Part 47
Es ist bemerkenswert, daß sich in den Städtenamen des Erzgebirges die ganze heilige Familie, nämlich die Eltern der Maria, Joachim und Anna, durch Joachimsthal und Annaberg und die Eltern Jesu, Josef und Maria, durch Josephsstadt und Marienberg vertreten findet. Aus Josephsstadt entstand durch Zusammenziehung Jöhstadt, das als Dorf Gißdorf hieß. Joachimsthal soll nach Meltzer, (Bergkläufftige Beschreibung der löblichen Bergk-Stadt Schneeberg, 1684, S. 26) anfangs von den Bergleuten blos Thal genannt worden sein, »dahero auch dieses Geschrey beym Anfang desselbigen Bergkwerks entstunde: Im Thal, im Thal, mit Mutter mit all!«
528. Ursprung und Name von Elterlein.
(Lindner, Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des sächs. Erzgebirges, 1. H., Annaberg, 1844, S. 57. Grundig, Neue Versuche nützlicher Sammlungen etc., 1. B., 1750, S. 99. Joh. Poeschel im Glückauf, Jahrbuch für das Erzgebirge, 1884, S. 168 etc.)
Vor Jahrhunderten breitete sich eine dichte Waldung von der Gegend von Elterlein bis Wiesenthal aus. Reisenden war in der Nähe, wo jetzt Elterlein liegt, ein Altärlein für die Andacht aufgerichtet, um welches sich bald einige Häuserlein erhoben, die Schutz und Nahrung gewährten. Sie hießen die Häuser am Altärlein und gaben Anlaß für die allmählige Erbauung des Städtchens, welches in seinem Ratssiegel ein Altärlein mit zwei Kerzen und einem Kelche bis zur Stunde führt. Lange Zeit noch erhielt sich die Tradition, daß die Reisenden gemeiniglich unterwegs den Vorsatz gefaßt: »wenn wir zum Altärlein kommen, wollen wir uns Messe halten lassen; daher sei es gekommen, daß der Ort selbst nach und nach Altärlein, oder wie man jetzt schreibt, Elterlein sei genennet worden.«
Nach Richters »Umständlichen aus zuverlässigen Nachrichten zusammengetragenen Chronica der im Meißn. Obererzgebirge gelegenen Königl. Kurfürstl. Sächs. freyen Bergstadt St. Annaberg, II. Theil (Annaberg 1738) S. 31, soll Elterlein so viel heißen als »das ältere Lehen«, ~respectu~ Schlettau, welches bereits vormals den Schönburgischen Herrn zugestanden.«
Nach anderen soll Elterlein ehedem »Quedlinburg« geheißen haben.
Bei den Beschwerden und Gefährlichkeiten des Reisens in früheren Jahrhunderten war es Bedürfnis, daß die Reisenden vor einer Reise Gott um Schutz anflehten und nach derselben für seinen Schutz dankten. Diesem Bedürfnisse kam die Kirche dadurch entgegen, daß z. B. im Jahre 888 auf dem Konzil zu Mainz durch Erzbischof Liutbert dem Reisenden gestattet worden war, in Ermangelung einer Kapelle oder Kirche unter freiem Himmel an geweihten tragbaren Altären Messe halten zu lassen. Ein solcher Altar mochte auch da, wo jetzt Elterlein steht, durch das Cistercienserkloster Grünhain errichtet worden sein. Das Recht, derartige Altäre im Freien anzustellen, gehörte mit zu den besonderen Privilegien der Cistercienserklöster. (S. Joh. Poeschel a. a. O., S. 169.)
529. Ursprung des Namens Hermannsdorf bei Elterlein.
(Richter, Chronica von Annaberg, II, 1748, S. 31.)
Es soll in Hermannsdorf ehemals einer von Adel gewohnt haben, Hermann genannt, von dem habe das Dorf seinen Namen bekommen. Dessen drei hinterlassene Söhne aber, als Simon, Walther und Konrad, hätten die drei nahgelegenen Dörfer Sehma, Walthersdorf und Konradsdorf angebaut und bewohnt.
