Samoafahrten

Part 4

Chapter 43,404 wordsPublic domain

Hinsichtlich des übrigen Ausputzes der hiesigen Papuas ist wenig zu bemerken, da sie im ganzen arm zu sein scheinen. Armbänder, aus einer Art Gras oder Liane (Lynosia) geflochten, Sagiu, zieren wie überall den Oberarm bei beiden Geschlechtern; die Männer tragen zuweilen noch ähnliche Bänder fest unter dem Kniee umgeflochten. Diese Arm- und Kniebänder sind zuweilen hübsch mit kleinen Kaurimuscheln (vergl. Atlas XX. 4) verziert, wie Muscheln hauptsächlich zu Schmuck- und Zieraten verwendet werden. So namentlich die zu Scheiben geschliffenen Basisteile der Conusmuscheln, aus denen man Halsketten verfertigt. Weit wertvoller sind Hundezähne, die überhaupt bei allen melanesischen Stämmen als Material zu Schmuck eine so hervorragende Stelle einnehmen und bereits bei unseren Vorfahren gleichen Zwecken dienten. Die Weiber müssen sich gewöhnlich mit ein paar Hundezähnen als Zierat der Ohren begnügen, während die Männer breite Ringe aus Schildpatt (Atlas XVII. 4) tragen, wie außerdem eine Menge anderer Dinge. Aber bei allen Naturvölkern schmückt sich das männliche Geschlecht eben weit mehr als das weibliche. Tätowierung, die, da wo sie Sitte ist, vorherrschend den Körper des Weibes verziert, ist hier, wie an der ganzen Küste unbekannt. Dagegen bemerkte ich zuweilen, und zwar an beiden Geschlechtern, Ziernarben, die, wie in den Gilberts-Inseln und anderswo, durch kleine Brandwunden hervorgebracht werden. Kämme (Atlas XVII. 1) dienen nur dem Haare des Mannes als Schmuck und werden von den Frauen nicht getragen. Wie erwähnt, benutzt man diese Kämme (Gatiassem) übrigens nicht zum Kämmen, sondern zum Aufzausen der Haare, als Kopfkratzer und gelegentlich als -- Gabel, an welche das schmale, langzinkige Instrument am meisten erinnert. -- Der kostbarste Brustschmuck der Männer besteht aus Eberhauern (Atlas XXI. 2), während die Frauen mit einer Eiermuschel (Ovula ovum) zufrieden sind. Aber für gewöhnlich sieht man außer den erwähnten Armbändern wenig Zieraten bei der hiesigen Bevölkerung, dagegen scheinen kleinere oder größere Beutel, zierlich aus festem Bindfaden in Filetmanier gestrickt, unzertrennliche Begleiter. Die Männer tragen kleine, dicht gestrickte Brustbeutel, Jambi, in welchen sie meist Tabak, Talismane, Betelnüsse und sonstige Kleinigkeiten verwahren, und größere, Gumbutu, auf der Schulter, die für die Kalkbüchse (Atlas V. 1) zum Betel, Löffel, Betelnußbrecher aus Knochen (Atl. V. 7), Muscheln zum Schneiden und Schaben (Atl. V. 8) dienen, Requisiten, welche jeder Papua als unentbehrlich stets bei sich trägt. Die Beutel der Weiber, Nangeli-Gun, sind viel größer, sackartig und werden an einem Tragbande auf dem Vorderkopfe getragen, wie dies die Papuafrauen meist thun. Sie sind diese Methode schon von so früher Jugend an gewöhnt, daß sie ohne Mühe beträchtliche Lasten aufladen. Denn nur die Weiber sind es, denen der Transport der Feldfrüchte von den Pflanzungen nach dem Dorfe obliegt, die Wasser und Holz herbeitragen, wie sie außerdem in kleineren Beuteln noch häufig Säuglinge, sowie junge Hunde und Schweinchen mit umherschleppen.

