Sagen und Bilder aus Muskau und dem Park
Part 8
Wir wenden uns von der Stadt noch einmal zu dem Schlosse mit seinen früheren Umgebungen. Das Schloß bestand schon vordem aus einem ~Corps de Logis~ und zwei Flügeln. Es war ringsum von einem tiefen Graben umgeben, über welchen von Osten her eine Zugbrücke, eine andere von Süden her in dasselbe führte. Um die Gräben zog sich der mit Fruchtbäumen besetzte Wallgang. Nördlich vom Schlosse standen Gartenhäuser und ein Stück weiter das Fasanenhaus. Südlich vom Schlosse war das Amthaus mit dem Zobelsteine, das Wagenhaus, der Marstall, das neue Haus, das Schloßvorwerk mit den Scheunen, das neue Brauhaus. Dann folgten links davon die Gärtnerwohnung, das Waschhaus und andere Gebäude, welche die Straße zur Neißmühle bildeten. Noch stehet das Amthaus, ein uraltes Gebäude. Dort, vor demselben, wollte einst der Fürst dem sagenhaften Ahnherrn seines Geschlechtes, dem treuen Rüdiger von Pechlarn, jenem tapfern Recken des Nibelungenliedes, eine Reiterstatue weihen. -- In der Nähe des Schlosses waren herrschaftliche Gärten. Unter den Anlagen sind zu nennen: die Lindenallee, von welcher noch einige herrliche Bäume übrig sind, der Kirchdamm, der Mühlendamm, der Clementinengang, welcher vom sel. Superint. Vogel in einer eigenen, kleinen Schrift beschrieben ist, und die seit 1784 an den Bergen angelegten Promenaden.
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So war einst Muskau und seine Umgebung, als der Fürst seine Schöpfungen begann. Das Gebiet, welches ihm zum Canevas dienen sollte, hat er selbst in seinem Werke „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ näher beschrieben. Es bot ihm manchen Vortheil bei seinem Unternehmen. Dahin gehört der malerische Wurf des Bodens, der Wechsel von Berg und Thal, der schöne Fluß, die Fernsicht auf die schlesischen und oberlausitzischen Gebirge, das Vorhandensein vieler alter, prächtiger Bäume, namentlich von Eichen und Linden. Doch größer waren die zu überwindenden Schwierigkeiten. Es mußten mehr als 2000 Morgen Landes bisweilen für den drei- bis sechsfachen Werth der Grundstücke angekauft werden, und der sterile Boden, der namentlich in der Nähe des Schlosses aus Sand und eisenhartem Lehm bestand, war erst auf mancherlei Weise fruchtbar zu machen. Ein großes Hinderniß des Werkes waren die alten, beengenden Gebäude in der Nähe des Schlosses. Sie wurden sammt der Straße, welche zur Neißmühle führte, cassirt, und der einmal gefaßte Plan consequent und ohne Rücksicht durchgeführt. Das Wort des Dichters:
Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, Und neues Leben blüht aus den Ruinen,
sollte auch hier Wahrheit werden.
Nachdem der Plan des Ganzen einmal fest stand, wurde das Werk seinen Hauptpartien nach fast gleichzeitig in Angriff genommen, dann folgte die Ausführung des Details. Der Park von Muskau ist kein Conglomerat einzelner, schöner Parthien; er ist ein einheitsvolles, harmonisches Ganze, und wie jede Gruppe desselben mit ihrer nächsten Umgebung meisterhaft vermittelt ist, so findet auch dieses Verhältniß zwischen den Haupttheilen des Parkes statt. Aber gerade in dieser Harmonie und Ruhe des Ganzen, so wie darin, daß die lokalen und historischen Voraussetzungen auf’s Beste benutzt und das Gegebene bereichert wurde, besteht der erhabene und ausgezeichnete Charakter der Schöpfungen des Fürsten. Sein Park ist eine Verklärung der heimathlichen Flur. -- Es ist bewunderswerth, was hierin geleistet worden ist! Ja könnte das Sonst das Jetzt schauen, es würde kaum in ihm seinen blühenden Nachkommen erkennen! Da sind öde Sandflächen verschwunden und mit herrlichen Rasenteppichen überkleidet worden; da sind bodenlose Sümpfe ausgetrocknet und in liebliche