Sagenbuch des Erzgebirges

Part 52

Chapter 523,508 wordsPublic domain

Ein nach Frankenstein gepfarrtes Dorf Ailitz soll vor dem dreißigjährigen Kriege zwischen Frankenstein, Memmendorf und Hartha gestanden haben. Ebenso bezeichnet man unterhalb Wingendorf eine Stelle am Kemnitzbache als diejenige, wo vor dem dreißigjährigen Kriege das Dorf Kuhren stand.

Ein vormals zwischen Freiberg und Langenrinne am Münzbache gelegenes ansehnliches, im Hussitenkriege oder noch früher untergegangenes Dorf war Oberlusitz oder Oberloßnitz. An seiner Stelle stehen jetzt das Hilger'sche und Maukisch'sche Vorwerk nebst einigen Bergwerksgebäuden, und ohne Zweifel gehörte auch das nicht mehr vorhandene Rittergut Thurmhof dazu, an dessen Stelle jetzt das Weigelsche Vorwerk stehen soll. Dieses Gut Thurmhof schreibt man dem Freiberger Bürger Habersberger zu, der 1298 Friedrich den Gebissenen, welcher hülflos im Lande umherirrte, mit Silber unterstützte, worauf dieser ein neues Heer gewann und dem Kaiser Adolf wieder die Spitze bot. (Siehe Schumann und Schiffner, Lexicon von Sachsen, 11. B., S. 761.)

640. Wüstungen in der Herrschaft Glauchau.

(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 83 und 94. Gumprecht, Lindenblätter von Oberlungwitz, 1863, S. 49. Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt, was man merkwürdiges von alters her gefunden und von dem dasigen Schulmeister aufgezeichnet worden. 1766. Manuskript.)

I. Im sogenannten Hüttengrunde bei Hohenstein soll oberhalb der Hüttenmühle am Fuße des Queckenberges ein im Hussitenkriege verschwundenes Dorf Kirchberg gestanden haben, von dessen Kirche noch um die Mitte des 18. Jahrhunderts Spuren sichtbar gewesen sein sollen. Ebenso sah man zu dieser Zeit einen mit Steinen ausgemauerten und überdeckten Brunnen, welcher als Rest des Dorfes bezeichnet wurde. Durch dasselbe mag der älteste Weg von Abtei-Lungwitz nach Waldenburg geführt haben, denn er diente später den Bewohnern des an der Stelle des untergegangenen Dorfes Kirchberg nach und nach wieder entstandenen Anbaues, »der Hüttengrund« genannt, zu ihrem ersten Kirchen- und Leichenwege nach Abtei-Lungwitz.

II. Die am rechten Muldenufer zwischen Glauchau und Wernsdorf liegenden »Naundorf-Wiesen« erinnern an das früher dort gelegene Dorf Naundorf, welches entweder schon in der Schönburgischen Familienfehde von 1348 oder im Hussitenkriege verwüstet wurde. Der untere Teil des Ortes blieb wüste, während der obere Teil unter dem Namen »Hölzel« später wieder aufgebaut wurde.

III. Ein Gebsdorf, Jäcksdorf oder Gäcksdorf, welches in Ober- und Niedergäcksdorf eingeteilt wurde, lag am südlichen Fuße der Langenberger Höhe, in der Nähe des Kapellenberges, und zwar östlich, in der Richtung nach Pleisa hin. Von ihm ist kein Überbleibsel auf uns gekommen, doch will man noch zu Anfang des vorigen Jahrhunderts Mauerreste von seiner Kirche gesehen haben. Von verschiedenen Bauern des Orts Oberlungwitz, welche Holzboden in der Gegend, wo einst Gäcksdorf stand, erkauft hatten, mußte der Decem jährlich an den Pfarrer zu Pleisa entrichtet werden. Es soll gedachter Pfarrer vordem auch eine Predigt bei der Wüstenbrander Rainsäule jährlich bei Einnahme als Decem gehalten haben.

641. Die Wüstung Sahnau.

(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 109.)

