Part 6
Nichts ist vermögender, die Schönheit der Haut des Angesichts mehr unscheinbar zu machen, als die Sommersprossen, Schwinden und Flechten: Nichts ist aber auch gewöhnlicher, als daß man solche durch schädliche äußerliche Mittel vertreibet, bloß die eingebüßte Schönheit wieder erlangen zu mögen. Aber man muß auch wissen, daß alle diese Krankheiten der Haut nichts andern, als einer üblen Beschaffenheit des Bluts und der übrigen Säfte ihren Ursprung zu danken haben. Doch ich würde mir ohne Noth ein Joch auflegen, wenn ich alle diese Krankheiten der Haut genau abschildern wollte. Ich will also nur gegenwärtig die Sommersprossen vor die Hand nehmen, und mich mit diesen etwas genauer einlassen, um den Schaden zeigen zu mögen, welcher von einer unzeitigen Vertreibung derselbigen zu entstehen pflegt.
§. 57. Die Sommersprossen sind kleine gelbe oder braungelbe Fleckchen, welche an Größe und Farbe den Linsen ziemlich gleich kommen, und die unter der Haut ihren Sitz haben, sich im Angesichte, am Halse, auf der Brust und an den Händen gemeiniglich zur Sommerszeit unsern Augen darstellen, und ordentlicher Weise von verderbten Säften, welche unter der Haut abgesetzt worden, und daselbst stocken geblieben sind, entstehen, so, daß sie die Schönheit der Haut verderben und unscheinbar machen. Was es aber vor Theilchen sind, welche diese Sommersprossen zu erzeugen fähig sind, kann ich selbst so genau nicht bestimmen. Einige halten es vor schweflichte Theilchen: Aber mir zu Gefallen können es auch saure, bittre, süße oder salzige Theilchen seyn, welche sich unter der Haut feste gesetzt, und diese Sommersprossen verursacht haben. Ich kann diese so wenig behaupten, als jene ihre schweflichte Theilchen erweislich zu machen vermögend seyn werden. Es kann alles möglich seyn, und jene sowohl, als ich, können Recht haben; aber ist deswegen der Schluß, welchen man von der Möglichkeit auf eine ungezweifelte Gewißheit macht, richtig? Dem mag seyn, wie es will: genug, daß Flecke da sind, welche die Schönheit verdunkeln und unangenehm machen können, und die ihren Grund einzig und alleine in einer bösen Beschaffenheit des Bluts haben, und dieses ist genug, denn mehr getraue ich mir selbst nicht davon zu sagen, theils, weil ich zu ungelehrt, theils aber auch, weil ich viel zu furchtsam bin.
§. 58. Man hat die Anmerkung gemacht, daß diejenigen gemeiniglich ihre Haut im Sommer, wie ein Guckguck seine Federn, verändern müssen, welche eine sehr feine und zarte Haut besitzen. Im Winter gelangen sie wieder zu ihrer vorigen schönen Haut, folglich sind solche Personen Winterschönheiten. Hieraus nun läßt es sich begreiflich machen, warum die Sommersprossen nur im Sommer, nicht aber im Winter zum Vorscheine kommen. Denn je zärter und feiner eine Haut ist, desto schwächer wird sie seyn: die Kraft einer feinen Haut aber muß noch mehr geschwächt werden, wenn ihre Fäserchen von der Wärme noch schlaffer gemacht werden. Daß aber die Wärme eine Schlaffheit der Fäserchen zu wirken geschickt sey, ist eine Wahrheit, die niemand, außer ein Narr in Zweifel ziehen wird. Da nun im Sommer von der Wärme die Fäserchen einer ohnedies schwachen und zarten Haut noch mehr erschlaft werden, und da im Sommer die Ausdünstung allemal stärker, als im Winter natürlicher Weise abzugehen pflegt; so werden auch mehr Unreinigkeiten nach der Oberfläche der Haut getrieben werden müssen. Weil nun eine zarte Haut schon von selbst Unvermögenheit genug hat, die dahin abgesetzten Unreinigkeiten wieder zurück in das Blut zu treiben, und solches zu verrichten vermöge der Wärme, und der daher vermehrten Ausdünstung noch weit unfähiger gemacht worden ist; so müssen freylich die dahin getriebenen, und