Part 38
Am Abende des 4. August 1629, welcher dem Tode der Gemahlin des Moritz v. Hartitzsch auf Krummenhennersdorf voranging, hörte letzterer mit dem Pfarrer Benedictus Scheuchler und dem Arzte (?) Däntzki, da sie miteinander in Kümmernis am Fenster des Schloßerkers standen, draußen gar nahe ein klares helles Glöcklein klingen, gleich oben über den Bäumen, anders nicht, als ob man wollte anfangen zu Grabe zu läuten. Bald darauf hörten sie gar einen lieblichen Laut, als wenn kleine Kindlein singen. Am Morgen wies sich aus, was hierdurch angedeutet worden, daß nämlich die kranke Frau seligen Feierabend machen wollte und ihr Körper zur Ruhe gebracht werden sollte.
396. Rumoren zeigt einen Todesfall an.
(Jugenderinnerung eines gebornen Nossners.)
In Nossen lebte einmal ein gottesfürchtiger Tischlermeister, bei dem es manchmal des Abends, wenn die Familie still beschäftigt war, in den Brettern oder Hobelspähnen rumorte. Dann wußte der Meister, daß am nächsten Tage ein Sarg bestellt werden würde.
In ähnlicher Weise pflegten sich beim dortigen Totengräber des Abends zuweilen die Werkzeuge zu rühren, und dann wurde Tags darauf ein neues Grab verlangt.
397. Der geplagte Polizeidiener.
(Jugenderinnerung eines gebornen Nossners.)
Bis gegen Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts befand sich die Stadtwache zu Nossen in einem am Obermarkte gelegenen, der brauberechtigten Bürgerschaft gehörigen, jetzt aber abgebrochenen Brau- und Malzhause, vor dessen Ostseite zwei schöne Linden standen. Dort wohnte einmal ein Polizeidiener, ein altgedienter Soldat. Wenn nun in der Stadt ein schwer Kranker nicht »ersterben« konnte, erschien sein Geist des Nachts dem Polizeidiener und nötigte ihn zum Aufstehen aus dem Bette. Der mußte sich nun vollständig in Uniform kleiden und mit umgehängtem Säbel den Geist bis an die Hausthüre begleiten, worauf dieser verschwand. Der Polizeidiener pflegte manchmal zu sagen: Diese Nacht ist der oder die bei mir gewesen, und darauf hörte man bald auch von ihrem Ableben.
Still und mürrisch, wie er war, mußte er sich oft vom Bürgermeister ausschelten lassen. Das hörte er in Positur ernsthaft an und sprach dann, als wenn er schwerhörig sei: »Schön, Herr Bürgermeister, ich werd's ihm sofort sagen.« Da mußte der Bürgermeister immer lachen und das gute Einvernehmen war wieder hergestellt.
398. Vögel sind Unglücksverkündiger.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 834.)
Als im Jahre 1639 ein großes Sterben war, hatten die Raben bei Tage ein greulich Geschrei, bissen sich auch des Nachts bei Mondenschein heftig auf den Kirchen und Häusern herum, und es war furchtsam anzuhören, wenn die Eulen in den Gärten so jauchzten. Man merkte auch um selbige Zeit, daß ein Haufen Elstern mit Schreien und Schnattern alle Gassen voll gemacht und gleichsam die Post gebracht hatten, wenn räuberische Parteien kamen. Ehe einem Hausvater sein Weib und Kind in den Wochen starb, zogen die unter dem Dache nistenden Schwalben samt ihren Jungen weg. Desgleichen ist in Schneeberg geschehen, daß die Störche, welche lange Zeit auf eines Bürgers Hause genistet, im Jahre 1688, ehe der Bürger gestorben, davon gezogen und ausgeblieben sind. Im Jahre 1664 kamen des Nachts, ehe in Annaberg 400 Häuser in Asche gelegt wurden, etliche Eulen, setzten sich auf des Bürgermeisters Haus am Markte und schrien gräßlich.
