Part 5
§. 41. Das Schminken ist eine Kunst, vermöge gewisser Mittel die Farbe der Haut zu ändern, selbige schön zu machen, und solche schön zu erhalten. Die Farbe der Haut wird entweder durch blaßmachende, oder rothmachende Mittel verändert. Dasjenige Mittel nun, welches geschickt ist, der Haut ein rothes Ansehen zu geben, und welches heut zu Tage gewöhnlich gebraucht wird, heißt Rosentuch, vielleicht weil dieses Tuch der Farbe einer rothen Sammetrose ziemlich nahe kömmt. Dieses eigentlich sogenannte Rosentuch ist nichts anders, als etwas starke rothgefärbte Leinwand, welche ihre rothe Farbe, entweder von der Koccionille, Kermeskörnern, oder auch von Fernebocke, dem durch eine besondere Kunst so eine hochrothe rosengleiche Farbe gegeben worden ist, bekommen hat. Mit dieser rothgefärbten Leinwand färben die Frauenzimmer ihre Wangen, und mahlen sich das Angesicht damit roth: doch muß dieses Rosentuch vorher in Lindenblüthwasser eingetaucht und feuchte gemacht werden, denn außerdem färbet das Rosentuch nicht ab. Einige nehmen guten florentinischen Lack, streichen solchen auf ein Stückchen Scharlachtuch und reiben die Haut des Angesichts damit. Besser aber thut man, wenn man kermesinrothes türkisches wöllnes Garn nimmt, selbiges sehr klein hacket, durch ein Haarsieb siebet, und in ein sehr zartes Pulver verwandelt, hernach aber auf ein Stückchen Scharlachtuch streuet, und die Backen damit reibet. Dieses Mittel ist fähig genug, ein recht unvergleichlich schönes und rothes Gesichte zuwege zu bringen. Andere bemahlen sich mit Karmin, und wiederum andere bemühen sich, die Farbe ihrer Wangen und Lippen mit Zinnober zu erhöhen.
§. 42. Nunmehr will ich endlich den Schaden anzeigen, den sich diejenigen Frauenspersonen zuziehen, welche so närrisch sind, ihr Angesicht roth zu färben. Ich habe nur itzo im 41sten Absatze gesagt, daß das Angesichte mit denen Läppchen stark gerieben werden müsse, wenn daß Angesicht roth geschminket werden soll. Da aber durch das starke Reiben die Haut des Angesichts sehr gereizt, angespannt, und dichte gemacht wird, und allemal auf eine starke Anspannung eine der angespannten Haut gemäße Erschlaffung zu erfolgen pflegt; so wird man, wenn man anders Verstand hat, sehr deutlich einsehen können, daß eine solche geschminkte Schönheit vor den Jahren alt werden und Runzeln bekommen müsse. Aber dieses ist noch lange nicht der Lohn, welchen solche Theaterpüppchen vor ihre Schminke empfangen: Auch außer den Runzeln bekommen sie eine gelbe, garstige und grobe Haut, so, daß sie zu einem wahren Scheusal der Männer, und zu einem wirksamen Gegenmittel wider das aufsteigende Fleisch werden. Es werden auch die Schweißlöcher der Haut des Angesichts von dieser rothen Schminke zugeklebt und verstopft, folglich wird die so heilsame Ausdünstung verhindert werden müssen, und also werden alle diejenigen Umstände entspringen, welche von der unmerklichen Ausdämpfung des Angesichts natürlicher Weise zu entstehen pflegen s. §. 38. 32. 28. 17. 12. und 5. Da nun, wie ich nur itzo erweislich gemacht habe, eine geschminkte Haut nicht so, wie es sich geziemt, ausdünstet; so müssen freylich daher im Angesichte Finnen, Schwindflechten, und Sonnensprossen entstehen. Diejenigen Frauenspersonen, welche sich diese Thorheit haben einnehmen lassen, ihre Wangen und Lippen mit Zinnober zu färben, bekommen gemeiniglich den Krebs an dem Munde, und faules Zahnfleisch, wackelnde Zähne, einen stinkenden Athem und triefende Augen. Denn das im Zinnober versteckte Quecksilber dringt in die Thränendrüse so wohl, als in diejenigen Drüsen, welche von D. Meibomen den Namen bekommen haben, und erweitert deren Gänge, so, daß solche hernach ihre Narrheit, und den Verlust ihrer Gesundheit mit einem beschwerlichen Schwären der Augenlieder, und beständigen Thränen der Augen ohne Aufhören beweinen müssen(*). Schöner Lohn für eure rothe Schminke!
