Sagenbuch des Erzgebirges

Part 43

Chapter 433,374 wordsPublic domain

Aus dem Geschlechte der ~Cygnus~ ist entsprossen Schwanhildis, der letzte Zweig aus diesem Stamm, welche in der Gegend um Zwickau von der Mulde bis an die Pleiße regierte, von welcher die ganze Gegend ihren Namen hat und Schwanfeld genannt wird. Etliche geben noch aus, als sollte sie ihren Sitz gehabt haben auf dem Schloß Alten-Schönfels, eine Meile von Zwickau, welches ein sehr altes Bergschloß und von welchem auch nicht weit ihr Begräbnis ist entdeckt worden. Johann Lupas von Hermannsgrün, ein Vogtländischer von Adel, schreibt nämlich, daß eine bleierne Tafel, worauf der Fürstin Schwanhildis ~Epitaphium~ gestanden, im Felde auf einem Hügel unter einem Baum, welchen der Wind niedergeworfen, von einem Bauer, der den Baum aufräumen sollte, bei dem Dorfe Stenn entblößet gefunden und gedachten vom Adel gebracht worden sei, darinnen ihre Ankunft vermeldet und sonderlich die Lehrsprüche, welche sie der Stadt Zwickau Einwohnern befohlen. -- Dieselbe hat Karls des Großen Sohn, dem jüngern Karl, als er in diesen Landen wider die Sorbenwenden und Böhmen gestritten, getreulich Beistand geleistet, und ist ihm nicht allein mit ihren Unterthanen zu Hülfe kommen, sondern hat ihm auch mit Speise und Trank großen Vorschub gethan.

472. Libussas Tanzplatz.

(E. Kunze in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, S. 112.)

Am südlichen Fuße des Erzgebirges erhebt sich eine ziemlich bedeutende Anhöhe, auf welcher man eine weite Fernsicht genießt. Zu Füßen des Betrachtenden breitet sich ein herrlicher Teil des Böhmerlandes aus, in einer Entfernung von vielleicht zwei Stunden erblicken wir das schöne Teplitz, und im Hintergrunde ragen mächtige Bergkegel zum Himmel empor. Den Hügel krönt ein Baum, der seine weitausgebreiteten Äste stolz in die Lüfte reckt. Unter diesem Baum soll einst Libussa, Böhmens Herzogin, gestanden, und nachdem sie die herrliche Landschaft zu ihren Füßen lange betrachtet und bewundert hatte, vor Entzücken getanzt haben.

473. Die Herren von Einsiedel.

(Schumann und Schiffner, Lex. v. Sachsen, 15. B., S. 528. Gauhen, Adelslex. I, 364. Peccenstein, ~Theatrum Sax.~ I, 73. Darnach bei Haupt, Sagenbuch d. L., II, Nr. 38.)

Daß der Name des Dorfes Einsiedel bei Chemnitz mit dem Einsiedelschen Geschlechte, welches den Ort Jahrhunderte hindurch besaß und noch jetzt (?) zu Lehen trägt, in einer gewissen Verbindung stehe, ist sehr glaublich, wenn auch die Ableitung des Geschlechtsnamens von dem Orte nicht festgestellt ist.

Außerdem giebt es noch einen Ort gleichen Namens zwischen Olbernhau und Katharinenberg. Eine Sage erzählt, daß dieses Dorf seinen Namen von drei Einsiedlern erhalten habe, und es würden demnach die folgenden Sagen, welche den Geschlechtsnamen der Herren von Einsiedel zu erklären suchen, damit in Verbindung gebracht werden können.

