Part 37
Auf dem Rittergute Blankenhain im Amte Zwickau diente einst ein ehrlicher und braver Hirtenjunge, namens Liebhold, dem aber die Knechte und Mägde gehässig waren, weil er, sobald er von denselben etwas sah, was wider den Willen seiner lieben Herrin, der Edelfrau, war, ihr solches immer sogleich anzeigte. Als daher einmal der gnädigen Frau ein goldnes Kettchen weggekommen war, ergriff das gottlose Gesinde die günstige Gelegenheit, den armen Jungen zu verderben; der gewissenloseste unter den Knechten ging hin zur Herrin und zeigte Liebholden als den Dieb an, den er über der That betroffen habe. Die Edelfrau übergab den Angeklagten den Gerichten, welche ihn nach vielfachem Verhöre, wie hoch er auch seine Unschuld beteuerte, auf den falschen Schwur seines Anklägers zum Strange verdammten. Nach wenigen Tagen wurde das Urteil vollzogen. Unter wimmerndem Geläut der Sünderglocke führte man den armen Liebhold hinaus vor das Dorf, wo ein großer Balken mit einem Arme oben als Galgen aufgerichtet war. Noch einmal, ehe er in den Tod ging, betete er zu Gott, daß er seine Unschuld rechtfertigen möge und dann, zu den Umstehenden gewendet, rief er: »Der mich angeklagt hat, der hat einen falschen Eid geschworen. Denn, so wahr ich unschuldig bin, so wahr wird dieser Balken, welcher mein Galgen sein soll, nach meinem Tode anfangen zu grünen und Zweige treiben, und Jahrhunderte hindurch als ein frischer Baum bewundert werden!« Darauf wendete er sich zum Henker und litt mit frommer Zuversicht auf das Jenseits den unverdienten schmachvollen Tod. -- Und als das nächste Frühjahr kam, da gab Gott die Unschuld Liebholds an den Tag. Der Balken des Galgens wurde grün und trieb Zweige, so wie es Liebhold vorhergesagt hatte. Die Edelfrau wurde darüber voll Unruhe und gebot, den meineidigen Knecht zu verhaften. Aber ehe die Häscher denselben erreichten, hatte er sich im Koberbache ertränkt. Es wurden später mehrere nahe am Rittergute stehende, hohe Erlen umgeschlagen, und auf einer derselben fand man ein Dohlennest und darinnen das gestohlene goldne Kettchen der Edelfrau. -- Der Galgenbaum, jetzt ein starker und hoher Baum, ist heute noch bei Blankenhain zu sehen.
Sagen von dürrem Holze, von Pfählen, Stecken und dergleichen, welche wieder grünen und dadurch die Unschuld eines unschuldig mit dem Tode Bestraften anzeigen, giebt es auch an andern Orten. So erzählt eine thüringische Sage, daß ein Bursche aus Lautersdorf, welcher, der Hexerei angeklagt, zum Richtplatze geführt wurde, beim Anblicke von Pfählen, die ein Bauer einschlug, um Bäume anzubinden, noch seine Unschuld mit den Worten beteuerte: »So wahr ich unschuldig bin, wird Gott ein Wunder thun und einen dieser dürren Pfähle ausschlagen und zum starken Baume heranwachsen lassen.« So geschah es. Als das Volk von der Richtstätte zurückkehrte, hatte einer der trocknen Pfähle grüne Blätter und braune Zweiglein bekommen. Er wuchs zu einer starken Buche empor. (O. Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H. No. 69.)
380. Die drei Linden bei Crimmitschau.
(Mitgeteilt von G. Fiedler.)
