Schiff vor Anker: Erzählungen

Part 3

Chapter 34,395 wordsPublic domain

Es war etwas Heiseres in ihrer Stimme, denn sie war zu weit gegangen.

Da riß es auch den ernsten Bauern mit.

»Nämst du mi ok?« fragte er schwer.

So spricht kein Herr zu seiner Magd.

Sie sah ihn von der Seite an, so seltsam --

»Wenn du jung würs.«

»Ick *bün* jung,« brach es da jach bei ihm los, wie im Sommer der erste Donner über das stille Land hallt. Dann riß er sie in seine Arme und drückte sein Gesicht in ihr weiches Haar und fühlte den warmen Leib und wußte nichts mehr als:

»Du ... Du ...«

* * * * *

Am Heben leuchteten die Sterne, und wache Träume woben um die Pferdeköpfe am First.

* * * * *

Den andern Morgen aber schirrwerkte Hans finster und unzufrieden auf dem Hof und knurrte mit den Knechten und schalt, daß es zu hören war. Über die ganze Wurt hallte seine harte Stimme. Nichts war ihm recht. Die Knechte sahen ihn schief von der Seite an.

Geeschen stand am offenen Fenster. Die Sonne schien ihr ins Gesicht. Und die Deern lachte in sich hinein und summte vor sich hin und freute sich über das Geschimpfe des großen Bauern und dachte: »Ji schull'n 't man weeten.«

Als sie zum Melken über die Diele ging, begegneten sie einander.

»Morgen, Hans Banidt,« raunte sie leise.

Er nickte nur und sah in eine Ecke.

»Du denkst der woll aber no, wanehr du no'n Pasturn hinwullt, wat?« neckte sie.

Da ging er batz aus der Tür.

Sie aber blickte ihm sinnend nach und strich sich das Haar zurück.

* * * * *

Als der Heben wieder mit Sternen besät war, gingen wieder junge Träume unter dem riesigen Strohdach um. Und die Nacht hatte flüsternde Stimmen.

* * * * *

Peter brachte das Mehl von der Mühle und die Nachricht, daß Angk, die Katenalte, krank war und sich hingelegt hatte.

Das war Geeschens Großmutter.

Hans schickte die Deern denselben Tag noch zur Pflege hin.

* * * * *

Dann schwieg der greise Pastor.

Der junge Bauer war aufgestanden.

»Die Bibel weiß nichts davon, Herr Pastor. Wenn die alte Frau selbst Hand an sich gelegt hat und nicht in der Reihe liegen kann und keine Rede kriegen kann, Herr Pastor, dann muß ich sie auf meinem eigenen Lande beerdigen und ihr selbst ein Gebet mitgeben.«

Und seine schweren Schritte verklangen auf der Treppe.

Am Staket stand der Schimmel. Er schwang sich hinauf und ritt davon.

* * * * *

Den Abend vor Ostern war es.

Da brannten zwei lange, dünne Kerzen in der verräucherten Kate zu Häupten der alten, toten Frau, deren spitzes, weißes Gesicht aus dem Sarg guckte.

In den Ecken steckte schon die Nacht.

Hans saß neben der Leiche und hatte den Kopf in die Hand gestützt und blickte unverwandt nach der Toten. Ein tiefer, grüblerischer Zug lag um seinen Mund.

Geeschen streifte ihn ab und zu mit scheuen Blicken. Sie war fast bange vor dem starren Bauer, der sich nicht rührte und nicht regte. Sie lehnte am Fenster und sah nach den Lichtern auf dem Wasser. Sie hatte ein feines, schwarzes Kleid an, das Hans ihr aus der Truhe gesucht hatte. Es stand ihr wunderfein. In dicken Flechten lag das Haar um den Kopf. Und die Augen hatten nichts von ihrem Glanz verloren. An ihnen war kein Weinen zu sehen.

Aber Hans sah davon nichts.

Die Kerzen flackerten auf, als die Tür ging und Peter eintrat.

Der Bauer stand müde auf.

»Ward Tied,« sagte er dumpf und sah Geeschen an. Fragend begegnete sie seinem Blick. Dann begriff sie, preßte die Lippen aufeinander und ging an den Schrein. Sie drückte die kalte Hand zum letzten Male und ging wieder nach dem Fenster.

Peter sagte treuherzig: »Adjüst, Angk.«

Dann legte Hans das weiße Kleid zurecht, klappte leise den Deckel zu und verschloß den Sarg.