§. 43. Wenn die Frauenspersonen, welche Belieben an einem rothen Angesichte tragen, und gerne roth auszusehen wünschen, meinem Rathe folgen wollten, so würden sie vernünftiger handeln, zumal, wenn sie sich lieber mit innern Mitteln von einem verständigen Arzte eine lebhafte rothe Farbe des Angesichts zuwege bringen ließen, und sich nicht selbst und ihrem Körper durch solche schädliche äußerliche Hülfsmittel so viel Unheil und Häßlichkeit zufügten und ungesund machten, nicht ihren Nebenmenschen, über sie zu spotten, und sich zu ärgern Gelegenheit gäben, nicht ihren Schöpfer zum Zorne reizten, und sich seiner Gnade verlustig machten. Ein geschminktes Angesicht soll darum das Angesicht GOttes nicht schauen, weil es durch die Schminke andre gereizt und entzündet, und ihnen Anlaß zu sündigen gegeben hat.
(*) ~_Platner_ de morbis ex immunditie.~ §. 16.
Das dritte Kapitel.
Von den üblen Zufällen, welche von der blaßmachenden Schminke des Angesichts herkommen.
§. 44.
Alle Schönheitsverständige geben mir noch heutiges Tages einen allgemeinen Beyfall, daß die blasse Angesichtsfarbe eine ganz ausnehmende und bezaubernde Schönheit sey, so, daß solche ihrer Annehmlichkeit wegen so gar den Titel der adlichen Farbe erhalten hat. Ich gestehe der blassen Angesichtsfarbe auch ganz gerne, ohne Zwang, nach meinem Geschmacke dieses Vorrecht zu, wenn nur die blasse Angesichtsfarbe nicht gar zu weiß, so wie ein von Gipse gegossenes Bild ist: Denn diese hat allemal eine kränkliche Beschaffenheit des Körpers zum Grunde, und ist eine reiche Quelle unzählbarer Krankheiten. Jene angenehme Blaßheit des Angesichts hingegen ist ein offenbares Zeichen eines vollkommen gesunden Körpers. Beynahe alles Frauenzimmer wünscht sich diese adliche Farbe eigenthümlich zu machen, um adlich scheinen zu mögen. Ich lobe ihren guten Willen, und ich würde solchen noch mehr loben, wenn sie nach der adlichen Tugend eben so, wie nach der Farbe strebeten. Ich würde offenbar wider mein eigenes und besseres Wissen handeln, wenn ich so unartig seyn, und es läugnen wollte, daß es eine Unmöglichkeit wäre, seinen Körper so zu ändern, daß er geschickt würde, eine Blaßheit im Angesicht hervorzubringen. O! es ist mir gar zu wohl wissend, daß man durch gewisse Hülfsmittel, welche man theils äußerlich, theils aber auch innerlich im Gebrauch zu nehmen pflegt, und durch eine besondere Lebensordnung, die man in den so genannten sechs nicht natürlichen Dingen zu beobachten nöthig hat, dem Angesichte diese reizende Blaßheit zuwege zu bringen im Stande sey, ohne, daß dadurch der Gesundheit das geringste Uebel zugefügt werde. Aber von dieser Art der Blaßheit soll hier nicht die Rede seyn. Wer aber begierig ist, solche genauer kennen zu lernen, der darf nur meine Abhandlung von der blassen Angesichtsfarbe nachzulesen belieben. Ich versichre, daß diese ihrer Neubegierde eine Genüge thun wird. Gegenwärtig aber ist nur mein Vorsatz, von derjenigen blassen Angesichtsfarbe zu handeln, welche ordentlicher Weise der guten Gesundheit viel Nachtheil zu bringen fähig ist.