Um Hermannsdorf hat auch früher ein großer Buchenwald gestanden, also, daß die Annaberg'schen Bergleute, die solches Holz oft geholt, die Hermannsdörfer nur die »Hainbuchner Bauern« geheißen.
530. Ursprung des Namens Crandorf.
(Richter, a. a. O., II, 1748, S. 33.)
Einige Alten wollten wissen, daß der Anbau von Crandorf zur Zeit des Hussitenkrieges im 15. Jahrhundert seinen Anfang genommen habe, da einige von den Verfolgten aus Böhmen in die damals in dortiger Gegend ausgebreiteten Wälder geflohen seien. Sie hätten dann mit Holzschlagen und Kohlenbrennen ihre Nahrung gesucht. Weil nun in den Waldungen mancher »Kohl-Cram«, d. h. Häuschen für die Köhler, anzutreffen gewesen, oder weil sich die Ansiedler zu ihren Wohnungen anfangs nur solche niedrige Hütten gebaut, die einem »Kohl-Cram« nicht unähnlich geschienen, so hätte man den Ort anfänglich »Cramdorf« genannt, woraus später »Crandorf« geworden sei.
531. Ursprung des Namens Grünhain.
(Richter, a. a. O., II, 1748, S. 34.)
Grünhain soll seinen Namen von dem grünen Hain haben, darin die Sorbenwenden ihre Götzen aufgerichtet, oder wenigstens haben sich die Mönche darin verliebt und ihr Kloster darinnen aufgebaut.
532. Von dem Namen Hermannsdorf bei Weißbach.
(Mündlich. Schumann, Lex. von Sachsen, 12. B., S. 548. Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 31, 59, 60.)
Hermannsdorf oder Hermersdorf ist ein Ortsteil von Weißbach. Seinen Namen soll derselbe von einem gewissen Hermann erhalten haben, dessen Edelsitz nach der Volkssage im untern Teile des Ortes lag, wo man beim Kellergraben verschiedene alte Gefäße und in einem Garten tief in der Erde ein altes Hufeisen gefunden haben will. Man bezeichnet auch noch heute einen Felsen, welcher sich am Abhange eines kleinen, nördlich von Hermannsdorf im Walde liegenden Thales erhebt, als »Hermannsgrab.« Dicht an demselben führt ein Weg vorüber, welcher sich links von dem von Griesbach nach dem Orte führenden Wege abzweigt, und wenn man in unmittelbarer Nähe des Felsens auf diesem Wege scharf auftritt, so klingt es hohl, als ob man sich über einem Gewölbe befinde. Hier soll der genannte Hermann, welcher auch ein berühmter Heerführer gewesen sein soll, in einem silbernen Sarge begraben liegen. Manche erzählen, daß von dem Hermannsgrabe ein unterirdischer Gang bis nach Hermannsdorf führe. In dem anstoßenden Walde sind schon viele Leute des Nachts durch Lichter irre geführt worden, oder sie erblickten an dem oben erwähnten Felsen den Schlangenkönig mit goldener Krone. Früher war es Sitte, daß die Schützen von Hermannsdorf bei einem ihrer Feste jedes Jahr mit Musik nach diesem Platze zogen.
Am Hermannsgrabe sollen auch 1718 die acht Steinplatten mit uralten Inschriften gefunden worden sein, welche sich seit dem Jahre 1753 im Schlosse zu Wildenfels befinden. Die eine dieser Platten nennt einen »Hermin«, und man vermutet (jedoch mit Unrecht), daß dies ein Sohn Markgraf Eckarts I. gewesen sei, welcher zwischen 1029 und 1032 von den aufständischen Sorben erschlagen wurde. Auch verlegt die Volkssage in die Gegend, nämlich auf eine südlich von der Kirche zu Weißbach, dicht am Kirchhofe liegende kleine Anhöhe, welche früher mit einem Walle umgeben gewesen sein soll, die Stelle, wo einst die Rammels-, Rommels- oder Rummelsburg stand. Von dieser aus soll jener Hermann gegen die Sorben zu Felde gezogen sein.