Die Grafen und Herren von Einsiedel führen einen Einsiedler im Wappen. Das kommt davon her: Graf Berthold's von Sulzau Gemahlin war kinderlos und lag Gott in heißen Gebeten um eine Leibesfrucht an, that auch das Gelübde, das Kind, welches er ihr schenken würde, dem Herrn zum Dienste zu weihen. Sie gebar nun einen Sohn, welcher Grubo genannt wurde. Derselbe wurde also geistlich und wohnte lange als Einsiedler in einer einsamen Gegend Böhmens, wo er sich eine Kapelle gebaut hatte. Nachher aber verließ er seine Zelle, zog in den Krieg, nahm ein Weib und wurde der Stammvater derer von Einsiedel. Das geschah um das Jahr 1280.

Nach einer andern Sage hieß der Sohn Meginrad (Meinrad, Meinhard). Der lebte als Einsiedler ums Jahr 850 in den böhmischen Wäldern, aber er war (damals vor Einführung des Cölibats ging das noch) beweibt und gründete ein zahlreiches Geschlecht. Einer seiner Nachkommen, der im Jahre 1280 lebte und Grubo hieß, ging endlich in die Welt zurück.

474. Die Herren von Rechenberg.

(Schumann, Lex. v. Sachsen, 8. B., S. 818. Gauhen, Adelslex. I, 1332. Darnach Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, II, Nr. 52. Sinapius, Schles. Curiosität. I, S. 111. Gräße, Geschlechts-, Namen- u. Wappensagen, S. 129.)

In dem südlich von Frauenstein nahe der böhmischen Grenze gelegenen Dorfe Rechenberg sieht man noch die Ruinen des gleichnamigen Schlosses, welches schon 1289 von Böhmen an Meißen überlassen wurde, jedoch ein böhmisches Lehen blieb. Die frühesten Besitzer waren wahrscheinlich die Herren von Rechenberg; in einer Urkunde von 1270 kommt bereits ein Heinrich, und in einer von 1299 ein Apetz v. Rechenberg vor.

Die Herren von Rechenberg stammen von denen von Haugwitz ab, deren Wappen auch das ihrige sehr ähnlich ist. Ihr Ahnherr ist Hans von Haugwitz. Als in der blutigen Tatarenschlacht bei Liegnitz 1241 die Feinde eine Anhöhe erstürmt und eingenommen hatten, rief Heinrich der Fromme ihm zu: »Hans, räche den Berg!« worauf dieser sich an die Spitze eines Heerhaufens stellte und die wilden Horden von dem Berge vertrieb. Von dieser tapfern Kriegsthat war er fortan Rechenberg genannt.

Es haben die Herren von Haugwitz in Sachsen im roten Schilde einen schwarzen, vorwärts stehenden Widderkopf mit gelben Hörnern und gelber Krone, die von Haugwitz in Schlesien und die von Rechenberg aber einen nach der Seite liegenden Widderkopf ohne Krone, die von Haugwitz in Sachsen auf dem Helme den gekrönten Widderkopf mit Hals und Brust, aber ohne Beine, und auf dem Kopfe einen rot und weiß abgeteilten Federbusch, die von Haugwitz in Schlesien und die von Rechenberg aber den Widderkopf mit Hals, Brust und zwei zum Sprunge aufgerichteten Vorderbeinen ohne Krone und Federn.

475. Die Herren von Sebottendorf.

(Schumann, Lex. v. Sachsen, 11. B., S. 32. Sinapius, Schles. Curios. I, S. 865. Darnach bei Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, II, Nr. 63.)

Die Herren von Sebottendorf, welche aus Kurland stammen, wo ihre Vorfahren in der kurischen Nehrung einige kleine Besitzungen hatten, waren mutmaßlich auch im Erzgebirge seßhaft. Zwischen Lößnitz und Thierfeld liegt eine wüste Mark Sebottendorf; das gleichnamige Dorf wurde bereits im 13. Jahrhundert gänzlich verwüstet. Ein Herr von Sebottendorf wurde einstmals als Gesandter zu kaiserlicher Majestät geschickt und von diesem wegen seiner vortrefflichen Eigenschaften und guten Dienste in den Ritterstand versetzt, mit dem Namen »Seebote« beehrt und mit einem Wappen begnadigt, welches im Schilde eine Wasser-Kannelwurzel mit zwei daran hängenden Kannelblättern, auf dem Helme aber zwei dergleichen Blätter mit zuwachsenden Seerosen enthält.