399. Anzeichen von Feuersbrünsten.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 780.)
Man hat in unterschiedlichen Bergstädten wahrgenommen, daß wenn Gott mit einer Feuersbrunst strafen wollte, sich zuvor allerhand bedenkliche Vorboten gezeigt haben. Man hat in der Ratsstube des Nachts ein Licht brennen sehen, oder es ist ein Wasserkübel auf dem Rathausboden herunter gefallen, oder es hat auf dem Markt mit den Wasserkübeln gerasselt und sich in den Bottichen gebadet, oder es sind auch eiserne Reifen an den Röhrenbottichen geborsten und abgesprungen, oder es haben sich ungewöhnliche Feuervögel sehen lassen, oder es sind die Kinder unversehens vorbeigelaufen und haben Feuer gerufen, oder man hat eine unbekannte Stimme des Nachts zuvor gehört: Lösche, dein Haus brennet!
400. Die brennende Bergwitterung zeigt Erze an.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 430.)
Die sonderlich bei Nachtzeiten lichterloh brennende Bergwitterung, welche in Gestalt eines ausgestreuten Pulvers plötzlich lodert und verlöscht, und die Ausgänge, Luftlöcher und Klüfte der Metalladern zeigt, ist in dem Erzgebirge gar gemein, und hat man an den Orten, da hernach Bergstädte erbaut worden, zuvor viel und starke Bergwitterung gespüret. Dies ist geschehen im Jahre 1491, da um den Pöhlberg die Bergwitterungsflammen lichterloh ausgelauscht und die Bergleute veranlaßt, daß sie hernach die Erzgänge mit der Rute erforschten und entblößten. Dergleichen hat sich auch um Scheibenberg begeben, da vorzeiten rauher Wald und Morast gewesen, daß sich des Nachts viel Witterungen von ferne sehen lassen, so daß die Nachbarn vermuteten, es müsse daselbst reiches Erz liegen. Daher hat auch Caspar Klinger von Elterlein im Jahre 1515 zuerst daselbst eingeschlagen und die erste Fundgrube gemutet.
401. Ein Wunderzeichen am Himmel zeigt Krieg an.
(Meltzer, ~Hist. Schneebergensis~, S. 1154.)
Am 25. Januar oder Pauli Bekehrungstage 1630 hat man überall im Gebirg ein Feuer- und Wunderzeichen am Himmel gesehen, als wenn unterschiedene Kriegstruppen miteinander im Gefechte wären, desgleichen hat man gehöret, als wenn Musketen losgingen und zur Begrüßung geschossen würde. Dies haben unzählige Personen mit Verwunderung und Schrecken beobachtet, aber auch mit seiner Bedeutung in erfolgten feindlichen Einfällen und Kriegsbewegungen erkannt.
402. Ein Sturm als Anzeichen des böhmischen Bauernkrieges.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 391.)
Ein Anzeichen war es, als am 15. Febr. 1625 des Nachts das mit Riegeln, Ketten und Schlössern stark verwahrte Schloßthor in Joachimsthal von einem fast unnatürlich gewaltsamen Winde aufgestoßen und geöffnet wurde, denn es wurde so getrennt, daß das Hinterteil des mittleren Riegels samt dem starken Thornagel und eiserner Feder geborsten und das Vorlegschloß samt dem Kloben, der das Thor mit einer starken eisernen Kette über dem Thorriegel geschränkt, eine Stube weit davon auf dem Schloßplatze verschlossen gelegen. Und dieser ungemeine Sturm hat den damaligen böhmischen Bauernkrieg nach sich gezogen.
403. Ungestümes Wetter im Gebirge zeigt Krieg an.
(Lehmann, a. a. O., S. 420.)
Man hat beobachtet, wenn Schlachten zur See oder Land vorgegangen, daß solche mit einer ungemeinen Witterungsungünstigkeit im Gebirge gleichsam angedeutet worden sind.
404. Heulendes Wasser zeigt Unglück an.
(Lehmann, Historischer Schauplatz, S. 207.)