Die genannten 8 Steinplatten bestehen bis auf eine, welche eine Grünschieferplatte ist, aus Thonschiefer. Adelung hat seiner Zeit die Inschriften für die ältesten Denkmäler obersächsischer Mundart erklärt. Sie lauten: ~1. Voir glabbe alla in ainen Got Vade Vahan.~ (Nun folgen die Figuren einer Krone, einer Geißel und eines Kreuzes.) ~2. Diser hogn ist im tuszend and tr... nati Chrs. 3. Da laitgodsa hermin was of a man Künglg anita vilil starn Amshabt and üm handa üm dar alaigt üm dar akogl haer um gumers din was dar bool bor. 4. Daristain haldi laits tuai. 5. sgrab dar harmit ludott bottai. 6. Dia Hermandr barrtn sundr sandan boolbor. 7. Das awas ab hagods. 8. Das Gebat~ (eine Überschrift des nun folgenden, aber nur bruchstückweise noch vorhandenen Vaterunsers) ~Voder onser du bist im Himel ... dein Voill gescho ...~
Nach Joh. Gottfried Wellers Erklärung besagt die Inschrift Folgendes: Wir glauben alle an einen Gott, Vater von (wegen) der Dornenkrone, der Geißel und des Kreuzes (des Leidens Christi). Dieser Hügel ist im tausend und dritten (13ten oder 30sten) Jahre ~Nat. Christi~. Da liegt Hermann, welcher war ein königlicher Mann hienieden, viel (vortrefflich) regierend amtshaft (amtsmäßig) und umhanden (um der Beschaffenheit oder Gelegenheit wegen). Darum er liegt am Ende des Eichhügels. Herr, um deines Jammers willen war er wohlgefahren. Der Stein enthüllt zwei Leute, des Grabs in dessen Mitte sie gelegt wurden. Die Hermunduren (Kriegsmänner) wurden (sind) wohlgefahren (selig gestorben) auch ohne Mönchskutten (~santan~ wahrscheinlich von ~sanctum~, weil hohe Personen sich im Mittelalter zum Beweis ihrer Frömmigkeit gern in Mönchskutten begraben ließen). Das war ihres Herrgotts wegen. Das Gebet. Vater unser u. s. w.
533. Entstehung des Namens Gottesgab.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 71. Krieglstein in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg. 3. und 4. Heft.)
Auf einem überaus stiefmütterlich ausgestatteten, unwirtbaren und frostigen Moorplateau des an Naturschönheiten aller Art reichen Erzgebirges liegt hart an der sächsischen Grenze Gottesgab, die höchstgelegene Stadt der österreichisch-ungarischen Monarchie. Ursprünglich Wintersgrün genannt, erhielt dieses Städtchen seiner Silbererze wegen, die hier im 16. Jahrhunderte zu Tage gefördert wurden, gar bald von frommen und dankbaren Bergleuten den bedeutungsvollen Namen: Gottes Gabe.
Der Sage nach verdankt Gottesgab die Entstehung seines Namens dem Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen. Als derselbe nämlich eines Tages mit seinem Gefolge nach Wintersgrün kam, das dazumal zu Sachsen gehörte, und den blühenden Bergbau in Augenschein nahm, setzte man ihm einen aus einer Silberstufe ausgehauenen Sessel zum Niedersetzen vor. Der fromme Kurfürst aber soll dieses Anerbieten mit den Worten abgewiesen haben: »Das ist Gottesgabe, und so soll die Stadt hinfüro genannt werden.« Daher hieß in der Folge die Bergstadt Gottesgab.
Nach einer andern Sage kam der Kurfürst Johann Friedrich einst mit seinem Jagdgefolge in die waldreiche Gegend der Hochebene. Da traf es sich, daß sein edles Roß, mit dem Hufe die Erde stampfend, ein ansehnliches Stück Silbererz zu Tage förderte. Über solch reichen Bergsegen erstaunt, rief der Fürst aus: »Das ist eine Gottesgabe!« Und darnach wurde bald darauf die infolge der daselbst brechenden reichen Silbererze entstehende Ansiedelung genannt.
