Part 50
Die Sage berichtet, daß die Pfaffengrüner, als sie einstmals am Spitzberge das erste Kreuz aufgerichtet hatten, ein fröhliches Fest feierten und sich auf dem Dudelsack eines aufspielen ließen, als ob Kirmes gewesen wäre. Aber dieses Gedudel der Sackpfeifer war dem Herrn im Himmel nicht wohlgefällig, insonderheit, weil die Pfaffengrüner dabei tanzten, denn er ließ mitten in Spiel und Tanz ein Wetter heraufziehen. Während nun der Himmel ihnen mit seinen Posaunen gehörig aufspielte, daß es eine Art hatte, als ob es die Berge aufreißen wollte, fuhr plötzlich der Blitz in das Kreuz. Die Pfaffengrüner sahen alsbald ihr Unrecht ein, sie krochen ganz mäuschenstille auf den Spitzberg und errichteten dort beim Rosenkranzbeten ein neues Kreuz.
590. Der Dreimännerberg.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 48.)
Gegenüber dem zwischen Schlackenwerth und Joachimsthal sich erhebenden Braunsteine liegt der Dreimännerberg, allwo drei Männer bis an die letzten Lebenstage getrachtet hätten, nach der Anleitung des Eremiten »Jabes« (Johannes Niavis oder Schneevogel) den schwarzen Erzgang über dem Wolfsberge aufzumachen. Alle drei schlugen die Schächte über dem Herrnackerberge nieder, weil sie den schwarzen Gang so aufzuschließen im Sinne hatten, aber es blieb bei dem »Glückauf!« Und wenn sie hineinriefen in die Schächte, durch die Stollen und mit dem Hammer und Schlegel frugen, der schwarze Gang gab keinen Bescheid mit seinem tauben Gestein.
591. Der Rockenstein bei Schönheiderhammer.
(Lindner, Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des sächs. Erzgebirges, II. H. Annaberg, 1847, S. 30.)
Dicht an der Straße von Eibenstock nach Schönheiderhammer erhebt sich in der Nähe des letztgenannten Ortes ein zerklüfteter, hoher Granitfels, der Rockenstein genannt. Die Sage erzählt, daß einst ein tugendhaftes Mädchen mit ihrem Spinnrocken dem zudringlichen Gelüst eines rohen Jünglings entflohen und Sicherheit auf diesem in Wald gehüllten Granitfelsen gesucht, hier aber von ihrem Verfolger entdeckt und von dem Felsen herabgestürzt worden, indem nur der Rocken zurückgeblieben sei.
Diese Sage wurde jedenfalls später dem bereits bestehenden Namen des Felsens hinzugedichtet. Die ganze Beschaffenheit des Felsens, auf dem möglicherweise früher ein loser, hin und her zu wiegender Block lag, spricht dafür, daß unser Rockenstein identisch mit den »Rogensteinen« oder »Rocksteinen« Schwedens ist. Letztere sind »solche Felsstücke, welche eine Lage haben, als wären sie genau auf ihren Schwerpunkt gelegt, so daß sie mit geringer Kraft hin und her bewegt werden können.« (Afzelius, Volkssagen und Volkslieder aus Schweden, I. Leipzig, 1842, S. 44.) -- Noch sei es gestattet, wenn wirklich der Rockenstein früher ein Rock- oder Wackelstein war, die Frage anzuschließen: War derselbe ein heidnischer Opferstein? Die Wackelsteine, die man mit den keltischen Wagsteinen vergleichen kann, waren jedenfalls heidnische Opferstätten oder Beratungsorte und dienten auch als Orakel bei Prüfung der Frauentreue. Dann könnte unsere Sage aber auch eine schwache Erinnerung der altgermanischen Menschen- und insbesondere Jungfrauenopfer erhalten haben. Darauf würden überhaupt manche Sagen von Jungfern- und Mägdesprüngen zurückzuführen sein, (S. auch Nork, Sitten und Gebräuche der Deutschen, S. 353). Auf dem Oybin bei Zittau zeigt man einen solchen Jungfernsprung, d. h. die Stelle, von wo einst ein verfolgtes Mädchen hinabgesprungen sein soll. Noch ehe auf dem genannten Felsen ein Schloß und ein Kloster standen, war daselbst eine heidnische Kultusstätte, und schon Karl Preusker sprach in seinen Blicken in die vaterländische Vorzeit (III. S. 176.) die Vermutung aus, es könne die Sage vom Oybiner Jungfernsprunge eine Erinnerung an ein ehemaliges Menschen- resp. Jungfernopfer sein. (Moschkau, Oybin-Chronik, S. 10--13.)