476. Das Geschlecht Callenberg.

(Schumann und Schiffner, Lex. v. Sachsen, 17. B., S. 165. Gauher, Adelslex. I, S. 232. Angelus, Märk. Chronik, S. 39. Haupt, Sagenbuch der Lausitz II, Nr. 35, Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 193.)

Die Stadt Callnberg wurde 1712 nach der ersten Gemahlin des Begründers, Grafen Otto Wilhelm von Waldenburg, einer geborenen Gräfin von Callenberg aus Muskau, benannt.

Anfangs gab man der Stadt, als einer beabsichtigten Erweiterung von Lichtenstein den Namen »Neustadt«. Nachdem aber des Grafen Otto Wilhelm erste Gemahlin, Henriette Eleonore geb. Gräfin von Callenberg, von der man sagt, daß sie von den Fenstern des Schlosses aus mit vieler Teilnahme »ihre fleißigen Schäfchen« bei dem Neubau betrachtet habe, 1710 gestorben war, ward ihrem Gedächtnis zu Ehren von dem verwitweten Gemahl die neue Stadt Callenberg (Callnberg) genannt.

Das Stammschloß der Grafen Callenberg liegt in Westfalen bei Marburg. Es ward von einem der vier Ritter erbaut, welche Kaiser Karl der Große nebst einem Grafen von Oettingen im Jahre 804 in jene Gegend schickte, um dem fortgesetzten Götzendienste der heidnischen Einwohner zu steuern. Als Heinrich der Vogler die Wenden in der Mark bekriegte, kamen mehrere Callenberger nach der Stadt Brandenburg und ließen sich dort nieder. Galle von Callenberg zog 1093 mit gegen die Saracenen.

Der Grund und Boden, auf welchem Callnberg erbaut wurde, hieß das »Rennfeld«. Dieser Name wird von einem im Jahre 1136 daselbst geschehenen Treffen, bei welchem mehr als 50 Zwickauer geblieben sind, oder davon abgeleitet, daß hier ehemals ritterliche Übungen auf einer Rennbahn von den Besitzern des Schlosses Lichtenstein gehalten wurden.

477. Die Familie von Berbisdorf.

(Kirchengalerie von Sachsen, 2. Band. S. 231.)

Neben andern Rittergütern, wie Ober- und Nieder-Forchheim, hat die Familie von Berbisdorf Jahrhunderte hindurch und zwar bis 1767, da Heinrich von Berbisdorf kinderlos starb, auch das Rittergut Lippersdorf besessen. Das uralte Geschlecht führt gekrönte Arme mit dem leuchtenden Stern im Wappen und eine alte Urkunde besagt darüber: »~Anno~ 1140 hat der Großmeister Weinrich von Kniprode mit Knisdude, Fürstin zu Littaw, so eine Hewdin (Heidin) gewesen, eine Schlacht vor Khaen in Littaw gehalten, in welcher Schlacht Andreas von Berbisdorf ein Fendrich gewesen, und sein Fähnlein, ob ihm gleich beide Arme ab- und zerhauen gewesen, im Maule davon bracht, um welches Ritterlichen Wohlverhaltens willen er nicht allein zum Ritter geschlagen, sondern ihm auch sein Wappen mit dem abgehawenen gekrönten schwartz und rothen Armen (welches ohne Zweiffel blut undt leiden oder schmertzen bedeutet) mit den darüber leuchtenden Stern verbessert, undt zu führen gegeben worden.«

