Part 2
§. 2. Habe ich nicht wieder Recht, wenn ich sage, daß das schöne Geschlecht in seiner Tracht über die maßen veränderlich, und auf der Welt niemals mit seines Körpers Zustande vergnügt sey? Man wird mir wider meinen Satz keine Einwendung machen können, wenn ich meinen Lesern die Pudelköpfe entgegensetzen werde. Ist es nicht eine unläugbare Wahrheit, daß sich die Frauenspersonen durch die Pudelköpfe den Männern ähnlich zu machen bestreben? Und sieht eine Frauensperson in Betrachtung des Haupts in ihrem Pudelkopfe einem Manne nicht wie des Phädrus Larve einem Menschengesichte vollkommen gleich? Nur Schade, daß die Schönen nicht auch alle männlichen Verstand unter ihrem Pudelkopfe tragen. Es ist nun einmal schon ein großer Fehler der Weiber, daß sie alle Männer werden wollen: Aber es ist auch ein weit größeres Glück noch dabey, daß sie in Ansehung ihrer Pudelköpfe, zumal wenn sie kein Kopfzeug auf dem Haupte tragen, nur Männer zu seyn scheinen, in der That aber und in Ewigkeit nicht zu Mannsbildern werden können. Doch ich irre, die Schönen haben noch Hoffnung, in Mannspersonen verwandelt zu werden, aber erst vielleicht alsdenn, wenn die Schnecken Flügel bekommen werden. Doch wenn diese Veränderung mit den Weibsbildern vor sich gehen wird, das werden die Kalendermacher am besten zu bestimmen wissen.
§. 3. Doch wieder auf die Pudelköpfe zu kommen. Diese sind heut zu Tage der gewöhnliche Hauptputz unsrer Schönheiten, wie lange aber dieser wohl von ihnen wird beliebet werden, können sie itzo selbst so genau nicht wissen. Ein Pudelkopf ist also derjenige Haarputz, da die Haare des ganzen Kopfs kurz verschnitten, und in Locken, welche rings um den Kopf, der Breite nach, zuweilen aber auch der Länge nach herunter gelegt, mit Seitentouren, und forne über der Stirne mit einem Toupee versehen worden sind. Diese nun nenne ich die wahren Pudelköpfe, die falschen aber sind diejenigen, welche durch Kunst verfertiget werden, und deren sich unsre Schönen eben so wie die Mannspersonen sich der Perucken bedienen. Ich habe mich einsmals fast aus den Odem gelacht, da ich eine gewisse Frauensperson, welche die gütige Natur mit einem goldgelben Haare versehen halte, in einem künstlichen schwarzen Pudelkopfe sah, und gleichwohl an ihr rothe Augenbraunen erblickte. Doch hiervon werde ich mehr Gelegenheit zu reden haben, wenn ich von dem Haarfärben handeln werde. Diese wahren Pudelköpfe, welche ich mit gutem Rechte die natürlichen nennen könnte, sollen sich die Schönen bloß ihrer Bequemlichkeit wegen zu tragen, vorgenommen haben. Denn ehedem, als das Frauenvolk ihre Haare lang und in Zöpfe geflochten trug, mußte es freylich eine Last seyn, diese langen Haare auszukämmen und wieder einzuflechten. Aber um Verzeihung! ihr halbmännlichen Schönen, ich habe den Glauben, daß die Pudelköpfe itzo weit unbequemer sind, als der ehmahlige Haarputz der Frauenspersonen. Was für Ungelegenheiten macht nicht das Haarverschneiden, wie viele Beschwerlichkeiten verursacht nicht das Haaraufkrausen, wie viele Last wird nicht durch das Haaraufbrennen den Schönen aufgelegt, und wie viel Zeit und Geduld wird nicht erfordert, wenn die Haarlocken in Ordnung gelegt, mit Haarwachse u. Pomade eingesalbt und mit Puder überstreut werden? Zehnmal eher würden sie mit dem Auskemmen und Einflechten zu Stande kommen, als einmal mit einem solchem Pudelputze fertig werden. Ich kann mich also unmöglich überreden lassen, daß die Pudelköpfe der Bequemlichkeit wegen, wohl aber um dem Haupte ein besseres das ist, männlicheres Ansehen zu geben, erfunden seyn müsten. Doch ich habe die Ehre denen Schönen im Vertrauen zu sagen, daß sie sich durch diesen Haarputz sehr viele kränkliche Zufälle aufgebürdet haben: und tragen sie noch Zweifel an dem, was ich ihnen hiermit aus Offenherzigkeit in die Ohren gesagt habe; so werde ich mir angelegen seyn lassen, ihnen meine Worte so gleich zu beweisen, um sie von der Wahrheit meines Spruchs recht überzeugend überführen zu mögen. Aber nur Geduld!
