Rudolph Von Habsburg Ein Heldengedicht In Zwolf Gesangen Johann

Chapter 8

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Doch schon nahete Stahrenberg, im feurigen Vorschritt Zügelnd das Roß, und rief dem Gegner, lächelnd, entgegen: »Erst so beweglich, und nun säumst du den Kampf zu beginnen?« »Nein, ich säume nicht!« sprach alsbald der Zürnende, wähnend: Jener zeihe der Feigheit ihn. Er ahnte nicht, wer ihm Also empörte die Brust durch dunkle Gebilde der Rachgier. Trotzig schloß er den Helm; ließ sinken den Speer in der Rechten; Gab dem Rosse den Sporn, und flog dem Ritter entgegen, Der nicht müßig geharrt: denn sieh', jetzt trafen die beiden Sich inmitten des Plans, an dem Schilde die Speere zu brechen, Wie es der Turnbahn Sitte geboth, und trefflich erzielte Stahrenberg den Gewinn: sein Speer zerbrach an dem Turnschild Wallsteins, den ein glänzender Stern erhellete, krachend; Schlug auch den Stern entzwei, und zerstob in unzählige Trümmer! Aber nicht so sein Gegenpart. Von stachelnder Rachgier Glühend, nahm er das Abseh'n hoch nach dem Helm', und er stieß ihm Solchen vom Haupt mit festnachstürmender Rechten, daß alsbald Ihm an dem Kinn der Riemen zerriß, und im Sande der Helm hin Kollerte. Zornerfüllt gewahrten die älteren Ritter Wallsteins Frevelthat, und murreten. Aber dem Turnvogt Schien gleichmäßig des Kampfes Gewinn: weil jener den Schild ihm, Schmetternd, zerbrach, und dieser den Helm von dem Haupt ihm gehoben. Stille herrscht' umher; kein Beifall krönte die Kämpen. Stahrenberg ritt eilig zurück; doch zögerte Wallstein Noch auf dem Plan, und sah von neuem mit höhnendem Ingrimm Nach der Lug empor, wo Hartmann im glänzenden Harnisch, Lieben Geschwistern vereint, sich fand an der Seite des Kaisers. Ihn verhöhnet' er frech, und begann mit stachelnden Worten: »Kühlere Lüftchen umweh'n dich dort; hier fühlt es sich heißer: Komm, und versuch's! Der Jugend Kraft zu erproben, ist rühmlich.« Stöhnend vor edelem Zorn erhob sich der Jüngling, und forschte Einen Augenblick in dem Antlitz des herrschenden Vaters. Aber er saß in erschütternder Hoheit dort in der Mitte Seiner Erwählten, und sah, verstummend, hinab auf den Ritter. Jenem genug: er sprang die Stufen herunter, und warf sich Schnell auf das wiehernde Roß, das draußen der Knappe gehalten; Faßte, zitternd vor Hast, den Speer, und flog auf die Turnbahn.

