Part 46
Im Jahre 1210 reiste ein Handelsmann aus Uffenheim im Frankenlande, mit Namen Sebald Ranius, begleitet von seinem Diener nach der Stadt Julin (Wollin) in Pommern. Als beide von Chemnitz aus glücklich durch die unsicheren Waldungen bis in die Gegend des Wolfsthales gelangt waren, wurden sie von den Räubern des Schellenberges überfallen. Nach heftigem Widerstande blieben sie auf dem Platze in ihrem Blute liegen, während der Wagen mit den Maultieren von den Räubern mitgenommen wurde. Einige herbeikommende Mönche vom Orden der schwarzen Brüder, welche am Ausgange des Wolfsthales, in der Gegend des jetzigen Hospitales bei Oederan, eine Kapelle erbaut hatten und für die Klöster zu Flöha und Chemnitz Almosen sammelten, kamen bald darauf an die Stelle und fanden den Herrn tot, den halbtoten Diener jedoch nahmen sie mit und verpflegten ihn. Als derselbe nach einigen Monaten geheilt war, reiste er wieder nach Uffenheim zurück. Im folgenden Jahre kam die Witwe des erschlagenen Ranius mit dem Diener an den Unglücksort, denn sie trug das Verlangen, den Platz zu besuchen, wo ihr Eheherr gestorben und begraben war. Sie beschenkte die schwarzen Brüder reichlich, ließ in der Kapelle Seelenmessen lesen und verordnete, daß an dem Platze des Überfalls ein Denkstein errichtet werde. Treulich befolgten dies die Brüder, fertigten ein Denkmal, und weil der Erschlagene Ranius, dessen Witwe aber Edda geheißen, so schrieben sie darauf: ~Edda Ranio~, d. h. Edda dem Ranius. Das Denkmal stand an der Stelle, wo sich jetzt der Gasthof zu den drei Schwanen befindet. Der Diener baute daneben ein Gasthaus, um die Pilger mit Speise und Trank zu erquicken. Auch die schwarzen Brüder benutzten diese Gelegenheit, verließen ihre Wohnung bei der Kapelle und bauten sich bei dem Denkmale an, an welchem sie nun ihre Almosen einsammelten. Von der Inschrift des Denkmals aber wurde diese kleine Ansiedelung »Edda Ranio«, genannt, woraus sich mit der Zeit der Name »Eddaran« und »Oederan« bildete. Die Ansiedelung vergrößerte sich, denn es entstand bald darauf eine Schmiede neben dem Gasthofe und später auch ein Kloster, das bald eine größere Menge von Ansiedlern herbeizog. Von diesen Ansiedlern lebt der Name eines einzigen fort, welcher gleich anfangs hier eine Mühle (die Kirschbaummühle) anlegte, und dessen Name sich bis auf unsere Zeiten erhalten hat.
513. Die Gründung von Mittelsayda.
(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 234.)
Der Sage nach ist der Anbau von Mittel- mit Ober- und Niedersayda in der Zeit des Hussitenkrieges unter Ziska und Prokopius zwischen 1419 und 1435 geschehen, da viele der bedrängten Hussiten abwanderten und sich in den waldigen Gegenden des Erzgebirges anbauten. Noch in diesem Jahrhunderte lebten in Obersayda zwei Familien, die Seyfert'sche und Zimmermann'sche, deren Vorfahren zu den Ausgewanderten gehörten.
514. Die Gründung des Dorfes St. Michaelis bei Freiberg.
(E. H. Müller, Beschr. der Bergstadt Brand, 1858, S. 28.)