§. 45. Die Blaßheit des Angesichts ist eine gewisse Beschaffenheit der Haut, welche keine rothe Farbe sichtbar zu machen vermögend ist. Was nun diese Beschaffenheit der Haut hervorbringen soll, das muß geschickt seyn, den Fäserchen der Haut ein stärkeres Vermögen zuzufügen, das in den zarten Blutgefäßchen des Angesichts befindliche Blut, kraft einer lebhaftern Zusammenziehung der Fäserchen nach den innern Theilen stoßen zu können. Die Mittel aber, welche diese Tugend besitzen, nennt man stärkende oder blaßmachende Mittel, und diese werden sowohl von außen, als auch von innen, um seine Absicht zu erlangen, angewendet. Aber auch dieses sind zum Theil schädliche, zum Theil aber auch unschädliche und heilsame Mittel. Was es aber für Mittel sind, und was man hierbey für eine Lebensordnung brauchen müsse, um diese gesunde blasse Angesichtsfarbe zu erlangen, wird die oben im 44sten Absatze angeführte Abhandlung ausführlicher lehren. Voritzo will ich nur derjenigen Mittel Erwähnung thun, welche zwar eine Blaßheit des Angesichts zu machen kräftig und wirksam genug sind, aber, die auch zugleich Gelegenheit geben, krank zu werden.
§. 46. Um nun eine blasse Angesichtsfarbe zu bekommen, bedienen sich die Frauenzimmer zuweilen der sogenannten Jungfermilch, welche aber nichts anders ist, als Silberglätteßig, der durch zugesetzte und aufgelöste rohe Alaune eine milchähnliche Farbe bekommen hat. Mit dieser Milch pflegen die Schönen ihre Angesichter öfters zu waschen, und glauben dadurch ihres Wunsches theilhaft zu werden. Es ist wahr, sie erhalten ihre Absicht, aber auch zu ihrem größten Verluste. Andre im Gegentheil nehmen nur gemeinen Bleyzuckereßig, oder Silberglätteßig zu eben dieser Absicht. Ja es giebt Personen, welche in Bohnenblütwasser, oder in einem andern ihrem Zwecke gemäßen abgezogenen Wasser, Bleyzucker, weißen Vitriol oder Alaune auflösen, und statt eines Waschwassers brauchen: zuweilen gießen sie auch Benzoestinctur, und Ochsengallenessenz oder Myrrhenessenz hinzu. Und wiederum andere sind gewohnt, Wegebreitwasser zu nehmen, darinnen sie aber vorher einen glüend gemachten Stahl öfters haben abkühlen, und diesem Wasser hernach entweder Bleyzuckereßig oder Jungfernmilch beymischen, oder Alaune, weißen Vitriol oder Bleyzucker zusetzen lassen, um zu ihrem Waschwasser zu gebrauchen. Noch andere sind sogar auf den rasenden Gedanken gerathen, und haben geglaubt, weil die Milch weiß aussähe, so müßte sie auch geschickt seyn, eine weiße Angesichtsfarbe machen zu können. Sie haben sich also in diesem Glauben, mit Milche gewaschen, aber sie sind auch recht in ihrer Meynung betrogen worden, und anstatt eine weiße Farbe der Haut zu überkommen, sind sie im Angesichte ganz gelb und braun, so wie sonst die Egyptier oder Ziegeuner auszusehen pflegen, geworden. Ich kenne etliche solche Frauenzimmer, die sich auch noch am Leben befinden, und die sich eine solche gelbe und braune Farbe durch ihre Afterkunst zugezogen haben. Sie bereuen itzo ihre begangne Thorheit, und beseufzen ihre natürliche eingebüßte Farbe. Doch haben sie nur Geduld, meine Frauenzimmer, wenn alle tumme Köpfe klüger zu werden anfangen werden, werden sie auch schöner werden. Jene Frau, die ohnlängst ihren Verstand mit ihrem liebsten Söhnchen begraben ließ, hofft auch auf diesen freudenreichen Tag. Trösten sie sich nur unterdessen mit der zukünftigen Schönheit, und wischen ihre Thränen von den Augen ab. Einige brauchen auch trockne Sachen, um eine Blaßheit des Angesichts zu überkommen: Sie nehmen entweder Puder, oder sehr zart zu Pulver gemachtes Bleyweiß, und reiben damit die Haut ihrer Angesichter, obschon zu ihrem eigenen Schaden. Ich wollte wohl, wenn ich sonst ohne Noth weitläuftig zu werden Lust hätte, etliche Bogen mit solchen schädlichen blaßmachenden Mitteln und Schminkwaschwassern anfüllen. Doch diese mögen voritzo, was nämlich die äußerlichen Mittel anbelangt, zureichend seyn. Ich will nun auch diejenigen Mittel anführen, welche, wenn sie durch den Mund eingenommen werden, gemeiniglich eine solche der Gesundheit nachtheilige Blaßheit des Angesichts zu erzeigen mehr als zu fähig sind.