Doch schon hatte zuvor von dem trugverblendeten Wallstein Sich Drahomira gewendet, und hing mit flammenden Blicken Ueber Ottgars Haupt. Er war's, der heute des Nachtgrau'ns Farbe zur Rüstung sich wählt', als jene, voll höllischer Arglist, Ihn zu dem Kampf hertrieb: nur Jammer zu schaffen, entschlossen. Wie auf dem trüglichen Netz die giftige Spinne dahinfährt, Wo die Beute sich fing, und diese mit klebrigen Fäden Dicht umstrickt, daß kein' Errettung mehr von dem Tod ist: Also ließ sie nicht ab von dem unglückseligen Herrscher, Deß', sonst edele, Heldenbrust in wilder Empörung Schrecklicher Ehrsucht gohr, und allein nach Rache sich sehnte. Siehe, wie zween geschweifte Kometen am nächtlichen Himmel Glüh'n, und in blutiger Kriegeszeit den zagenden Völkern Dräu'n Pest, Hungersnoth, und Theurung: also erglühten Jetzt Drahomira's zur Wuth empörete Blicke; sie hauchte Ottgars horchendem Ohr den seelenverderbenden Rath ein: »Pfeilschnell naht, und entfliehet das Glück: d'rum hasch' es im Flug jetzt, Eh' es auf immer entweicht, und nicht wiederkehret dem Trägen: Tritt mit Hartmann du in den Kampf; dir weiche dein Liebling Wallstein. Thöricht vergaß der waffenbeschauende Turnvogt Deine zu prüfen: du führst verderbliche. Schleudre den Jüngling Erst in den Staub; dann wende dich, nah' ist der Kaiser, durchbohr' ihm Kühn die verräth'rische Brust, und entflieh'. Dein schreckliches Reitroß Trägt dich schnell aus umdrängender Noth: denn höllische Macht tobt Ihm in den Adern. Auf, und räche dich jetzt an dem Gegner.«

Wild aufbäumte sich Ottgars Rapp', als jene gesprochen; Scharrt' in dem Sand, und schnob, und drehte sich, wüthend, im Halbkreis': Denn sie erregte das Thier durch Gaukelgebilde der Hölle. Heimlicher Schauder ergriff das Volk und die edelen Ritter. Ottgars Aug' umdüsterte Nacht: gleich Meeresorkanen, Wühlten in seiner Brust die Empfindungen streitender Rachgier, Ehre, und Pflicht. Doch jetzt besann er sich; sprengte den Rappen Ueber die Schranken, und rief dem kampfbeginnenden Helden Laut, im Brausen des nahenden Sturms und Donnergewitters: »Wallstein, halt! Zieh' hin zu dem Schrankenthor', und vergönne Mir in des Kampfs Entscheidung den Sieg. Kunegunde geboth mir Sie zu rächen, und dich an dem schmähungliebenden Buben Deß', der Kaiser sich nennt des heiligen, römischen Reiches.« Wallstein eilte zurück; doch Hartmann rief ihm entgegen: »Ha, du lügst! Nie hat mein Mund Kunegunden, noch jenen, Der so frech sich erweis't, so unritterlich handelt, geschmähet, Weder heimlich, noch offenbar: das sollst du mir büßen.« Rief's, und senkte den Speer, nicht erwägend, daß solchen der Knappe, Nicht zum Kampf auf Leben und Tod -- nur zum rühmlichen Scheinkampf Ihm darreichte zuvor, in drängender Hast und Verwirrung. Zwar erhob den Stab und die herrschende Stimme der Turnvogt; Zwar abmahnten vom Streit die Grieswart' dieß und auch jenseits; Aber sie achteten's nicht. Von dem lautaufheulenden Sturmwind Ward verschlungen ihr Ruf, und die rachebefeuerten Gegner Bringt zur Ruhe kein Stab jetzt mehr, noch zu klarer Besinnung. Aber schon war, voll sorglicher Hast, dem erhabenen Kaiser Marbod genaht. Nicht entging dem liebenden Geist Drahomira's Unheilschwangerer Blick, die, beiden: dem Kaiser und Böhmens Könige, Tod und Verderben sann, und in wilder Verwirrung Leichen auf Leichen gehäuft, der Hölle zur frevelnden Lust, sah. Jetzt umfaßt' er ihn heiß, und rief im Geistergelispel: »Auf, und ziehe dein blinkendes Schwert, zur Wehre dich stellend! Dir droht Mord und Verrath, und deinem Sohne Verderben Von dem Fremdlinge. Horch, und verschmähe des Warnenden Rath nicht!« Alsbald hob, von dem Geist erregt, der gewaltige Herrscher Von dem Stuhle sich auf; entblößte das Eisen, und eilte Schnell die Treppe herab auf die Plane, den theuern Erzeugten Gegen die Wuth des rascheindringenden Gegners zu schirmen, Der so frech verhöhnte den Ruf des heiligen Gastrechts.

