Rudolph Von Habsburg Ein Heldengedicht In Zwolf Gesangen Johann

Chapter 22

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_Wiener-Neustadt_ -- erhielt den Titel der _Allzeit Getreuen_ schon von Herzog Friedrich dem Streitbaren, wie es aus einer ihr im Jahr 1242 ertheilten Privilegien-Urkunde erhellet. Kaiser Leopold I. schenkte ihr im J. 1708 eine Fahne mit der Aufschrift: +Semper fidelis civitas Neostadiensis -- pro Caesare et Religione+ -- wie solches nebst andern historisch merkwürdigen Seltenheiten in dem Rathhaus-Archive daselbst zu ersehen ist.

[10] Vers 410.

Ein Meisterwerk der gothischen Baukunst, das alle Fremden durch seinen majestätischen Umfang in Erstaunen setzte, das sogenannte Dormitorium, oder Schlafhaus zu Lilienfeld, welches ursprünglich den Klosterbrüdern zur gemeinschaftlichen Wohn- und Schlafstätte diente, als noch, außer dem Chorgebeth, das Ausräuten und Urbarmachen der Wildniß umher ihr hauptsächliches Geschäft war, ging durch den großen Brand (13. September 1810) völlig zu Grunde, so daß keine Spur mehr von seiner Herrlichkeit übrig blieb.

[11] Vers 478.

Der _Lasingfall_, in den Lilienfelder Gebirgen, ist seit dem Jahr 1815, wo ihn der Verfasser des gegenwärtigen Gedichts, als damaliger Stiftsvorsteher, zugänglich, und dadurch erst bekannt machte, der Gegenstand der Aufmerksamkeit der Reisenden, die ihn jährlich in großer Anzahl besuchen. Seine Schönheit übertrifft jede Vorstellung. Die Felsenschlucht, durch welche sich die Lasing herabstürzt, hat drei Hauptabsätze, die nach Wiener Maß:

a = 107 Fuß b = 40 » 8" c = 123 » 2" ------------- 270 ' 10"

senkrechte Höhe, und

a = 145 Fuß 2" b = 126 » 7" c = 123 » 4" ------------- 395 ' 1"

horizontale Länge des Wasserfalls bewirken. Auch das Felsenthal am Fuß des Oetschers, durch welches sie sich ergießt, gewährt einen ergreifenden Anblick.

Dritter Gesang.

[1] Vers 3.

_Marbod_, +Marobodus+, wie ihn Tacitus nennt, König der Marcomannen, eines schwäbischen Stammes (Mark-Mannen, Hüther der Gränze, oder wie Andere wollen: _Marich_-Mannen, Roßtummler, von dem alten deutschen Wort _Marich_, Stute, Mähre, +equa+), lebte gleichzeitig mit Herman dem Cherusker. Entschlossen, sich in einer entfernteren Stellung den Römern furchtbar zu machen, sammelte er ein Heer von mehr denn siebenzig tausend Mann, zog immer weiter an der Donau herab, und nachdem er den _Catualda_ (Gothwald oder Katwald), einen Anführer der Gothen, aus dem Lande der Bojen, dem heutigen Böhmen, verjagt hatte, gründete er dort den Sitz eines neuen Reichs, das sich von der äußersten Spitze der Ostmark, und der Gränze Pannoniens, bis an das Riesengebirge hin erstreckte. _Inguiomar_ (wahrscheinlich Hinkmar), der Ohm Hermans, der zu ihm flüchtete, verwickelte ihn in einen heftigen Streit mit seinem gewaltigen Neffen, und als nach einer unentschiedenen blutigen Feldschlacht seine Krieger auf Hermans Seite traten, und Catuald mit Hülfe römischer Scharen seine Burg erstürmte, faßte er den Entschluß, sich in Roms Schutz zu begeben. Er wurde nach Ravenna verwiesen, wo er nach einem zwei und zwanzigjährigen Aufenthalt sein Leben -- das er, wie Tacitus sagt, zu sehr liebte, in unrühmlicher Abgeschiedenheit endete. Catuald hatte ein gleiches Schicksal, denn er wurde von den Römern nach Frejus in Frankreich verwiesen.

[2] Vers 16.