Sonst hat man an dem Schwarz- und anderem Wasser gemerkt, daß sie bei bevorstehendem Unglück, Feuer- oder Wasserschaden, greulich geheulet. Im Jahr 1630, den Tag zuvor, ehe die Stadt Annaberg abgebrannt, hat der Elterleiner große Teich am Geyerschen Wege entsetzlich geheulet, so daß des Zainschmieds Junge, der mehr Wasser aufschlagen sollte, vor Schrecken davon gelaufen. Im Jahre 1645 den 10. Juni, am zweiten Pfingstfeiertage, heulte frühe in Elterlein ein Teich jämmerlich, so daß eine Jungfrau, welche über den Teichdamm ging, aus Furcht eilends fortlief. Darauf ist ein Schulknabe, des alten Richters Matthes Rüdels Sohn, im Teiche ertrunken.
405. Verschiedene Zeichen deuten auf die Gründung Johanngeorgenstadts.
(Engelschall, Beschreibung der Exulanten- und Bergstadt Johanngeorgenstadt. Leipzig, 1723, S. 28. Lehmann, Hist. Schauplatz. S. 402.)
Ein Köhler war kurz vor Erbauung von Johanngeorgenstadt auf dem gegenüberliegenden böhmischen Berge eingeschlummert. Hierauf aber hat er ein so starkes Geläute auf dem Fastenberge, worauf jetzt die Stadt steht, vernommen, wie sonst nur in einer Stadt gebräuchlich ist. Darüber ist er nicht nur aufgewacht, sondern er hat sich auch wachend nicht zu fassen gewußt.
Der letzte evangelische Lehrer zu Platten, mit Namen Johann Jahn, hat einstmals einen Traum gehabt, als wären vom Joachimsthaler Wege Wagen gerasselt gekommen, deren Deichseln alle auf den Markt zugegangen; hernach wäre ein großes Wasser und rauschende Flut gekommen und hätte alles in den Grund hinabgeschwemmt.
Am Fest Mariä Heimsuchung, als am 2. Juli des Jahres 1648, sahe man zu Breitenbrunn frühe unter der Predigt gegen den Fastenberg zu, auf welchem sieben Jahre später die Stadt gegründet wurde, in der Wolke eine Stadt aufgehen, und vor der Stadt einen Gottesacker liegen, darauf zwei Totenbahren standen, und in der Mitte ein grüner Baum.
406. Ein Zeichen für die rechte Feier des heiligen Abendmahls.
(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 1064.)
In Neustädtel trug sichs bei angehender Reformation zu, daß eines Morgens unterschiedliche Berg- und andere Leute zusammen kamen und auch von der Reformation redeten. Wie sie nun teils ungereimte Sachen vorbrachten und unter anderem auch auf die Lehre vom Abendmahl fielen, geschahe es, daß der eine Teil das Abendmahl in beiderlei, der andere aber in einer Gestalt verteidigte. Indem nun ein Bergschmied, welcher an dem Fenster saß, dergestalt für eine Gestalt stritt und dabei sagte, daß, wenn dieses der rechte Glaube sei, daß ein Laie das Sakrament in beiderlei Gestalt empfangen sollte, er in seiner Hand vor dem Fenster einen Vogel fangen wollte: siehe, so trug es sich, indem er im Reden mit der Hand zum Fenster hinausgriff, in einem Nu zu, daß sich zwei Sperlinge mit einander bissen und vor das Fenster fielen, solche aber von ihm beide ergriffen und in die Stube gebracht wurden, weswegen sich darauf alle Anwesende, als vor einem Zeichen, entsetzten.
407. Die verschworenen Zechen am Mühlberge in Schneeberg.
(Meltzer, ~Historia Schneebergensis~, S. 922.)