nach der Oberfläche der Haut gebrachten Unsauberkeiten daselbst stocken bleiben, und folglich werden solche Flecke, welche man Sommersprossen zu nennen gewohnt ist, entstehen müssen. Ja es werden endlich diese so lange sichtbar bleiben, als so lange die Ausdünstung stark und vermehrt bleibt, und die Wärme dauret. Wenn aber zur Winterszeit die Ausdunstung vermöge der Kälte nicht so häufig von statten zu gehen, verhindert wird, so fangen diese Sommersprossen an sich gemeiniglich nach und nach wieder zu verlieren. Denn die Kälte macht, daß die Fäserchen der Haut mehrere Kraft bekommen, sich lebhafter zusammen ziehen zu können, und also werden die Unreinigkeiten, die sich unter der Haut befinden, nach den Naturgesetzen mit stärkerem Nachdrucke wieder zurück getrieben, und dem Blute wieder beygesellt werden müssen. Geschieht aber dieses, so werden die Sommerflecke zu verschwinden, ihren alten Sitz zu verlassen, und ihren Abschied zu nehmen genöthiget. Daß sich aber dieses so, und nicht anders zuzutragen pflege, beweiset die tägliche Erfahrung sattsam.
§. 59. Aus diesem gefaßten Begriffe mag nun wohl, allem Vermuthen nach, die Heilungsart ihren wirklichen Ursprung haben, da man vor rathsam befunden hat, die Sommermähler vermöge zurücktreibender Mittel zu vertilgen. Aber man irret, wenn man sich überredet, daß man durch diese Heilungsart Nutzen zu verschaffen im Stande sey. Ich muß es ihnen sagen, daß sie den rechten Weg verfehlen, und nur damit unzählbare Krankheiten zu verursachen pflegen. Denn da die Sommerflecke aus einer bösen Beschaffenheit der Säfte im ganzen Körper entspringen; so müssen diese vorher, ehe man sich an die zurücktreibenden Mittel wagt, mit großer Behutsamkeit verbessert werden, zumal da die meisten Krankheiten der Haut von verdorbenen Säften herkommen, und eben deswegen die Heilung schwer und zweifelhaft machen, und darum hat man nöthig, alle mögliche Behutsamkeit dabey anzuwenden, damit man nicht mehr Schaden anrichtet als Vortheil verschaft.
§. 60. Da die Schönen so viele Bekümmerniß haben, und ein solches sehnliches Verlangen tragen, sich von diesen Sommersprossen befreyen zu mögen; so will ich ihnen doch aus wahrer Liebe eine Heilungsart verehren, vermöge der sie ihre unangenehme Gäste sicher und ohne Schaden loß werden können, nur müssen sie die vorgeschriebenen Arzneyen eine lange Zeit durch fortbrauchen, wenn sie sich anders des zukünftigen Nutzens versprechen, und ihre Absicht glücklich erreichen wollen. Ich rathe ihnen also täglich ein paar Mal einen blutreinigenden Thee, welcher aus rother Färberwurzel, Rinde von Sassafraßholze, frischen Zitronenschalen, Seifenkraute und Zimmet gemacht werden soll, zu trinken, und dieses können sie Morgens und Nachmittags am bequemsten thun. Auf diesen Thee, davon man so viel nehmen kann, als man mit drey Fingern auf einmal faßt, sollen vier Kaffeeschälchen wohlsiedende Milchmolken gegossen werden, nachmals aber muß man das Infusum wie einen ordentlichen Thee ziehen lassen, und endlich mit Zucker versüßt zu sich nehmen. Bey dem Gebrauche dieses Thees mögen sie entweder allemal eine Antimonialmorselle mitunter essen, oder eine blutreinigende Mixtur brauchen, welche aus der Sassafraßholzessenz, darinne ~Resina Guaiaci~ aufgelöset worden ist, aus Essenz des mechischen Balsams Aloeholzessenz und Wachholderholzgeiste zusammengesetzt werden muß. Wöchentlich können sie sich einmal solcher Pillen bedienen, welche aus Christwurzelkrautextrakte, Gialappenharze, ~Resina Guaiaci~, ~Gummi armoniaco~, Stahlfeile und ~Mercurio diaphoretico fixo solari~ verfertiget werden müssen. Dabey mögen unter der Mahlzeit Fleischbrühen, darinnen Ottern gekocht worden sind, genossen werden.