In dem zwischen Crimmitschau, Leitelshain, Heiersdorf, Thonhausen und Rudelswalde gelegenen Sahnwalde erhob sich vor dem Hussitenkriege am Sahnbache die Sahnburg oder Samburg, von welcher noch zu Anfang dieses Jahrhunderts einiges Gemäuer sichtbar war.

642 Die Wüstung Rappendorf.

(~Dr.~ Herzog a. a. O., S. 105. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 7.)

In dem 1¼ Stunden nordwestlich von Zwickau, zwischen Marienthal, Weißenborn und Königswalde gelegenen bewaldeten Wiesenthal findet sich die wüste Holzmark Rappendorf, vor dem Hussitenkriege ein Dorf, welches wahrscheinlich den früher in Marienthal begüterten Herren von Rapp oder Rappen seinen Namen dankte. Noch bemerkt man hier Spuren einer alten Burg oder Warte, die jedoch im 14. Jahrhundert zerstört worden sein soll. Ebenso zeigt man an der Stelle den »bösen Brunnen«, welcher mit einem hohen Erddamm umgeben ist. Mehrere Feld- und Waldbesitzer in der Nähe haben teils bei Feldbestellung, teils beim Holzfällen und Stockroden, Bruchsteine, Grundmauern, gezimmertes Holz, eiserne Haspen und Bänder und dergleichen gefunden.

643. Die Wüstung Boberau.

(Herzog a. a. O., S. 64.)

An der Mündung der Bobritzsch in die Freiberger Mulde bei Drehfeld lag einst das Dörfchen Boberau, an welches heutigen Tages noch das zu Porschnitz gehörige Boberholz erinnert.

644. Die Wüstungen Haselbrunn und Erlich bei Schöneck.

(Herzog a. a. O., S. 72 u. 79.)

Die Erlmühle am Lohbache zwischen Schillbach und Sahlig ist vielleicht ein Rest des im Hussitenkriege verschwundenen Dörfchens Erlich, welches nach einer Urkunde von 1491 nach Schöneck gepfarrt war, und ebenso gehörte wahrscheinlich die Haselmühle am Kornbache zu dem Dorfe Haselbrunn, welches ebenfalls im Hussitenkriege zerstört wurde und dessen Wüstung ¾ Stunde nördlich von Schöneck am Wege nach Falkenstein und an der Quelle des Geigenbaches gelegen ist.

645. Die wüste Mark Warnsdorf.

(Ludw. Lamer, Wandervorschläge II, Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 174)

In dem Walde zwischen Grillenburg und Tharand liegt eine große Waldwiese, die jetzt mit ganz junger Kultur bestanden ist und die Warnsdorfer Wiese genannt wird. Hier soll einst ein in dem dreißigjährigen Kriege zerstörtes Dorf gestanden haben. Auf der Wiese befindet sich noch als Überrest des Dorfes ein ausgemauerter, durch einen breiten Stein bedachter Brunnen, welchen man den Warnsdorfer Brunnen nennt, ebenso wie der ihm entrieselnde Bach der Warnsdorfer Bach heißt. Eine der Fördergersdorfer Kirchenglocken soll sich von hier herschreiben; die Sage erzählt, daß sie auf genannter Wiese vergraben gewesen und von wilden Schweinen ausgewühlt worden sei.

646. Die ehemalige Burg Sohra.

(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 163.)

Südöstlich von Oberbobritzsch liegt in einem freundlichen Thale das Dorf Sohra. In der Nähe desselben und zwar im Walde nach Pretzschendorf hin, lag einst die Burg gleichen Namens, welche wahrscheinlich im Hussitenkriege zu Grunde gegangen ist. Vor ungefähr hundert Jahren sah man von der Burg noch Mauerreste und Keller, und eine eiserne Thür in der obern Halle der Bobritzscher Kirche soll von jenen Ruinen abstammen. An die Burg erinnert auch noch der sogenannte Vorwerksring. In der Gegend, wo die Burg stand, sollen Gespenster umgehen.

647. Alt-Elbogen.

(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., Komotau 1878, S. 16.)

