Sagenbuch des Erzgebirges

Part 44

Chapter 443,520 wordsPublic domain

In seiner Herrlichkeit saß Karl der Große eines Tages auf dem Herrscherthrone zu Pavia, und alle seine Edlen standen um ihn im weiten Kreise. »Zeigt mir Eure Wappenschilder,« sprach der hohe Siegesfürst, »daß ich ihre Kleinode durch neue, auf die späte Nachwelt forterbende Zeugnisse Eurer Thaten verherrlichen kann!« Da nahten sich ihm die Großen seiner Reiche und er bestätigte die Kleinode in ihren Wappenschildern oder fügte denselben neue bei. Jetzt fiel sein Blick auf einen der jüngsten seiner Edlen. Einfach, ohne Kleinod war das Silberschild des blonden jugendlichen Helden. »Schönburg!« sprach zu ihm der große König, »auch Deine Thaten sah ich in dem letzten Kampfe, auch Deiner Tapferkeit verdanke ich den Sieg; willst Du kein Kleinod in das Wappenschild?« Da erwiderte der junge ritterliche Held: »Erhabener Herr und König! Was ich that, war Pflicht, und ich focht bis jetzt für Dich, ohne für Dich zu bluten. Lasse mir mein Wappenschild, rein sei es in seiner Silberfarbe, der Unschuld und der Herzensreinheit wahres Sinnbild für und für!« »Bescheidener Jüngling!« sagte darauf der Kaiser, »Du sollst es so behalten, bis mit Deinem Blute sich's färbt zu meiner Ehre. Sei immer, was Du warst, ein Ritter ohne Furcht und Tadel, einfach und gut, tapfer und bescheiden, und das treue Vorbild Deines künftigen Stammes! Die Tage des Ruhmes werden kommen!« Und sie kamen. Noch einmal trat Wittekind, der Herzog der Sachsen, als Feind gegen Kaiser Karl auf. Eine furchtbare Schlacht entbrannte; Karl wurde umgangen, die Felsen im Rücken seines Heeres waren vom Feinde besetzt, Steine hagelten nieder und entwurzelte Baumstämme rollten auf die Streitenden herab. Da zerschmetterte ein Felsenstück Kaiser Karls Schild und seine Brust war nun den Waffen der Feinde freigegeben. In dieser Not erhob sich aus dem Leichenhaufen um ihn der Verwundeten einer. Blässe deckte das schöne Angesicht und Blut floß aus der treuen Brust. Er reichte dem Kaiser seinen Schild und sank ermattet wieder nieder. Die Feinde staunten und meinten ein Wunder zu sehen, denn sie hatten den gefallenen Helden an des Kaisers Seite erblickt und zum Tode getroffen fallen sehen. Die Christen wurden mit neuem Mute erfüllt und erfochten unter Karl einen glänzenden Sieg. Jetzt blickte der Kaiser aufmerksam auf den Schild, welcher ihn errettete und er rief: »Das ist Schönburgs Schild! Wo ist er, der ihn trug?« Man suchte einen Toten und fand einen Schwerverwundeten. Derselbe schlug die Augen auf, als Karl vor ihm stand und sprach: »Mein Herr und König!« Der Kaiser aber sprach, nachdem er ihm die blasse Lippe geküßt: »Du hast vollbracht, was Du gelobt! Dein König bin ich und Dein Freund!« Dann berührte er mit dem Ring-, Mittel- und Zeigefinger seiner Rechten die blutende Wunde und strich mit der Wunde reinem Blute zweimal über das silberfarbene, herzförmige Wappenschild, so daß zwei rote Streifen des edlen reinen, für Christentum, König und Vaterland vergossenen Blutes es verherrlichten. »Schönburg! dies sei fortan Dein Zeichen, Dein Blut das Wappenkleinod Deines Hauses!«

489. Woher das Wappen der Herren von Schönberg entstanden ist.

(Grünewald, Meißner Chronik I., Anhang S. 87. Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 58.)