Das adelige Geschlecht von Berbisdorf stammt aus Preußen, wie nachstehende alte Nachricht zu erkennen giebt: »Caspar von Berbisdorf ist wegen Kriegsgefahr außn Land in Preusen mit einem Graffen von Leisneck (Leisnig) in diese Länder kommen, so geschehn im Jahr unser Erlößung 1230 und ist bey mehr gedachten Graffen alß sein Hoffmeister blieben, auch allda ~Anno~ 1270 verstorben. Wer sein Weib gewesen, hat man nicht in Erfahrung bringen können, hat nach sich einen Sohn gelassen mit Namen Hanß. Dieser Hanß von Berbisdorff hat etliche Bergwerk zu Freybergk an sich bracht, undt daraus großen Reichthum erlanget, die Gütter Wegfahrt, Duttendorff undt den Halß bey Freybergk erkaufft, auch dem Graffen Leisneck (des vorigen Sohn) 4000 Rheinische Gülden uff die Herrschafft Lauterstein geliehen, so geschehen ~Ao.~ 1300.«

478. Die Herren von Hartitzsch.

(Kirchengalerie von Sachsen, 2. B. S. 240.)

Das Rittergut Dorfchemnitz bei Sayda soll durch Heirat an die von Hartitzsche Familie gekommen sein. Ein Vorfahr dieser Familie, erzählt man, sei Fischer an der Donau gewesen, habe einen deutschen Kaiser auf der Flucht mit der größten Lebensgefahr über die hochangeschwollene Donau gesetzt, da es kein andrer Fischer gewagt habe, und sei nachher von dem Kaiser dafür, daß er ihn gerettet, in den Adelstand erhoben worden. Darauf könnten wohl die zwei Fische in dem Hartitzschen Wappen hindeuten.

Die Familie hat sich sonst von Harticz, nach dem Rittergute bei Jonsdorf in Böhmen an der sächsischen Grenze geschrieben, ist sehr früh aus Böhmen nach Sachsen gekommen, wahrscheinlich wegen der reichen Silberbergwerke bei Freiberg, und hat wichtige Stellen im Rate zu Freiberg bekleidet.

479. Die Herren von Pardubitz.

(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, 1876, S. 114.)

Das Schloß Hauenstein am südlichen Fuße des Erzgebirgs besaßen unter Kaiser Karl IV. die Herren von Pardubitz. Von diesem Geschlechte wird folgendes erzählt: Als Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahre 1158 Mailand belagerte, war ihm auch Herzog Wladislaw von Böhmen mit vielen böhmischen Rittern zur Hülfe gezogen. Im Dunkel einer Nacht erstiegen die Böhmen die Mauern der belagerten Stadt und drangen bis auf den Markt vor; allein hier kamen ihnen die Mailänder entgegen, es entstand ein heftiger Kampf und die Übermacht der Bürger drängte die bisherigen Sieger zurück. Vorher sprengten sie jedoch das Thor und hatten sich so den Rückzug gesichert. Es gelang auch allen zu entkommen, nur Gescheck von Pardubitz verweilte am längsten im Thore, noch immer kämpfend, und als er endlich den Seinigen folgen wollte, rief man von der Stadt aus dem Türmer zu, er möge das Seil zerhauen, womit das Fallgitter befestigt war. Dies geschah auch und das herabstürzende Gitter fiel dergestalt auf Geschecks Roß, daß es von der ungeheuren Gewalt in zwei Hälften geteilt ward. »Das halbe Roß, Ihr Wälschen, schenke ich Euch!« rief der Ritter und schleppte die andere Hälfte ins böhmische Lager, wo ihm Wladislaw entgegenrief: »Dies soll Dir und Deinem Stamme zum Ehrenzeichen dienen!« Am andern Tage aber schlug er Gescheck zum Ritter und verlieh den Herren von Pardubitz ein halbes weißes Roß im roten Felde zum Wappen.

480. Geschlecht von Vitzthum.

(Gauhen, Adelslexicon I, S. 1968. Falkenstein, Thüringsche Chronik, I. II. S. 414, 481. Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen S. 176.)

