Sagen und Bilder aus Muskau und dem Park

Part 7

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Dem Standesherrn Johann Alexander von Callenberg, dessen erste Ehe kinderlos blieb, wurden in zweiter Ehe mit Rahel Louise Henriette, Reichsgräfin von Werthern, vier Kinder geboren. Georg Alexander Heinrich Herrmann, der Erbe der Herrschaft, vermählte sich mit einer Tochter der _Provençe_, der Gräfin ~de la Tour du Pin~, der allzufrüh heimgegangenen Mutter der Clementine Kunigunde Charlotte Olympia Louise und des Johann Alexander August Herrmann, bei dessen Geburt sie starb. Sein jüngerer Bruder Curt Heinrich, geboren den 8. April 1749, wurde Pfalz-Zweibrückischer Kammerherr, Obristlieutenant bei der Reichsarmee, oberrheinischer Kreis-General-Adjutant und ist 1817 den 27. Januar in der Gruft seiner Väter beigesetzt. Von den beiden Schwestern vermählte sich die jüngere, Ursula Margaretha Constantia Louise früher als die ältere, den 10. Januar 1772 mit dem Freiherrn Wilhelm Christoph Diede zum Fürstenstein, dem Letzten dieses alten Geschlechts. Er war Herr zu Fürstenstein, Wellingerode, Radewitzhausen, Immichenhain, Ziegenberg u. s. w., Ritter des Ordens vom Danebrog, Commandeur des K. Ordens St. Josèph, Königl. Dänischer Kammerherr und Gesandter am K. Großbritann. Hofe, der Kaiserl. und des H. R. Reiches Burg zu Friedberg Regiments-Burgmann und der Löbl. freien Reichs-Ritterschaft Mittel-Rheinischen Cantons wohl erbetener Ritter-Rath. Die ältere Schwester Henriette Louise, geboren den 11. Februar 1745, wurde den 24. Juni 1774 die Gemahlin des Reichshofrathes Karl Christian, Grafen und Edlen Herrn zur Lippe. Als sie am 10. September ihre alte Heimath verließ, um von Muskau gen Wien zu ziehen, begleiteten sie Tausende von Segenswünschen und manche Thräne des Dankes floß diesem menschenfreundlichen, edlen, frommen, erhabenen Charakter. Den 19. Februar 1799 ist sie zu Regensburg gestorben. Ihr Gatte suchte Trost in dem unersetzlichen Verluste, indem er ihre Lebensbeschreibung aufzeichnete, welche herrliche Blicke in ein echt christliches, edles, in Prüfungen bewährtes Herz thun läßt. --

Dieser ältesten Tochter des Standesherrn war es vergönnt, die treue, sorgsame Pflegerin ihres Vaters im hohen Alter zu sein, während die andern Geschwister ihr Lebensweg in die Ferne geführt hatte. Für die Standesherrschaft war damals eine prüfungsvolle Zeit. Feuersbrünste hatten viele Wohnungen zerstört, und am 2. April 1766 war auch die Stadt mit ihren Kirchen verwüstet und eingeäschert worden. Nach den Lasten des Krieges kamen die schrecklichen Hungersjahre 1771 und 72. Es gab allenthalben zu helfen, und die Herrschaft hat manches Opfer gebracht. Auch die gräfliche Familie hatten harte Schläge getroffen. Die Gemahlin des Grafen Herrmann war nach kurzem Glücke gestorben. Die Comtesse Louise wurde die treue Fürsorgerin für die zwei mutterlosen Waisen; aber der unerbittliche Tod entriß ihren Armen das eine der geliebten Kinder, den kleinen Grafen Herrmann. -- Fern von dem Vater weilten seine übrigen Kinder; aber es kam ein Tag, der sie alle, auch die zweite Tochter und deren Gemahl, die aus dem fernen London herbeigeeilt waren, zum fröhlichen Wiedersehen im Vaterhause vereinen sollte, den 15. November 1773. Gar sinnig waren die Feierlichkeiten, welche die Schwester zur Verherrlichung jenes Tages angeordnet hatte.