Dürfte man etwas Ähnliches auch bei unserer Sage vom Rockensteine vermuten?
592. Ursprung des Namens Riesenberg bei Sosa.
(Hecht, Geschichte des kursächs. Bergfleckens Sosa, 1778, S. 15.)
Der zweithöchste Berg in der Umgebung des Dorfes Sosa bei Eibenstock ist der Riesenberg, auf welchem der Sosaer Bach entspringt. Die Bergleute haben auf diesem Berge oft Menschenknochen von einer besonderen Größe gefunden. Daher ist der Name des Berges entstanden.
593. Deutung des Bergnamens Mehltheuer bei Stein.
(Grundigs Nachricht vom ehemaligen Schlosse Eisenburg in Kreisig, Beiträge zur Hist. d. Churs. Lande, 2. T., S. 383.)
Zwischen Schloß Stein und Niederschlema erhebt sich am rechten Muldenufer ein bewaldeter Berg, der Mehltheuer genannt. Derselbe soll seinen Namen davon haben, daß auf ihm in teurer Zeit Mehl hervorgequollen sei.
594. Der Claußberg in Schneeberg.
(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, 1716, S. 24.)
Die dem Kirchberge gegenüberliegende Anhöhe in Schneeberg, auf welcher das K. Seminar steht, führt den Namen Claußberg. Den Ursprung desselben leitet man davon ab, daß auf ihr einst ein Edelmann, namens Clauß, mit einer Armbrust von einem Bauer erschossen worden sein soll.
595. Der Galgenberg bei Euba.
(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 4.)
Am südlichen Ende des zwischen Chemnitz und Schellenberg gelegenen Dorfes Euba erhebt sich eine kleine Anhöhe, der Galgenberg genannt, von der man eine herrliche Aussicht auf das obere Gebirge und abwärts bis in die Gegenden von Oschatz und Rochlitz genießt. Auf dieser Höhe befindet sich eine einfache hölzerne Säule, welche der jedesmalige Eigentümer der Anhöhe in baulichem Zustande zu erhalten hat. Man hält sie der Sage nach für einen ehemaligen Galgen, an welchem im 30jährigen Kriege ein Corps Schweden, welches da seinem Feinde gegenübergestanden, einen gefangenen Spion soll aufgehängt haben. Daher der Name Galgenberg.
596. Das Buttertöpfchen bei Frauenstein.
(~Dr.~ Hasse im Glückauf, 3. Jahrg., No. 3., z. T. mündlich. Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 7.)
Das Buttertöpfchen heißt im Munde des Volkes ein Felsenzahn bei Frauenstein. Ohne äußerlich sichtbaren Zusammenhang mit dem nahen und breiteren Quarzfelsen, der unter dem Namen »Weißer Stein« aus Geographien bekannter ist, erhebt er sich nicht allzu hoch aus freiem Felde, etwa hundert Schritte westlich von der Freiberg-Frauensteiner Chaussee, von der er jedem Passierenden ins Auge fällt, und ebensoweit von dem ihn gegen Abend in mittäglicher Richtung umsäumenden »Hohebusch«, einem ausgedehnten Fichtenwalde des Frauensteiner Staatsforstreviers. Seinen Volksnamen »Buttertöpfchen« soll er davon erhalten haben, daß hier lagernde Hussiten vor ihrem Abzuge, zum Andenken an ihren schrecklichen Aufenthalt die Umrisse eines Kelches in eine Seitenfläche des Felsens eingegraben, woraus die damals dem katholischen Dogma der Kelchentziehung noch fest anhangenden Umwohner oder ihre Geistlichen zum Spott, wegen der Ähnlichkeit der Figur, ein Butternäpfchen oder Töpfchen gemacht haben sollen. Die andere Annahme, daß der Volksmund den isolierten, im Laufe der Jahrhunderte ziemlich verwitterten Felsen wegen seiner eigenen Ähnlichkeit mit einem solchen Gefäße so genannt habe, hat deswegen weniger Wahrscheinlichkeit für sich, weil eine solche Ähnlichkeit von keiner Phantasie zu entdecken sein dürfte.