Anlagen verwandelt worden; da hat sich um das Schloß der glatte, klare Wasserspiegel eines Sees mit seinen Buchten und Inseln gelegt, und wird das Wasser desselben abgelassen, so tauchen, wie Erinnerungen aus der Vergangenheit, die Grundmauern abgetragener Gebäude aus der Tiefe empor; da sind über den zugefüllten Schloßgräben prächtige Blumenstücke in deren einem, wie sonst das H, jetzt das F in den frischesten, glühendsten Farben der Blüthen gezeichnet ist; da sind überall herrliche Baumgruppen geschaffen, Wege und Gänge in schönen Windungen angelegt, Abgründe und Schluchten überbrückt, selbst die Häuser eines nahen Dorfes über die Neiße versetzt worden, da ist ein Pflanzen, ein Arbeiten, ein Ringen nach einem erhabenen Urbilde gewesen. Hunderte von Arbeitern hiesiger Gegend haben sich gemüht ob des Werkes Gelingen; über enormen Summen, einer erhabenen Idee zum Opfer gebracht, hat sich die Pracht und Schönheit entfaltet, die Schloß und Stadt umgiebt; Viele, welche an dem Kunstwerke arbeiteten, die sich seines Fortganges freuten, sind schlafen gegangen, und unter ihnen der Ehrenmann, der Jahre lang, unter mancher Schwierigkeit, des Meisters Pläne treu und mit vielem technischem Talent ausführte[C]; noch ist es dem Fürsten vergönnt, im hohen Alter, wie einst hier, so anderwärts, öden Strecken der Lausitz die höchste Schönheit und Verklärung zu bringen. --
Und so umgiebt der schöne Park mit seinen geschmückten Gärten das freundliche Städtchen, das Schloß. Er bildet ein harmonisches, erhabenes Ganze; er ist eine Objectivirung dessen, was ein reiches Gemüth, einen genialen, kräftigen Geist erfüllte, in und durch die Landschaft; er ist ein grünes, blühendes Denkmal des Fürsten, herrlicher als die in Stein und Erz. -- Und er gleichet einem jener klassischen Musikwerke, in welchem sich der eine Grundton, die eine Grundmelodie in den verschiedensten Wendungen und Schattirungen aus einander legt und dennoch in jeder mächtig das Herz erhebt; er gleichet in seiner Einheit und reichen Mannigfaltigkeit einem herrlichen, mächtigen _Dithyrambos der Alten_, der scheinbar regellos, dennoch in seinen Theilen ein und dieselbe Macht wiederspiegelt, die glühendste Begeisterung für die Natur und ihre Schönheit; er gleichet einer Ode, einer Hymne, geschrieben zum Preise des Schöpfers. -- Doch es gleichet der Park vor Allen einem herrlichen Gemälde. In hoher Begeisterung hat es der Meister entworfen, unübertrefflich hat er es ausgeführt; aber nicht er allein! Er hat sein Bild aus der Hand und den Kräften der Natur hingegeben zur Vollendung. Die Mächte der Natur haben es liebevoll aufgenommen und immer reicher gestaltet und entfaltet bis hierher. Und wie sie an demselben gearbeitet haben, so werden sie an demselben rastlos schaffen. Deshalb aber wird die Pracht jenes Landschaftsbildes, das da vollendet und dennoch in stetem Werden ist, nie bis zu Ende erzählt werden, deshalb wird es immer neue Reize entfalten. Jeder neue Lenz mit seinen frischen Trieben, mit seinem jungen Grün, mit seinen Leben weckenden Sonnenstrahlen ist auch ein neuer Commentar zu des Werkes Herrlichkeit; jeder Herbst mit seiner Blätterfärbung bringt dem Bilde neue, eigenthümliche Züge; jeder Sonnenauf- und -Untergang, jede Mondschein-Nacht giebt ihm besondere Reize; ohn’ Aufhören arbeitet und webt und gestaltet es sich in dem grünen Reviere nach den Gesetzen der Schönheit; unerschöpflich an lieblichen Bildern ist dies Naturgedicht, und wunderbar treffen seine Töne das Gemüth.
In das herrliche Gemälde des Fürsten, in sein schönes, lebendes Bild, ist Muskau hineingezeichnet worden. Der Blick von dem Jetzt auf das Sonst zeigt uns die Verschiedenheit beider und den Triumph des Ersteren über das Letztere.