In einem alten handschriftlichen Wappenbuche findet sich folgende Erklärung über den Ursprung des alten meißnischen und seit Jahrhunderten auch im Erzgebirge, u. a. z. B. seit 1336 auf Purschenstein angesessenen Geschlechtes der Schönberge. Es soll ein Ritter aus dieser Familie einst ins gelobte Land gezogen und auf der Jagd an einem Flusse, dessen morastige Ufer mit Schilf bedeckt waren, von einem Löwen überfallen worden sein. Dem hat der tapfere Ritter so zugesetzt, daß er verwundet und brüllend vor Schmerz sich in den Schilfwald zurückzog; der Schönberg aber hat nicht abgelassen, sondern ist ihm gefolgt und hat ihm hier den Todesstoß gegeben. Wie nun der Löwe verendet und von ihm aus dem Moraste gezogen ward, da fand es sich, daß er zur Hälfte mit Meerlinsen bedeckt war und grün aussah. Der Ritter hat nun zum Andenken an diese Begebenheit in sein Wappen einen kämpfenden Löwen, dessen Unterleib grün, der Oberleib aber rot ist, aufgenommen.

490. Wie die Herren von Römer zu Zwickau zu ihrem Wappen gekommen sind.

(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 612.)

Ist um die Mitte des 15. Jahrhunderts ein Eseltreiber zu Zwickau in der Mühle gewesen, dem hat einer Kuxwerk geschenkt, das erstlich nicht viel getragen, also daß er es auch fahren lassen wollte, weil er kein Vermögen hatte, es zu erhalten. Da nun die Bergleute Zubuße haben wollten, haben sie ihn getröstet und gesagt: Gott der Herr werde in Bälde einen großen Schatz aufthun, was auch kurz darauf geschehen ist, also daß der Eseltreiber nicht allein bei diesem Kux geblieben, sondern auch viele andere dazu gekauft, wodurch er mächtig reich geworden, daß die Silberkuchen in seinem Hause wie Stücken Blei nebeneinander gelegen und täglich auf Schleifen die Straße auf Zwickau geführt wurden, davon dieselbige Straße bis auf den heutigen Tag die Silberstraße genannt wird. Nun ist aber zu wissen, daß zu Zwickau zu jener Zeit eine Münze gestanden hat und täglich gemünzt worden ist. Weil aber das Silber damals zu viel gewesen, hat dieser Römer, so ein kleines Männlein gewesen, zu sich gesagt: Wohl ist ein reicher Mann auch wohl ein armer Mann, weil ich mein Silber nicht einmal gemünzt haben kann! Darum ist er bei sich darüber zu Rat gegangen und hat drei Lastwagen mit Silberkuchen beladen und beschlossen, dieselben nach Nürnberg zu führen, wo ein sehr reicher Rat sein sollte. Als er nun nicht weit von dieser Stadt, sind ihm etliche Kaufleute begegnet, welche er gar einfältig gefragt, ob sich der Markt auch wohl anlasse. Aber diese haben ihn verlacht und gesagt: Dieser alte Narr kömmt zu Markte, da derselbe schon aus ist, er wird den Weg wieder nach Hause zurückmachen