§. 61. Wenn man nun merket, daß die Sommersprossen etwas blässer zu werden, und sich allmählig zu verlieren anfangen: Denn dieses muß das Merkmaal seyn, daß das Geblüte ziemlich gereiniget worden sey; so kann man ohne Schaden auch äußerliche Mittel in Gebrauch nehmen, doch befehle ich, die innerlichen Arzneyen durchaus nicht bey Seite zu setzen, sondern immer fort zu brauchen. Man kann also äußerlich mit Guten Nutzen Quittenkörnerschleim, oder Flohkrautsamenschleim mit Bleyweiß versetzen, und etliche Grane von süssen Merkur darzu thun, und hernach auf die Haut streichen. Man mag auch, statt diesem, Bleyweiß und süssen Merkur in Rosenwasser auflösen und auflegen. Viele wollen das Wasser, womit das Schweißtreibende Spießglas ausgelauget worden ist, als ein dienliches Waschwasser rühmen. Andere hingegen rathen, daß man einen Scrupel vom ~Lapide medicamentoso Crollii~ in einem Quarte reinen Brunnenwasser auflösen, und sich damit waschen solle. Und wiederum wollen andere, daß man sich aus spitziger Klettenwurzel und Schellkrautwurzel ein Decoct bereiten, und sich dessen bedienen solle. Man lobt Citronen oder Limoniensaft, darinnen Alaune aufgelöset worden ist, und giebt den Rath, das Angesichte damit zu bestreichen. Das Mehl von bittern Mandeln, wenn es mit Essig zu einer Salbe gemacht worden ist, pflegt man sonst in gleichen Umständen zu loben. Andere nehmen Ingber, und kochen ihn in Wein und Wasser, oder sie machen mit Brandwein eine Tinktur davon, und lassen das Angesichte damit waschen. Andere aber setzen gar Schwefel zu dem Ingber, und kochen diese beyden Stücke mit Weine, bis sie dicke geworden sind, alsdenn gesellen sie solchen eine Fettigkeit bey, machen eine Salbe daraus, und lassen dieselbe brauchen. Ich lasse den Schönen die freye Wahl, welches Mittel sie von alle denen, so ich ihnen vorgeschlagen habe, zu ihrem Gebrauche erwählen wollen.
§. 62. Die alten abergläubigen Weiber setzen ihr ganzes Vertrauen auf die Nachgeburt einer Erstgebährerinn, und verlangen, daß solche von einem Knäbchen seyn solle, denn sonst pflegte dieses Mittel fruchtlos zu seyn. Sie nehmen diese Nachgeburt, wenn sie noch warm ist, und fahren damit derjenigen Person, ohne ihr Vermuthen über das Angesichte, bey welcher sie die Sommersprossen zu vertreiben die Absicht haben. Ich habe den Versuch davon einmal in meiner Vaterstadt mit meinen Augen gesehen. Die Bademutter rufte eine solche buntfleckichte Guckgucksschöne zu sich, als ob sie ihr etwas zu eröffnen hätte, und fuhr ihr, da sie sich zu ihr genähert hatte, mit der warmen und blutigen Nachgeburt, ohne daß sie sich einer solchen ungewöhnlichen Liebkosung versah, über das ganze Angesicht, so, daß das sommersproßichte Mägdchen vor Erschreckniß beynahe ein Kind hätte bekommen mögen. Ich habe aber in der künftigen Zeitfolge gesehen, daß dieses Mittel ohne Nutzen gewesen war, denn sie behielt alle ihre Sommersprossen. Ich glaube also, daß wenn auch dieses Mittel helfen soll, so wird es doch gewiß nichts vermöge der Nachgeburt, wohl aber des Schreckens etwas auszurichten im Stande seyn. Denn da bey unvermuthet vorgefallnen Erschreckniß das Blut von der Oberfläche der Haut gerissen, und nach den innern Theilen getrieben wird; so kann es gar leichte geschehen, daß die Sommersprossen ebenfalls mit zurück geworfen werden, und also verschwinden können. Ob aber auch daher nicht zugleich viele Verdrießlichkeiten ihren Ursprung nehmen mögen, ist eine andere Frage, welche noch einiger genauen Untersuchung nöthig hat.
