Part 3
§. 20. Ich glaube nunmehr ganz gewiß, daß aller Ausputz der Schönen nichts anders zur Absicht habe, als denen Theilen ihres liebenswürdigen Körpers eine ganz andre Gestalt und ein ganz ander Ansehen zu geben. Bestreuen wohl unsre Schönheiten ihre Haare aus einem andern Absehen mit Puder, als bloß die natürliche Farbe ihrer Haare zu verstecken? Weibsbilder, deren graue Haare eine ziemliche Zahl der Jahre verrathen, und welche sich erzürnen, wenn man sie alt nennt, pudern sich nur darum ein, damit man ihre grauen Köpfe nicht sehen möge, um sie vor jung zu halten. Von solchen beschneyeten Frauen kann man mit Herr Leßingen fragen:
Was wars, das uns entzückt gemacht? Ein altes Weib in junger Tracht.
§. 21. Diejenigen Schönheiten, so ehedem Griechenland verehrte, Deutschland aber itzo verabscheuet, mögen es nur dem Erfinder des Puders noch im Grabe danken, daß er so besorgt vor sie gewesen ist, und vor sie ein so artiges Mittel ausfündig gemacht hat, vermöge dem sie ihren brennenden rothen Kopf verbergen können. Ich weis nicht ob ich irre, wenn ich die alten Griechen vor weit, vollkommnere Schönheitsverständige, als die Deutschen und Franzosen halte. Ich vor meine Person kann ihren Geschmack nicht tadeln, denn die Wahrheit zu sagen, so haben die rothköpfigten Frauenspersonen die schönste, zarteste und feinste Haut. Und Homer versichert uns, daß die größte Schönheit Griechenlands die schöne Helene, wegen welcher Troja in einen Steinhaufen verwandelt worden ist, einen rothen Kopf gehabt habe. Nunmehr werden sich die rothhaarigten Frauenspersonen etwas mehr, als sonst auf ihren Goldgelben Kopf einbilden, und sie haben Recht, wenn sie hochmüthig wegen desjenigen werden, welches das gelehrte Griechenland vor Zeiten als eine Schönheit gerühmt hat.
§. 22. Redete ich nicht vor kurzem von dem Einpudern? Je so will ich mich auch sogleich wieder aus meinem Irrgarten heraus machen, und ihnen nur noch etwas von dem Einpudern vorsagen. Ich mag eben meine Meynung niemanden aufdringen, welche ich von den eingepuderten Haaren habe. Doch ich will mein Geheimniß offenbaren: ich halte das Einpudern der Haare vor nichts anders, als vor eine Haarschminke, o eine wichtige Wahrheit, und ein großes Geheimniß! mit dieser Haarschminke bemüht sich das schöne Geschlechte den Kopf weiß zu machen. Aber um Verzeihung! unsre Schönheiten würden weit vernünftiger handeln, wenn sie sich angelegener seyn ließen, ihre Köpfe weißer zu machen: Doch manche Mannspersonen möchten sich auch um mehrere Weisheit bekümmern. Nunmehr, deucht mich, hätte ich genug von den weißen Köpfen geschrieben, es wird also die höchste Zeit seyn, daß ich auch der schwarzen Köpfe gedenke.
Das vierte Kapitel.
Von den üblen Zufällen, welche ihren Ursprung von dem Färben der Haare haben.
§. 23.
