Category: Biographies

Sämmtliche Werke 1-2: Mein Leben / Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802 Vierte rechtmäßige Gesammtausgabe in acht Bänden

Das Mißliche einer Selbstbiographie kenne ich so gut als sonst irgend Jemand; und ich halte mich für nicht wichtig genug, daß überhaupt mein Leben beschrieben werde. Wenigstens wäre es nach vierzig Jahren noch Zeit genug. Ein angesehener Buchhändler bot mir vor einigen Jahren,...

Chapters

1. Part 1

Das Mißliche einer Selbstbiographie kenne ich so gut als sonst irgend Jemand; und ich halte mich für nicht wichtig genug, daß überhaupt mein Leben beschrieben werde. Wenigstens...

2. Part 2

Viele Neckereien bewogen meinen Vater, seine Grundstücke dort zu verkaufen und eine Pachtung eines Wirthshauses mit beträchtlicher Oekonomie in Knautkleeberg nicht weit von Leip...

3. Part 3

Ich konnte lange zu keiner Wahl einer Lebensart kommen, so unbestimmt waren noch meine Ideen vom Leben überhaupt. So lange mein Vater lebte, wurde ich halb und halb zum Kaufmann...

4. Part 4

Ich kann nicht umhin, hier, trotz der Ehrlichkeit meines Wesens, die Diebsneigung meiner Natur in solchen Kleinigkeiten anzuklagen. Meine Jugend ist voll davon. Man hätte mich u...

5. Part 5

Nun tummelte ich mich in der Freiheit herum, und brauchte sie zwar nicht ganz weise, aber doch so, daß man es eben nicht Mißbrauch nennen konnte. Ich hatte nachzuholen, das fühl...

6. Part 6

Man brachte mich als Halbarrestanten nach der Festung Ziegenhayn, wo der Jammergefährten aus allen Gegenden schon viele lagen, um mit dem nächsten Frühjahr nach Fawcets Besichti...

7. Part 7

Stürme hatten wir oft, und einmal so stark, daß uns der Aufsatz des Vordermastes und die große Raa zerbrach. Die Thürmung der Wogen, das Heulen der Winde durch die Segel, das Sc...

8. Part 8

Der Dienst war, zumal für mich als Unterofficier, beschwerlich genug und ließ nicht viel Zeit übrig. Ueberdieß spannte mich noch dazu der Oberste Hatzfeld in das Joch als Schrei...

9. Part 9

Unsere Hinfahrt dauerte, wie ich oben sagte, zwei und zwanzig Wochen, eine ungeheure Länge; den nämlichen Weg machten wir rückwärts in drei und zwanzig Tagen; also machte ich ei...

10. Part 10

Igelströhm und Seume! Das war eine Verbindung eigener Art. Der alte Hof- und Staatsmann war üppig, prachtliebend, sinnlich, verständig und klug; aus Diensteifer ein tüchtiger po...

11. Part 11

»Nachdem ich einmal das Unglück gehabt hatte, zurück zu bleiben; und wer damals zurückblieb, den konnte man eben nicht geradezu der Poltronerie zeihen; nachdem ich mich ferner z...

12. Part 12

Ich würde gesagt haben, er habe von jetzt an das Privatleben erwählt, wenn man also ein Leben nennen könnte, welches angewendet wird, für das Beste der ganzen Menschheit zu wirk...

13. Part 13

Gegen das Ende des Monats Mai 1810 traf Seume in Töplitz ein, wo er im goldnen Schiffe, oder der sogenannten Töpferschenke, eine Stube bezog, welche ihm die heiterste Aussicht a...

14. Part 14

Die Sache hat allerdings ihre Schwierigkeit. Wagt man sich an ein altes Vorurtheil des Kultus, so ist man noch jetzt ein Gottloser; sondirt man etwas näher ein politisches und s...

15. Part 15

Du weißt, daß Schreibseligkeit eben nicht meine Erbsünde ist, und wirst mir auch Deiner selbst wegen sehr gern verzeihen, wenn ich Dir eher zu wenig, als zu viel erzähle. Wenn i...

