Part 30
Die Taufe in der Kapelle hatte längst ihr Ende erreicht, aber das inzwischen zum Ausbruch gekommene Gewitter hinderte bis zum späten Abend den Köhler an der Rückkehr zu seiner Hütte. Mit mächtiger Gewalt tosete diesmal der Donnergott. Mehr als einmal fuhr der blendende Strahl, wie von der Kapelle aus zu bemerken war, auf den Borberg nieder und mußte zuletzt auch gezündet haben, denn man sah im strömenden Regen dort dichten Qualm und Rauch aufsteigen. Dazu ließ sich ein Pfeifen und Rollen in der Luft vernehmen, als wenn der Fürst der Hölle selbst sein Wesen triebe. Letzteres war in der That auch der Fall; denn erzürnt darüber, daß drei durch den Bann ihm verfallene Seelen sich seiner Herrschaft zu entringen gewußt hatten, fuhr er grimmig und tobend im Wetter davon. -- Endlich hatte die Natur ihre Ruhe wieder gefunden; am Himmel leuchteten bereits die Sterne, und in reicher Fülle sandte der Mond sein silbernes Licht zur Erde, als der Köhler mit seiner Begleitung den Heimweg antrat. Ohne Aufenthalt kam er auch diesmal nicht am Borberge vorüber. Mitten auf dem Wege, an derselben Stelle, wo vor wenig Stunden eine der Schwestern den Anblick seines Kindes erbeten hatte, hörte er plötzlich seinen Namen rufen. Er blickte empor und sah zwischen den Bäumen hindurch oben auf einem vorspringenden Felsen die drei Jungfrauen stehen und hörte zugleich, wie sie ihm zuriefen: »Lieber Köhler, habe Dank, daß Du dein Kind unserer jüngsten zum Kusse reichtest; Du hast uns dadurch aus schwerer Not und Drangsal befreit. Komm nur sonder Scheu herauf zu uns und nimm den Schatz, mit dem wir Dich belohnen wollen.« Aber dem Angerufenen und seinen Begleitern liefen bei diesen Worten die Schauer bald kalt, bald heiß über den Rücken; sie schlugen eiligst ein Kreuz und suchten schnell weiter zu kommen.
Gegen den anbrechenden Morgen hin mochte es jedoch den Köhler gereuen, der Einladung nicht Folge geleistet zu haben. Der Gedanke an den angebotenen, von ihm aber so leichtfertig verschmähten Schatz beherrschte seine ganze Seele, und über sein Vorhalten peinigten ihn umsomehr allerlei Vorwürfe, als ja die Schwestern sich ihm immer freundlich erwiesen hatten. Mit dem ersten Sonnenstrahl, der seine Hütte traf, war er darum auch schon auf den Beinen, ging auf den Berg und forschte nach den drei Jungfrauen. Er kam zu ihrem Hofe, doch dieser lag still und abgebrannt vor ihm; er stieg hinauf zum zerklüfteten Gemäuer der Burg, aber auch hier war nichts von den Gesuchten zu sehen und zu hören. Mißmutig lagerte er sich nunmehr in das Gras und rief mit fast weinerlicher Stimme und allerlei zärtlichen Worten nach den Schwestern. Doch auch diese Mühe schien lange des Erfolges zu entbehren. Endlich gewahrten seine Augen hinter einem Stein ein kleines graues Männlein mit langem weißen Bart, welches ihm also zurief: »Thörichter, warum störst Du die kaum begonnene Ruhe der Schwestern? Warum lohntest Du ihr Vertrauen nicht wieder mit Deinem Vertrauen? Du hast Dein Glück verscherzt, doch Deines Sohnes werden sie gedenken, sobald die Sonne achtzehnmal über die Erde gegangen sein wird. Wisse, die einst Vielgeplagten schlafen von jetzt an bei ihren Schätzen im Berge; wenn sie erwachen, erscheinen sie wieder an dem Brunnen; begegnet ihnen dann ein Menschenkind, dem sie wohlwollen, so beglücken sie es mit großem Gute.«
An des Köhlers Kinde ist die Verheißung zur Wahrheit geworden; ebenso sind im Verlauf der Zeiten die Schwestern mehreren nächtlichen Wanderern glückbringend erschienen. Aber noch sollen die von ihnen gehüteten Schätze so groß sein, daß sie davon noch vielen Erwählten zu spenden vermögen. Wer nun davon haben will, der gehe zur Zeit der Sommer- und Wintersonnenwende, sobald es nächtet, auf den Berg; vielleicht erscheinen die Schwestern und lassen ihn Gnade finden vor ihren Augen.
