Sämmtliche Werke 6: Arabesken, Prosaschriften, Rom

Part 34

Chapter 343,491 wordsPublic domain

»Da bin ich, _eccellenza_. Da bin ich!« sagte Peppe, indem er die Mütze abnahm. Man merkte es ihm an, daß er schon etwas vom Karneval abgekriegt hatte. Er war auf einer Seite mit einer Ladung Mehl bedacht worden: der ganze Rücken und eine Seite waren ganz weiß, der Hut war eingekeilt und das ganze Gesicht mit weißen Tupfen bedeckt. Peppe war schon deswegen merkwürdig, weil er sein ganzes Leben lang den Diminutivnamen Peppe getragen hatte. Er hatte sich durchaus nicht bis zum Giuseppe aufschwingen können, obwohl er bereits grau zu werden begann. Er stammte sogar aus einer guten und wohlhabenden Kaufmannsfamilie, aber er hatte sein letztes Häuschen in einem Prozeß verloren. Schon sein Vater, ein Mensch von derselben Gattung wie Peppe, trotzdem er _sior_ Giovanni genannt wurde, hatte sein ganzes Vermögen aufgezehrt, und nun fristete Peppe gleich vielen andern notdürftig sein Leben, so wie es gerade kam: bald nahm er Dienste bei einem Ausländer, bald spielte er den Boten bei einem Rechtsanwalt, bald brachte er einem Künstler das Atelier in Ordnung, bald wieder diente er als Wächter in einem Weinberg oder in einer Villa und je nach dem Amt, das er bekleidete, wechselte er auch beständig sein Kostüm. Mitunter begegnete man Peppe in einem weiten Rock und einem runden Hut auf der Straße, bald wieder in einem engen Kaftan, der an zwei drei Stellen geplatzt war, und so enge Ärmel hatte, daß Peppes lange Arme wie zwei Besenstiele aus ihnen hervorguckten, zuweilen aber erschien er in einem ganz undefinierbaren Kostüm, wobei er die einzelnen Kleidungsstücke noch nicht einmal richtig angezogen hatte: mitunter konnte man fast glauben, er habe die Jacke an Stelle der Hosen angezogen und sie hinten, so gut es eben ging, zugebunden. Er war stets zu allen möglichen Diensten bereit und übernahm allerlei Aufträge, häufig sogar, ohne daß dabei etwas für ihn abfiel. Er lief hin und verkaufte für die in seiner Straße wohnenden Damen allerhand alten Plunder: in Pergament gebundene Bücher eines verarmten Abbés oder Antiquars oder das Gemälde eines Künstlers; er ging morgens zu den Abbés und nahm ihre Hosen und Schuhe, um sie zu putzen, mit sich nach Hause, wobei er es dann meist vergaß, sie zur rechten Zeit wieder zurückzubringen, bloß aus dem übereifrigen Wunsch, sich irgendeinem Dritten gefällig zu erweisen, und die Abbés hatten dann den ganzen Tag über Zimmerarrest, da sie ja nicht ohne Hosen und Stiefel ausgehen konnten. Oft fiel ihm eine beträchtliche Geldsumme zu. Aber er verfügte über sie nach römischer Art, d. h. schon am folgenden Tage war fast nichts mehr davon übrig, und dies nicht etwa deshalb, weil er das Geld für sich verbrauchte oder verschwendete, sondern weil er alles in der Lotterie verspielte, für die er eine große Leidenschaft besaß. Es gab kaum eine Nummer, mit der er es nicht schon versucht hatte. Jede unbedeutende, ganz alltägliche Begebenheit erhielt für ihn eine große Bedeutung. Wenn es sich einmal ereignete, daß er irgendeinen Plunder auf der Straße fand, so sah er gleich in seinem Wahrsagebuch nach, unter welcher Nummer er dort verzeichnet stand, um sich sofort das entsprechende Lotteriebillett zu besorgen. Einmal träumte er, daß der Satan, -- den er ohnedies aus einem unbekannten Grunde jedesmal zu Beginn des Frühlings im Traume sah -- daß ihn der Satan bei der Nase gepackt hielt und über die Dächer sämtlicher Häuser schleifte, von der St. Ignatiuskirche, über den ganzen Corso durch die Tre Ladronigasse bis nach der Via della Stamperia, bis er endlich auf der Treppe der Trinita haltmachte und sagte: »Das hast du dafür, daß du zum heiligen Pankratius gebetet hast, Peppe! Deine Nummer wird nicht gewinnen.