Rest der Eier neue Gärtnerameisen erwachsen sind, die nun abermals allmählich Blätter zu holen beginnen und das so lange mühsam durchgepäppelte heilige Pflänzchen neuen großen Staatsmistbeeten einverleiben, auf daß es nun erneut zum segnenden Fruchtbaum für alle mit werde. Kein Zweifel: diesmal sieht man das Insekt wirklich ganz und gar die Pflanze umgreifen, -- friedlich, auch sie kunstvoll erhaltend, -- aber gerade so übermächtig -- als der leitende Herr. Es schützt sie im eigenen Haus, es füttert sie bis zur Mästung, es schließt ihre Fortpflanzung an neuem Fleck an seine eigene an; man erinnert sich des Verhältnisses des Pilzes zur Flechte, aber wie unendlich viel straffer hängt hier alles in der Instinktregie der höheren Partei, -- selbst der Krebs tritt weit dagegen zurück. Denn vor allem: sogar die Gegenleistung der Pflanze erscheint in entscheidendem Grade erst als eine Handlung der Ameise, die sie selbsttätig bestimmt, wenn sie als Gärtnerameise wenigstens heute unzweideutig auch die Überproduktion hervorruft.
Man glaubt durchaus zu verstehen, daß auch diesmal die Dinge geschichtlich nicht durch Hexerei entstanden sind. Diese Ameisen fanden wohl seit alters natürliches Pilzmyzel in ihren Bauten wuchernd. Anfangs war’s lästig. Sie beschnitten also seine sperrenden Ranken, dabei aber zeigten sich wohl jene merkwürdigen Stauprodukte zunächst rein pathologisch auf die Hemmung und den Reiz hin; man denkt wieder unwillkürlich an die bekannten Gallen, dicke Nährwucherungen, die sich auf Blättern entwickeln, die eine Gallwespe angestochen und mit einer sich entwickelnden Made versehen hat, eine übrigens für sich noch bis heute sehr rätselvolle Sache, aus der sich vielleicht selber noch einmal eine geheimnisvolle Symbiose schält. Aber wieviel weiter geht auch das hier heute schon, indem die Pflanze mit dem Mistbeet zur Überproduktion großen Stils regelrecht vom Konsumenten selbst gemästet wird. Auch das Verschleppen anhaftenden Pilzmyzels in neue Haufen ist vielleicht anfangs nur ein Zufall gewesen, wie oben die Blütenbefruchtung. Jetzt aber schaltet sich auch das an den Gehirninstinkt, der den Zufall ausschließt. Damit ist die Fortpflanzung der Pflanze faktisch diesmal auch in der Macht des Insekts, wie es nur je oben unsere Phantasie erdenken konnte. Müßte der Pilz durch Befruchtung fortgepflanzt werden, statt daß Stecklinge hier dauernd zu genügen scheinen, so dünkt selbstverständlich, daß die Ameise auch das so gut wie die Yukkamotte durchführen würde. Ja so ganz und gar ist die Pflanze heute vom Insekt umgriffen, daß es bereits geht wie bei gewissen unserer eigenen Kulturpflanzen: man weiß gar nicht mehr, wo der Ameisenpilz der Atta heute noch wild vorkommt, sondern kennt ihn nur mehr in der Ameisenzucht. Wie weit auch diese wunderbare Pilzsymbiose aber wieder in der Natur verbreitet ist, lehrt ihr fast genau so, nur noch besser entwickeltes Auftreten bei einer Masse von Termitenarten, also bei von den Ameisen weit verschiedenen, doch auch sehr instinktklugen Insekten aus der Nähe unserer Küchenschaben, in deren riesigen, bis 6 ~m~ hohen Burgen sich die Pilzkulturen nur so drängen. Die Pilze der Pilzkammern (Abb. 14) werden hier mit zerkautem und vorverdautem Holz gemästet, wozu die Termiten ihre bekannten, so furchtbar verheerenden Zerstörungszüge vollführen. Man hat den künstlichen Futterknötchen dort wie hier einen Namen gesucht, indem man mit menschlichen Kunstzüchtungen eßbarer Dick- und Luxusteile bei Kulturpflanzen verglich: Blumenkohl oder Kohlrabi. Auch Ambrosia nennt man’s wohl. Dieser Name stammt aber wieder selber von längst beobachteten Pilzgeflechten in den Fraß- und Kinderstubengängen unserer im tiefen Holz bohrenden Borkenkäfer, und das Bild wird vollends groß, wenn man berichtet, daß neuerlich auch alle diese heimischen Käfer unserer Waldbäume der Pilzzucht verdächtig sind. Die Pilze scheinen ihnen den feinsten Nährextrakt des weithin durchsponnenen Kernholzes in ihre Gänge zu leiten und in ähnlichen Luxusknöllchen dort zu servieren, die Käfer aber sollen die Pilzsporen (absichtlich oder unabsichtlich) jedesmal wieder in ihre Neubauten mit übertragen: vielleicht noch keine so vollkommene, aber doch eine bereits werdende Symbiose, die da wieder durch alle unsere deutschen Wälder geht.
