Sagenbuch des Erzgebirges

Part 39

Chapter 393,587 wordsPublic domain

Klinger ließ nun Arbeitsleute, so viele ihrer nur kommen wollten, für seinen Bau anwerben, Bauholz in seinen Wäldern schlagen und Steine in seinen Steinbrüchen brechen, zahlte mit vollen Händen und es verging kein Jahr, da stand die Kirche fertig da. Nun ließ er es auch nicht an reicher Ausschmückung des Inneren fehlen, Kanzel und Altar waren von geschicktesten Künstlern gearbeitet und mit der größten Pracht geziert, eine herrliche Glocke hing auf dem Turme und alles war zur Einweihung der Kirche in Bereitschaft. Siehe, da zog an demselben Morgen, wo die Geistlichkeit sich anschickte, das neuerbaute Gotteshaus zu weihen, ein furchtbares Gewitter über das Thal herein und man zögerte deshalb, die Prozession zu beginnen, selbst der Glöckner weigerte sich, die Glocke ertönen zu lassen, bevor nicht das Unwetter vorüber sei. Da ward Klinger ungeduldig und schwur und vermaß sich hoch und teuer, nichts sollte ihn abhalten, das einmal angefangene Geschäft zu Ende zu führen, und wenn niemand anders es thun wolle, so werde er selbst in die Kirche eilen und das Geläute zum erstenmale in Bewegung setzen. Zwar versuchten ihn die Priester von diesem Beginnen abzuhalten, aber umsonst, er stürzte in den Turm und fing an die Glocke zu ziehen. Aber sonderbar, dieselbe klang wie ein Armesünderglöckchen und lange zuvor, ehe es ausgelauten hatte, fuhr ein Blitzstrahl aus dunkler Wetterwolke herab in den Turm, tötete Klinger und zündete die Kirche an. Niemand wagte zu löschen, denn jeder sah hier das Gericht Gottes, und so war in kurzem von dem schönen Bau nichts als die Mauer übrig und niemand wagte es seitdem, die Kirche wieder aufzubauen. Klingers Leichnam ward zerschmettert im Turme gefunden und am Rande des Waldes eingescharrt. Die Umwohner aber erzählen sich, um Mitternacht gehe sein Geist ruhelos dort umher und grüße den zufällig dorthin verirrten und bei seinem Anblick ängstlich davon fliehenden Wanderer, und sein Herumirren müsse so lange dauern, bis ihm jemand danke. Seinen Bruder hatte die Strafe Gottes schon vorher ereilt, denn noch ehe das Gericht sein Urteil gesprochen, war er vom Pferde gestürzt und hatte den Hals gebrochen.

In Schumanns Lexicon von Sachsen (12. B. S. 444) wird die Gründung der Oswaldskirche, welche vom Volke gewöhnlich Duselskirche genannt wird, dem Grünhainer Amtmann Gregor Kienter und dem Elterleiner Pfarrer M. Wolf zugeschrieben und als Jahr der Gründung 1515 angegeben. In Bezug der Sage von dem Hammer- und Bergherrn Kaspar Klinger wird gesagt, daß derselbe zur Sühne des Mordes 12 silberne Schocke, 50 Harnische und Krebse, viele Büchsen und Bogen geben, Seelbäder stiften und nach Rom wallfahrten mußte. Auch hatte er von dieser Wallfahrt die Erlaubnis für die Markersbacher Kirche mitgebracht, Ablaß erteilen zu dürfen (S. 164).

Im Oswaldsthale, wo die Ruinen der Duselskirche stehen, hat man 1795 auf einem Felde einen Topf voll Brakteaten abgegraben, die wahrscheinlich vom Grünhainer Kloster stammten. Vielleicht haben diese Brakteaten Veranlassung zu der Sage von einem großen Schatze gegeben, welcher unter der Kirche vergraben liegen soll.