§. 63. Diejenigen aber, welche sich einfallen lassen, solche Mittel zur Vertreibung der Sommersprossen zu gebrauchen, welche ich 46sten u. 54sten Absatze gemißbilliget habe, die ziehen sich nicht nur diejenigen Krankheiten zu, welche im 48, 49sten und 55sten Absatze beschrieben und angezeiget worden sind, sondern sie laden sich auch noch mehrere üble Zufälle auf ihre zarten Schultern. Denn da alle diese Mittel gar zu heftig zurücke treiben, so werden von diesen zurückgetriebenen Sommersprossen bald Schlagflüsse, Blödigkeit der Augen, triefende Augen, Entzündungen und wohl gar Blindheiten entstehen. Bald werden sie fließende Ohren, schweres Gehör und Taubheit zum Vorscheine bringen. Zuweilen nimmt auch wohl eine Lähmung der Zunge, eine Bräune und eine Geschwulst der Ohrendrüsen, sowohl als der Speicheldrüsen, ihren Ursprung davon. Fallen die zurückgetriebenen Sommersprossen auf die Lunge, so verursachen sie Engbrüstigkeiten, Erstickflüsse, Geschwüre in der Lunge, Lungensuchten, ja zuweilen gar Wassersuchten der Brust. Endlich erzeigen sich auch hiervon hitzige Entzündungfieber, welche allesammt von dem Orte ihres Sitzes verschiedene Benennungen haben. Daher kommen auch abzehrende und schleichende Fieber. Zurückgetriebene Sommersprossen können zur verstopften und unterdrückten Reinigung, zum weißen Flusse, zur Mutterplage, zur Verstopfung und Verhärtung der Leber, des Milzes, der Gekrösdrüsen und andern Zufällen Anlaß geben. Sie sind vermögend, Colicken und Darmgichten hervor zu bringen, ja sie sind geschickt, wohl gar zur Wassersucht und zu kalten Geschwulsten den Weg zu bahnen, und allerley Arten der Gicht herbey zu schaffen. Kurz, die zurückgetriebenen Sommerflecke sind reiche Quellen vieles Verderbens, weil dadurch die unmerkliche Ausdünstung gehemmet wird, und daher nichts als solche Krankheiten erzeugen, welche allemal zu entstehen pflegen, wenn diese nicht gehörig von statten zu gehen weis, wie im 42, 38, 32, 28, 17, 12 und 5ten Absatze mit mehrerem davon nachzusehen ist.
§. 64. Alle diese im 48, 49, 55 u. 63sten Absatze angeführte Krankheiten können auch entstehen, wenn die Finnen ein küpfrichtes Angesicht, und die Flechten mit äußerlichen und zurücktreibenden Arzneymitteln zur Unzeit vertrieben werden.