534. Die Entstehung des Namens Abertham.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 83.)
An einem kleinen Bache, der roten Wistritz, liegt unweit am Fuße des waldlosen, gras- und moosbewachsenen Pleßberges auf einem rauhen Hochplateau das alte Bergstädtchen Abertham, über dessen Namensentstehung die Sage folgendes berichtet: Als um das Jahr 1529 ein Bergmann in der Aberthamer Gegend eine Silberader verfolgte und bei seiner Arbeit einen Damm schlug, wurde er von einem Fremden, der gerade vorüberging, gefragt, was er hier mache. Der Angeredete, welcher sich in seiner Beschäftigung nicht stören ließ, sagte kurz und schnauzig: »Einen Damm.« Der Fremde ging seines Weges weiter, kam aber nach kurzer Zeit wieder zu dem Orte, wo er den emsigen Bergmann bei der nämlichen Arbeit beschäftigt fand. Diesmal werde ich mit der Antwort glücklicher sein, dachte der Fremde und sprach: »Guter Freund, sagt mir doch, was für Arbeit Ihr da vollführt?« Allein der Bergmann gab ärgerlich, weil ihm entweder die Arbeit nicht gelingen wollte, oder er den Fragesteller, dem er schon einmal Rede gestanden, wieder erkannte, zur Antwort: »Aber einen Damm!« Aus diesen Worten entstand für die neue Bergkolonie der Name: »Am Abertham,« der in der Folge als »Abertham« dem Städtchen verblieb. Manche Leute aus der Umgebung gebrauchen noch die alte übliche Benennung: »Am Abertham.«
535. Ursprung des Namens der Stadt Platten.
(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica, 1590, S. 48.)
Es geben etliche für, die Platten soll ihren Namen haben vom ~Petro Plateano~, dem hochgelehrten Mann und wohlverdienten weitberühmten Schulmeister, welcher zu der Zeit, da er der Schul in Joachimsthal fürgestanden, bisweilen selbst am selben Ort geschurft haben soll, wie auch auf der Gottesgab. Soll des Morgens frühe mit etlichen großen Schülern aufgestanden sein, auf dieselben Gebirge hinaus gelaufen, geschurft und gearbeitet haben, bis zu der Zeit, da er in der Schul ~laboriren~ sollen.
536. Ursprung und Namensentstehung von Bärringen.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 86.)
Das ganze obere Erzgebirge war vor ungefähr 400 Jahren noch mit einem dichten Urwald von Fichten, Eichen und Buchen bedeckt, in welchem Eber, Dachse, Luchse, Elenthiere, Biber, Wölfe und Bären hausten. Auf das Vorkommen solcher Thiere weisen viele Bezeichnungen von Plätzen hin. So giebt es beispielsweise in der Umgebung von Platten einen Wolfsberg, eine Wolfspinge, einen Bärenfang, bei Salmthal am Abhange des Wölflings ein Bärenloch, bei Mariasorg einen Wolfsberg. Ja die Sage schreibt einem Bären sogar den Ursprung und Namen des Städtchens Bärringen zu. Sie lautet: Einst fuhr ein Bergmann von dem Dörfchen Irrgang nach dem heutigen Bärringen und bemerkte abseits des Weges im Walde, in der Gegend des sogenannten schwarzen Teiches, einen gewaltigen Bären, der mit seinen Tatzen die Erde aufwühlte, um sich ein Lager zurecht zu richten. Der Mann suchte, das grimmige Tier fürchtend, das Weite. Als er aber später auf demselben Wege nach Irrgang zurückfuhr, war von dem Bären nichts zu sehen. Deshalb ging er auf den Ort zu, wo der Bär gescharrt hatte, und erblickte erstaunt einen Schurf (Ring, Kreis), aus welchem Zinngraupen von ungewöhnlicher Größe hervorblinkten. An dieser vom Bären entblößten Lagerstätte von Zinnerz wurde im Jahre 1532 der Bergbau begonnen, dem das Städtchen, das durch Vereinigung der Wörter »Bär« und »Ring« den Namen Bärringen erhielt, seinen Ursprung verdankt. Darauf soll auch das Stadtwappen deuten, welches einen Bären vorstellt, der einen Ring in der Pfote hält.