Herrn der Herrschaft: Ditericus de Muzcowe um 1258, s. Stenzel: Urk. z. Gesch. des Bisth. Bresl. S. 20. -- Hanke v. Muskow -- s. Sommersberg III, 142 -- ist wohl Heinrich v. Kittlitz. -- Botho v. Ileburg um 1360. Er hatte eine Schwester Heilwich, welche mit Heinrich v. Kittlitz vermählt war. Dieser erhielt Muskau, Schloß und Zugehör, als Brautschatz der Heilwich, und Kaiser Karl IV. bestätigte den Vertrag zu Nürnberg 1361, Mittw. nach ~Miser. Dom.~ S. Verz. oberl. Urk. I, 374. Scheltz: Gesch. d. Ober- u. Niederl. I, 497. Einer seiner Söhne, Johann, war Bisch. zu Meißen, ein anderer, Otto, v. 1406-1410 Landvoigt der Oberl. -- Hans v. Penzig ist 1389 im Besitze der Herrsch. -- Er hatte viel Streit mit denen von Hakeborn auf Priebus u. Anderen. -- Hans v. Penzig zu Musca „der Junge“ ist wahrscheinlich des eben Genannten Sohn. Als 1427 ein starkes Heer gegen die Hussiten zog, wohnte er, wie auch 1428, der Heerfahrt bei. -- Nickel u. Christoph v. Penzig werden 1441 zuerst genannt. -- Im Jahre 1452 veräußerten die v. Penzig Muskau an Wenzeslaus v. Bieberstein, welcher Muskau den 29. Sept. 1452 mit Stadtgerechtigkeit begnadet. Er hatte im Verein mit Anderen gegen die Anhänger des Königs Georg Podiebrad zu kämpfen, welche der Umgegend von Muskau viel Schaden zufügten. Zwei derselben, Friedrich v. Schönberg u. Melchior v. Löben wehrten sich in Hoyerswerda 11 Monate lang. -- Nach Wenzels Tode 1471 ist im Besitze Muskau sein Sohn Johann V. v. Bieberstein bis 1490, dann dessen Bruder Ulrich V. v. Bieberstein, welcher 1519 starb. -- Siegmund v. Bieberstein starb 1545 zu Prag ohne Leibeserben. -- Die Herrschaft kam an seinen Bruder Hieronymus v. Bieberstein, welcher den 30. Juni 1549 ohne männliche Erben starb. -- Die Brüder desselben, Johann u. Christoph v. Bieberstein, übernehmen Muskau; doch ist der Letztere bald alleiniger Herr derselben. In seiner Jugend fanatischer Katholik, wurde er durch die Bekanntschaft mit dem Superintendenten zu Sorau, M. Joachim Belitz, ein treuer Anhänger der evang. Lehre bis zu seinem Tode den 15. December 1551. -- Kaiser Ferdinand I. nahm die Herrschaft als heimgefallenes Lehen in Besitz. -- Adam oder Tham Pflugk ist wohl nur kaiserl. Administrator derselben gewesen. -- Georg Friedrich, Markgraf zu Brandenburg-Anspach hat Muskau v. 1552-1554 pfandweise besessen und, als die Pfandsumme nicht eingelöst wurde, 1556 abermals Besitz ergriffen bis 1558. -- Fabian v. Schönaich erkaufte 1558 den 23. April die Herrsch. Muskau v. Kaiser Ferdinand I. für 45000 Gld. -- Hans Georg v. Schönaich kommt 1572 als Herr v. Muskau vor. Er starb den 28. Juni 1587, wahrscheinl. kinderlos, weshalb sein Oheim, Fabian v. Schönaich, wieder Besitzer von Muskau wurde. -- Kaiser Rudolph II. nahm Muskau als heimgefallenes Lehen ein -- nach der Consignation der Musk. Privilegien schon am 19. Aug. 1589. -- Wilhelm, Burggraf zu Dohna, soll schon den 22. Mai 1595 die Herrsch. von den kaiserlichen Commissarien übernommen, der Kauf selbst aber 1596 zu Stande gekommen sein. Das Kaufinstrument ist erst vom 17. Nov. 1597. Seine Gemahlin Catharina, geb. Burggräfin zu Dohna a. d. H. Carschen starb den 5. Mai 1609; er selbst den 24. Octbr. 1606. Kinder: Elisabeth, Wilhelm, Otto, Caspar, welche jung starben, und Carl Christoph, Burggraf zu Dohna. Dieser besaß Muskau bis zu seinem Tode den 4. Jan. 1625. Seine Gemahlin war Ursula Brigitta von der Schulenburg. Kinder: Caspar Wilhelm, welcher nur einige Monate alt wurde, und Ursula Catharina. Die Vormünder derselben, Sigismund u. Seyfried v. Kittlitz veranlaßten die Verwandlung der Herrsch. aus Lehn in Erbe. Carpz. Ehrent. II, 30. Den 11. Decbr. 1644 vermählte sie sich mit Curt Reinicke v. Callenberg, Herrn auf Wettesingen u. Westheim, Landvoigt der Oberl., gest. 7. Mai 1672. Kinder: Herrmann, Cath. Eleonore, Carl Christoph, welche den Eltern im Tode vorangingen, u. Curt Reinicke II. Reichsgraf v. Callenb., gest. den 20. April 1709. Gemahlin: Ursula Regina Freiin v. Friesen. Sechszehn Kinder, s. S. 28. Johann Alexander, Reichsgraf v. Callenberg, gest. 13. Febr. 1776. Gemahlin: Helene Mariane Charlotte, Tochter des Grafen G. F. v. Tenczin; dann Rahel Louise Henriette, Tochter Georgs, Reichsgraf v. Werthern. Vier Kinder aus zweiter Ehe, s. S. 30. -- Georg Alexander Heinrich Herrmann, Reichsgraf v. Callenberg, gest. 4. Mai 1795.