326. Der Schatz auf dem Burgberge bei Mulda.
(Mündlich.)
Zwischen den Dörfern Lichtenberg, Burkersdorf bei Frauenstein und dem als Sommerfrischort in Aufnahme gekommenen Mulda erhebt sich der Burgberg, auf dessen Gipfel man noch die Überreste eines Doppel-Steinwalles und einen Brunnen, »Junfernbrunnen« genannt, sieht. Nach der Volkssage stand ehemals auf diesem Berge ein Schloß, und in einer weiten Felsenhöhle soll daselbst noch ein großer Schatz in einer Braupfanne liegen. Zuweilen hat man des Nachts zwischen 11 und 12 Uhr von Lichtenberg aus auf dem Berge ein Licht gesehen, und wenn man dann, wenn sich das Licht zeigt, den Gipfel erklimmt und einen weißhaarigen Jungen mitbringt, dann ist man fähig, den Schatz zu heben. Jedoch sind schon viele Personen, welche dies versuchten, von dem Lichte oder einem Hahne, welcher auf dem Platze des alten Schlosses erscheint, irre geführt worden. Der Hahn soll ein verzauberter Burgherr sein; derselbe ist erlöst, wenn es jemandem gelingt, den Schatz zu heben. Der Eintritt in den Geldkeller, und ebenso der Austritt, muß stillschweigend geschehen. Einer kam einst hinein und da sah er viel Gold und Edelsteine, von denen er sich eine große Menge mitnahm. Als er aber durch das Thor getreten war und in seiner Freude einen Laut ausstieß, schloß sich plötzlich dicht hinter ihm die Pforte und die Schätze, welche er soeben noch getragen hatte, waren wie ein Traum verschwunden.
Es lebte einmal in dem Dorfe Lichtenberg ein Junge, der sehr verwegen war, und den man deshalb den »Waldteufel« nannte. Derselbe kam einst mit zwei andern Jungen auf den Berg und kletterte an den Felsen, welcher nördlich von den Wällen steil abfällt. Hier sahen sie eine tiefe Felsenkluft und über derselben waren zwei Felszinken. Da hielt sich der »Waldteufel« an diesen Zinken fest und die beiden andern Jungen halfen ihm, so daß er sich etwas in der Spalte hinablassen konnte. Da sah er in der Tiefe einen großen Haufen Knochen, so daß er sich doch fürchtete, obschon er sonst beherzt war, und schnell wieder heraufstieg. Von Geld hat er aber nichts gesehen.
Übrigens sind auf dem Berge und in seiner Nähe schon viele Leute, auch bei Tage, so bethört worden, daß sie lange Zeit in der Irre gegangen sind.
Der oben genannte Brunnen soll immer Wasser gehabt haben, und wenn man versucht hat, dasselbe auszuschöpfen, so gelang es nicht.
327. Die Schätze des ehemaligen Schlosses Voigtsdorf bei Sayda.
(Mündlich.)
Da, wo sich jetzt die Schäferei von Voigtsdorf bei Sayda befindet, soll einst ein Schloß gestanden haben, das in einem Kriege, vielleicht im Hussitenkriege, eingeäschert wurde. Bei dieser Zerstörung wurde ein Schloßfräulein mit ihren Schätzen verschüttet. Ein Mann hat vor vielen Jahren wiederholt an dem Platze gegraben, um des Schatzes teilhaftig zu werden, jedoch nichts finden können.