Der Ursprung der Herren, Freiherren und Grafen von Vitzthum, in alten Schriften Vitzdom geheißen, wird hergeleitet von den ~Vicedominis~, welche nach Abgang der Könige von Thüringen anstatt des Kaisers die Regierung in den Händen hatten und zu Erfurt residiert haben. Ihr Stammgut heißt Eckstädt, Grenzort des Spezialgaues Thüringen, und daher nennt sich auch noch ein Zweig dieser Familie Vitzthum von Eckstädt. Das gräflich Vitzthum von Eckstädtsche Geschlecht besitzt seit 1764 Lichtenwalde bei Chemnitz, das bereits im 15. Jahrhundert und vielleicht schon früher in dessen Besitze gewesen war.

481. Die Herren von Wildenfels.

(Kirchengalerie v. Sachsen, 8. B., S. 25.)

Wildenfels scheint nach einer Geringswalder Klosterurkunde bereits 1233 Stadt gewesen zu sein. Nach dem Orte nannten sich die im Jahre 1602 ausgestorbenen Herren von Wildenfels, deren zuerst 1222 urkundlich und zwar als Besitzer der gleichnamigen Herrschaft gedacht wird. In ihrem Wappen führten sie eine Rose im goldenen Felde.

482. Die Herren von Ortwinsdorf.

(Kirchengalerie von Sachsen, 8. B. S. 28. 179.)

Das Dorf Ortmannsdorf wird vor der Reformation Ortwinsdorf geschrieben, und wahrscheinlich gab der Ort dem gleichnamigen Geschlechte, welches bereits im Jahre 1219 urkundlich vorkommt, seinen Namen. Einen Teil des Dorfes besaßen im 15. Jahrhunderte die Ritter von Remse als Wildenfelser Afterlehen. -- Vielleicht dankt auch das Dorf seinen Namen dem im 14. und 15. Jahrhunderte in Chemnitz blühenden Patriziergeschlechte der Ortwyne oder Ortweine, ein Name, welchen im Gudrunliede auch Gudruns Bruder führt. Ein Nicol und Matthias Ortwyn haben 1373 zu der Kirche St. Jacob und besonders dem Altar des heiligen Leichnams und Blutes Christi das Dorf Meinersdorf erkauft. (Hist. Nachricht von denen vornehmsten Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz. 1734. S. 18).

483. Geschlecht von Arnim.

(Hesekiel, Wappensagen, S. 3. in poetischer Bearbeitung. Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 5.)

Seit mehr denn tausend Jahren führen die auf Planitz mit Kainsdorf, Voigtsgrün u. s. w. angesessenen Arnims im roten Felde zwei silberne Balken als Wappenzeichen. Der Familiensage nach rühren dieselben davon her, daß einst in einer Schlacht gegen die Friesen der Feldherr einem Junker von Arnheim befohlen hatte, eine hölzerne Brücke, welche zwischen ihm und den ihn verfolgenden Friesen liegend, diesen die Möglichkeit ihn zu verfolgen, gewährte, abzubrechen. Der tapfere Mann vermochte jedoch nicht, alle Balken derselben ins Wasser zu werfen, sondern es blieben zwei übrig, über welche die nachsetzenden Friesen das Wasser zu überschreiten suchten. Allein Arnheim ließ sich nicht von seinem Platze vertreiben, sondern wußte sich so lange zu halten, bis Hülfe kam. Zur Belohnung erhielt er von dem Grafen von Holland, seinem Lehnsherrn, den Ritterschlag und das obengedachte Wappen. Später nannten sich die Arnheims Arnim.

484. Geschlecht von Auerswald.

(Kirchengalerie von Sachsen, 8. B., S. 123.)

Das Dorf Auerswald bei Chemnitz gehörte sonst den Herren von Auerswald, deren Geschlecht im 15. Jahrhundert in Meißen bekannt geworden ist. Der erste dieses Geschlechts, so aus Preußen gekommen und Oberster gewesen ist, hat ein gräfliches Fräulein von Dohna geheiratet und ist vom Kurfürsten mit dem genannten Dorfe, so er erbauet und nach seinem Namen genannt, belehnt worden. Bis zu Ende des 16. Jahrhunderts haben die Herren von Auerswald hier ihren Sitz gehabt und Nachkommen von ihnen leben noch im Königreiche Preußen. Von 1596 an aber sind die Herren von Schönberg hier Gerichtsherren gewesen.