Man hat indessen auch schon von viel höheren Pflanzen behauptet, daß Ameisen sie entsprechend in Kultur hätten. Die Ernteameise des Mittelmeergebiets, die schon Salomo nicht entgangen war, treibt mit zunächst rein feindlich geräuberten Getreidekörnern seltsame Entkeimungsprozeduren, wobei sie nach gewissen Beobachtungen die Samen im Sinne richtigen Mälzens zuerst in der Feuchte zwingt, keimend Zucker anzusetzen, und dann die Keimung künstlich wieder durch Abbeißen hemmt, damit der Zucker sich nicht normal selber verbrauche. Selbst wenn der letzte Sinn etwas einfacher wäre (die Deutung schwankt noch), möchte man solchen Brauern aber wohl willig auch noch weitere Feldkunststücke zuschreiben, und die unmittelbar so benannte „ackerbautreibende Ameise“ in Texas sollte also künstlich Gras zu eigenen Feldern ansäen, in Reinkultur jäten und zur rechten Zeit abernten. Heute wird das bestritten, aber man wundert sich fast, daß es nicht sein soll, so gut paßte es in die Linie; denn massenhaft säen Ameisen überall die bekanntesten unter unsern Waldblumen (Veroniken, Lamien, Veilchen und andere) dadurch aus, daß sie die Samen gewisser Ölteile wegen verschleppen, anknabbern und dann wieder wegwerfen, worauf der Samen doch noch keimt, weil auch dieser Ölanhang eine Art Luxussache war; daß nicht auch da schon Symbiosen mitspielen sollten, erscheint mir gradezu unwahrscheinlich.
In Summa aber: das Wort, das wir oben suchten, -- ich meine, es hat sich uns bereits soundso oft durch das beständig aufgenötigte Bild jetzt von selber ergeben: diese Symbiosenform zwischen Insektenhirn und Pflanze _ist_ einfach schon die des Ackerbaues, der Gärtnerei, der künstlichen Pflanzenzucht, der Kultur im engeren Sinne, wo eine weit überlegene Macht die Pflanze in Schutz und Zucht nimmt, sie als Art sorgsam erhält, aber zugleich auf das Maximum ihrer Produktion treibt, ihre Überschüsse künstlich regelt und lockt, ja ihren ganzen Organismus schließlich in den Grenzen seiner Begabung umzüchtet, bis er nur mehr wirklich ein Organ ist, das gleichsam am Nervenfaden des Gehirns von drüben hängt. Lassen wir die Frage nach Instinkt oder Intelligenz dabei nach wie vor aus dem Spiel, so ist das _objektive_ Bild des Tieres hier durchaus schon das menschliche, während sich umgekehrt für unsern menschlichen Ackerbau selbst die interessanteste allgemein-biologische Einordnung ergibt: der Ackerbau des Menschen erscheint ebenfalls untergeordnet dem großen Begriff der Symbiose! Wenn wir uns gewöhnen, in dem Menschen überhaupt ein natürliches Wesen zu sehen, das sich trotz aller unermeßlichen Überlegenheit und allen Systemwechsels dem oberen Lebensstammbaum geschichtlich einfügt, so kann auch in dieser Vergleichung wohl nichts Paradoxes liegen. Wir wissen, daß der Ackerbau beim Menschen sich erst auf einer gewissen, verhältnismäßig gar nicht mehr so ganz jungen Stufe hinzugefunden hat: die ganze lange Diluvialzeit sah noch keinerlei Kulturgewächs in der Zucht und Gesellschaft ihrer Menschenrassen. Erst nach ihr hat die erste Symbiose mit dem Weizen, der Gerste, dem Hafer eingesetzt. Man erinnert sich auch, wieviel später noch erst wieder die mit der Weinrebe oder gar der Kartoffel sich entwickelt hat; ausgeblieben ist übrigens schließlich auch die mit dem Pilz nicht. Auf alle Fälle aber hat der Mensch seine Überlegenheit sogleich darin bewährt, daß er jene Form der _ungleichen_ Symbiose zwischen sich und der Pflanze durchgeführt hat, und so gibt er uns heute das sichtbarste, nächste Beispiel auch für sie, ein Beispiel, uns längst geläufig, ehe wir von andern Symbiosen überhaupt erfuhren. Wir entnehmen daraus das Recht, nun auch rückschauend das Wort von ihm für die vorahnenden Beispiele unter ihm zu entlehnen, und ich finde kein kürzeres als eben _Kultursymbiose_ dafür. Der Begriff „Kulturpflanzen“ ist uns allen geläufig. In dem Wort Kultur steckt das einseitig Umwandelnde. Der Mensch verwandelt die Natur im ganzen, wenigstens versuchsweise, mit Kultur. Kultur ist höher. Zugleich wahrt das Wort aber doch etwas Friedliches. Die Kultur vernichtet nicht die Natur, aber sie umgreift sie. So tritt der eine Symbiont hier zugleich friedlich und doch höher dem andern gegenüber.