328. Der Schatz im Zeisigwalde bei Chemnitz.
(Richter, Chronica der Stadt Chemnitz I. 1767, S. 54.)
Der ehemalige Schulrektor in Chemnitz, Paulus Niavis, welcher sich gegen das Jahr 1494 von da nach Leipzig gewendet, erzählt, daß bei dem Bürgerwald, das ist der jetzige Zeisigwald, ein kleiner Hügel bei des Bürgermeister Arnold Felde wäre, da habe unten an dem Fuße des Hügels eine große ausgebreitete Fichte gestanden, und daselbst wäre eine Höhle, von außen mit Dornen und Brombeersträuchern verwachsen; von dieser würde erzählt, daß in ihr ein großer Schatz von Golde verborgen liege, dieweil die Leute in dem Hussitenkriege ihr Vermögen darin verstecket. Solcher Schatz aber wäre besessen; es hätten einige Schatzgräber denselbigen haben wollen, aber nichts ausgerichtet.
329. Der Schatz im Taurasteine.
(Chemnitzer Tageblatt, 1882, No. 89, und nach einer poetischen Bearbeitung, mitgeteilt vom Lehrer Drescher in Burgstädt.)
In dem Taurasteine bei Burgstädt soll ein Schatz liegen. Auch erzählt die Sage von einem unterirdischen Verbindungswege zwischen dem Taurasteine und dem Rathause in Burgstädt. Einst soll auch auf dem Taurasteine ein Altar der heidnischen Wenden gestanden haben, welche sich, von ihren Priestern gerufen, im Hahnbusche versammelten, wenn sie zum Opfer hinaufzogen. Die Wenden und ihre Priester wurden vertrieben, aber noch lassen sich auf dem Platze gespenstische Männchen sehen, welche den verborgenen Schatz hüten. Es geschah einmal, daß ein Bewohner Burgstädts durch den Wald auf den Stein ging. Von der Hitze ermattet, legte er sich im Waldesgrün, wo ihn wohlthätige Kühlung umfing, nieder und fiel bald in einen tiefen Schlaf. Plötzlich rief ihm eine Stimme zu: »Stehe auf, denn ich führ Dich zu Deinem Glücke!« Als er die Augen aufschlug, war es Nacht und vor ihm stand ein graues Männchen. Mit unsichtbarer Macht zog es ihn, dem Männchen zu folgen, wohin ihn dasselbe führte. Bald standen sie vor einer geöffneten Pforte, und im Innern der Höhle lagen Haufen von hellleuchtendem Golde. Da sagte das Männchen: »Jetzt sind wir am rechten Orte. Alles was Du hier siehst, soll Dein sein und Du bist alle Deine Sorgen los. Nur eine Kleinigkeit wünsche ich dafür von Dir: Dein Weib gebar Dir einen Knaben, den sollst Du mir für all dies Gold schenken, daß er mir mit Leib und Seele gehört.« Da nahm der fromme Burgstädter schnell ein Kreuz, der Christen heiliges Zeichen, das er bei sich trug, hervor und hielt es dem Verführer entgegen. Plötzlich stürzten die Felswände krachend ein und das Gold sank wieder in die Tiefe hinab. Der Arme aber fiel mit bleichem Gesichte wie leblos zwischen dem Gesteine nieder, und als er am Morgen erwachte, wurde gar freundlich in der nahen Stadt das Pfingstfest eingeläutet. Zu Hause angekommen, fand er sein Weib, welches ihm in der Nacht ein Söhnchen geboren hatte, und als sich die Kunde von dem Geschehenen in der Stadt verbreitete, da eilte jung und alt nach dem Taurasteine, ob man noch etwas von dem Golde sehen möchte; doch jede Spur von der reichen Schatzkammer war verschwunden.
330. Der feurige Pudel und die vergrabene Kriegskasse im Kaiser Wilhelmsthale bei Nossen.
(Alfr. Moschkau in der ~Saxonia~ II. S. 107.)