Einmal hat nun schon in Frankreich so wohl als in Deutschland das Vorurtheil in den Herzen beyder Landsleute so tiefe Wurzel gefaßt, und ich glaube, daß man alle Mühe verschwenden würde, wenn man diesen zweyen Nationen ihre einmal gefaßte Meynung ausreden wollte, zumal da sie solcher als einer ewigen Wahrheit anhängen, daß ein von Natur schwarzer Kopf eine recht ausnehmende Schönheit sey. Ob man aber aus einem andern Grunde, als aus einer bloßen Einbildung den schwarzen Haaren ein so großes Vorrecht zugestehe, mag ich eben nicht untersuchen: wenigstens halte ich dafür, daß die ganze Sache in nichts anders, als in einer verderbten Einbildungskraft bestehe, welche vielleicht darum die Oberhand behält, weil dieser Meynung sehr viele beypflichten, ohne daß sie sich deswegen die Mühe geben, eine genauere Untersuchung anzustellen. Ich muß also doch wohl Recht haben, wenn ich diese allzu große Hochschätzung der schwarzen Haare für ein eitles Vorurtheil ausgebe, und wenn ich denjenigen von Vorurtheilen eingenommen halte, welcher eine Sache als eine ungezweifelte Wahrheit annimmt, ohne zureichenden Grund darzu zu haben, oder angeben zu können. Ich kann mich ohnmöglich enthalten, solchen Leuten unter das Angesichte zu sagen, daß sie unbefederte Papegoye sind: gesetzt auch, daß sie dieserwegen eine Feindschaft auf mich werfen sollten. Was würde es mehr seyn, wenn ich die Anzahl meiner Feinde dadurch vermehre? Nichts, in Wahrheit nichts. Doch nein, ich irre, ich würde nur dadurch mehrere Gelegenheit über meine Feinde zu spotten bekommen: Denn
Wie werd ich mich an ihnen rächen! Ihr ganzes Drohen schreckt mich nie: Je schärfres Urtheil sie mir sprechen, Je freyer spott ich über sie.
Ey! abermal ein Reimchen! wird man denken, ja ja man hat recht schön gedacht. Ich sehe es von selbst sehr wohl ein, daß ein guter Liederprediger an mir verdorben ist. O! was für Thränen würden nicht die alten Weiber vergossen haben, wenn ich ihnen solche schöne und herzbrechende Machtstoßkraftreimknittelgebetchen (ach mir will der Athem fehlen!) oft vorgesagt hätte?
§. 24. Es pflegt mit der Schönheit eben so, wie mit der Frömmigkeit zu gehen: Alle Menschen wollen schön, und niemand mag häßlich heißen. Diese Begierde nun, schöne seyn zu mögen, hat die Schönen angeflammt, sich dasjenige durch Kunst zu verschaffen, was ihnen die weise Natur versagt hat. Daher haben sie es vor gut befunden, Schwarzfärberinnen zu werden, um auf Mittel bedacht zu seyn, kraft deren sie ihre Absicht erlangen, das heißt, schwarze Köpfe bekommen möchten, um schöner zu scheinen, und eifriger von den Mannspersonen angebetet zu werden. Denn niemand läßt sich so gern Ehre erweisen, als das weibliche Geschlechte. Ich versichre, daß solches der Regel des Ovids genauer als den Zehngeboten nachzuleben besorgt sey: Daß man sich nämlich beliebt zu machen suchen müsse, wenn man geliebt zu werden wünsche: ~Vt ameris amabilis esto!~ heißt der eigentliche Grundtext des so theuern als verliebten Helden.
§. 25. Ich stehe gänzlich in der Einbildung, daß ich meinen Lesern einen Gefallen erweisen werde, wenn ich ihnen die Mittel so wohl, als auch die Art erzähle, vermöge deren sie sich über die Natur zu erheben, das heißt, sich schwarze Haare zu verschaffen fähig sind. Einige Schönheiten glauben ihrer Absicht theilhaftig zu werden, wenn sie ihre Haupthaare öfters mit einem von Bleye verfertigten Kamme auskämmten. Ich habe diese Bemühung von guten Erfolge gesehen, und ich kann es ihnen aufrichtig sagen, daß ich Frauzimmer angetroffen habe, welche saßen, und sich von ihren Bedienungen wohl über drey Stunden lang kämmen ließen, um einen schwarzen Kopf zu bekommen. Sie haben auch wirklich vor ihre Geduld und Stillehalten ein schwarzes Haar statt der Belohnung davon getragen. Das muß ich aber auch gestehen, daß die durch das Kämmen eines bleyernen Kammes zuwegegebrachten schwarzen Haare von keiner gar zu langen Dauer sind. Denn diese gemachte schwarze Farbe der Haare verliert sich wieder, wenn die Schönen unterlassen, sich ferner mit einem bleyernen Kamme zu kämmen. So viel aber kann ich auch den Schönen mit Grunde der Wahrheit sagen, daß ihnen, die auf solche Art gemachten schwarzen Haare nicht den mindesten Schaden zufügen können, wohl aber werden solche darum ihrer Gesundheit vollkommen ersprießlich seyn, weil durch das beständige kämmen die Schweißlöcher des Kopfs eröffnet werden, wodurch die so heilsame Ausdünstung der Haut des Kopfs befördert wird, kraft der sie sich von alle denjenigen Ungelegenheiten, welche ich im 17, 12 u. 5ten Absatze erzählt habe, loß zu machen vermögend sind. Würde ich also nicht ungerecht gegen das schöne Geschlecht handeln, wenn ich ihnen diese Art, die Haare schwarz zu machen, widerrathen wollte? Ich würde mich an den Schönen versündigen, wider besser Wissen verfahren, und mein ohnedem sehr zartes Gewissen selbst beleidigen; ja ich würde gar meinen geleisteten Schwur brechen, und also in das Laster des Meyneids verfallen? wofür mich Gott behüte!