Andere erzählen, daß Bärringen in seinen ersten Anfängen nur aus wenigen zerstreut liegenden, armseligen Hütten bestanden habe, welche Bergleute bewohnten. Eines Tages sahen mehrere Bergknappen zwei Bären im erbitterten Kampfe mit einander ringen. Als in der Folge mit dem Aufschwung des Bergbaues sich die Ansiedler mehrten und die Niederlassung zu einem zusammenhängenden und ansehnlichen Orte anwuchs, wurde dieser »Bär-Ringen« genannt, woraus sich im Laufe der Zeit das Wort Bärringen bildete.
Nach einer anderen Sage soll ein Bergmann mit einem Bären gerungen haben.
Ein jüngerer Bruder des ritterlichen Grafen Stephan Schlick, durch dessen vortreffliche Fürsorge Joachimsthal zu einer reichen, dichtbevölkerten Stadt emporblühte, verlor einmal auf einer Jagd im dunkeln Tannenforst der Bärringer Gegend einen prachtvollen Ring. Alles Suchen blieb erfolglos. Da bemerkte kurze Zeit darauf ein Bergmann auf einem alten Gemäuer einen Bären, der den verlorenen Ring des Grafen Schlick im Rachen hielt. Auch von dieser Begebenheit sucht man durch Verknüpfung der Wörter »Bär« und »Ring« die Benennung des Städtchens Bärringen abzuleiten.
537. Die Entstehung von Jahnsbach bei Thum.
(Dietrich und Textor, Die romantischen Sagen des Erzgebirges, 1822, I, S. 134 etc. Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, Nr. 41. Gießler, Sächs. Volkssagen, Stolpen o. J., S. 105.)
Ein Wandersmann, mit Namen Jahn, irrte bei Nacht in der Gegend des Greifensteins im Walde umher. Da trat ihm plötzlich eine zwerghafte Geistergestalt entgegen und winkte, ihm zu folgen. Nicht ohne Grausen folgte Jahn. Über Stock und Stein führte ihn der Zwerg, bis sie endlich an eine Höhle kamen, die sich, sobald sie eintraten, mächtig erweiterte und ein prächtiges Ansehen gewann. Die Wände waren von Silber, die Tische und Stühle von Gold. Tausend krystallene Leuchter mit langen Kerzen verbreiteten einen blendenden Glanz über das ganze Gewölbe. Zwölf Männer in stattlichen Rittergewändern und mit langen Bärten saßen an einer Tafel und speisten. Der Zwerg lud den erstaunten Jahn ein, sich zu setzen und am Mahl teilzunehmen. Der Hunger besiegte die Schüchternheit, -- Jahn setzte sich und aß und trank von dem, was ihm der Zwerg bot. Noch nie hatte er so köstlich getafelt; er ward erquickt und allmählich getrosten und frohen Mutes. Die zwölf schienen sich über ihn zu freuen und geboten dem Zwerge, sein Ränzel zu füllen. Mit herzlichem Danke schied Jahn von seinen gastfreien Wirten. Der Zwerg führte ihn aus der Höhle, welche, wie Jahn jetzt bemerkte, im Greifensteine war, und geleitete ihn auf die Straße, welche nach Böhmen führte und auf welcher Jahn sich nicht mehr verirren konnte. Dann verschwand er.
Als nun Jahn sein Ränzel auspackte, um zu sehen, womit ihn die freigebigen Geister beschenkt hatten, da fand er in demselben eine ziemliche Anzahl Barren gediegenen Goldes und Silbers. Voller Freuden gelobte er, dasselbe recht gut anzuwenden. Er baute also in der Gegend des Freiwaldes bei Thum mehrere Häuser, welche er armen Leuten ohne Mietzins überließ, und that auch sonst allerlei Gutes an Kranken und Armen. Später, als die Zahl jener Häuser sich vermehrte und ein ganzes Dorf daraus entstand, ward dasselbe ihm zum Andenken Jahnsbach genannt.
538. Woher der Name des Dorfes Müglitz bei Lauenstein stammt.
(Ed. Haller, Kurzgefaßte Volkssagen über den Mückenberg. Mückenberg, 1880. S. 8.)