Im Kaiser Wilhelmsthale bei Nossen zeigt sich in der Nähe der Pfarrbrücke, besonders an herbstlichen Abenden, ein schwarzer Pudel mit feurigen Augen, der sich einsamen Wanderern aufzuhocken pflegt. Er soll eine von 1813 hier längere Zeit lagernden Franzosen vergrabene Kriegskasse bewachen, die links unter der großen Linde liegt, des wachsamen Pudels wegen aber noch von niemandem gehoben werden konnte.
331. Der Burgberg zu Gleisberg bei Nossen.
(Alfred Moschkau in der ~Saxonia~ I. S. 189.)
Den Burgberg zu Gleisberg krönt ein alter heidnischer Rundwall, in welchem angeblich im Mittelalter eine Burg stand. In dem Wallkessel, zu dem einige Stufen führen, soll ein großer Schatz liegen, dessen Dasein vielseitig bemerkte kleine blaue Flämmchen verkünden. Ein Nossener hatte sich einst daran gemacht, den Schatz zu heben, als er aber auf der Stelle, wo der Schatz liegen sollte, eine große Menge schwarze Kröten mit hellleuchtenden Augen sitzen sah, stand er von seinem Vorhaben ab. Mehrere Marbacher, die zu gleichem Zwecke auf dem Burgberge erschienen, wurden durch große schwarze Schlangen mit feurigen Augen veranlaßt, umzukehren.
Kröten und Schlangen sind wie der Drache Hüter von Schätzen. In der Lausitz sagt man, daß, wo eine Kröte sitzt, ein Schatz liege. (Haupt, Sagenbuch d. L. I. No. 301.)
332. Der Schatz auf dem Rodigberge bei Nossen.
(Alfred Moschkau, Führer durch Nossen und Altzella (o. J.), S. 11.)
Auf dem Rodigberge bei Nossen befindet sich ein großer Rundwall, in welchem angeblich die erste Burg Nossen stand, der aber jedenfalls ein heidnischer Wall sein dürfte. In diesem Walle giebt es Stellen, die beim Darauftreten hohl klingen und auf alte verschüttete Gewölbe jener Burg hindeuten sollen. Der Sage nach liegt darin ein bedeutender Schatz, der in der Mitternachtsstunde des Christabends gehoben werden kann. Schon viele Leute haben an erwähnten Stellen blaue Flämmchen herumhüpfen sehen.
333. Der Schatz im Klosterbrunnen bei Marbach.
(Alfred Moschkau, Gesch. d. Benedictinerklosters St. Walpurgis im Zellwalde, 1874, S. 7. ~Saxonia~ I., S. 172.)
Eine Stunde von Nossen entfernt und nahe dem Dorfe Marbach liegt die Stelle, auf welcher in den Jahren 1141 bis 1146 Thammo von Strehla ein Klösterlein gründete, welches aber endlich einging und dessen Gebäude abgetragen wurden. Nahe der jetzigen Bahnmeisterwohnung sieht man eine Vertiefung; diese war einst der Klosterbrunnen. In denselben hatten die letzten Mönche eine Glocke und vieles Gold- und Silbergeräte geworfen und den Brunnen dann mit 95 Klaftern Stöcke zugeschüttet. Diese Schätze harren noch der Ausgrabung. Nach einer Tradition bewacht sie ein Pudel mit feurigen Augen, der bereits oft nächtliche Wanderer des Zellwaldes, »die nicht mit Eisen oder Stahl versehen waren«, belästigte.
Die letzte Bemerkung vom Eisen oder Stahl bezieht sich jedenfalls auf den bei deutschen und Slaven verbreiteten Glauben, daß man auf den durch glühende oder erloschene Kohlen oder Flämmchen angezeigten Schatz eiserne und stählerne Gegenstände, besonders Messer u. dgl., aber auch Geldstücke, selbst Brot oder ein auf bloßem Leibe getragenes Kleidungsstück werfen müsse, um beim Heben des Schatzes alle Gefahr von sich abzuwenden. (Jac. Grimm, Deutsche Mythologie, 1835, S. 544. Veckenstedt, Wendische Sagen etc., 1880, S. 356.)