§. 26. Andre Frauenzimmer machen sich eine schwarze Salbe von Pomade und gebrannten Helfenbein, oder schwarzgebrannten Mandeln, und mit dieser Vermischung pomadiren sie ihre Haare ein, damit solche schwarz scheinen möchten, in der That aber bekommen die Haare davon eine schwarze Farbe: Doch welch ein Schaden ist es! daß diese gefärbten Haare nur einige wenige Stunden dauren, und noch außer diesem diese Unbequemlichkeit verursachen, daß diese auf die Haare gebrachte schwarze Salbe bey sehr heißer Witterung und in sehr warmen Stuben flüßig werde, und nicht nur wie ein Balsam über das Angesichte zu laufen pflege, und also ein Verräther werde, daß dieser Haarschmuck nicht natürlich sey, sondern noch darzu die Kopfzeuge mit dieser schwarzen Farbe schmutzig zu machen gewohnt sey. Doch alles gienge noch wohl an, wenn nur nicht auch eben solche Beschwerlichkeiten von der schwarzen Haarsalbe ihren wesentlichen Ursprung herleiteten, welche allemal von dem Einpomadiren zu entstehen pflegen, und die ich schon im 17ten 12ten und 5ten Absatze der Ordnung nach angeführt habe. Ein Frauenzimmer ist doch ein recht wunderliches Geschöpfe, welches es sich niemals zum Verdruße seyn läßt, alles anzuwenden, um sich annehmlicher machen zu mögen. Ja sie verschwenden fast alle ihren Witz, um ein taugliches Mittel ausfündig zu machen, ihre Absicht nach Wunsche zu erlangen. O! wenn doch manchem Frauenzimmer der Ausputz und die Verbesserung ihrer Seele eben so am Herzen läge, wie die Auszierung ihres Körpers! was würde das für eine beneidenswürdige Glückseligkeit und für ein ausnehmender Vorzug seyn, welchen man ihnen billig zuzugestehen verbunden seyn würde. So aber ist es ein wahres Unglück, daß das schöne Geschlecht die Sorge für ihre Seele hinten an setzt, und bloß die Auszierung des Körpers ihr Augenmerk seyn läßt. Doch genug hiervon, ich bin eben nicht gesonnen, einen neuen Sittenlehrer vorzustellen, und mein Vorsatz ist eben nicht, gegenwärtig ein neumodisches Haus- Zucht- und Sittenbuch zu schreiben. Genug, daß es eine bekannte Wahrheit ist, daß manche Frauenzimmer die mehreste Zeit ihres Lebens an dem Nachttische, und vor dem Spiegel mit dem Ausputze ihres Körpers zuzubringen pflegen, ohne ihre Gedanken auf nothwendigere Geschäfte zu richten.