In der Nähe des Sahnparkes bei Crimmitschau stehen drei große schattenreiche Linden. Es wird erzählt, daß einst ein Schäfer des Rittergutes Frankenhausen eines Diebstahls wegen zum Tode verurteilt wurde, trotzdem er bis zum letzten Augenblicke seine Unschuld beteuerte. Da bat er sich noch die Gnade aus, auf dem Richtplatze drei junge Linden verkehrt pflanzen zu dürfen. Würden die auf solche Weise gepflanzten Bäumchen fortkommen, so möge man dies als Zeichen seiner Unschuld ansehen, würden sie aber verdorren, so wäre er des Diebstahls schuldig. Der Schäfer wurde hingerichtet, aber die vor seinem Tode von ihm mit den Ästen in die Erde gepflanzten Bäume gediehen zum Zeugnisse, daß er unschuldig gewesen war.
381. Der prophetische Barfüßer zu Chemnitz.
(~Curiosa Sax.~ 1733, S. 77. Gräße, Sagenschatz etc. No. 466. Richter, Chron. von Chemnitz I. 1767, S. 100.)
Als den 19. April des Jahres 1540 die Barfüßermönche aus der Stadt Chemnitz vertrieben wurden, nahmen sie ihren Abzug über den Katzberg (Kassberg), Sauanger und Altchemnitz, nach Böhmen zu; dabei hat einer derselben, Bruder Barthel genannt, auf dem Sauanger bei der Nikolaigasse eine Valetpredigt gehalten und darin verschiedene Dinge prophezeit. So hat er ein unter seinen Zuhörern stehendes Weib also angeredet: »Du liebes Weib, Du trittst allhier und hörst mir zu, weißt aber nicht, daß Dir unterdessen Dein einziges Kind im Bade ertrunken ist?« welches sie auch also tot gefunden. Ingleichen hat er verkündigt, daß der gute Mühlsteinbruch bei Chemnitz gangbar werden und daß in den beiden Kirchen zu St. Johannes und Nikolaus auf dem Altare Heidelbeersträucher wachsen würden. Dies ist auch geschehen, denn es sind beide Kirchen im Jahre 1547 von den Feinden angegriffen worden, wie sie denn viel größer und schöner denn jetzt gebaut gewesen. Weiter hat er dieser Stadt angesagt, daß sie nach ihm eine schöne wohlgebaute Stadt, volkreich und mit vielem Glück und Gaben Gottes würde begabt werden, allein wegen ihres Übermuts und anderer Sünden werde sie von Gott mit Pestilenz, Kriegsnot, Feuerschaden und endlich mit einer großen Wasserflut gestraft und heimgesucht werden, was auch leider bald nachher eingetroffen ist. Von Neukirchen im Amte Chemnitz hat dieser Mönch gesagt, daß sein Erbherr ein großes Schloß daselbst bauen, aber keiner allhier sterben und begraben werden dürfe, welches auch bis 1709 also geschehen, als in welchem Jahre der ältere Baron von Taube auf dem genannten Schlosse gestorben und in Neukirchen begraben worden. Ferner hat er gesagt, es werde daselbst auch eine steinerne Brücke erbaut werden, darauf werde eine doppelt verlobte Braut, wenn sie zur Kirche fahren wolle, versinken, welches auch die Erfahrung wahr gemacht hat.
382. Prophezeiung des M. Schütze in Oederan.
(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, S. 255.)
Am 22. Januar 1763 legte sich der alte Pastor M. Schütze zu Oederan ins Grab. Wenige Stunden vor seinem Ende forderte er Feder, Tinte und Papier, da er nicht mehr sprechen konnte. Die Feder entfiel ihm ebenfalls. Da blickte er den anwesenden Diakonus Frey wehmütig an und schrieb mit dem Finger folgende Zeichen aufs Bett: »m -- E -- gef. --. 7 Jam -- El -- betet!«, das letzte Wort ganz deutlich, die ersten aber vermochte der Diakonus nur mit Mühe herauszubringen und auf ein Papier zu schreiben. Erst im Jahre 1770 sollten die Buchstaben, welche man nicht verstanden, ihre Bedeutung finden; sie hießen: »Machet Euch gefaßt in 7 Jahren auf Jammer und Elend! betet!« Und es folgten drei traurige Hungerjahre, hervorgerufen durch Mißwachs. Schon im zweiten Jahre konnte niemand mehr dem Andern eine Gabe reichen. Die Ernte faulte schon auf dem Felde. Die Körner wurden auf der Mühle zu Brei statt zu Mehl und hatten einen üblen Geruch. Viele starben buchstäblich vor Hunger, so daß vom Obergebirge, wo es am traurigsten aussah, viele hundert Kinder, welche keine Eltern mehr hatten, in die großen Orte verteilt werden mußten.