« Dieser Traum machte in der ganzen Straße großes Aufsehen, und besonders _siora_ Cecilia und _siora_ Susanna regten sich sehr über ihn auf; aber Peppe deutete ihn in seiner Weise: er holte sofort sein Wahrsagebuch und fand hier, daß der Teufel 13, die Nase 24 und der heilige Pankratius 30 bedeutet, und kaufte sich noch am selbigen Morgen alle drei Nummern. Dann addierte er alle drei Zahlen zusammen, was 67 ergab und besorgte sich noch Nummer 67. Wie gewöhnlich waren alle vier Nummern Nieten. Ein anderes Mal geriet er in Streit mit einem Weinbauer, einem dicken Römer namens _sior_ Raphael Tomacelli. Was der Anlaß zu diesem Streite war, das weiß Gott allein; es gab jedoch zwischen ihnen einen sehr lauten, von lebhaften Handbewegungen begleiteten Disput, und schließlich wurden beide kreidebleich -- ein drohendes Zeichen, auf das hin gewöhnlich alle Frauen entsetzt ans Fenster eilen und der vorüberkommende Spaziergänger sich in Sicherheit zu bringen sucht -- mit einem Wort, ein Zeichen dafür, daß beide Parteien gleich zum Messer greifen werden. Und in der Tat, der dicke Tomacelli hatte bereits seine Hand in den ledernen Stiefelschaft gesteckt, der seine dicke Wade eng umspannte, um sein Messer hervorzuholen, und rief: »Warte nur, ich krieg dich schon, du Kalbskopf!« als sich Peppe plötzlich mit der Hand vor den Kopf schlug und eilig das Schlachtfeld verließ. Es war ihm eingefallen, daß er sich noch nie ein Lotteriebillett auf das Stichwort »Kalbskopf« gekauft hatte. Er sah im Wahrsagebuch nach, unter welcher Nummer der »Kalbskopf« verzeichnet stand, und lief schleunigst nach der Lotteriekollekte, so daß alle Straßenbewohner, die sich bereits auf ein blutiges Schauspiel gefaßt gemacht hatten, durch diese unerwartete Wendung aufs höchste überrascht wurden, ja selbst Raphael Tomacelli ließ sein Messer wieder in den Stiefelschaft gleiten, wußte lange nicht, was er nun beginnen sollte und sagte schließlich: »_Che uomo curioso!_« (Seltsamer Mensch!) Übrigens ließ sich Peppe dadurch, daß die Billette stets Nieten waren, und daß das Geld weggeworfen war, nicht im mindesten beirren. Er war fest überzeugt, daß er einmal reich werden würde, und wenn er an einem Laden vorüberging, unterließ er es nie, zu fragen, was ein jeder Gegenstand koste. Als er einmal erfuhr, daß ein großes Haus verkauft werden sollte, begab er sich zum Verkäufer, um sich bei diesem genauer danach zu erkundigen, und als seine Bekannten sich über ihn lustig machten, versetzte er treuherzig: »Was lacht ihr, warum lacht ihr? Ich will es doch nicht gleich kaufen, sondern später einmal, wenn ich Geld haben werde. Das ist doch gar nicht so seltsam ... Ein jeder sollte sich ein Vermögen erwerben, um seinen Kindern, den Armen, oder für einen Kirchenbau und andre schöne Dinge etwas zu hinterlassen ... _Chi lo sa._« Der Fürst kannte ihn schon lange, sein Vater hatte ihn sogar einmal als Bedienten engagiert, aber sehr bald wieder davongejagt, weil Peppe seine Livree bereits in einem Monat aufgetragen und die ganzen Toiletten des alten Fürsten durch einen unvorsichtigen Stoß mit dem Ellenbogen aus dem Fenster auf die Straße geworfen hatte. »Hör mal, Peppe!« sagte der Fürst. »Was befehlen _eccellenza_?« versetzte Peppe, der barhaupt vor dem Fürsten stand, »der Herr Fürst braucht nur zu sagen, >Peppe!< und schon bin ich da! Daher brauchen der Herr Fürst nur zu sagen: >Hör mal, Peppe!< so erwidere ich schon: _ecco me eccelenza_!«