Ludwig Carl Hans Erdmann, Reichsgraf v. Pückler, gest. 16. Jan. 1811. August Heinrich, Reichsgraf v. Pückler, gest. 9. Febr. 1810, Administrator der Herrschaft.
Ludwig Heinrich Herrmann, Fürst v. Pückler-Muskau. -- Die Grafen Nostitz und Hatzfeld. --
Wilhelm Friedrich Carl, Prinz der Niederlande.
Fußnote:
[C] Jacob Heinrich Rehder, des Fürsten hochverdienter Garteninspector.
Anm. d. Herausgebers.
XXII. Des Parks Erhaltung.
Oft hat es geheißen, Muskau sei verkauft worden. Der Kauf der Standesherrschaft mit ihrem herrlichen Park, dessen Erhaltung die innige Liebe zur Natur und Kunst voraussetzt, war nicht für Jeden. Während der langen Verhandlungen mit verschiedenen Käufern hat der Fürst noch über 100000 Thaler auf seine Anlagen und die Bauten verwendet in beständiger Liebe zu seiner Idee, zu seinem Werke. Welches Loos aber wird dir werden, parkumschlossenes Muskau? frug damals so Mancher, dem in den Schöpfungen des Fürsten die freudigste Erhebung geworden war, und ein Wort der Befürchtung, das einst der Gründer des Parks in der Sorge um sein Werk gesprochen, trat in die Seele. Es heißt: ~Tutti Frutti~ I, 135.
„Noch einmal berührte mich mit magischem Stabe der Zauberer. Ich erblickte die Fluren wieder, deren Verschönerung ich den besten Theil meines Lebens gewidmet. Was seh’ ich? Schiffbar ist der Fluß geworden, der meinen Park durchströmt; aber Holzhöfe, Bleichen, Tuchbahnen, nützliche Dinge, nehmen die Stelle meiner blumigen Wiesen, meiner dunklen Haine ein! Das Schloß -- darf ich meinen Augen trauen? -- beim Himmel! es ist in eine Spinnanstalt umgeschaffen. „Wo wohnt der Herr?“ ruf’ ich ungeduldig aus. -- „In jenem kleinen Hause, das ein Obst- und Gemüsegarten umgiebt“ tönet die Antwort. „Und gehört meinem Urenkel denn das Alles nicht mehr, was ich einst mein nannte?“ „O nein, das hat sich mit der Zeit wohl unter hundert verschiedene Besitzer vertheilt. Wie könnte Einer so viel haben und Freiheit und Gleichheit bestehen!“ --
Reiches, frisches Grün schmücket den Park. Das Grün ist ein Sinnbild der Hoffnung, die erst mit dem Leben scheidet. Das Grün der Haine des Parks war ein Sinnbild, ein Unterpfand der fröhlichen Hoffnung auf seine Erhaltung.“ --
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Wiederum nahte der liebliche Frühling der heimathlichen Lausitz, und das fröhliche Osterfest kam heran. Doch schüchterner als sonst öffnete sich das Auge des Baumes, dem Lenze entgegen zu schauen, langsamer schwoll die Knospe, es säumte das Reis in seinem Wuchse, und es zögerte das Jahr, neue, herrliche Parkbilder zu zeichnen. Wie Furcht und bange Erwartung, welche freudige Gefühle des Herzens fesselt, war es allenthalben in der erstehenden Natur. Der Würfel fiel. Muskau wurde verkauft. An des Lenzes Grenze verließ 1845 der Fürst seiner Väter Schloß, seine Herrschaft, seinen herrlichen Park. -- So muß oft der Mensch von dem, was er geschaffen, grade da scheiden, wo es ihm einen neuen Genuß, eine reiche Freude nach vielen Mühen gewähren soll! Düsteres Gewölk trübte den Himmel und verhüllte dem Scheidenden an der Grenze seiner Herrschaft den Blick nach rückwärts. Dort waren die Räume seiner Kindheit, die Stätten hoher Freuden, dort waren die Fluren, in deren Verherrlichung und Verklärung ihm ein reiches, immer neues Glück geworden war. -- Doch zu dem Scheidenden gesellte sich eine Freundin -- die Erinnerung. Frei von allem Mangelhaften, dem Loose des Irdischen, herrlich verklärt führt sie die Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft hinein; die Welt, die uns einst umgab, in der wir wirkten und schafften, der wir das Gepräge unseres Geistes und Herzens gaben, ist wiederum so ganz unsere eigene geworden -- sie ist in unserm Innern und dort schöner als je.