In einem tiefen, fruchtbaren, mit Laubholz bewachsenen Thale bei Erbisdorf entdeckten einige Mönche aus Zelle ein klares rieselndes Quellwasser. Einem alten, im blutigen Kriegshandwerke ergrauten Ritter, welcher des rohen, wilden Lebens müde war, gefiel die abgelegene friedliche, von Grün umgebene Gegend so sehr, daß er hier sein Schwert niederlegte, eine Hütte erbaute und ein beschauliches Einsiedlerleben führte. Viele Menschen aus der Umgegend besuchten bald darauf den stillen, frommen und zugleich erfahrenen Mann und fragten ihn in besonders schwierigen Lebensfällen um Rat. Vorzugsweise galt er für einen guten Arzt und seine Arten von Thee sollen große Heilkuren bewirkt haben. Das klare Wasser seiner Quelle kam bald in den Ruf, daß es wunderbare Heilkräfte besitze und wider viele Gebrechen und Übel gute Dienste leiste. Später baute man, angeblich ums Jahr 1430, eine kleine Kapelle in der Nähe der Quelle, und der Abt zu Zelle widmete sie dem Erzengel Michael. An der Kapelle zu St. Michael dienten anfangs zwei, später nur ein Priester, der daselbst Messe las und Beichte hörte. Über dem geweihten Altare hing ein uraltes schwarzes, aber wunderthätiges Heiligenbild, von dem man aber völlig im Unklaren blieb, ob es den Erzengel Michael oder die Jungfrau Maria vorstellen sollte.
Die Kapelle, welche später mit dem Heiligenbilde durch einen Brand vernichtet wurde, war der Anfang des Dorfes St. Michaelis.
515. Die Gründung der Kirche zu Niederschönau.
(Nach der Kirchengalerie von Sachsen, 2. B. S. 216.)
Schon zu Zeiten der Kreuzzüge gab es in Niederschönau eine berühmte Wallfahrtskapelle, die Hundskapelle genannt, welche man aus weiter Entfernung besuchte. Die jetzige Kirche soll durch einen Ritter von Mergenheim oder Mergenthal gegründet worden sein. Derselbe hatte sich das Kreuz angeheftet und war zur Wiedergewinnung des heiligen Landes fortgezogen. Dabei that er das Gelübde, wenn er glücklich wieder in die Heimat zurückkehre, wolle er eine Kirche und Pfarrei begründen. So geschah es auch. Für die Pfarrstelle gab er ein ansehnliches Stück Land und eine nicht unbedeutende Waldung her; später aber sollen leider einige Priester ihren Haushälterinnen von dem Pfarrgrundstücke einige Parzellen zu verschaffen gewußt haben, jedenfalls dieselben, welche gegenwärtig mit einem sehr geringen Erbzins für den Pfarrer des Ortes belegt sind.
516. Der Ursprung des Dorfes Waschleite bei Schwarzenberg.
(Oesfeld, Hist. Beschreibung einiger merkwürd. Städte im Erzgebirge. II. 1777. S. 68. Lindner, Wanderungen durch die interessantesten Gegenden des Erzgebirges, I. H., Annaberg, 1844. S. 13.)
In dem Dörfchen Waschleute (Waschleite) hatten sich zu der frommen Klosterzeit in Grünhain Leute angesiedelt, die das Waschen und Scheuern im Kloster versahen; man hatte sich nicht die Mühe genommen, ihrem Ansiedelungsplatze einen Namen zu geben, denn waren sie nötig, so wußte jedermann, wo die Waschleute zu suchen waren. -- Das Gerichtssiegel des Ortes führt ein Waschfaß, an welchem zwei weibliche Personen mit Wäsche beschäftigt sind.
Historisch ist wohl, daß der Ort seine Entstehung und seinen Namen von Erzwäschereien erhielt, welche der reiche Hammerherr Kaspar Klinger 1500 nebst einer Schmelzhütte am Oswaldsbache anlegte. Das Dorf entstand auf einem Teile der Glaßberger Fluren. Das Dorf Glaßberg, welches im Hussitenkriege zerstört wurde, lag am Fuße des Glaßberges (Schatzensteins) und entlang am oberen Teile des Oswaldbaches. (Archiv f. sächs. Geschichte, 12. B., S. 91.)
517. Ursprung des Dorfes Geyersdorf bei Annaberg.
(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, 1746. S. 15.)