334. Der Schatz im Kloster Grünhain.
(Gießler, Sächsische Volkssagen. Stolpen o. J. S. 453.)
In der Klosterkirche zu Grünhain liegt angeblich ein großer Schatz begraben. Im März des Jahres 1657 hat der Schäfer Eucharius Bömely zu Grünhain einen Bergmann 6 Tage und Nächte darnach graben lassen, aber als derselbe in der letzten Mitternacht gehoben werden sollte, so bewegte der Bergmann mit der Keilhaue eine Wand, ließ sie jedoch der Schwere wegen wieder gehen, worauf die Wand eine Viertelelle tiefer sank und mit ihr der vermeinte Schatz. Man ließ sofort einen gewissen Rutengänger Tippmann kommen, der das Vorhandensein des Schatzes mit der Rute feststellte, doch brachte man nichts zustande, da der Schatz unter großem Geräusche immer weiter vorrückte. Es ist ein »großer, reicher Schatz gewesen, so einst der Abt zu Ebersbach in Franken Siegmund Siegeln anvertraut, aber wohl sehr flüchtig und schwer zu erlangen und darum ist es auch mißlungen«, erläutert die Chronik.
335. Der Alpstein zwischen Müdisdorf und Helbigsdorf.
(Nach Mitteilung des Ratsaktuars Fr. Köhler in Sayda.)
Ungefähr in der Mitte zwischen Müdisdorf und Helbigsdorf erhebt sich in der Flur des letzteren Ortes auf dem höchsten Punkte des dasigen Geländes ein Gneiskegel, der »Alpstein« genannt. Vor einigen Jahren ist derselbe zum Teil abgetragen und beim Bau einer Scheune verwendet worden. Von diesem Alpstein erzählt die Sage, daß sich daselbst zu Zeiten ein Hund mit feurigen Augen, sowie ein schwarzes Männchen habe sehen lassen. Wer diesen Erscheinungen folge, der würde nach der Stelle geführt werden, wo bei dem Steine ein Schatz vergraben liege. Selten aber wird jemand zur Nachtzeit an dem Steine vorübergegangen sein.
336. Die goldene Kette vom weißen Fels im Hartensteiner Walde.
(Mündlich.)
An dem auf der Höhe des rechten Muldenufers mitten im Walde zwischen Schloß Stein und Niederschlema sich erhebenden weißen Fels soll eine goldene Kette liegen, welche in gewissen Nächten aus der Tiefe steigt und sichtbar wird. Einst träumte einem Manne in Lößnitz, daß er an dem weißen Fels sein Glück machen werde, er solle nur in einer gewissen Nacht um die Mitternachtsstunde dorthin gehen. Der Mann that es, und da sahe er an dem genannten Felsen eine goldene Kette liegen, so groß wie eine Hemmkette. Beherzt ergriff er dieselbe, da sie aber zu schwer war, so faßte er sie am ersten Gliede und schleppte sie hinter sich fort. Auf dem Nachhausewege aber sah er neben sich allerlei Spuk und er hörte auch dicht hinter sich einen greulichen Lärm. Doch ließ er sich dadurch nicht stören, sah sich auch nicht um, sondern er zog die Kette mit sich fort bis vor seine Wohnung. Da er aber die Hausthüre öffnen wollte, wurde der Lärm noch größer und es klang, als ob alle bösen höllischen Geister dicht an seinen Fersen wären. Jetzt konnte er es nicht mehr verwinden, ohne einen Blick rückwärts in sein Haus zu treten, da er sich nun für geborgen hielt. Er sah sich um; plötzlich aber wurde alles still und die goldene Kette war verschwunden. Nur das erste Glied hielt er in seiner Hand. Es war jedoch genug, um ihn zum vermögenden Manne zu machen.