»Du mußt mir folgenden Dienst leisten, Peppe!« ... Bei diesen Worten sah der Fürst sich um, und bemerkte, daß sich sämtliche _siore_ Grazias, sämtliche Susannen, Barbarucci, Tettas und Tuttas, soviel ihrer da waren, neugierig aus dem Fenster lehnten; die arme _siora_ Cecilia aber war beinahe im Begriff, auf die Straße herunterzufallen. »Hm, die Sache steht schlimm!« dachte der Fürst, »komm Peppe, folge mir!«

Mit diesen Worten schritt er voran, während Peppe ihm gesenkten Hauptes folgte und vor sich hinmurmelte: »Eh! diese Weiber sind so neugierig, weil's eben Weiber sind, weil sie eben neugierig sind.«

Lange schritten sie, jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, aus einer Straße in die andere. Peppe dachte bei sich: »Der Fürst will mir wahrscheinlich einen wichtigen Auftrag geben, weil er nicht in Gegenwart der andern davon reden will; folglich habe ich ein schönes Geschenk oder gar Geld von ihm zu erwarten. Wenn mir der Fürst aber Geld gibt, was soll ich damit anfangen? Soll ich es dem Cafébesitzer _sior_ Serviglio geben, dem ich schon lange was schuldig bin? _Sior_ Serviglio wird in der ersten Fastenwoche sicherlich sein Geld von mir zurückfordern, denn er hat all sein Geld für den Bau der ungeheuren Geige verbraucht, an der er drei Monate lang eigenhändig gearbeitet hat, um während des Karnevals mit ihr durch alle Straßen zu ziehen, jetzt wird _sior_ Serviglio wahrscheinlich noch lange statt Rostbraten nur Ziegenfleisch und in Wasser gekochte Broccoli essen, bis er sich wieder mit seinem Café genug Geld verdient hat. Oder soll ich _sior_ Serviglio noch nicht bezahlen, sondern ihn bloß zum Mittagessen in eine Osteria auffordern? Denn _sior_ Serviglio ist ein -- _vero Romano_ und wird mir um der ihm erwiesenen Ehre willen die Rückzahlungsfrist noch ein wenig verlängern; die Lotterie beginnt bestimmt in der zweiten Woche der Fasten. Wie soll ich nur bis dahin das Geld verwahren? Die kann ich es so verstecken, daß weder Giacomo noch Meister Petruccio, der Drechsler, etwas davon erfährt, die mich sicherlich bitten werden, ihnen etwas zu leihen? Giacomo hat nämlich all seine Kleider bei den Juden im Gettho versetzt, Meister Petruccio hat gleichfalls seine Kleider zum Juden ins Gettho getragen, und hat einen Unterrock und das letzte Tuch seiner Frau in Stücke gerissen, um sich als Weib zu verkleiden ... wie soll ich es nur anstellen, daß ich ihnen nichts leihen muß?« Dies waren die Gedanken, die Peppe durch den Kopf gingen.

Der Fürst seinerseits aber dachte: »Peppe kann herauskriegen, wo das schöne Mädchen wohnt, wer sie ist und kann sie mir auffinden. Erstens kennt er alle Menschen und hat daher eher als alle andern Gelegenheit, in der Menge einem Freund zu begegnen, er kann von diesem etwas erfahren, kann in alle Cafés und Osterien hineinblicken und kann sogar jemand ansprechen, da er durch seine Figur bei niemand Verdacht erregt. Er schwatzt zwar mitunter zuviel und ist recht zerstreut, aber wenn man ihn bei seiner Römerehre faßt und ihm sein Ehrenwort abnimmt, so wird er das Geheimnis schon zu bewahren wissen.«