Daß lange vor der Erbauung von Annaberg schon Bergbau in der dortigen Gegend getrieben worden, erhellet daraus, daß das Dorf Geyersdorf, ¾ Stunde von der genannten Stadt entfernt, schon vor Gründung derselben angebaut gewesen und eigentlich Häuersdorf geheißen hat. Viele Bergleute von Geyer sind hierher gezogen und haben dem Dorfe den Namen gegeben, indem damals nichts als Häuer und andere Bergleute darinnen gewohnet. Auch hat an dem Pöhlberge ehemals ein Dorf gelegen, darinnen vielleicht auch Bergleute mögen gewohnt haben, welche hernach nach Geyersdorf gezogen sind, und welches Dorf damals, als St. Annaberg erbauet worden, schon wieder wüste gelegen und von seinen Einwohnern vielleicht wegen der gefährlichen Gewitter am Pöhlberge verlassen worden ist.
~Dr.~ E. Herzog nennt einen Ort Witzdorf, welcher ehedem zwischen Annaberg und dem Pöhlberge gelegen haben soll. (Archiv für sächs. Gesch. 10. B., S. 84.)
518. Ursprung des Namens Buchholz.
(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II. 1748. S. 17.)
Buchholz heißt eigentlich Catharinenberg, und weil auch ein Catharinen- oder Catharberg in Böhmen gelegen, in der Gegend des heutigen Annaberg und Buchholz aber ein Buchenwäldlein oder sogenanntes Buchholz vorhanden gewesen, so ist dieser, durch Erregung des Bergwerks angebaute Ort nach selbiger Zeiten Brauch der heiligen Catharina, als einer vermeinten Schutzpatronin, geeignet, dann aber zum Unterschied des Catharinenberg in Böhmen, St. Catharinenberg im Buchholz genannt worden; doch hat es meistens, nur der Kürze willen, den Namen Buchholz behalten.
519. Ursprung des Namens Grünstädtel.
(Richter, Chronica der freyen Bergstadt St. Annaberg, II. 1748, S. 25.)
Grünstädtel bei Schwarzenberg wird in Schriften »Dorff-Städtlein« genannt. Von Annaberg aus wurden nach seiner kleinen, der heiligen Anna geweihten Kirche große Wallfahrten unternommen. »Maßen denn auf dem Altar noch das Bildnis der St. Anna stehet, die in der einen Hand ~Salvatorem mundi~ mit der Erdkugel hält, und in der anderen Hand den heiligen Johannes; unter dem Bildnisse aber stehet in Holz eingeschnitten: ›O heilige Anna, hilf selb dritt!‹« Das Dorf hatte einen Jahrmarkt samt Brauen und freien Bierschenken, nebst Fleischbank, und darum wurde es »Städtel« genannt, bis nachgehends etliche Häuser nach Pöhla zu angebaut wurden, die man »die Grün« geheißen; so habe man's endlich zusammengesetzt und es sei »Grünstädtel« daraus geworden.
Die Verehrung der h. Anna, Maria's Mutter, war die Veranlassung zur Benennung Annabergs. Herzog Georg hatte bereits 1498 zu Ehren der h. Anna eine Kapelle für die Bergleute auf dem Schreckenberge erbauen lassen, da man von ihrer Verehrung Reichtum erhoffte. Die Inschrift unter ihrem Bildnisse in Grünstädtel: »O heilige Anna, hilf selb dritt«, bezieht sich auf die damalige Vorstellung, daß Anna, Maria und Jesus ganz unzertrennt von einander wären, und man nannte sie daher die erschaffene Dreieinigkeit. In der 1794 geschriebenen Geschichte des Pleißengrundes erzählt der Diaconus Gottlieb Göpfert, daß sich am Kirchthore zu Crimmitschau die Worte eingehauen finden: »Hilf St. Anna selb dritt uns allen Amen!« und er verweist dabei auf eine ähnliche Inschrift in der St. Annenkapelle in Freiberg, welche lautet: »Hilf St. Anna Du Gerechte mit alle Deinem Geschlechte!« Sind diese Inschriften noch vorhanden?
520. Gründung und Name des Dorfes Zschorlau.
(Nach Mitteilung des Lehrers E. Schlegel aus Zschorlau.)