§. 27. Manche Frauenzimmer pflegen sich eine besondere Haarfarbe zuzubereiten, um deutsche Schönheiten genennt zu werden, und in Wahrheit sie sind in ihrer Erfindung nicht glücklich gewesen. Denn man muß wissen, daß die Frauenspersonen auch rauche Köpfe besitzen, welche ebenfalls vielen Witzes fähig sind: Und wer so unverschämt sey, und ihnen solchen absprechen wollte, dem würde ich diese Verwegenheit in Ewigkeit nicht vergeben, er müßte sich denn so bescheiden aufführen, und den Schönen auf den Knyen eine Abbitte leisten, alsdenn könnte ich mich noch wohl bewegen lassen, ihm vermöge meiner allgemeinen Menschenliebe zu verzeihen, um nicht wie jener Levite ungeistlich zu scheinen. Doch die Herren Leviten tragen auch Menschheit in ihrem Busen, und wohl manchmal mehr als die Weltkinder. Doch ich mag mich mit solchen Geistern gar nicht einlassen, um mich ihres Segens nicht verlustig zu machen. Ich will vielmehr denen Schönen diejenige schwarze Farbe mittheilen, welche ihre Haare mohrschwarz zu machen im Stande ist. Es wird aber diese Haarschwärze aus einem Pfunde der grünen Schaalen von welschen Nüssen, einem halben Pfunde Galäpfeln, und eben so viel Eisenschwärze, einem Lothe Eisenvitriole, und mit sechs Pfunden Weineßige, durch gehörige Kochung zubereitet, hernach durchgeseiget, und zum Gebrauche aufbehalten. Mit dieser schwarzen Farbe nun werden die Haare angefeuchtet, und mit einem Kamme so lange wohl durchkämmt, bis alle Haare davon naß und gefärbt worden sind. Man kann auf mein Wort den Versuch damit anstellen, und ich bin gut dafür, daß man kraft dieses gebrauchten Mittels kohlschwarze Haare überkommen werde, ja ich selbst bin bey mir überzeugt, daß mir die Frauenzimmer für dieses ihnen mitgetheilte Geheimniß höchst verbunden seyn werden. Vornehmlich haben es diejenigen mir zu verdanken Ursache, welche rothe oder graue Haare haben: zumal, da sie durch diese Haarfarbe ihrem Kopfe ein ganz ander Ansehen zu geben vermögend sind. Erzeigen sie mir aber für meine gute Gesinnung keine Erkenntlichkeit; so dürfen sie mir es nicht verdenken, wenn ich sie für undankbare Geschöpfe erkläre, und zwar für solche, welche nicht nach den Regeln der Klugheit zu leben wissen. Ey! dieses würde ja den Schönen eine ewige Schande und ein sehr großer Vorwurf seyn, wodurch sie sich der ganzen Welt verächtlich machen würden. Allein mein Herz ist viel zu sehr gegen sie eingenommen, als daß ich ihnen eine solche Niederträchtigkeit, eine solche unartige Aufführung, und eine solche abgeschmackte Undankbarkeit zutrauen sollte: Nein, ich glaube vielmehr, daß ich mich niemals in dem, in meinen Gedanken von ihnen einmal gemachten guten Begriffe betrügen könne; es wäre denn, daß meine Einbildungskraft von ihrem Reize nur gar zu sehr eingenommen, und wie die Augen mancher Richter durch den Glanz des Goldes ganz verblendet worden wäre. Sehen sie, meine Schönen! so groß ist das auf sie gesetzte Vertrauen!
§. 28. Es ist wahr, die durch dieses Mittel schwarzgefärbten Haare bekommen nicht nur eine recht schöne Schwärze, und einen ganz ausnehmenden Glanz, sondern sie behalten auch die Farbe, und verlieren solche nicht: sie färben nicht ab, und beschwärzen auch die Kopfzeuge nicht, so wie die im 26sten Absatze angeführte Pomade zu thun pflegt. Ob aber auch diese Haarschwärze der Gesundheit zuträglich oder nachtheilig sey, das ist eine andre Frage. So viel als ich davon einzusehen im Stande bin, so muß ich nur immer gestehen, daß diese Haarschwärze der Gesundheit höchst schädlich sey. Man betrachte nun alle diejenigen Stücke, aus denen sie zusammengesetzt ist, wie man will, so wird man allemal, ohne daß man ein Arzt seyn darf, gar leichte einsehen können, daß dieselbe aus lauter solchen Dingen bestehe, welche theils eine zusammenziehende, theils aber auch eine ätzende Kraft besitzen. Werden also nicht die Schweißlöcher der Haut, welche sich am Kopfe befinden, durch dieses schwarzmachende Mittel zusammengezogen werden, so, daß solche nicht mehr ausdünsten können? und werden also hiervon nicht lauter solche Krankheiten entstehen, welche bloß in der gehemmten Ausdünstung ihren Grund und Ursprung haben? (§. 17. 12. und 5.) Ich dächte freylich wohl. Und da über dieses einige von diesen Mitteln ätzend sind; so müssen nothwendig die Haare davon weggefressen und ausfallend gemacht werden, folglich wird denen Schönen eben dasjenige wiederfahren, was sonst ordentlicher Weise denen zu geschehen pflegt, welche ihre Haare öfters mit einem heißen Brenneisen aufbrennen lassen, s. §. 19. 12. u. 11.