Das Schloß _Hainburg_ mit dem Städtchen gleiches Nahmens, an der Gränze Ungerns in Unter-Oestreich, soll, der Sage nach, von Attila, dem König der Heunen, wie die Deutschen der Vorzeit die Hunnen nannten, erbaut worden sein: daher Heunenburg, _Heunburg_, geheißen haben. Was hier von dem Umfang, und der Lage des markomannischen Reichs unter Marbod, und weiter unten Vers 25 von der durch ihn gekämpften Schlacht auf dem Marchfeld gesagt wird, gründet sich, nicht mit historischer Gewißheit, sondern in poetisch genommener scheinbarer Möglichkeit, auf folgende Stellen aus dem Werke: +Hist. opus in IV. T. divisum, quorum T. I. Germ. ant. illust. continet. Basileae 1574 ed. Tencterus+.

+Sub Martungis erant Curiones, inde Chetuari, et Parmecampi, ubi hodie pars est Austriae Cis-Danubianae juxta _Krembs, Znaem et Niclaspurg_. Inde habitabant Marcomanni; hodie regio illa Moravia est, quae se ad Sudinos extendebat, et Danubium usque, ubi hodie civitas est _Prespurgium_. -- Gessit haec gens maxima bella cum Romanis etc. etc. _Bilibaldi Birkheimeri Locor. per German. explicatio pag. 209._+

Ferner: +Nariscos Marcomannos et Quados haud dubie ea loca tenuisse putamus, ubi nunc agunt Moravi, _Merherlandt_. De Marcomannis nemo dubitare potest, qui Vellejum legerit. _Henr. Clareani in P. C. Taciti de Mor. Germ. comment._ p. 188.+

Und endlich: +Marcomanni sedes habuerunt in ea parte, quae spectat ortum versus Moraviam et Austriam. Enituit autem virtus Marcomannorum in multis asperrimis bellis, in quibus patriam adversus Romanos fortissime defenderunt etc. _Philip. Melanchtonis Vocabula Regionum et Gent. quae recens. in libello Taciti de mor. Germ._ p. 193.+

Daß aber Rudolph aus Marbods Stamm entsprossen seyn soll (siehe unten V. 48) gründet sich in besagtem Sinn auf folgende Stelle:

+Andreas Alciatus in suis annotationibus in Tacitum, etiam in Helvetiis consedisse Marcomannos quadosque putat. Exstat enim, inquit, adhuc in eis Vallis _Marcomanna_ nomine.+

+_Andreae Althameri Scholia in Cornel. Tacit. de Germ._ pag. 61+ desselben Werks.

[3] Vers 23.

_Marobudum_ hieß die Residenzstadt Marbods, des Königs der Marcomannen, die er sich in dem vormahligen Bojenheim erbaute, und die an der Stelle, wo jetzt Prag -- nach Andern -- wo jezt Budweis, gestanden haben soll.

[4] Vers 106.

Das Wapen der Grafen von Habsburg enthielt im goldenen Felde einen rothen Löwen mit einer blauen Krone auf dem Haupt.

[5] Vers 107.

Das böhmische Wapen zeigt einen weißen gekrönten Löwen im rothen Feld. Kaiser Friedrich I. ertheilte selbes, nach dem Mailänder Krieg, Uladislav II. im Jahr 1159.

[6] Vers 108.

Kaiser Friedrich II. erhob Wien im Jahr 1237 zu einer freien Reichsstadt, ertheilte ihr den doppelten Adler zum Wapen, und stiftete eine hohe Schule daselbst. S. _Lazius_. Auch diesem wird widersprochen.

[7] Vers 295.

Der schmale Donau-Arm, der, unterhalb Nußdorf von dem Hauptstrom geschieden, die Stadt Wien von der Leopoldstadt trennet, und hiermit ein großes Eyland bildet, auf welchem nebst besagter Vorstadt, auch die anmuthigsten Spaziergänge in der Brigittenau, dem Augarten und dem berühmten Prater sich befinden.

[8] Vers 308.

_Amtner_, dieses im Verlaufe des Gedichtes einigemal vorkommende Wort, bezeichnet (wie Schaff-ner, Zöll-ner u. s. w. geformt) ganz entsprechend die französische Benennung _Offizier_; wo sodann _Offizier-Corps_, durch _Amtnergilde_ gegeben werden könnte.

[9] Vers 350.