müssen. Er hat das nicht groß gerechnet, sondern hat sein Vorhaben dem Kämmerer angezeigt und gefragt, ob wohl ein ehrenweiser und wohlweiser Rat ein Stück Geld für ein Stücklein Silbers, so einen Zentner schwer, geben wolle. Da haben sie gesagt: Ja wohl, wenn nur das Silber vorhanden und zwar des recht viel wäre. Darauf hat er gesagt, er habe ein solches Stücklein, wenn sie es sehen wollten. Da antworteten sie, er solle sie zufrieden lassen, wo er es denn hernehmen wolle? Doch endlich auf sein Anhalten ist einer von ihnen mit ihm gegangen, dem hat er ein Stücklein Silber gewiesen und nach der Probierung, als jener gesehen, daß es gediegen Silber gewesen, hat er ihm noch ein Stücklein gezeigt und gesagt, so ihm Geld dafür zugewogen werde, wolle er es allda lassen. Da hat der Kämmerer gesagt: Ja Herr, wenn es mehr wäre, so könnte es ein Rat der Stadt Nürnberg wohl thun! Darauf hat er ihm die drei Wagen mit Silber beladen gezeigt und gesagt, er habe dessen noch mehr. Darüber ist der Kämmerer sehr erschrocken und hat nicht gewußt, wie er mit ihm daran sei, hat aber gesagt, er wolle es den Herrn anzeigen. Nach diesem ist ihm für so viele Zentner Silbers, als er gehabt, ebensoviel gemünztes Geld zugewogen, er von ihnen zu Gaste geladen und herrlich traktiert und für einen gnädigen Herrn tituliert und geehrt worden. Als er nun seine Ware losgeworden, ist er wiederum mit seinen drei Wagen mit Geld beladen nach Zwickau gekommen. Darauf hat aber Herzog Albrecht von Sachsen zu ihm geschickt, ob er ihm auf seiner weiten Reise zum heiligen Grabe mit etlichen tausend Gulden dienen könne, worauf er denn zurück gemeldet hat, dafern es seiner fürstlichen Gnade gefällig, so wolle er selbst mit, welches denn auch geschehen, und hat dieser Römer seinen Fürsten mit 150 Pferden bis zum heiligen Grabe und dann wieder anheim freigehalten und endlich quittiert, welche Reise ohne Zweifel eine stattliche Summe Geldes wird gekostet haben. Darum ist er beim heiligen Grabe zum Ritter geschlagen und er und die Seinen edel gemacht worden. Zum Zeugnis führen die Römer, so in Zwickau wohnen, eine Eselspeitsche (nach anderen einen Pilgerstab) im Wappen. Auch hat dieser Römer ein gewaltiges Haus am Markte eine Gasse lang nach der Mulde zu, und das Kaufhaus am Markte nebst dem Kornhause am Schlosse gebaut, das Kaufhaus dem Rate und das Kornhaus dem Fürsten geschenkt, auch dem Rate noch viele andere Güter geschenkt und sonst noch etliche tausend Gulden dazu geliehen, also daß sie nur Söhnen seines Geschlechts, so diese in die Schule gehen und studieren würden, von den Zinsen erhalten sollten, damit es ihren Eltern nichts koste, sie möchten studieren, wo sie wollten.