So dachte der Fürst, während er die Straßen durchschritt; endlich blieb er stehen, als er gewahrte, daß er die Brücke längst überschritten hatte und sich schon lange auf _der_ Seite Roms befand, die jenseits des Tibers liegt, daß er bereits bergan ging und daß die Kirche S. Pietro in Montorio nicht mehr fern war. Um nicht auf dem Wege stehenzubleiben, betrat er den Platz, von dem aus man ganz Rom überblicken kann und sagte zu Peppe gewandt: »Hör mal, Peppe: ich muß dich um einen Dienst bitten.«

»Was wünschen _eccellenza_?« versetzte Peppe.

In diesem Augenblick aber sah der Fürst Rom vor sich liegen; wie ein herrliches, leuchtendes Panorama breitete sich die ewige Stadt vor ihm aus. Auf der ganzen hellen Masse der Häuser, Kirchen, Kuppeln und Turmspitzen lag der leuchtende Glanz der herabsinkenden Sonne. Einzeln und in ganzen Gruppen traten eines hinter dem andern die Häuser, die Dächer, die Statuen, die schwebenden Terrassen und die Galerien hervor; dort funkelten die dünnen Spitzen der Türme und Kuppeln einer Masse und spielten mit der kapriziösen Buntheit bemalter Laternen in tausend Farben, dort trat ein ganzer Palast hervor, dort die schön geschmückte Spitze der Antoninussäule mit dem Kapitäl und der Statue des Apostels Paulus; mehr rechts strebten die Gebäude des Kapitols mit ihren Rossen und Statuen in den Himmel, noch mehr rechts über der leuchtenden Masse der Häuser und Dächer erhob sich majestätisch und streng das finstere Massiv des coliseischen Kolosses, dort wieder funkelte eine Flucht von Mauern, Terrassen und Kuppeln, in blendendes Sonnenlicht getaucht. Und über der ganzen blitzenden Masse grüßten die Wipfel steinerner Eichen fern aus den Villen der Ludovisi und Medici mit ihrem dunklen Laub herüber, über ihnen ragte ein Wald von römischen Pinien empor, die ihre zarten Stämme mit den kuppelförmigen Wipfeln in die Luft streckten. Und dieses ganze Bild wurde seiner ganzen Länge nach begrenzt von dunkelblauen Bergen, die sich zart und durchsichtig wie die Luft am Horizont erhoben und von einem phosphoreszierenden Lichte umwoben wurden. Kein Wort und kein Pinsel hätte die wunderbare Harmonie und den einträchtigen Zusammenhang aller Züge dieses Bildes schildern können! Die Luft war so rein und durchsichtig, daß die zarteste Linie der fernen Gebäude klar hervortrat und daß alles so nahe erschien, wie wenn man es mit der Hand greifen konnte. Das letzte kleinste architektonische Ornament, der Arabeskenschmuck eines Gesimses -- alles zeichnete sich mit einer unbeschreiblichen Deutlichkeit ab. In diesem Augenblick ertönte ein Kanonenschuß und ein ferner, in eins zusammenfließender Schrei der Volksmenge -- das Zeichen, daß die reiterlosen Rosse schon vorbeigaloppiert waren und damit der Karnevalstag seinen Abschluß gefunden hatte. Die Sonne sank immer tiefer herab und näherte sich dem Erdrand; ihr Abglanz auf der Masse der Bauwerke wurde immer rosiger und glühender, die Stadt erschien jetzt noch belebter und näher, die Pinien noch dunkler, das Blau der Berge wurde noch tiefer, sie phosphoreszierten noch stärker, und der erlöschende Himmelsäther wurde noch wundersamer und feierlicher! ... O Gott, welch ein Anblick! Und ganz hingerissen von all der Herrlichkeit vergaß der Fürst sich selbst, die Schönheit Anunziatas, das rätselhafte Schicksal seines Volkes und alles, was es auf dieser Welt gab.

Anhang

I Arabesken

Die Arabesken sind in der ersten Januarhälfte des Jahres 1835 erschienen; die Unterschrift des Zensors trägt das Datum »den 10. November 1834«.