Auf der Hügelkette jenseit der Neiße, der alten Bergkirche gegenüber, ist einer der höchsten Punkte des Parks. Dort war ein Pavillon in Form einer Octogone aufgeführt worden. Das niedliche, tempelartige Gebäude schien ganz aus Tannenzapfen zu bestehen. Aus Tannenzapfen waren die Wandleuchter, die Kronleuchter, der Kamin, das altarähnliche Postament, aber am kunstvollsten waren die Verzierungen der Wände im Innern; denn aus größern und kleinern Tannenzapfen, welche von Moos und grünen Fichtenreisern durchwebt waren, hatte man wie in Mosaikarbeit mannigfache, niedliche Gruppen an einander gereiht. -- Von hier aus, von den Fenstern des Pavillons, wollte die Gräfin vereint mit ihren Geschwistern auf die Fluren schauen, auf welchen sie der Kindheit schöne Tage verlebt hatten, auf das Neißthal, Schloß und Stadt. Wohl trübte dichtes Schneegewölk den anfänglich so heitern Himmel des Novembertages; aber jenen glücklichen Menschen strahlte hell die Sonne des freudigen Wiedersehns. Als sich die Herrschaften, begleitet von der Frau Gräfin von Lüttichau und deren Gemahle, dem Zapfenhäuschen näherten, ertönte in dem Thale ein Choral, und Hunderte von Fackeln vertrieben die allzufrüh hereinbrechende Nacht. Die damals fünfjährige Clementine empfing die Eintretenden mit einem Gedichte, welches sie von dem Postamente herab mit einer Freimüthigkeit und geniengleichen Anmuth vortrug, die das Erbe ihrer geistreichen, schönen Mutter war.

Da stand nun der greise Standesherr in silberweißem Haare inmitten seiner geliebten Kinder. Außerhalb des Pavillons fielen, wie Myriaden von Sternchen, die Schneeflocken zur Erde, und der Sturm löschte die Fackeln aus. Dunkel deckte die heimathliche Flur und unter der Herrschaft des Winters war sie erstarret; aber wie Blumen des Lenzes blühten in dem Herzen der Versammelten herrliche Erinnerungen auf. Es war eine jener Stunden in einem Familienleben gekommen, wo der Freude, des Wiedersehens Macht den höchsten Lebensgenuß bringt, wo die Lippe schweigt, aber das Auge thränt und in dem Herzen das Wort ist: „Herr, wir sind zu geringe aller der Treue und Barmherzigkeit, die du auch an uns gethan hast!“ -- Jener Punkt der Berge ist seitdem der Familie immerdar eine heilige Stätte gewesen. Oft hat ihn in der Erinnerung an seine Lieben der greise Standesherr erstiegen, dem nur noch wenige Jahre seines Lebens zugemessen waren, oft sein Sohn, oft dessen Tochter, die Erbin Muskaus. Der Zahn der Zeit hat bald an einem Gebäude genagt, welches nur für einen seligen Augenblick errichtet war. Mannigfache Gestalten bis zu seiner jetzigen hat seitdem der Pavillon angenommen. Als sich dort der selige Archidiakonus Langner des aus seiner Asche wieder emporsteigenden Muskaus, besonders seiner wendischen Kirche freute, stand auf jenem Berge ein massives Häuschen s. das Gedicht in d. actenmäß. Berichte &c. S. 49. --