Jetzo sporneten, laut mit Geschrei, die erbitterten Helden Gegen einander die Ross' auf dem Plan; doch, brausenden Fluges, Trieb in dem Augenblick das entsetzliche Donnergewitter Näher, und stäubte den Sand in wirbelnden Säulen vom Grund auf. Blitz auf Blitz, und Schlag auf Schlag urplötzlichen Donners Flammt', und krachte herab aus dem finsteren Schooße der Wolken, Die, gewitterschwer, tiefhangend, zum Boden gesunken, Jetzo des Mittags Hell' in Nacht verwandelten ringsum. Angst ergriff das versammelte Volk. Dem Schreckensgedanken Bebte das Herz, als sey der Tag' allletzter gekommen. Wie, und dennoch ruhten die zween erbitterten Gegner Von dem Kampfe noch nicht? Sie sprengten die Läufer im Flug fort. Jetzo, wo Ottgars Speer mit tödlicher Spitze dem Turnschild, Harnisch, und Herzen zugleich des harmloskämpfenden Hartmann Nahete, fuhr ein Blitz, an der Breite dem stürzenden Waldstrom Aehnlich, zwischen die beiden herab, und entsetzlicher Donner Rollte, betäubenden Schlags, erschütternd ringsum die Gegend, Plötzlich ihm nach; doch Marbod sprang urschnell in den Blitz hin. Sein entrüsteter Blick entflammte sich hell, und er schreckte Hartmanns wildanstürmendes Roß vor dem Rosse des Gegners. Bäumend hob es sich auf: da drang ihm der Speer so gewaltig Ein in die Brust, daß der Schaft, erkrachend, sich bog, und entzwei brach. Stöhnend sank das Roß auf den Rücken. Der Reiter entzog ihm Schnell das Bein, und stand, ergriffen von inniger Wehmuth: Schauend sein treues Thier, das jetzt mit den vorderen Hufen, Jetzt mit den hinteren scharrt' in dem Sand -- dann todt, und erstarrt lag.

Ottgar saß, geblendet vom Blitz', und schnaubend vor Ingrimm Ob des gebrochenen Speers. Er hörte den schrecklichen Donner, Hörte die lärmenden Ritter nicht mehr, die, empört von dem Frevel, Naheten; doch er sann im schnellhinschwindenden Zeitraum Eines Augenblicks. Drahomira empörte zur Wuth ihn, Als der Kaiser zur Rettung des Sohns in Eile dahersprang; Aber umsonst: denn stolz- und tapfergesinnet war Ottgar; Feig ihm dünkte der Mord. Er riß von der Rechten den Handschuh, Warf ihn entgegen dem Feind', entblößte das Eisen, und rief ihm: »Rudolph, heb' ihn nur auf: denn es biethet auf Tod und auf Leben Ottgar, zitt're vor ihm, dir Fehde für jetzt, und für immer! Nichts von Frieden darum, und nichts von der Kinder Verlobung: Rach' allein ist die Losung hinfort: das soll ich dir kund thun!« Rief's, und gab dem Rosse den Sporn. Die Schranken hinüber Trug es ihn fort im Sprung; dann, sausend, im Donnergaloppe Weiter und weiter hinaus auf der staubenden Straße nach Stillfried, Und ihm sprengte sein Ehrengefolg' im eiligen Flug nach. Aber in wilder Verwirrung schrie'n, und entstürzten die ander'n Rings den Sitzen, und floh'n durch Sturm und Gewitter voll Angst heim.

Fünfter Gesang.