§. 65. Finnen sind kleine Geschwüre der Haut, in der Größe eines Hanfkorns, welche einen harten und rothen Umfang, in der Mitte aber ein weißes Fleckchen haben, mit Eyter angefüllt sind, meistentheils das Angesicht einnehmen, und unter der Haut von stockenden Salzwasser entstehen. Man sagt, daß die Finnen sich gemeiniglich bey solchen Frauenzimmern einzufinden gewohnt wären, welche mannbar geworden sind, doch aber eine strenge Keuschheit beobachten. Ja man will so gar behaupten, daß keine bessere Heilungsart bey den Finnen statt fände, als der Ehestand. Ich läugne dieses zwar nicht, doch aber glaube ich auch, daß die Vollblütigkeit viel Schuld an den Finnen sey.
§. 66. Den Kupferhandel nennt man diejenige Röthe des Angesichts, welche vornehmlich an den Wangen und an der Nase sichtbar ist, sehr hochrothe, und fast rosenfarbigte eyterhafte Erhabenheiten zeigt, und kleine Grindchen hat, die aber zuweilen so überhand nehmen, daß die Haut des Angesichts davon ungleich rauh, und schäbicht wird, und garstig anzusehen ist, die Nase aber wird davon sehr aufgetrieben, groß und dicke. Man will insgemein denjenigen Frauenspersonen, welche diesen Handel treiben, zur Last legen, daß sie Weintrinkerinnen und Brandweinsäuferinnen seyn sollen. Und ich dürfte mich bald überreden lassen, es selbst zu glauben. Was meynen sie wohl darzu?
§. 67. Unter den Flechten aber versteht man gewisse Schäbigkeiten und Geschwülste der Haut des Angesichts, welche sich vornehmlich am Kinne befinden, ein beschwerliches Jucken verursachen, eine scharfe Feuchtigkeit von sich lassen, und zuweilen so um sich fressen, daß sie wohl gar das ganze Angesicht einzunehmen und unangenehm zu machen geschickt sind.
§. 68. Da diese im 65, 66 und 67sten Absatze angeführten Fehler der Haut ebenfalls, wie die Sommersprossen, eine Unreinigkeit der Säfte zum Grunde haben; so können solche auch durch eben diese Heilungsart gehoben werden, die ich als sicher im 60 und 61sten Absatze den Schönen angepriesen habe.
Das sechste Kapitel.
Von den Unangenehmen Empfindungen, welche die Schönen leiden, indem sie sich eine hohe Stirne zu machen, beschäftigen.
§. 69.
Einmal hat nun schon die Einbildung in den Herzen unsrer Schönen so tiefe Wurzel geschlagen, daß eine hohe Stirne, die nämlich auf der Mitten gleich über der Nase eine Spitze hat, auf beyden Seiten aber in etwas zurück läuft, und eine einwärtsgehende halbzirkelrunde und zurückgebogene Krümmung macht, eine ganz besondere und bewundernswürdige Schönheit sey. Die Frauenzimmer sind unverdrossen, sich eine solche hohe Stirne zuwege zu bringen, und wollen lieber entweder durch Anlegung ihrer eigenen Hände, oder durch Beyhülfe andrer Staatsmärtyrinnen werden, als diese eingebildete Schönheit gänzlich entbehren. Es ist ein belachenswürdiges Bemühen, da man sich, um eine hohe Stirne zu haben, so vielen schmerzhaften Empfindungen aussetzt. Ich dächte, die Natur hätte ihnen schon ohnedies Schmerzen genug auferlegt, ohne daß sie nöthig hätten, ihre Pein aus einer bloßen närrischen Modesucht zu vermehren. Ich bin der völligen Meynung, daß sich die Schönen, um ihres Wunsches theilhaft zu werden, oftmals weit mehr Marter, entweder selbst, oder sich durch andere anthun lassen, als wenn man die peinlichen Fragen an sie ergehen, oder an ihnen alle Grade der Tortur vornehmen ließe. Ich getraue mir eine Wette zu gewinnen, daß ihnen unter dieser Beschäftigung die Thränen häufig über die Wangen herunter laufen müssen, und daß sie für Angst tiefgeholte Seufzer von sich hören zu lassen gezwungen würden. Ja, ja, was man sehnlich zu haben wünscht, darnach seufzet man desto brünstiger. Man sollte es fast nicht glauben, daß das menschliche Herz einen so großen Ueberfluß thörichter Eitelkeiten in sich schließen könnte.