Noch giebt es eine dritte Sage, nach welcher der Felsen seinen Namen von folgender Begebenheit haben soll: Es gingen einst zwei Burschen mit Butter von Burkersdorf nach Frauenstein. Als sie in die Nähe des Felsens kamen, gerieten sie mit einander in Streit und sie warfen sich in der Hitze mit ihren Buttertöpfen; dabei wurde einer von ihnen so unglücklich getroffen, daß er sofort tot hinstürzte. Zur Erinnerung an diese Begebenheit benannte man den an dem Thatorte stehenden Fels »Buttertöpfchen«.
597. Der Taufstein im Pechtelsgrüner Walde.
(Fickenwirth, Chronik von Lengenfeld, S. 276.)
In der südlich vom Dorfe Pechtelsgrün gelegenen Waldung liegt rechts von dem gewöhnlichen alten Fußsteige nach genanntem Dorfe in einem Fahrwege ein 4 Ellen langer und 1¼ Elle breiter Granitstein, worauf ein Kreuz eingehauen ist. Diesen einfachen, neben einem kleinen fließenden Wasser befindlichen Stein bezeichnet die Volkssage als einen Taufstein und setzt hinzu, daß vor langen Jahren in Kriegsnöten Emigranten sich in diesen finstern Wäldern verborgen gehabt und Gottesdienst hier gehalten und den Stein als Taufstein benutzt hätten.
598. Der »letzte Heller« und die Teufelskanzel am Schottenberge bei Annaberg.
(Nach O. Gießler, Sächs. Volkssagen (Stolpen o. J.), S. 128.)
Das Wirtshaus auf dem Schottenberge bei Annaberg wird »zum letzten Heller« genannt; ihm gegenüber sieht man Felsen, von denen einige die Form einer Kanzel haben und den Namen »Teufelskanzel« führen. Beide Namen werden auf folgende Begebenheit zurückgeführt.
Ein Student von der Prager Hochschule durchwanderte einst die wilde Gegend, wo jetzt die Städte Annaberg und Buchholz liegen. Als er eines Abends an den Fuß des Schottenbergs kam und die Sehma überschreiten wollte, wurde er von einem großen Bären angefallen, vor dem er sich nur durch eilige Flucht rettete. Atemlos und mit blutigen Streifen im Gesichte, welche die Gesträuche geschlagen hatten, erreichte er den Gipfel des Berges und gelangte nach wenig Schritten zu einem Häuschen, aus dem ihm ein Licht entgegenschimmerte. Von dem Wirte und dessen Frau freundlich bewillkommnet, erholte er sich bald bei Speise und Trank in der wohlerwärmten Stube. Nun hörte er von der redseligen Wirtin, welcher Gefahr er glücklich entgangen sei, denn in dem nahen Walde trieben böse Geister ihr Wesen und der Bär sei wahrscheinlich auch ein solcher gewesen. Nicht weit von ihrem Häuschen befinde sich im Walde ein Kreis von zackigen Felsen; dort solle der Teufel selbst wohnen und einen großen Schatz bewachen.