Als einst die Sorben immer weiter nach Süden ins Gebirge gedrängt wurden, kamen sie auch in die Gegend, wo jetzt Zschorlau liegt. In dem dichten Walde, welcher die Gegend bedeckte, gelangten sie an eine frische, sprudelnde Quelle, an der sie ihr Mittagsmahl hielten. Das Thal gefiel ihnen so, daß sie beschlossen, sich hier niederzulassen. Die Quelle nannten sie eine »Zschorle«, aus welchem Worte nach und nach Zschorlau geworden ist. Noch heute wird jener Brunnen gezeigt, derselbe befindet sich im obersten Teile des Dorfes. Früher floß der Quell in einen Wasserkasten, später wurde ein kleines Häuschen darüber gebaut und jetzt fördert eine Pumpe das Wasser zu Tage.
Urkundlich wird das Dorf Zschorlau »Schorl, Schorel, Zschorl« genannt. Nach Immisch ist der Name von dem wendischen ~Zorlo~, die Quelle, abzuleiten.
521. Entdeckung des Karlsbader Sprudels.
(Albinus, Meißnische Bergk-Chronika, 1590, S. 191.)
Im Jahre 1370 ist Kaiser Karl IV. in der Gegend, da jetzt Karlsbad liegt, auf der Jagd gewesen. Nachdem aber ein Hund einem Wild etwas zu sehr nachgefolget und also in das heiße Wasser geraten, hat er alsbald ein großes Heulen und Geschrei angefangen. Als dies die Jäger vernommen und gedacht, der Hund hätte etwas angetroffen und gestellet, sind sie dem Geschrei nachgefolget und haben den Hund in dem heißen Pfuhl oder Moder gefunden. Wie solches dem Kaiser angezeigt worden, ist er mit vielen der Seinen hinunter geritten, und als er und seine Medici nachmals befunden, daß dies Wasser eine heilsame Art an sich hätte, auch solches an seinem eigenen Leib, weil er einen bösen Schenkel gehabt, probiert, hat er befohlen, daß man den Ort säubern, bebauen und bewohnen solle. Er ist auch in willens gewesen, alsbald eine große Stadt zu bauen und dieselbe mit Mauern zu umgeben, wie etliche Stück Mauern am Hirschenstein ausweisen. Daselbst ist noch zu sehen, daß Keller allda gewesen, denn der Kaiser wollte an diesem Orte ein Schloß bauen; weshalb dies aber unterblieben, weiß niemand zu sagen. Nur das wird auch von den Alten gesagt, daß der Ort, da gedachter Kaiser Karl seinen Schenkel gebadet, an der Stelle gewesen, wo jetzt das Rathaus stehet, wie denn noch ein Brunn drunter ist, nicht allzu heiß, sondern etwas laulicht. Daselbst soll man vor Zeiten einen Sessel, in Stein ausgehauen, gezeiget haben.
Historisch ist festgestellt, daß die warmen Quellen von Karlsbad bereits vor Kaiser Karl IV. und zwar schon im 11. Jahrhundert den Umwohnenden bekannt waren. Eine alte Karte, welche den Zustand Böhmens zu Anfang des 13. Jahrhunderts darstellt, hat auf der Stelle, wo sich heute Karlsbad befindet, einen Ort ~Wary~; dieses böhmische Wort drückt aber den Begriff Sieden oder Kochen aus. Jedenfalls entstand, nachdem die gelehrten, sich mit medizinischer Wissenschaft beschäftigenden Mönche der schon frühzeitig in dieser Gegend entstandenen Klöster auf die Heilkräftigkeit des Wassers aufmerksam geworden waren, dann in dem Tepelthale der Ort »Warmbad«, wie Karlsbad vielfach noch im Mittelalter genannt wurde. Historisch ist weiter, daß schon im Jahre 1325 dieses Warmbad vom König Johann, dem Vater Kaiser Karls IV., mit dem nahen Dorf Thiergarten belehnt wurde, und daß Karl IV. das Warmbad, welches er jedenfalls öfter besucht hatte, am 14. Aug. 1370 von Nürnberg aus zur Stadt erhob und derselben dabei seinen Namen verlieh. (S. Ausführliches bei Fr. Bernau, Die Kur- und Badestadt Karlsbad. Comotovia, 5. Jahrg. 1879.)
