Part 7
§. 74. Da aber die Schönen aus Mangel guter Vernunft, mehr auf die Schönheit der Augenbraunen, als auf deren Nutzen zu sehen gewohnt sind; so färben sie solche, um ihre Schönheit noch mehr zu erhöhen, schwarz, und hierzu bedienen sie sich derjenigen Mittel, welche ich im 26 und 27sten Absatze schon erzählt habe. Viele nehmen einen Mandelkern, halten ihn so lange an ein brennend Licht, bis er schwarz geworden ist, darnach färben sie die Augenbraunen damit. Andere nehmen ein Oel, und reiben es auf einem zinnernen Teller mit einer bleyernen Kugel so lange, bis eine schwarze Farbe davon entsteht, und mit dieser bemahlen sie die Augenbraunen, und machen selbige schwarz.
§. 75. Die im 26 und 74sten Absatze angeführten haarschwarzmachenden Mittel verursachen eben keinen Schaden, und können, wenn man sonst Thorheit genug besitzt, meinetwegen immer gebraucht werden, sich damit schwarze Augenbraunen zu machen. Dasjenige haarschwarzmachende Decoct aber, dessen ich im 27sten Absatze Meldung gethan habe, bringt nicht nur die im 28sten Absatze erzählten Krankheiten zum Vorscheine, sondern es macht auch noch mehrere Ungelegenheiten. Denn da dieses Mittel aus beizenden Dingen besteht; so werden nothwendig die Haare der Augenbraunen davon weggebeizt werden und ausfallen müssen: folglich wird das Angesicht einen ansehnlichen Theil seiner Schönheit verlieren, die Augen aber selbst vielen Schaden leiden. Man wird es ganz wohl begreifen, daß, wenn die Haare der Augenbraunen weggefressen werden oder ausfallen, der Staub und andere Unsauberkeiten, ja so gar der Schweiß, welcher von der Stirne herunter rollet, den Augen zur Last werden, und in selbigen nicht nur empfindliche Schmerzen und ein beschwerliches Drücken mit einem beständigen Thränenflusse, sondern auch Entzündungen, Geschwüre, Blödigkeit und Blindheit verursachen müssen.
Das achte Kapitel.
Von den Schädlichen Folgerungen, welche von dem Weißmachen der Zähne entstehen.
§. 76.
Weiße Zähne sind eine große Schönheit, und dieselbigen weiß zu machen und weiß zu erhalten ist lobenswürdig, und eine Reinlichkeit, davon sich der Nutzen auf alle Glieder des Körpers erstreckt. Denn da die Zähne diejenigen Werkzeuge sind, vermöge welcher die Speisen im Munde zerschnitten, mit Speichel vermischt, und zur Verdauung geschickt gemacht werden; so thut man wohl, wenn man solche sauber, rein und weiß zu halten bemüht ist, um dem Magen in seiner Verdauungskraft desto besser zu Hülfe zu kommen, damit derselbe nicht außer Fähigkeit gesetzt werden möge, einen guten Brey (~chymum~) zu verfertigen. Denn wie dieser beschaffen ist, wird auch der Nahrungssaft, das Blut, und alle übrigen Säfte beschaffen seyn müssen, weil davon die Gesundheit und Krankheit des Körpers, nachdem die Säfte entweder eine gute oder böse Eigenschaft haben, vornehmlich abhängen.