§. 70. Die sich nun einmal vorgesetzt haben, eine solche im 69sten Absatze beschriebene hohe Stirne zu haben, die besitzen auch Herzhaftigkeit genug, sich die Haare von der Stirne mit einem hierzu verfertigten Zängelchen ausreißen zu lassen, bis sie glauben, ihre Stirne habe nunmehr diejenige Modefigur, die sie haben muß, wenn sie vor schön gehalten werden soll. Ich aber möchte die Schmerzen nicht büßen, die sie doch aus Hochmuth gutwillig leiden. Sonst pflegten sich nur diejenigen die Haare auszureißen, denen ein großes Unglück begegnet war, itzo aber reißt man sich die Haare aus, um sich zeitlich glücklich machen zu mögen. Andere lassen sich, in eben dieser Absicht, die Stirne mit einer Salbe bestreichen, welche aus lebendigen Kalke, gelben Arsenik und schwarzer Seife bereitet wird. Diese Sachen nun werden mit scharfer Meisterlauge, so viel als hierzu erforderlich ist, zu einer dünnern Salbe gemacht, um die Haare damit weg zu beizen. Dieses haarbeizende Mittel heißt, das türkische Rußma. Denn man will uns versichern, daß die Türken, welche sonst an ihrem ganzen Leibe, ausgenommen auf dem Kopfe und an dem Barte, keine Haare zu tragen gewohnt wären, mit dieser Salbe ihre Haare weg zu bringen bemüht seyn sollten. Andern aber gefällt es, an statt der Meisterlauge kampferirten Weingeist zu nehmen. Einige bedienen sich des weißen Pechs, oder des bis zur Härte gekochten Terpenthins, und zerlassen es mit etwas Wachs über Kohlen, hernach lassen sie sich solches warm über die Stirne streichen, und wenn es darauf kalt und harte geworden ist, so erlauben es die Schönen, daß man es ihnen abreißen mag, da denn die Haare mit sammt den Zwiebeln ausgerissen werden, sie aber zur Belohnung ihrer Staatspein die längst gewünschte hohe Stirne als eine Beute davon tragen. Sauer erworbener Sieg! Aber man darf nicht denken, daß die hohe Stirne nur von einer ausgestandenen Geduldsprobe so gleich fertig gemacht werde. Nein, man muß sich solche Marter öfters, und solange anthun lassen, bis auf der Stirne kein Härchen mehr zu sehen ist.
§. 71. Diejenigen, welche entweder ihre Haare auf der Stirne mit einem Zängelchen ausreißen, oder mit weißem Peche und Wachse wegbringen lassen, müssen zwar große Schmerzen ausstehen: doch was duldet man um der Mode wegen nicht! Aber diejenigen Frauenspersonen, welche die Haare von der Stirne mit dem türkischen Rußma wegbeizen lassen, müssen noch weit mehr ausstehen, denn sie bekommen Entzündungen der Haut, welche unsäglich brennen und wehe thun, ja es erzeugen sich so gar Grinde, unter welchen ein Eiter und eine scharfe tief unter sich fressende Feuchtigkeit wohnt. Alles dieses plagt die Schönen öfters, so, daß sie lange Zeit die Stube zu hüten genöthiget werden. Das Uebel aber pflegt noch böser zu werden, und länger zu dauern, wenn die, so dieser Thorheit Frohndienste geleistet haben, verdorbene Säfte besitzen. Doch ich wollte, daß ihre Eitelkeit noch weit schlimmere Folgen verursachte, weil das Frauenzimmer so verwegen ist, die ewige Weisheit zu tadeln, der doch die Schönheiten, als geringe Geschöpfe, mit aller Dankbarkeit verbunden seyn sollten, wenn auch die Natur sie nur zu einer Auster gemacht hätte. Mein Eifer ist gerecht: Aber werde ich auch damit alle thörichte Herzen vernünftiger zu machen fähig seyn? In Ewigkeit nicht.