383. Eine Prophezeiung der Zigeuner.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 312.)
In Graslitz sollen auf dem Marktplatze einmal Zigeuner Feuer angemacht und sich ihre Speisen gekocht haben. Als sie wegzogen, konnte niemand mehr eine Spur entdecken, wo das Feuer gebrannt hatte. Diese Zigeuner sollen denn auch der Stadt prophezeit haben, daß, wenn in Graslitz ein Brand entstünde, doch niemals mehr als zwei Häuser abbrennen würden. Diese Prophezeiung hat sich denn auch stets bestätigt.
384. Die Eiche bei Hartenstein.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 557.)
In dem beim Schlosse Hartenstein befindlichen Walde befand sich vor Jahren ein ungeheurer, prächtig belaubter Eichenbaum, von dem man erzählte, daß sein Bestehen auf geheimnisvolle Weise mit dem Schicksale des Schönburgischen Hauses verflochten sei. Man sagte, wenn der Baum umgehauen werde, würden drei Glieder des Schönburgischen Stammes sterben.
385. Eine Sylvestersage.
(Illustrirtes Familien-Journal. V. No. 116.)
Es war im vorigen Jahrhunderte an einem Sylvesterabende, da saß in der Stadt Schöneck ein alter, wackerer Schneider, zugleich Stadtrat und Gemeindeältester, mit seiner getreuen Ehehälfte im rauchgebräunten Stübchen und schneiderte noch für den Festtag. Im großen Kachelofen prasselte ein gemütliches Feuer, und in der Röhre sang der Kaffee gar lustige Liedlein. Auf einmal erhob sich die Hausmutter, kramte herum und suchte und suchte, und machte ein gar verdrießlich Gesicht, vergeblich, sie fand nicht das Kameelgarn zu den Knopflöchern. Die Niederlage war aber oben auf dem Boden; deshalb mußte der Vater hinauf. Oben stand er in der schönen Winternacht an der Dachluke, und es wurde ihm so wunderlich im Herzen und er mußte sein Käppchen abnehmen und ein stilles Vaterunser beten. Wenn man aber zur Neujahrsnacht unter einem Balken steht, dessen eines Ende nach Morgen gerichtet ist, und ein Vaterunser betet, und nicht aus der Linie des Balkens heraustritt, so kann man »horchen«, d. h. einen Blick in die Zukunft thun, die in einzelnen Bildern vorüberzieht. Tritt man aber aus dem Kreise heraus, oder man erzählt jemandem, was man gesehen hat, so solls einem den Hals umdrehen. Der Alte hatte gar nicht daran gedacht, -- aber auf einmal, da fängts an zu läuten, als ob eine Leiche wäre, und den Mühlberg herauf kommt ein langer, langer Leichenzug, immer näher und näher, bis er endlich vor des alten Schneiders Haus anhält. Es dauert auch nicht lange, so kommt die Schule und die Geistlichkeit, mit dem Kreuze voran, stellen sich neben der Bahre auf, singen zwei Lieder und eine Arie, und dann setzte sich der Zug in Bewegung nach dem Kirchhofe zu. Der Alte kann die Leichenbegleiter alle erkennen, Vettern, Nachbarn, Gevattern, ja sogar sich selbst und seine Ehehälfte darunter, sich selbst dicht hinter dem Sarge und mit weinenden Augen. Da ward's ihm doch ein wenig bange und er wäre gern fortgegangen; aber es fiel ihm noch zu guter Zeit das Halsumdrehen ein. Wie er nun so recht trübselig da stand und träumerisch hinausblickte, sah er aus einem Hause ein Flämmchen herausfahren, dann aus einem andern, dann wieder eins und wieder eins, und zuletzt kam fast aus jedem Hause ein Flämmchen gefahren, und das, wußte er wohl, bedeutet Feuer. Da konnte er sich denn doch nicht mehr halten, sprang aus dem Kreise, und -- es schlug Eins! Als er indessen wieder herunterkam, war seine alte Ehehälfte eingeschlafen; er weckte sie auch nicht erst auf, sondern ließ die Arbeit sein und legte sich nieder, konnte aber nicht schlafen, war früh verstimmt, ging auch nicht in die Metten, sondern saß still und traurig daheim. Als er nach einigen Tagen den Wächter traf, that dieser sehr geheimnisvoll und beklommen und meinte: »Meister, Meister! 