§. 47. Diejenigen Mittel nun, welche innerlich genommen, ein blasses Angesicht zum Vorschein bringen können, sind ebenfalls vielfältig, meistentheils aber äußern sie eine gar zu anhaltende und zusammenziehende Kraft, und eben darum sind sie auch vermögend, der Gesundheit unzählige üble Zufälle zuzuführen. Manche Frauenzimmer nehmen, ich weis selbst nicht, aus was für einem närrischen Triebe, und aus was für einem abgeschmackten Appetite, gelöschte Kohlen zu sich. Andere essen Kreide, Kalk und Gips, und wiederum andere bedienen sich des sogenannten rohen Heydegrützes. O! welch eine Lüsternheit! welch ein abentheuerliches Verlangen nach einer eingebildeten Schönheit, nämlich, der blassen Angesichtsfarbe! Ich habe Frauenzimmer zu kennen das Vergnügen gehabt, welche in dieser Absicht rohe Alaune, Granatäpfelschalen, und ich weis selbst nicht was noch mehr gebrauchten. Ja einige sind so unsinnig, und lassen sich von Marktschreyern wohl gar Arsenik und Bleyzucker beybringen, um sich ein Bette drey Ellen in der Erde tief dadurch bereiten zu lassen. Aber ist das nicht eine verdammte Verwegenheit, da man aus einer bloßen Tollheit, ein blasses Angesicht zu überkommen, recht vorsetzlich dem Tode entgegen und in den Rachen rennet?
§. 48. Ich kenne eine gewisse Stadt, in der beynahe alle Frauenspersonen eine recht blaßgelbe Farbe im Angesichte haben, und die wegen dieser Farbe sprüchwortsweise die gelben Rüben geheißen werden. Ich verwunderte mich anfänglich, ehe ich die Ursache dieser blaßgelben Angesichtsfarbe wußte. Daß aber solche Frauenzimmer diese Farbe im Angesichte tragen, rührt natürlicher Weise daher, weil bey solchen Goldammerchen die üble Gewohnheit eingewurzelt ist, sehr starken Kaffee Morgens früh, in großer Menge, wenn der Magen noch leer und nüchtern ist, zu trinken, und dieses ist die wahre Ursache ihrer Midasfarbe. Denn es ist bey den Aerzten eine ausgemachte Sache, daß der Kaffee ein dickes und schweres Blut zu machen geschickt sey. Wenn nun aber ein dickes Blut erzeugt wird; so kann diese veränderte Beschaffenheit des Bluts nicht in die zarten Röhrchen der Haut eindringen, und folglich muß das Blut außer Vermögen gesetzt werden, durch das zarte Gewebe der Haut eine Röthe durchschimmern zu lassen. Es werden also freylich von einem solchen Blute sehr viele Ungelegenheiten entspringen müssen. Hiervon wird die sogenannte Jungfernsucht, die Bleichsucht, und eine üble Beschaffenheit und schlechte Vermischung der ganzen Säfte entstehen. Diese Krankheiten nun geben zur Verstopfung der monatlichen Reinigung Anlaß, und legen den Grund zu geschwollnen Schenkeln, Wassersuchten des Unterleibes sowohl, als derjenigen wäßrichen Geschwülste, welche sich zwischen der Haut und dem Fleische befindet. Ja es werden Engbrüstigkeiten, Erstickflüße, Blutspeyen, Lungensuchten, Gelbesuchten, und Schwarzgelbesuchten, Verstopfungen, Verhärtungen und Geschwüre in der Leber, in dem Milze, in den Gekrösdrüsen, in den Nieren und in der Lunge zum Vorscheine kommen, und zu allen diesen Verdrießlichkeiten wird sich endlich ein abzehrendes Fieber, mit verdrießlichen Nachtschweißen, und Ausfallung der Haare gesellen, welches diese Leute wegen ihrer Unbesonnenheit und Unmäßigkeit, und zur Strafe dem Tode in die Hände liefern wird.