Die beiden Männer trugen ihn langsam den Deich hinunter und setzten ihn in den grünen Kahn, der am Bollwerk lag.

Es war eben Hochwasser gewesen.

»Du bruks ne mit. Ick kann alleen klor warn,« sagte Hans und nahm die Riemen zur Hand.

»Wenn du 't meens,« gab Peter zur Antwort und steckte die Hände in die Taschen und drehte bei. Unterwegs dachte er an die hundert Pülle grünen Kohls, die er für Angk noch auf dem Felde stehen hatte. Die kriegte sie nun nicht mehr und sie hätte sich so sehr darüber gefreut. Nun konnten sich die Hasen freuen.

Geeschen hatte ein wollenes Tuch um den Kopf gebunden und den Kranz in die Hand genommen. Auf der Achterducht nahm sie Platz und legte den Kranz auf den Sarg.

Sie band das Tuch fester. Es fror sie. Der Nachtwind kam kalt von Osten.

Hans ruderte schweigend ab.

Aus dem Sielgraben waren sie bald hinaus.

Es war tiefe Nacht geworden. Tiefe, stille, feierliche Nacht. Am Heben ging der Mond durch die weißen Wolken wie ein König durch sein Volk. Auf dem Wasser blinkte und leuchtete er. Die Elbe war ruhig. Kaum daß die Lichter von der andern Seite, von Nienstedten und Teufelsbrücke, herüberglitten und -schwankten. Nur das Knarren der Riemen war zu hören, das Surren der wilden Enten, das Tropfen und Lecken der Riemen.

Auf dem Perlenkranz stand der Mondschein starr und kalt, und über das düstere Gesicht des Bauern huschte er fast ängstlich.

Geeschen guckte bald hierhin, bald dorthin.

»Lot dat Kieken no,« sagte er.

Da sah sie den Mond auf dem Wasser und griff mit den Händen danach. Er zerging in Stücke und wurde wieder gelb und rund. Vollmond und Halbmond hatte sie schon gemacht. Nun sollte das erste Viertel an die Reihe kommen.

Da fragte Hans: »Wat heß du dor?«

»Ick griep den Mon.«

»Leß em sitten, hürs?«

Sie hatte die Hand zurückgezogen, aber es dauerte nicht lange, da hatte sie sie wieder heimlich über Bord gestreckt und ließ sich das Wasser durch die Finger strömen.

Er hörte es.

»Nolaten!«

»Warüm?«

Da guckte er ernst auf den Sarg und tauchte die Riemen tiefer ein.

Sie saß da mit ihrem raschen Herzen, mit ihrem warmen Leibe, mit ihrer köstlichen, goldenen Jugend und ihrer neuen, tauigen Freiheit. Wie Blumen und Sonne war es in ihr. Und sie mußte sich ducken, konnte nicht singen. Mußte frieren.

Frieren? Es fror sie nicht. Nicht mehr. Das Tuch fiel ihr von den Schultern. Der Mond spielte mit ihrem Haar und floß um ihr junges Angesicht.

Sie hielt das Schweigen nicht mehr aus.

»Hans Banidt?«

Er sah kaum auf.

»Sitt dor ne so benüßt. Kiek mi an un snack 'n Wurd. Wi levt jo doch, Hans Banidt. Segg doch wat. Mi ward jo rein angs un bangen.«

Er schüttelte den Kopf.

»Wi hebbt Beerdigung.«

»Hans Banidt, di deit dat leid, dat't so kamen is, ne? Du wulls, dat du mi ne sehn hars, wat?«

Er unterbrach sie schroff.

»Wees still, Diern.«

Da gab sie es auf und schwieg.

Auf dem Neß und am Süllberg flammten Feuer auf, große, rote Feuer.

Sie wies mit der Hand hin.

»Kiek, kiek, Hans Banidt! De Ostermonen! Wo grot, wo fein! Dat is Ostern! Ostern, Hans Banidt!«

Er knurrte. Das Gespreche störte ihn. Er wollte nichts wissen.

Sie sah ihn groß und fragend an, bis das kleine Eiland erreicht war. Es war der Swiensand, der verlorne Posten zwischen Blankenese und dem Alten Land, hundert Schritt im Umkreis Sand und Schlick, in der Mitte Weidenbüsche.