's wird ä schlecht Jahr für Euch und für uns all'! Der liebe Gott behüt' uns und die Stadt! mehr darf ich nit sagen: aber wachet und betet, daß ihr nicht in Anfechtung fallet!« Der hatte auch gehorcht, und so noch andere. -- Es dauerte auch nur wenig Wochen, da starb des alten Schneiders Bruder, der Müller drunten in der Bockmühle. Es wurde zur Leiche gelauten, den Mühlberg herauf kam ein langer Zug, der vor des Alten Haus anhielt. Es kam die Schule und die Geistlichkeit voran, die stellten sich auf, sangen dieselben zwei Lieder und dieselbe Arie, dieselben Leute gingen hinter dem Sarge her, der Alte mit entblößtem Haupte und weinenden Auges. Der alte Wächter aber stand am Kirchhofthore, sah den Alten verständnis- und geheimnisvoll an, und weinte so heftig, daß die Leute gar nicht begreifen konnten, wie ihm der Tod des Bockmüllers so zu Herzen gehen könne. Der hatte aber seinen guten Grund, traurig zu sein, denn er wußte, was geschehen würde. Es geschah auch. In demselben Jahre noch ist fast die ganze Stadt abgebrannt und des Alten Haus dazu. Es war nur gut, daß es gerade Eins schlug, als er aus dem Kreise sprang; sonst wäre es wohl noch schlimmer für ihn geworden.
386. Der Scharfrichter und sein Schwert.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 37.)
Zur Zeit, da in Joachimsthal das Hochgericht bestand, bewohnte der Scharfrichter, mit dem niemand verkehren wollte, ein einsames Häuschen im untersten Stadtteil. Häufig besuchte eine Frau des Henkers Familie. So oft sie mit ihrem Kinde in die Stube trat, hörte das Weib des Scharfrichters die in dem Waffenschranke hängenden Schwerter dumpf aneinander schlagen. Auf diesen merkwürdigen Vorfall machte das Weib endlich ihren Mann aufmerksam, der darüber nicht die geringste Verwunderung aussprach. Als der Scharfrichter eines Tages bemerkte, daß die Frau mit dem Kinde sich seiner Wohnung näherte, öffnete er den Schrank, worin sich die Schwerter und die übrigen Hinrichtungswerkzeuge befanden. Kaum hatten die erwarteten Ankömmlinge des Gemaches Schwelle überschritten, so bewegte sich sofort das größte Schwert im Schranke, berührte die daneben hängenden Schwerter und verursachte ein unheimliches Geklirre. »Arme Frau,« sprach bewegt der Scharfrichter, »meine Freundespflicht befiehlt mir, Euch eine höchst traurige Mitteilung zu machen. Ihr werdet an Eurem Kinde viel Kummer und Schmerz erleben, denn es wird durch Henkershand sein Leben enden. Seht, wie sich dort das Schwert bewegt, dessen Klänge Ihr hört! Dies alles zeigt mir an, daß Euer Kind einst hingerichtet werden wird durch mein Schwert.« »Um Gotteswillen! ich beschwöre Euch,« rief laut schluchzend, händeringend und schreckensbleich die Mutter, »sucht das gräßliche Los von meinem Kinde abzuwenden!« »Soll Euer Kind dem schmählichen Tode entgehen«, entgegnete der Henker, »dann muß ich dessen Körper mit dem Schwerte ein wenig ritzen, auf daß dieses sich mit dem Blute des bestimmten Opfers färbe.« Sprach's nahm das Schwert und brachte mit demselben dem Kinde eine leichte Wunde bei. -- Die dankbare Frau setzte mit dem Kinde ihre Besuche bei der Scharfrichtersfamilie fort, doch das Schwert blieb fortan ruhig im Waffenschranke hängen.