Die alte Slavenfeste Alt-Elbogen erhob sich ungefähr in der Mitte zwischen Karlsbad und Elbogen auf einem Felsenvorsprunge zwischen dem Hornerberge und Teschwitz, über der Krümmung der Eger, die zahllosen Windungen des engen Felsenthales entlang gegen Osten eilt und hier einen förmlichen »Ellbogen« bildet. Von der nördlichen Hochebene nur durch Gräben getrennt, endete die alte Feste gegen Süden mit einer 40 Meter tief zum Flusse abstürzenden Felsenwand. Alt-Elbogen besteht aus der durch einen mehr oder weniger erhaltenen, etwa 190 Meter langen Wall umgebenen Vorburg und der eigentlichen Hochburg, die ungefähr 1400 Quadratmeter enthält und ebenfalls durch einen an der Nordostecke noch 2 Meter hohen Wall umgeben ist. Mauerreste findet man hier nicht. In der Südostecke stand der Tradition nach eine St. Barbarakapelle, die bereits im Jahre 1247 urkundlich erwähnt wird.

Das Volk erzählt von dem Platze, daß hier einst ein Schloß verwünscht wurde und versunken sei und daß in den unterirdischen Gewölben große Schätze liegen, welche von einer weißen Frau bewacht werden.

648. Die Grillenburg.

(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 175. Wilisch, Kirchenhistorie der Stadt Freyberg und der in dasige Superint. eingepfarrten Städte und Dörfer, 1727, II, S. 287.)

Da, wo mitten im Tharander Walde das jetzt abgetragene Jagdschloß, die Grillenburg, stand, von der nur noch ein Seitengebäude als Wohnung für einen Forstbeamten übrig geblieben ist, erhob sich in grauer Vorzeit eine Feste, deren ausgedehnter Burgwall noch in Überresten nachgewiesen wird. Auch jetzt zeigt man unter einer Scheune einen geräumigen, aus dem Felsen herausarbeiteten Keller, der wohl tausendjährig ist. Das Gewölbe wird in der Mitte von einer starken Säule getragen, um welche herum mit einem zweispännigen Wagen zu fahren, der Raum reichlich gestatten würde.

Von dem Ursprunge und Zwecke des späteren Jagdschlosses Grillenburg gaben die im Tafelzimmer befindlich gewesenen Inschriften Nachricht, sie lauteten:

I.

»Meines lieben Bruders kläglich End, Der schwere Eingang zum Regiment, Groß Widerwärtigkeit und Gefahr Mir schwere Sorg und Müh gebahr. Zu vertreiben solch Fantasey, Fieng ich diß neu Gebäu, Die Grüllen-Burg ichs davon nennt, In einem Jahr wurds gar vollend.

II.

Zuvor ist hier nur Holtz gewachsen, Da baut Hertzog August zu Sachsen In einem Jahr diß Jagd-Haus behend, Welches er die Grüllen-Burg nennt, Vor schwerer Sorg und Gedanken, Die ihm oblagen und bedrangten, Und richtets an zur Lust und Freud, Drum wird man hier der Grüllen queit.

III.

Ich bin genannt die Grüllenburg, Darauf geschieht gar mancher Schlurg, Gedanken und schwere Fantasey, Legt man auf diesem Hause bey; Gegen Hasen, Hirsch und Schwein Vertreibt man hier die Zeit allein. Wer nun hat Grüllen und Mücken, Der lasse sie hinter sich zurücken.«

649. Die Wüstung Lützen bei Frankenberg.

(Bahn, Hist. Nachr. von Frankenberg und Sachsenburg, 1755, S. 15.)

Es geht die Sage, daß zwischen Frankenberg und Dittersbach ein Dörfchen Lützen gestanden habe, welches in den Hussitenkriegen verwüstet worden wäre. Der Bach, der von Dittersbach fließet, heißt der Lützenbach und der Steig darüber der Lützensteig, auch hat vor alters eine Mühle unten in der Wiese gestanden, so die Lützenmühle genannt worden ist. Alte Leute wollen von derselben noch Baustelle und Mühlgraben gesehen haben.

650. Der »Niklas« am Krudumberge bei Elbogen.

(Fr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., 1878, S. 18.)