Scharrend stieß der Kahn auf den Sand und saß fest. Hans stand auf und zog ihn hoch aufs Trockene.

Da konnte Geeschen ausspringen und lief behend nach den Weiden.

»Kiek, Bur! De feinen, weeken Katten!« Und riß gleich an einem Zweig. Aber der war zäh. Sie mußte ihn zuletzt durchbeißen.

Der Bauer hörte nicht darauf.

Er hatte den Sarg auf den weißen Sand gesetzt und war mit Schaufeln und Äxten dabei, das Grab zu machen. Durch die Wurzeln mußte er sich hauen, mußte graben und graben fast eine Stunde lang.

Geeschen umkreiste das kleine Land und lief in Sprüngen über den Sand. Sie ahmte das Schreien der Möwen nach und machte sich ein Erdbeben in dem feuchten Sand.

Von Zeit zu Zeit wischte Hans sich die Tropfen von der Stirn und schalt:

»Lot dat Speelen no.«

»Ans frier ick.« rief sie.

Dann schlich sie sich behutsam hinter ihn und strich ihm mit den Weidenkätzchen die Backen und war wie ein Iltis davon.

Von den bunten Muscheln suchte sie einen ganzen Berg zusammen. Sie baute aus ihnen ein Haus mit geschickten Händen.

Ordentlich warm wurde ihr dabei.

Hans kam.

»Ick mok 'n Gruft un du?«

»Ick mok 'n Hus,« sagte sie wichtig. »Kiek mol, Hans, wat för 'n Hof.«

»Du bis 'n Kind.«

Dann mußte sie mit ihm gehen.

Der Sarg stand schon in der Tiefe.

Geeschen ließ den Kranz hineinfallen, und es schauderte sie. Hans nahm die Mütze ab und betete laut ein Vaterunser und setzte hinzu:

»Du ligs hier eensom, Angk, bi Meben und Kreien, ober still un geruhig -- un mihr wulls du jo ne. Amen.«

Dann rauschte der Sand hinab, und Sarg und Kranz verschwanden. Als der Hügel sich wölbte, steckte er die Schaufel beiseite und sah Geeschen an.

Langsam streckte er ihr die Hand hin.

»De Dode is versorgt. Nu kommt de Lebendigen wedder anne Reh.«

Ein fester Lebenswille stand in seinen Augen. Da legte sie ihre kleine Hand in seine große und sah ihn lange an. Und in beider Augen glomm es auf.

Dann lief sie fort, und als er ihr noch verwundert nachsah, da hatte sie schon einen Haufen Feeks zusammengeworfen und zündete ihn an. Und eine helle, rote Flamme prasselte auf.

»Wat schall dat denn nu?« fragte er.

»Is doch Ostern!« rief sie, »smiet man Feek up!«

Und er tat es. Ihm war wunderlich geworden. Größer und größer wurde das Feuer.

Der Schein wallte auf dem Wasser, als sie heimfuhren. Da sagte er es:

»Wullt du mien Fro warn?«

Sie sah ihn groß und schweigend an, -- und schweigend fuhren sie ans Ufer.

* * * * *

Fern auf dem Swiensand leuchtete noch das Osterfeuer durch die Nacht.

Aber die Hähne krähten schon, und Ostern wollte es werden.

Kassen Witt sin Freeree.

Kassen Witt lewt sin Gild.

He hett dat Arbein ne mihr neudig. Söbentwintig Joahr hett he no See foahrn, up allerhand Oart un Wies', as Jung, as Knecht, as Settschipper un as Schipper. Doarbi hett he bi lüttjen so veel up'n Dutt kreen, datt he dat geruhig mit ansehn kann, wenn de annern sich afrieten möt. He hett sin lüttj egen Hus, hett Hof un Diek, hult sich 'n poar Hünner, mokt sich 'n Swien fett -- un wat dat doarbi to schirrwarken gift, dat kann he meist in'n wittbunten Buscherump un mit 'n Brösel in 'n Mund af. De Nobers segt: he harr sich dat fein utklamüstert, em kunn keen See un keen Wind wat mihr dohn, un he much woll lachen, wenn de annern schreen müssen.