387. Der Traum auf Augustusburg.
(Ziehnert, Sachsens Volkssagen. Anh. No. 20.)
Kurfürst August I., der Erbauer der Augustusburg, hatte auf derselben ein Schlafgemach, darin zwei Betten standen, das eine für ihn selbst, das andere für seinen Kanzler, einen Edlen von Pflug. Neben dem Bette des Kurfürsten aber stand ein Tisch, auf welchem stets eine aufgeschlagene Bibel lag, weil der fromme Kurfürst jedesmal vor dem Schlafengehen ein Kapitel aus derselben zu lesen gewohnt war.
Einst schlief er ruhig in seinem Bette, da hatte er folgenden Traum: Ein Mönch und eine Nonne traten in das Gemach und schritten zu dem Tische, auf dem die Bibel lag und das brennende Nachtlicht stand. Der Mönch nahm die Bibel auf und las darin, legte sie aber bald wieder verdrießlich weg und wollte das Licht ausblasen. Als ihm aber das trotz aller Anstrengung nicht gelingen wollte, ward er darüber voll Ärger und eilte der Thüre zu. Hierauf versuchte auch die Nonne das Licht auszublasen, und blies es auch aus, jedoch nicht ganz. Denn kaum, daß sie mit dem Mönche zur Thür hinausgeeilt war, da entzündete sich die Kerze, an deren Dochte noch einige Fünkchen glommen, plötzlich wieder und brannte mit schöner, heller Flamme.
Dieser Traum schien auf den Kurfürsten einen tiefen Eindruck gemacht zu haben, denn als er früh in der fünften Stunde erwachte, war das erste Wort, das er nach dem Morgengruße an den Kanzler richtete: »Ich habe einen seltsamen Traum gehabt in dieser Nacht!« Da nun der Kanzler antwortete, daß auch er, obgleich er bis nach Mitternacht wach geblieben, gar seltsame Dinge gesehen habe, so that der Kurfürst den Vorschlag, daß sie beide ihr Gesicht alsbald aufzeichnen wollten; dies geschah denn auch, und als sie fertig, teilten sie das Geschriebene einander mit. Wunderbar genug hatte der Kanzler ganz dasselbe mit wachen Augen gesehen, was dem Kurfürsten im Traume vorgekommen war, und noch wunderbarer war es, daß das von ihnen Aufgezeichnete in jedem Wort und Buchstaben vollkommen übereinstimmte. Der Kanzler wußte nicht, was er davon denken sollte; der Kurfürst aber sprach: »Es wird dermaleinst nach meinem Tode auch ein Augustus in diesem Lande regieren, der wird die evangelische Lehre unterdrücken wollen, aber nicht können, denn Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehen nun und nimmermehr!«
Nach andern Nachrichten soll der Kurfürst eine harte Verwünschung desjenigen unter seinen Nachkommen, der die Lutherlehre anfeinden würde, in der Bibel aufgezeichnet haben.
Ob der Mönch und die Nonne jemals wieder in Augustusburg erschienen sind, davon hat niemand etwas erfahren. Die obige Geschichte aber erzählen viele Chroniken.
388. Die Kurfürstin Margarethe wird durch einen Traum vor den Prinzenräubern gewarnt.
(Johann Vulpius, ~Plagium Kauffungense~, d. i. die Chur-Fürstl. Sächß. Printzen Entführung aus dem Schlosse zu Altenburg. Anhang zu Daniel Wilh. Triller, Der sächs. Prinzenraub, 1743. S. 199.)