Das fünfte Kapitel.
Von denen Beschwerungen, welche von den Kopfzeugen entspringen.
§. 29.
Ich komme nun endlich auf den übrigen Kopf- und Haarputz der Schönen, nämlich auf die Hauben, Kopfzeuge und Blumen: denn mit allen diesen geben sie sich Mühe, sich schöner zu machen. Gewiß, es fehlt den Frauenzimmern nicht an Erfindungen, ihren Kopf auf tausend Arten zu verherrlichen, und ich kann ihnen diese Bemühung nicht übel auslegen, zumal da ich weis, daß der Kopf das vornehmste Stück des ganzen Körpers ist. Aber sollte man es denn auch glauben, daß unsre Schönheiten einen Lust- und Ziergarten auf ihren Köpfen anzulegen gewohnt wären? Mir würde es im Traume nimmermehr eingekommen seyn, daß ein Frauenzimmer ihren Witz so hoch zu treiben fähig wäre, einen Blumengarten auf ihrem Kopfe anzubauen. Und dennoch zeigt mir die Erfahrung die Möglichkeit von allem demjenigen, was ich außerdem nur für eine Fabel gehalten haben würde. Mir sind Weibsbilder vorgekommen, an welchen ich mehr Blumen als Haare erblicken konnte. Denn bey dem ersten Anblicke dieser Schönheiten wurde ich für Verwunderung fast ganz außer mich gesetzt, so, daß ich mich gleichsam vor bezaubert hielt, und glaubte, daß sich die Blumengöttinn nebst ihren Spielgesellinnen wieder auf die Welt begeben hätte. Ey! was werden denn noch endlich die Schönen auf ihren Köpfen anlegen? Wer weis, ob es ihnen nicht einmal einfallen wird, Schlösser, Städte und Vestungen auf ihre Köpfe zu bauen. Wer weis, ob sie nicht gar auf die thörichten Gedanken gerathen werden, besondere Pflanzgärten auf ihre Köpfe zu machen. Doch dieser Putz macht die Frauenspersonen mehr eitel, als ungesund. Ich werde also von diesem eitlen Putze lieber stille schweigen, zumal, da ich an solchem als ein Arzt eben keine Gelegenheit finde, welche ihrer Gesundheit einigen Schaden zuzufügen im Stande wäre. Kurz, dieser Hauptputz ist ein bloßes Spielwerk, welches aus einer überflüßigen Eitelkeit entsprungen ist, und die ganze Welt hält es ohnedem mit mir vor wahr, daß die Schönen mehr der Eitelkeit als andern Beschäftigungen zugethan sind.
§. 30. Das schöne Geschlecht ist eben so veränderlich in den Arten der Hauben und Kopfzeuge, deren es sich zu bedienen pflegt, um ihrem Haupte eine Zierde geben zu mögen, als veränderlich solches selbst in seinem Gemüthe ist. Ja die Hauben und Kopfzeuge sind bey den Schönen eben so verschiedentlich, als verschiedentlich die Neigungen derselbigen sind. Denn bald stellt ein Kopfzeug die Fliegel eines Schmetterlings oder einer Fledermaus, bald aber auch die Figur eines andern Ungeziefers vor. Ich habe Frauenzimmer gesehen, welche Kopfzeuge trugen, die auf beyden Seiten ordentliche lange Lappen herunterhängen hatten, und man würde schwören, man erblickte ein Schiff, welches mit ausgespannten Segeln versehen wäre, wenn man eine solche Flatterschöne bey etwas windigen Wetter von weiten herkommen sieht. Manche Frauenspersonen bekleiden ihren Kopf mit einer ganz besondern Art der Kopfzeuge, welche einem großen Rade ziemlich gleich sind. Man würde sich einbilden, solche Leute wären bey lebendigem Leibe canonisirt worden, weil sie einen fast übernatürlichen Schein um ihren Kopf herum hätten. Doch es mag genug hiervon geschrieben seyn. Denn wenn ich alle Arten der Kopfzeuge mit Namen benennen, und ihre Figuren beschreiben wollte; so würde ich mich aus einer gewissen Nothwendigkeit entweder entschließen, zu den Putzmachermägdchen in die Schule zu gehen, oder wenn ich dieser Last überhoben seyn wollte, würde ich mir ein Frauenzimmerlexicon zulegen, und fleißig in solches sehen müssen. Doch da eben dieses nicht meine Beschäftigung ist, so habe ich es auch nicht nöthig, mich in diese unnöthige Weitläufigkeit einzulassen: Aber gleichwohl werde ich derjenigen Kopfzeuge Erwehnung thun, und solche etwas genauer beschreiben, welche den Schönen Anlaß, krank zu werden geben.