491. Die Siebenschläfer.

(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863. S. 23.)

Im Schloßberge von Teplitz sollen einige Ritter schon 700 Jahre lang schlafen und heißen daher die Siebenschläfer. Wenn es einmal den Deutschen schlecht gehen wird, werden die Ritter hervorkommen und ihnen helfen. Das Bächlein am Fuße des Berges ist oft gelb gefärbt von dem Urin der Pferde, die im Innern des Berges stehen, und auf dem Berge liegen Steine, in denen die Hufe dieser Pferde abgedrückt sind. Früher soll den Schloßberg eine Mauer umgeben haben; es ist aber davon nichts mehr übrig, als das Thor, durch welches die Ritter aus- und einritten. Bei diesem Thore soll in der Nacht von 12--1 Uhr ein großer, starker Mann ohne Kopf umgehen.

Wenn statt des befruchtenden Regens, welchen der milde, segnende Gott Wuotan mit seinen himmlischen Helden zur Erde niedersendete, in den kalten Wintertagen Schnee niederfiel und Eis die Erde bedeckte, da glaubte man, daß die Winterdämonen zur Herrschaft gelangt seien. Wuotan hatte sich mit seinem Gefolge in den Wolkenberg, nach späteren Anschauungen in das Innere eines wirklichen Berges zurückgezogen, um hier zu schlafen oder verzaubert auf die Wiederkehr des Frühlings zu warten. Später wurde Wuotan zu einem der Lieblingshelden unseres Volks, der in einem Berge schlafend auf die Wiedergeburt des deutschen Reiches harrt. So schläft nach der Sage Karl der Große in dem Desenberge bei Warburg, Kaiser Heinrich der Vogelsteller im Sudemerberge bei Goslar und Friedrich Barbarossa im Kyffhäuser. Bei den Slaven ist es Swantewit, welcher mit seinen himmlischen Kriegern die Stelle des germanischen Wuotan einnimmt, und auf ihn ist die Sage der Böhmen vom Könige Wenzel und seinen Kriegern im Berge Blanick zurückzuführen. -- Die Sage von den Siebenschläfern im Schloßberge zu Teplitz erzählt zwar nichts von einem bestimmten Helden, der an die Stelle Wuotans getreten ist, doch trägt sie ganz das Gepräge der obengenannten Überlieferungen. Die im Berge schlafenden Ritter, welche den deutschen in der Not helfen werden, sind das Gefolge Wuotans, auf welchen vielleicht die Abdrücke der Hufe in den Steinen und die gespenstische Erscheinung eines großen Mannes ohne Kopf hindeuten. Hufeisen, später dem Teufel zugeschrieben, weisen ursprünglich auf Odhins weißes Roß Sleipnir hin. Als der Gott einst im wilden Ritte dahin sauste, flog von diesem Rosse eins der Eisen ab und blieb an einem Felsen bei Wexiö hängen. Der Mann ohne Kopf erinnert an den wilden Jäger, welcher in den Sagen an Wuotans Stelle getreten ist. (Mannhardt a. a. O. S. 135.)

492. Die Türkenheide.

(Grohmann, Sagen aus Böhmen, 1863. S. 23.)

In der Nähe des Dorfes Kühnheide breitet sich ein Stück sumpfiges Land aus, welches in der Gegend unter dem Namen Türkenheide bekannt ist. Dieses sumpfige Land soll seinen Namen von einem Regimente Türken haben, welche hier, als sie ins Gebirge dringen wollten, versunken sind. In der Karwoche in der Nacht von Donnerstag auf Freitag sollen sich dort blaue Flämmchen sehen lassen und türkische Musik und Pferdegetrappe zu hören sein.

Es ist auffällig, daß die Sage den Namen Türkenheide von einem versunkenen Regimente Türken herleitet, da doch Türken niemals in jene Gegend gekommen sind. Hängt der Name vielleicht mit einer Begebenheit, welche ~Dr.~ Joh. Pöschel (Eine erzgebirgische Gelehrtenfamilie, Leipzig 1883, S. 150 etc.) erzählt, zusammen? Darnach hielten 1632 die Kaiserlichen die Ausgänge der Pässe von Preßnitz und Reitzenhain besetzt, die Bauern aber thaten sich zusammen, vertrieben die Kaiserlichen aus den Schanzen und lauerten ihnen auf, wenn sie mit Beute durchs Gebirge zogen. Der Anführer der Bauern war der Amtsschösser von Grünhain, Friedrich +Türck+. Als nun von allen Seiten Klagen über die Bauern beim General Gallas, welcher um Freiberg lag, einliefen, schickte dieser wiederholt Kuriere an Friedrich Türcken mit Warnungen und Drohungen und verlangte Kontribution. Friedrich Türck wollte davon nichts wissen und ließ den Kaiserlichen entbieten, er wollte ihnen Pestilenz, Pulver und Blei und alle katholischen Steine aus dem Kloster Grünhain auf die Köpfe geben. Dies konnte nicht ungestraft bleiben. Gallas entsandte 2000 Pferde mit zwanzig Standarten unter dem Obristen Kehreuß gegen die Bauern ins Gebirge. Am 7. November kamen sie auch durch Kühnheide. Von Friedrich Türck wird gerühmt, »er habe seine Bauern dermaßen animirt und abgericht, daß sie frisch vorn Feind standen, keine Gefahr scheuten und sich trefflich wehrten, sonderlich wenn er darbey wahr vnd ihnen zusprach.« -- Es drängt sich die Vermutung auf, daß die Türkenheide bei Kühnheide ihren Namen von jenem Bauernanführer Friedrich Türck erhalten hat.