§. 77. Der römische Arzt Bagliv räth die Sorge vor die Zähne sorgfältig zu beobachten an. Er spricht auf der 476 Seite, man solle Sorge vor seine Zähne tragen, damit man wohl verdauen, und lange leben möchte. Und Herr Doctor Platner hat in seiner sehr gelehrten Abhandlung von den Krankheiten, welche von der Unsauberkeit ihren Ursprung haben, gründlich ausgeführt: daß die Reinlichkeit der Zähne eine höchstnöthige Bemühung sey. Er sagt im 16. Absatze seiner Abhandlung: Es ist allen bekannt, daß mit den Zähnen die Speisen zerkäuet, verdünnet, ermürbet, und alsdenn zur Unterhaltung des Körpers angewendet werden. Wenn aber die Zähne ausfallen oder angefressen und wackelnd werden, wird die Speise im Munde nicht wohl präpiret, welche, so grob in sich genommen, sehr schwer von dem Magen und andern Eingeweiden bezwungen, und eine solche Crudität zugezogen wird, wodurch die Eingeweide geschwächt, und die Säfte verdorben werden. Indem wir käuen, wird der sich an Zähnen, Zunge und Gaumen häufig angelegte Unrath mit den Speisen sehr genau vermischt, welche denn einen unreinen Nahrungssaft und verderbtes Geblüte machen, mithin einen Grund zu künftigen Krankheiten legen.
§. 78. Man hat nöthig, eine kluge Wahl mit den Mitteln anzustellen, deren man sich, um die Zähne weiß zu machen, zu bedienen gesonnen ist, damit man nicht Schaden anrichte, oder gar seiner Gesundheit verlustig werde. Wer sich meinen Rath gefallen lassen will, den wird es in Ewigkeit nicht gereuen, daß man gehorsam gewesen ist. Ich kann mit Wahrheit versichern, daß kein sichrer Mittel sey, die Zähne weiß zu machen, als wenn man solche fleißig durch Hülfe der Finger, nicht aber eines Zahnbürstchens, mit dem Kaffeesatze, welcher aber so lange ausgekocht werden muß, bis er dem Wasser keine Farbe mehr zu geben vermögend ist, abreibet, hernach aber die Zähne mit rothen Weine, welchen einige unvernünftige Weiber vor ein tödtliches Gift in den Blattern bey Kindern ausgeschryen haben, abspielet. Man kann entweder dieses Pulver vor sich alleine brauchen, oder mit andern Dingen versetzen lassen. Es ist so abgeschmackt nicht, wenn man dem Kaffeesatze florentinische Schwerdtlilienwurzel, gedörrtes Salbeykraut, rothe Korallen, und etwas weniges von der Terra catechu zugesellet. Wer eine Latwerge verlangt, der darf nur diese Stücke mit weißem Honige vermischen, und zum Gebrauch anwenden.
§. 79. Diejenigen aber handeln unrecht, welche sich die Zähne mit Bimsteine, Steinsalze, gebrannter Alaune, zu Kohlen gebrannten Brodrinden, oder gar mit saurem Vitriolgeiste weiß zu machen, beflissen sind. Es ist wahr, der saure Vitriolgeist macht die Zähne weiß, zumal, wenn man sehr zartes Papier, darinnen man die Metallgoldblätter zu verwahren pflegt, nimmt, diesen Vitriolgeist drauf gießt, zu einer Salbe reibet, und die Zähne damit abputzet. Aber es währet gar nicht lange, so werden die Zähne davon morsch, und brechen Stückweise ab. Die übrigen Mittel verletzen nicht nur das Zahnfleisch, sondern sie benehmen auch den Zähnen das gläserne Wesen. Wenn aber dieses verlohren geht; so fangen die Zähne an hohl, schwarz und brandig zu werden, so, daß Zahnschmerzen davon entstehen und endlich brechen die Kronen davon gar ab, die Zähne selbst fallen aus, oder sie müssen ausgerissen werden. O wie garstig ist es, wenn ein junges Weibchen keine Zähne mehr im Munde zählen kann, und sich selbst mit schädlichen Mitteln zu einem alten Weibe vor der Zeit gemacht hat. Aber ein Glück ist es vor die Männer, wenn ihre bösen und gebeißigen Weiber keinen Zahn mehr haben, da hört man sie vor Freuden mit jenem Sinndichter anstimmen und singen:
Wenn mein Weib über Zahnschmerz schreyt, So bin ich inniglich erfreut. Nun denk ich wird sie nicht mehr beißen, Nun glaub ich wird sie frömmer seyn; Und mich ihr liebes Männchen heißen, Doch weit gefehlt! es trifft nicht ein: Denn nach dem Schmerze wird sie immer, Von Zeit zu Zeit, und täglich schlimmer.