Schüttelnd die triefenden Schwingen, erhob nach unendlichem Regen Sich der Abendwind, und warf von dem rauschenden Hochwald Und dem ersäuselnden Hain' gewichtige Tropfen zum Boden. Trauernd senkten den lastenden Kelch in dem Felde die Blumen Noch, und das blinkende Gras bewegte sich langsam und schwer nur. Kein Gesang der Vögel erscholl; nur fern in dem Sumpfrohr Quackte der Frosch, und die finstere Luft durchkrächzten die Raben: Denn noch deckte Gewölk des Himmels Bogen; der Donner Rollte noch fort, und der leuchtende Blitzstrahl fuhr noch im Süden Flatternd umher: als droht' er entsetzlicher wiederzukehren. Da gelangte, von Wuth und gährender Rache getrieben, Ottgar heim vor das Lagerzelt, und schwang sich vom Sattel Hastig herab. Ihm kam der Kunring, Leutold, entgegen, Der mit Schmerzen daheim sein harrete. Jetzo begann er: »Wahrlich, du kommst ersehnt, und glühender noch, als am Abend Unsers mit Blut gefertigten Bund's: an dem Kaiser -- an Rudolph, Rache zu üben -- an ihm, der nach den geheiligten Rechten Altehrwürdiger Ritterzeit im empörenden Hochmuth Greift mit gewaffneter Hand; der Deutschlands Edeln der Knechtschaft Fesseln beut, da er schon gar viele der Vesten zu Boden Schmettert', und allen ein Gleiches droht: daß nimmer die Freien Uebten ihr Recht an dem Volk, dem niedriggebornen, nach Willkühr. Nicht so wurden wir einst lehnpflichtig dem König. Der Leh'nsherr Rang um sein Eigen im Feld; sein ist's, was dort ihm zu Theil ward -- König auch er: ihm huldigt zur Frohne der Hold und der Sasse. Wie, mir würd' es verwehrt zu erbauen die Burg auf dem Felsen, Der aus dunkelem Wald' aufragt, und zum schwindelnden Abgrund, Senkrecht bis zu dem Wildbach hin die Wände hinabsenkt, Unnahbar dem Feind? Nicht sollt' ich dort von den Zinnen, Oder des Wartthurms Höh'n mit herrschendem Blick in des Abends Goldenem Schein' erforschen die Gau'n: ob, lauernd, der Gegner Nahe den Thalweg her? Nicht sein, des ohnmächtigen, spotten, Der, mit blutigen Köpfen zurück von der Veste gewiesen, Schamroth flieht? Nicht von ihr zum Kampf mit den Reisigen auszieh'n, Kennend der Mauern Gefüg', und in selben geschirmt nach dem Heimzug? Rechte nur immerhin der Unfreie mit mir, daß ich, Freier, Niederwerfe nach Lust auf der Straße den wandernden Kaufmann, Der, ein Bürger der Stadt, dem Juden zugleich und dem Wechsler Treuverbündet, mein Volk betriegt, deß' Habe doch mein ist? Nur in der Ritterburg, der Wieg' erhebender Thatkraft, Heldensinnes, und Muths wohnt auch das häusliche Glück noch. Wenn ich schaue die Hausfrau dort, wie sie schaltet mit Sanftmuth Ueber das rohe Gesind', und die züchtigen Töchter, den Rosen Gleich aufblühend, erwerben die Huld und die Würde der Mutter; Wenn ich vom Fenster hinab an des Hofraums rasigem Abhang Ringen sehe den Sohn mit den Knappen: wie diesem den Bart er, Lachend, zerrauft, und den anderen schlägt mit den winzigen Fäustchen, So vorübend die Kraft auf die herrlichsten Jahre des Lebens: Nicht für die goldene Kron' eintauscht' ich die goldene Freiheit. Sieh', auch der Sänger spricht dort ein, und läßt in dem Hofraum, Nachtumhüllt, gar mild ertönen die lieblichen Saiten, Eh' er beginnet sein Lied; doch sitzen wir bald in des Saales Schimmerndem Licht um ihn her, und horchen den zaub'rischen Tönen Von der Minne Leiden und Glück; von den Wundergeschichten Grauender Heldenzeit, und den Thaten gewaltiger Ahnen So, daß in wonniger Lust, wie im Flug', uns die Stunden entschwinden! Ha, und dessen gedenkt der Habsburg uns zu berauben? Künftig sollen wir feig, erschlafft, und völlig verweichlicht, Wohnen in dumpfiger Stadt, und der Ritterehre vergessend, Höflingen gleich, uns bücken vor ihm? Doch, König, verzeihe, Wenn vor dir nicht Gefälliges spricht ein wackerer Deutscher! Wie habt ihr turneit? Ward Habsburgs Löwe gebändigt? Hast du Rache geübt? -- denn Schreckliches kündet dein Aug' an.