Als der von dem reichlich zugesprochenen Getränke erhitzte Student von dem Schatze hörte, sprang er auf und wollte einen Kampf mit dem Teufel wagen, um den Schatz zu gewinnen. »Den hebe ich mir«, rief er aus, »denn meinen letzten Heller habe ich bei euch vertrunken!« Die mahnenden Worte der Wirtsleute halfen nichts, der Student stürmte hinaus nach den bezeichneten Felsen. Dort rief er den Teufel herbei, und plötzlich tauchte eine schwarze Gestalt aus der Finsternis und sprach: »Was willst du?« Sogleich fiel der Student mit seinem Dolche über den Schwarzen her, doch wurde ihm die Waffe entwunden und in die Felsen geschleudert. Jetzt faßte er seinen Gegner wieder, da zuckte ein Blitz und beim Scheine desselben sah er noch deutlicher die schwarze Gestalt. Entsetzen erfaßte ihn nun und bewußtlos stürzte er zwischen den Felsen nieder.
In dem Häuschen aber warteten unterdeß die Wirtsleute vergeblich auf die Rückkehr des Studenten. Als sie am Morgen durch das Fenster blickten, sahen sie zu ihrem Schrecken den Teufel auf ihr Haus zukommen. Ehe sie sich noch verbergen konnten, trat derselbe bei ihnen ein und schleppte mühsam den leblosen Studenten mit sich. Wie er die Furcht der Leute erkannte, schlug er ein Kreuz und sprach: »Fürchtet euch nicht, ich bin ein Mensch wie ihr!« Und so war es auch. Es war der Schornsteinfeger, welcher auf dem Rückwege von dem Kloster Grünhain von der Nacht überrascht worden und in der Irre gegangen war, bis er sich an den Felsen ein Nachtlager gebettet hatte. Da war er durch den Ruf des Studenten aufgeweckt worden und noch halb im Schlafe war er auf denselben zugegangen. Als ihn dieser aber mit dem Dolche angefallen, erzählte er weiter, habe er sich zur Wehr gesetzt und einen grimmigen Kampf bestanden. Weiter wisse er nichts. Als er am Morgen aus seiner Ohnmacht erwacht sei, habe er blutend neben seinem Gegner gelegen, den er nun mit sich geschleppt. Während dieser Erzählung zeigten sich bei dem Studenten Lebenszeichen und es gelang auch bald, ihn wieder zum Bewußtsein zurückzubringen. Unter der Pflege seiner Wirtsleute erholte er sich, diese gewannen ihn lieb, und da er selbst gern an dem Orte bleiben wollte, nahmen sie ihn an Kindesstatt an und hinterließen ihm bei ihrem Tode das Haus, welches von nun an nach den vor dem Kampfe mit dem vermeintlichen Teufel von dem Studenten gesprochenen Worten »zum letzten Heller« genannt wurde. Die nahen Felsen hieß man nach jenem Kampfe die Teufelskanzel. Der ehemalige Student aber heiratete die Schwester des Schornsteinfegers und erfreute sich noch lange eines bescheidenen Wohlstandes.
599. Das rote Wässerchen bei Jöhstadt.
(Schumann und Schiffner, Lexikon v. Sachsen, 17. B., S. 103.)
Im Osten von Jöhstadt verbreitet sich über steiles und hohes Gebirge zwischen dem Schwarzwasser und der Preßnitz der Kriegswald, dessen Name nicht ohne Wahrscheinlichkeit auf ein den Hussiten geliefertes, doch für Sachsen unglücklich ausgefallenes Treffen bezogen wird. Man hat ganze Haufen von Totengebeinen gefunden, die mit Moos so verwachsen waren, daß sie gleichsam wie Stücken alter Mauern erschienen; ferner fand man daselbst viele Hufeisen, Pfeilspitzen, Hacken u. s. w. Das »rote Wässerchen« an der böhmischen Landstraße wurde nach der Volkssage von dem Blute benannt, das in jener Schlacht darin floß.