§. 80. Wenn nun aber die Zähne durch solche schädliche Zähnweißmachende Mittel verlohren gegangen sind, so werden die Speisen im Munde nicht gehörig zermalet werden können, sondern ganz in den Magen geschluckt werden müssen; folglich wird der Magen dadurch sehr geschwächt werden, und einen unvollkommenen und rohen Brey bereiten, woraus denn nothwendiger Weise ein schlechter Nahrungssaft entstehen muß, der ein böses Blut und üble Säfte macht, welche den festen Theilen des Körpers kein Gedeyen geben können. Die festen Theile des Körpers werden also in einen ungewöhnlichen und widernatürlichen Zustand gerathen, und lauter solche Krankheiten erzeugen, deren Grund man in verdorbenen Säften zu suchen hat. Ja es wird sich wohl gar eine allmählige Abzehrung darzu einfinden, und der Körper wird in Lebensgefahr gerathen. Es würde mir nicht schwer fallen, ein ganzes Register von solchen Krankheiten herzusetzen, welche allesamt aus dieser Quelle zu fließen pflegen, wenn es mir selbst sowohl, als andern nur nicht zum Ekel wäre. Sehen sie nicht, wie vielen Gefährlichkeiten man sich aussetzt, wenn man unrechte Mittel zu seiner Absicht erwählet, und sich damit selbst betrüget? O was für ein Laster ist doch der Selbstbetrug! So geht es, man straft sich zuweilen selbst mehr, als man von andern vielleicht niemals gestraft worden wäre. Doch der übergroßen und sich selbst eingebildeten Klugheit geschiehet das Recht. Ich bedaure die Schicksale der Schönen nicht, darein sie sich aus Unvernunft und Uebermuth gestürzet haben.
Das neunte Kapitel.
Von den Unpäßlichkeiten, welche von dem Löcherstechen in die Ohrläppchen, zum Ohrgehängtragen, herkommen.
§. 81.
Es ist eben keine neue Erfindung, daß man Löcher in die Ohrläppchen zu stechen pflegt. Schon bey den alten Römern, bey denen alles, was nur feyerlich vollzogen werden sollte, durch gewisse Gebräuche und Weydsprüche, die sie in ihrer Mundart ~Formulas solennes~ nannten, verrichtet werden mußte, war es gewöhnlich, daß sie ihren leibeigenen Knechten Löcher in die Ohrläppchen stechen, und solche an die Hausthüren heften ließen, um ihnen dadurch zu verstehen zu geben, daß sie Zeit Lebens nicht von dem Hause ihres Herrn weichen sollten. Wer sich aber überredet, daß unsere Schönheiten sich in gleicher Absicht Löcher in die Ohrläppchen stechen zu lassen gewohnt wären, um fleißig zu Hause bleiben zu wollen, der betrügt sich in seinen Gedanken. Ich glaube vielmehr, daß solche Weiber ihren Männern dadurch das Gegentheil erkennen zu geben willens sind, um sich vielleicht auch anderweit als geduldige Thierchen aufzuführen. Ich lasse mir es nimmermehr ausreden, daß sich manche Schönen nicht gerne aus Hoffahrt Löcher in die Haut stechen lassen sollten. Ich glaube sogar, daß das schöne Geschlecht davon eben keinen Schmerz empfinden müsse, denn sonst würden sie sich sonder Zweifel vor solchen Mordeisen fürchten. O! da es den Frauenspersonen nicht zu heilig ist, ihren Kopf dem Stiche darzureichen, so werden sich auch unartige gewiß kein Gewissen daraus machen, andere, und noch wenig edlere Theile geduldig darzubieten. Wer den Frauenzimmern die Geduld abspricht, der ist ein Verächter des schönen Geschlechts.