Die Nacht zuvor, ehe der Kurfürst Friedrich der Sanftmütige in der Woche nach Mariä Heimsuchung 1455 von Altenburg aus eine Reise nach Leipzig unternahm, während welcher die beiden Prinzen Ernst und Albrecht durch Kunz von Kauffungen entführt wurden, hatte die Kurfürstin geträumet, es wäre ein grausames wildes Schwein gekommen, welches in einem angenehmen Garten eingebrochen sei. Dasselbe habe sich unterstanden, neben den Reben und Gewächsen fürnehmlich die junge, schön aufwachsende Raute zu verderben und niemand habe ihm Widerstand gethan, bis endlich noch ein Bär (dessen Bild des errettenden Köhlers Schmidt Nachkommen auch später ins Wappen erhielten) herzugelaufen, welcher des wilden Schweines Wüten mit seiner Tatze gesteuert habe. Deshalb hat auch die Kurfürstin ihren Gemahl gebeten, die Reise aufzuschieben. Der Kurfürst aber hat darauf geantwortet, Träume wären Schäume; wer auf Träume achte, greife nach dem Schatten.
389. Ein Traum verkündet Freibergs Befreiung von den Schweden.
(Christ. Lehmann, Schauplatz etc. S. 793.)
Im Jahre 1642 lebte in Elterlein eine sehr andächtige Jungfrau von 24 Jahren, Margarethe, Christoph Landrocks Tochter, welche sich vor den schwedischen Einfällen sehr fürchtete und daher herzlich für sich und die belagerte Stadt Freiberg betete. Am Neujahr 1643 stand sie vom Schlaf auf, war ganz freudig und sprach: O, nun bekommen die Schweden die Stadt Freiberg nicht; heute sahe ich im Traume, daß zwar der Torstensohn die Stadt an einer Kette hatte, aber es kam ein vornehmer Reiter mit einem bloßen Schwerte geritten, der hieb die Kette mit einem Streich entzwei, daß der Torstensohn mit der halben Kette zurückfiel, darüber seine Soldaten erschraken und ausrissen. Nach 7 Wochen ging der Traum aus und der Feind mußte abziehen.
390. Ein Geist zeigt eine Mordthat an.
(~Curiosa Sax.~ 1762. S. 242. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, No. 228.)
Im Jahre 1760 ist ein Knabe aus Bräunsdorf nach Neumark bei Freiberg zu einem Schuhmacher in die Lehre gethan worden. Dieser Lehrjunge wird von dem Sohne des gedachten Schusters, der seinem Vater im Handwerk hilft, mit einem Schuhleisten totgeschlagen, und sie schaffen denselben in aller Stille bei Seite und geben vor, er sei davongelaufen, was auch geglaubt wird. Aber des Knaben Großmutter, die ebenfalls in Bräunsdorf wohnte und den Knaben in seiner Lehrzeit öfter als seine Eltern besuchte und ihm auch oft etwas mitgebracht hatte, erblickte nach einigen Tagen mehrere Nächte hintereinander den Geist ihres erschlagenen Enkels, der ihr erzählte, er sei nicht davongelaufen, sondern vielmehr mit einem Schuhleisten erschlagen und in der Scheune begraben worden. Diese Begebenheit ist dem Amtmann zu Freiberg gemeldet und in Folge davon im Januar des Jahres 1762 Vater, Mutter und Sohn eingezogen worden, bei deren Vernehmung sich alles, wie oben erzählt, bestätigt hat.
391. Absterbende Bäume zeigen den Tod ihres Besitzers an.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 781. 782.)