Nach dieser Bekanntschaft mit der äußeren Erscheinung der Papuas im allgemeinen und der hiesigen im besonderen, wollen wir uns nach Bongu zurückwenden, um auch Siedelungen und Häuser kennen zu lernen. Wie fast alle Papuadörfer in Neu-Guinea, verteilen sich die etwa 30 Häuser unregelmäßig über einen freien Platz, der unmittelbar vom Urwald eingeschlossen ist. Bei den Häusern stehen spärliche Kokospalmen, sowie einige Bananen, Zierpflanzen und Cayennepfeffersträucher (jau). Gewöhnlich teilen sich die Dörfer in mehrere Häusergruppen, die durch schmale Pfade durch den Urwald miteinander verbunden sind und eigene Namen haben. Die Plantagen, auf welche ich später zurückkommen werde, sind oft in beträchtlicher Entfernung von den Siedelungen angelegt. Was die Häuser in Bongu selbst anbetrifft, so unterscheiden sie sich im Baustil von den meisten Papuahäusern dadurch, daß sie auf dem Erdboden stehen, daher richtiger als Hütten zu bezeichnen sind. Sie bestehen, wie die Abbildung zeigt, im wesentlichen aus einem seitlich etwas gerundeten, breiten stumpfwinkeligen Dache, mit gerader Firste, das bis zum Erdboden herabreicht. An der vorderen Giebelseite befindet sich die kleine Thür, die zuweilen überdacht und mit einer schmalen Plattform versehen ist. Da die Häuser hauptsächlich nur zum Aufenthalt während der Nacht sowie bei schlechtem Wetter dienen, ist die innere Einrichtung sehr einfach. Ein paar Bänke aus gespaltenem Bambus, Barla genannt, dienen als Schlafstätten der Männer sowie zur Aufnahme des wenigen Hausrates (Töpfe, hölzerne Schüsseln), Lebensmitteln u. s. w. An den Dachbalken hängen gewöhnlich Körbe und Bündel, welche, in Blätter eingepackt, feinere Sachen (z. B. Federschmuck) enthalten. Zum besseren Schutz gegen Mäuse, sind oft Horden darüber errichtet, namentlich auch für Speisen. In der Mitte des Hauses befindet sich die Feuerstätte, weniger zum Kochen, was meist im Freien geschieht, als um überhaupt Feuer zu erhalten. Denn sonderbarerweise scheinen die hiesigen Eingeborenen kein Mittel zu besitzen, um Feuer zu erzeugen. In den Hütten werden daher stets glimmende Kohlen eines sehr langsam brennenden Holzes erhalten, so daß in einem Papuadorfe das Feuer nie ausgeht. Sollte es dennoch geschehen, so holen die hiesigen Küstenbewohner aus den Bergdörfern Feuer, deren Bewohner die Kunst, Feuer zu machen, verstehen. Bei dem sorglosen Umgehen mit Feuer muß man sich nur wundern, daß nicht alle Augenblicke die so leicht entzündbaren Häuser in Flammen aufgehen, aber merkwürdigerweise scheinen Brandunglücke im ganzen selten zu sein.

Freund Sa-ul hatte uns am Eingang des Dorfes begrüßt und geleitete uns mit den übrigen Männern nach der Barla (vergl. Abbild. S. 46), einem großen, auf vier Pfählen ruhenden Gerüst, ähnlich einem großen Tisch, das in keinem dieser Dörfer, ja fast vor keinem Hause, fehlt. Die Barla bildet den beliebten Ruhe- und zugleich Eßplatz der Männer, die hier, unbehelligt von den zudringlichen Schweinen, ihre Mahlzeiten und darauf ihr Schläfchen halten. Frauen dürfen die Barla nicht benutzen, sondern höchstens unter derselben hocken. Wie die meisten Papuadörfer, besitzt Bongu auch ein Versammlungshaus, hier Buambrambra genannt, das als Schlafstätte für die unverheirateten Männer, wie als Empfangshaus fremder Gäste dient. Dieses Gebäude, in der Form der gewöhnlichen Häuser, aber viel größer und an beiden Giebelseiten offen, schien erst seit kurzem fertig geworden zu sein. Außer einigen Unterkiefern von Schweinen, zur Erinnerung an Festlichkeiten, und einigen Eierschalen (von Megapodien), enthielt es keinerlei Ausputz, aber einige Barum waren hier untergebracht. So heißen die großen Holztrommeln (vergl. Atl. XIII 1.), welche dickwandigen Trögen ähneln und, mit einem dicken Knüppel geschlagen, als Signalinstrumente dienen. Ihr dumpfer Ton ist, namentlich in der Stille der Nacht weit, oft mehrere Meilen (engl.), hörbar und teilt alle Begebenheiten den Nachbardörfern mit, die an der Art der Schläge sogleich erkennen, ob es sich um einen Angriff, einen Todesfall oder eine Festlichkeit handelt. Die Samoa hat später gar oft das Barum in Thätigkeit gesetzt, wie unsere Ankunft ebenso durch Rauchsäulen, in der Nacht durch Feuer signalisiert wurde.