Arabesken (Erster Teil)

I. _Skulptur, Malerei und Musik._ Der Entwurf zu diesem Aufsatz stammt aus dem Jahre 1831, die endgültige Bearbeitung für den Druck fällt in das Jahr 1834.

II. _Über das Mittelalter._ Dieser Aufsatz, Gogols Antrittsvorlesung, ist im August 1834 niedergeschrieben.

III. _Ein Kapitel aus einem historischen Roman._ Wurde zum erstenmal in dem Almanach »Nordische Blumen für das Jahr 1831« (»_Ssewernyje zwety na 1831 god_«) abgedruckt. Die Unterschrift des Zensors trägt das Datum »den 18. Dezember 1830«.

IV. _Über den Unterricht in der Weltgeschichte._ Dieser Aufsatz ist im Dezember 1833 geschrieben. In der ersten Hälfte des Jahres 1834 wurde er noch einmal überarbeitet und erschien dann in der neuen Fassung im Februarheft der »Zeitschrift des Kultusministeriums« (»_Journal Ministerstwa Narodnawo prossweschtschenja_«) Jahrgang 1834.

V. _Ein Überblick über das Werden Kleinrußlands._ Der erste Entwurf zu diesem Aufsatz stammt aus dem Jahre 1833; im März 1834 wurde er für den Druck neu bearbeitet und erschien zum erstenmal im Aprilheft der »Zeitschrift des Kultusministeriums«, Jahrgang 1834, unter dem Titel »Ein Abschnitt aus der Geschichte Kleinrußlands«, Band I, Buch I, Kapitel I.

VI. _Einige Worte über Puschkin._ Der erste Entwurf stammt aus dem Jahre 1832, die letzte Bearbeitung für den Druck aus dem Jahre 1834.

VII. _Über die Architektur unserer Zeit._ Dieser Aufsatz ist in der zweiten Hälfte des Jahres 1833 begonnen, 1834 wurde er vor der Drucklegung noch einmal überarbeitet.

VIII. _Al-Mamun._ Dieses Essay stammt aus dem Jahre 1834.

Arabesken (Zweiter Teil)

I. _Das Leben._ Der Entwurf zu dieser Skizze stammt aus dem Jahre 1832, die letzte Bearbeitung aus dem Jahre 1834.

II. _Schlözer, Müller und Herder._ Der erste Entwurf zu diesem Aufsatz stammt aus dem Jahre 1832, die letzte Fassung aus dem Jahre 1834.

III. _Der Newsky-Prospekt._ Diese Novelle wurde 1833 oder im Anfang des Jahres 1834 begonnen. Im Oktober 1834 wurde sie für den Druck fertiggestellt.

Bei der Umarbeitung erhielt folgende Stelle der ursprünglichen Handschrift eine neue Fassung: »Wenn Piragow seine Uniform angehabt hätte, so hätte wahrscheinlich die Achtung vor seinem Rang und seiner Würde die wilden Teutonen sicherlich von ihrem Unternehmen abstehen lassen; aber er war ja nur als Zivilist und als Privatperson erschienen -- im Rock und ohne Epauletten. In rasender Wut rissen die Deutschen ihm den Rock vom Leibe; Hoffmann setzte sich ihm mit dem ganzen Gewicht seines Leibes auf die Beine, Kunz packte ihn am Kopfe und Schiller ergriff ein Rutenbündel, das bei ihm den Dienst eines Besens versah. Ich muß zu meinem großen Bedauern gestehen, daß der Leutnant Piragow äußerst schmerzhafte Prügel bezog.« (Vergl. Seite 238.)

IV. _Über die kleinrussischen Lieder._ Dieser Aufsatz ist im März des Jahres 1834 niedergeschrieben und im Aprilheft der »Zeitschrift des Kultusministeriums«, Jahrgang 1834, erschienen.

V. _Gedanken über Geographie._ Dieser Aufsatz erschien zum erstenmal in der ersten Nummer der »Literaturzeitung« (»_Literaturnaja Gaseta_«) im Januarheft des Jahrgangs 1831 unter dem Titel »Einige Gedanken über die Art, wie man Kinder in der Geographie unterrichten soll«. Die neue Fassung, wie sie in den Arabesken vorliegt, stammt aus dem Jahre 1834.