337. Der Schatz im roten Berge bei Werdau.
(Mündlich.)
Es war einmal ein Krieg ausgebrochen. Da vergrub einer aus der berühmten und reichen Familie derer von Römer in dem roten Berge, welcher sich nahe bei der Stadt Werdau erhebt, eine Braupfanne voll Geld, um dasselbe vor den Feinden zu verbergen. Als dann jener Römer starb, hinterließ er den Schatz demjenigen seiner Nachkommen, welcher nur mit einem Auge auf die Welt kommen würde. Von da an sahe man lange Zeit hindurch alle Nächte von 11 bis 12 Uhr auf dem genannten Berge ein Licht, und es wurde gesagt, daß sich dasselbe gerade über der Stelle befinde, an welcher in der Tiefe der Schatz verborgen worden war. Ebenso zeigte man eine kleine Höhle als Anfang des Ganges, in welchem man zu der mit Gold und Silber gefüllten Braupfanne gelangen könne.
Da nun kein einäugiger Römer geboren wurde, so beschlossen endlich zwölf Männer, unter denen sich auch der Pfarrer von Werdau befand, den Schatz zu heben. Ehe sie aber an's Werk gingen, segnete der Priester sich selbst und die Teilnehmer in der Kirche ein, und sie nahmen darauf ein aus Wachs geformtes einäugiges Kind mit, welches bei Kerzenlicht feierlich getauft worden war. Mit brennenden Kerzen zogen darauf alle in der Mitternachtsstunde nach dem Orte, an welchem der Schatz verborgen war. Unter Furcht und Zittern waren sie vor der Höhle angelangt und unter Gebet bereiteten sie sich zum Eintritte vor. Da auf einmal that sich mit einem furchtbaren Getöse der rote Berg weit auf, und ein feuriger Hund kam wie ein Löwe brüllend auf sie zu und rief: »Welchen nehmen wir zuerst?« Eine Stimme aus der Tiefe aber antwortete: »Den mit dem roten Tuche!« Wie die Männer diese schreckhaften Worte hörten, flohen sie entsetzt und freuten sich, als sie aus dem Bereiche des Ungetüms gekommen waren, ihres glücklich geretteten Lebens. Sie erzählten zwar, daß sie noch im Innern des Berges die große, mit Geld gefüllte Braupfanne gesehen hätten, doch da sie bald darauf, einer nach dem andern, starben, so ist niemandem mehr die Lust angekommen, den Schatz zu heben.
338. Der Schatz im Vorwerk zu Elterlein.
(Nach v. Weber, Aus vier Jahrhunderten, II., S. 415 bei Gräße, Sagenschatz, 2. Aufl., Nr. 590.)
Bei Christoph Müller, Besitzer eines Vorwerkes zu Elterlein, diente im Jahre 1702 eine gewisse Magdalena Gräßler, 18 Jahre alt. Dieser erschien 14 Tage vor Johannis ein kleines Männlein mit einem grauen Kopfe und Bart, in ein altes graues Röckchen gekleidet, und eröffnete ihr, daß bei dem Backofen ein Kästchen mit Geld, welches eine alte Frau in Kriegszeiten vergraben, sich befinde und 500 Thaler Geld enthalte. Der Geist forderte sie auf, ihn zu begleiten, um den Schatz zu heben, mit der Bemerkung, sie solle von dem Gelde 50 Thaler der Kirche zu Elterlein, 50 Thaler ihrem Dienstherrn geben, die übrigen 400 Thaler aber für sich behalten, aber nicht an Hoffart wenden, sondern ihren alten Vater damit erhalten. Das Mädchen verkroch sich vor Angst in ihr Bett, der Geist ließ sich aber nicht abschrecken, sondern kam in den folgenden Nächten immer wieder, auch forderte er sie dringend auf, den Schatz zu heben, bis sie am Abend vor Johannis ihm versprach, sie wolle am nächsten Tage zu Mittag, aber nicht in der Gespensterstunde, nach dem Schatze graben. Sie entdeckte sich nun ihrer Dienstherrin und am Mittag