Den 5. Januar 1630 starb Nikolaus Walde, Pfarrer zu Schwarzenberg; dem verdorrete das Jahr zuvor sein Birnbaum. Da er's sahe, sagte er: »Ich habe lange genug vom Sterben gepredigt, jetzt wird der Birnbaum mein Prediger. Mein Baum verdorret und ich werde auch bald sterben!« Am Neujahrstage steigt er auf die Kanzel und da er anfangen will zu singen: Helft mir Gottes Güte preisen u. s. w., überfällt ihn ein Schlagfluß, daß er nach Hause geführt werden und sich auf sein Todesbett legen mußte. -- Heinrich Ryhel, Pfarrer in Wiesenthal, hatte einen Zeilanderstrauch in seinen Pfarrhof gepflanzt, der trefflich grünte und im Frühjahr, da genannter Pfarrer starb, schon im April ausgeschlagen war. Sobald der Pfarrer krank wurde, fing der Strauch an sichtlich zu verdorren; darauf starb der Pfarrer.
392. Nächtliches Fallen zeigt einen Todesfall an.
(Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 930.)
Das Fallen nennt der gemeine Mann das Leichenbret, und glauben manche, es müsse notwendig darauf ein Todesfall erfolgen, auch könne solcher Fall vom Menschen ab und auf ein Vieh gewendet werden, wenn man sage: Falle auf meine Henne, Ziege u. s. w. Im Jahre 1627, ehe der Pfarrer in Markersbach im September zum Tode krank wurde, lag er abends samt seiner Ehefrau schon in der Ruhe. Die Magd war noch auf, und da sie etwas oben im Hause stark fallen hörte, lief sie hinauf, in der Meinung, der Herr habe ihr gepocht, und fragte, was sie solle? Sie wurde abgewiesen als eine Träumende, sie sollte zu Bette gehen. Am neunten Tage darauf war der Pfarrer tot.
Anno 1653 lebte in Scheibenberg eine Pfarrerswittwe von Thum. Als dieselbe einst ihren Sohn, welcher verreisete, ein Stück begleitet hatte und wieder auf dem Heimwege war, thats in ihrem Hause einen ungemeinen Fall, und zwar zu derselben Stunde, da sie auf dem Rückwege von einem Fieberfrost überfallen wurde, daran sie auch nach zehn Tagen starb.
393. Verstorbene zeigen durch Rufen einen Todesfall an.
(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 785.)
Im Jahre 1664 brannte von der Stadt Annaberg über die Hälfte ab; dabei verbrannte auch jämmerlich der Stadtrichter Martin Meyer nebst seiner Frau. Des Tags zuvor geht er vor dem Gottesacker vorüber, da ruft ihn eine Stimme, die als seiner verstorbenen Schnur Stimme gelautet, etliche mal: Herr Vater! Des Nachts geht das erschreckliche Feuer gegenüber seiner Wohnung auf.
Im Jahre 1686 wurde ~M.~ Benjamin Heyde, Oberpfarrer in Schneeberg, frühe, da er predigen sollte, in seinem Bette tot gefunden. Abends zuvor rief dreimal eine Stimme, welche seines ersten Weibes Stimme gleich: Herr! Herr! Herr! und darauf erfolgte sein Tod.
394. Ein zersprungener Trauring zeigt den Tod des Ehegatten an.
(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 784.)
Im Jahre 1666 wohnte ein Kopist in Schneeberg, ein junger, starker Mann, der beim Trinken hurtig von der Faust war. Seinem Weib, Marie Böhmin, sprang der Ring vom Finger entzwei und fiel auf die Erde. Sie erschrak darüber und sagte: Was soll mir das sein? Da der Mann des Abends zu Bier gehen will, hat sie große Angst und erzählt, was ihr begegnet, er solle zu Haus bleiben, aber er schlugs in ein Gelächter. Sie begleitet ihn bis zur Hausthür und vermahnt ihn, er soll sich ja in acht nehmen. Abends bringen sie ihn totkrank nach Haus, und der Schlag rühret ihn eben dieselbige Nacht, daß er starb.
395. Klingen und Singen verkündet einen Sterbefall.
(Chr. G. Wilisch, Kirchen-Histor. von Freiberg etc. II., S. 401. Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 195.)