An dem soeben erwähnten Buambrambra war übrigens keinerlei Verzierung in Holzschnitzerei angebracht, aber ich entdeckte bei meinem Durchstöbern der Hütten zufällig ein hervorragendes Werk des Kunstfleißes in Holzbildnerei, einen sogenannten Telum oder Tselum. So heißen hier besondere, meist aus Holz gefertigte Figuren, die in der Regel einen Menschen darstellen. Ich sah in Bongu übrigens auch kleine, aus einer erdigen aber festen Masse geschnitzte Telum. Das erwähnte Holzbildnis verdiente schon wegen seiner Größe Bewunderung, denn es war an 8 Fuß hoch und aus einem Stück Holz geschnitzt, soweit sich dieser Ausdruck für die Steinzeit anwenden läßt, die ja keine Messer, also auch nicht eigentliches Schnitzen kennt. Diese Kolossalfigur, von der die Abbildung (S. 49) eine getreue Vorstellung giebt, wurde »Telum Mul« genannt. Sie repräsentierte einen Papua, dessen Kopf allein über die Hälfte der ganzen Länge einnahm, aber trotz den groben Fehlern in den Proportionen doch ein Kunstwerk ersten Ranges und eine Leistung, welche dem Alter der Steinzeit zur höchsten Ehre gereicht. Man staunt, unter voller Berücksichtigung der primitiven Werkzeuge, nicht nur über den Fleiß und die Ausdauer, sondern fast noch mehr über den idealen Zug im Geiste des Papua, welcher selbst vor einer solchen Riesenarbeit nicht zurückschreckte. Denn ohne Zweifel waren es geistige Interessen, welche die sonst so lässigen Menschen zur Verkörperung einer Idee begeisterte, die keinen praktischen Hintergrund hat. Missionäre, welche in den unschuldigsten bildlichen Darstellungen meist Zeichen des Heidentums erblicken, würden eine solche wie hier jedenfalls als einen besonders schrecklichen Götzen deuten, dessen Vernichtung als Gott wohlgefällig betrachten. Aber ohne Zweifel haben die Telums nichts mit Religion, wohl aber mit Geschichte der Papuas zu thun, da sie ähnlich wie unsere Denkmäler berühmte Personen, Ahnen, darstellen und somit nur für die Wissenschaft von höchster Bedeutung sind. Wer es verstünde die Geschichte dieser Telums zu ergründen, von denen es in den Dörfern von Astrolabe-Bai eine ganze Menge giebt, die alle durch Eigennamen unterschieden werden, würde möglicherweise Aufschluß über die Herkunft des Volkes oder Stammes geben können. Aber wahrscheinlich ist die Geschichte vieler Telums bei der jetzt lebenden Bevölkerung bereits verloren gegangen, denn manche scheinen sehr alt zu sein. Auch der Telum-Mul hatte wahrscheinlich schon Generationen gesehen und nur dem festen, den weißen Ameisen widerstehenden Holze seine Erhaltung zu danken. Die gegenwärtige Generation sorgte übrigens schlecht für ihn, denn er war in einer fast verfallenen Hütte untergebracht, in welcher sich nur noch wenig altes Gerümpel befand, darunter ein paar alte Blechgefäße und Fäßchen, die noch von Maclay herrührten. Unter dem Gerümpel befand sich übrigens noch ein sehr interessanter, an 12 Fuß langer Balken mit kunstvollem Schnitzwerk, der am Boden lag und so mit Schmutz und Staub bedeckt war, daß ich ihn in dem ohnehin dunklen Räume erst nach geraumer Zeit entdeckte. Jedenfalls diente der Telum nicht als »Götze« der öffentlichen Verehrung, und der Umstand, daß die Bevölkerung ihn so sehr vernachlässigte, deutete das geringe Interesse überhaupt an. Meine Bemühungen, diesen Schatz für das Berliner Museum zu erstehen, scheiterten an der Uneinigkeit der Männer. Denn ohne Zweifel war der Telum Mul Gemeindeeigentum nicht nur von Bongu, sondern die Männer von Korendu und Gumbu hatten ebenfalls mitzubeschließen.