begannen beide zu graben. Jene überließ jedoch bald die beschwerliche Arbeit der Gräßler, indem sie sich neben derselben hinlegte. Nach längerem Graben kam diese mit dem Spaten auf einen breiten Stein, der bei dem Berühren des Eisens wie Kettengeklirr tönte. Das Mädchen erhob den Stein, erblickte darunter ein Kästchen von Eisen, etwa ½ Elle lang und 1½ Elle breit, erhielt aber gleichzeitig von ihrer Dienstherrin einen Schlag aufs Kreuz, so daß sie sich umsah. In diesem Augenblicke entstand ein heftiges Gepolter, das Kästchen aber war verschwunden. In der folgenden Nacht erschien der Geist dem Mädchen wiederum und sagte: »Du bist heute gestört worden, allein du kriegst es noch, in sieben Jahren komme ich wieder, es ist niemandem als dir beschert, bete fleißig!« Mit diesen Worten nahm das Männchen Abschied, das Mädchen vermietete sich auf ein anderes Vorwerk, aber Ende Juli 1705 hörte es die Stimme des Geistes, welcher sprach: »Ich bin vor drei Jahren bei dir gewesen, und weil dein gewesener Herr das Geld herausgegraben und gefunden hat, so melde ich es dir.« Die Gräßler verlangte es auch von ihm und zwar auf gütlichem Wege, allein Müller leugnete alles und gab nichts heraus.
339. Der Schatz des Seeberges bei Eisenberg.
(Lotti Cori in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, S. 125.)
Auf dem Plateau des Seeberges oberhalb Eisenberg liegen die Trümmer einer Burg zerstreut, welche längst von Grün aller Art überwuchert sind. Der Volksmund weiß nicht anzugeben, ob es eine Grenzveste oder ein Jagdschloß gewesen, doch wird die Erbauung in das achte bis zehnte Jahrhundert verlegt. Die Sage erzählt, daß hier ein Burgfräulein die vergrabenen Schätze bewache, und daß solches auch Holz und Beeren suchende Leute schon zu verschiedenen Malen gesehen haben wollen; doch nur einem Menschenkinde reinen Herzens sei es vergönnt, ihr zu folgen. Ersteigt ein solches während der Passionsstunde den Berg, dann erscheint das Fräulein demselben auf dreimaligen Ruf und winkt -- wortlos und ohne Furcht müsse man ihr folgen und könne dann Schätze ungemessenen Wertes heben -- dann sei auch der Geist erlöst. Doch auf den ersten Laut verschwinde die Erscheinung mit Weinen und Gebärden des Leides.
340. Der Schatz auf dem Riesenberge bei Ossegg.
(A. Kunze in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, S. 124.)
Auf dem Riesenberge bei Ossegg steht ein Turm, worin ein Schatz vergraben sein soll, und der Glückliche, der ihn einst heben wird, muß erst geboren werden. Es werden einst zwei leibliche Geschwister mit einander eine Ehe eingehen, und dieses Ehepaar wird vom Himmel mit einem Kinde beschenkt werden. Dieses Kind aber muß in einer Wiege »eingeschlummert« werden, deren Holz von einer Fichte stammt, die auf dem Flecke gewachsen ist, unter welchem derjenige ruht, der den Schatz in dem Turme vergraben hat. Wenn nun dieses Kind erwachsen sein wird, so ist es berufen, den Schatz zu heben und wird ihn auch finden, ohne daß es nach demselben sucht. Denn im Traume wird ihm gesagt werden, daß es den Schatz heben soll, und es wird ihm auch die Stelle genau bezeichnet werden. Dann erst, wenn der Schatz gehoben ist, wird auch die arme Seele erlöst sein, welche bei Lebzeiten den Schatz vergraben hatte.
341. Der Schatz im Kiefrig bei Haßlau.
(Nach einer Mitteilung des Seminarist Reinmuth.)