§. 82. Es ist ganz wahrscheinlich, ob schon diese Wahrscheinlichkeit noch eines großen Beweises bedürftig ist, daß die Mode, sich Löcher in die Ohrläppchen stechen zu lassen, um Ohrringelchen und Ohrgehänge tragen zu können, von den Römern ihren eigentlichen Ursprung genommen habe. Jedoch liegt eben die Seligkeit nicht daran, wenn man auch gleich meinem Einfalle keinen Glauben beyleget. Genug daß ich den Glauben habe.
§. 83. Ohnerachtet die Natur die Schönen mit so vielen Gaben vor den Männern zum voraus bereichert hat; so wollen sie sich doch noch immer mit mehrern unnöthigen Dingen belästigen, um sich dadurch ein ehrwürdigeres Ansehen zuwege zu bringen. Sie erlauben also, daß man ihnen darum Löcher in die Ohrläppchen stechen darf, damit sie Ohrringelchen und Ohrgehänge tragen können. Wenn ihnen die Natur solche lange Ohrlappen zugemessen hätte, so versichre ich, sie würden sich solche längst haben abschneiden lassen. Da ihnen aber die Natur kurze Läppchen zu geben vor gut befunden hat; so ist ihre einige Sorgfalt dahin gerichtet, wie sie solche durch Kunst verlängern möchten. Oefters tragen die Frauenspersonen eine Last von Steinen an den Ohrläppchen, daß dieselben davon ausreißen, und ihnen Schmerzen verursachen müssen: Aber auch diese übertragen sie mit weit christlicher Gelassenheit, als jene Mutter den Tod ihres an Blattern verstorbenen allerliebsten Kindes, um nur schöner aussehen zu mögen. Die Alten pflegten von Golde gewisse Figuren, als Lämmchen, Kreuzchen, Ottern und Schlangen an den Ohrringelchen zu tragen. Heut zu Tage aber sieht man Perlenmutter, gute und unächte Steine, gute Perlen und wächserne Perlen, welche mit Glase überzogen sind, und andere geschnittene oder geschliffene von Glas verfertigte Flüsse, die verschiedene Ecken haben, damit die Lichtstrahlen sich darinne auf mancherley Weise brechen und die Farben verändern können, an den Ohrläppchen herunter hängen.
§. 84. Die Lust, Ohrgehänge tragen zu wollen, gründet sich auf nichts, als auf eine bloße Eitelkeit, welche immer die Hauptleidenschaft der Schönen gewesen ist, und so viel ich davon einzusehen vermögend bin, noch itzo ist, auch vielleicht, wenn es mir erlaubt ist, meine Prophezeyung frey heraus sagen zu dürfen, noch in Zukunft der Liebling des schönen Geschlechts bleiben wird. Man mag es nur sicher glauben, daß diejenigen, welche ihren Körper beständig zu putzen und zu schmücken bemüht sind, eine sehr eitle Seele besitzen. Ich glaube es in Ewigkeit nicht, was einige Schönen sagen. Denn
Auf Sagen mag ein andrer bauen, Auf Sagen bau ich nicht; Ein Narr, nicht ich, mag allen trauen, Von dem man sagt und spricht: Doch Mops glaubt viel, und wird betrogen, Ja, gar zu oft bethört. Warum? Mops ist tumm auferzogen, Und viel zu ungelehrt.