Wir werden für die Folge mehr solcher wunderbaren Erzeugnisse des Kunstfleißes der Papua kennen lernen, die meist auf Ahnen zurückzuführen sind und höchstens mit einem gewissen »Tabu«, aber nichts mit Religion zu thun haben. Dies gilt auch in Bezug auf die Beschneidung, welche bei der Bevölkerung von Astrolabe-Bai herrscht und selbstredend keinerlei Beziehungen zum Rituale des Judentums hat, da sich diese Sitte ja auch anderwärts bei Naturvölkern findet.

Die Bewohner von Bongu, wie Astrolabe-Bai überhaupt, lebten übrigens bei unserem Dortsein noch völlig im Alter der Steinzeit, denn das von Maclay zuerst hierhergebrachte Eisen hatte in keiner Weise Veränderungen hervorgerufen. Im ganzen war auch blutwenig von Gerätschaften zu sehen, welche der russische Reisende hier zurückließ. Einige alte Stemm- und Hobeleisen, Blechgefäße, russische Uniformknöpfe sowie wenig Glasperlen blieb alles, was wir bemerkten, obwohl uns die Eingeborenen auf jedes Stück mit dem Ausruf »Maclay« aufmerksam machten.

Auch eine Nangeli (Frau) oder Kringa (Mädchen) »Maclay«, wurde uns gezeigt, ein kleines, pockennarbiges Frauenzimmer von ca. 16 Jahren, bei welchem Maclay jedenfalls Pate gestanden, d. h. ihr als Kind den Namen gegeben hatte, eine Gunst, um welche die Eingeborenen den Reisenden öfters ersuchten. Was unsere Aufmerksamkeit übrigens am meisten erregte, war etwas, das wir hier am allerwenigsten erwartet haben würden, nämlich etwas Lebendes in Gestalt von Rindvieh! Ein Bulle und eine Kuh der indischen Zeburasse glotzten uns erstaunt über den fremden Besuch eine Weile an und nahmen dann Reißaus. Miklucho-Maclay hatte diese Tiere im Jahre 1883 an Bord des russischen Kriegsschiffes »Skobeleff« hierhergebracht und den Eingeborenen geschenkt. Auf der Reise nach Sydney begriffen, traf er dieses Kriegsschiff zufällig in Batavia und ließ sich trotz der späten Stunde beim Kommandanten, einem Admiral, melden. Derselbe war auch gleich bereit, einen Abstecher nach Neu-Guinea zu machen, und brachte seinen gelehrten Landsmann, noch in den Admiralitätsinseln und Palau vorsprechend, nach Luçon, von wo das Kriegsschiff die Reise nach dem Amur fortsetzte. Die bei dieser Gelegenheit eingeführten Ziegen waren spurlos verschwunden; das Rindvieh aber für die Eingeborenen ein rechtes Danaergeschenk. Bekanntlich