Letzt wür Kassen Witt ober ne tofreden. He kunn ne recht mihr kloar warn un dacht, he kunn bi sin Joahrn woll noch ganz leiflich freen. As he noch foahrn dä, harr he doar nix van af weeten, do harr he an so'n Krom ne dacht: ober nu kreupen de Heiratsgedanken obends mit em up 'n Bitt un stünn'n morgens mit em up. Wokeen he freen wull, harr he ok all fastsett. Sill schull dat wesen, de swatthoarige Sill, de mit em ut de School kommen wür un de he do woll all 'n ganz lüttig beetjen lien mucht harr. De harr ok keen afkreen, sünder dat he jüst to seggen wüß, worüm se oberbleeben wür. Enkelte sän, se harr ne uppaßt, oder, se harr to veel snootert; welk meenen, se harr ne wullt, welk, se harr all bitieds dat Hexen van ehr Mudder lihrt -- un dorüm harr doar keeneen anto wullt. Mucht wesen as't wull: Sill wür 'n glatte Diern wesen, harr danzt un rümjucht as de annern, se wür nu ok noch 'n troße, gohtliche Fro. Kassen harr doar woll Lust to. Datt se beetjen to veel snacken dä, versleu em nix, doar wull he woll mit kloar warn; he kunn ok 'n deftigen Kurrboom snacken. Un wenn se keen hebben wullt harr: 'n gralle Diern brukt doch ne jeden Hans un Franz to nehmen -- un kunn Sill ne ganz god up em teuft hebben? -- Bloß mit de Hexerei wüß Kassen sich ne recht to stilln: dat wür noch dat Leegste. Wenn Sill hexen kunn, denn harr he den Mot woll batz sacken loten mucht, ober för gewiß wüß dat jo keeneen un de Lüe snacken sich oberlingen eendeel trech.

Dem Deubel ook, wat wür dat noch förn fein Wief, wat güng se noch troß langs 'n Diek! Ehr Ploten weih inne Wind. Folten würn in ehr Gesicht noch ne gewohr to warn, un 'n Gang harr se as 'n junge Diern, de no Musik geiht. Kassen keek ehr 'n ganze Tied noh. Ne, nu kunn he dat ne mihr utholn. Un inne Schummeree pett he sich mol no ehr langs.

Sill seet in ehr Kök un wür bi't Knütten. De griese Koater seet blangn ehr up de Bank.

Kassen füng an to hoffen.

»Nobend, Sill.«

»Nobend! ... Kassen? ... Non? ... Wat heß du denn, dat du mi besöchst? Legt din Hünner keen Eier genog oder fritt din Borch ne good?«

Kassen sett sich up 'n Löhnstohl.

»Ne, Sill, dat wull jüst ne. Dat Veehwark is good up 'n Schick. Ober ik much woll giern mol 'n Wurd mit di alleen snacken, Sill. Kiek mol, Sill, so geiht uns dat: Du sittst hier alleen un ik sitt doar alleen, du kookst för di und ik för mi, dat is eensom un köst duppelte Füerung. Wenn wi nu tohoop kooken däen, Diern, schull dat ne beter gohn? Ik gleuwt meist! Wollt wi uns Plünnen tohoop smieten?«

»Och, Kassen Witt! -- Dat harrst man leeber ne seggen schullt. Du harrst den Krom sinnig angohn loten müßt, ne gliek so mit de Klumpfust uppe Nees!« --

Dat güng em schetterig. He kreeg keen Been mihr anne Grund. Sill güng mit Würden up em dol, as de Klimmer up 'n Heenküken oder as de Floot bi vulln Moon un harten Wessenwind up 'n Diek. Wat he woll wüß un wat he woll müß, wat he woll schull un wat he woll wull, so neihte se em. Ehr Doog ne! Freen! Wenn se dat wullt harr, harr se noch 'n ganz annern krien kunnt, un wenn se dat wull, denn kree se vundoog noch 'n ganz annern. Ober nee, se wull mit de Mannslüe nix to dohn hebben, se kunn dat so beter hebben. So güng dat lustig wieder.

Kassen dreew bannig oberstür bi düsse Gelegenheit. He füng noch 'n poarmol wedder an to krüzen un uptoluven, ober he keem gegen Sill ne an. Ehr Koater wür ehr leber as een Mann, sä se. Se harr ehrn Koater, un solang se denn noch harr, wür se ne alleen. De wür trohartiger as 'n Minsch. Doarbi nehm se dat ole griese, täsige Diert up 'n Schoot, un ei dat van 'n Kupp bit no 'n Stiert, as wenn't ehr eegen Kind wür.