Die Kumanier (ein sarmatisches Volk), die aus ihrem Land, welches zwischen den Alpen und der Donau, gegen die Tartarei zu, lag, von den hinterhalb wohnenden Tartaren gedrängt, unter Bela IV. Jahr 1239 nach Ungern kamen, und von diesem eine große Strecke Lands zwischen der Donau und der Theyß eingeräumt erhielten, vereinigten sich dann mit den bald nachfolgenden Tataren, über Ungern die schrecklichste Verwüstung zu bringen, weßwegen sie dem Unger, der sie in seiner Sprache Kun nennt, auch nachdem jene schon abgezogen waren, noch lange verhaßt blieben. (+Bonfinii Decad. II. Lib. 8.+)

[10] Vers 358.

Dschengis Khan brachte durch die Gründung seines großen Reichs in Asien auch die europäische Tartarei, welche die Halbinsel Krimm, Beßarabien und das Land zwischen dem Dniester und Dnepr in sich faßte, in Bewegung. Seine Horden drängten die vor ihnen liegenden Kumanier, und als diese, unter ihrem König Kuthen, sich nach Ungern zurück zogen, folgten sie ihnen dahin nach, und verwüsteten unter ihren beiden Anführern, Vathos, der über Reußen, Polen und Mähren, und Kadan, der aus der Moldau hereinbrach, beinahe durch zwei Jahre das Land mit Feuer und Schwert.

[11] Vers 517.

Rudolphs Zug nach dem Gelobten-Lande; auch daß er Hofmarschalk König Ottokars gewesen (siehe weiter unten Vers 602) gehört unter die bestrittenen Ereignisse seines Lebens.

[12] Vers 581.

_Ueber das Faustrecht_ siehe Dr. Gerhards Abhandlung. Jena 1711.

[13] Vers 595.

_Fugger_ erzählt: »Auf dem Reichstag zu Nürnberg Jahr 1274 ist beschlossen worden, daß forthin alle Reichsabschiede, Freiheitsbriefe, Befehle, Verträge, letzte Willen, und dergleichen öffentliche Urkunden, nicht mehr wie zuvor, in lateinischer, sondern in deutscher Sprache sollten ausgefertigt werden, damit also die Ungelehrten, die das Latein nicht verständen, nicht ungefährt bleiben, und die bürgerlichen Geschäfte in mehrere Richtigkeit kommen möchten. Wiewohl es noch bei dem damaligen Unform der Sprache (!!) mit der deutschen Rednerei etwas hart herginge, so wäre doch diese löbliche Sorgfalt K. Rudolph ein guter Anfang, und eine kräftige Anreizung zur Ausübung unserer Muttersprache gewesen.« (_Siehe Ehrenspiegel_ S. 87.)

Vierter Gesang.

[1] Vers 58.

_Lug_, _Lueg_ im Oberdeutschen eine Warte, +Specula+, welche demnach dem französischen +Loge+ entspricht. Siehe Theuerd. Cap. 47.

[2] Vers 131.

Alles, was hier, und weiter unten von Turnier und Turniergebräuchen gesagt wird, mag in _Rüxners Turnierbuche_; in +_Du Cange dissertations sur l'histoire de St. Louis_+, und in +_Menestrier_ (Claude Franç.) _Traité des Tournois_, _Joustes_ etc. Lyon 1669. IV.+ seine Belege finden.

[3] Vers 428.

_Zawiß von Rosenberg_, der Geliebte, und nachher Gemahl der Wittwe Ottokars, Kunegunde, übte, während der Minderjährigkeit Wenzels, Herrschergewalt über Böhmen aus. Dieser, nach ihrem Tod König geworden, trug ihm tiefen Haß im Herzen, welchem zu entgehen, und sich zugleich an dem feindseligen Herrscher zu rächen, Zawiß, durch eine Heirath mit der Base des Ungernkönigs Ladislav, sich gegen ihn zu verbinden suchte. -- Doch, in dem Augenblick der Abfahrt ward er zu Prag durch List festgenommen, und nach mehr als Jahresfrist im Kerker zu Budweis enthauptet.

Fünfter Gesang.

[1] Vers 131.

Die Schlacht von Kressenbrunn (Kroissenbrunn) im Marchfeld, in welcher Ottokar über Bela IV. König der Ungern, einen entscheidenden Sieg davon trug, ereignete sich im J. 1260. Siehe die höchst anziehende Beschreibung derselben in _Hornecks Reim-Chronik_ vom 58. bis 64. Cap.