sind Wildschweine und Kängurus die größten Vierfüßler, welche Neu-Guinea aufweist, und diese machen schon die Umzäunung der Plantagen notwendig, den Eingeborenen also Mühe und Last genug. Aber diese Zäune erweisen sich Rindern gegenüber natürlich als unzureichend, und so haben die Tiere nur die Arbeitslast der Eingeborenen Bongus vermehrt, ohne ihnen irgend welchen Nutzen zu bringen. Denn was sollen Vegetarianer mit Haustieren anfangen, deren Pflege sie nicht verstehen und deren Verwertung ihren Bedürfnissen nicht entspricht! Menschen, die in erster Linie und fast ausschließend von dem Ertrage ihrer Plantagen leben, also Ackerbauer sind, können sich nicht mit einemmale zu einem Hirtenvolke aufschwingen. Die einzigen Haustiere, welche von den Eingeborenen hier, wie überhaupt, gehalten resp. gezüchtet werden, sind Schweine und Hunde. Die ersteren, in der Bongusprache »Bul-bul« genannt, sind Abkömmlinge der Wildschweine, von welchen Neu-Guinea zwei eigentümliche Arten besitzt: Sus papuensis und Sus niger. Erstere Art (unten linke Figur) kennen wir nur nach der ungenügenden Darstellung Lessons. Sie ist rostbräunlich gefärbt, an der Unterkinnlade, Brust, Bauch, Innenseite der Beine und Fesseln weißfahl, an Schnauze und ums Auge schwärzlich; die Jungen sind ähnlich wie Frischlinge unseres Wildschweines braun und rostgelb längsgestreift. Die zweite von mir (Proc. Zool. Soc. London 1886 S. 217) beschriebene Art (oben rechte Figur) zeichnet sich, auch in der Jugend, durch die einfarbig schwärzliche Färbung aus. Beide Arten werden im Alter gewaltige Tiere mit mächtigen Hauern, die bei den Papuas als Schmuck sehr geschätzt sind. Die beigegebene Abbildung wurde nach den lebenden Exemplaren gezeichnet, welche ich für den Zoologischen Garten in Berlin mitbrachte, bisher die ersten, welche Europa erreichten, und stellen Tiere in noch jugendlichem Alter dar. Ferkel sind nebst jungen Hunden die erklärten Lieblinge der papuanischen Damenwelt, und ich sah nicht selten Frauen außer ihrem Kinde noch ein kleines Schweinchen säugen. Die Tierchen werden daher auch bewundernswert zahm, folgen, sofern sie nicht im Tragbeutel mitgeschleppt werden, ihren Pflegerinnen auf Tritt und Schritt, und eine Papuafrau würde sich von ihrem Lieblinge ebensowenig trennen, als eine Dame von ihrem Schoßhündchen.