»Ne, min seute Koater?«

Dat kunn Kassen ne mit ankieken. Dat wür em all lang to stur wurden up düsse See. He dreih bums bi un seil no Hus.

»Wi snackt doar noch mol ober, Sill,« sä he batz un rabaster den Diek langs as 'n Peerd, dat fillenloopen is.

»Hö! Hö! Kassen, wat büs du denn so inne Foahrt?« reep Ol-Gierd em no, ober Kassen hür doar goarne no hin un leep wieder.

As he in 'n Hus wür un blangen den Oben seet, den Krom noch mol eulich nodacht, güng de Dör open un Ol-Gierd keem inne Dönß rin.

»Hest mi goarne antert, Kassen,« sä he un güng an 'n Disch ran. Doar kreeg he den Tabakskassen her un stopp sich sien Piep vull.

Kassen bier, as harr he nix hürt.

»Lang mi mol 'n Rietsticken her.«

Kassen geef em Füer un Gierd füng an to paffen. Tiedlang duert, to füng Kassen an:

»De Wieber döht all nix.«

»Non? Wat kummt dat denn? Dat lot jüm man ne wies warn, ans kratzt se di woll dien scheune Nees twei.«

»Könnt se all weeten.«

»Kassen, wat hest denn mit jüm hatt? Hest woll freen wullt un hest 'n poar Schoh kreen? Se hebbt doar all van snackt, dat du an't Freen dinkst.«

Kassen wör gnatterig.

»Denn lot jüm man van wat anners snacken,« gnurr he, »ik will ne mihr freen.«

Nu kree Gierd dat Gucheln.

»Härrhärrhärr! Büs woll bi Sill wesen un hest dat Jowurd holn wullt? Dat is nich so leicht.«

Kassen keek sin Makker scharp an, do sä he: »Kanns swiegen, Gierd?«

Gierd nicküpp: »As 'n doode Nebelkreih, dat kann ik di flüstern.«

Kassen snack sinniger.

»Denn will ik di wat seggen, Gierd. De Sill, dat is 'n Hex, 'n Hex up 'n Hauböön, mags dat gleuben oder ne. De is mit 'n Dübel verfreet, un dorüm kann se sich ne verheiraten. Un weeß, keen de Dübel is? Ehr griese Koater: de mok erst 'n poar Oogen as Ewerklüsen.«

»Wat sä Sill denn, as du ehr froogen däst, wat se dien Fro warrn wull?«

»Se sä: ne! Se harr dat so beter un solang se ehrn Koater noch harr, nehm se keen Mann.«

Gierd puß, dat all meist dick van Dook inne Dönß wür. Mit 'n Mol kneep he de Oogen tohoop:

»Mann, Kassen! Nimm ehr den Koater weg! Drull ehr dat Diert! Denn mütt se jo 'n Mann hebben un denn nimmt se di oberlingen.«

»Mi?« Kassen wür noch ungläubig as Thomas. »Denn holt se sich 'n annern Koater.«

»Wat woll! So'n Wief geweuhnt sich ehr an'n Mann, as an'n anner Stück Veehwark. Drull ehr man den Koater.«

»Ik mag't ne dohn, Gierd. Dat Wief kann hexen. Wenn de Katt weg is, kloppt se dreemol up 'n Disch: denn hett se ehr wedder.«

Gierd teuh em an'n Arm.

»Dat ward sich doarbi utwiesen,« sä he plietsch. »Hext Se di den Koater wedder ut't Hus rut, denn is se 'n Hex un du letts ehr loopen. Ans nimmst du ehr to Fro.«

»Ik bün man bang för den Koater, un woneem schall ik doarmit hin?«

»Sett em up din Böön fast, doar grippt he sich woll so veel Müüs, dat he leeben kann. Jeden Dag noch 'n Schöttel Melk -- doarmit basta.«

Kassen stöker dat Füer no.