Der Name »Duselskirche« wird in dem Lexicon von Sachsen von »Sankt Useldskirche« und der des Oswaldbaches von einem »Asenwald« oder »Aswaldbache« d. i. Riesenwaldbache abzuleiten gesucht, indem die Meinung ausgesprochen wird, die eingewanderten Sachsen hätten den dortigen Wald vielleicht Asenwald genannt, welcher Name dann auch auf den Bach übertragen worden sei. Ich halte diese Erklärung für sehr gewagt und nicht recht glaubwürdig.

416. Ein Fluch zerstört das Schloß auf dem Grauenstein.

(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 60 etc.)

Ungefähr eine Stunde von Joachimsthal erhebt sich in der Centralgruppe des Keilberg-Gebirgsstockes der waldgekrönte »Hohe Berg«, dessen südlicher Ausläufer wegen einer großen Steinhalde, deren Farbe von der Wandschüsselflechte herrührt, der »Grauenstein« genannt wird. Zu letzterem führt von Joachimsthal aus der Weg über den mit einer Allee bepflanzten »Graben,« welcher sich um die »Schwedenschanze« herumzieht, und dann weiter rechts von dem städtischen Forsthause »Hut« über die Thaleinschichte »Rauschererb«. Von dem Grauenstein, welcher eine schöne Aussicht gewährt, erzählt man folgendes:

Vor mehreren Jahrhunderten lebte im südlichen Böhmen ein mächtiger Fürst, namens Leopold, der in den verschiedenen Landesgebieten reiche Besitzungen hatte. Von seinen Kindern bereitete ihm sein erstgeborener Sohn, mit Namen Karl, manche bittere Stunde, denn dieser führte ungeachtet aller Lehren und Ermahnungen eine liederliche Lebensweise.

Der Vater wurde deshalb veranlaßt, ihn aus dem Hause zu geben und nach der Residenzstadt Prag zu schicken, allwo er im Strome der Welt zu einem tüchtigen, charaktervollen Edelmann heranwachsen sollte.

In Prag aber bot sich dem leichtsinnigen Junker erst rechte Gelegenheit dar, die schlüpfrigen Pfade des Lasters zu betreten. Als nun der besorgte Vater von dem ausschweifenden Lebenswandel seines unverbesserlichen Sohnes Kunde erhielt und ihm deshalb berechtigte Vorwürfe machte, faßte derselbe den Entschluß, der strengen väterlichen Gewalt sich durch eilige Flucht aus Prag zu entziehen. Er wanderte also im jugendlichen Übermute dem waldesdunklen Erzgebirge zu und gelangte nach einigen Tagereisen in die Gegend des heutigen Joachimsthal, wo in damaliger Zeit das Dorf Konradsgrün lag. Überrascht und entzückt von der herrlichen, reich bewaldeten Gebirgswelt mit ihren Thälern und Schluchten, ließ er sich hier nieder und baute mit Hülfe der Einwohner ein stattliches Schloß, in welchem er in Gesellschaft verdorbener Genossen sein gewohntes wüstes Leben fortsetzte. Den unaussprechlichen Schmerz des Vaters über den Verlust des ungeratenen Sohnes hatte indeß die alles heilende Zeit gemildert.

Da trug es sich zu, daß einst der Fürst, welcher ein eifriger Weidmann war, sich auf einer Jagd, die er auf seinen sehr ausgedehnten, im Norden Böhmens gelegenen Gütern veranstaltete, im dichten Walde verirrte und sein zahlreiches Gefolge verlor. Nach langem mühevollen Umherirren erreichte er bei einbrechender Dunkelheit eine Wiese, von wo er am fernen Bergesrücken ein helles Licht schimmern sah, dem er nun frohen Mutes mit starken Schritten zueilte. Als er vor dem Schlosse stand, aus welchem das Licht kam, bat er um Einlaß und ein gastlich Obdach, und er wurde darauf vor den Schloßherrn geführt, den sein Vaterauge gleich erkannte. Auch der verlorne Sohn erkannte sofort, freilich mit Schrecken, in dem Weidmann seinen Vater; aber statt mit reumütigem Herzen den Tiefgekränkten um Verzeihung zu bitten, gab er, die wohlverdiente Strafe fürchtend, den schleunigen Befehl, ihn gefangen zu nehmen.