Zu der Zeit, da auf dem Mückenberge bei Graupen reiches Zinnerz brach, wurde noch nicht mit genügender bergmännischer Vorsicht gebaut, so daß infolge dessen ein großer Teil des Berges samt zwei Arbeiterhäuschen im 14. Jahrhunderte untergingen. Dadurch ist die große Pinge am Mückentürmchen entstanden. Damals lebten auch die drei Gebrüder Müchle als Zinngrubenbesitzer in der Gegend, von denen das Dorf Müglitz (Michlitz) abstammen soll.
539. Ursprung des Namens Wolkenstein.
(Köhler, Histor. Nachrichten von der Bergstadt Wolkenstein. Schneeberg, 1781, S. 3. O. Mosen, Reisehandbuch für das sächs. Erzgebirge, 1882, S. 65.)
Wolkenstein soll seinen Namen von der Höhe des Schlosses, indem es fast die Wolken erreiche, und von dem Steine oder Felsen, auf welchem es erbaut ist, führen. Nach anderen stammt der Name von seinem mutmaßlichen Erbauer Bolko von Waldenburg, weshalb es eigentlich Bolkenstein heißen müßte.
540. Ursprung des Namens Eibenstock.
(Oettel, Alte und neue Historie der Bergstadt Eibenstock, 1748, S. 1 u. 2.)
Man will vorgeben, es hätte ehedem an dem Orte, wo jetzt die Kirche von Eibenstock erbauet ist, eine Eibe gestanden, bei deren Stock die anfahrenden Bergleute sich versammelt hätten; davon soll der Name der Stadt herkommen. Auch wurde erzählt, es sei aus dem Stamme der Eibe das früher in der Kirche stehende Kruzifix, nach anderen aber der Pfeiler der Kanzel gemacht worden.
541. Der Name des Schlosses Pürstein.
(Erzgebirgs-Zeitung, 1880, S. 67.)
Der Name des Schlosses Pürstein ist erst seit diesem Jahrhundert eingeführt. In früheren Zeiten hieß es Birsenstein, Pirssinstein, Pirschanstein, Pirkenstein. Der Name soll von einem alten Ritter herstammen, der mit Vorliebe in dieser Gegend »auf die Birsche« ging.
542. Ursprung des Ortsnamens Reitzenhain.
(Erzgebirgs-Zeitung, 1882, S. 41. Kirchengalerie, 12. B., S. 180.)
Reitzenhain erhielt nach Angabe der Eingebornen auf eigentümliche Art seinen jetzigen Namen. Da in früheren Zeiten der ganze Verkehr den Straßenfuhrwerken überlassen war, haben die Fuhrleute jedes an der Straße gelegene Wirtshaus »Han« genannt. Da nach ihren Berechnungen dort, wo jetzt Reitzenhain liegt, der dreizehnte »Han« war, so wurde dieses einzelnstehende Wirtshaus der dreizehnte Han, dann Dreizehnhan, Reitzenhan und endlich Reitzenhain genannt. Man schätzte dabei den dreizehnten Han als gleichweit von Leipzig und Prag entfernt.
543. Ursprung und Name des Bergstädtchens Brand.
(I. Wilisch, Kirchen-Hist. von Freyberg etc., II. S. 300. II. Novellistisch in E. H. Müllers Beschr. der Bergstadt Brand, 1858, S. 6 etc.)
I. Das Städtlein Brand soll seinen Namen daher haben, weil anfangs lauter Wald und Busch allhier gewesen, welchen nach der Zeit eine unvermutete Feuersbrunst größtenteils verzehret; darauf Gott Bergwerke in dieser Gegend gezeiget, und so hätte man anfänglich schlechte Zechen und Hüttenhäuser, da aber der Bergsegen sich reichlich vermehret, Wohnhäuser zu bauen angefangen, und habe sich das Bergvolk häufig allhier vermehret.