»Wees wat, Gierd? Ik nehm ehr den Koater weg.«

* * * * *

Seit de Tied luer Kassen Witt denn nu Sill ehrn griesen Koater up. Ober so licht as'n Snööf wür de ne to krien, dat harr Kassen bald spitz. Wenn dat düster wür, schul he sich in'n Binnendiek langs un smeet Fisch un Fleesch hin. Swatte und witte Katten keemen bald ankroopen un freeten un gnurrten, ober de griese Koater wür doar ne twüschen. Oder, wenn he mol doartwüschen seet, wür he so wild, dat he sich ne griepen leet. Een Obend ober still Kassen sich achtern groote dicke Esch, un do harr he Glück un kree den Koater in'n Nacken to packen. As he miaun wull, steek he em gau in'n Sack un do in Sprüngen twüschen de Wicheln langs un no Hus hin! De Bööntripp rup, de Dör open gereten, den Sack utschütt, de Dör towarbelt, de Tripp dolsust: dat würn Oogenblick Sook. Kassen frei sich, dat he dat Diert harr, ober bang wür he doch bannig, un as dat boben an to russeln füng un to jauln, puß he bums dat Licht ut, kreup inne Kubutz, scheuf de Bree to un weuhl sich deep inne Küssens rien, dat he nix hürn un sehn kunn. Annern Morgen slirrk he up Strümpfsööcken rup'n Böön, mok de Dör 'n lüttj beetjen open un keek ünner de Pannen langs. Wat verjeuch he sich, de Kater wür narrns to blicken. He kreup wieder inne Dör, to verjeuch he sich wedder; de Koater leeg up 'n ol Goarn un sleep. No dat Verjohn ober frei he sich bannig, hol den Koater 'n Stück Fleesch un 'n Schöttel vull Melk, un as de mit de roote Tung slappen dä, to wüß Kassen, dat dat 'n euliche Katt wür, de nix vanne Hüll afwüß, un dat Sill keen Hexenkrom moken kunn, -- un he keem sich bannig kloog vor. As he den Koater wedder bemokt harr, steek he de Hann inne Büxentaschen un slarp gemütlich den Diek lang. Doarbi mok he so'n unschüllig Gesicht, as wenn he keen Swien schreen hürn kunn. Bi Sill ehr Koat bleef he bistohn un keek no't Woater hindool. Un luer up. Richtig duer dat ok ne lang un Sill wör em gewohr.

»Kassen?« ... »Jo!« ... »Kassen?« ... »Jo!« ... »Kassen?« ... »Jo!« ...

Kassen sä jo, ober he keek ne üm.

»Vergeew noch mol to, Kassen! Hür doch mol up! Heß min Koater ne sehn?«

»Soll ich deines Katers Hüter sein?« freug Kassen un keek ehr an, as wenn he ehr dull to wür.

»Ne, eulich! Heß em ne sehn?«

»Kiek ik no Katten? Ik hebb din Koater ne sehn! De sitt woll up 'n Böön!«

»Nee, nee, Kassen. Up 'n Böön is he ne. De is weg.«

Kassen dach: hex em doch wedder her! un meen:

»Dien Koater is di wegloopen?«

»Wegloopen? De löppt ne weg. Drullt is he mi!«

Kassen keek no Hamborg rup:

»Anner Week is de Doom, Sill,« sä he trurig. »Doar ward 'n barg Heiße mokt. Wokeen harr dat dacht!«

Sill leet em ne utsnacken.

»Snack ne so dwatsch,« schüll se, »kumm rin un drink 'n Taß Kaffee mit.«

Dat dä Kassen un höh sich in'n Stillen ober Sill, de noch jümmer söch un reep. Se keek allerwärts to, ober de Koater wür weg un bleef weg. He wull em mit seuken hilpen, sä Kassen toletzt un güng rut -- ober de un seuken!

Middogs seh he Sill inne Höf rümstreupen un hür ehr: »Koater! Koater!« roopen.

Annern Dag söch se noch.

»Kassen, wat komm ik ok doch an.«

He nicküpp, ober he sä nix. He leet noch sinnig 'n poar Doog vergohn. To füng he bi lüttjen an mit ehr dorvon to snacken, wie trurig dat för ehr wür, so ganz alleen to husen. Un se kunn doch man 'n anner Katt nehmen.

Sill keek em an, as wenn he 'n Spleen kreen harr. Ober he mok 'n ganz trohartig Gesicht, as wenn he ne bit fief tillen kunn.

Poar Doog loater keem he wedder.

»Sill, wat bün ik ok doch meuh. De ganzen Doog hebb ik nu wedder rümsöcht un rümfroogt. De Koater is un blifft weg. De Lüe lacht een all wat ut. Beduern kinnt dat Hansjochenpack ne.«

Sill schüer sich de Oogen.