§. 49. Ich glaube nunmehr wohl zu thun, wenn ich diejenigen Schädlichkeiten itzo vorbringen werde, welche von den äußerlich blaßmachenden Mitteln, so ich im 46sten Absatze angeführet habe, ihren Ursprung herleiten. Da diese Hülfsmittel vermöge der Silberglätte, des Bleyzuckers und der Alaune nicht nur eine gar zu heftig zusammenziehende Kraft besitzen, sondern auch wegen der sich darinnen befindlichen Schädlichkeiten ein heimliches und tödtendes Gift bey sich führen, welches vermöge der zurückführenden Oeffnungen der Haut, dem Blute und den Säften beygemischt wird, so daß davon eine rechte todtengleiche Blaßheit des Angesichts hervorgebracht werden muß. Aber man muß wissen, daß auch eben diese Blaßheit des Angesichts allemal mit einer Trägheit des ganzen Körpers, mit einem Widerwillen, und mit einer Verdrießlichkeit des Gemüths, mit einem Ekel vor den Speisen, und mit abzehrenden Nachtschweißen verbunden sey. Kurz, diese kränkliche, und blasse Angesichtsfarbe wird alle diejenigen Krankheiten erzeugen, deren ich im 48sten Absatze gedacht habe. Selbst der große Börhave gedenkt in seinem andern Theile der Chemie auf der 309ten Seite: daß er sechs oder sieben adliche Fräulein gekannt hatte, welche allesamt von dem Gebrauche der blaßmachenden Schminke des Silberglätteßigs ihr Leben hätten einbüssen müssen.
§. 50. Da nun die äußerlich im Gebrauch gezogenen blaßmachenden Schminkmittel so vieles Unheil gebähren können, was werden erst diejenigen Mittel zu thun mächtig seyn, welche man innerlich zu nehmen, thöricht genug ist? Alle diese im 47sten Absatze angezeigte Mittel sind wahrhafte Sachen, welche dem Menschen zwar einen langsamen, aber doch einen durch keine Kunst abzuhaltenden Tod verursachen. Werden also nicht alle diejenigen unglücklichen Zufälle weit eher und geschwinder ihr Daseyn haben, als von den äußerlichen im 46sten Absatze erzählten Mitteln? Ich nehme keinen Anstand, mich lange zu besinnen, sondern ich falle dieser Meynung sogleich bey; ja ich behaupte so gar, daß diese allesammt von der letztern Art der blaßmachenden Mittel hervorgesproßte und im 48 und 49sten Absatze angeführte Krankheiten gänzlich unheilbar sind, und zwar bloß darum, weil durch diese Mittel das Blut sowohl, als die übrigen Säfte ganz und gar vergiftet worden sind, und weil diese vergifteten Säfte die festen Theile des Körpers angreifen, und zerstöhren.