522. Die Entdeckung der Heilquellen von Teplitz.
(Comotovia, 1877, S. 106. Th. Schäfer, Führer durch Nordböhmen, 3. Auflage, S. 71. Josef Schwarzer in der Erzgebirgszeitung, VI, 9. und 10. Heft.)
Da, wo heute das Dorf Settenz liegt, wohnte einst ein begüterter und mächtiger Wladik oder Edelmann mit Namen Kolostuj. Dessen Hirten hatten eines Tages von ihrer weidenden Herde einige Schweine verloren, welche sie nach vielem Suchen in der Mitte eines nahen Waldes fanden, wie sie mit ihren Rüsseln in einem heißen Sumpfe wühlten. Das Wasser des Sumpfes schien seine Wärme von einem unterirdischen Feuer erhalten zu haben. Eiligst trugen nun die Hirten die Kunde von ihrer wunderbaren Entdeckung ihrem Herrn zu, und dieser verfügte sich sofort an Ort und Stelle und ließ daselbst in der Folge eine wohlbefestigte Holzburg erbauen.
Zu dieser Zeit aber regierte in Böhmen der Herzog Nezamislaus. Da bewog Biela, eine Verwandte des Herzogs und Herrin von Bilin, welche den Wladik Kolostuj wegen des wunderbaren Wassers beneidete, ihren Gemahl Kostial, daß er sich der Quelle durch einen Ueberfall bemächtige. Kostial rückte auch sofort mit 20 Knappen gegen die Burg Kolostuj's, doch mißlang der Angriff, da die Burg unterdeß in Verteidigungszustand versetzt worden war; Kostial fand dabei seinen Tod.
Noch bis zum Jahre 1793 wurden die Fichten gezeigt, unter denen Kostial von dem tödlichen Pfeile getroffen ward, und ebenso zeigt man noch heute bei dem in die Kirchengasse ausmündenden Ausgange des Teplitzer Schloßgartens ein mit zwei Türmchen geziertes Haus, welches als das erste, noch von Kolostuj herrührende Haus der Stadt Teplitz bezeichnet wird. An der Wand eines der Türmchen sieht man ein verwittertes Frescogemälde, das eine Figur darstellt, welche zum Fenster hinaussieht. Es soll den Ritter Kostial darstellen, der an dieser Stelle erschossen wurde. Auch zeigt man an der Korridorwand im Stadthause eine aus dem 17. Jahrhundert stammende bronzene Relieftafel, worauf in guter Ausführung abgebildet ist, wie die ihren borstigen Schützlingen folgenden Sauhirten die warme Quelle entdecken. Eine lateinische Inschrift dabei erzählt in gereimten Versen diese Historie. Sie lautet in deutscher Übersetzung:
»Unter dem Schirme des allerschaffenden dreieinigen Gottes, unter dem Schutze Johannes des Täufers, unter der Regierung des Herzogs Nezamislaus, als Kolostuj hierorts gebot, wurde durch dessen Schweine, die in den Wäldern auf der Weide waren und mit ihren Rüsseln die Thermen aufwühlten, unser Quell 762 entdeckt. Zum Andenken daran ward dieser Stein errichtet, angefertigt von dem Bildhauer Balthasar.«
Die obengenannte Jahreszahl entstammt einer freilich unverbürgten Angabe des altböhmischen Chronisten Menzel Hajek von Libotschan, welcher auch als Tag der Entdeckung der Quelle den 29. August, den Tag Johannes des Täufers, anführt. Josef Schwarz teilt dagegen (Erzgebirgszeitung VI, S. 135) mit, daß man beim Abtäufen der Urquelle 1879 alte Silbermünzen gefunden habe, die dafür zu sprechen scheinen, daß die Wirkung der Teplitzer Thermen bereits den alten Römern bekannt war. Diese Münzen sind vielleicht aus Dankbarkeit für günstige Heilerfolge der Quellennymphe gespendet worden. Auch beim Abtäufen der Riesenquelle bei Dux fand man Bronzeschmuck aus der Heidenzeit.