Wahrscheinlich beruht diese Sage auf folgender Begebenheit:
Wie die Hussiten sich Meister im Feld sahen, rüsteten sie sich 1426, um die entfremdeten Städte wieder zu erobern. Die Kurfürstin von Sachsen ließ, inzwischen ihr Gemahl, der Kurfürst Friedrich in Ungarn war, bei Freiberg ein großes Heer sammeln, und als dasselbe über den Wald kam, fanden sie bei Dorf Preslitz (Preßnitz) den Feind wohlgerüstet ihrer warten. Die Böhmen deckten sich mit ihren Schilden und hatten ihr Lager mit einer Burg von 500 Wagen mit Ketten umschlossen, führten auch lange Haken, mit denen sie die Reiter von den Pferden zogen. Wiewohl nun die Sächsischen sie tapfer angriffen, ihnen die Schilde mit Hellebarden vom Leib zogen und lang fochten, mußten sie doch endlich, von der Hitze noch mehr ermüdet und vom Staub geblendet, die Flucht ergreifen. Der Graf von Gleichen und sein Lieutenant, der Graf von Thun, wurden mit 9000 Mann erschlagen, darunter noch 12 Grafen, 4 Freiherrn, viel Ritter und Edle, 21 derer von Köckeritz und einer von Schönborn mit 5 Söhnen, da der sechste daheim in der Wiege lag. Conrad von Einsiedel ward gefangen, kam in die Türkei, ward nach 30 Jahren vor Belgrad wieder gefunden und daheim von den Seinen fast nicht mehr erkannt. Es ward nachmals eine Kapelle gebauet, an einem Bächlein, das mit dem Blute der Erschlagenen soll geflossen sein. (S. Sächsischen Helden-Saal, Nürnberg, 1734, 2. T., S. 18.) Was hier in die Gegend von Preßnitz verlegt wird, geschah jedoch bei Außig.
600. Von den Namen einiger Brunnen.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 252 und 253. Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 67. Bahn, Hist. Nachrichten von Frankenberg und Sachsenburg, S. 17. Richter, Chron. von Chemnitz, S. 36. Merkels und Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 2. B., S. 200.)
1) Der +Jüdenbrunnen+ bei Kühnheide, dessen in einer alten Berg- und Mönchsschrift gedacht wird, wurde vorzeiten von den Jüden und Wallonen der Goldkörner wegen besucht.
2) Mit dem Wasser des +Löffelbrunnens+ auf Satzunger und Preßnitzer Revier hat man in Kriegszeiten die Kinder getauft.
3) An dem +Traubrunnen+ zu Steinbach hat man in Kriegsläuften die Eheleute getraut.
4) Der +kurfürstliche Jagdbrunnen+ liegt eine Meile von Crottendorf nach dem Eisenberge zu. Aus ihm hat Johann Georg I. im Jahre 1613 oft getrunken und dabei gerühmt, daß ihm kein Wein noch Bier besser geschmeckt habe. Er ließ auch den Brunnen für seine Jäger einzimmern, die letzteren aber schnitten daneben in einen Baum eine Trinkkanne ein, die Vorbeigehenden des gesunden Wassers zu versichern.
5) Der +süße Kühl-+ und +Löschbrunnen+ zu Schlettau. Am 23. Febr. 1646 lief der Waffenstillstand zwischen Kursachsen und den Schweden zu Ende. General Wrangel kam mit 20 Regimentern über den Preßnitzer Paß und hatte das Hauptquartier in Schlettau bezogen. Der linke Flügel lag im Felde und im Grunde bei den Teichen. Da standen viel Oberste zu Roß und Fuß bei einem frischen Brünnlein, zogen ihre silbernen und vergoldeten Becher heraus, schöpften Wasser, löschten den Durst auf das annabergische Bier, und lobten und priesen dabei das gute, gesunde Wasser viel höher als Bier.
6) Am Fuße des Hochleitenberges bei Pürstein befindet sich ein Brunnen, dessen Wasser aus den Felsen hervordringt, und heißt +Finkenbrunnen+. Nach einer alten Sage haben dort drei Monarchen bei einem Labetrunk dieses Wassers sich zum Bunde vereinigt.
7) In einer Waldung bei Frankenberg, das Gehege genannt, in welcher die Kurfürsten öfters gejagt haben, sind zwei Börner, welche die +Goldbörner+ heißen, davon eine Sage ist, daß der Kurfürst Johann Georg I., glorwürdigsten Andenkens, auf der Jagd daraus getrunken und dazu gesagt habe: »Das Wasser ist Goldes wert!« worauf er etliche Dukaten in die Börner geworfen, die dem anwesenden Förster zu teil geworden, der von selbiger Zeit an diese Börner seine Goldbörner genannt hätte.