Ich sage es noch einmal, ich lasse mich doch nicht überreden, wenn man auch gleich seine Eitelkeit mit noch so schönen Farben anzustreichen sucht, um andern beybringen zu mögen, daß sie bloß darum den Entschluß gefaßt hätten, die Ohrläppchen durchstechen zu lassen, damit sie sich von den Flüssen, die ihnen so oft zur Last zu fallen pflegten, loß machen könnten. Es ist kein Zweifel, daß dieses nur ein eitler und scheinbarer Vorwand sey, womit man seiner eitlen Gesinnung einen Mantel umzugeben meynet. Wenn sich solche zu Flüssen des Kopfs und der Augen geneigte Schönen, durch die Haut im Nacken ein Haarseilchen (~Setaceum~) ziehen, oder am Arme ein Fontenell hätten setzen lassen; so würde niemand mehr, als ich, ihren Worten Glauben zustellen; ja ich würde ihre Sorge, die sie auf die Erhaltung ihrer Gesundheit zu wenden beflissen gewesen wären, für untadelhaft halten.
§. 85. Kein Putz ist so vollkommen, welcher nicht auch seine Unvollkommenheiten nach sich ziehen sollte, und so geht es auch mit den Löchern, welche darum gestochen werden, damit man die Ohrläppchen mit Ohrgehängen auszieren könne. Denn obschon die Ohrläppchen als ein Knorpel sehr wenig Empfindung haben; so geschiehet es gleichwohl, wenn man sich die Löcher stechen läßt, daß an den Ohrläppchen Schmerzen empfunden werden, daß sie eine Entzündung bekommen, und zu schwären anfangen. Aber auch dieses alles pflegt sich auch alsdenn zu ereignen, wenn die Ohrläppchen, wegen der großen daran hängenden Last von einander gerissen werden. Ohnerachtet nun alle diese Zufälle eben keine Lebensgefahr verursachen, so halte ich es doch vor eine Thorheit, daß man sich ohne Noth Schmerzen mache, die man doch, wenn man sonst klug genug wäre, gar füglich überhoben seyn könnte. Man giebt ja ohnedies denjenigen immer Schuld, daß sie einen Fehler des Gehirns hätten, die durch sich selbst muthwillig zugezogene Schmerzen erst klüger werden wollen:
Klug ist, wer fühlt, sich bessert, schweiget.
Der dritte Abschnitt.
Von den Krankheiten, welche von der Auszierung des Halses ihren Ursprung herleiten.
Das erste Kapitel.
Von den Verdrießlichkeiten, die zu entstehen pflegen, weil das schöne Geschlecht den Hals entblößt zu tragen gewohnt ist.
§. 86.
Unsere Schönen haben in Gewohnheit, ihren Hals entblößt zu tragen, um theils mein Geschlechte dadurch zu reizen, theils aber auch ihm aus Hochmuth zu zeigen, daß die Natur ihnen hiermit eine vorzügliche Schönheit vor den Männern zum voraus geschenket habe. Sie machen sich groß mit ihrem Halse, und schätzen die Schönheit desselbigen darum so hoch, weil ihr Hals eine zartere Haut, eine weißere Farbe, und keinen so hervorragenden Knorpel der Luftröhre hätte als der Hals der Mannsbilder, denn sie solchen als etwas häßliches vorwerfen, und nur zum Spotte den Adamsapfel nennen. Aber sie haben gar nicht Ursache, des Adamsapfels wegen, welchen wir nicht aus unserm Verschulden, sondern aus weisen Absichten der Natur tragen müssen, uns spöttlich zu verhöhnen. Es ist überhaupt ein Merkmaal eines blöden Verstandes, wenn man seinem Nebenmenschen Leibesgebrechen vorzuwerfen, unbesonnen genug ist, wofür er doch selbst nicht kann, und die er nicht zu ändern in seiner Macht hat, wenn er es auch gleich gerne thun wollte. Die Mannspersonen könnten den Frauenzimmern wohl, wenn sie sonst Lust hätten, größere Dinge vorhalten, dafür sie sich gewiß recht würden schämen müssen, wenn sie anders so tugendhaft, wie sie sich immer rühmen, seyn wollten.
§. 87.