§. 4. Da es bey den Schönen noch gewöhnlich war, die Haare zu binden und einzuflechten, konnten die Haare dem Haupte gar wohl denjenigen Nutzen erweisen, zu dem sie die Weisheit des Schöpfers bestimmt hatte. Man hat eben nicht nöthig, ein Gelehrter zu heißen, um es einzusehen, daß der Kopf darum hat mit Haaren versehen seyn müssen, um denselben vor der Kälte zu verwahren; Denn da bey dem Haarputze der Alten die Haare so gebunden wurden, daß solche die Haut des Kopfs näher berührten, und durch solche nähere Berührung der Haut den Kopf besser wider die Kälte, als die itzigen Pudelköpfe, verwahren konnten; so musten freylich die damaligen Schönen wenigern Krankheiten des Haupts unterworfen gewesen seyn, als itzo, da die Haare weiter von der Haut abstehen, und folglich den Kopf nicht so kräftig wider die Kälte sicher machen können. Denn da vermöge dieser Pudelköpfe die kalte Luft und die Macht der rauhen Wittrung die Haut des Kopfs mehr anfällt; so werden die Frauenspersonen auch nothwendig mehrern Krankheiten unterthänig seyn müssen. Es brauch keines weitläuftigen Beweises, daß die Kälte fähig und geschickt genug sey, die Schweißlöcher der Haut zu verschließen. Wenn sich nun aber diese Begebenheit an dem Kopfe zuträgt, so wird die unmerkliche Ausdünstung zurücke bleiben, Anhäufungen, und Stockungen an dem Kopfe erzeugen, und folglich tausend Gelegenheit zu solchen Krankheiten geben müssen, welche in der zurückgebliebenen heilsamen Ausdünstung ihren natürlichen Grund haben.
§. 5. Es werden also bloß aus dieser, und sonst keiner andern Ursache Kopfschmerzen von verschiedener Art, Wasserköpfe, Schwindel, Schlagflüße, Brausen der Ohren, Ohrenzwang, auslaufende und fließende Ohren, Entzündungen, Blödigkeit, ja gar Blindheit der Augen, Stockschnupfen, Zahnschmerzen, Geschwulste und Geschwüre am Zahnfleische, geschwollene Speichel- Hals- Schlund- und Ohrendrüsen, und wohl gar Verstopfungen, Vereyterungen und Verhärtung derselbigen zum Vorscheine kommen. Es werden geschwollene Hälse und Kröpfe, Entzündungen der Muskeln, welche an der Luftröhre, und an dem Schlunde befindlich sind, und folgbar verschiedene Arten der Bräune entstehen. In dem Angesichte aber wird, diese gehemmte Ausdünstung des Kopfs, Blätterchen (~vari~), verschiedene rosenartige Entzündungen, und andere Verdrießlichkeiten, deren ich nicht einmal Erwähnung zu thun fähig bin, theils aber auch nicht vor gut befinde, um meinen Lesern keinen Ekel erwecken zu mögen.