»Ik weet, Kassen. Se lacht mi arme Fro all wat ut. Bloß du ne. Du büs 'n vernünftigen Kirl.«

Kassen mark up, ober he sä noch wieder nix. Langsam un wiß, dach he. Morgen för Morgen klau he up 'n Böön rup un geef den Koater wat to freeten, un Morgen för Morgen keek he mol bi Sill rin un beduer ehr.

Up't letzt nehm he 'n Tofoahrt:

»Sill, dat mütt di doch eensom wesen.«

»Kassen, ik bün doar unglücklich ober. Ik mag in min eegen Hus ne mihr wesen.«

»Sill, war ne krank doarbi.«

»Kassen, dat kann kommen.«

Se snack lang so veel ne mihr, so dull nehm se sich de Geschichte to Harten, un wenn se ne noch van ehr Mudder her swatt gohn harr, gleuf ik stiew un fast, harr se nu swatte Kleeder anthon un üm ehrn Koater truert.

Kassen güng Tritt för Tritt un keem jümmer beetjen wieder. Sill leep ne mihr weg, wenn he van Heiraten snack. Toletzt kunn he ehr liekuplos froogen, wat se em staats 'n Koater hebben wull. Se sä ne jo un sä ne nee -- den ersten Dag, den tweeten sä se half jo und half nee, denn drütten wör dat »jo« jümmer gröter, dat »nee« jümmer lüttjer -- un no'n Week sä se jo, ober se sett doch noch doarbi: »Wenn ik min Koater noch harr, denn harr ik ne mihr freet. Ober nu is't eendohnt.«

Kassen Witt keem sich vör as 'n Keunig. He güng no'n Pastur dol un leet upbeeden un leet sich bi'n Snieder 'n nee Pattje anmeeten.

Doarbi seet de Koater noch jümmer in sin Gefängnis. Kassen dach doar mannichmol ober no. He wüß ne recht, wat he doarmit moken schull. Doodslogen much he em ne. Ganz toletzt säh he sich: wenn de Hochtied wesen is, lot ik em loopen, denn is Sill min Fro un mütt bi mi blieben.

* * * * *

So dach Kassen Witt un wüsch sien Hannen in Elwwoater un meen, sin Streich wür em glückt.

Ober dat keem doch 'n beetjen anners.

Sill kree up'n mol Lust, Kassen sin Gewees, Hus un Hof, to bekieken, mol to sehn, wat se as Fro all ünner de Hannen kree. Kasten dach doar woll an, dat de Koater vullicht jauln kunn un em oahn nix goods, ober nee kunn he doch ne seggen, wenn se ne oahnig warn schull. He wies ehr nu den Diek, den Groaben, den Hof, dat Schuer, den Killer un teuh dat allens gehürig inne Ling. To güng he wieder.

Ober Sill wull dat Hus noch boben sehn. He müß ehr Köök, Dönß, Komer un Krom wiesen, ober he mok dat so gau af, as he kunn.

»So, Sill, dat wür allens,« sä he un mok de Dör open, as wenn he weggohn wull. »Uh, kiek mol den grooten Damper doar in't Foahrwoater!«

»Den Böön hebb ik doch noch ne sehn,« sä do ober Sill un sett den Foot up de erste Tripp.

Kassen still sich an, as wenn he nix hürt harr. He wies wedder no't Foahrtwoater hin.

»Kumm doch mol rut, Sill,« reep he noch harter, »un kiek di bloß mol den grooten Steamkassen an. Wat dat förn Koloß is! Dat is jo woll de Ameriko! Wat förn Diert!«

Ober Sill keem ne.

Se reep wedder:

»Ik will mi erst den Böön besehn. Lot den Damper man susen.«

»Den Böön wies ik di morgen, dat is nu all to düster,« sä he gau un dach: wenn se morgen kummt, sett ik den Koater solang up't Schuer, denn ward se em ne gewoahr.

Se güng ober spöttenup.

De Sook wör mau.

»Doar kanns du ne rup, Sill,« reep Kassen iernst un keem neuger.

»Worüm ne?«

»Diern, dat geiht ne. Jerst mol is dat all to düster, un denn steiht doar allens up 'n Kupp. Doar bricks du Arms un Been.«

»Dat deiht nix. Ik will doar wenigstem mol rupkieken,« sä se.

De Sook wör mau.

»Au ... au ... au ...« jaul Kassen.

Se stünn still.

»Wat heß?« freug se.