485. Die Herren von Bünau.

(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 25.)

Die Herren von Bünau waren auch im Erzgebirge angesessen; ein Heinrich von Bünau verkaufte 1596 Bärenwalde mit Lichtenau an den Zwickauer Rat. (Kirchengalerie, 8. B. S. 24.)

Die Abkunft dieses uralten meißnischen Geschlechts leiten einige aus Polen her und sagen, das Geschlecht der von Bunawezky an der litthauischen Grenze sei mit den Bünaus einerlei Stammes. Andere sagen, sie seien aus der Schweiz nach Sachsen gekommen; allein die Hauptmeinung ist, daß sie von den Pedemontanen oder piemontesischen Fürsten abstammen, welche im Jahre 1232 von dem savoyischen Grafen Thomas ihrer Erblande beraubt worden wären. Sie hätten nun zuerst in Sicilien Kaiser Friedrich II. um Beistand gebeten, allein dieser habe mit seinen eigenen Kriegen genug zu thun gehabt; dann hätten sie sich an andere deutsche Fürsten um Hülfe gewandt, als diese ihnen aber auch nicht beizuspringen gewagt, wären sie in Deutschland geblieben und hätten sich in Böhmen und Meißen ansässig gemacht. Ihr Wappen, ein Löwenkopf, im Rachen eine Lilie haltend, sei auch das Wappen jener pedemontanischen Fürstenfamilie. Weil nun aber im Turnierbuche Feierabends einer Demuth von Bünau, der hinterlassenen Witwe Günthers von Saalhausen gedacht wird, die auf dem 996 vom Markgraf Ludolph von Sachsen und Herrn von Braunschweig gehaltenen Turniere zu Braunschweig den vierten Dank dem Turniervogt Kilian von Wolfskäl, einem Franken gab, so mußten die Herren von Bünau eher aus Italien als erst im Jahre 1232 nach Deutschland gekommen sein, wenn sie italienischer Abkunft wären. Einer aus diesem Geschlechte derer von Bünau soll nun aber Kurfürst von Trier gewesen sein, und als Kaiser Maximilian II. (nach anderen sei das viel früher geschehen und zwar unter Kaiser Konrad III. und jener Heinrich von Bünau sei nicht Kurfürst von Trier, sondern von Mainz gewesen) zu Frankfurt gekrönt ward, an S. Majestät folgende drei Bitten gerichtet haben: Erstlich, weil er einer aus dem Geschlechte der von Bünau sei, welches zwei Helme führe, daß er sein (rotes) Kurhütlein auf den einen Helm setzen dürfe. Zweitens, daß die von Bünau unterschiedliche gewisse Namen, als Heinrich, Rudolph und Günther haben könnten, und drittens, daß er seinen ganzen Schatz, welchen er in seinem Stifte erübrigt, dem Geschlechte derer von Bünau zum ewigen Gedächtnisse vermachen dürfe, welche drei Bitten S. K. Majestät gedachtem Herrn Kurfürsten auch bewilligt habe. Weil nun seine Verlassenschaft sich auf etliche Tonnen Goldes belaufen, habe er in seinem Testamente verordnet, daß seine Barschaft zum ewigen Gedächtnis an acht Stammhäuser verwendet werde, nämlich an je zwei in Böhmen, Meißen, Thüringen und Vogtland, von deren Einkommen das ganze Geschlecht zu genießen habe. Peccenstein aber meldet in seinem ~Theatr. Saxon.~ I. No. 50 von den drei Taufnamen Heinrich, Günther und Rudolph, daß solches aus einem besonderen Zufall und Betrug eines, so sich ihres Stammes gerühmt und damit ein ~Falsum~ gebraucht, auch allerhand Unglück gestiftet, nach deren Vorfahren Rat und Vergleich geschehen sein sollte, oder daß vor ohngefähr 200 Jahren (er schrieb um das Jahr 1608) das Geschlecht bis auf drei Personen ausgestorben sein sollte, da dann diese damals unter sich einig geworden wären, diese drei Namen fort und fort zu gebrauchen. (Nach anderen wäre dies viel später geschehen, erst nach der Schlacht am weißen Berge, wo gegen 200 Glieder dieser Familie gefallen waren.)