§. 6. Sehen sie also, meine Frauenzimmer, sehen sie nun bald den Schaden, und die Ungelegenheit ein, welche sie sich als feurige Kohlen, durch diese fälschlich eingebildete thörichte Bequemlichkeit, des heut zu Tage gemein gewordenen Haarputzes der Pudelköpfe, auf ihre Häupter gesammlet haben? wird nun nicht bald die Reue ihr Herz einnehmen, daß sie, wie Eva nach dem Apfel des verbotenen Baums so lüstern gewesen sind, in Ansehung ihres Kopfs den Mannspersonen ähnlich zu werden? Doch vielleicht wollen unsere Schönen lieber den Aerzten zum besten einen beständig kränklichen Körper haben, als ihrem Lieblinge, dem Pudelkopfe, den völligen Abschied unterschreiben, und lieber immer, wie die Hebräer in Egypten, unter dem Joche der Krankheiten wehklagen, als ihre eingewurzelte Einbildung, daß sie sich durch ihre Pudelköpfe schöner und reizender machen könnten, aus dem Kopfe lassen. Doch giebt es auch Frauenspersonen, oder damit ich nicht wider die Titulatur sündige, es giebt sage ich, vielmehr heilige Schwestern, welche nicht etwa, aus Vorsorge ihre Gesundheit zu erhalten, sondern nur bloß aus verstellter Demuth, mit einem beynahe heiligem Eifer wider die Pudelköpfe in Grimm gerathen, und dieselbigen, zumal wenn ihr Zorn die Oberhand über ihre Herzen erlangt hat, vor eine Eitelkeit, ja wohl gar vor eine Todsünde schelten. Und noch sind wieder andere Frauenspersonen, welche aus besondern, und ihnen selbst eignen Ursachen die Pudelköpfe verachten, und durchaus nicht zu tragen erlauben wollen. Consbruch entdecket uns in seiner Ode eine einzige Ursache, welche diese Art der Frauen bewegt, einen Abscheu vor den Pudelköpfen zu tragen, und hier ist sein Lied:
Die Moden sind Julchen zuwider: Wie eitel! man putzet die Glieder, Der Würmer Raub? Die fromme Frau? Doch ihnen sollte sie entsagen? Nein, Pudels mag sie nur nicht tragen: Denn ihre Haare sind schon grau.
Doch dieses mag vor dieses Mal von den Pudelköpfen genug gesagt seyn: nunmehro will ich von den Beschwerlichkeiten handeln, welche das Frauenzimmer wegen des Aufkrausens und Aufbrennens der Haare leiden muß.
Das zweyte Kapitel.
Von den Beschwerlichkeiten, welche das Aufkrausen und Aufbrennen der Haare des Kopfs verursachen.
§. 7.
Ich würde denjenigen Kopf, welcher weder aufgekrauset noch aufgebrannt worden wäre, eher vor einen Zodelkopf als vor einen Pudelkopf halten. Soll ich aber einen Pudelkopf nicht mit diesem Titel belegen, so wird er, wenn er anders seine gehörige Annehmlichkeit haben soll, aufgekrauset und aufgebrannt seyn müssen. Es wird also nothwendig meine Pflicht seyn, von den Beschwerlichkeiten zu schreiben, welche dem Kopfe durch das Aufkrausen und Aufbrennen zugefügt werden. Wer nun geputzt und schöne scheinen will, der muß es sich auch gefallen lassen, Ungelegenheiten zu leiden. Das schöne Geschlecht hat ohnedem das Unglück, daß allemal auf ihr genossenes und empfundenes Vergnügen tausend Unbequemlichkeiten und Schmerzen erfolgen: doch ich mag mich eben hiervon nicht deutlicher erklären, wer das Frauenzimmer nur ein wenig kennt, der wird meine Meynung ohne einen Dolmetscher schon verstehen können, es wäre denn, daß er nur einen Sinn, wie eine Auster hätte, oder nur dem Angesichte nach einen Menschen vorstellete, im Gehirn aber weniger Verstand als eine Gans besäße, denn
Gesetzt, es mangelte Markolfen im Gehirne, Was schadts, hat er doch Geld genug: Und bindet man das Geld dem Ochsen auf die Stirne, So heißt der tümmste Ochse klug.