Damit nun aber auch der nackende Hals nicht so gar kahl da stehen möchte; so ist der Witz der Schönen hier sinnreich genug gewesen, Mittel ausfündig zu machen, den Hals mit Verzierungen ausrüsten zu mögen, um ihm mehrern Reiz und Annehmlichkeit beyzubringen. Sie haben also zu dem Ende den Hals mit sammetnen, seidenen mit Schmelz und Glasflusse besetzten Halsbändern, mit Schnuren, daran Wachsperlen oder ächte Perlen gereihet sind, und mit goldenen Ketten ausgezieret, ja sie haben ihn so gar mit einer Last von Dukaten, so wie ein Rennschlittenpferd mit Schellen, behangen und recht niedlich ausgeputzet, so, daß manchem darnach gelüstet haben muß, die Hände darnach ausstrecken zu mögen, um sie von dieser Gelbsucht zu befreyen, sich aber damit gütlich zu thun, und das Herz zu erfreuen. Viele verherrlichen ihren Hals mit edlen Steinen, die in Gold gefaßt sind, und bald die Gestalt eines Herzens oder eines Kreuzes, bald aber einer Rose vorzustellen pflegen. Andere tragen gar kleine Judenkragen, die aus Bändern oder Spitzen, welche in Falten gelegt werden müssen, zusammen geneht worden sind, um den Hals rings herum. Dieser Halsputz ist sehr bequem, die Kröpfe zu verbergen, und ich habe solche meistentheils bey solchen jungen Schönen angetroffen, von denen ich überzeugt gewesen bin, daß sie Kröpfe gehabt haben. Unzählige Weibspersonen hängen fast ihre ganze Habseligkeiten an den Hals, und die sie daran zu hängen nicht fähig sind, die jagen sie, aus Furcht, sie möchten ihnen von den Dieben entrissen werden, in den Hals hinein, um solche in Sicherheit bringen zu mögen. Ich weis wohl, daß die Weiber mehrmals durch den Halsschmuck ihre Männer an den Bettelstab gebracht haben. Welches gar leichte geschehen kann, wenn ihnen die Weiber, ohne Leibeserben zu hinterlassen, sterben; so, daß sie hernach andern die Gerade, von Rechtswegen, zu überlassen genöthiget werden. O, ungerechtes Recht!
§. 88.
Ich will mich nun auch um die Krankheiten bekümmern, welche sich von einem entblößten Halse zu erzeugen pflegen, damit ich nicht vor saumselig in Ansehung meiner Pflicht gescholten werden möchte. Da nun der bloße Hals der freyen Luft, um andern dessen Schönheit zu zeigen, ausgesetzt wird; so wird es kein Wunder seyn, wenn sich derselbe, zumal bey rauher, feuchter und kalter Witterung, vielen Verdrießlichkeiten darbieten muß. Der unmerklichen Ausdünstung wird also nothwendig bey einer solchen Beschaffenheit der Luft in der Haut des Halses gehemmt werden, folglich wird es nichts fremdes seyn, wenn lauter solche Krankheiten, ihren Ursprung davon nehmen, welche allemal sich zu ereignen gewohnt sind, so ofte bey vorfallender Gelegenheit die unmerkliche Ausdünstung gestört oder gar unterdrückt wird. Heiserkeit, Brustflüsse, Husten, Entzündungen des innern Halses, Beulen, Geschwüre, und mehrere dergleichen Ungelegenheiten, deren ich schon zum öftern im 63, 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten Absatze Meldung gethan habe, sind die Kinder dieser fruchtbaren Mutter, und von eben dieser stammen Kröpfe, (~Strumæ~) und geschwollene Halsdrüsen (~Scrofulæ~) natürlicher Weise ab. Denn, da die Säfte des Körpers von der verhinderten Ausdünstung darum verderbet werden, weil deren Ueberfluß kein Ausgang verstattet ist; so müssen die Säfte dicke und zu Stockungen geschickt, folglich faul und bösartig gemacht werden. Nun aber