VI. _Der letzte Tag von Pompeji._ Ist im August des Jahres 1834 geschrieben.

VII. _Der Gefangene._ Stammt aus dem Jahre 1830.

VIII. _Über die Völkerwanderung am Ende des V. Jahrhunderts._ Ist wahrscheinlich im September des Jahres 1834 geschrieben.

IX. _Memoiren eines Wahnsinnigen._ Stammt aus dem Jahre 1834.

II Aufsätze aus Puschkins »Zeitgenossen«

I. _Über die Strömungen in der Zeitschriftenliteratur der Jahre 1834-1835._ Dieser Aufsatz wurde im Februar 1836 begonnen und erschien in neuer Bearbeitung im April des Jahres 1835 im ersten Bande des »Zeitgenossen« (»_Sowremennik_«) von Puschkin.

II. _Petersburger Skizzen 1836._ Dieser Aufsatz besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil stammt aus dem Jahre 1835, der zweite aus dem April und Mai des Jahres 1836. Beide Teile wurden zum erstenmal im sechsten Bande von Puschkins »Zeitgenossen« abgedruckt, der erst nach seinem Tode erschien und die vom 2. Mai 1837 datierte Unterschrift des Zensors trägt.

III. _Italienische Sommernächte._ Der Entwurf zu diesen Skizzen stammt aus dem Jahre 1839.

III Rom Ein Fragment

S. T. Aksakow, dem Gogol diese Erzählung 1839 selbst vorgelesen hat, nennt sie die »Italienische Novelle Anunziata«. Die Erzählung ist noch vor dem September desselben Jahres in Rom niedergeschrieben. Gegen Ende des Jahres 1841 wurde das Fragment vor der Drucklegung noch einmal überarbeitet. Es erschien in der dritten Nummer des »Moskwitjanin« (»der Moskauer«) vom Jahre 1842.

* * * * *

Diese Nachträge und Anmerkungen sind der russischen Ausgabe von _Tichonrawow_ und _Schenrock_ (Petersburg 1901) entnommen.

_Der Herausgeber._

Druck von Mänicke und Jahn, Rudolstadt.

Anmerkungen zur Transkription

Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch Variationen in der Transliteration der russischen Namen wurden nicht verändert.

Im Original ist in den »Memoiren eines Wahnsinnigen« im letzten Eintrag (Seite 384) der Monatsname »Februar« um 180 Grad gedreht (kopfstehend) geschrieben.

Offensichtliche Fehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):

[S. 3]: ... kann man wohl schon die Unvollkommenheit deines Ganzen ... ... kann man wohl schon die Unvollkommenheit des Ganzen ...

[S. 10]: ... apelliert an unsere Sympathie und nicht an unsere Genußfähigkeit. ... ... appelliert an unsere Sympathie und nicht an unsere Genußfähigkeit. ...

[S. 27]: ... plötzlich in schrecklicher Majestät auf, diese endenlosen ... ... plötzlich in schrecklicher Majestät auf, diese endlosen ...

[S. 31]: ... der inmitten seiner unvermeßlichen Ländereien, im Kreise ... ... der inmitten seiner unermeßlichen Ländereien, im Kreise ...

[S. 31]: ... singen -- der unerbitterliche Dolch erreichte sie am Ende ... ... singen -- der unerbittliche Dolch erreichte sie am Ende ...

[S. 34]: ... ist, und niemand erfährt etwas von von ihnen. ... ... ist, und niemand erfährt etwas von ihnen. ...

[S. 39]: ... der heute den Pirjatinsker Kreis von dem Lublinschen ... ... die heute den Pirjatinsker Kreis von dem Lublinschen ...

[S. 40]: ... des Mirgorodschen Regiments nannte, zu tun! ... Man ... ... des Mirgorodschen Regiments nannte, zu tun? ... Man ...

[S. 43]: ... heuzutage nie eine kurze, klare Antwort geben, er wird ... ... heutzutage nie eine kurze, klare Antwort geben, er wird ...