Gleich als sorgte die Natur für die Stätten, welche Menschen einst heilig waren, verbürgt diesem Punkte der Berge die herrliche Fernsicht, die er besonders in den Frühstunden gewährt, eine Auszeichnung vor allen andern. Im Süden sind Felder und Wiesen mit herrlichen, alten Eichen. Sie werden vom Walde umschlossen, hinter welchem am fernen Horizonte die blauen Häupter der Berge, die Landeskrone, Tafelfichte u. a. emportauchen. Im Nordwesten lagert sich unermeßliches Waldgrün über das Flachland, aus welchem sich hie und da einige Hügel mit Fichten bewachsen erheben. Hinter uns wird der Blick durch den Wald wie durch eine Mauer gehalten. Jenseit der Neiße aber sind die Bergabhänge, an welche sich die Stadt lehnt, die Schluchten, das Bad, die Bergkirche, das Plateau des Dorfes Berg. Doch am lohnendsten ist der Blick in das Neißthal. Da ziehet die Neiße durch des Parkes Haine; da sind Baumgruppen aufgethürmt, eine lieblicher, als die andere. Zwischen ihnen tauchen die Gebäude des freundlichen Städtchens hervor, die deutsche und wendische Kirche, das Rathhaus u. a. In den Vordergrund des reichen Panoramas tritt das Schloß mit seinen Thürmen. Die dort weilten, die längst entschlafen, feierten einst auf dieser anmuthigen Höhe des Parks eine Stunde frohen Wiedersehens, und einen eigenen Reiz hat des Hügels Gipfel wegen seiner herrlichen Fernsicht, eine Bedeutung in der Geschichte der Familie der Reichsgrafen von Callenberg, denen Jahrhunderte die Standesherrschaft gehörte.

_Anmerk._ Der Freiherr v. Diede st. 1807 als der Letzte seines Geschlechtes. Vergl. über diese Familie Justi’s hessische Denkwürdigkeiten II. 240-254. Die Höhe des Zapfenhäuschens erhebt sich 452′ über den Spiegel der Nordsee. In dem Werke des Fürsten „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ heißt es: „Auf diesem Punkte steht jetzt ein halbverfallener Pavillon, und befand sich in ganz alten Zeiten, der Sage nach, ein Schloß oder Wartthurm, von dem auch noch einige Rudera zertrümmerter Mauern und Keller übrig sind, wie man deren auch in dem nahen Walde von Keula findet.“ Das Zapfenhäuschen, diese der Familie so liebe Stätte, ist später zu dem Geburtstage der Standesherrin, am 9. November 1781 von deren Gemahl, Herrmann v. Callenberg, in andrer Form und reicherem Schmucke erneut worden.

XXI. Sonst und Jetzt.

Muskau mit seinen Umgebungen hat sich im Laufe der Zeit sehr verändert. Die vorzüglichsten dieser Veränderungen und Umgestaltungen sollen zeigen, wie das Sonst dem Jetzt gewichen.

Wahrscheinlich ist der Ort gleich anfänglich im Neißthale und zwar von Slaven erbaut worden. Darauf führet der Name, welcher derselben Wurzel entsprossen ist, wie der der alten heiligen Hauptstadt Rußlands. Die Slaven berücksichtigten bei ihren Ortsbenennungen hauptsächlich das Terrain. So wurde die an einem sumpfigen, moorigen Landstriche, an einem Muzk, gegründete Ansiedlung Muzkow genannt. Weil aber die Wenden Muskau Mužakow nennen, so hat sich die Meinung verbreitet, daß der Name von dem ungewöhnlichen Augmentativ Mužak d. h. ein großer Mann, herkomme, welche zu der Sage Veranlassung gegeben hat, daß einst um Muskau ein Heldenvolk gewohnt und gegen die Feinde des deutschen Reichs tapfer gestritten habe, s. Langner S. 11. Eine historische Fiction ist das Referat A. Hoßmanns, daß sich um 300 n. Chr. ein römischer Feldoberst Muskau mit seinen Mannen hier niedergelassen und die Stadt erbaut habe.