Am Fuße des nördlichen Abhanges des Krudumberges bei Elbogen zeigt man eine Ruine, der »Niklas« genannt, von welcher erzählt wird, daß hier einst eine Kirche, nach anderen aber ein vom »Krudumgrafen« erbautes Kloster gestanden habe. In den unterirdischen Räumen des Niklas sollen fabelhafte Schätze aufgehäuft liegen, und das ist auch der Grund, weshalb das Innere dieser Ruine und deren nächste Umgebung von Schatzgräbern ganz durchwühlt ist.

651. Die frühere Lage der Stadt Frauenstein.

(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II, S. 67. Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein etc., 1748, S. 3.)

Es hat das Städtchen Frauenstein anfänglich nicht an seinem jetzigen Orte auf der Höhe, sondern über dem Grunde nach dem Dorfe Reichenau zu gelegen, da, wo noch der Gottesacker mit der Begräbniskirche stehet. Als aber Gott die Gegend mit reichen fündigen Bergzechen segnete, ist die Stadt erweitert und nach der Höhe zu zugleich mit der Kirche auf dem Markte 1483 erbauet worden. Die damaligen Bewohner Frauensteins wurden zu dieser Veränderung durch die Wassergüsse gebracht, welche bei gefallenem Platzregen sehr stark waren und ihre Wohnungen schädigten. Man sah auf dem alten Stadtplatze im vorigen Jahrhundert noch die Gassen und Überreste von den alten Baustellen. Von dieser Verlegung der Stadt kam es auch, daß, was sonntäglich im Cymbelseckel gesammelt ward, nicht die Stadtkirche, sondern die Begräbniskirche, als die Mutterkirche, erhielt.

652. Die ehemalige Lage von Preßnitz.

(Geschichte der Stadt Weipert von C. Schmidl und J. Pohl, 1874, S. 20.)

Der Tradition nach soll die ehemalige Bergstadt Preßnitz bereits am dritten Orte stehen. Wegen Vermehrung der Bergleute näherte man sich allmählich mehr dem Bache, und zwar in die Gegend der alten Rohrschmiede und des sogenannten Zigeunermarterle bei der mittleren Mühle. Die ehemalige sogenannte »Pfütze«, jetzt das Forstamt, war das erste Wirtshaus, wo auch alle Beratungen und Wahlen stattfanden, weshalb auch in alten Zeiten dieses Wirtshaus »Wahl« genannt wurde und noch heute die angrenzenden Felder die Wahlfluren heißen.

Die Anfänge von Preßnitz reichen bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts zurück, der Name der Ansiedlung tritt aber erst mit dem Jahre 1352 in den eigentlichen Bereich der Geschichte. Jedenfalls entwickelte sich infolge der Entdeckung von Silbererzen der junge Ort, welcher 1546 vom Kaiser Ferdinand I. zu einer freien Bergstadt erhoben wurde.

653. Die ehemalige Lage der Stadt Kirchberg.

(A. Bär im Nachrichtsblatte für Kirchberg und Umgegend, 1881, Nr. 44. Mündliche Mitteilungen.)

Man sagt, daß anfangs die Stadt Kirchberg an der östlichen Abdachung des Borberges angelegt gewesen sei; einzelne Grundstücke in dieser Gegend werden in alten Schriftstücken als »auf dem Boden der alten Stadt liegend« angeführt, und man will auch daselbst bei Erbauung von Häusern auf alte Mauertrümmer gestoßen sein. Der Gottesacker dieser alten Stadt soll da gewesen sein, wo sich jetzt das Königliche Amtsgericht befindet.

Weiter soll am gegenüberliegenden Geiersberge ein Kloster gestanden haben, dessen Alter bis gegen die Mitte des 14. Jahrhunderts hinaufreichte. Der Klosterhof befand sich nach der Volksüberlieferung an der Stelle des heutigen Marktplatzes, und man bringt auch einen unterirdischen Gang, welcher sich vom Rietzsch'schen bis in das Dörfel'sche Haus hinziehen soll, damit in Verbindung. Erzählt wird, daß man in diesem Gange einen eingemauerten Sarg gefunden habe.