Der gelehrte Bohuslaw Balbinus vermutet aus dem Umstande, daß sich Kolostuj's Nachfolger, Radobeil Fürst von Teplitz, Saaz und Leipa nannte, es möge Teplitz bald zu den bedeutenderen Städten gehört haben, da sich Herzöge nur nach solchen nannten. Ferner erzählt er, daß einst die Quellen, wie dies auch später im Jahre 1755 bei dem Erdbeben von Lissabon geschah, plötzlich vor den Augen der Anwohner verschwunden seien, was man als eine Strafe der Gottheit ansah, weil sich die Besitzer den Gebrauch der Quellen hätten bezahlen lassen.
Im Gegensatz zu Hajeks Angabe, nach welcher die Entdeckung der Teplitzer warmen Quellen 762 erfolgt sei, giebt der schon genannte Balbinus das Jahr 502 n. Chr. an; von anderen Schriftstellern werden noch die Jahre 507, 616 und 858 angeführt. Das in dem Teplitzer Stadtwappen befindliche Bild des Hauptes Johannes des Täufers, welches auf einer wagerecht gestellten Schüssel ruht, bezieht sich auf die sagenhafte Angabe, daß der Tag der Entdeckung der 29. August gewesen sei. (Erzgebirgszeitung a. a. O.) -- Es ist nicht uninteressant, wie die Sage auch von andern warmen Heilquellen meldet, daß dieselben zufällig durch Tiere entdeckt wurden. So wird z. B. erzählt, die Schwefelquellen des Bades Warmbrunn in Schlesien seien im 12. Jahrhunderte bei einer Jagd des Herzogs Boleslaus von Schweidnitz und Jauer dadurch aufgefunden worden, daß man einen Hirsch aufspürte, welcher, seinem Instinkte folgend, in dem »warmen Borne« als leidendes Tier ein Bad nahm. (Vom Fels zum Meere. Sommerfrische, 1884, S. 500.)
523. Die Namen der Stadt Zwickau.
(Tobias Schmidt, ~Chronica Cygnea~ oder Beschreibung der sehr alten, löblichen und Churfürstl. Stadt Zwickau. Zwickau, 1656, S. 8.)
Einige halten dafür, Zwickau habe vor Alters geheißen ~Cygna~, sei also benannt von dem alten Fürsten ~Cygno~, welcher einesteils für ~Herculis~ Sohn, einesteils für seiner Nachkommen einen, einesteils auch für seinen Wandergesellen gehalten wird. Diesem sollen Gottesdienst und Ehre in der Gegend von Zwickau mit Aufbauung der Tempel und Altäre in der Heidenzeit erzeigt worden sein. -- Andere sagen, diese Stadt habe den Namen von ~Cygno~ des ~Harminii~ und Sachsen-Königs, so den Römer ~Quintilium Varum~ erlegt, Kriegs-Obristen einen, dem denn auch dieselbe Gegend, als einem Statthalter gegeben und zuletzt ganz erblich gelassen worden sei. -- Etliche leiten diesen Namen von demjenigen der alten Fürstin Schwanhildis ab und sprechen, dieselbe ganze Gegend von der Mulde an bis an die Pleiße sei derselben Frauen zu Ehren durch König Karl, Karls des Großen Sohn, nach ihrem Namen ~Cignavia~ oder Schwanenfeld benannt worden, wie auch die Reime am Rathaus vor Alters bezeugt haben, welche also gelautet:
Schwanhildis gherrscht an diesem Ort, Nach ihr Schwanfeld genannt ward.
Dieser Name ist eine lange Zeit gebräuchlich gewesen, nämlich bis auf Kaiser Heinrich des Ersten Zeiten, der Ursach gegeben, den Namen zu verändern und die Stadt vom Verzwicken Zwicka zu nennen. -- Etliche meinen, der Name sei daher gekommen, weil der Kaiser drei Schwanen zur Zeit der Erbauung habe sehen auf der Mulde schwimmen, so hätte er die Stadt davon genannt. Es haben zwar etliche noch andere Meinungen, aber sie können doch dieser nicht vorgezogen werden. Denn sie sagen, Zwicka habe des Namens Ursprung von Zwickbärten, welche die Zwickauer vor Zeiten getragen haben und sonsten nicht jedermann hat tragen dürfen, darauf sie auch sonderlichen sind privilegiert gewesen.