8) In dem Zeisigwalde bei Chemnitz, welcher früher auch der Kaiserforst und das Bramenholz genannt wurde, ist eine Quelle, welche der +Goldborn+ heißt. Der Goldborn diente den alten Mütterchen zum Scherz, wenn sie den Kindern erzählten, daß der Storch die kleinen Kinder aus dem Goldborne hole und bringe.
In dem Scherz liegt ein tieferer Sinn, indem derselbe darauf hinweist, daß Brunnen Symbole der Fruchtbarkeit sind. Das Wasser ist ein Bild der Erzeugung, und daher der Glaube, daß der Storch die kleinen Kinder aus einem Brunnen holt. Auf dem Queckborn in Dresden stand früher das Bild eines Storches.
9) Im Walde am Schatzensteine bei Elterlein liegt der +Zigeunerbrunnen+. Der Sage nach hatten an demselben einst Zigeuner, welche in dem Walde hauseten, ihren Lagerplatz. Sie durchzogen wie Heuschrecken das Land und am Schatzensteine teilten sie ihre Schätze; daher der Name desselben.
601. Ursprung der Namen verschiedener Zechen.
1) »+Grauen Manns Fundgrube+« bei Johanngeorgenstadt. Der Name soll von einem grauen Männchen, das man daselbst gesehen haben will, herrühren.
2) »+Glockenklang+ und +Vogelgesanger Fdgr.+« bei Johanngeorgenstadt hat ihren Namen und Ursprung von einem starken Geläute, welches man auf des Försters Vogelherd einige Tage vernommen, so deutlich, als geschehe es in einer nahegelegenen Stadt, wobei man auch zuweilen ein Bobern oder Lummern in der Erde verspürte.
3) »+Hohe Tanne+« bei Johanngeorgenstadt. Der Name rührt daher: Etliche Bergleute schürften nach einem Zwittergang, und als sie im Schurf arbeiteten, geschah in dem nächst stehenden Tannenstummel ein solcher Knall, daß zugleich die Splitter davon wegsprangen.
4) »+Scheller Traum+« am Jugler Wege bei Johanngeorgenstadt. Der Name rührt von einem Traume her, welchen eine Frau gehabt und der den Ort anzeigte, wo man einschlagen müsse.
(Engelschall, Beschr. der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt, 1723, S. 229. 244. 246.)
5) Dicht bei dem K. Blaufarbenwerke in Oberschlema findet sich ein alter Stollen, das +Bocksloch+ genannt. In demselben soll sich ein Gespenst in Gestalt eines großen, schwarzen Bockes zu gewissen Zeiten und sonderlich des Mittags und um Mitternacht sehen lassen, um die Vorübergehenden zu necken.
(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, 1716, S. 47.)
6) Die +fruchtbare Thorheit+, eine frühere Silbergrube bei Schneeberg, erhielt ihren Namen von folgender Begebenheit: In den ersten Jahren des Schneeberger Silberbergbaues war man so silberhungrig, daß man jeden Fleck Erde für das Gewölbe einer unterirdischen Schatzkammer halten mochte. Damals schlug auch der Münzmeister Funk sogar in seiner Schmelzhütte ein und beschädigte dadurch das Gebäude, worüber man allgemein lachte. Da aber nachher die Zeche ergiebig war, nannte man sie bezeichnend »fruchtbare Thorheit.« (Merkels und Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 1. B., S. 171.)
602. Die alte Mordgrube bei Freiberg.
(Moller, ~Theatrum Freibergense Chron.~ II, S. 61. Wilisch, Kirchen-Historie von Freiberg etc., II, S. 301.)