Entsetzt und aufgebracht über dieses unerhört ruchlose Benehmen sprach der Vater über den ungeratenen Sohn den Fluch aus, welcher augenblicklich in Erfüllung ging. Die Erde erbebte mit einemmale so gewaltig, daß die Grundmauern des Schlosses erzitterten; dasselbe zerfiel in Trümmer und begrub in seinem Schutte alle Insassen. Nur der Fürst und ein Diener kamen mit dem bloßen Schrecken davon und eilten nach Konradsgrün, wo das sorgenvolle Jagdgefolge den vermißten Herrn erwartete, den es bis spät in die Nacht im Hochwalde vergebens gesucht hatte. Am Grauenstein aber treiben seitdem die bösen Geister ihren Spuk.

Eine andere Sage erzählt, daß des Grafen Schlick Urgroßmutter zwei Söhne hatte, die sich allen Lastern ergaben. Sie lästerten Gott, raubten, plünderten und mordeten. Bald aber erkannten sie ihre tiefe Verworfenheit und beschlossen, sich in die Einsamkeit zurückzuziehen und ein bußfertiges, Gott wohlgefälliges Leben zu führen. Zu ihrem bleibenden Aufenthalte wollten sie sich ein Schloß erbauen lassen und fanden zu dessen Anlegung den dazumal im tiefsten Waldesdunkel gelegenen Grauenstein besonders geeignet. Alsogleich übertrugen sie den Bau des Schlosses, dessen Steine durchweg von grauer Farbe sein sollten, zweien Maurern. Nachdem diese das Schloß vollendet hatten, erhielten sie aber den verheißenen Lohn nicht; deshalb riefen sie auf dasselbe den Fluch des Himmels herab. Und dieser Fluch der Maurer erfüllte sich schnell. Ein furchtbares Gewitter, das plötzlich übers Gebirge dahergezogen kam, entlud sich; ein Blitzstrahl traf das Schloß, zündete -- und verwandelte es in einen Schutthaufen.

Nach einer anderen Sage wohnte im Grauensteiner Schlosse ein Vater, der seiner Tochter einen Bräutigam aufdringen wollte, den sie nicht mochte. Um sich zu retten, trieb die Tochter dem Vater während des Schlafes einen Nagel durch den Kopf. In den letzten Atemzügen verwünschte der Vater das Schloß samt den Inwohnern.

417. Der Gottesleugner zu Nossen.

(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 349.)

Zu Nossen lebte im Jahre 1592 ein alter Zimmermann und Steinbrecher, namens Walter Koch, der zeitlebens ein großer Verächter des Gottesdienstes gewesen, auch binnen 32 Jahren niemals zur Beichte und zum Abendmahl des Herrn gekommen war. Dieser ward am 21. Juni des genannten Jahres gleich in der Mittagsstunde von einer alten Kirchmauer im Kloster Zelle, an der er hatte einbrechen helfen, erschlagen. Als man nun seinen Körper in einen Backtrog legte, ist selbiger alsbald zersprungen, darauf ist ein grausamer Wirbelwind entstanden, und als man ihm zu Grabe läuten wollte, ist der Klöppel in der großen Glocke ebenfalls zersprungen, weil er eines christlichen Begräbnisse nicht würdig gewesen.

418. Vorboten der Pest.

(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 962.)

Im Erzgebirge hat es an Warnungszeichen vor der Pest nicht gemangelt. Zu Lengefeld ließen sich auf dem Kirchhofe, als in der Stadt 1680 die Pest eingezogen war, zwei weiße Schwalben sehen, die gegen den Herbst wieder fortzogen. Zu Marienberg hörte man zehn Wochen vor der Pest ein Poltern und Fallen bei Nacht in der Kirche, als wenn man Leichen in die Erde senkte und häufig die Erde auf die Särge nachschüttete; beide Kerzen verlöschten auf dem Altare, die Glocken wurden so unnatürlich schwer, daß man sie mit großer Mühe mußte in Schwung bringen, das Uhrwerk auf dem Rathause lief bei Tag und Nacht unterschiedliche Mal ganz ab, und einige Bürger haben des Nachts ein hellbrennendes Licht auf dem Rathause gesehen.