486. Die Ritter von Bärenstein.

(Kirchengalerie von Sachsen, 4. B. S. 138.)

In der Kirche des Städtchens Bärenstein befinden sich die Bildnisse Kaspar von Bärensteins auf Bärenstein und Bärenburg (1612), Walzig v. Bernsteins (1492) und Christoph von Bernsteins (1534 oder 1315?). Ein Albrecht von Bernstein, welcher ebenfalls auf dem Schlosse Bärenstein wohnte, wird bereits unter dem Jahre 1156 genannt, da er auf seine Unkosten einem Turniere zu Zürich, welches der Herzog von Baiern und König von Sardinien anstellten, beiwohnte. Früher schrieben sich die in Bärenstein sässig gewesenen alten Ritter von »Bernstein«, weil sie aus der Schweiz, bei Constanz her, abstammen sollen und dieser Name dort mehr (z. B. Bern) angetroffen wird. Späterhin schrieb man aber, wahrscheinlich wegen der früher in der Gegend hausenden vielen Bären und wegen einer gehabten sehr glücklichen Bärenjagd »Bärenstein«. Viele andere Orte in der Nähe haben davon ihre Namen, als: Bärenklau, Bärenhecke, Bärenburg, Bärenfels, Bärenklause u. s. w.

Auch führten die alten Ritter von Bernstein folgendes Wappen: Ein in silbernem Schilde zum Streit gerüsteter aufrecht stehender schwarzer Bär; auf dem Schilde ruhet ein mit einer goldenen Krone bedeckter offener Turnierhelm, aus welchem ein erhabener und zum Streit geschickter Bär hervorragt; die Helmdecken sind schwarz und silbern.

487. Das Geschlecht von Lüttichau.

(Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen, S. 98. Nach Hesekiel, Wappensagen, S. 175.)

Das Wappen der Herren von Lüttichau sind zwei Sicheln und drei schwarze Federn. Die Sage erzählt hierüber folgendes: Es soll einst ein deutscher Kaiser in den Niederlanden gegen die Franzosen im Felde gestanden haben und in der Nähe von Lüttich mit dem feindlichen Heere zusammengestoßen sein. Anfangs war dieses im Vorteil, allein ein adliger Junker aus Meißen, der bei der böhmischen Reiterei des Kaisers diente und sich durch drei schwarze Federn auf seinem Helme auszeichnete, deshalb auch den Namen »der schwarze Hahn« erhalten hatte, hat sich mit seinen Leuten so wütend in die Reihen der Gegner gestürzt, daß er sie sprengte und die Kaiserlichen die Schlacht gewannen. Da hat ihm der Kaiser aus Dankbarkeit den Namen Lüttichau, weil er in Lüttichs Auen den Sieg gewonnen hatte, und als Wappen zwei Sicheln, weil er die Feinde wie Korn abgemäht, verliehen.

Die Herren von Lüttichau werden als mehr denn 200jährige Besitzer der bei Dippoldiswalde gelegenen Rittergüter Ober- und Nieder-Ulbersdorf, sowie im Besitze von Stadt und Dorf Bärenstein, Hammerbärenklau, Groß- und Kleinbörnchen und Walthersdorf angeführt.

488. Das Wappenschild der Schönburge.

(Dietrich und Textor, Die romant. Sagen des Erzgebirgs, I. S. 35 etc.)