Als im Jahre 1478 in dem Mühlberge zu Schneeberg reiche Erze angetroffen wurden, da fuhr Römer, vermutlich jener Sebastian, welcher vorher Romner geheißen, mit seinem Haufen zu und wollten alles allein haben. Sie nannten die Zeche Münzer- oder Römerzeche und es galt ein Kux darauf 1200 bis 1400 Gulden. Da aber die unrechten Besitzer, darunter außer Römer noch Fürsten, Grafen und Herren waren, den armen Bergmann mit seiner Gewerkschaft auf der Sattlerzeche, in welcher Lehn das Erz gebrochen war, ausmaßen und auf die Halde setzten, auch sogar der Lehenträger Römer falsch beschworen hatte, daß der Gang ihm gehöre, so war solches ein Greuel vor Gott. Alsbald verschwand das Erz dieser Zeche und verwandelte sich im Anbruch in Kohlen. Es soll auch zu derselben Zeit, da Römer draußen auf der Haspelstätte nach den alten Bergrechten den Schwur leistete, im Berggerichte zu Zwickau, wo Römer und sein Haufe mit den armen Gewerken um das Erz gestritten hatte, das Gewölbe aufgerissen sein, und das Glöcklein, womit man die Diener herein zu rufen pflegte, von selbst geklungen haben. Von dieser Begebenheit rühren die Worte Herzogs Georg her: »Der Gleeßberg ist ein tauber Berg, der Mühlberg ein verschworener Berg, sehet mir auf den Schickenberg.«
408. Frevelhafte Worte beim Bergwerk werden bestraft.
(Meltzer, ~Hist. Schneeberg.~, S. 918.)
Als Paul Gramman, insgemein der Hosenschneider genannt, im Anfang des Schneebergs eine Zeche am Wolfsberge, die der grüne Schild geheißen, fast allein zu eigen gehabt und einen Stollen hineingetrieben, hat er ein köstliches Erz angetroffen, da er aber einstmals hinter dem Steiger gestanden und zugesehen, wie derselbe das schönste Glaserz losgebrochen, ist einer seiner guten Freunde vor den Ort gekommen und hat ihm nach bergmännischem Gebrauch ein Glückauf gewünscht. Der Hosenschneider aber hat freventlich und übermütig darauf geantwortet: »Was bedürfen wir dieses Glückwünschens? Siehe, wir haben ja das Glück in Händen und vor Augen!« Darauf aber soll sich alsbald das Erz im Anbruch dermaßen abgeschnitten haben, daß man nicht gewußt, wie es verschwunden ist. Es ist auch ferner sowohl an diesem Orte, als auch am ganzen Wolfsberge wenig mehr ausgerichtet worden.
409. In Chemnitz wird ein gottloser Spötter bestraft.
(Richter, Chronica von Chemnitz, I. 1767, S. 72.)
In einem Gange des ehemaligen Benedictiner-Klosters zu Chemnitz befand sich ein hölzernes Christusbild mit einem krummen oder schiefen Munde. Da nun die Hussiten in das Kloster einfielen und alles darin verwüsteten, soll einer von ihnen das Bild verspottet haben. Von Stund an aber hatte derselbe ein offenstehendes Maul und ist stumm geworden.
410. Der heillose Bäcker in Freiberg.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Pros. Anhang, No. 9.)
Im Jahre 1471 wohnte in Freiberg auf der Burggasse, dem Oberkloster gegenüber, ein Bäcker, namens Werner Kühn, ein gottloser Mann, der an Fluchen und Lästern sein Vergnügen fand. Derselbe brachte seine Mitbürger in großes Unglück.
Als er eines Morgens (am 24. Juli) seinen Backofen heizte, wollte das feuchte Holz nicht sogleich brennen, so daß der gottlose Mann wütend darüber wurde und rief: »Ha, du verfluchtes Feuer, so brenne doch in aller Teufels Namen!« Das war ein heilloser Fluch und Gott ließ ihn in Erfüllung gehen. Das Feuer schlug alsbald zum Ofen heraus und in wenig Augenblicken stand das ganze Haus in Flammen. Nach drei Stunden lag Freiberg in Trümmer und Asche. Nur die alte Frauenkirche, die meißnische Gasse und die halbe Sächsstadt blieben stehen.
411. Die Görkauer Maskenhochzeit.
(Nach Franz Herbabny in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Klubs, 1885, S. 117.)