Wie hier, so wurden auch in andern Gegenden teilweise an und für sich nicht gerade bemerkenswerte Erscheinungen als Vorboten der Pest angesehen. In Böhmen prophezeit z. B. der Storch in der Gegend, durch welche er fliegt, die Pest, während er dorthin, wo er sich niederläßt, Segen bringt. (Grohmann, Aberglauben etc. S. 64.), und in der Lausitz galten als solche Vorboten: Geheul von Hunden (Hunde sehen übrigens nach einem Volksglauben Gespenster), Geschrei weinender Menschen, die man aber nicht sah, unausstehlicher Geruch und Gestank und selbst ungewöhnliches Blühen von Rosen im August und September des Jahres 1607. (Haupt, Sagenbuch, I. No. 354.)

419. Wodurch in Freiberg die Pest einzieht.

(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II. S. 311.)

Im Juni 1572, bald nach gehaltenem Fürstenschießen, wurde Freiberg von einer gewaltigen Pest heimgesucht. Ein Töpfer beim Hospital hatte eine Thongrube aufgerissen, in welche beim Sterben 1564 etwas von alten Lumpen und Stroh aus den angesteckten Häusern geworfen worden war. Da stieg ihm alsobald ein widriger giftiger Dampf entgegen, so daß er sich legen mußte und nicht allein die Seinigen, sondern auch viele in der Nachbarschaft ansteckte. Die Seuche verbreitete sich darauf weiter und nahm dermaßen überhand, daß von da an bis Weihnachten 1577 Personen starben.

Als das reußische Dorf Langenwetzendorf infolge der Pest fast ausgestorben war, kam von dorther nach der nahen Kucksmühle eine blaue Wolke und zog in zwei Spindlöcher eines Stubenbalkens, worauf der Müller Pflöcke hineinschlug und alles im Hause wohlauf blieb. Als aber der Müller später einmal nachsah, was aus dem Dunste geworden sei, da hat sich derselbe im ganzen Hause verbreitet und alle seine Bewohner mußten sterben. (Eifel, Sagenbuch des Vogtlandes, No. 457.) Desgleichen erzählt eine Mansfeldische Sage, daß die Pest in Gestalt eines blauen Nebels nach Hübitz zog. (Gräßler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, No 95.) Ein Zauberer aus Böhmen verschloß bei Tormersdorf in der Oberlausitz die von allen Orten der Umgegend in Gestalt einer blauen Wolke heranziehende Pest in einer Grube mit der Anordnung, daß niemand die Grube wieder öffnen sollte. (Haupt, Sagenbuch d. Laus. No. 216.) Das Vernageln der Pest in Bäume kam noch 1709 zu Conitz in Preußen vor. Das Vermauern der Pest in und an Kirchen war im Mittelalter nicht ungewöhnlich, und vielleicht war das sogenannte »garstige Ding« (eine weibliche Figur, an welcher ein Hund emporstieg) an der Mauer der 1760 eingeäscherten Kreuzkirche in Dresden das Zeichen der hinter dem Hochaltare vermauerten Pest. (Schäfer, Deutsche Städtewahrzeichen, S. 93.) Dabei mag noch darauf hingewiesen werden, daß die leichenwühlenden Nornen und Walkyren von Hunden begleitet sind und von Hunden der Sterblichen zuerst gewittert werden. In altkirchlichen Abbildungen wird dem heiligen Rochus, dem Schutzpatron gegen die Pest, ein Hündlein beigegeben. (Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch, I. S. 159.) In Außig in Böhmen glaubt man, daß die Pest als +weißer+ Rauch erscheint, welcher Menschen, wenn diese ihn einatmen, sofort tötet. (Grohmann, Aberglauben etc. S. 184.)

420. Großhartmannsdorf wird durch die Zeitheide von der Pest verschont.

(Märker, Chronik von Großhartmannsdorf, S. 279.)