Nach der Überlieferung wurde dieses Kloster in der Christnacht des Jahres 1429 von den Hussiten zerstört, und dabei wurden auch die einzelnen Ansiedlungen in seiner Nähe und der älteste Anfang der Stadt am Borberge vernichtet. Diese alte Stadt blieb nach jener Zeit in Trümmern liegen, die überlebende Bevölkerung verließ die alte Lage und errichtete ihre Gehöfte am Gehänge des Geiersberges und an den Ruinen des Klosters. Aus diesem zweiten Anbau nun entwickelte sich die jetzige Stadt Kirchberg.

654. Der Friedensstein am Streitwalde bei Zwönitz.

(Dietrich und Textor, Die romant. Sagen des Erzgeb. 1. B. S. 335 etc. Darnach bei Gräße a. a. O. No. 562.)

Als Ernst, Herr und Graf zu Schönburg, und Bruno von Schönberg, Herr der Pflege Stollberg, Thum, Niederzwönitz und Gelenau, im Jahre 1476 von einem Zuge ins heilige Land zurückgekehrt waren, legten sie das Ritterschwert im hohen Waffensaale nieder, um unter ihren Unterthanen zu wohnen, deren Wohlstand durch den Bergbau täglich wuchs.

Während ihrer Abwesenheit war auf Veranlassung des Abtes zu Grünhain, eines stolzen und herrschsüchtigen Mannes, ein harter Grenzstreit zwischen den Vögten der Grafschaft Hartenstein und denen der Pflege Stollberg über den Besitz eines weiten Forstes ausgebrochen, welcher zwischen ihren Grenzen und denen der Abtei Grünhain mitten ihnen lag. Der Streit übertrug sich auch auf ihre beiderseitigen Unterthanen, und der Abt war seinem Ziele nahe, jetzt sagen zu können: »Keinem von Euch beiden, sondern mir gehört der Forst.« Da starb er plötzlich. Sein Nachfolger, der Abt Johannes, war ein milder Priester, welcher den Streit nicht weiter schürte, vielmehr eine Versöhnung der inzwischen aus Palästina zurückgekehrten Herren vermittelte. Dieselben kamen auf freiem Felde unter Gottes blauem Himmel zusammen und durch Händedruck und Bruderkuß wurde die Versöhnung besiegelt. An der Stelle aber, wo dies geschah, wurde ein Stein errichtet, den der Abt segnete und mit Weihwasser, geschöpft aus dem in der Nähe befindlichen heilbringenden »guten Brunnen«, besprengte. Am Abende dieses Tages wurde im Städtlein Zwönitz ein frohes Fest gefeiert, und der Abt verlieh dabei genannter Stadt ein neues Wappenschild: Den buntgefiederten Sittich im blauen Felde. Der Stein aber wurde später mit dem Wappenschilde der Abtei Grünhain und dem von den Grafen und Herren von Schönburg geziert; der Volksglaube gab ihm Wunderkräfte, Stücken von ihm wurden zu Pulver gerieben und sollten in allerlei Leiden und Schwächen des Körpers die ersprießlichsten Dienste leisten. Der streitige Forst erhielt später den Namen Streitwald, welchen er noch heute führt.

655. Der Peststein bei Rauenstein.

(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirgs. 1. B. S. 305 etc. Darnach bei Gräße a. a. O. No. 563.)