Am Faschingsdienstage 1588 ging es in der Stadt Görkau überaus fröhlich zu, und die Schuljugend machte mit Schreien und Peitschen einen Spektakel, daß die Häuser in den Gassen wackelten. Der Hochzeitsplampatsch ritt auf einem Grauschimmel und trank wacker aus den Gläsern, womit man ihm schenkte. Auf dem Kopfe trug er eine Narrenkappe mit einer klingenden Schelle und überdies zwei Narrengesichter, von denen das vordere lachte, das hintere weinte. Bald kamen auch die beiden Herolde hoch zu Roß, bliesen auf ihren Trompeten, und der vielerwartete Hochzeits-Schlittenzug setzte sich in Bewegung. Es war nämlich eine Faschingshochzeit. Den Vorreitern und den Stadtpfeifern folgten die Brautleute mit dem Bilde der heiligen Jungfrau, darauf der Brautführer und die Kränzeljungfern, neben ihnen der heilige Nikolaus mit zwei Teufeln an der Kette, und auch die Salzmäste warf nach allen Seiten Pfeffernüßchen aus. So folgte Schlitten auf Schlitten, vierzig an der Zahl. Und nun ging es in tollem Jagen, die Kreuz und die Quere, durch die Stadt, bis der Zug neben der Kirche ein wenig stockte. Da blies der Hanswurst-Plampatsch auf seiner Trompete und rief in trunkenem Frevelmute durch das offene Thor zum Kirchhof hinein: »Auf, auf! Ihr Faulpelze! Heraus aus Euren Nestern! Heut ist Fasching! In der Stadt giebt es noch Besen genug, die nehmet zwischen die Beine und reitet mit! Hollah! Vorwärts!« Gelächter der Umstehenden folgte, und der Trunkenbold stürzte vom Pferde, aber der Zug fuhr weiter, immer bis nach Komotau, obwohl ein Sturmwind unterwegs das Brautpaar und die Salzmäste und viele andere in den Schnee geworfen hatte. In Komotau trank man Glühwein, und die Heiterkeit wuchs, wenn dies noch möglich war.
Allein als man zum Thore hinausfuhr, da hatte sich zu den drei Vorreitern noch ein vierter gesellt, einer aus Komotau, wie man wähnte. Doch seine Tracht war seltsam. Kohlschwarz vom Kopfe bis zu den Sporen, schwenkte er ein schwarzes Banner mit dem Bilde des Sensenmannes. Vielen aber war es recht unheimlich, wenn er rechts und links die Schlittenreihe auf- und absprengte und gewissermaßen die Hochzeitsgäste zählte. Als es aber finster wurde, da sprühten sogar aus seiner Fahnenstange Funken und Flammen und die dampften und rochen wie Leichenfackeln. So ging es fort bis man wieder in Görkau vor den Kirchhof kam; da öffnete der Schwarze sein Visir, schlug den Plampatsch auf die Schulter und rief: »Nun kommt mit mir; wir zwei voran, die andern kommen nach!« »Jesus, Marie!« schrie der Plampatsch, als er den fleischlosen Totenschädel erblickte. Jener aber rief mit weithallender Stimme: »Heute war ich Euer Gast; zur künftigen Fasching seid Ihr alle meine Gäste!« Sprachs und verschwand in Nacht und Gekrach. Die Fackel war verloschen. --
Auf dem Tanzboden fand sich allmählich die helle Faschingslust wieder ein. Als man aber am folgenden Tage nach altem Herkommen den Fasching begraben wollte, da erscholl das Zügenglöcklein, und man erfuhr, daß der Plampatsch totkrank darniederliege. Drei Tage später lag er auf dem Kirchhof bei den Toten, die er zur Maskenhochzeit eingeladen hatte. Ihm folgte zuerst die Braut und eine Kränzeljungfer, dann ein Vorreiter, der Brautführer und der Bräutigam. Selten verging ein Tag, an dem die Totenglocke nicht erscholl, und ein Leichenzug folgte dem anderen. So dauerte es mit geringen Pausen ein volles Jahr, und nicht weniger als 450 Personen unterlagen der schrecklichen Seuche. Am Faschingsonntage aber rief der Priester dem unglücklichen Volke zu: »Ja, Ihr sollt ausziehen, aber nicht in Larven und Maskeraden, sondern in Sack und Asche, in Buß- und Trauerkleidern!« und so geschah es. Am Faschingsdienstage, da zog jung und alt, Mann und Weib, hoch und niedrig, in Trauergewändern und mit schwarzen Schärpen durch die Stadt zum Friedhofe hin. Und als man den heiligen Boden betrat, unter dem die Lieben ruhten, welche im letzten Jahre gestorben waren, da erscholl laute Klage und Wehegeschrei. In der Kirche aber las der Pfarrer ein Totenamt und vom Chor erklang das »~Dies irae!~« wie an einem Allerseelentage; doch von Stund an erkrankte niemand mehr, und wer schon krank war, fand meistens Genesung. Acht Wochen später war die Seuche beendet, und der Pfarrer konnte am weißen Sonntage die Pestilenzpredigt halten. Die Erinnerung an jene schreckliche Zeit aber -- so sagt der Chronist -- lag den Görkauern noch lange in den Gebeinen, und sie haben durch manches Jahr keine Hochzeitsmaskerade mehr am Faschingsdienstage gehalten.