§. 8. Ich will nunmehr allen Scherz bey Seite setzen, und eine etwas ernsthaftere Gesichtsstellung annehmen, ob ich schon weis, daß mich ein ernsthaftes Wesen eben nicht zu kleiden gewohnt ist, so will ich mir doch Gewalt anthun, und mich zwingen, eben eine solche Mine zu machen, welche ich sonst nur bey dem Bette gefährlicher Kranken anzunehmen pflege. Es ist eine Erfahrung, die in der Empfindung ihren Grund hat, daß allemal eine unangenehme Empfindung entsteht, wenn die Haare aufgekrauset, und mit dem Pappiere umwickelt werden: Denn weil die Haare unter dieser Arbeit straff angezogen werden; so muß sich nothwendig davon an der Haut des Kopfs ein Schmerz zeigen, welcher, da er durch solche Reizung das Blut mehr gegen das Haupt lockt, Anlaß zu Kopfschmerzen zu geben fähig ist. Und dieses war die Ungelegenheit, welche von dem Aufkrausen und Einwickeln der Haare ihren Ursprung nimmt.
§. 9. Laßt uns nun auch den Schaden betrachten, welcher von dem Aufbrennen der Haare verursacht wird. Alle trockene Wärme ist vermögend, denen Körpern ihre Feuchtigkeit zu rauben, und solche trockner zu machen. Wenn diese Warheit ihre Richtigkeit hat, daran wohl in Ewigkeit kein Kluger zweifeln wird; so werden auch die Haare durch das Brennen nothwendig gar zu sehr ausgetrocknet werden müssen. Ich würde in allem Ernste auf einen solchen böse werden, welcher so unverschämt seyn und mir läugnen wollte, daß die Haare keine Röhrchen wären, welches doch mit mir die ganze gelehrte Welt als eine unumstößliche Wahrheit glaubt. Da nun die Haare in der That nichts anders als Röhrchen sind, durch welche die unmerkliche Ausdünstung wegzugehen pflegt; so muß dieser heilsame Abgang der auszuführenden Feuchtigkeiten nothwendig unterdrückt werden, wenn vermöge dieses heißen Eisens die Röhrchen der Haare so gebrannt werden, daß sie ihre Höhlung verlieren müssen. Daß aber auf diese Weise die Höhlung der Haarröhrchen wirklich zernichtet werde, beweiset die Sprödigkeit und gar zu große Trockenheit der Haare mehr als zu deutlich.
§. 10. Wird nicht ein Haarröhrchen anfangen auszutrocknen, wenn es seiner innern Feuchtigkeit beraubt wird, welche ehedem seine Höhlung einnahm und ausfüllete? Wenn aber ein Haarröhrchen seine Feuchtigkeit einbüßt; so muß es aufhören ernährt zu werden: bekommt es nun keine Feuchtigkeit mehr; so muß es trocken werden, schwinden, und endlich ausfallen. Daß sich aber diese Umstände mit den Haaren wirklich so zutragen, wird uns vermöge der Erfahrung zu einer Wahrheit. Und sehen wir nicht, daß Haare, welche oft aufgebrannt worden sind, ihre ordentliche Farbe verlieren? und verschwindet denn wohl die Farbe der Haare aus einer andern Ursache, als wegen der gar zu großen Trockenheit, welche ihr bloß durch das viele und öftere Aufbrennen zuwege gebracht wird? In Wahrheit, ich sehe keine andre Ursache, als die nur angeführte ein, es wäre denn, daß ich blödsinnig genug wäre, eine noch weit wichtigere entdecken zu können. Aber wäre dieses wohl eine Unmöglichkeit? Ohne Scherz! Menschheit trage ich in meinem Busen genug dazu, und folglich könnte ich auch wohl, wie alle Adamskinder, Schwachheiten unterwürfig seyn.
§. 11. Je trockner die Haare werden, je mehr müssen sie zum Ausfallen geneigt seyn, folglich werden diejenigen Leute, welche ihre Haare öfters haben aufbrennen lassen, vor den Jahren ihrer Haare verlustig, und zu Kahlköpfen werden müssen. Denn da es in der Natur seinen Grund hat, daß nichts ohne Feuchtigkeit zu wachsen im Stande sey; so wird es ohne Widerspruch seyn müssen; daß alles verdorren müsse, was keine Nahrung mehr erhält. Es ist ohne Scherz eine nicht geringe Unbequemlichkeit, wenn man seiner Haupthaare verlustig wird. Wie wird man also den Kopf genugsam wider die Kälte und rauhe Luft sicher zu stellen vermögend seyn?