Ein furchtbarer Krieg war vorüber; nach ihm erschienen teure Jahre, die Hungersnot und die Pest. Am verheerendsten wütete letztere im niedern Erzgebirge bis gegen Rauenstein und Lengefeld. Die letztgenannte Stadt wurde deshalb von dem Verkehre abgesperrt. Nun lebte aber in dem nahen Reifland ein junger Mann, der Sohn des Richters, welcher mit der Enkelin des ehrwürdigen alten Pfarrers zu Lengefeld verlobt war. Einst hatte er dieselbe mit eigener Lebensgefahr aus den Fluten der Flöha gerettet. Da nun die schreckliche Pest jeden Tag neue Opfer forderte und auch seine Braut, deren Vater und Großvater davon befallen wurde, brach der Jüngling nach Freiberg auf, wo unterdeß die Pest nachgelassen hatte. Dort hatten die Totengräber mehrere gewürzhafte Kräuter und Wurzeln in scharfen Essig aufgesetzt und damit sich selbst und vielen geholfen. Mit diesem Wunderessig, von welchem ihm die Totengräber angegeben hatten, daß er ihn aus einer berühmten Apotheke hole, kehrte der Jüngling um Mitternacht nach Reifland zurück, und als er seinen schlafenden Vater geküßt, schwamm er über die Flöha und gelangte unbemerkt zwischen den Wachen hindurch nach Lengefeld. Um den Vater seiner Braut zu retten, kam er zwar zu spät, allein es gelang ihm doch, diese selbst, sowie deren Großvater und viele andere mit seinem Wunderessig wieder herzustellen. Bald verschwand die furchtbare Pest, die Sperre wurde aufgehoben und die übrig gebliebenen Bewohner von Lengefeld, Rauenstein und Reifland feierten ein Wiedersehens- und Dankfest. Auf der Stelle, wo dies geschah und die Einwohner genannter Orte sich trafen, wurde zur Erinnerung ein Stein aufgerichtet und dieser bewahrt noch heute die Erinnerung an jene traurige Zeit.

656. Der rote Stein auf der Kirchgasse zu Annaberg.

(Ziehnert a. a. O., Anhang, No. 26.)

Auf der unteren Hälfte der großen Kirchgasse in Annaberg befindet sich im Pflaster ein roter Stein, von dem folgendes erzählt wird:

Ein Chorknabe stand auf der Galerie des Kirchturms und ward von einem Windstoß gefaßt und herabgeworfen. Da aber sein Chormantel ihm als Fallschirm diente, so kam er glücklich und wohlbehalten auf die Erde. Dies sah ein Schieferdecker, und alsbald kam dem verwogenen Gesellen ein Lüsten an, dieselbe Fahrt, welche ihm lustig genug schien, auch zu versuchen. Er nahm also einen Mantel um, stieg auf den Turm und sprang herab. Aber wehe, der Mantel verwickelte sich, und kopfüber im jählingen Sturze schmetterte der tollkühne Schieferdecker auf das Pflaster. Wo er seinen blutigen Tod fand, setzte man zum Andenken an diese Begebenheit den roten Stein in das Pflaster.

657. Das Kreuz und der Kelch bei Wolkenstein.

(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 16. Fr. W. Köhler, Hist. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein, 1781, S. 237.)

In der Mitte einer 100 Ellen hohen, steilen Felsenwand, welche an der Zschopau sich erhebt und das Schloß Wolkenstein trägt, waren früher ein Kreuz und Kelch in den Stein eingehauen. Diese beiden Zeichen erinnerten an eine traurige Begebenheit. Nämlich im Jahre 1428 ergriffen die Hussiten einen papistischen Priester in Wolkenstein und drohten ihm mit dem Tode, wenn er nicht sogleich seinen Glauben ändern würde. Der fromme, festgläubige Mann aber bekannte frei, ehe er dies thäte, wollte er lieber sterben. Hierauf schleppten ihn die Hussiten erbarmungslos an den Rand der steilen Felsenwand und stießen ihn hinab. An den vorragenden Felsenzacken zerschmettert, versank sein Leichnam in den Fluten der Zschopau.

658. Zeichen auf dem Katzensteine.

(Steinbach, Historie von Zöblitz, Dreßden, 1750, S. 13.)

Bei Pobershau, am linken Ufer der schwarzen Pockau erhebt sich der wildromantische Katzenstein. Derselbe formiert unterschiedliche Absätze und Stufen, welche durch ihren Zusammenschub sich gleichsam als ein Meisterstück ganz artig dem Gesichte vorstellen. Oben auf findet man einen großen länglichrunden Stein, darin etliche unbekannte Charaktere gehauen sind, und soll einstmals ein Kurfürst zu Sachsen auf diesem Steine gefrühstückt haben.