Eine der größten Zechen Freibergs war bereits vor Jahrhunderten diejenige, welche später die Mordgrube genannt wurde. Der Grund zu dieser Benennung schreibt sich von folgender Begebenheit her: Als die Gruben mit einer großen Menge Berghäuer belegt waren, welche an Feiertagen gewisse Zusammenkünfte, und dabei an den Zechenhäusern gemeine Tänze abhielten, geschah es, daß an einem solchen Orte, zwischen Berthelsdorf und Erbisdorf, als gerade ein öffentlicher Reihetanz abgehalten wurde, ein Priester mit der Monstranz vorüberging, um einen Kranken zu berichten. Als der voranschreitende Meßner das gebräuchliche Zeichen mit dem Glöckchen gab, hat unter den Tanzenden und Zuschauenden niemand desselben wahrgenommen, außer der Spielmann, welcher zum Tanze gefiedelt; derselbe ließ sich auf das eine Knie nieder, um dem heiligen Sakrament Ehre zu erweisen. Da soll sich alsbald die Erde geöffnet und die ganze anwesende Gesellschaft lebendig verschlungen haben, ausgenommen den Spielmann, welcher sich auf einem kleinen Hügel erhielt, bis man ihm zu Hülfe kam. Darauf ist auch der Hügel niedergegangen, so daß man weder Tänzer noch Tänzerinnen mehr gesehen. Man hat lange Zeit darauf an diesem Orte nicht weiter bauen können und erlangte auch den Schmuck und das Geschmeide der Vergrabenen nicht wieder, so viel man sich Mühe gegeben. Was man des Tages bewältigte, das ist des Nachts wieder eingegangen. In der Kirche zu Erbisdorf soll früher die ganze Begebenheit bildlich dargestellt gewesen sein.
603. Ursprung des Namens Pacemmühle in Schneeberg.
(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 150.)
In der Pacemmühle an der Kobaltstraße in Schneeberg soll ehemals ein böhmischer Müller gewohnt haben, welcher zu jedem Knaben zu sagen und ihn zu rufen pflegte: ~Bacchale patszem!~ welches in böhmischer Sprache so viel geheißen als: Junge, komm her! Wie nun das erste Wort zu Schneeberg gar gemein geblieben, daß man einen Jungen ~Bacchale~ zu rufen pflegte, so hat auch das andere leicht den Namen des Pacemmüllers und der Pacemmühle aufbringen können.
604. Die Mordhütte bei Weiters-Wiese.
(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)
Unweit Weiters-Wiese bei Karlsfeld liegt im Walde ein altes Torfhaus, welches die Mordhütte genannt wird. Es soll früher daselbst eine Pechsiederei gewesen sein; der daselbst die Arbeiten leitende und Aufsicht führende Pechsteiger aber war durch irgend welche Umstände mit einem seiner Leute verfeindet. Als der Steiger nun eines Mittags in der Hütte schlief, goß ihm sein Untergebener siedendes Pech in den offen gehaltenen Mund, so daß er sterben mußte. Von dieser Begebenheit soll sich der Name jener Hütte herschreiben.
605. Das Stadtwappen von Geyer.
(Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., I. B., Schneeberg, 1740, S. 31 u. 32.)
Der Bergort Geyer hat in seinem Stadtwappen von langen Zeiten her drei Geiersköpfe. Dieselben beziehen sich auf die Sage von der Entstehung des Bergbaues in dem Geyersberge, an welchem das Bergstädtchen gegründet wurde. Einige glauben nämlich, daß durch einen Geier, welcher auf dem Geyersberge geheckt und viel Tauben und Hühner vom Hofe zu Tannenberg weggetragen, das Zwitterwerk zum Geyer erreget worden, indem die Schützen dem Geier nachgespüret und darüber schöne Zinngraupen angetroffen haben.
606. Das Wappen der Stadt Kirchberg.
(Anton Bär im Nachrichtsblatt für Kirchberg und Umgebung, 1881. Nr. 48.)
Die alte Stadt Kirchberg besaß drei Thore mit Türmen: im Osten das Schneeberger, im Norden das untere und im Süden das obere Thor. Als Bild führte nun die junge Stadt drei Thortürme oder auch die dreifach getürmte Kirche im Wappen.
607. Das Stadtwappen von Öderan.
(Nach der Kirchengalerie v. Sachsen, 2. B., S. 187. Wilisch, Kirchenhist. von Freiberg etc. II, S. 475.)