[2] Vers 153.

Nach jenem Sieg von Kroissenbrunn über die Ungern, zog Ottokar mit seinen Scharen, wie im Triumph, durch Kärnthen und Krain. Als die Böhmen an der Gränze von Italien die Steinwände von Canale ersahen, fragten sie den König: »ob Rom nahe sey? denn sie hätten öfters von ihren Vorfahren sagen gehört, daß sie durch eine solche Felsenpforte auf die Straße nach Rom gekommen seyen.« Ottokar antwortete ihnen, »Böhm' und Pole sollen sich einst hier wie zu Hause finden, denn, so er noch einige Zeit lebte, würde sich seine Gewalt noch viel weiter erstrecken.« _Horneck Reim-Chronik_ Cap. 90.

[3] Vers 162.

_Arpad_, der erste Anführer der Ungern (Magyaren), die, kommend von den Ufern des Tanais her, im neunten Jahrhundert Pannonien in Besitz nahmen, stand seinem Volk (nach +Anonym. Belae Not. 52. Cap.+) beiläufig von 889 bis 907 vor, und war der Stammvater einer Reihe von Königen, unter welchen der heil. Stephan zuerst, im J. 1000, diesen Titel annahm, bis mit Andreas III. im J. 1301 sein Stamm ausstarb. Erst Ferdinand I. hat dieses Reich auf immer mit Oestreich vereinigt, obschon dasselbe vor ihm zwei Fürsten seines Hauses, Albert II., und Ladislaus Posthumus, besaßen.

[4] Vers 358.

Das Schicksal beider fürstlichen Jünglinge, Konradins von Schwaben (Sohn Konrads IV.) und Friedrichs von Oestreich (Sohn Markgraf Hermans von Baden, und Gertrud, Tochter Heinrichs, Herzogs von Mödling) die im Jahr 1268 zu Neapel durch das Bluturtheil Carls von Anjou hingerichtet wurden, ist bekannt. Horneck beschuldigt Ottokarn an mehr denn einer Stelle, daß er, als Mitwerber um Oestreich und Steyermark, ihren Tod befördert habe. _S. Reim-Chronik_ Cap. 164.

[5] Vers 361.

Gertrud, die Mutter Friedrichs von Oestreich, ließ Ottokar, nachdem er Steyermark in seine Gewalt bekam, aus allen ihren Besitzungen, zuletzt auch aus Judenburg und Feistritz, durch den grausam gesinnten Propst von Brünn, vertreiben. Zur Nachtzeit, im Regen und Sturm, mußte sie die Reise antreten. Sie begab sich nach Meißen. (_Horneck Reim-Chronik_ Cap. 55 und 56.)

[6] Vers 364.

Ueber Margarethens, der verstoßenen Gemahlinn Ottokars, Schicksale, siehe _oben Anmerkungen zum ersten Gesange [2] zum Vers_ 68.

[7] Vers 365.

Otto, Herrn von und zu Meißau, den Stolz des östreichischen Adels, hatte Ottokar, wegen geargwohnter Anhänglichkeit für den Sohn der babenbergischen Gertrud, im Schloß Eichhorn festsetzen, und dort Jahr 1265 im Hungerthurm verbrennen lassen. (+Chron. Austral. Neob. et Leob. apud. Hieron. Pez T. I.+)

[8] Vers 366.

Der scheelsüchtige Ritter Friedrich von Pettau hatte Ottokars argwöhnisches Gemüth gegen einige seiner Mitstände in der Steyermark aufgeregt, der dann mehrere von ihnen, als: Ulrich von Lichtenstein, Hartneid von Wildon, Wülfing von Stubenberg, und Heinrich und Bernhard von Pfannberg, auf verschiedene Vesten gefangen setzen, und sie aus diesen nach einer zweijährigen Haft nicht eher entließ, bis sie ihm ihre Burgen ausgeliefert hatten. _Horneck_ Cap. 85 und 86.

[9] Vers 372.