haben die Kröpfe und geschwollene Halsdrüsen gemeiniglich eine üble Beschaffenheit der Säfte zum Grunde: Was kann also wohl natürlicher seyn? als daß solche daher entspringen müssen, weil die gehemmte Ausdünstung vornehmlich der Haut des Halses, welche die Drüsen, hauptsächlich aber diejenige Drüse, welche die thyroideische heißt, umgiebet, vermöge des versagten Abflusses und beständigen neuen Zuflusses ausgedehnet wird, und also in den von dieser Haut umkleideten Drüsen eine Verstopfung zuwege bringen muß. Da nun ein Kropf nichts anders, als eine widernatürliche Ausdehnung dieser Haut ist; so muß daher diejenige weiche und nachgebende Geschwulst des Halses ihren Ursprung nehmen, die man einen Krampf zu nennen gewohnt ist. Und eben daher entspinnen sich auch die ~Scrofulæ~ welche geschwollene Drüsen am Halse sind, so sich bewegen lassen, sehr harte werden, zuweilen aber gar aufbrechen, und unheilbare Geschwüre verursachen. Wie besorgt sind also nicht unsere Schönen bey diesen entstandenen Umständen, um solche unsichtbar zu machen und verhöhlen zu mögen. Aber es ist nunmehro zu späte, die Fehler itzo verbergen zu wollen, welche man sich selbst, bloß aus einem verdammten Hochmuthe, zugezogen hat.
Das zweyte Kapitel.
Von den Gefährlichkeiten, welche von der Zartmachung der Halshaut entstehen.
§. 89.
Allerdings gehört auch eine zarte Haut des Halses zur Schönheit, daher die Frauenspersonen, um ihren Liebhabern desto reizender seyn zu mögen, allen Fleiß anwenden, sich selbige eigen zu machen. Doch was ich im 52sten Absatze von der Zärtlichkeit der Haut des Angesichts gesagt habe, das kann auch von der zarten Halshaut gelten.
§. 90.
Die Schönen bedienen sich eben derjenigen Mittel, sich eine angenehme Zärtlichkeit der Haut zuwege zu bringen, welche im 46, 53 und 54sten Absatze angeführt worden sind. Ich halte es billig vor überflüßig, solche nochmals zu wiederholen.
§. 91.
Wenn aber die Frauenzimmer wider alle Vernunft dennoch so verwegen seyn, und mit Bedacht solche Dinge zum Gebrauche nehmen wollen, die man doch als höchst schädlich anzusehen hat, und die im 46 und 55sten Absatze nachgesehen zu werden verdienen; so werden sie sich es auch nicht entgegen seyn lassen dürfen, wenn ihnen alle diejenigen Verdrießlichkeiten über den Hals kommen werden, welche im 88, 63, 55, 49, 42, 38, 32, 28, 18, 12, und 5ten Absatze erzählt worden sind.
Das dritte Kapitel.
Von dem Schaden, welcher sich äußert, wenn die Sommersprossen und Leberflecke des Halses mit äußerlichen und schädlichen Sachen vertrieben werden.
§. 92.
Was ich von den Sommersprossen des Angesichts im 56, 57, 58 und 59sten Absatze behauptet habe, das läßt sich auch auf die Sommersprossen, welche die Haut des Halses unscheinbar machen, anwenden. Ich habe im 60sten und 61sten Absatze eine vernünftige Heilungsart wider dieselbigen angeführt, und diese findet auch hier statt. Im Gegentheil aber habe ich auch im 62sten Absatze ein abergläubiges Mittel, und im 46 und 54sten Absatze noch andere schädliche Dinge verworfen, welche sonst die Frauenzimmer, sich die Sommersprossen damit zu vertreiben, in Gewohnheit haben. Und endlich habe ich mir Mühe gegeben, im 91, 88, 63, 55, 49, 48, 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten Absatze diejenigen Krankheiten darzuthun, welche von dem unzeitigen Gebrauche schädlicher Mittel zu entspringen pflegen.
§. 93.