Östlich von Großhartmannsdorf liegt die große Torfheide. Hier wuchs in Menge eine Pflanze, welche unter dem Namen »Zeitheed« (Zeitheide) bekannt war und noch jetzt bekannt ist. Es sollen zu verschiedenen Zeiten Weiber aus Böhmen Tragkörbe voll von dieser Pflanze, welche in gegenwärtiger Zeit mit Mühe und Fleiß gesucht werden muß, weggetragen haben. Auch soll sie in der Brauerei des Ortes mit zur Verwendung gekommen sein. Der balsamische und durchdringende Geruch machte sie berühmt in der Gegend und wohlthätig für den Ort selbst. Denn in den Jahren, in welchen die Pest das Land verheerend durchzog und benachbarte Orte aussterben ließ, soll Großhartmannsdorf durch jene Pflanze verschont geblieben sein.

Die genannte Pflanze ist der Sumpfporst, ~Ledum palustre~.

421. Bergglück unter besorglichen Wunderzeichen.

(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 345.)

Innerhalb 10 Jahren, von 1163 bis 1173, da das Freibergische Bergwerk rege und die Stadt angelegt worden, sind allerhand erschreckliche Wunder und Erscheinungen am Himmel aufgetreten, nämlich drei Sonnen, etliche Wundersterne, brennende Fackeln, Blutregen, stürmende Donner und Blitze. Gleichwohl wars dem Bergwerk nicht nachteilig, so daß man 1171 schrieb:

FreIberg VnD seinen fIxen PLan DIe Sterne haben nIChts gethan.

Im Jahre 1472 erschien ein Komet im Zeichen der Wage, darauf das Bergwerk zu Schneeberg, welches das vorhergehende Jahr war angegangen, in hohem Flor gekommen und reichlich geschüttet hat, nach den bekannten Worten:

Bergknappen auf! erstaVnet, seht ZU SChneebergs GLUCk sCheInt der CoMet.

Im Jahre 1492 erschienen im Januar drei Sonnen am Himmel, und im März ein Komet; das schadete aber dem Obergebirge nichts, sondern es wurde das Bergwerk am Schreckenberge bei Annaberg rege, nach den Worten:

Der Annaberg braCht hoCh AUsbUt An SIlber ohne Sternen-StreIt, Unsern GewerCken reCht zUr FreUD.

In den Jahren 1515 und 1516 brannten zwei Kometen am Himmel; dabei kamen die Silberzechen am Scheibenberg und in Joachimsthal auf, wie folgende Verse deuten:

ACh sIehe an hIe JoChIMsthal, Ist EVangelIsCh UberaLL.

422. Ein Wunderzeichen zu Niederbobritzsch verkündet Unwetter.

(Moller, ~Theatrum Freib. Chron.~ II., S. 271.)

Den 13. Aug. 1559 hat man zu Niederbobritzsch bei Freiberg abends neben dem Monde eine große Menschenhand in den Wolken gesehen, darüber ein Stern in Größe der Sonne, ohne daß derselbe einen hellen Schein verbreitete. Die Hand ist im Verlauf einer halben Stunde immer größer geworden, bis sie eines Tisches Breite erreicht, darauf hat sie sich umgewandt und zugethan und ist jählings zerfahren, als wenn sie stückweise herunterfiele. Den Tag darauf erhob sich in der Umgegend ein starkes Unwetter mit Hagelstücken bis zur Schwere von über 3 Pfund; dieselben waren teils rund, teils viereckig, mit Zacken, wie Kreuze, Spangen und Rosen an Gürteln. Besonders arg war das Wetter in Niederbobritzsch, wo die ganze Zeit der Himmel voll Feuer stand, von dem auch etliche Klumpen herabfielen, die viel Bäume und Büsche versengten und großen Schrecken verursachten.

423. Ein himmlisches Wunderzeichen zu Freiberg.

(Moller a. a. O. II., S. 277.)