Die Deutschen errichteten hier, wie anderwärts, eine Burgwarte, welche zunächst dazu bestimmt war, ihre Herrschaft über den Gau zu befestigen und die wohl auch später zur Schutzwehr in den Fehden, vielleicht auch als Feste gegen die Feinde des Reiches gedient hat. In der Nähe des also geschützten Ortes mochten sich Viele ansiedeln, und so mag die Neustadt und die Schmelze entstanden sein. Wo aber das Schloß ursprünglich gestanden hat, läßt sich nicht bestimmen. -- Wenn Langner S. 12 behauptet, Muskau sei einst viel größer gewesen und habe sich 1½ Stunde weit über den Berg bis Keula hingezogen, so ist dies wohl ebenso eine Dichtung, wie die Angabe Hoßmanns, daß der Ort durch Heinrich I. Stadtrechte und die herrlichsten Privilegien erhalten habe. Muskau ist erst den 29. September 1452 von Wenceslaus von Bieberstein mit Stadtgerechtigkeit begnadet worden. Verz. oberl. Urk. I, 2. S. 69. Gleichwohl mochte sich schon früher unter der Obhut tüchtiger Herren der Gegend, unter den Herren von Ileburg, Kittlitz, Penzig, ein kräftiges Gemeindewesen entwickelt haben. Deshalb konnte Hoßmann dichten, daß ein Probst von Muskau Folgendes an einen Markgrafen von Oesterreich geschrieben habe: „In diesem Städtlein wird die Religion mit sonderbarer Andacht auf die Nachkommen gepflanzet und täglich mit Ernst geübt. Die Bürger allhier trachten nicht nach Ehren, sondern nach dem gemeinen Nutzen, und wird von der Obrigkeit den Armen, wie den Reichen Schutz gehalten, und ist in unserm Städtlein kein heimlicher Haß bei den Menschen zu finden; man hütet sich auch allhier vor kindischen Rathsherrn, sondern trachtet nach ehrbaren Personen &c.“ -- Nach dem astrologischen Aberglauben des Mittelalters standen die Orte unter dem Einflusse gewisser Sternbilder. Ueber Muskau sollen der Mercur und die Jungfrau ihre Macht ausgeübt haben, was Hoßmann auch gar nicht zweifelhaft findet, denn die Bewohner der Stadt haben sich von je her durch ihre Geschicklichkeit ausgezeichnet; auch ist ihnen eine jungfräuliche Schamhaftigkeit eigen gewesen; dazu haben sie feine ~ingenia~ besessen, wie sich ja auch Viele in Künsten und Wissenschaften hervorgethan haben. -- Nach dem Chronisten ist also Muskau und seine Umgegend nie ein Böotien der Lausitz gewesen. --

Wie die Herren von Bieberstein, sorgten später die Herren von Schönaich für die Stadt. -- Fabian von Schönaich, derselbe, welcher in der Schlacht bei Mühlberg am 24. April 1547 den Herzog Ernst von Braunschweig-Lüneburg gefangen nahm, ließ 1564 die 1502 aus Zimmerholz in der Leschzina, nicht weit von der Neißbrücke, erbaute Kapelle abbrechen und auf dem neuen Kirchhofe vorm Thore am Wege nach Forst wieder aufsetzen. Dieser Kirchhof ist zuvor des alten Paul Tharin Acker gewesen und 1550 eingeweiht worden. Die hölzernen Wände des Kirchleins wichen 1595 soliden Mauern, seinen jetzigen, und 1662 bekam es ein neues Sparrwerk. In der Begräbnißkirche wurden 1812 die typhuskranken Franzosen untergebracht; 1855 ließ sie der jetzige Standesherr zu einer Zierde der Stadt und des Parkes renoviren. Auf Fabians von Schönaich Anordnung wurde auch 1555 die Bergkirche im Innern renovirt, deren Dach den 23. Nov. 1660 durch einen fürchterlichen Orkan abgerissen wurde. 1555 fing man auch an die Neugasse aufzuführen. In demselben Jahre hat auch Fabian v. Schönaich „die Mühle auf der Neiße“ bauen lassen; 1603 ist diese Mühle aufs Neue gebaut worden, 1666 abermals vom Grund aus durch den Landvoigt, 1785 ist sie wiederum erneuert worden, und 1787, wie öfters, das Wehr bei derselben. 1556 hat Fabian v. Schönaich die Papiermühle auf der Stelle aufführen lassen, wo die Niedermühle gestanden hatte. Die andere Papiermühle bei Podrosche an der Neiße war von dem Burggrafen K. Christoph zu Dohna 1612 erbaut worden. -- Durch die Burggrafen zu Dohna wurde der Stadt die schöne, neue deutsche Kirche, welche den 19. Mai 1622 eingeweiht ward. -- Von dem, was der Landvoigt von Callenberg für die Stadt gethan hat, sagt Crusius Anm. z. V. 169 „Wer Muskau vor etwa 20 Jahren gesehen, wie es durch den Krieg und Brand zugerichtet gewesen, und sieht es jetzo, wie es, Gott Lob! wieder -- ob zwar nicht prächtig -- angebaut und bewohnet ist, der wird traun bekennen müssen, daß S. Hoch-Freiherrl. Gnaden diesen Ort, ja die ganze Herrschaft, trefflich gebessert haben“. In dem dreißigjährigen Kriege hatte Muskau viel gelitten. Im September 1631 lag der kaiserliche General-Feldmarschall von Teuffenbach mit seinem Corps in der Herrschaft, und die Dörfer Weißkeissel, Neudorf, Werdig, Gablenz und Mühlrose gingen in Flammen auf; 1632 starben in der Stadt allein 367 Personen; 1633 den 8., 11. u. 12. Octbr. plünderten die Kroaten und mißhandelten die Bewohner der Stadt; den 26., 27. u. 28. Octbr. stand Wallenstein mit seiner Armee in der Herrschaft; 1634 den 24. Sept. wurde die Stadt in Brand gesteckt. Am ärgsten wurde die Herrschaft 1637 von dem kaiserlichen und kursächsischen Kriegsvolke vom 2.-18. Mai geplündert. Damals war auch der fürchterliche Waldbrand. 1639 kam eine große Theurung, und Muskau ist in jenen Zeiten schwer heimgesucht worden. -- Die Zahl der Bürger hatte im Kriege bedeutend abgenommen. Callenberg nahm viele Fremde, besonders aber die, welche unter ihm gefochten hatten, in die Stadt auf. So berief er auch 1646 den ~M.~ J. Stöckerus, welcher 1630 Feldprediger bei der sächsischen Armee war und dann resignirte, von Eisleben als Pastor und Inspector nach Muskau, einen um die Kirchen der Herrschaft hochverdienten Mann. Von der Weisheit und dem Ernste der Verordnungen des Landvoigts zeigt u. A. seine Polizei-Ordnung ~d. a.~ 1647. -- Damals hob sich besonders das Alaunwerk, die Töpferei und Brauerei. Das Muskauer Bier war von vorzüglicher Güte und sehr gesucht. Crusius Anm. z. V. 199 sagt: „Das hiesige Bier ist an Farbe weißlicht, an Geschmack lieblich, giebt gute subtile Spiritus und mehret die naturlich Wärme und ist gesund und nähret wohl.“ In V. 70 heißt es:

„Man pflegt schon manche Zeit ein Sprüchwort hie zu sagen: Das Schloß, die neue Kirch’ und dann das weiße Bier, Das sind -- und ist gewiß -- o Muskau, deine Zier.“ --

Das Schloß wurde den 7. April 1643, am Osterdienstage, von den Schweden in Brand gesteckt, so daß es zum Steinhaufen ward. Durch den Landvoigt war es so prächtig restaurirt worden, daß Crusius V. 105 sagt:

„Und wenn ich Alles noch im Schlosse sollt’ erzählen, An Worten würd’ es mir eh’ als an Sachen fehlen, Die werth zu sehen sind.“ --

Die Decken der Zimmer waren von welscher Künstler Hand durch historische Plafonds geziert; auch zeigte das Schloß: „Wie hoch die Bildekunst im schweren Gypse steigt“. Schöne Stuckatur-Arbeit schmückt auch die deutsche Kirche, s. Crusius Anm. z. V. 555. -- In einem der Thürme des Schlosses war die Wasserkunst. Das Wasser wurde vom Berge durch das Thal bis in eine Grotte in dem obersten Gemache des Thurmes durch verborgene Röhren geleitet.

„Da spritzt und rieselt es und stürmet hin und wieder, Bald hie, bald da, bald dort, durch unterschiedne Glieder Der Wasserweiberlein, der Kinder und der Thier, Bald rauschet anderswo ein neuer Strom herfür, Daß, wer zugegen ist, nicht anders wird vermeinen, Als ob an solchem Ort könnt’ keine Sonne scheinen, Bis daß der trübe Sturm und Regen sei vorbei; Und dieser Wasserguß, der wird auf mancherlei, Und unterschiedne Art vom Meister nach Belieben -- Der sich verborgen hält -- geleitet und getrieben. Da sind viel Seegewächs’ und Muscheln schön versetzt, Daran sich sonderlich des Menschen Aug’ ergötzt.“

Ehe der Landvoigt das zerstörte Schloß wieder aufbaute, ließ er 1646 die deutsche Kirche in- und auswendig renoviren, das Ziegeldach ergänzen und den Thurm zieren. Folgendes Distichon an der Kirche oben unterm Dach, nach der Neustadt zu, pries diese Verbesserung des Gotteshauses:

~Extra quod fulget dat Callenbergicus heros~; ~Lucis at interius spiritus acta probat~.