« Sagt' es, erstaunt; doch Ottgar sah mit den flammenden Augen Ihn noch schrecklicher an, und rief: »Ja, Rache geübet Offen vor allem Volk! Wohl sagt' ein höllischer Geist mir Heimlich in's Ohr: »Durchbohr' ihn!« doch mich dünkt' es zu niedrig: Morden! Ein Leichtes war's, auf dem Plan das blinkende Schwert ihm In die verräth'rische Brust -- er zitterte! heute zu tauchen; Doch nur in offener Schlacht, das Aug' auf das Auge geheftet, Soll er mir steh'n, und, fallend, im Staub' aushauchen das Leben.« Vor, aus seinem Gefolg trat Milota jetzt, und begann so: »König, verzeih': er zitterte nicht! Dich täuschte der Rachgier Seelenverwirrende Gluth. Wohl staunt' ich, als er so muthvoll Dir entgegen trat auf dem Plan: du sporntest den Rappen Weise davon. Gut war's: nicht wehrlos falle der Gegner, Tapferen Herzens, dem tapferen Mann; das hast du erwogen: Selber beut sich ja oft nur klügeren Seelen das Glück an.« Sprach so, kaum bekämpfend die Wuth, die ihm heimlich des Herzens Tiefen zerriß, und er lächelte nur. Doch jener zernagte, Schweigend, die Lippen vor Zorn: denn Spott verriethen die Augen Milota's. Jetzt entblößt' er das Schwert, und flehte zum Himmel: »Ewiger, der du schirmst das Recht, und bestrafest das Unrecht; Auch in der Vorzeit oft in die Hände der Führer des Volkes Gabst dein Rächerschwert, zu vertilgen Israels Gegner, Höre mein Fleh'n, und laß' mich jetzt vergelten im Vollmaß Dem, der, frevelnd an mir, verletzte die Treu' und die Wahrheit, Mich beschimpfend vor allem Volk, da er laut es gebilligt: Heimlich im Zelt sollt' ich ihm huldigen -- schändlicher Trug war's! Mich verachtet das Volk seitdem, und die jammernde Mutter Meiner Erzeugten weis't die unschuldigen Opfer des Truges Mir, im verzweifelnden Schmerz. O, gib mir den Sieg in dem Kampf jetzt!« »Ihr,« so rief er den Feldherrn laut, »erhebet die Banner Eurer geordneten Schar! Wir ziehen noch heute nach Thalsbrunn: Dort von dem Weidenbach g'en Wien zu dringen, entschlossen.«

Jene gehorchten sogleich, und gebothen dem Heere den Aufbruch. All' die geordneten Reihen hinab ertönte das Rufen Tausender: »Auf! In den Kampf! Wir geh'n den Feinden entgegen.« Trommeln rasselten dumpf, und das Schmettern eh'rner Drometen Scholl aus dem Waffen-Geklirr mit dem Wiehern unbändiger Rosse. Bald schwand rings die wandernde Stadt der Gezelt' aus den Fluren, Und die unendliche Wagenburg nachfolgte der Heer'smacht Langsamen Schritts, von dem Lastvieh fort auf der Straße gezogen. Siehe, in drei Heersäulen ging des gewaltigen Königs Furchtbare Macht jetzt vor! Er hemmte sein Roß an dem Heerweg; Sah die Tausende zieh'n, und heischte von Diesem und Jenem, Schnelleren Gang mit erhobener, oft schrittweisender Rechten. Lobkowitz führt' in dem Vorderzug die böhmischen Reiter; Mährens Volk, das muthig zu Fuß anstürmt in der Feldschlacht, Milota, der in der Mitt' einher vor den Reussen, den Meißnern, Und den Thüringern zog. Doch Czernin lenkt' in dem Nachzug Sachsens reisiges Volk, dem rasch die Mannen der Kunring', Und die Bayern zugleich voreileten, fröhlichen Muthes. Als das geordnete Heer aufbrach, da schloß mit Gefolg auch Ottgar sich, hinbrütend, ihm an. Der tapfere Wallstein Ritt ihm zur Seit' -- auch er versunken in düstere Schwermuth: Denn nicht brachte der Tag ihm Gewinn; nicht die schönere Hoffnung Blüht' ihm darum, weil er sie dem Gegner entriß auf der Turnbahn. Ach, sie stand ihm zu hoch, des Königs Erzeugte! Nicht wagt' er, Ihm zu eröffnen das Herz, obgleich er liebend an ihm hing.