493. Die Korporallöcher bei Schönau.

(Chemnitzer Tageblatt, 1882. N. 17. 1. Beil.)

Auf der Rittergutsflur zu Schönau bei Chemnitz liegen seitwärts der Bahn die sogenannten Korporallöcher, von denen die Sage geht, es sei im letzten Schwedenkriege eine ganze Korporalschaft spurlos darin versunken. Noch sollen sich zeitweilig die Ertrunkenen in verschiedenen Gestalten daselbst sehen lassen, auch wird erzählt, daß die mit weißlichem Wasser gefüllten Löcher mit dem Meere in Verbindung stehen.

IX.

Ortssagen.

Was in diesem letzten Abschnitte unter dem Begriffe der Ortssagen zusammengefaßt wurde, besteht einerseits aus bloßen chronikalischen Mitteilungen über Orte oder über Begebenheiten, welche sich an bestimmte Plätze knüpfen. Diese Erzählungen, und dies gilt besonders auch von einigen alten Gebräuchen, gehören demnach nicht dem eigentlichen Sagengebiete an; doch möchte ich sie nach dem Vorgange Carl Haupts in dessen Sagenbuche der Lausitz nicht unberücksichtigt lassen, und zwar umsomehr nicht, als sich bei manchen derselben ein schwacher Schimmer der dichterischen Gestaltungskraft des Volkes zeigt. Andererseits haben einige dieser Ortssagen wieder etwas vom mythischen Charakter an sich, so daß sie vielleicht auch in einer der vorhergehenden Abteilungen, besonders bei den Wundersagen, hätten untergebracht werden können. Hierhin gehören z. B. manche der Mitteilungen über die Gründung von Ortschaften und die Entdeckung reicher Erzgänge. Häufig hat die dichterische Phantasie des Volkes die Namen von Orten, Bergen und Felsen, sowie von Ortssiegeln und Wappen erfaßt, und solche Überlieferungen mußten deshalb in diesem Abschnitte, ebenso wie diejenigen von den Wahrzeichen der Städte, eine Stelle finden. Letztere können bloße Zeichen der Gewahrsame d. h. Umgrenzung der Orte, oder Symbole der Bürgerschaft und mißverstandene Wappen und Bilder sein; oder sie sind auch nur Andenken einer Sache, Sitte, oder Begebenheit aus früherer Zeit. Verwandt mit solchen Wahrzeichen sind alle die sprichwörtlichen Redensarten und Scherze, welche sich auf die Lage oder Eigentümlichkeit eines Ortes oder den Charakter und die Beschäftigung seiner Bewohner beziehen; manche derselben müssen auch auf eine bestimmte Begebenheit oder die That eines Einzelnen zurückgeführt werden. Anhangsweise wurden den sprichwörtlichen Redensarten auch eigentliche Sprichwörter (und Rätsel) beigefügt, insofern dieselben der Beschäftigung der Bewohner oder gewissen Beobachtungen an denselben entsprungen sind.

494. Entdeckung der Freiberger Silbererze.

(Petrus Albinus, Meißnische Bergk-Chronika. Dreßden, 1590. S. 10.)