Die Zier von außen giebt der Held von Callenberg; Inwendig aber prüft der Geist des Lichtes Werk.

Das Obertheil des Thurmes war anfänglich von Holz, mit Ziegeln ausgesetzt; 1646 wurde es gemauert und der mit Dachziegeln belegte Schurz wich „einem luftigen Umgange.“ Nach dem Brande 1766 erhielt der Thurm seine jetzige Gestalt. Das goldene Kreuz desselben hat die selige Frau Fürstin Pückler errichten lassen, als ihr Gemahl glücklich von seinen weiten Reisen im Oriente zurückgekehrt war. Obwohl schon auf dem Rathhausthurme eine Schlaguhr war, hat doch der Landvoigt 1646 auch für den Kirchthurm eine solche weit größere verfertigen lassen mit zwei Seigerglocken unter der Haube und drei großen, schönen Spurtafeln -- gemalt von Gottfried Ulrich zu Görlitz. --

Muskau ist oft von zwei Elementen verheert worden, vom Feuer und Wasser. Die Neiße in ihrem starken Falle schwillt bisweilen in dem engen Thale zu einer beträchtlichen Höhe an. Den 15. Juni 1804 um Mitternacht ergossen sich ihre Fluthen urplötzlich über das ganze Neißthal. Felder und Wiesen wurden übersandet, es ertrank viel Vieh, und selbst die Brücke vor dem Amthause ward zertrümmert. Hie und da hatten sich Menschen, von den Fluthen überrascht, auf Bäume gerettet, und der Fluß wühlte Löcher zwölf Ellen tief. -- 1703 den 2. u. 3. Aug. ward das Wasser so groß, daß Einige fürchteten, es käme eine zweite Sündfluth. Andere verheerende Ueberschwemmungen waren: den 12. Juli u. 30. März 1613, den 14. Jan. 1611, den 18. Aug. 1595, den 5. Juli 1593, besonders 1583, Montag nach Palmarum. Starke Dämme wehren jetzt dem Elemente, wenn es sich empört. Die Schleuse unweit der Brücke ist 1856 aus Stein aufgeführt worden.

Mehr noch als durch die Fluthen hat Muskau durch die Flammen gelitten. In der waldreichen Gegend mochte man das Holz bei Bauten nicht gespart haben. 1532 am Ostermontage brannte das ganze Städtlein nieder, 1598 am Sonntage Exaudi 16 Scheunen beim Kirchhofe. Das Feuer am 30. Mai 1603 zerstörte 50 Häuser und 20 Scheunen. 1634 den 24. Sept. wurde von den Soldaten in einem Gehöfte am Markte Feuer angelegt, welches die Stadt bis nahe an die neue Kirche sammt Pfarr- und Schulgebäuden und der wendischen Kirche vernichtete. Am 1. Advent 1686 rief Feuerlärm die Gemeinde aus dem Gotteshause, und es sanken wieder 27 Häuser, die wendische Kirche und die Schulen in Asche. -- Der fürchterlichste Brand war am 2. April 1766. Die Flammen brachen in einem Hause vor dem Schmelzthore aus. Der Wind trieb sie der innern Stadt zu. Bald war Muskau mit seinen öffentlichen und Privatgebäuden ein Schutt- und Aschen-Haufen. Die meisten, jetzigen Häuser Muskaus sind bald nach jenem Brande gebaut worden. Daß aber der Ort ein so nettes, freundliches Städtchen geworden ist, ist ein Verdienst der Grafen Johann und Herrmann von Callenberg. Sie standen den Bürgern mit Rath und That bei. Lang. S. 52. Den Abgebrannten wurde die kurfürstliche Baubegnadigung, nach welcher jeder, der nach dem Reglement baute, 15 Thlr. auf’s Hundert vergütet bekam. Herrmann von Callenberg hat selbst sieben ganz neue Häuser erbauen lassen. Lang. S. 20.