Nach Merkels und Engelhardts 1804 erschienenen Erdbeschreibung von Kursachsen (2. B., S. 5) sollen neben unleserlichen Inschriften auf dem Steine auch verwitterte Figuren von Tellern, Messer und Gabel zu sehen gewesen sein. Nach derselben Quelle war der in der Sage angeführte Kurfürst möglicherweise Johann Georg I., wenigstem will man früher noch das Wort Georg auf dem Steine erkannt haben.

659. Die zwei Messer zu Eibenstock.

(Oettel, Historie von Eybenstock, 1748, S. 354.)

Am Ostermontag des Jahres 1621 sind bei dem Schenkwirt Hans Meichsner zu Eibenstock zwei junge Burschen von 18 Jahren, G. Unger und Chr. Fröhlich, zu Biere gewesen, aber mit einander uneins worden und haben sich geschlagen. Solches haben sie so lange getrieben, bis Fröhlich mit einem Messer dem Unger gegen das Herz einen Stich gegeben, darüber er alsbald gestorben. Zuvor aber hat Unger das Messer wieder herausgezogen und den Fröhlich wieder gestochen, doch hat sich dieser auf die Flucht begeben. Hernach ist über ihn auf dem Markte öffentlich Halsgericht gehalten, und damit diese schreckliche That den Nachkommen im Gedächtnis bleiben möge, sind 2 Messer in einen Stein gehauen, und solcher an der Ecke der Brotbänke, wo früher der hölzerne Esel stand, aufgerichtet worden.

660. Das Steinkreuz bei Schlettau.

(Mündlich.)

An der Straße, die von Scheibenberg nach Schlettau führt, steht nahe vor letzterem Orte ein altes, starkverwittertes Steinkreuz. Dasselbe soll die Stelle bezeichnen, an welcher im 30jährigen Kriege ein schwedischer Offizier begraben wurde.

661. Das Steinkreuz bei Werda.

(Mündlich.)

In Werda bei Falkenstein steht neben der Straße gegenüber dem Pfarrhause ein altes Kreuz von Granit, wahrscheinlich aus katholischer Zeit stammend. Die Sage geht davon, daß an dieser Stelle ein vornehmer Soldat im Kampfe gefallen sei.

662. Der Denkstein zwischen Hauptmannsgrün und Waldkirchen.

(Köhler, Volksbrauch im Vogtlande, S. 598.)

Vor mehreren Jahren stand am Wege von Hauptmannsgrün nach Waldkirchen, an der Grenze des ehemaligen erzgebirgischen Kreises, ein Stein mit eingehauener Ofengabel. An dieser Stelle soll nämlich ein Schafhirte von einigen Weibern mit einer Ofengabel erstochen worden sein. Der Hirte hatte mehr Schafe für sich behalten, als ihm zukam und als er deswegen von den Frauen zur Rede gesetzt ward, wurde er grob; es kam zu Streit und Thätlichkeiten und endigte mit dem gewaltsamen Tode des Hirten.

663. Der Denkstein im Streitwalde bei Hirschfeld.

(Mündlich.)

Zwischen Kirchberg und Hirschfeld führt von dem beide Orte verbindenden Kommunikationswege zur Linken ein kurzer Fußsteig in den gegenwärtig aus jungem Nadelholze bestehenden Streitwald. Nach vielleicht 20 Schritten befindet man sich an einem ungefähr einen Meter hohen, an den Ecken abgestoßenen und oben gewölbten, alten Steine, dessen Oberfläche zum Teil mit Flechten und Moos bedeckt ist. Doch sieht man auf ihm noch zwei gekreuzte Messer und ein Brotchen eingehauen. Hier sollen sich einst vor vielen Jahren bei einer Hungersnot zwei Frauen, welche zusammen in Wolfersgrün ein Brot gekauft hatten, mit ihren Messern erstochen haben, weil jede von ihnen das Brod ganz haben wollte.

664. Der Stein an der alten Frühbußer Straße.

(Mitgeteilt vom Lehrer Kretschmar in Wildenthal.)