Seyfried von Merenberg, der steyrische Ritter, versäumte dem König Ottokar, auf seinem Siegszug an der Drau mit den übrigen Herrn entgegen zu kommen, und fiel durch Einflüsterung eines bösen Menschen bei ihm in Verdacht. Er ließ ihn in der Folge heimlich greifen, und gebunden nach Prag abführen. Als er vielfältig gemartert, Gott zum Zeugen seiner Unschuld rief, und dem, nach Geständnissen einer Verschwörung in Kärnthen und Krain gierigen König, keine Lüge für Wahrheit geben wollte, wurde er durch ein Pferd zum Galgen geschleift, und dort, das Haupt zu den Füßen gebunden, aufgehenkt. Noch in der zweiten Nacht lebt' er in diesem qualvollen Zustand, bis ihm endlich einer der böhmischen Szupane die Scheitel mit einem Kolben einschlug, weil er, auf wiederholte Aufforderungen, schon halbtodt, aber standhaft, der Wahrheit getreu gewesen zu seyn betheuerte. (_Horneck_ Cap. 99.)

[10] Vers 378.

Ottokar ließ den Bruder Milota's, Beneß, Kämmerer von Mähren, dessen Tochter er geschändet haben soll, zugleich mit Otto von Meißau im Jahr 1265 in dem Hungerthurm zu Eichhorn verbrennen. Milota's Haß gegen Ottokar, und der Verrath, den er in der Marchfelder Schlacht 1278 an ihm beging, soll dadurch veranlaßt worden seyn. (Siehe _Hanthalers_ +Fast. Campil. Lib. I. Dec. VII. §. 26.+ S. 1017 und _Fuggers Ehrenspiegel_ &c. S. 104.)

Sechster Gesang.

[1] Vers 96.

_Odin_, der Gott der Götter, nach der nordischen Mythologie. (Siehe _Ryerups Wörterbuch der scandinavischen Mythologie von Sander_, Copenhagen 1817.)

[2] Vers 516.

Die Gemahlinn Rudolphs, Anna, verschied zu Wien am 23. Hornung des Jahrs 1281, von wo ihre Leiche nach Basel abgeführt, und in der Domkirche beigesetzt worden ist.

[3] Vers 538.

Daß sowohl Ottokar, als auch Rudolph schon zu ihrer Zeit eine Art Pontonsbrücke über Flüsse zu schlagen verstanden, erhellet aus _Hornecks Reim-Chronik_ Cap. 92., wo es heißt:

Chostleichen hiez er machen Von Holczwerich ein Prukken Dew waz von manigen stuckchen Chluegleichen gevalten.

und dann

Bey der Tunawstaden Do sich das Her vol gelait, Do waz dew Prukken berait Vber die Tunaw weit; Die Prukken muesten alle Zeit Wohl hundert Wegen tragen, Wo des Kunigs Helfer lagen, Da ward nach gesannt &c. &c.

In diesem 92. Capitel ist von der Einnahme des Preßburger Schlosses im letzten Krieg Ottokars gegen Ungern die Rede.

Siebenter Gesang.

[1] Vers 25.

Ueber Hainburg, und ihre vermeintliche Erbauung durch Attila, siehe oben _Anmerkungen zum dritten Gesang_[2] Vers 16.

[2] Vers 110.

Die Sage von der Burgfrau, welche grausam eitlen Sinnes das Blut der Kinder vergoß, zeigt auf die Ruinen des Schlosses * * *, an dem rechten Waag-Ufer, nicht fern von Trentschin, welches sie bewohnt hat.

[3] Vers 244.

Die Waffe, eine Art kurzer Streitkolben, von welcher hier die Rede ist nennt der Unger +Buzogány+, wo der Buchstabe +z+ wie beim italienischen +zero+ ausgesprochen wird; das +y+ verliert sich aber im Druck der Zunge an den Gaumen.

[4] Vers 309.

Die _Zips_ (Zipß), lat. +Scepusium+, eine Gespannschaft in Ober-Ungern am Fuße der höchsten Karpathen gelegen, und wohl eines der höchsten bewohnten Gebirgsthäler der östreichischen Monarchie, aus welchem nach allen Welttheilen bedeutende Flüsse sich ergießen: g'en Westen die Waag; g'en Süden die Hernath; g'en Osten die Tarza; g'en Norden die Poprad, die in dem angränzenden Polen, mit der Dunajez vereint, in die Weichsel fällt. Diese Gespannschaft zeichnet intellectuelle und landwirthschaftliche Cultur vor mancher andern Ungerns aus, so, daß viel Wohlstand sowohl in den zwei königlichen Städten Leutschau und Käßmark, als auch in den XVI. Städten, unter den munteren und fleißigen Bewohnern zu sehen ist. Der Verfasser gegenwärtigen Gedichts trennte sich schwer von diesem Ländchen, worinn ihm 1819 und 1820 eine ehrenvolle Bestimmung geworden war.