Auf eine Zeit ist ein Goslarischer, oder wie etliche bloß setzen, sonst ein sächsischer Fuhrmann zu Hall durchgefahren und hat Salz ins Land zu Böhmen führen wollen, weil dasselbe Land auf den heutigen Tag aller Ding die Fülle, allein kein Salz hat. Dieser Salzführer, als er fast an die Grenzen des böhmischen Gebirges, gleich um die Gegend, da jetzo Freiberg stehet, kommen, hat er ohngefähr ein Geschiebe von einem gediegenen Glanz oder Bleierz in einem Wagengleis gefunden, dasselbe, weil es schön gleißende und schwer gewesen, auf den Wagen geworfen und im Wiederkehren mit sich gen Goslar gebracht. Daselbst, nachdem es von den Bergleuten probiert und im Silber viel reicher als der Goslarische Glanz und Bleischweif befunden worden, haben sich die Sachsen alsbald aufgemacht, sind dahin auf Nachrichtung des Fuhrmannes gezogen, da er das Geschiebe gefunden hatte, haben Gänge ausgerichtet, eingeschlagen und geschürft, und da es ein gut Ansehen genommen, folgend getrost Kübel und Seil eingeworfen, in Eil etliche Röschen getrieben, damit sie die Gebirge etwas verstollet, und das Wasser verschroten, auf daß sie ohne Hindernis bauen mögen, und haben also in Summa die Sachsen das Bergwerk im Lande Meißen rechtschaffen rege gemacht.

495. Der Anfang der Stadt Freiberg.

(Moller, ~Theatrum Freibergense Chronicum~. II. 1653, S. 3.)

Im Jahre 1169 hat der Bergmeister mit den Bergleuten auf dem Zellerfeld in Sachsen, verschiedener Unbilligkeiten wegen, die ihnen widerfahren, einen Aufstand gemacht und hat sich dann mit den Bergleuten nach Meißen zum neuen Bergwerk, welches bereits in hohen Ruf gekommen war, begeben. Zwei Jahre darauf aber haben die eingewanderten Sachsen das Dorf Christiansdorf am jetzigen Münzbach im Baue gebessert und also zugerichtet, daß es einer neuen Stadt glich, wie auch hernach dieser Ort die Sachsenstadt genannt wurde. Etliche rechnen deshalb den Anfang der Stadt Freiberg vom Jahre 1171 an.

Die Entdeckung der reichen Freiberger Silbergänge erfolgte wahrscheinlich zwischen 1162 und 1170. Nach Aufzeichnungen des Klosters Zelle vom Ende des 13. Jahrh. wurde die Stadt Freiberg im Jahre 1181 gegründet; wahrscheinlich aber fällt die Gründung zwischen die Jahre 1185 und 1190. Urkundlich wird der Freiberger Bergbau zuerst 1185 erwähnt. (Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des K. Sachsen, III. S. 8.)

496. Die Stellen, wo in Freiberg das erste Bergwerk fündig wurde.

(Benseler, Berggeschichten vom Aufkommen des sächs. Silberbergbaues. Freiberg, o. J. S. 12.)

Wo das Rathaus in Freiberg steht, soll der erste Silberfund geschehen sein, und in einem Kreuze, welches in einer Ecke desselben eingemauert ist, soll man noch heute die erste Art Freiberger Erze sehen. Gegenüber an der Ecke der Petersstraße, da, wo das Bild des Bergmannes an dem Hause steht, soll sich die erste Zeche befunden haben. Die bedeutenderen älteren Gruben waren im alten Loßnitz- oder Münzbachthale. In Christiansdorf, welches seinen Anfang in der Nähe vom Vorwerk Langerinne nahm und sich bis an die Loßnitz erstreckte, war eine sehr alte Grube der Stubenberg, von dem erzählt wird, daß eine Köchin aus dem Kloster Zelle das erste Grubengebäude hier gebaut habe und sehr reich davon geworden sei.

497. Ursprung der Bergwerke bei Nossen.

(Ursprung der Bergwerke in Sachsen. Chemnitz, 1764. S. 110.)