412. Meineid wird bestraft.
(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 367.)
Im Jahre 1627 zankte sich Matthes Becker, Bauer zu Pappendorf, mit seinem Grenznachbar, Christoph Dehner, um ein geringes Wiesenflecklein, und als sie nicht konnten verglichen werden, nahm er es auf sein Gewissen. Darauf hat es ihm der, dem Unrecht geschah, in Gegenwart des Amtsschössers von Nossen, Matthäus Horn, und hiesiger Gerichten, mit diesem Glückwunsch cediert und überreicht: »So nimm's hin und laß Dir's auf der Seele verbrennen!« Von selbiger Zeit an ist gedachter Becker von Tage zu Tage schwermütiger geworden, endlich am 28. August nachfolgenden Jahres um Mitternacht aus dem Bette weggelaufen und hat sich ersäuft, wessen man ihn frühmorgens unter dem blauen Steine im Striegnitzbache tot angetroffen, nur ein Schlafmützlein und Hemd an sich habend.
413. Der bestrafte Gotteslästerer zu Zwickau.
(T. Schmidt, ~Chron. Cygn.~ II. S. 437. Misander, ~Deliciae Hist.~, S. 277. Gräße, Sagenschatz etc. No. 608.)
Im Herbst des Jahres 1594 ist zu Zwickau M. Wolfgang Raabe, eines Tuchmachers Sohn daselbst verstorben, welcher etliche Jahre rasend gewesen war und an Ketten gelegen hatte. Es hat ihn aber Gott also wegen Gotteslästerung gestraft. Als nämlich etliche Professoren zu Wittenberg die gotteslästerische calvinische Lehre eingeführt, hat sich dieser M. Raabe auch mit verführen lassen und ist es mit ihm soweit gekommen, daß er sehr schimpfliche und gotteslästerische Reden, vornehmlich vom Abendmahl ausgestoßen, worauf er bald seiner Sinnen beraubt worden. Nachdem ihn nun seine Eltern nach Hause bringen lassen, ist's nicht besser mit ihm geworden, sondern er hat sich stets ungebärdig und in Reden leichtfertig gezeigt. Dabei hat er sehr gefressen (maßen er dieses Wort in seiner Gotteslästerung auch gebraucht) und ist nicht zu ersättigen gewesen. Endlich, als etliche Knaben mit einem verdorbenen Kürbis auf der Gasse gespielt und sich mit den Stücken geworfen, hat er an den Ketten hängend und zum Fenster hinaussehend gesagt, sie sollten ihm denselben geben, was sie auch gethan. Da hat er den Kürbis im Grimm also roh hineingefressen und ist bald darauf gestorben. Er hat auch einen seinesgleichen von Reichenbach, namens N. Havel, zu Wittenberg bei sich gehabt, der auch große Gotteslästerung getrieben und eine schimpfliche Handlung mit dem Crucifix vorgenommen, der ist auch seiner Sinnen beraubt, etliche Jahre daselbst im Bollwerk in Ketten gelegen und endlich auch also gestorben.