Die Abstammung des Papuahundes bleibt auf einer Insel, wo kein einziges Raubtier vorkommt, ein Rätsel, dessen Lösung innigst mit der Herkunft des hier lebenden Menschen zusammenhängt, eine Frage, welche eine viel größere Bedeutsamkeit hat, als es vielen scheinen dürfte. Auf Grund des Vorhandenseins von Hunden als Haustier hat die Annahme Berechtigung, daß die Papuas überhaupt ein eingewandertes Volk sind. Über das »Woher?« will ich hier indes weiter keine Betrachtungen aufstellen. Der Papuahund, in Bongu »Ssa« genannt, gehört übrigens jener eigentümlichen Rasse an, wie sie sich allenthalben in Neu-Guinea findet, und die sich am meisten mit einem kleinen Dingo vergleichen läßt. Er ist glatthaarig, von kleiner unansehnlicher Statur, hat einen fuchsähnlichen Kopf, aber mit stumpfer Schnauze und aufrechtstehenden, spitzgerundeten Ohren. Der Schwanz ist stark nach links gedreht, wird aber beim Anblick eines Fremden aus Furchtsamkeit meist hängend getragen. Die Färbung variiert außerordentlich, und schon hieraus spricht die lange Domestikation am deutlichsten. Im allgemeinen herrscht eine rostfahle Färbung vor, mit weißer Schnauze, Stirnmitte, Kehle, Bauch und Schwanzspitze, aber es giebt auch dunkelbraune Exemplare, solche mit weißem Kopfe und schwarzgefleckte, kurzum nicht zwei Exemplare sind völlig gleich. Die Abbildung ist nach einem jungen Exemplare gezeichnet. Eine besondere Eigentümlichkeit des Papuahundes ist, daß er nicht bellt, sondern nur heult, aber ich hörte die Hunde in Astrolabe-Bai nicht jene regelmäßigen Heulkonzerte aufführen, bei dem sich alle Hunde vereinigen, und welche nicht gerade zu den Annehmlichkeiten von Port Moresby gehören. Der Papuahund ist übrigens von scheuem, feigen Wesen, sehr diebisch und schon wegen seiner geringen Größe nicht zur Jagd geeignet, wie er kein guter Wächter ist. Gewöhnlich pflegen sich bei Annäherung von Fremden die Hunde des Dorfes lautlos wegzuschleichen. »Wie der Hund, so der Herr« gilt auch für Neu-Guinea, insofern als beide keine Jäger, wohl aber Vegetarianer sind. Wie sein Herr nährt sich der Papuahund vorzugsweise von Pflanzenstoffen, frißt z. B. mit Vorliebe Kokosnuß, und sein bei den Papuas so sehr beliebtes Fleisch mag infolge dessen wohl nicht übel schmecken. Man hält den Hund eben des Essens wegen. Hunde und Schweine werden übrigens nur bei Festen aufgetischt, welche die Papua sehr lieben und mit großer Beharrlichkeit, oft mehrere Tage lang, feiern. Da wird gar manchem Borstentiere der Garaus gemacht und die Festteilnehmer bringen oft von weither ihren Anteil zu dem Picknick herbeigeschleppt. Wie die Abbildung zeigt, wird dabei mit den Schweinen nicht gerade glimpflich und im Sinne unserer Tierschutzvereine verfahren, aber jedenfalls ist die Befestigung mit Lianen praktisch. Ländlich, sittlich! Transportieren doch, was weit empörender ist, die Neu-Irländer oder jetzigen Neu-Mecklenburger ihre Kriegsgefangenen, wie Schulle auf Nusa mit eigenen Augen sah, in derselben brutalen Weise und zu der gleichen Bestimmung des Aufessens!

Wie die Abstammung und Herkunft des Hundes, so ist die des Haushuhnes eine noch ungelöste Frage, die nur wie jene erklärt werden kann. Hühner sind an dieser Küste, wie in Neu-Guinea überhaupt, nicht Haustiere im Sinne der unseren, werden auch nicht des Fleisches und der Eier, sondern hauptsächlich, übrigens immer in sehr beschränkter Anzahl, der Federn wegen gehalten. Hahnenfedern, namentlich weiße, sind nämlich ein beliebter Kopfputz der Malassi oder jungen Leute. In manchen Dörfern sah ich an Geflügel nur ein paar weiße Hähne (Kakaru). In der Färbung neigen sie häufig zu Albinismus, während die meist im Walde versteckt lebenden Hennen (Tutu) mehr dem wilden Bankivahuhn ähneln. Ich will hier noch bemerken, daß das Halten von Vögeln bei den hiesigen Papuas, wie an der ganzen Nordostküste, nur ausnahmsweise vorkommt. Es überraschte mich dies, weil an der Südostküste zahme Papageien (Eclectus) und Kakadus, schon der Federn wegen, fast in jedem Dorfe gehalten werden.