[5] Vers 312.

Ueber Katwald und _Inguiomar_ siehe oben die _Anmerkungen zum dritten Gesange_ [1] Vers 3.

[6] Vers 474.

Daß die Könige von Ungern, zur Zeit _Hornecks_ wenigstens, in der Schlacht nicht selber mitfochten, sondern von einer Anhöhe nur Zeugen derselben waren, erhellet aus Cap. 153, wo von der Marchfelder Schlacht die Rede ist:

Kunig Ladißla den jungen Sy furten von Streit dan Auf den Perikch ob dem Plan Da er wol hört und sach Alles daz, daz da geschach Auf dem Veld prait. Ez ist der Vnger Gewonhait Vnd jehent auch offenbar: Ir Kunig sey jn zu achpar Darezu, daz er schull streiten &c. &c.

Auch sagt _Haselbach_ +Chron. Austr. Lib. III. ap. Hier. Pez. T. II. Ladislao+, juvene Ungariae, cuncta de monte prospectante; nam Ungarorum mos habet, ut Rex propria persona bellum intrare non debeat.

[7] Vers 536.

Die Sitte, des Gegners Heer zum Kampf herauszufordern, und sogar von beiden Seiten dazu Tag und Ort zu bestimmen, war den alten Deutschen gemein. Ein Beispiel davon findet man auch bei _Horneck_ Cap. 60, wo Ottokar den König Bela durch Otto von Meißau zum Kampf auffordert, und bald darauf auch Bela den Gegnern sagen läßt, sie sollen sich auf eine bestimmte Strecke zurückziehen, damit die Ungern über die March setzen, sich aufstellen, und die Schlacht liefern mögen.

[8] Vers 550.

Sowohl bei Horneck, als auch bei den spätern Geschichtschreibern, wird Schörlins und seines unbändigen Rosses erwähnt, welches das erste Zeichen zur Marchfelder Schlacht gegeben habe.

Achter Gesang.

[1] Vers 31.

In der Jägersprache heißt das Bluten des verwundeten Wildes: das _Schweißen_; daher die Benennung einer Gattung der Jagdhunde.

[2] Vers 55.

_Tyr_, nach der nordischen Mythologie, der Sohn Odins, des höchsten der Götter, und ein Beschützer der muthigen Krieger, soll die einzige Gottheit der scythischen Völker gewesen seyn, die ohne Zweifel unter einem andern Nahmen bei ihnen in Verehrung stand. Bei seinem Scheiden von der Erde soll er sein Schwert in die Erde vergraben haben, welches erst später Attila auffand.

[3] Vers 386.

Vor der Schlacht sollen Einige aus dem östreichischen Heere den König Ottokar, aus alter Anhänglichkeit, schriftlich vor Untreue der Seinigen gewarnt haben; da nun auch die Meißner und Thüringer heimlich aus dem Lager abzogen, so habe er sich wehrlos in die Mitte seiner Feldherrn gestellt, und sie aufgefordert, ihm die Brust zu durchbohren, ehe noch viele Tausende auf dem Schlachtfelde gefallen seyn würden. (Siehe _Hanthaler_ +Fast. Camp. T. I. Pars II. Dec. VIII. §. 80.+ +Arenpeckii Chron. Austr. ad An. 1278+.)

[4] Vers 428.

Heinrich I. der _Städte-Erbauer_, hat ungefähr im J. 930 die Stadt, und das Schloß Meißen an der Elbe erbaut, und ihr von dem Flüßchen, das sie eben dort aufnimmt, und Meiße heißt, den Nahmen gegeben.

[5] Vers 459.