[S. 44]: ... doch gar nicht gehört, daß bei Lochwitze ein Lager aufgeschlagen ... ... doch gar nicht gehört, daß bei Lochwitza ein Lager aufgeschlagen ...

[S. 50]: ... nachdem er zweiundfünzig Seelenmessen für den verstorbenen ... ... nachdem er zweiundfünfzig Seelenmessen für den verstorbenen ...

[S. 54]: ... erwürgst ja den Kater? Ich habe dir was Süßes mitgebracht! ... ... erwürgst ja den Kater! Ich habe dir was Süßes mitgebracht! ...

[S. 74]: ... Nordosten in drohender Majestät die Wacht; die bebefreiten ... ... Nordosten in drohender Majestät die Wacht; die befreiten ...

[S. 125]: ... kein harmonisches Ganze mehr. ... ... kein harmonisches Ganzes mehr. ...

[S. 125]: ... so wurden dieser schließlich primitiv und einfach bis zur ... ... so wurde dieser schließlich primitiv und einfach bis zur ...

[S. 127]: ... Wölbung nach den Wolken strebt oder in einen gegewaltigen ... ... Wölbung nach den Wolken strebt oder in einen gewaltigen ...

[S. 140]: ... mit ihrem bunten Gewande, und ihrem kostbarem Halsgeschmeide. ... ... mit ihrem bunten Gewande, und ihrem kostbaren Halsgeschmeide. ...

[S. 146]: ... Äußere annehmen, bald wieder einen fröhlichen Ausdruck, ... ... Äußeres annehmen, bald wieder einen fröhlichen Ausdruck, ...

[S. 158]: ... die keine bestimmte Gesetze kennen, liegt die ... ... die keine bestimmten Gesetze kennen, liegt die ...

[S. 161]: ... Fanatismus, -- einen Fantismus, der die Massen auseinanderriß, ... ... Fanatismus, -- einen Fanatismus, der die Massen auseinanderriß, ...

[S. 168]: ... des Menschen. Alles ist vergänglich. Gemein ist alle ... ... Menschen. Alles ist vergänglich. Gemein ist alle ...

[S. 179]: ... ein unzertrennliches Ganze ist das Ziel, nach dem seine ... ... ein unzertrennliches Ganzes ist das Ziel, nach dem seine ...

[S. 192]: ... Lesen von Journälen beschäftigen, mit einem Wort, ... ... Lesen von Journalen beschäftigen, mit einem Wort, ...

[S. 197]: ... Epaulette bringen sie schon in solch eine Vewirrung, daß ... ... Epaulette bringen sie schon in solch eine Verwirrung, daß ...

[S. 199]: ... Licht dies Lächeln vorgegaukelt hatt. Allein, der ... ... Licht dies Lächeln vorgegaukelt hatte. Allein, der ...

[S. 263]: ... nie ein schönes Ganze zurückbleiben. -- Es werden ... ... nie ein schönes Ganzes zurückbleiben. -- Es werden ...

[S. 271]: ... in Kiew, einen King Bench? Über diese wird das ... ... in Kiew, einen King Bench! Über diese wird das ...

[S. 273]: ... ein organisches Ganze zu bilden. ... ... ein organisches Ganzes zu bilden. ...

[S. 283]: ... Schrecken und doch wieder seinen Schreck plötzlich vergessend, ... ... Schrecken und doch wieder ihren Schreck plötzlich vergessend, ...

[S. 306]: ... der Zivilisation wären überhaupt um viele Jahrhunderte ... ... der Zivilisation wäre überhaupt um viele Jahrhunderte ...

[S. 331]: ... von selbst, daß diese Taten in seine Untertanen keinen allzu ... ... von selbst, daß diese Taten in seinen Untertanen keinen allzu ...

[S. 399]: ... durchaus zu verwerfen wären. Dies erinnnerte an den ... ... durchaus zu verwerfen wären. Dies erinnerte an den ...

[S. 410]: ... Beobochter« die Erwartungen des nach Neuem ... ... Beobachter« die Erwartungen des nach Neuem ...