§. 12. Aber das Ausfallen der Haare ist nicht die einzige Ungelegenheit, welche von dem Aufbrennen entsteht. Habe ich nicht schon Meldung gethan, daß die innere Höhlung der Haarröhrchen durch das Brenneisen gänzlich zusammen gedrückt würde, so, daß keine Ausdünstung mehr durch diese Haarröhrchen von statten gehen kann? Wenn aber die unmerkliche Ausdünstung des Kopfs durch die Haarröhrchen gehindert wird, so wird sich diejenige Feuchtigkeit, welche sonst natürlicher Weise ausdünsten sollte, in dem Kopfe anhäufen, stocken, und alle diejenige Krankheit hervorbringen, welche ich der Reihe nach im 5ten Absatze erzählt habe, hier aber nochmals zu wiederholen vor überflüßig halte.
§. 13. Ich habe nur itzo im 10ten Absatze gesagt, daß das viele Aufbrennen den Haaren, die ihr sonst eigne Schönheit der Farbe zu verändern und zu benehmen pflege. Werden also nicht die Haare verstellt werden müssen, wenn ihnen ihre natürliche Farbe benommen wird? O! wie ungestallt werden nicht die schwarzen Haare aussehen, wenn ihre Spitzen den Augen eine fuchsrothe Farbe darstellen werden? Doch bey den Haaren, die man einpudert, kann dieser Fehler gar leichte mit dem Puder bedeckt werden. Aber wenn man seine Haare, ohne solche einzupudern, zu tragen gewohnt ist; so wird es allerdings ein unangenehmes Ansehen verursachen, wenn die Haare von zweyerley Farbe am Kopfe sichtbar werden. Es ist wahr, diese verbrannten, ausgetrockneten und mißfärbigen Haare sind zwar, an und vor sich selbst betrachtet keine Krankheit; gleichwohl aber können sie als eine entfernte Ursache zu alle denjenigen Ungelegenheiten, deren ich im 12ten und 5ten Absatze gedacht habe, Anlaß geben, und welche allesammt in der verhinderten Ausdünstung ihren Grund haben.
Das dritte Kapitel.
Von den Unbequemlichkeiten, welche von dem Einpomadiren und Einpudern der Haare des Kopfs her zu kommen pflegen.
§. 14.
Wer in seinem leben noch kein Frauenzimmer mit eingepuderten Haaren gesehen hat, der wird vermuthlich bey Erblickung eines mit Puder weiß gemachten Frauenkopfs auf die Gedanken gerathen, daß eine solche weiße Schönheit in einer Mühle gewesen seyn müßte: Ob aber das gepuderte Weibsbild in einer Wassermühle oder in einer Windmühle gewesen wäre, würde freylich noch eine unausgemachte Sache bleiben. Indessen ist es doch eine verlachenswürdige Thorheit, daß man, um seinem Kopfe eine besondere Zierde geben zu mögen, die Haare mit Mehle bestreuet, welches doch meinem Erachten nach lieber den Armen gegeben werden sollte. Doch ich werde gleichwohl mit meinem guten Rathe diese einmal eingeschlichene Mode nicht abzubringen im Stande seyn. Wird man also nicht von selbst, ohne große Schwierigkeit, den bündigen Schluß machen: daß ich die eingepuderten Frauenzimmerköpfe durchaus nicht vertragen könnte? Ich muß nur aufrichtig seyn, und es ohne Zwang gestehen, daß ich solchen Müllermäusen von ganzem Herzen gram sey, ohne eine andre Ursache als den Puder angeben zu können. Aber werden mich nicht meine Feinde deswegen verspotten, und eigensinnig nennen? Ob sie mir aber auch damit zu viel aufbürden, mögen meine Feinde selbst entscheiden, ich mag mich in dieser Sache darum nicht selber zum Richter aufwerfen, weil es meine eigne Person betrifft. Ich dächte nun bey mir selbst, daß der Eigensinn meine Leidenschaft eben nicht wäre: Es müßte denn seyn, daß ich gar zu wenige Kenntniß meiner selbst hätte, oder wohl gar für mich allzu viele Eigenliebe besäße, und dieses kann ich von mir noch viel weniger glauben.