16. Part 16

Auf der Grenze von Mähren nach Oestreich habe ich kein Zeichen gefunden; nur sind sogleich die Wege merklich schlechter als in Böhmen und Mähren, und mit den Weingärten scheint...

17. Part 17

Sonderbar war es, daß man in dem letzten Jahre des Krieges bei der höchsten Krise, Wien zum Waffenplatz machen wollte; das Schlimmste, was die Regierung für ihre Sache thun konn...

18. Part 18

Den zehnten um neun Uhr aus Wien, und den vierzehnten zu Mittage in Grätz, heißt im Januar immer ehrlich zu Fuße gegangen. Die Thäler am Flusse herunter sind fast alle romantisc...

19. Part 19

Von Laybach aus geht es nun allmälich immer aufwärts, und man hat die hohe Bergspitze des Loibels rechts hinter sich. Bei Oberlaybach, einem ziemlich kleinen Städtchen, kommt di...

20. Part 20

In Udine feierte ich den neun und zwanzigsten Januar meinen Geburtstag; und höre, wie! Ich hatte mir natürlich den Tag vorher schon vorgenommen, ihn recht stattlich zu begehen,...

21. Part 21

Du denkst wohl, daß ich bei dem marmornen Mädchen etwas außer mir bin; und so mag es allerdings seyn. Der Italiener betrachtete meine Andacht eben so aufmerksam, wie ich seine G...

22. Part 22

Den andern Mittag langten wir hier in der alten päpstlichen Stadt Bologna an, wo man zuerst wieder nach meinem Passe fragte. Mit mir Fremden nahm man es nicht so strenge, als mi...

23. Part 23

Im Theater gab man die alte Posse, _der lustige Schuster_, gar nicht übel, und das italienische Talent zur Burleske mit dem feinen Takt für Schicklichkeit und Anstand zeigte sic...

24. Part 24

Ich Idiot glaubte, als ich in Foligno angekommen war, ich sei nun den Apennin durchwandelt: aber das ganze Thal von Klitumnus mit den Städten Foligno und Spoleto liegt in den Be...

25. Part 25

Der Kardinal Borgia, an den ich einen Brief hatte, nahm mich mit vieler Freundlichkeit auf. Ein Anderer würde in seinem Stil Herablassung sagen; nach meinem Begriff läßt sich ke...

26. Part 26

Den andern Morgen wandelte ich also allein zwischen den Oelbergen nach Mola di Gaeta hinüber. Die Amme ist durch dieses Etablissement ihres Namens fast berühmter geworden, als i...

27. Part 27

Heute besuchte ich auch Virgils Grab. Die umständliche Beschreibung mag Dir ein Anderer machen. Es ist ein romantisches, idyllisches Plätzchen; und ich bin geneigt zu glauben, d...

28. Part 28

Nicias, gegen die Liebe, so däucht mich, giebt es nicht andres Pflaster und keine andere Salb', als Musengesänge. Lindernd und mild ist das Mittel, doch nicht so leicht es zu fi...

29. Part 29

Die beiden ziemlich gut erhaltenen Tempel stehen nicht weit von den alten Mauern, in deren solidem Felsen eine Menge Aushöhlungen sind, aus denen man nicht recht weiß, was man m...

30. Part 30

Von hier aus wollte ich nach Noto gehen, und von dort nach Syrakus. Aber wenn man in Sicilien nicht bekannt ist und ohne Wegweiser reist, so bleibt man, wenn man nicht todt gesc...

31. Part 31

Auch heute komme ich von einem Spaziergange mit Landolina zurück. Wir waren nur in der Nähe, in der alten Neapolis, die aber wirklich das Interessanteste der alten Ueberreste en...

32. Part 32

Der Sommer muß hier zuweilen schon fürchterlich seyn; denn Landolina erzählte mir von einem gewissen Südwestwinde, den man ^il ponente^ nennt, welcher zuweilen in einem Nachmitt...