§. 51. Wer nun aber dennoch mit aller Gewalt eine blasse Angesichtsfarbe haben will, der muß sich derjenigen Hülfsmittel bedienen, die ich in der Abhandlung von der blassen Angesichtsfarbe vorgeschrieben, und angepriesen habe. Aber das muß ich selbst eingestehen, daß diese Art sich schön und blaß zu machen, ziemlich beschwerlich sey. Doch wer die Absicht zu erlangen willens ist, der muß auch die hierzu dienlichen Mittel zur Hand nehmen und nicht verwerfen. Niemand fährt mit Wollust und Vergnügen in den Himmel, sondern er muß zuerst auf der Welt den Dornenweg betreten: Und wer schön und blaß zu werden ein sehnliches Verlangen trägt, der muß sich selbst Zwang anthun gelernt haben, und gut stoisch, aber doch gleichwohl kein Stockfisch seyn.
Das vierte Kapitel.
Von den Unbequemlichkeiten, welche von der Bemühung, der Haut eine Zärtlichkeit zuwege zu bringen, ihren wesentlichen Ursprung haben.
§. 52.
Wo ich mich recht besinne, so habe ich schon im 35sten Absatze erweislich gemacht, daß die Zärtlichkeit der Haut ein wesentliches, und zur Schönheit des Angesichts nothwendiges Stücke sey, und daß sich diejenigen allerdings glücklich zu schätzen Ursache haben, welche die wohlthätige Natur mit dieser Schönheitsgabe versehen hat. Diejenigen aber dürfen nur über die Ungerechtigkeit der Natur Beschwerde führen, denen sie diese Zärtlichkeit der Haut zu versagen vor dienlich befunden hat. Solche unglückselige Frauenzimmer mögen alles anwenden, was nur immer in ihren Kräften ist, so werden sie doch nimmermehr so glücklich werden, durch alle ihre natürliche Hexerey sich dasjenige zu verschaffen, was ihnen die Natur wohlbedächtig nicht hat wollen mittheilen. Ich gebe ganz gerne zu, daß die Zärtlichkeit der Haut vermöge gewisser Hülfsmittel erhalten, solche aber, wenn sie vorher nicht da gewesen ist, niemals zuwege gebracht werden könne: Gesetzt auch, es wollte sich ein Frauenzimmer, wenn solches anders ohne Lebensgefahr verrichtet werden könnte, die ganze Haut abziehen lassen, so würde sie doch keine andere Haut erhalten, als die abgezogene gewesen wäre. Die Schönen dürfen es mir nicht etwa zur Ungnade halten, wenn ich ihnen offenherzig, ohne meinen Busen entblößt zu tragen, die bloße Wahrheit sage: daß sie eher einem Mohre eine weiße Farbe, als sich eine zarte Haut zu machen vermögend seyn werden.
§. 53. Gleichwohl aber giebt es solche unartige Frauenzimmer, die sich durch keine vernunftmäßige Vorstellung lenken lassen, sondern lieber bey ihren zwey Augen verbleiben wollen, und die sich feste im Kopf gesetzt haben, sie müßten ihre Absicht erhalten, wenn sie sich mit Merzschneewasser, Mayenthaue, Ziegenmilchmolken, Kühmilchmolken, Froschlaichwasser, Harne, oder gar mit Tausendblumenwasser, unter welchem einige den Kühharn, den die Kühe des Frühlings auf der Weide von sich lassen, andere aber dasjenige überzogene Wasser verstehen, welches man von demjenigen Kühkothe zu verfertigen gewohnt ist, welchen die Kühe zur Frühjahrszeit auf die Wiesen fallen lassen, wünschen. Einige stehen völlig in den Gedanken, sie würden eine zarte Haut bekommen, wenn sie geschlagenes Eiweiß in Rosenwasser aufgelöset, oder weißen aufgelösten Vitriol, oder Kalkwasser mit oder ohne besonders hierzu verfertigtem Quecksilber oder Schledorn- Pomeranzen- Bohnen- Weißlilien- Holunder- Rosen- und Lindenblütwasser, statt ihres gewöhnlichen Waschwassers brauchten. Andere bedienen sich in