414. Mönch und Kriegsknechte des Teufelssteins bei Lauter.
(Mitgeteilt von Heinrich Weißflog aus Raschau.)
Ein Kriegsheer wollte einst Schwarzenberg belagern und hatte sich deshalb bei dem jetzigen Teufelssteine in der Nähe von Lauter zusammengezogen. Hier in dem Lager lebte nun alles in Saus und Braus. Da kam eines Tages ein Mönch aus dem Grünhainer Kloster daher, der einen Leuchter zur Reparatur nach Schwarzenberg tragen sollte. Als ihn sein Weg durch das Lager führte, wurde er von den Kriegsknechten angehalten und verleitet, mit ihnen zu tanzen und zu spielen. Sein weniges Geld war bald verspielt, und nun vergaß er sich soweit, daß er den Leuchter in Geld umsetzte. In diesem Augenblicke kam der Abt des Klosters, welcher zufällig denselben Weg ging, und als er das Treiben und Thun seines Ordensbruders sah, suchte er denselben mit herzlichen Worten von seinem gottlosen Treiben abzuraten. Dafür wurde er jedoch von dem Mönche und den Kriegsleuten verhöhnt und verspottet. Da übermannte ihn der Zorn und er rief: »So möge Euch, Ihr Genossen des Teufels, der allmächtige und strafende Gott, den Ihr jetzt noch eben verhöhnt habt, zu Steinen werden lassen!« Kaum waren diese Worte gesprochen, so erfüllte ein donnerähnlicher Schlag die Luft, und was der Abt in seinem Fluch erbeten, das geschah. Der Mönch und die Kriegsknechte wurden zu Felsblöcken, welche noch heute auf dem Teufelssteine zur Warnung für Gotteslästerer emporragen.
415. Die Oswaldskirche bei Grünhain.
(Nach Ziehnerts poet. Bearb. bei Gräße, Sagenschatz etc. No. 531.)
Nicht weit von Waschleithe bei Grünhain, im Thale des Oswaldbaches, stehen die Trümmer einer Kirche, die Oswaldskirche genannt, welche 1514 der Grünhainer Abt Georg Küttner gegründet hat, die aber, weil die Reformation dort auskam, nicht vollendet wurde und so liegen geblieben sein soll. Anders erzählt sich das Volk, welches auch die Kirche mit dem Grünhainer Kloster unterirdisch verbunden sein läßt, die Ursache. Es soll nämlich um jene Zeit ein reicher Hammerherr, mit Namen Caspar Klinger, gelebt haben, den aber sein Reichtum so übermütig gemacht hatte, daß er keinem Gruße, selbst von seiten solcher Personen, die mit ihm auf gleicher Stufe standen, zu danken sich herabließ. Dem begegnete einst ein ebenso reicher Bergherr von Elterlein, namens Wolf Götterer, und rief ihm ein freundliches Glückauf zu; allein Klinger hielt es abermals unter seiner Würde, dem Grüßenden zu danken, und so geschah es, daß letzterer ihm darüber einige harte, beleidigende Worte sagte. So stolz nun der Hammerherr auch war, so rachsüchtig war er und er beschloß auf der Stelle, seinen Beleidiger für seine freimütige Rede büßen zu lassen. Er teilte seinem Bruder seinen Plan mit, und nachdem sie eines Tages ausgekundschaftet, daß der Bergherr allein zu Hause sein werde, weil alle seine Dienerschaft zu einer Belustigung sich entfernt hätte, gelang es ihnen, sich in die Wohnung desselben einzuschleichen, wo sie den Unglücklichen mit Beilhieben ermordeten. Weit entfernt, ihr Verbrechen, dessen sie sich freuten, zu leugnen, stellten sie sich selbst dem Gerichte, welches sie zwar zum Schein zum Tode verurteilte, allein auch kein Bedenken trug, die Todesstrafe in eine Geldbuße zu verwandeln. Letztere sollte darin bestehen, daß der reiche Hammerherr zur Sühne jenes Mordes eine Kirche zur Ehre des h. Oswald zu erbauen und auch die Armen der Stadt reichlich zu bedenken habe.