Die allgemeine Anwendung des Begriffs der Symbiose auch auf menschliche Kulturzüchtung ist wohl 1893 zuerst von dem ausgezeichneten Haustierforscher Konrad Keller in Zürich gemacht worden. Keller ging dabei aber nicht von den Kulturpflanzen, sondern den Haustieren des Menschen aus, bei denen er „alle Voraussetzungen und charakteristischen Züge der tierischen Symbiose“ zutreffen sah. Und es ist nun wieder interessant und wirkt wie eine Art Probe aufs Exempel, daß sich in der Tat auch zu der Kultursymbiose unserer Haustierzucht Beispiele schon in der gleichen Schicht Leben nachweisen lassen, die uns die Pilzkultur der Insekten zeigt. Die gleichen Ameisen, die in Südamerika mit Pilzen leben, leben bei uns in der bekannten ausgesprochenen Kultursymbiose mit den Blattläusen. Die Blattlaus erscheint selbst schon von Natur als ein geborener Überschuß-Arbeiter. Sie überfrißt sich sozusagen an Pflanzensäften auf der Suche nach dem geringen Eiweißgehalt darin und wirft den Überschuß beständig hinterwärts in wahren Verdauungskaskaden ab, die als süßer Honigtau von den am pflanzlichen Zellsaft mit ihren Saugschnäbeln angeschlossenen Blattlauskolonien niederzugehen pflegen; der Schreiber dieser Zeilen arbeitet zuzeiten nicht leicht in seinem Garten, ohne daß ihm jedes Manuskriptblatt von diesem Segen klebte. Diesen indirekten Pflanzenhonig machen sich nun die Ameisen nutzbar, melken durch Betrillern die Läuse regelrecht (die bei manchen Arten ihrerseits schon so symbiontisch angeschlossen sind, daß sie mit der Entleerung zaudern, bis die nötige Ameise kommt), verteidigen, versteht sich, auch ihr Vieh mit bekannter Ameisenbravour, pferchen es gelegentlich in kunstvolle Schutzgewölbe aus Erde und regeln seine Fortpflanzung, indem sie die Eier der Blattläuse einholen, im eigenen Hause überwintern und zum Frühjahr gleichsam wieder aussäen, -- kurz unzweideutige Haustierzucht! Weniger bekannt pflegt zu sein, daß auch gewisse Zikaden (also nahe Verwandte der Blattläuse) der Gattung ~Tettigometra~ in ähnlicher Ameisenhut leben, die auf Getreidehalmen über den Ameisennestern ihre Weide haben und zur Eiablage freiwillig und ungestört ins Nest selber kommen, in dem dann ihre Larven nachher die eigentlichen Zuckerlieferanten zu bilden scheinen. Und entsprechend gedeihen die Räupchen unserer reizenden Bläulinge (Lyzäninen) unter den Schmetterlingen in einer kulturellen Ameisengemeinschaft dergestalt, daß die Ameisen die fressenden Raupen als Schutzgarde umschwärmen, auch bei den ersten Anzeichen nahender Verpuppung in ihren Bau tragen und sorgsam mit loser Erde umhüllen; nachher sollen sie sogar noch dem Schmetterling beim Auskriechen behilflich sein; die Raupe aber lockt und lohnt sie dafür mit besonderem Parfüm und einer feinen Leckerei, die beim Betasten aus einem Rückenwärzchen quillt.