Den 13. März 1562 hat man zu Freiberg des Nachts am klaren Himmel einen weißen Kreis gesehn, der sich oft von einander gethan und inwendig ganz feuerrot erschienen. Dabei haben lange Strahlen rings umher gestanden, ziemlich dick und breit, doch oben zugespitzt, die haben auf einander gestoßen. Zwischen den Strahlen aber ist es aufgefahren wie Rauch und es hat die ganze Nacht hindurch geblitzt und geleuchtet. An etlichen Orten sind zugleich zwei Regenbogen und darüber ein Kreuz, sowie auch auf der einen Seite eine gebundene Rute und auf der anderen eine große Hand mit einer Rute gesehen worden.

424. Himmlisches Wunderzeichen in Wiesenthal.

(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1155.)

Anno 1543 den 4. Juni hat man in Wiesenthal des Abends um 7 Uhr am hellen Himmel nachverzeichnete Wunder gesehen. Erstlich einen langen Mann schwärzlich mit einem schwarzen und breiten Bart, welcher den Kopf oft schnell hin und wider gewandt, daß man ein zorniges Gemüt hat merken können. Dem ward ein Kranz gegeben, und da er ihn empfangen, ist er vergangen. Darnach ist auf einem hohen Fels ein anderer langer Mann gestanden, welcher einen langen, spitzen Schnabel und vom Haupt an durch den Rücken die Länge lange Federn gehabt, gleich eines Straußes, ist aber auch bald verschwunden. Alsdann sind auf einem ebenen Felde zwei Städte gesehen worden, eine große, mit steinernen und hohen Gebäuden herrlich gezieret, und eine kleinere, die doch je länger je deutlicher ist gesehen worden. Desgleichen ein Mann, der auf einem Pferd gesessen und in der rechten Hand ein Fähnlein geführet, in der linken aber ein jung Kind gehabt, welcher auch bald verschwunden. Darnach ist auf einem hohen Berge ein großer Mann gesehen worden, der einem kleinern mit einem Schwerte das Haupt abgehauen. Es ist auch einer zwischen zweien Felsen gesehen worden, welcher auf die Knie gefallen und die Hände aufgehoben über sich zum Himmel, als bete er. Nach ihm ist ein anderer langer Mann gesehen worden in einem langen Kleide, der unter den Armen ein junges Lämmlein und auf der Schulter ein groß Schaf getragen, dem ein stinkender Bock mit langen Hörnern gefolget. Weiter sind gefolget zwei Jungfrauen, eine hat die Arme in die Seiten gestützt und sich fröhlich erzeiget, die andere hat gegeiget. Nach diesen ist ein groß Kameel erschienen, auf welchem ein Mann aufgericht gestanden, der auf dem Rücken mit langen Federn geschmückt gewesen, dem ist ein Löwe mit aufgesperrtem Rachen entgegengegangen, hat mit den vordern Klauen das Kameel angefallen, darauf ist das Kameel alsobald zusamt dem Mann verblichen. Der Löwe hat sich den Städten genahet, welchem auf dem Fuße gefolget die zwei Jungfrauen und der Mann, der das Schäflein getragen mit dem zottigen Bock, so hernach gezottet. Letztlich sind einige andere Löwen gesehen worden, die nach der Stadt wärts gegangen, und viel groß Geschütz, welches auf die Stadt gerichtet gewesen, als wollte man jetzt abschießen, und sind die Städte bei anderthalb Stunden gesehen worden.

So viel hat in einer handschriftlichen Chronik Michael Pabst verzeichnet, der sonst ein guter Astronomus gewesen und alle Begebenheiten und Ungeheuer am Himmel fleißig aufgezeichnet.

425. Eine wunderbare Himmelserscheinung bei Gottesgab.

(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtniß 1719, S. 104.)

Am 28. November des Jahres 1692 hat ein Köhler auf dem Sonnenwirbel bei Gottesgab ein hellglänzendes Schwert am Himmel gesehen, welches frühe um 5 Uhr geschehen ist. Solches Schwert hat neben einem Stern gestanden, und auch selbst wie ein heller Stern geleuchtet; die Spitze des Schwertes aber hat sich gegen Böhmen und den Egerschen Kreis gewandt. Es ist nicht anders anzusehen gewesen als ein langer Degen mit Gefäß, aber ohne Bügel, und hat nach des Köhlers Erachten so hoch gestanden, als die Sonne auf diesem gebirgischen Horizont in langen Tagen um 2 Uhr zu stehen pfleget. Nachdem es wieder vergangen und nicht länger gewähret, ist dem Köhler ein Schauer darüber angekommen, daß er sich in seinem Kohlkram niederlegen müssen.