§. 15. Ich will diese Kleinigkeit bey Seite setzen, und mir lieber meinen Vorsatz angelegener seyn lassen, das heißt: ich will lieber von den Ungelegenheiten handeln, welche sich unsre Schönen durch das Einpomadiren und Einpudern zuwege bringen, als meine unnöthige Critik über die weißgemachten Haare des Kopfs weiter fortsetzen, weil mir mein prophetischer Geist zum voraus saget, daß ich mir durch diese Beschäftigung weiter nichts als nur eitel Feindschaft auf meine Schultern laden würde. O wie leid würde es mir seyn, wenn mir die Schönen gehäßig und abgeneigt werden sollten! Ich würde nicht wissen, was ich vor Traurigkeit anfangen sollte, ja mein Leben würde mir nicht mehr lieb seyn, so ungerne als ich solches itzo einzubüßen wünsche, denn
Welches Würmchen stirbt wohl gerne?
§. 16. Die Haare werden aus keiner andern Absicht mit Pomade fett gemacht und eingesalbet, als bloß aus dieser Ursache, damit der Puder fester auf den Haaren sitzen bleiben soll, und der Wind den Puder nicht so bald aus den Haaren jagen könne. Es sey ferne von mir, daß ich so unhöflich seyn, und es leugnen sollte, daß das artigste Geschlecht auch aus Nebenabsichten die Haare zu salben gewohnt sey. O ich weis es gar zu wohl, daß man die Pomade wohlriechend zu machen suche. Es ist mir bekannt, daß man solche mit Rosenwasser auszuwaschen, und mit Rhodiseröle und andern wohlriechenden Oelen angenehm zu machen pflege, um, damit die Schönen ihren Lieblingen eine Nasenweide durch einen angenehmen Geruch machen können. Ich wollte flugs eine Wette setzen, daß ein von Wein und Liebe taumelnder Anakreon seiner wohlriechenden Phyllis zu Gefallen alle seinen Witz anwenden und singen würde:
Weg Schnupftaback, weg Dose! Nur der Geruch der Rose Soll meine Nas' erfreun: Wenn ich bey meinem Kinde Den Duft der Nas' empfinde, Möcht ich ein Naso seyn.
Ey wie sinnreich ist der Dichter! er wünscht eine große Nase zu haben, um recht viel riechen zu mögen. Oder steht vielleicht gar Anakreon in den Gedanken, daß eine große Nase eine ganz besondere und reizende Schönheit sey, vermöge der man sich bey den Frauenspersonen annehmlich und recht beliebt zu machen fähig würde:
Allein, mein Herr, sie irren sich.
§. 17. Ich muß es nur immer heraus sagen, denn ich kann es ohnmöglich länger auf meinem Herzen behalten, daß das sogenannte Einsalben der Haare mit Pomade nur gar zu geschickt sey, den Frauenzimmern verschiedene Unbequemlichkeiten zuzufügen. Alle Aerzte stimmen mit mir darinnen einmüthig überein, daß Fettigkeiten, wenn sie auf die Haut eines lebendigen Körpers gesalbet werden, die Schweißlöcher zu verstopfen mächtig genug sind. Wenn nun dieses eine Wahrheit ist, daran ich im mindesten nicht zweifle; so wird auch ganz gewiß die unmerkliche Ausdünstung des Kopfs durch die Einpomadirung Schaden leiden, und folglich werden lauter solche Krankheiten hervorgebracht werden müssen, welche ihr Daseyn einzig und allein der verhinderten Ausdünstung schuldig sind, davon im 12ten u. 5ten Absatze nachgesehen werden kann.