Jetzo schwand das hüg'lige Matz zur Rechten, und Angerns Weidenreiches Gefild zur Linken dem Heere vorüber. Ottgars Blick hing starr an der March, die rauschend hinunter, G'en Marcheck und Kressenbrunn die dunkelen Fluthen Wälzte. Der herrlichen Zeit errungenen Ruhmes gedacht' er Jetzo mit pochender Brust, und sprach zu dem sinnenden Jüngling: »Eilt nicht der Strom, wie die Zeit, in ewigwechselndem Lauf fort? Bald erglänzt er im sonnigen Licht, bald wogt er im Sturmhauch, Trübaufschäumend, umher: sein voriger Reiz ist entschwunden. Siehe, wie düster die March jetzt fließt, und wie herrlich erschien sie Dort an dem Tage von Kressenbrunn,[1] wo im Siegesgefild mir Ungerns Macht erlag, die Bela, der tapfere König, Zahllos, wie der Heuschrecken Heer', uns entgegengeführt hat! Jenem Siegestag zur Erinnerung gründet' ich dankbar Dann Marcheck, die blühende Stadt, am Gestade des Flusses. Ha, dort scholl mir die Stimme des Glücks in dem Sieges-Gefild noch, Und ich folgt' ihr beherzt! Vielleicht erschallt sie mir nimmer. So ist des Menschen Geschick, des sterblichen, hier auf des Lebens Pilgerpfad' empor zu schießen, voll üppigen Wuchses; Doch gestellt ist das Maß, und er schrumpft dann wieder zusammen, Wie die thürmend' Eich', die ihr Haupt in die Lüfte gehoben, Nun zu Moder zerfällt: die, ach, Jahrhunderten trotzte, Liegt in dem Staub! So schreiten auch Reich' und gewaltige Völker Plötzlich wieder zurück von den kaum errungenen Höhen, Und mir ahnet es fast, ich hab' sie errungen: zum Abend Neigt sich mein Strahlengestirn, und bald versinkt es in Nachtgrau'n.« »Das sey ferne,« so rief den schwärmerischtrüben Gedanken Sich entreißend mit Macht, der feurige Jüngling, »das Dunkel Kennt dein Glücksgestirn nicht mehr: erst jetzo beginne Solches den schöneren Lauf zu des Ruhms hellleuchtender Sonne! Fällt der Kaiser besiegt, und das soll er! dann ist die Welt dir Unterthan. Wie dort nach dem herrlichen Sieg' im Triumphzug Du hinführtest dein Volk an Italiens Gränze:[2] so winkt jetzt, Ueber sie hin dein Siegespfad. Weltherrschend, eröffnet Roma dir die Thor', und erblickt die Krone der Kaiser Schimmernd auf deinem Haupt, die Carol der Große getragen. Stark bist du, und noch stärker, so dir ein tapferer Eidam -- Doch nicht aus Rudolphs Stamm, den du geziemend verschmähtest, Sich in dem Schlachtfeld eint, als Gatte der himmlischen Hedwig!«