§. 31. Ein Kopfzeug ist eine aus weißen Flor oder Schleyer mit Spitzen besetzte, und nach der Mode verfertigte Art der Kleidung, der sich die Frauenspersonen bedienen, um den Kopf damit zu bedecken. Wie aber diese Kopfdeckel gemacht werden, kann ich darum so genau nicht wissen, weil ich solche selbst niemals mit meinen Augen habe verfertigen sehen, und nicht das mindeste von der Nehkunst verstehe. Doch ich besinne mich, einmal ein zerlegtes Kopfzeug gesehen zu haben, und wo ich nicht irre, so war es ein von weißen Kannevaß, einer Hand lang und breit gemachtes Herz, welches von innen etwas hohl, von außen aber etwas erhoben war. Dieses Herz aber pflegen die Schönen nach ihrer Redensart den Teller zu nennen. Doch so viel als ich von den Frauenputze verstehe; so glaube ich, daß dieses Herz vielleicht der Grund gewesen seyn mag, über und um welches der weiße Flor oder Schleyer, entweder mit weißen Zwirne angeneht, oder mit Stecknadeln angeheft werden muß. Betrüge ich mich nun in meiner Muthmaßung, so geschieht es gewiß aus Unwissenheit. An und um diesen mit Flor oder Schleyer überzogenen herzförmigen Teller pflegen die Schönen die Spitzen mit verschiedenen Falten anzunehen, und hernach mit oder ohne herabhängenden Flügeln zu versehen. Zuweilen schmücken sie auch, um mehrer Zierlichkeit willen, diese Kopfzeuge entweder mit goldnen, silbernen, und andern seidnen Bändern, oder mit Blumen, welche aus Gold, Silber oder Seide gesponnen worden sind. Es ist aber doch bey alle dem eine wunderbare Sache, daß die Schönheiten auch so gar Herzen auf dem Kopfe, fast so wie die Fische im Kopfe tragen. O wie gut würde es doch seyn! wenn manche Frauenzimmer zuweilen eben so stumm, wie die Fische wären: Ich versichre, sie würden sehr vieler zufälliger Uebel und harter Unglücksfälle überhoben bleiben, welche sie doch nur gemeiniglich ihrem ungezähmten Maule einzig und allein zu danken haben. Aber nun wieder auf die Kopfzeuge zu kommen. Manchmal werden auch solche Teller von Pappier gemacht, die aber doch vorher mit goldnen, silbernen und andern farbigten Zindel überzogen werden, ehe der Flor oder der Schleyer über selbige geneht wird. Die Figur dieser Teller mag wohl eben so, wie die Kopfzeuge selbst, von verschiedentlicher Gestalt seyn. Mir sind Teller zu Gesichte gekommen, welche eine eyähnliche Figur hatten. Mit einem Worte: Die Kopfzeuge werden fast alle Monate, und vielleicht auch wohl gar alle Mondwechsel verändert: Aber eben dieses ist auch die Ursache, warum man solche nicht so eigentlich abzuschildern fähig ist. Nichts ist veränderlicher als die Moden der Frauenzimmertracht, und ich wollte fast lieber sagen, daß die verschiedenen Moden der Schönen ein offenbares Zeugniß, und eine gewisse Wirkung ihres unbeständigen, veränderlichen und wankelmüthigen Gemüths wären. Denn
Das Frauenzimmer ist, wie im April das Wetter Voll Unbeständigkeit, voll Wankelmuth wie Blätter: Es lacht, betrübet sich, und weint, es schimpft und schmählt, Es zürnt, verfolgt, haßt, liebt, hofft, wünscht, begehrt, und wählt.