Es wird erzählt, daß die Bergwerke an der Mulde gegen Nossen lange vor den Freiberger Silbergruben gangbar gewesen seien. Das Gersdorfische Bergwerk soll unter diesen das älteste und bei folgender Gelegenheit aufgekommen sein. Im Jahre 733, am Tage Simonis und Judä, hätte ein Mönch, der Kappenmönch genannt, einen auf der alten, jetzt gänzlich verfallenen Wunderburg bei Roßwein gesessenen Räuber, mit Namen Martin Griechen, besuchet. Darauf habe ihn letzterer nebst seiner Buhlerin, welche Gertraut geheißen, beim Abschiede ein Stück Weges begleitet, bei welcher Gelegenheit sie unterwegs reiche Erze entdeckt hätten. Der Mönch habe infolgedessen seine Kutte für immer abgelegt und der Räuber von seinem Räuberhandwerk gelassen. Dafür hätten sie ein Bergwerk angelegt und reichhaltige Erze gefunden und nun an dem Orte einen Flecken gegründet, den sie nach des ehemaligen Räubers Buhlerin Gertraut Gersdorf benannt hätten. Das Bergwerk wäre hierauf bis zum Jahre 887 angebauet worden, von dieser Zeit an aber zwei Jahre lang, einer sich entsponnenen Räuberei halber, liegen geblieben, mit welchem Schicksale auch ein anderes Bergwerk, der Goppisch genannt, dessen Lage man nicht mehr wüßte, heimgesucht worden. Nach einer anderweiten Niederlage von drei Jahren, wovon die eigentliche Zeit nicht angegeben werden könnte, hätte man endlich angefangen, zu Erzdorf ein ganz neues Bergwerk vorzurichten, wozu bei Ermangelung der Bergarbeiter ein jeder Bauer zwei Leute schicken müssen, und wäre das Bergamt damals auf dem jetzigen Schafhofe gewesen.

498. Entdeckung der Silbererze des Schneeberges.

(Albinus, Meißnische Bergk-Chronica etc. Dreßden, 1590. S. 28. Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 33--35.)

Es hat sich von ungefähr zugetragen, daß ein Bergmann oder Arbeiter, welcher zu dem in Schlema vor Zeiten befindlichen Hammer gehörte, nach Eisenstein schürfte. Dabei kam er auch an den Schneeberg, wo er einen besseren Eisenstein zu finden vermeinte, als er am Wolfsberge, Hasenberge und anderen Orten gefunden hatte. Als er nun etliche Schürfe geworfen, wobei es ihm aber nach seinem Sinne nicht gegangen, hat sich nicht lange darnach an dem Orte, wo später die St. Georgenzeche und die zugehörenden, als die alte und neue Fundgrube u. s. w. aufkamen, ein Bürger von Zwickau (die Sage nennt ihn Romner oder Römer), welcher mit einer Würzlade auf dem Lande umherging und sich dadurch seine Nahrung suchte, in einem alten Schurf, darin eine schöne Gilb und Bräun alsbald in der Dammerde gewesen, eingelegt und zwei Arbeiter daselbst gehalten, denen er alle vier Wochen abgelohnt, und unterdeß alleweg mit seinem Kram wieder ausgelaufen. Bald nachher ließ er einen Schacht sinken, und die Arbeiter trafen endlich eine »gänßkötige« Bergart, samt einer Bräun und Gilben, welche der ersten Bergart im Schurf ähnlich war, wovon sie ihrem Herrn an dem Lohntage etliche Handsteine nach Zwickau brachten. Derselbe ließ sie bei einem Goldschmiede probieren und erhielt darauf die Antwort, wenn er dieses Dinges noch mehr habe, solle er's ihm bringen, er wolle ihm schöne silberne Becher daraus machen. Dieses soll ungefähr im Jahr 1470 geschehen sein. Nach dieser Zeit sollen sich bald mehr Bürger von Zwickau und von anderen Orten, edel und unedel, zusammengeschlagen, fortgebauet und endlich ein mächtig Erz angetroffen haben. Im Jahre 1472 hat man allererst den rechten Putzen, wie die Bergleute reden, angetroffen, worauf das Schneebergische Bergwerk so in Schwank gekommen, daß seinesgleichen nie gewesen, also daß man damals das Silber nicht alles vermünzen können, sondern kuchenweise oder in ganzen »Plicken« hat austeilen müssen.