§. 18. Aber ich kann die Schönen aufrichtig versichern, daß der Schade immer größer und ärger zu werden pflege, wenn der Puder darzu kommt. Denn die Verstopfung der Schweißlöcher wird dadurch viel stärker, und folglich werden auch die hiervon entstandenen Krankheiten weit hartnäckigter seyn. Man nehme nur Fett und ein zartes Mehl, wie der Puder ist, und vermische solches mit einander, streiche es hernach auf die Haut eines belebten Körpers, und lasse es eine Zeit lang auf derselben liegen, so wird man sehen, daß vermöge der natürlichen Wärme eine ordentliche Rinde erzeugt werden wird, dergleichen man auf den Köpfen solcher Personen anzutreffen pflegt, welche ihre Haare gepudert zu tragen gewohnt sind. Diese Rinde verstopft nicht nur die Schweißlöcher der Haut des Kopfs, und bringt alle diejenigen Ungelegenheiten zum Vorschein, derer ich im 17ten 12ten u. 5ten Abschnitte Meldung gethan habe, sondern sie verursacht auch auf den Kopfe Schuppen, welche mit einem verdrießlichen Jucken und Grimmen den Kopf beunruhigen. Ja diese von Pomade und Puder zusammengesetzte Rinde ist eine rechte Freystadt derjenigen vielfüßigen Thierchen, welche man Läuse nennt. Diese Schuppen so wohl, als diese kleinen Thierchen machen durch das beschwerliche Jucken und Grimmen, daß man sich durch ein beständiges Kratzen davon zu befreyen sucht, aber damit gleichwohl nichts, als nur eine kleine Linderung erlangt. Durch dieses beständige Kratzen nun wird die Haut des Kopfs wund gemacht, daher viele garstige Grinde auf dem Kopfe entstehen, welche meistentheils einen stinkenden Geruch von sich geben, so, daß man vor solchen Leuten natürlicher Weise einen Abscheu bekommen muß. Sehen sie nun, was das Einpomadiren und Einpudern der Haare vor Ungelegenheiten nach sich zu ziehen im Stande ist?
§. 19. Bald hätte ich noch etwas vergessen. Der Puder und die Pomade benehmen auch den Haaren ihre natürliche Farbe, und verändern selbige nur gar zu sehr. Ich habe Leute gesehen, an deren Köpfen man wohl zehn Farben von Haaren wahrnehmen konnte, zumal, wenn sie ihre Haare nicht eingepudert hatten. Daß aber diese Vielfärbigkeit der Haare von dem Puder herrühren müsse, ist eine Möglichkeit. Bernhard Ramazzin behauptet im 23sten Kapitel seines Buches von den Krankheiten der Künstler, daß die weiße Stärke eine Säure und Schärfe bey sich führete, welche fähig wäre, die Leinwand zu zerfressen. Da nun der Puder aus weißer Stärke gemacht wird; so kann man die Mißfarbe der Haare dem Puder mit gutem Fug und Rechte zuschreiben. Ich hätte fast Lust, es selbst zu glauben, daß der Puder vermöge seiner Schärfe den Haaren die natürliche Farbe raubete, und ihnen viele andre Farben zuwege brächte. Ja ich wollte wohl gar schwören, daß der Puder die Haare wegfressen und ausfallend machen könnte. Alles dieses kann um desto eher geschehen, wenn dem Puder Gips beygemischt worden ist. Daß aber solche Haare eher ausfallen, welche gepudert werden, als andre, welche nicht mit Puder überstreut worden sind, ist eine Wahrheit, für welche ich selbst zum Märtyrer zu werden, mir kein Bedenken machen würde, wenn es die Nothwendigkeit der Sache erforderte: da aber diese Wahrheit ohnedem gewiß ist; so habe ich nicht Ursache, mich in diese Lebensgefahr zu begeben. Es wird also solchen Frauenspersonen eben so ergehen, wie denen, deren ich im 11 und 12ten Abschnitte gedacht habe, und welche ihre Haare oft aufbrennen lassen.