Immisch hat in seiner Arbeit über die slawischen Ortsnamen im Erzgebirge (Annaberg, 1866) die Ableitung des offenbar slawischen Namens Zwickau als von ~Wiki~, der Markt, möglich hingestellt, so daß derselbe dann mit ~Wikow~, dem wendischen Namen für Elsterwerda, gleichbedeutend wäre und so viel als Marktplatz heiße. Jedenfalls entwickelte sich die Ansiedlung infolge ihrer günstigen Lage sehr bald zu einem Handelsplatze; sie lag an den alten Verkehrswegen nach Böhmen zwischen Leipzig und Nürnberg, mußte also besonders im Mittelalter eine Station des Handelsverkehrs zwischen Nord- und Süddeutschland werden.
524. Ursprung des Dorfnamens Rittersberg bei Marienberg.
(Steinbach, Historie des Städtchens Zöblitz. Dresden, 1750, S. 12.)
Das Dörfchen Rittersberg bei Marienberg soll seinen Namen von einem Besitzer des Schlosses Lauterstein haben; und zwar, als es belagert worden, soll der Besitzer, welcher ein Räuber und Schwarzkünstler war, mit einem Pferde herab auf die Wiese gesprungen und das Pferd darüber in der Erde stecken geblieben sein. Hierauf habe er sich auf den Berg, wo das Dörfchen liegt, retirieret und er sei alsdann dort gefangen worden. Von diesem ritterlichen Sprung habe darauf erwähntes Dörfchen den Namen Ritterssprung und nach der Zeit Rittersberg bekommen.
525. Gründung und Name der Stadt Werdau.
(Göpfert, Ältere und neuere Geschichte des Pleißnergrundes. Zwickau, 1794, S. 267.)
Ein Bischof Egidius soll zu der Zeit, als die ganze Gegend noch Wald gewesen, an diesem Orte gejagt haben. Als er hier etwas ausgeruht und geschlummert hatte, sei ein Reh zu ihm gekommen, und da er gerufen: »Wer da!« habe sich das Reh vor ihm niedergeworfen und seine Läufte auf den Schoß gelegt. Da habe sich denn der Bischof entschlossen, die Bäume auszurotten, eine Stadt anzulegen und an dem Ort, wo das Reh zu ihm gekommen, das Rathaus zu bauen, und die Stadt habe daher den Namen »Werda« bekommen. Sie führt im Siegel einen Bischof mit einem Stabe.
526. Der Name der Stadt Frankenberg.
(Schumann und Schiffner, Lex. von Sachsen, 15. B., S. 809.)
Den Namen der Stadt Frankenberg findet man in ältern Urkunden Vrankenberc geschrieben, und man will ihn von den Brüdern Franz und Anton Franke ableiten, welche das berühmte Silber- und Kupferbergwerk am Treppen- oder Trappenhauer jenseits des Schlosses Sachsenburg gründeten oder doch sehr erhoben. Andere aber bringen ihn mit dem Namen Sachsenburg in Vereinbarung.
Auf dem Treppenhauer, wo man früher Spuren von Wällen und Gräben sah, soll nach einer Überlieferung im 13. Jahrhundert die Burgwarte Gozne gestanden haben.
527. Von dem Namen der Stadt Marienberg.
(Kirchengalerie v. Sachsen, 12. B., S. 207.)
Das Gebiet der Stadt Marienberg wurde am 29. April 1521 von ~Dr.~ Ulrich Rülein von Kalbe, Bürgermeister zu Freiberg, welcher im Jahre 1497 Annaberg hatte messen helfen, abgesteckt. Es soll nun Herzog Heinrich die neue Stadt deshalb Marienberg genannt haben, weil sie gleichsam wie eine Tochter aus den Annabergischen Bergwerken entsprungen wäre, oder weil sich bei neulichen Zeiten der Jungfrau Maria Eltern, Anna und Joachim, sehr wohl und reich im Bergbau dieser Gegend zu St. Annaberg und in Joachimsthal bezeiget, habe er solches zum guten Glücke gethan und gemeint, die Tochter werde nicht minder als die Eltern sich wohl lösen.