II. In dem Walde, welcher einst die Gegend, wo jetzt das Städtchen liegt, bedeckte, wohnte einst mit seiner Tochter der Köhler Klaus. Derselbe hatte in seine Hütte einen jungen Mann aus dem Thüringer Lande aufgenommen, welcher ihm als Gehülfe dienete und sich bald um die Gunst von seines Herrn Tochter Margaretha bemühte. Da geschah es eines Tages, daß auch ein junger Bergmann in die Hütte kam, der im Walde in eine Wolfsgrube gestürzt war und sich dabei so verletzt hatte, daß er einen vollen Tag bei dem Köhler verleben mußte, um sich zu erholen. Er stammte aus dem nahen Freiberg, und bald wurde er der Liebling des Vaters Klaus und der Verlobte von dessen Tochter. Darüber wurde der fremd zugereiste Gehülfe ergrimmt und in der Nacht nach der Hochzeit Margarethens mit dem fremden Bergknappen führte er seinen Racheplan aus. Plötzlich wälzte sich eine Feuerwolke über dem Boden hin, von allen Seiten kamen die Flammen gezüngelt und ergriffen auch sehr bald die Hütte des Vaters Klaus, in welcher alle im friedlichen Schlummer lagen. Nur mit Mühe entgingen die Neuvermählten dem Tode, ihr Vater aber kam in dem grausigen Flammenmeer, welches den größten Teil des Waldes verzehrte, um. Das Feuer wütete den ganzen folgenden Tag und eine Nacht hindurch, bis am nächsten Morgen ein gewaltiger Gewitterregen den Flammen ein Ziel setzte. Das junge Paar flüchtete nach Freiberg, wo die Glocken stürmten und von wo aus eine Rettungsschar den Fliehenden bereits entgegenkam. Erst am vierten Tage zogen die Flüchtlinge wieder hinaus auf die Brandstätte. Sie gingen in Freiberg von Haus zu Haus, suchten ihre ebenfalls mit ihnen aus den übrigen zerstreuten Köhlerhütten geflüchteten Gefährten und sprachen: »Wir wollen auf den Brand gehen!« Von der Hütte des Vaters Klaus, sowie von den übrigen Wohnungen war nichts mehr zu sehen, nur hie und da fanden sich Menschengebeine, welche man sammelte und in geheiligter Erde, auf dem Kirchhofe in Erbisdorf begrub. Als man dann an den alten Plätzen wieder Grund zu neuen Wohnungen grub, fand der Knappe eine Stufe rotgültigen Erzes und er legte die erste neue Grube auf dem Brande an, welche man später zum Gedächtnisse des göttlichen Segens den »Segensfürsten« nannte. Der Ruf von dem Silberreichtume verbreitete sich weiter und bald zogen noch andere Bergleute herbei, welche sich daselbst anbauten. Später wurden diese Berghütten, Wald- und Zechenhäuser auf dem Brande unter der Regierung des Herzogs Georg des Bärtigen im Jahre 1515 zu einer Gemeinde vereinigt und der Ort erhielt von da an den Namen »Bergstadt Brand.«
544. Ursprung des Dorfnamens Weißenborn.
(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 164.)
Das an der von Freiberg nach Frauenstein führenden Straße gelegene Dorf Weißenborn hat seinen Namen von einem unfern der Mulde vorhanden gewesenen Brunnen, welchem man Heilkräfte zuschrieb und bei welchem sich bisweilen eine weiße Frau sehen ließ.
545. Ursprung des Namens Conradsdorf.
(Sachsens Kirchengalerie, 2. B., S. 167.)
Conradsdorf, das einzige Dorf dieses Namens in Sachsen, liegt eine Stunde von Freiberg entfernt. Vermutlich hat es seinen Namen von seinem Erbauer und ersten Besitzer Conrad, obwohl behauptet wird, daß es dem Kaiser Conrad zu Ehren so genannt worden sei, der es mit besonderen Freiheiten begnadigte, die bis in die neueren Zeiten sich erhalten hatten.
546. Von dem Namen des Dorfes Ursprung.
(Sachsens Kirchengalerie, 8. B., S. 88.)
Der frühere Name des Dorfes Ursprung bei Hohenstein-Ernstthal ist Morspurg gewesen. In der Umgegend findet sich dafür die geläufigere Benennung Morspring. Nach einer sagenhaften Überlieferung soll der jetzige, um die Zeit der Reformation an seine Stelle getretene Name davon herrühren, daß aus dem oberen Gemeindeborne des Dorfes der Lungwitzbach entspringt, oder daß der Ort zur Zeit der Reformation das erste evangelische Pfarramt in dieser Gegend bekam.