Es giebt ein Bild, welches Muskau vor dem Brande, im Jahre 1742 darstellt. Die Stadt ist von einem Punkte jenseit der Neiße, unweit der Brücke aufgenommen. Schritt man über jene Brücke, so stieß man zunächst auf die Neißschenke. Zwischen dem Wege von da nach der Stadt und der Straße, welche von dem Amtshause her nach der Neißmühle führte, dehnten sich Wiesen und Aecker aus. Ueber der Stadt und einigen Terassengärten der Bürger präsentirte sich das Dorf Berg auf dem Höhenzuge mit der alten Kapelle und dem herrschaftlichen Vorwerke, welches jetzt auf ein Gebäude reduzirt ist. Eins der größten Häuser der Neustadt war die Forstmeister-Wohnung. Das Schießhaus mit seiner Schußlinie in den Schluchten war damals am Ende der Schmelze. Es wurde später auf einer Anhöhe auf der nordwestlichen Seite der Stadt aufgeführt und nachdem es daselbst vom Feuer zerstört worden war, hat es unter dem jetzigen Herrn der Herrschaft seine gegenwärtige Gestaltung erhalten, in welcher es, von den Höhen jenseit der Neiße gesehen, in seiner Laubholz-Umgebung ein freundliches Bild gewährt. Der Thurm hat auf jenem Bilde der Stadt im Jahre 1742 noch sein Obertheil mit Haube und Spitze. Die Superintendentur brannte 1634, dann 1766 nieder und war 1775 wieder aufgeführt; das Archidiaconat, dessen Baukosten sich auf 1200 Thlr. beliefen, konnte erst 1803 vollendet werden. Die Schule stand einst seitwärts der Kaplanei. 1785 kaufte die Bürgerschaft ein Paar von der Herrschaft am Kirchhofe auf dem Burglehn erbaute Häuser und richtete dieselben zur Schule und Wohnung des Rectors und Kantors ein. Die wendische oder St. Andreas-Kirche ist öfters ab- und ausgebrannt. 1754 hatte sie der Graf Johann Alexander von Callenberg auf ihrem alten Grunde wieder aufführen lassen. Nach dem Brande 1766 sollte das neue Gotteshaus nach dem Willen Herrmanns von Callenberg, des Erbauers desselben, dem Rathhause gegenüber zu stehen kommen; aber die Wenden wollten nicht weichen von der alten Stätte ihres Tempels. Den 4. April 1781 wurde der Grundstein der Kirche gelegt, und am 27. November 1788 wurde sie feierlich eingeweiht. Der Riß des Gebäudes so wie des Frontons mit seinen vier dorischen Säulen ist von dem Grafen selbst entworfen worden, und das C. im sächsischen Rautenkranze der Kuppel erinnert an den, dessen Freude der Bau dieser Kirche war und der in ihr ruht. Das Rathhaus wurde 1556 gebaut. Erst den 29. September 1826 war es nach dem Brande wieder hergestellt. An diesem Tage Morgens 6 Uhr schlug die Uhr auf dem Thurme desselben zum ersten Male, und alsbald tönte der Choral: Nun danket Alle Gott &c. Eine Erinnerung an ein eingegangenes, einst blühendes Gewerk war das Gewandhaus neben dem Rathhause. Lang. S. 21. Die Thore der Stadt, das Köbelner und das Schmelzthor, sind verschwunden. In der Mitte des Marktes war nach dem Brande eine Barriere, an welcher Kastanienbäume standen. -- 1799 zählte Muskau 191 Häuser, unter welchen 12 Burglehnhäuser und 96 brauberechtigte waren, und 1330 Einwohner, meist evangelische; s. Merkel Erdbeschreibung von Kursachsen VI., 74. Nach der statistischen Tabelle von 1856 hat der Ort 248 Wohnhäuser und über 2300 Einwohner. --