426. Kreuze fallen vom Himmel.

(Moller, ~Theatr. Freib.~ II., S. 148.)

Im Jahre 1504 sind Kreuze von verschiedenen Farben den Leuten vom Himmel herab auf die Kleider gefallen, und wenn dieselben auch verschossen gewesen, hat man doch dergleichen Zeichen auf ihnen gefunden.

427. Ein Topf schwitzt zu Oederan Blut aus.

(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan. 1847, S. 226 etc.)

Am Sonnabende vor dem Pfingstfeste 1707 hatte der Kantor zu Oederan, Nikol. Haberland, einen frischen Maienbaum in einen Topf mit Wasser gesetzt, worauf er wahrnahm, daß der Topf eine rote Materie ausschwitzte. Man war allgemein der Meinung, daß diese rote Materie Blut sei und deutete die Erscheinung auf kommendes Unglück. Auch als der Topf leer in die Sonne getragen wurde, blieb er ganz rot, als ob eine blutende Wunde daran abgewischt worden sei. Auf erstatteten Bericht wurde er an das Konsistorium nach Dresden gesendet. Was damit weiter geschehen, ist nicht bekannt geworden.

428. Blutzeichen.

(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 853.)

Im Jahre 1666, Dienstags nach dem neuen Jahre früh um 8 Uhr, floß das Röhrwasser zu Wolkenstein in drei Trögen blutig und währte drei Stunden lang, darauf eine vielfältige große Uneinigkeit in dem gedachten Orte erfolgte.

Im Jahre 1639, in der Marterwoche, blutete bei Freiberg ein Crucifix. Anno 1666 ist zu Sayda ein Teich in Blut verwandelt worden. Am 25. Mai 1672 geschah es zu Planen im Vogtlande, daß in Leonhard Weckerleins, eines Zeugwirkers Stube an unterschiedlichen Orten Blut aus den Wänden heraus drang, so häufig, daß man auch Pfützen auf der Erde gesehen. Es war eine ungeheuerliche Sache, indem aus den Stubendielen, Bank- und Wirkstuhlbeinen, dürren, abgeschälten Wachholderstecken, welche zum Wollschlagen gebraucht wurden, ferner aus einer Schreib- und Schiefertafel Blut geflossen, das man auf Tüchern und Papier auffing und klumpenweise sammelte. Und dieses Blutschwitzen dauerte an etlichen Orten der Stube beinahe eine Stunde lang; wischte man's ab, so kam es wieder, schnitt man aber ein Stück von den oben angeführten dürren Wachholderstecken ab, so war inwendig kein Blut zu spüren.

Blutzeichen, insbesondere blutschwitzende Tempelstatuen, galten schon bei den alten Römern als Gefahren verkündigend; ganz besonders aber ist das christliche Mittelalter reich an Legenden, nach denen Heiligenbilder oder andere Gegenstände Blutstropfen ausschwitzten, was entweder als Beweis einer ihnen innewohnenden wunderthätigen Kraft oder als Zeichen von bevorstehendem Unglück angesehen wurde. Eine Menge hierher gehöriger Beispiele führt Rochholz (Deutscher Glaube und Brauch. I. S. 48 etc.) an.

429. Ein längst verstorbenes Kind blutet.

(Histor. Nachricht von denen Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz. 1734, S. 80.)

Den 13. Mai des Jahres 1546 wurde in Chemnitz ein Weib, so ihr eigenes Kind ermordet, enthauptet, und das Kind zu ihr in den Sarg geleget, welches dann angefangen zu bluten, wiewohl es schon 14 Tage tot gewesen.

430. Blutende Geweihe in Schneeberg.

(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1159.)