Das siebende Kapitel.
Von dem Schaden, welcher sich von dem Schwarzfärben der Augenbraunen entspinnt.
§. 72.
Allerdings müssen die Augenbraunen ebenfalls geändert werden, wenn nach der itzigen Mode alles am ganzen Körper ein ander Ansehen bekommen muß. Doch die Nase ist noch bis itzo unangetastet geblieben. Sie hat von Glück zu sagen, daß sie nicht auch wie andre Theile des Angesichts und des ganzen Körpers hat herhalten dürfen. Mich wundert es nicht wenig, daß der Witz der Schönen bey ihr so lange hat müßig seyn können, ohne ihr einen Zierath oder sonst einen Nasenschmuck anzuhängen. Doch ich dächte, es wäre der Billigkeit gemäß, auch auf die Nase einige Sorge zu wenden, damit sie nicht ohne allen Putz bliebe. Die Schönen würden gerecht gegen dieses Glied handeln, wenn sie sich wenigstens einen goldnen Ring durch die Nase ziehen ließen. Ich bin bey mir selbst überzeugt: daß dieser Schmuck nicht nur artig zum Angesichte lassen, sondern auch sonst großen Nutzen haben werde. Wenigstens könnte dieser Nasenring bey widerspenstigen und ungehorsamen Weibern nicht undienlich seyn, zumal wenn man ein seiden Strickchen an diesen Ring befestigte. Denn wenn sich solche Weiber nicht mit Vernunft und Worten lenken lassen wollten; so könnten die Männer sie, wie die Bärführer den Tanzbär, mit diesem an den Nasenring gebundenen Strickchen nach ihrem Gefallen ziehen und zum Gehorsam bringen. Mich soll es nicht nur recht herzlich freuen, sondern ich will auch so gar eine hochmüthige Stellung, wie der Arzt Mäv, annehmen, wenn ich so glücklich seyn sollte, daß meine Erfindung und mein Gutachten von den Schönen wohl angenommen und mit gutem Erfolge gebraucht würde. Die Männer, welche böse Weiber haben, würden gleichfalls Ursache finden, mir für meinen glücklichen Einfall höchst verbunden zu seyn. Ja ich traue ihnen so viel Gutes zu, daß sie wohl gar diesen nützlichen Nasenring, aus wahrer Dankbarkeit, nach des Erfinders Namen nennen würden, so, wie es ehedem das sämmtliche Frauenzimmer gemacht hat, welches die spitzigen, und wie ein Thurm in die Höhe gesteckten Kopfzeuge, so des Königs in Frankreich Beyschläferinn ~la Fontange~ zum ersten erfunden hatte, nach ihrem Namen Fontangen zu nennen, vor rathsam befand.
§. 73. Daß die Augenbraunen vieles zur Schönheit des Angesichts beytragen, ist eine Gewißheit. Denn man betrachte nur einmal ein Angesicht, welches entweder durch die Blattern, oder andere Zufälle, die Augenbraunen eingebüßt hat, wie ungestalt und häßlich es aussieht. Der Nutzen aber, welchen die Augenbraunen zu erweisen pflegen, ist von weit größerer Erheblichkeit, als die ganze eingebildete Schönheit. Denn es hat das Ansehen, als ob dieselben vornehmlich darzu bestimmt wären, den Schweiß, welcher von der Stirne herunter läuft, so wie ein Damm das Fluthwasser abzuhalten, damit derselbe nicht in die Augen laufen, und solchen eine unangenehme Empfindung verursachen, oder gar einen größern Schaden zufügen möge. Die Augenbraunen halten auch den Staub und die Unreinigkeit auf, welche sonst gar leichte in das Auge fallen, und ihm zur Last werden können. Ja sie verhindern auch einigermaßen den allzu geschwinden Einfall starker und ungewöhnlicher Lichtstralen in die Augen, wenn man die Augenbraunen in etwas niederwärts zieht.