33. Part 33

Eine schöne Promenade ist der Garten dieses nämlichen Klosters der hinter den Gebäuden auf lauter Lava angelegt ist, und wo man links und rechts und geradeaus die schönste Aussi...

34. Part 34

Ich hatte mich bisher im Aufsteigen immer mit Schnee gelabt; aber hier am Rande auf der Spitze war er bitter salzig und konnte nicht genossen werden. Nicht weit vom Rande lag ei...

35. Part 35

Hier bin ich nun wieder von der Runde zurück. Der letzte Zug von Messina hierher war der beschwerlichste, aber er hat auch viel Belohnendes. Die Berge waren mir gar fürchterlich...

36. Part 36

Ich hatte mich bis tief in die Nacht verspätet, und wurde zu Hause gräßlich bewillkommt. Aber da muß ich Dir noch Mehreres erzählen, ehe Du dieses gehörig verstehst. Du erinners...

37. Part 37

Nun wandelte ich an den Meerbusen hinunter und sah die ehemaligen Thermen des Nero. Solltest Du glauben, daß ich nicht im Stande war, hinunter zu steigen? Ich hatte mich ausgezo...

38. Part 38

Auf meiner Rückkehr hatte ich Gelegenheit, zwei sehr ungleichartige Herrn von dem neapolitanischen Militär kennen zu lernen. Ich wurde einige Millien von Salerno an der Straße a...

39. Part 39

Hier in Rom brachte man mir die tröstliche Nachricht, daß zwei von den Schurken, die mich in dem Walde geplündert hätten, erwischt wären, und daß ich vielleicht noch das Vergnüg...

40. Part 40

Es hält sich seit einigen Jahren hier ein reicher Britte auf, dessen grilliger Charakter, gelinde gesprochen, durch ganz Europa ziemlich bekannt ist, und der weder als Lord eine...

41. Part 41

Der Berg von Florenz aus ist ein wahrer Garten bis fast auf die größte Höhe. Du kannst denken, daß ich viel zu Fuße ging; der Franzose leistete mir dann zuweilen Gesellschaft. D...

42. Part 42

Die freundliche Aufnahme des Generals hielt mich mehrere Tage länger hier, als ich zu bleiben gesonnen war; und in den Mußestunden lese ich mit viel Genuß Wielands Oberon, den m...

43. Part 43

Hier bin ich nun wieder unter vaterländischen Freunden, und könnte bald bei Dir seyn, wenn ich nicht noch etwas links abgehen wollte. In Zürich möchte ich wohl leben; das Oertli...

44. Part 44

Von Dijon fuhr ich, weil mir das Wetter zu heiß ward, mit dem Courrier nach Auxerres und von dort mit der Diligence nach Paris. Auxerres ist eine Mittelstadt, aber ziemlich lebh...

45. Part 45

Als er aus Aegypten kam, trat er die Krise seines Charakters an. Wir wollen sehen, was er in Paris thut, dachte ich, und dann urtheilen. Ich tadle ihn nicht, daß er das Direktor...

46. Part 46

Den ein und zwanzigsten ging ich aus Paris und schlief in Meaux. Der Weg ist angenehm und volkreich, wenn gleich nicht malerisch; und die Bewirthung ist überall ziemlich gut, fr...

47. Part 47

Meine Runde ist nun vollendet und ich bin wieder bei unsern väterlichen Laren an der Pleiße. Von Frankfurt aus ging ich über Bergen in Gesellschaft nach dem Oertchen Bischofshei...

48. Part 48

Aber keine Musik ergriff ihn so gewaltig, als die Ouverture aus Benda's »Ariadne auf Naxos.« Und war er auch durch Weltereignisse und zuletzt durch seine Krankheit noch so mißge...

49. Part 49

Heute bin ich schon etwas ruhiger Deinetwegen, da mir Sch. Nachricht von Deiner Besserung bringt. Aber ganz ruhig werde ich nicht eher, als bis ich Dich wieder einmal selbst seh...

50. Part 50