Auf unseren Ausflügen lernten wir auch die Plantagen der Eingeborenen kennen, die, wie erwähnt und wie dies fast überall in Neu-Guinea und Melanesien überhaupt der Fall ist, weit von den Dörfern, meist an Berghängen oder mitten im Urwalde angelegt sind. Die Urbarmachung eines oft mehrere Hektaren großen Stück Landes ist für Menschen, die noch in der Steinperiode leben, gewiß eine höchst mühevolle und gewaltige Arbeit, nicht minder die Einzäunung desselben. Soviel das Feuer auch hilft, einen Urwald kann es nicht vernichten, und so bleibt noch viel Arbeit für die Steinäxte der Männer übrig, welche die kleineren Bäume umhauen, von den großen, zum Teil von Feuer gefällten, die Äste abhacken, so daß nur die Stämme übrig bleiben, die dem Klima nicht allzulange Widerstand leisten. Wie bei der groben Arbeit des Umhauens und eigentlichen Urbarmachens, so vereinigen sich sämtliche Dorfbewohner beim Bau der Einzäunung. Sie wird in dem hiesigen Distrikte aus etwa mannshohen Stäben des wilden Zuckerrohres gefertigt, die durch ihr späteres teilweises Ausschlagen der Wurzeln dem Ganzen besondere Festigkeit verleihen. Thore oder Thüren sind aus Rücksicht auf das Eindringen der wilden Schweine nicht freigelassen, aber gewisse Vorrichtungen zum leichteren Überklettern angebracht. Das von der Einfriedigung umschlossene Land ist nach Größe der Familien verteilt, deren weibliche Glieder die Bearbeitung zu besorgen haben. Das eigentliche Umgraben, wozu man sich nur eines spitzen Stockes, Udja (Udscha) bedient, geschieht durch die Männer, die feinere Bearbeitung des Bodens durch die Weiber, die dazu eine Art schmaler Schaufeln (Udja-sab) benutzen. Ich fand in den Plantagen dieselbe musterhafte Wirtschaft, wie ich sie schon von der Südküste Neu-Guineas und aus Neu-Britannien kannte. Das Erdreich sah, sorgfältig aufgelockert, wie gesiebt aus. Die Ranken des Jams wanden sich an regelmäßig eingesteckten Stangen, zwischen denen andere Pflanzen wuchsen, wie in einem Hopfenfelde empor. Es war jetzt gerade die Zeit der Jamsreife, da der Landbau der Papuas eine Reihe von Feldfrüchten in abwechselnder Aufeinanderfolge zeitigt. Das Hauptnahrungsmittel bildet übrigens der am meisten beliebte Taro, »Bau« (Collocasia), von März bis August, demnächst Jams, »Ajan« (Diascorea), von August bis November. Außerdem werden noch süße Kartoffeln, »Degargol« (Convulvulus), Zuckerrohr, »Den«, Bananen, »Moga«, eine Art kleiner Bohnen, »Mogar« und Tabak »Kas« kultiviert. Ein ebenfalls nur infolge von Kultur vorhandener Nutzbaum ist die Kokospalme, die in ganz Astrolabe-Bai spärlich vorhanden, besonders in diesem Teile rar ist und manchen Dörfern z. B. Gumbu ganz fehlt. Kokosnüsse, »Munki« sowie Sago »Bom« haben daher für dieses Gebiet nur untergeordnete Bedeutung, während sie in anderen mit zu den Hauptnährmitteln gehören. Damit sind ungefähr alle Kulturpflanzen der Papuas in ganz Neu-Guinea, wie Melanesien überhaupt, genannt, und ich werde hierüber, wie über Bodenbearbeitung selbst wenig mehr zu sagen haben, da sich dieselbe im wesentlichen überall gleich bleibt.

Man ersieht aus dem Vorhergehenden, daß die so oft gepriesenen Tropen nicht dem Garten Edens zu vergleichen sind, in welchem der Mensch ohne alle Mühe und Sorge herrlich und in Freuden lebt, sondern daß er sich überall im Kampfe ums Dasein bemühen und quälen muß. Selbst diejenigen vereinzelten Menschenstämme, welche, wie z. B. die Australier, gar keinen Anbau kennen, und lediglich auf die Erzeugnisse der Natur angewiesen sind, müssen sich ihren Lebensunterhalt mühselig erwerben und werden, wie schon ihr Äußeres zeigt, nicht fett dabei.

Für die Papuas liegt übrigens schon in der Bodenbearbeitung ein charakteristischer Zug der ganzen Rasse, durch welche sie die höhere Stufe ihrer Gesittung so vorteilhaft bekundet, und die weder durch Nacktheit noch Kannibalismus gewisser Stämme abgeschwächt werden kann. Letztere beiden Übel sind ja nur in unseren Augen solche, in Wirklichkeit aber durch Usus überkommene Gewohnheiten unabhängig von Gesittung wie Moral.