Constanzia, Tochter des babenbergischen Leopold des _Glorreichen_, war die Gemahlinn Markgrafs Heinrich von Meißen, des Sieghaften, die ihm die beiden Söhne Dietrich und Albrecht gebar. Einen von diesen beiden verlangten die Stände von Oestreich, nach dem Erlöschen des babenbergischen Stammes, und der kurzen Regierung Hermanns von Baden, zu ihrem Herrscher, und fertigten von Tuln, wo sie ihre Versammlung hielten, Gesandte nach Meißen ab, die hernach der König von Böhmen unterwegs aufgehalten, von der Fortsetzung der Reise abgebracht, und sich durch Hindeutung auf eine Heirath mit der verwittweten Herrscherinn Margareth den Weg zur Erwerbung von Oestreich und der Steyermark eröffnet hat.

[6] Vers 473.

Daß die Meißner und Thüringer vor der Schlacht heimlich aus dem Lager Ottokars abgezogen seyen, ist geschichtlich. (S. oben _Anmerkung_ [3] zum 386 Vers.) Die Ursache dieses Abzugs ist unbekannt.

Neunter Gesang.

[1] Vers 71.

Die Krieger, gewöhnlich leichte Reiterei, die vor einem feindlichen Heere daherzieh'n, heißen in der bestehenden Kriegssprache: +Eclaireurs+.

[2] Vers 436.

_Venezia_. Ueber die merkwürdige Eroberung Constantinopels im Jahr 1202 (also 76 Jahre vor der Marchfelder Schlacht) durch vorzügliche Mitwirkung des 90jährigen Greises, Heinrich Dandolo, Doge von Venedig, siehe Raumers Geschichte der Hohenstaufen III. B. und Daru's Histoire de Venise I. Der Sänger Rudolphs von Habsburg wollte hier, jener herrlichen Stadt, der einstigen Königinn des adriatischen Meeres, deren Andenken ihm auf immer theuer bleiben wird, dankbar erwähnen.

[3] Vers 600.

_Al-rune_. _Runen, Runenschrift_, ein den alten Germanen und Scandinaviern eigenes Alphabet, nach welchem im nördlichen Deutschland noch einige Denksteine beschrieben gefunden werden. Wahrscheinlich hatten sie selbes von den Phönikern erhalten, und was sich davon hie und da auf verwittertem Gestein vorfand, diente in späterer Zeit zu manchen vorgeblich zauberischen Künsten, das Schicksal der Menschen von den Nornen, den Schicksalsgöttinnen, zu erfragen. Diese drei schönen Jungfrauen, heben sich stets aus Mimers Brunn, der himmlischen Quelle, herauf bei welcher die Götter Rath halten, und ihre Urtheile offenbaren, und heißen: Urda, Werandi, Skulda: _Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft_. (_Ryerups scandinav. Mythol._ &c.)

Zehnter Gesang.

[1] Vers 35.

_Rheinau_, +Augia major+, ein kleines Städtchen zwischen Schaffhausen und Eglisau, wo eine Brücke über den Rhein führt. Dort befand sich vormals ein reiches Benedictiner-Stift, das Funtan der Heilige, aus dem königlichen Geblüt Schottlands, erbaut haben soll, da er aus höherer Eingebung einen Platz dazu suchen mußte, wo der Rhein _nach Osten_ fließt, und solcher an dieser Stelle allein gefunden wird. +Stumpf. Schw. Chron. p. 360.+

[2] Vers 84.

_Hartmann_, der jüngste der Söhne Rudolphs, ertrank, mit noch andern dreizehn Jünglingen, adeligen Geschlechts, am 20. Dezember des Jahrs 1280, im achtzehnten seines Alters, als er mit selben den Rhein hinabfuhr, und das Schiff bei Rheinau von dem Grundeis umgestürzt wurde. -- Seine Leiche ward nach Basel geführt, und im dortigen Münster begraben.

[3] Vers 138.

_Woldan_ hieß ein Raubritt, den öfters der oberste Anführer eines im Krieg begriffenen Volks, mit einer Schar Freiwilliger, in dem Lande des Feindes, Beute zu holen, unternahm. Bei der Belagerung Peterlingens forderte Rudolph sein Volk zu einem solchen Woldan auf; er streifte bis gen Lausanne, und es heißt da;

Si namen da so viel Daz Ich fürwar sagen wil, Daz in langer Zeit Nahent, noch weit, Nie wart geritten noch gethan Ain so schedleicher Woldan.

(Horneck R. Chr. C. 319.)

[4] Vers 140.