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Von den Grafen Hatzfeld und Nostitz ging die Standesherrschaft, welche in dem Laufe der Jahrhunderte auch den Kaisern Ferdinand I. und Rudolph II., sowie dem Markgrafen zu Brandenburg-Anspach, Georg Friedrich, gehört hatte, bald über an Wilhelm Friedrich Karl, Prinzen der Niederlande, Gemahl der Prinzessin Louise Auguste Wilhelmine Amalie, der Tochter der unvergeßlichen Königin von Preußen, Louise. -- Die Acquisitation der Standesherrschaft durch einen Prinzen aus dem glorreichen, hochherzigen Hause Nassau-Oranien ist eine That, welche Muskau zu hohem Segen gereichte, sie ist aber auch eine That, gethan aus Liebe zu der Schönheit der Natur, zum Schutze der Kunst, des Idealen gegen den Materialismus und die Prosa der Zeit.
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Das Jahr hatte bereits die Hälfte seiner Bahn zurückgelegt und die Fülle seiner Pracht und seines Schmuckes ausgetheilt. Im Juni 1846 kam der königliche Prinz in seine neue Standesherrschaft und den 19. August hielt er mit seiner hohen Familie seinen feierlichen Einzug in dieselbe. Wohl waltete da allenthalben hohe festliche Freude; aber es war, als theilte sie mitfühlend des Parks herrliches Revier. Reicher breiteten sich die grünen, blumigten Teppiche der Wiesen aus; feierlicher erhoben sich die Hallen der Haine; wie zur Huldigung traten aus der Tiefe des schönen Ganzen die lieblichen Gruppen hervor; ein Urbild aus dem Reiche des Schönen, geschaut einst in heiliger Osternacht, verwirklicht durch den fürstlichen Meister, grüßte innigst seinen neuen, königlichen Herrn. Und wie geheimes Wehen erging in feierlicher Stunde aus der verklärten Natur ein Wort an den, dem sie in ihrer Schönheit huldigte, das Wort: Gestatte mir, o Herr dieser Fluren, mir, der es nicht vergönnt ist, sich selbst zu schauen, daß ich in deinem Auge mich spiegle! Laß mich dir werden eine Quelle stiller, reiner Freuden! Schütze und schirme mich in meinem Weben und Schaffen nach den Gesetzen der Schönheit bis in die ferneste Zeit hinaus! Wie jeder Lenz mir frisches Grün bringt, so spende dir jedes Jahr hohes Lebensglück, und meiner tausendjährigen Eichen majestätische Pracht sei eine Weissagung auf deines Hauses immer währende Herrlichkeit! --
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Auch die Natur ist ein Buch der Offenbarung unseres Gottes. Seine Ehre verkündet der Blume Farben-Pracht, der Wiese frisches Grün, Baumes fröhliches Wachsen, und hoch in Andacht und Freude schlägt des Christen Herz, wenn er in dieser wunderbaren, herrlichen Schrift liest. In der verklärten Natur, welche das lausitzer Muskau umgiebt, tritt ein altes, heiliges Wort des Lobes und Preises und Dankes in unsere Seele: „Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen -- auch auf dieser Flur!“ Ps. 8, 1.
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