eben dieser Absicht, und Hoffnung, ihres Wunsches gewährt zu werden, das Zimmet- Erdbeer- Petersilien- Wegebreit- oder Weißwurzelwassers (~Sigilli Salomonis~) ja sie setzen noch wohl gar, zum Ueberflusse zu allen diesen Dingen Ochsengallenessenz oder Myrrhentinktur, Zuckeralaune, Potaschenlauge, Markasiten, Bleyzucker, Talk, zerflossenes Weinsteinöl, Quittenkörnschleim, Benzoestinktur, und ich weis selbst nicht was noch mehr. Zuweilen brauchen sie auch diese Sachen vor sich, und ohne Zumischung anderer Mittel. Andere aber legen sich gar zur Nachtszeit, wenn sie zu Bette gehen, eine Larve über das Angesichte, welche sie sich mit weißen Wachse, Walrath, süßen Mandelöle und Rhodiseröle, welches alles wohl über einem gelinden Feuer mit einander vermischt werden muß, überziehen lassen. Und wiederum andere, die es besser getroffen zu haben meynen, nehmen venetischen Talk und Kampfer, und lassen solches zusammen in dem sogenannten Meerbade oder Marienbade so lange stehen, bis es wie ein Schnee so weiß geworden ist, und dieses gebrauchen sie in der Hoffnung, eine zarte Haut dadurch zu erlangen: Aber weit gefehlt, sie betrügen sich allerseits in ihrer Hoffnung, und ich versichre ihnen nochmals, daß sie in Ewigkeit eine grobe Haut behalten werden, wenn ihnen die Natur sonst keine andere gegeben hat. Doch so viel ist wahr, daß sie durch diese Mittel ihre Zärtlichkeit der Haut lange Jahre durch zu erhalten fähig seyn werden.
§. 54. Diejenigen Frauenspersonen handeln eben so abgeschmackt nicht, die sich, um ihre zarte Haut zu erhalten, mit süßen oder bittern Mandelkleyen zu waschen gewohnt sind. Wenn sie aber glauben, daß sie sich damit eine klare Haut verschaffen könnten, so mögen sie lange warten, bis sie ihren Wunsch erreichen werden. Denjenigen aber möchte man eine Stelle im Tollhause anweisen, die so leichtgläubig sind, und sich überreden lassen, daß sie ganz unfehlbar eine Zartigkeit der Haut erhalten würden, wenn sie ihr Angesichte mit Scheidewasser oder Wolfsmilche (~Esula~) überstreichen. Aber was für Marter müssen sie statt einer zarten Haut ausstehen. Das Angesicht fängt an aufzulaufen, dicke zu werden und Hitze zu bekommen, die Augen werden entzündet, und verschwällen, sie empfinden unaussprechliche Schmerzen, ja sind nicht nur in Gefahr ihre Augen einzubüßen, sondern auch gar krebsartige und fressende Schäden im Angesichte zu bekommen, vermöge deren sie sich dem Tode zu überlassen gezwungen sehen. Solchen eiteln Schönen gebe ich aus guter Meynung den Rath, daß sie fleißig ein Decoct von Christwurzel trinken, oder eine Wallfahrt nach Anticera anstellen möchten, um sich daselbst einen gesündern Verstand zu holen. Denn ich kann ihnen die Versicherung geben, daß sie dadurch einzig und allein fähig gemacht werden, sich mehr Liebe und Hochachtung bey meinem Geschlechte zu erwerben, als sie durch die feinste Zärtlichkeit der Haut vielleicht nimmermehr zu erlangen hoffen dürfen.
§. 55.
Die sich aber derjenigen Mittel, um eine zarte Haut zu bekommen, bedienen, deren ich im 46sten Absatze gedacht habe, die müssen es sich auch gefallen lassen, wenn ihnen diejenigen Krankheiten zum Verdrusse werden, welche aus diesem fruchtbaren Saamen hervor zu käumen pflegen, und die ich im 49sten Absatze fast bis zum Ekel angeführt habe.
Das fünfte Kapitel.
Von den Ungelegenheiten, welche den Schönen zustoßen, wenn sie sich die Sommersprossen vertreiben.
§. 56.